Kapitel 20 – Wie Harry seine Stimme zurück bekam
Remus sah Severus geschockt an.
Als Severus mit einem blassen, zitternden Lucius in ihre Räume gekommen war, hatte er sofort verlangt zu erfahren, was los war. Severus gab ihm eine Kurzfassung der Ereignisse, deshalb Remus' Schock.
Harry hat seine Stimme zurück! Wie ist das überhaupt möglich? Fragte Remus sich selbst. Severus brauchte nicht einmal Legilimentik zu gebrauchen um zu wissen, was er dachte.
„Harry hatte schon immer eine gehörige Portion Glück", meinte Severus.
„Stimmt, aber das erklärt trotzdem einige Dinge nicht", erwiderte Remus. Severus ging zur Bar und schenkte Lucius ein großes Glas Scotch mit Schlaftrank ein – er würde sich später dafür entschuldigen. Er schob das Glas in die Hand des Mannes und wies ihn an zu trinken, was er automatisch tat. Einen Moment später war er eingeschlafen. Sein Kopf lag in Remus' Schoß.
„Erinnerst du dich an den Tag, als ich diese Erinnerungen gezeigt habe?"
„Ja. Das war das letzte Mal, dass wir Harrys Stimme hörten."
„Dieser Schrei kam aus den Tiefen seiner Seele, Remus. Ich erinnere mich, dass ich Draco gesagt habe, dass dies ein Teil von Harrys Seele war, den er vielleicht nie zurück bekommen würde. Ich habe nicht damit gerechnet, dass er und Draco ein Paar werden, sich verlieben und all die anderen verworrenen Details."
Remus brauchte nicht lange um eins und eins zusammen zu zählen.
„So in gewissen Art und Weise und gemäß Harrys Magie ist Draco die andere Hälfte seiner Seele, die neuere Hälfte", schloss Remus.
„Ein wahrer Seelenbund", nickte Severus zustimmend. „Ihre Liebe zueinander war stark genug, dass Harrys Magie seine Stimmbänder heilen konnte. Ich vermute, dass, obwohl er nicht völlig geheilt ist, Harry weiterhin sprechen können wird, wenn auch mit etwas rauer Stimme."
„Harry kann sich sehr glücklich schätzen. Einen wahren Seelenpartner hat man nicht so einfach."
„Warum denk ihr, war ich zu euch hingezogen und ihr zu mir?" murmelte Lucius von seinem Platz in Remus' Schoß. Beide Männer schauten den Blonden überrascht an.
„Was zum Teufel? Ich habe dir genug Schlaftrank gegeben um einen ausgewachsenen Thestral auszuknocken!" rief Severus geschockt. Lucius setzte sich auf und fuhr sich mit den Fingern durch sein Haar.
„Ich bin schon immer immun gegen Schlaftränke gewesen, Severus. Und du hast mir meine Frage nicht beantwortet. Denkst du oder denkst du nicht, dass wir Seelenverwandte sind?"
„Wie kannst du mich das überhaupt fragen, Luc. Dich zu leugenen, uns drei zu leugnen, würde mich umbringen als wenn Voldemort persönlich seinen Zauberstab an meinen Kopf halten würde", erwiderte Severus. Er kniete zu Lucius' Füßen und legte seine Hände auf Lucius' Knie. Remus legte einen Arm um die Schulter des Blonden und Lucius lehnte sich in seine Umarmung. Dabei legte er seine Hand an Severus' Wange. Keiner wusste, wer sich zuerst bewegte, aber die drei begannen sich zu küssen, dass man in den Legenden der folgenden Jahre davon berichten würde.
Zum ersten Mal störte es Harry nicht hereinzuplatzen. Leise schloss er die Tür hinter sich und ließ die Kerker hinter sich. Er musste ein Wiesel finden.
Ron kam gerade vom Quidditch-Training, als er am Kragen gepackt und gegen die Wand hinter ihm geschleudert wurde. Er starrte in wütende, grüne Augen und schluckte hörbar.
„Wenn ich herausfinde, dass du etwas mit Dracos Unfall zu tun hast, werde ich persönlich dein Gesicht umgestalten … und nicht auf eine schöne Art und Weise", sprach Harry mit rauer Stimme.
