Kapitel 8 – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit
Draco kam etwa eine Stunde später zu sich. Sein Kopf hämmerte ziemlich schrecklich und er stöhnte: „Oh, mein Kopf!"
Ein kühler Lappen wurde auf seine Stirn gelegt und eine beruhigende Hand strich sein Haar aus seinem Gesicht.
„Bist du ok, Sohn?", fragte sein Vater.
„Was ist passiert?"
„Du bist ohnmächtig geworden", kam die Stimme seines Paten. „Bist mit deinem Kopf auf dem Boden aufgeschlagen, bevor dich jemand auffangen konnte."
„Das muss der Grund sein, warum ich mich fühle, als hätte mir ein wütender Drache gegen den Kopf getreten."
Ein Fläschchen wurde in seine Hand gelegt und er trank es schnell, fühlte den Schmerz in seinem Kopf schwinden. Er öffnete seine Augen und sah ein Paar strahlend grüne Augen, die ihn anstarrten. Er bemerkte, dass sein Kopf in Harrys Schoß lag und dass es Harry war, der sein Haar streichelte.
„Fühlst du dich besser?", fragte Harry. Draco setzte sich auf - Harry bewegte schnell seine Hände – und drehte sich um. Er sah auf Remus, seinen Vater und Snape.
„Habe ich das geträumt? Habe ich wirklich gehört, dass ihr drei eine Triade seid?"
„Es ist wahr, Draco", nickte Lucius. „Ich war an einem Tiefpunkt in meinem Leben, nachdem deine Mutter verstarb und Severus, der bereits in einer Beziehung mit Remus war, kam zu mir und sagte mir, dass ich ihr Dritter sei. Am Anfang stritt ich es natürlich ab, schließlich war ich Lucius Malfoy, reinblütiger Zauberer. Ich sollte nicht schwul sein. Mein Vater hatte eine Aversion gegen Homosexualität, obwohl es in unserer Gesellschaft normal war, und er drillte mich mit diesen Lektionen."
„Aber… wie wurde ich geboren? Du hattest Sex mit Mutter." Er zögerte. „Oder nicht?"
„Ich … ähm …" Lucius sah verloren und verwirrt aus, hatte sich nie vorgestellt, dass er erklären musste, wie sein eigen Fleisch und Blut entstanden war. Glücklicherweise trat Severus vor, um es zu erklären, legte eine Hand beruhigend auf die Schulter seines Partners.
„Draco, deine Mutter war nicht diejenige, die dich zur Welt brachte. Sie konnte das Leben in ihrer Gebärmutter nicht lange genug aufrechterhalten, damit sich ein Fötus festhalten konnte und war, jedes Mal, wenn sie schwanger war, für Fehlgeburten anfällig."
„Wie oft?", flüsterte Draco leise. Harry reichte hinüber, um Dracos Hand zu nehmen und Trost und Unterstützung zu geben. Draco drückte – dankbar für den Kontakt – seine Hand.
„Sieben mal", murmelte Lucius. Dracos Gedanken drehten sich. Er hätte Geschwister haben können. Das war umwerfend.
„Sobald wir feststellten, was geschah, entschieden wir, mit einem Zaubertrank und einem Zauber, dass Lucius derjenige sein würde, der dich gebar. Wir nahmen eine befruchtete Eizelle deiner Mutter und pflanzten sie Lucius ein. Zauber und Trank kombiniert, versahen ihn mit einer Gebärmutter, um dich sicher für die volle Zeit auszutragen, dann wurdest du über einem Kaiserschnitt geboren. So ist Lucius gewissermaßen nicht nur dein Vater, sondern ebenso deine Mutter." Severus brachte ein kleines Lächeln zustande, welches Draco nicht erwiderte.
„Draco, verstehst du, dass Severus und Remus mich beide besonders lieben und ich sie liebe? Ich könnte sie jetzt nicht aufgeben, nicht einmal für dich, so sehr ich dich auch liebe."
„Sogar nachdem, was Großvater dir angetan hat?" Draco sah schließlich zu seinem Vater auf. (Mutter, erinnerte ihn sein Verstand.)
„Sogar danach. Er ist tot, Draco. Er hat keinen Einfluss mehr auf mein Leben. Und diesmal bin ich glücklich." Und Draco konnte das sehen. Sein Vater hatte ein sorgenfreies Lächeln im Gesicht, eines, das Draco nicht gesehen hatte, seit er ein kleiner Junge im Alter von drei Jahren gewesen war und seinen ersten fehlerfreien Wingardium Leviosa gesprochen hatte. Die Linien und Runzeln, die sein Gesicht während des Krieges verunstaltet hatten, waren fast verschwunden, und Lucius sah mindestens zehn Jahre jünger aus.
„Ich denke, ich kann das akzeptieren", lächelte Draco. Er sah Remus an. „Also, wie nenne ich Sie nun, Sir?"
„Nun ja, wie nennst du Severus?"
„Ich rufe ihn meistens ‚Onkel'."
„Ich akzeptiere ‚Onkel Moony' genannt zu werden, wenn du das akzeptabel findest, Draco."
„Akzeptabel", nickte Draco. Die drei Erwachsenen schauten auf die beiden jungen Männer auf dem Sofa und Severus räusperte sich.
„Harry, warum gehst du mit Draco nicht etwas spazieren. Ihr beide habt ein paar Dinge zwischen euch zu besprechen."
„Ja, Dad. Das ist eine großartige Idee", nickte Harry und zog Draco auf die Füße. Er sah das alberne Lächeln auf dem Gesicht seines neuen Dads, froh über sich selbst, dass er es dorthin gesetzt hatte. Es war lustig einen Vater zu haben, besonders, wenn er jenes alberne Lächeln anstelle des ehemals mürrischen Gesichts des Zaubertränke-Meisters stellte. Aus einem verrückten Impuls heraus, gab er Dracos Hand frei und drehte sich um, um den Mann zu umarmen, der ihn adoptiert hatte. Überrascht und zufrieden erwiderte Severus die Umarmung, setzte einen Kuss auf seinen Kopf, bevor er ihn frei gab und ihn los schickte.
„Oh und Harry?", rief Severus. Harry sah ihn an.
„Du und ich müssen immer noch über das Briefe-schreiben-Talent deiner Freunde sprechen." Harrys fröhliche Stimmung sank ein kleines bisschen. Dies hatte er vergessen, sogar, als er den Besuch gemacht hatte. Sie waren so glücklich gewesen ihn zu sehen, dass er den Mangel an Briefen in diesem Sommer aus seinen Gedanken verdrängt hatte.
Er nickte seinem Vater zu, bevor er mit Draco das Zimmer verließ.
Remus schlug ihn auf den Arm, nachdem die Jungs gegangen waren.
„Au! Wofür hast du das verdammt noch mal getan?" Severus blickte finster.
„Du hättest warten können, um ihn daran zu erinnern." Lucius grinste. Severus spielte das Gespräch noch einmal in seinem Kopf ab und begriff, dass er ein bisschen hart gewesen war. Er grinste schüchtern.
„Ich entschuldige mich später. Jetzt, wo ich euch beide allein habe, habe ich Pläne für euch", grinste er teuflisch. Remus schaute Lucius an und beide hatten dieselbe Idee, schnell schlossen sie ihren Gefährten ein und stießen ihn zum Schlafzimmer.
