Mit gesenktem Kopf ging aus Carlisles Büro und machte mich auf den Weg in mein Zimmer.

Ich hab mir nicht mal die Mühe gemacht, darüber nachzudenken, das Carlisle "Dein" Zimmer gesagt hat. Es war ja eigendlich Edward´s Zimmer.

Als ich das Zimmer betrat, warf ich mich aufs Bett und vergrub mein Gesicht in den Kissen. Ich habe mich noch nie so geschämt. Was hatte ich mir bloß dabei gedacht? Ich war so fixiert darauf, es Edward heim zu zahlen, so das ich völlig den Verstand verlor. Ich kann nicht glauben, das ich so kindisch gehandelt habe. Was wird Edward von mir denken, wenn er es erfährt? Ich hab seine Liebe gar nicht verdient.

Wie ein Häufchen Elend lag ich einige Minuten da, bis ich mich aufsetzte und ein paar Atemzüge nahm, um mich zu beruhigen. Ich steckte wirklich in der Scheiße. Carlisle war total angepisst.

Ich zuckte zusammen, als ich mich daran erinnerte, wie er meine Verstöße aufzählte. Es klang wirklich schrecklich, als er mir diese so offen darlegte. Ich hatte vorher noch nie Ärger. Weder mit Renee noch mit Charlie. Noch nicht mal, als ich nach Volterra abgehauen bin. Das war ja für eine gute Sache, aber das wussten Renee und Charlie ja nicht.

Ich stöhnte laut, vor Frustration und Verzweiflung. Ich bereite den Cullen´s nur Ärger. Ich hatte niemanden von ihnen verdient. Weder Edward, noch Carlisle und Esme, noch Alice oder einer von der anderen. Was muss Carlisle nur von mir denken? Ich war so begeistert und berührt, als er sagte das ich seine Tochter bin. Ich bin mir aber sicher, nach den gestrigen Stunts die ich abgeliefert hatte, würde er sich das ganze nochmal überlegen.

Deshalb hat er mich wahrscheinlich ins Zimmer geschickt. Er überlegt jetzt wie er mir am besten sagen kann, das ich kein Teil mehr dieser Familie bin.

Ich begann bei diesen Gedanken wieder zu schluckzen. Nein sagte ich mir. Ich will es für Carlisle nicht schlimmer machen, als es überhaupt schon ist. Ich werde stark sein und ich danke ihm für alles was er für mich getan hat.

Ich versuchte mich gedanklich zu stärken, als ich ein Klopfen an der Tür hörte. Ich verspürte den intensiven Drang, aus dem Fenster zu springen. Schnell nahm ich einen tiefen Atemzug und flüsterte ein ruhiges "Herein"

Die Tür öffnete sich schnell und Carlisle trat mit einem strengen Gesichtsausdruck herein, strenger als je zuvor. Sein Gesicht war eine leere Maske, so dass ich keine Ahnung hatte, was er dachte. Jetzt gehts los, dachte ich während ich mit den Tränen kämpfte. Ich spürte die Intensität seines Blickes, aber ich weigerte mich aufzublicken. Wenn ich in ansehen würde, könnte ich mich nicht beherrschen und würde mich an ihn klammern und ihn um Vergebung bitten.

"Bella ich habe mit Esme gesprochen und wir haben vereinbart" begann er zu sagen, worauf ich prompt mein Gesicht in den Händen vergrub und in Tränen ausbrach.

"E-s tut mir s-oo leid. B-itte hass mich nicht" schluchzte ich.

"Dich hassen?" fragte Carlisle erstaunt, bevor er mich in seine Arme zog.

"Bella Schätzchen, ich könnte dich nie hassen" erklärte er mit Nachdruck " Du bist mein kleines Mädchen Bella und ich werde dich immer lieben. Egal was kommt. Wie kommst du auf so eine lächerliche Idee?" fragte er verblüfft.

Nach seinen Worten begann ich noch mehr zu weinen und vergrub mein Gesicht in seinem Hemd. Carlisle streichelte mir mit einer Hand über den Rücken und mit der anderen streichelte er sanft meinen Hinterkopf.

Schließlich beruhigte ich mich ein wenig und löste mich aus Carlisle´s Umarmung, um mir das Gesicht abzuwischen.

Carlisle verschwand für zwei Sekunden und kam dann mit Taschentüchern und einem Glas Wasser wieder zu mir. Mein Herz glühte bei dieser Väterlichen Geste und ich konnte mir ein Lächeln nicht mehr verkneifen.

Dieses Lächeln schien meinen Vater noch mehr zu verwirren. Er setzte sich nicht neben mir aufs Bett sondern kniete sich vor mich und sah mir konzentriert in die Augen.

"Besser?" fragte er. Ich nickte ihm zu.

"Warum denkst du, ich würde dich hassen?" fragte er, während er mir liebevoll eine Haarsträhne hinter mein linkes Ohr steckte.

Ich errötete vor Verlegenheit "Ich weiß nicht" murmelte ich leise, während mich Carlisle immer noch intensiv ansah und mir ein kleines Lächeln zur Ermutigung zu warf.

"Ich dachte, weil ich ich deiner Familie so viel Ärger mache. W-illst duu mich nicht mehr" beendete ich unter Tränen.

"Oh Bella" sagte mein Vater etwas genervt, bevor er einige meiner rebellischen Tränen wegwischte "Schau mir in die Augen"

Langsam hob ich den Kopf, bevor ich in seine goldenen Augen blickte. Sie glänzten voller Liebe für mich.

