Kapitel 16 – Anspielung und Ausflucht
Dracos Augenlider flatterten und er stöhnte als das grelle Licht des Krankenflügels in seinen Augen schmerzte. Er schloss sie schnell.
„Draco?", kam eine bekannte Stimme.
„Hermine?", krächzte er.
„Gott sei dank geht es dir gut. Was ist passiert?" Er fühlte, dass jemand etwas an seinen Mund drückte und öffnete ihn. Kühles Wasser lief seinen Rachen hinunter und behob die Trockenheit.
„Ich weiß es nicht. Ich wartete auf Harry in der Nähe von McGonagalls Büro und plötzlich roch ich Geißblatt. Das nächste, woran ich mich erinnern kann ist, dass ich hier aufgewacht bin. Was ist passiert?"
„Irgendjemand hat dich von hinten angegriffen. Harry war derjenige, der dich gefunden hat", erklärte Hermine. „Hast du irgendeine Ahnung, wer dir schaden will? Skrupellose Todesser?"
„Nicht, dass ich wüsste. Wo ist Harry?"
„Er ist bei Snape. Er war sehr aufgebracht, als er dich fand. Snape und Remus brauchten fast eine Stunde, um ihn wieder zu beruhigen oder er hätte Snapes Zimmer zersprengt."
„Wow!", staunte Draco. Er begann aus dem Bett aufzustehen, aber Hermine schob ihn wieder zurück.
„Wo denkst du, gehst du hin?"
„Harry sehen, was denkst du denn?"
„Du stehst nicht aus dem Bett auf, bis Madame Pomfrey es erlaubt, und wenn du es versuchst, hex ich dir deine Eier weg. Ich denke nicht, dass Harry darüber besonders glücklich wäre, aber ich werde tun, was ich muss." Sie sah ihn böse an. Draco erschauderte und ging schnell zurück ins Bett.
„Du bist verdammt nervig!", grummelte Draco.
„Dies ist mir zu Ohren gekommen", grinste sie. Madame Pomfrey hetzte in den Raum und untersuchte Draco schnell.
„Irgendwelche Kopfschmerzen?", fragte sie und leuchtete dabei mit ihrem Zauberstab in seine Augen.
„Nein."
„Schwindelgefühle oder Übelkeit?"
„Nein, Madame", erwiderte Draco, als sie ihre Finger gegen seinen Hinterkopf drückte.
„Verbleibende Schmerzen?"
„Mir geht es gut."
„Dann haben Severus' Heiltränke ihren Job getan. Sie können gehen, Mr Malfoy und um Merlins Willen: versuchen Sie diesmal mehr als einen Monat fern zu bleiben!"
„Ich werde mein bestes geben", kicherte Draco und stand auf. Hermine wartete, während er sich umzog und brachte ihn zurück hinunter in die Kerker. Sie verließ seine Seite nicht, bis er sicher in Professor Snapes Räumen war.
Lucius stürzte sich sofort auf ihn, knuffte und untersuchte ihn. Er winkte ihn ab.
„Mir geht es gut, Vater", schnaubte Draco von der Aufmerksamkeit genervt.
„Ich beruhige nur meine Gedanken, Sohn. Als Harry uns erzählte, dass du angegriffen wurdest, wollte ich sofort an deine Seite rennen, aber Severus und Lupin ließen mich nicht. Sie sagten, dass Harry sich um dich kümmern soll."
„Wo ist Harry?", fragte Draco.
„Wohin geht er immer, wenn er besorgt oder aufgebracht ist?", fragte Severus. Draco unterdrückte ein Stöhnen und ging, um seinen Besen zu holen. Hermines Augenbrauen schossen nach oben als sie sah, was in seiner Hand war.
„Wo zur Hölle denkst du, gehst du hin?", forderte sie, die Hände auf ihre Hüften gestützt.
„Raus zum Feld. Wohin sonst?", erwiderte er. Lucius, Remus und Severus wichen weise zurück.
„Die Hölle wird einfrieren, bevor ich dich auf einen Besen lasse, Draco Malfoy!" Sie schaute ihn böse an.
„Wie bitte?" Er starrte sie mit offenem Mund an.
„Wenn du denkst, dass ich dich auf einen Besen steigen lasse und dich Dummheiten anstellen lasse, während du gerade wegen eines Schädeltraumas aus dem Krankenflügel kommst, dann hast du dich mächtig geschnitten!"
„Du bist nicht meine Mutter, Granger. Du kannst mir nicht sagen, was ich zu tun habe!"
„Als Harrys beste Freundin stehe ich sogar noch über deiner Mutter! Bring diesen Besen dorthin zurück, wo du ihn gefunden hast oder ich lasse Ginnys Flederwichtfluch wie einen Kitzelzauber aussehen, so wahr mir Gott helfe!"
