Ich weiß, das Kapitel ist ziemlich kurz. Dafür kommt es aber auch schon früher. *g*

Kapitel 5 – Draco hat ein Problem

Es dauerte zwei Tage bevor jemand Harry wieder zu Gesicht bekam. Er wollte niemanden sehen und mit niemandem sprechen und erreichte dies, indem er sich im Schlafsaal versteckte und nur aß, wenn Dobby ihm etwas brachte.

McGonagall sah täglich nach ihm, überzeugt, dass es ihm einigermaßen gut ging. Aber Harry wusste, dass es ihm niemals gut gehen würde, zumindest nicht im normalen Sinn.

Er lag auf seinem Bett und arbeitete an seinen Sommer-Hausaufgaben, als die Fette Dame im Portrait über der Tür des Schlafsaales erschien.

„Harry?"

Harry schaute auf und lächelte sie an.

„Professor Snape bittet darum, dich zu sehen. Er steht vor dem Portrait-Eingang. Soll ich ihn herein schicken?"

Harry nickte und begann seine Sachen weg zu räumen, als sie wieder verschwand. Einen Moment später gab es ein lautes Klopfen an der Tür. Er schwang seine Hand, um seinen Verschluß-Zauber aufzuheben und die Tür öffnete sich und gestattete dem Mann, den er als Vater ansah, den Eintritt. Er war froh, dass er sich gegen Ende des fünften Jahres entschieden hatte, sich mit dem Zaubertränke-Professor auszusprechen.

Snape schaute ihn an, nach Zeichen für Erschöpfung suchend, aber Harry sah gut ausgeruht aus. Er blickte finster.

„Trägt du einen Glamour-Zauber?"

Harry lächelte breit und schüttelte seinen Kopf. Snape schaute ihm in die Augen und Harry ließ seine Erinnerungen durchleuchten, so dass Snape wusste, dass er die Wahrheit sagte. Zufrieden setzte sich Snape an Harrys Bettende.

„Granger und Weasley haben dir in den letzten Tagen Briefe geschickt. Auch Molly ist etwas besorgt. Ich denke, dies wäre ein guter Zeitpunkt ein paar Tage mit deinen Freunden zu verbringen."

Muss ich?

„Ich denke schon. Ganz gleich, was ich über sie denke, sie haben dir immer gut getan."

Alles, über was sie sich sorgen, sind sie selbst. Nicht ein einziges Mal haben sie mir geschrieben, als ich in Surrey war.

Snape war etwas von dieser Neuigkeit überrascht. „Nicht einmal?"

Nicht einmal an meinem Geburtstag. Molly, die Zwillinge und Ginny haben mir etwas geschickt, aber von diesen beiden habe ich nichts erhalten.

Harry blickte finster.

„Vielleicht solltest du herausfinden warum."

Kann Draco mitkommen?

„Wenn er möchte. Ich bin sicher, er würde gern für ein paar Tage aus dem Schloss heraus kommen."

Dann werde ich ihn fragen.

Harry stellte sich auf und ergriff seine Jacke. Er folgte Snape aus dem Zimmer.

Snape führte ihn zu den Slytherin-Schlafsälen und zeigte zur Tür von Dracos Zimmer, bevor er ihn verließ. Harry atmete tief durch und klopfte an der Tür.

„Komm rein", kam eine kühle Stimme. Er ergriff die Türklinke und öffnete langsam die Tür. Draco saß mit dem Rücken zu ihm an seinem Schreibtisch in einer Ecke des Zimmers.

Harry nahm sich einen Moment, um ihn zu betrachten und bemerkte, dass sein Haar länger als letztes Jahr war und, dass er es nicht mehr zurückgegelt trug. Es sah gut bei ihm aus und er hatte das Verlangen mit seinen Fingern durch die platinfarbenen Strähnen zu fahren, um zu sehen, ob es so weich war, wie es aussah. Er rieb seine plötzlich schwitzigen Hände an seiner Jeans ab.

Draco bemerkte schließlich seine Anwesenheit, als er sich in seinem Stuhl drehte. Als er Harry sah, sah er ihn sauer an.

„Was willst du?", schnappte er.

Ich … äh …

„Sprachgewandt wie immer, wie ich sehe", spottete Draco.

Bist du irgendwie sauer auf mich?

„Und wie kommst du darauf?"

Ich habe mich nur gefragt.

„Schau, Potter. Es ist nichts, also lass es sein. Was willst du überhaupt?"

Ich wollte dich nur fragen, ob du mit mir für ein paar Stunden zum Fuchsbau kommen würdest. Sie haben mich genervt sie zu besuchen und ich finde die Idee allein zu gehen nicht reizvoll.

„Warum bittest du nicht Snape mit dir zu gehen, da ihr beiden euch plötzlich so verdammt nahe zu stehen scheint!", schnappte Draco ohne nachzudenken. Harrys Augen weiteten sich für den Bruchteil einer Sekunde, bevor sie verdächtig schmal wurden.

Warum bist du sauer auf Snape?

„Du bist wirklich so dumm, wie sie sagen, oder?", schnaubte Draco. Harry runzelte verwirrt die Stirn.

Entweder bist du sauer auf mich oder auf Snape. Was davon ist es?

„Nicht alles dreht sich um dich, Potter!"

Das habe ich auch nicht gesagt. Du bist aus Gründen, die ich nicht einmal ansatzweise verstehen kann, wegen irgendetwas sauer auf mich und weigerst dich mir zu erzählen, was es ist. Ich dachte, wir wären Freunde. Ich dachte, dass wir auf dem Weg zu mehr waren.

„Du hast falsch gedacht. Verschwinde, Potter. Geh und besuche deine Wieselgruppe und lass mich allein."

Und damit drehte Draco ihm seinen Rücken zu und verbannte Harry damit erfolgreich aus seinem Blickfeld.

Verletzt und verwirrt, verließ Harry leise das Zimmer. Er sah die einsame Träne nicht, die aus den blassen grauen Augen rollte.