Kapitel 17 – Unterbringung
Am Abend bevor die Schüler zurückkommen sollten, klopfte es an Severus' Tür. Jeder war still, als er sie öffnete. Minerva stand auf der Türschwelle.
„Schulleiterin", nickte Severus und trat zur Seite, um sie einzulassen. Harry, Draco, Lucius und Remus standen vom Tisch auf, um sie zu begrüßen. Sie stoppte sie.
„Lassen Sie sich nicht beim Abendessen stören. Besonders Sie, Mr Potter", lächelte sie. „Ich habe genau genommen etwas mit Ihnen allen zu besprechen."
„Würden Sie uns Gesellschaft leisten, Minerva? Wir wollten gerade zu Abend essen", fragte Remus.
„Wenn Severus nichts dagegen einzuwenden hat, ich könnte eine Mahlzeit vertragen. Ich war damit beschäftigt Vorbereitungen für morgen zu treffen und habe dabei die Zeit vergessen."
„Ich wäre geehrt, wenn Sie mit uns speisen würden, Minerva", lächelte Severus und fügte ein weiteres Gedeck hinzu. Er wartete bis sie sich gesetzt hatte, bevor er ihr das Abendessen servierte – Fasanenbraten.
Sie aßen für eine Weile in Stille, bevor Lucius das Thema, weswegen sie gekommen war, aufgriff.
„Über was wollten Sie mit uns reden?"
„Oh! Das hätte ich beinahe vergessen", lachte sie. „Es geht um Harrys und Dracos Unterbringung in den Schlafsälen."
Harry sah Severus mit offensichtlicher Panik in seinen strahlend grünen Augen an. Er wollte nicht zurück in den Schlafsaal. Severus sah Harry jedoch nicht an.
„Auf gar keinen Fall", meinte er. Harry atmete erleichtert auf. Dies blieb jedoch von allen außer Draco unbemerkt. Sanft drückte er Harrys Hand.
„Severus, sicher wäre Harry gerne wieder zurück bei seinen Freunden?", meinte Minerva und bemerkte seine negative Reaktion nicht.
„Nein, Minerva. So lange noch ein Weasley in Gryffindor ist, weigere ich mich meinen Sohn seinen Hassreden auszusetzen."
„Vielleicht sollten wir Harry fragen, was er will. Es ist mehr seine Entscheidung als die jedes anderen", meinte Remus. Alle Augen wandten sich dem gefragten jungen Mann zu.
Ich will nicht nach Gryffindor zurückkehren. Es tut mir Leid, Professor.
„Warum nicht, Harry? Ich möchte deine Gründe hören."
Weil in der ganzen Zeit, in der ich in Hogwarts war, wenn etwas schief lief oder etwas Seltsames geschah, ich derjenige war, der beschuldigt wurde. Jeder in Gryffindor, mit der Ausnahme von Neville, wandte sich von mir ab und ließ es so scheinen, als wäre es meine Schuld. Das vierte Jahr war höchstwahrscheinlich das schlimmste, als jeder dachte, dass ich meinen Namen in den Kelch geworfen hätte. Ron hat fast einen Monat nicht mit mir geredet. Und nun hasst er mich völlig und würde mich wahrscheinlich im Schlaf verhexen. Alles, was er sieht ist das, was er als Verrat bezeichnet. Er hasst Slytherin und jeden, der mit dem Haus in Verbindung gebracht wird und ich will seinen Hass nicht spüren. Ich habe mich hier unten sowieso schon immer wohler gefühlt, fügte er nachträglich hinzu.
Minerva kräuselte ihre Lippen, missbilligte deutlich diese Entscheidung entgegen ihrer eigenen. Sie mochte es nicht, aber sie konnte Harry nicht zwingen dort zu sein, wo er nicht sein wollte. Sie nickte widerwillig und niemandem entging Harrys erleichtertes Seufzen.
„Also, Mr Malfoy…"
„Ich bleibe, wo auch immer Harry ist", unterbrach Draco.
„Und ich hoffe bei Merlin, dass dies nicht in den Slytherin Schlafsälen ist", meinte Lucius.