„Ich weiß nicht von was du redest!" keuchte Ron. Gefangen in seiner Angst, bemerkte er nicht, dass Harry mit seiner eigenen Stimme zu ihm sprach. Der Arm über seiner Kehle festigte den Griff und er fragte sich, wie schnell jemand an Sauerstoffmangel sterben konnte.
„Jemand hat heute morgen Draco aus dem Hinterhalt verflucht und er fiel drei Treppen hinab", knurrte Harry. Ron sah ihn geschockt an.
„Du denkst nicht wirklich, dass ich etwas damit zu tun habe, oder?"
„Deine Aktionen in den letzten Monaten sagen etwas anderes."
„Harry! Es mag sein, dass ich diesen Idiot hasse, aber ich will ihn nicht umbringen!" rief Ron aus. „Ich dachte, dass du mich besser kennst?"
„Offensichtlich kenne ich dich überhaupt nicht!" schnappte Harry und trat von ihm weg. Frustriert fuhr er mit den Händen durch sein Haar.
Ron sah ihn an und seufzte. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, vermisste er seinen besten Freund. Die Dinge seit Mitte des Sommers waren furchtbar gewesen und Ron fühlte sich verloren. Nach dem Vorfall auf Gleis 9 ¾ am Anfang des Schuljahres hatte er gemerkt, dass er zu beiden furchtbar gewesen war. Wenn er ein Freund gewesen wäre, hätte er Harrys Lebensstil, seinen Partner und seine Adoptiveltern ohne Diskussion akzeptiert. Und wieder mit der Ehrlichkeit, musste er zugeben, dass Harry trotz Dracos Unfall glücklich aussah – wirklich und wahrhaftig glücklich – in seinem jetzigen Leben.
Er atmete tief durch und betete, dass er das richtige tat.
„Wie geht es ihm?" fragte er vorsichtig. Harry fing seinen Blick auf und schien direkt in seine Seele zu blicken. Aus irgendeinem Grund blinzelte er nicht und schlug seine Augen nicht nieder.
„Er liegt im Koma", erzählter Harry ihm und ließ den Kopf hängen. „Madame Pomfrey weiß nicht, wie er sein wird, wenn er aufwacht. Er könnte Amnesie haben oder er könnte sich in den Draco verwandeln, den wir vor alledem kannten."
„Und du kannst damit leben? Dass er aufwachen könnte und dich wieder hasst?"
„Ich nehme ihn so wie ich ihn kriegen kann, Ron. Er ist mein Leben."
„Trotzt dessen, was ich über Malfoy denke, kann ich sehen, dass er dir gut tut. Ich bin froh darüber." Harrys stechender Blick traf ihn erneut und Ron spürte, dass er rot wurde.
„Meinst du das wirklich, Ron? Du sagst das nicht einfach, damit wir wieder Freunde sind, oder?"
Und Ron realisierte, dass er es wirklich so meinte.
„Es stimmt wirklich, Harry." Ron nickte. Dann trat er vor, eine taube, zitternde Hand ausgestreckt: „Freunde?"
Harry starrte ihn lange an.
„Ich kann dir noch nicht vergeben, Ron, aber ich würde mich freuen, wenn wir wieder Freunde sein würden", erwiderte Harry und schüttelte seine Hand. Sie standen still und merkwürdig einen Moment da, bevor sich Rons Augen geschockt weiteten.
„Du sprichst?" fragte er erstaunt. Harry sah ihn an und grinste verlegen. „Wie?"
„Ich denke meine Beziehung zu Draco hat irgendwie meine Magie beeinflusst", erwiderte Harry. Wenn das überhaupt möglich war, riss Ron seine Augen noch weiter auf.
„Weißt du, was das bedeutet?"
„Ich habe Dad etwas darüber sagen gehört, dass Draco mein Seelenpartner ist."
„Weißt du wie selten es ist, dass man seinen Seelenpartner findet? Du bist ein glücklicher Idiot, Harry Potter."
„Danke, Ron." Harry lächelte und schlug ihm auf die Schulter. „Ähm … Ich sollte besser zu Draco zurück gehen."
„Werde ich dich beim Abendessen sehen?"