Eine wütende Hermine war mit Sicherheit Furcht einflößend und er tat klugerweise, was ihm gesagt wurde. Er kam zurück ins Wohnzimmer, seine Wangen rot gefärbt voller Beschämung, dass sein Vater und seine Onkels diese Szene miterlebt hatten.
„Und jetzt können wir gehen und nach Harry sehen", lächelte sie.
„Wer hat dich plötzlich zu meinem Bodyguard gemacht?"
„Das war ich und nun komm", schmunzelte sie. Er warf besiegt seine Hände in die Luft und verließ den Raum, Hermine direkt hinter ihm. Im Moment als sich die Tür schloss, überschlugen sich die drei Männer im Zimmer vor Lachen.
„Erinnere mich daran, niemals Grangers böse Seite zu spüren zu bekommen", sagte Lucius außer Atem.
„Du dachtest, meine Tage sind schlimm? Ihre lassen meine wie einen Spaziergang erscheinen", lachte Remus laut.
„Sie nimmt, wie du gerade gesehen hast, ihren Job als Harrys Vertrauensperson sehr ernst", grinste Severus, während er Tränen der Heiterkeit aus seinen Augen wischte.
„Merlin weiß, dass es jemand tun muss nach der ganzen Scheiße, die er durchstehen musste", meinte Lucius.
„Von der einiges dir zugeschrieben werden kann", erwiderte Severus.
„Ich erinnere mich, dass du irgendwie ein bisschen geholfen hast … irgendetwas von einer zur Hälfte gehörten Prophezeiung, wenn ich mich recht entsinne." Lucius schaute böse. Severus starrte ihn wütend an.
„Du egoistischer, ichbezogener, mmmppphhhh!" Severus war auf dem besten Weg in eine ausgewachsene Schimpftirade auszubrechen, als er plötzlich von ein paar Lippen über seinen eigenen unterbrochen wurde. Als er sich zurückzog, benommen und leicht angeturnt, grinste Remus ihn an.
„Weiß du, wie verdammt heiß du bist, wenn du wütend bist?", schmunzelte Remus und strich seine Handflächen sanft an Severus' schlanken Hüften.
„Nein, ich bin mir nicht sicher, aber du kannst es mir vermutlich zeigen", grinste Severus.
„Hey! Was ist mit mir?", rief Lucius aus und klang dabei wie ein Kind, das gerade sein Lieblingsspielzeug verloren hatte. Remus ließ einen Arm um Severus' Taille und drehte sich, um Lucius anzusehen.
„Hmmm … Ich denke, du musst dafür bestraft werden, ein paar für alle von uns unschöne Erinnerungen geweckt zu haben." Remus schmunzelte Lucius tatsächlich an. Severus widerstand dem Drang zu grinsen. Lucius machte geschockt Stielaugen. Remus sah Severus an. „Was schlägst du vor, Liebe meines Lebens?"
Severus' Augen funkelten böse und ließen Lucius erschaudern. Er hatte diesen Blick von Severus schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen.
„Remus, erinnerst du dich an diese Box unter meinem Bett?"
„Die, die ich aus Ägypten mitgebracht habe, als ich zuletzt dort war? Die mit all den…?"
„Ja, genau die."
„Severus, du perverser kleiner Mistkerl!", kicherte Remus.
„Das habe ich von dir gelernt, Remus", grinste Severus. Beide drehten sich Lucius zu, der sie misstrauisch beäugte.
„Was plant ihr beide?", forderte er.
„Vergeltung, mein lieber Lucius. Eine von der ich denke, dass wir alle profitieren", flüsterte Severus mit einer sexy Stimme. Lucius unterdrückte den Drang zu stöhnen, ließ jedoch einen fast mädchenhaften Aufschrei erklingen, als Remus seine wölfische Kraft demonstrierte, Lucius über seine Schulter warf und zum Schlafzimmer lief.
„Lass mich sofort runter! Ich bin kein verdammtes Mädchen!", schrie er. Er schrie erneut mädchenhaft auf, als Lupin ihm auf sein Hinterteil schlug.
„Glaube mir, Lucius. Der Ständer, der sich an meine Schulter presst, beweist diese Tatsache."
„Halt den Mund!", grummelte Lucius als er kurzerhand auf das Bett fallen gelassen wurde. In weniger als einer Minute waren seine beiden Liebhaber und er nackt. Er war mit den ägyptischen Seidenschals, die in der von Severus genannten Box gewesen waren, an die Bettposten gebunden. Lucius sprach für eine Weile kein anderes Wort als „Oh Merlin, Severus!" und „Fick mich härter, Remus!".
~*~*~
Draco grummelte auf dem ganzen Weg zum Feld über „nervende Hexen, die sich nicht um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern" und „und die ganze Ungerechtigkeit". Hermine kicherte einfach und tätschelte ihm den Rücken.