„Wenn Sie mich ausreden lassen würden", erwiderte Minerva gereizt. Beide Malfoys hatten den Anstand zu erröten. „Was ich sagen wollte, Mr Malfoy. Als Schulsprecher dieses Jahr, können Sie sich Ihre Räumlichkeiten selbst aussuchen."
„Oh. Das geht dann in Ordnung, solange Harry bei mir bleibt."
„Ich denke wirklich nicht, dass das eine gute Idee ist."
„Warum nicht?" Lucius schaute finster.
„Harry würde sich sehr wahrscheinlich als Ablenkung zu Dracos Schulsprecherpflichten erweisen."
„Das ist großer Schwachsinn und das wissen Sie!", explodierte Lucius. Draco sah seinen Vater mit Stielaugen an. In seinem achtzehnjährigen Leben hatte er nie das Wort ‚Schwachsinn' von den Lippen des großartigen Lucius Malfoy kommen hören. Draco sah Harry an und sah, dass dieser genauso geschockt war.
„Wie bitte?", staunte McGonagall.
„Draco war, auf mein und Severus' Bestehen, immer auf sein Lernen fokussiert. Seine Noten haben sich nicht ein einziges Mal verschlechtert, selbst als er und Harry sich permanent gestritten haben. Ich denke, seine Prüfungsergebnisse beweisen diese Tatsache. Also stehen Sie nicht hier und kommen mir so, das kaufe ich Ihnen nicht ab."
Minerva kräuselte erneut ihre Lippen und sah Remus an.
„Remus, sicher verstehst du, dass es Harry und Draco nicht erlaubt sein sollte zusammen zu wohnen."
„Nein, eigentlich nicht. Ich sehe nicht, was das Problem ist."
„Ist es nicht offensichtlich?", fragte sie.
„Ähm. Nein. Sollte es?" Remus' Stimme wurde alarmierend.
„Ich kann es tolerieren, dass ihr drei zusammen lebt, als etwas sehr Seltenes und Wundersames. Ich kann es nicht ertragen, dass dies auch Schüler tun."
„Ah, also ist es ihre sexuelle Vorliebe, mit der Sie Probleme haben!", krähte Remus. Severus und Lucius sahen sich amüsiert an und standen im Hintergrund, um Remus' Wirken zu sehen.
„Sie sind Schüler, Remus."
„Und sie sind beide volljährig, Minerva", schoss er zurück.
„Warum diskutieren wir überhaupt darüber?", fragte sie.
„Du hast es angefangen, nicht ich. Ich habe kein Problem damit, dass Harry und Draco zusammen wohnen. Sie sind immerhin verlobt."
Es wurde so still im Zimmer, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Minerva wandte sich den beiden jüngsten Männern im Zimmer zu. Harry hielt seine linke Hand nach oben und ließ seinen Verschleierungszauber fallen. Damit gab er die Sicht auf den Verlobungsring der Familie Malfoy an seiner Hand frei.
„Und ich glaube, dass die Gesetze in diesem Fall eindeutig sind, Minerva. Wenn zwei Personen verlobt sind, haben sie jedes Recht gemeinsam in dem Domizil ihrer Wahl zu leben. Du hast bei dieser Angelegenheit kein Mitspracherecht."
„Es scheint, dass ich falsch lag", gab Minerva leise zu. Sie sah Harry und Draco an. „Wenn ihr mir folgen würdet. Ich werde euch zeigen, wo ihr dieses Jahr wohnen werdet."
Sie drehte sich zur Tür, aber eine Hand auf ihrem Arm stoppte sie. Sie drehte sich zurück zu Harry, mit einer Augenbraue fragend nach oben gezogen. Als Antwort lehnte er sich nach oben und küsste ihre Wange. Daraufhin lächelte sie, wissend, dass ihr ihre Bemerkungen vergeben wurden. Sie tätschelte seine Hand, rang darum nicht zu weinen und führte die beiden aus dem Raum.
Sobald die Tür geschlossen war, fand sich Remus schneller als er blinzeln konnte ins Schlafzimmer gezogen und nackt ausgezogen wieder.
„Schließt die – Oh Merlin, Severus! – Tür!", brachte er zustande zu keuchen, als seine Liebhaber seinen Körper liebkosten.