"Du bist genauso ein Teil dieser Familie. Genau wie Esme, Edward oder Alice" erklärte er mit Nachdruck.

"Warum denkst du das ich dich jemals hassen könnte? Ich habe dir vorher schon gesagt, du bist mehr als nur Edward´s Freundin, Du bist meine Tochter. Du bist Emmett´s und Jasper´s kleine Schwester. Du bist Alice´s kleine Schwester und beste Freundin. Und ob du es glaubst oder nicht, Rosalie sieht dich auch als ihre kleine Schwester. Wir sind deine Familie und wir werden immer an deiner Seite sein. Nichts wird das jemals ändern." beendete er liebevoll.

Mein Herz klopfte nachdem ich diese Worte hörte. Ich wollte nichts mehr, als in die Arme meines Vaters springen, aber ein Zweifel hielt mich zurück.

"Aber du hast mich verlassen" ich wollte ihn nicht beschuldigen "Woher weiß ich, das du es nicht wieder tust?" fragte ich verzweifelt.

Carlisle´s Augen verdunkelten sich und Verzweiflung erfüllte sein Gesicht. Sofort bereute ich meine Frage.

Ich wollte den Mund aufmachen, um mich zu entschuldigen, als Carlisle den Kopf schüttelte und sagte "Du musst dich nicht entschuldigen, wenn du mir sagst was du denkst"

Dann nahm er meine Hände in seine und schaute mir nochmal in die Augen " Ich weiß meine Worte können den Schmerz nicht lindern, den wir dir zugefügt haben, nachdem wir dich verlassen haben. Es tut mir schrecklich leid, was passiert ist. Ich bin der Vater, ich hätte Edward stoppen sollen, oder ich hätte dafür sorgen sollen, das wir noch Kontakt zu dir gehabt hätten. Ich werde mir das nie verzeihen" Er wollte weitersprechen, als ich "STOP" rief.

Er schwieg und sah mich schuldig an "Hör auf dich selbst zu beschuldigen" sagte ich ernst

"Ich wollte nicht anklagend klingen. Ich verzeihe dir. Ich wollte nur sicher gehen, das ihr mich nicht wieder verlassen werdet. Ich könnte es nicht ertragen, wenn ihr wieder geht" beendete ich leise.

Carlisle sah mich wieder mit seinem fesselnden Blick an und antwortete "Isabella Marie Swan ich verspreche dir, das wir dich nie wieder verlassen werden. Ob du willst oder nicht, du bist ein Teil von uns" sagte er mit einem Lächeln.

Ich gab meinem Verlangen nach, warf mich in seine Arme und drückte ihn so fest ich konnte mit all meiner Kraft. Er erwiderte meine Umarmung und gab mir einen sanften Kuss auf die Stirn. Wir blieben für einige Minuten so stehen, bevor er sich von mir wegdrückte.

Er legte seinen Finger unter mein Kinn und hob meinen Kopf an, damit ich ihn ansah "Nichts was du tust, wird mich dazu bringen, dich zu hassen. Du kannst noch so viel Unfug anstellen. Ich werde dich niemals hassen. sagte er ernst "Aber das soll jetzt nicht heißen, das du ungestraft Mist bauen kannst" scherzte er während ich wieder rot wurde.

"Nun" sagte er "Kommen wir zu dem etwas schwierigeren Thema. Ich habe deine Mutter angerufen und sie über die Situation informiert" erklärte er, bevor ich ihn unterbrach.

"Du hast es ihr erzählt?" rief ich vorwurfsvoll "Verdammt" Esme ist bestimmt total sauer.

Carlisle hob eine Augenbraue "Achte bitte auf deinen Ton Bella" sagte er warnend "Natürlich habe ich es ihr gesagt. Sie ist meine Frau. Wir haben keine Geheimnisse voreinander. Sie ist deine Mutter. Sie hat ein Recht darauf zu erfahren, was du angestellt hast"

Ich seufzte und murmelte " Ist sie böse auf mich?"

Carlisle schüttelte mit dem Kopf "Sie ist nicht böse dich. Sie ist nur enttäuscht, wenn sie daran denkt, was alles hätte passieren können"

Ich nickte traurig.

"Sie sagte" fuhr Carlisle fort "Ich soll dir ausrichten, das sie mit den Strafen für dich einverstanden ist und das du deswegen nicht mit mir diskutieren sollst. Ich hoffe du hörst auf deine Mutter" sagte er ernst.

Strafen? dachte ich. Wie jetzt? Mehr als eine? Mein Herz begann zu hämmern. Ich nickte Carlisle zu, als dieser mich erwartungsvoll ansah.

"Nun gut. Lass uns in mein Büro gehen, wir haben noch viel zu besprechen" sagte er in einem Ton, wie ein Geschäftsmann bevor er den ersten Schritt durch die Tür machte.

Mein Herz begann wieder zu hämmern. Ich begann darüber nachzudenken aus dem Fenster zu springen, als Carlisle in der Tür kehrt machte und mich mit seinen Blick fixierte.

"Denk nicht mal dran weg zu laufen. Ich würde dich einfangen. Und du würdest es bereuen" warnte er mich gefährlich "Komm jetzt"

Langsam folgte ich meinem wütenden Vampir Daddy.

Notiz an mich: Weglaufen is nich Ich wiederhole: das ist keine gute Option