Harry war wirklich draußen auf dem Feld. Er saß an dem einen Ort, wo er sich immer zuhause fühlte – im Torring auf der linken Seite des Feldes. Draco und Hermine hielten genau unter ihm an und starrten ihn an. Hermine sprach einen Sonorus und rief zu ihm hinauf. Als er herunter schaute und Draco neben ihr stehen sah, kletterte er auf seinen Besen, war im Nu an Dracos Seite und umarmte ihn fest.
Draco wurde damit spielend fertig und strich sanft kreisend über seinen Rücken.
„Ich möchte bald atmen, Harry", lächelte Draco. Harry gab ihn schnell frei und lächelte ihn verlegen an.
„Geht es dir gut?", fragte er.
„Mir geht es gut, Liebling. Ich habe einen Dickschädel, weißt du", scherzte Draco.
„Mach darüber bitte keine Witze. Ich war zu Tode erschrocken, als ich dich dort liegen sah mit dem Blut, das von deinem Kopf floss", erzählte Harry ihm. Das Lächeln verließ Dracos Gesicht und er nahm Harrys Hand in seine.
„Es tut mir leid. Ich habe ehrlich keine Idee, wer es auf mich abgesehen haben könnte, außer irgendwelchen Todessern, die immer noch da draußen sind. Aber wie würden die nach Hogwarts kommen? McGonagall und Lupin haben mit deiner Karte sichergestellt, dass alle Geheimgänge in die Schule blockiert und geschützt sind."
„Ist es einem von euch in den Sinn gekommen, dass es ein Schüler sein könnte?", fragte Hermine. Harry und Draco sahen sie geschockt an.
„Aber sie haben jeden Schüler der Schule überprüft und diejenigen mit dem Dunklen Mal auf ihrem Arm verwiesen", erwiderte Harry von dieser Tatsache ziemlich beunruhigt.
„Vielleicht ist es jemand mit einem Groll gegen Draco."
„Das wäre die gesamte verdammte Schule, Hermine! Ich war, wie du sehr wohl weißt, keine besonders nette Person", schnaubte Draco.
„Also sollten wir jedem gegenüber wachsam sein?", fragte Harry.
„Irgendjemand hat es darauf abgesehen Draco zu verletzen", nickte Hermine. Ohne ein Wort gingen die drei zurück nach drinnen, um Schutzzauber für jeden von ihnen zu diskutieren. Die Erwachsenen waren nirgendwo zu sehen, als sie zurückkamen.
„Ich schau in ihrem Zimmer nach", meinte Harry. Er ging und war innerhalb einer halben Minute zurück, sein Gesicht rot vor Beschämung.
„Was zur Hölle?" Draco starrte seinen Freund mit offenem Mund an.
„WIE KONNTEST DU VERGESSEN DIE TÜR ZU SCHLIESSEN? ER IST WAHRSCHEINLICH ZU TODE ERSCHROCKEN!", kam Severus' Schrei einen Augenblick später. Harry schien in seinem Sessel zu versinken und versteckte sich hinter Dracos Umhang. Draco schaltete schnell und sah etwas grün um die Nase aus, als Remus ins Zimmer kam und sich hastig einen Umhang um die Hüfte band. Als er Harrys Gesicht sah, öffnete er seinem Mund, um zu erklären, aber Draco hielt eine Hand nach oben.
„Wir. Wollen. Es. Nicht. Wissen. Niemals. Wenn du mich nun entschuldigen würdest. Ich denke, ich werde Harry zu Madame Pomfrey bringen und diese spezielle Erinnerung aus seinem Gedächtnis löschen lassen. Und aus meinem, wenn ich so darüber nachdenke." Harry umarmte ihn dankbar und küsste ihn flüchtig auf die Wange. Remus lächelte und drehte sich nickend zu Hermine, die einen nachdenklichen Blick trug.
„Hermine?", fragte Draco.
„Kann ich zugucken kommen?", grinste sie und starrte Remus in die Augen. Er verschluckte sich an seinem Lachen als Draco entrüstet aussah und Harry ihr auf den Arm schlug. Remus lachte laut auf und ging zurück zu seinem Zimmer. Er riskierte einen letzten Blick über seine Schulter.
„Erwartet nicht, dass sich eure Väter heute zum Abendessen anschließen. Sie werden für die Dauer des Abends etwas ... angebunden sein." Er verließ den Raum. Draco sah Harry an, welcher zurück starrte.
„Lasst uns zu Madame Pomfrey gehen", meinte Draco als Harry energisch nickte. Hermines Lachen verfolgte sie den ganzen Weg nach oben.
Was sie nicht wussten war, dass jemand sie aus dem Schatten beobachtete. Seine Augen glitzerten voll Bosheit.