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Minerva brachte sie kurze Zeit später zurück, vor allem um ihre Diskussion zu beenden. Sie war etwas überrascht, die drei Männer in Morgenmänteln zu sehen, fragte aber nicht nach. Harry und Draco sahen sich die Augen verdrehend an.
„Die andere Angelegenheit, die ich besprechen wollte, ist Lucius' Funktion hier an der Schule", begann sie, als sie sich hinsetzte.
„Ja, wir können ihn nicht faulenzen lassen", grinste Severus. „Er würde schnell dick und rund werden."
„Ich kann dir sagen, dass an mir kein Gramm Fett ist, also sei ruhig", erwiderte Lucius.
„Wie könnte ich das nicht wissen", meinte Remus sich die Lippen leckend.
„Bitte nicht vor uns. Wir versuchen immer noch diesen letzten Zwischenfall aus unseren Gedächtnissen zu verbannen", stöhnte Draco. Minerva hatte die Ehre sowohl Lucius als auch Severus erröten zu sehen, etwas, was sie nie gedacht hatte zu sehen. Sie lächelte sie an.
„Ich hatte daran gedacht, dass Lucius dein Tränke-Assistent sein könnte, Severus. Seine Noten waren die drittbesten hinter deinen und Lilys."
„Aber seine Verteidigungsergebnisse waren besser als meine. Er sollte Remus assistieren", argumentierte Severus.
„Und das wird er", erwiderte sie. „Er wird dir bei den Erst- bis Drittklässlern mit Zaubertränke helfen und bei den Fünft- und Sechstklässlern bei Verteidigung."
„Was ist mit den Siebtklässlern?", konnte Draco sich nicht verkneifen zu fragen. Harry schlug ihn auf den Hinterkopf.
„Ehrlich, Draco. Denkst du wirklich, dass wir Hilfe in Verteidigung und Zaubertränke brauchen nach all dem, was wir durchgestanden haben? Wir könnten die Heilerprüfung mit geschlossenen Augen bestehen", lachte Harry.
„Du hast nicht ganz Unrecht", stimmte Draco zu. „Aber du brauchst immer noch Hilfe in Zaubertränke, Potter", konnte er nicht lassen hinzuzufügen und schmunzelte die ganze Zeit. Harry warf ihm einen bösen Blick zu.
„Draco, das war nicht nett. Harry hatte nicht den Vorteil von Privatlehrern wie du. Er macht seine Sache in Zaubertränke gut, wenn er sich bemüht", tadelte Severus. Harry streckte Draco seine Zunge raus.
„Ich kann mir einen anderen Nutzen für deine Zunge denken", flüsterte Draco in Harrys Ohr. Harrys Gesicht leuchtete knallrot.
Versprechungen, Versprechungen, lachte Harry.
„Also vermute ich, dass dieses Arrangement jeden zufrieden stellt?", fragte Minerva. Jeder im Zimmer nickte, außer Harry. „Harry?"
„Es tut mir leid … Ich weiß, ich sollte nicht fragen. Aber wenn ich sehe, dass dies unser letztes Jahr ist: Ich würde gern ein letztes Mal mit dem Hogwarts Express fahren."
„Bist du sicher, Harry? Du weißt, dass Weasley und all seine Kohorten im Zug sein werden", fragte Severus besorgt.
„Ich will es. Außerdem, Hermine wird da sein. Sie kann mit Ron besser umgehen als ich es kann."
„Nur, wenn du mir versprichst einige Schutzzauber zu tragen, die ich für dich spreche. Ich will mit deiner Gesundheit keine Risiken eingehen."
„Ich verspreche es, Dad", lächelte Harry. Und da war schon wieder dieses alberne Grinsen. Minerva grinste bei dem Anblick.
„Also, Gentlemen. Ich werde Sie nun allein lassen und ich werde Sie alle beim Willkommensfest sehen."
„Gute Nacht, Schulleiterin", nickte Lucius.
Minerva stand auf, um zu gehen. Sie lächelte, als sie den Blick auf Severus erhaschte, der Harry kitzelte und Harrys schrilles keuchendes Lachen.