„Wahrscheinlich nicht, aber danke für das Angebot." Damit drehte sich Harry um und lief davon. Ron beobachtete ihn mit einem Lächeln im Gesicht. Sie mochten nicht wieder beste Freunde sein, aber er hatte einen seiner Freunde zurück und das war alles, was zählte. Ron seufzte hörbar und ging zurück nach Gryffindor. Er wusste, dass etwas katzbuckeln angebracht sein würde um es bei Hermine wieder gut zu machen und er musste das sorgfältig planen.
Er starrte auf den blassen Körper hinab, der in dem Bett lag, Hohn stand ihm ins Gesicht geschrieben.
„Warum kannst du verdammt noch mal nicht einfach sterben, wie du es solltest", flüsterte er. Draco stöhnte etwas im Schlaf. Hände reichten hinüber und schnappten sich das extra Kissen, das auf dem Boden gelegen hatte. Langsam wurde es gehoben bis es Dracos Mund und Nase bedeckte. Es wurde beständig gedrückt, bis Draco sich zu wehren begann.
„... Ich bin wirklich nicht sehr hungrig, Dad. Ich werde mir später etws von Dobby holen", kam Harrys Stimme durch die geschlossene Tür. Das Kissen war blitzschnell wieder auf dem Boden, als sich die Tür öffnete und Harry herein kam. Er stoppte, als er den Besucher sah.
„Hi, Harry."
„Hey. Was machst du hier? Ich dachte nicht, dass du und Draco Freunde seit."
„Ich dachte einfach, dass ich ihn besuchen komme und schaue wie es ihm geht. Nach dem schweren Sturz den er hatte."
„Ja das war er." Harry runzelte die Stirn.
„Ich habe nur ein paar Blumen gebracht um das Zimmer etwas aufzuheitern."
„Oh. Danke", erwiderte Harry. Er mochte das Gefühl nicht, das er bekam, wenn der andere hier war. Er ging um ihn herum bis er an Dracos Seite stand, nahm dessen Hand schützend in seine. Sein Besucher verpasste diese Bewegung nicht und widerstand dem Drang zu knurren. Er realisierte plötzlich, dass er zuerst Harry loswerden müsste, wenn er an Draco herankommen wollte. Seine Meinung änderte sich mit seinem neuen Plan und er platzierte ein Lächeln in seinem Gesicht.
„Ich sollte besser zum Unterricht zurück gehen, bevor Professor Lupin mich zerreißt. Bis später, Harry!"
„Ja. Bis später", erwiderte Harry als der andere den Raum verließ. Er wartete bis er keine Schritte mehr hörte bevor auf seinen Partner schaute. „Das ist ein seltsamer Typ, Draco", seufzte Harry.
Dracos Kopf drehte sich in die Richtung aus der Harrys Stimme kam und Harry starrte geschockt. „Draco? Kannst du mich hören?"
„Harry?" stöhnte Draco. Harry lachte beinah laut auf.
„Öffne deine Augen, Liebling", ermunterte Harry und beugte sich nah zu seinem Gesicht hinunter. Dracos Augenlider flatterten lange Zeit bevor sie sich langsam öffneten. Das erste, was er sah waren leuchtend grüne Augen, die voller Tränen glänzten. Er lächelte leicht.
„Hey." Draco lächelte.
„Hey du!" Harry grinste. Eine einsame Tränen lief seine Wange hinab. Draco reichte mit einer schwachen, zitternden Hand hinüber und wischte sie weg. Seine Hand lies er an Harrys Wange liegen. Harry schloss seine Augen und lehnte sich in die Berührung. „Wie fühlst du dich?"
„Als wäre ich von einem Muggel-Auto erfasst worden. Was ist passiert?"
„Jemand hat dich heute morgen aus dem Hinterhalt verflucht und du bist drei Treppen hinunter gefallen."
„Das erklärt, warum ich mich fühle als hätte mich ein Auto überfahren. Wer war es?"
„Wir wissen es nicht, niemand hat etwas gesehen."
„Warte mal … Harry, du kannst wieder sprechen?"
„Ja." Harry grinste.
„Wie ist das möglich?"
„Dad sagte das ist, weil wir Seelenverwandte sind." Draco starrte ihn lange an und Harry sorgte sich, dass es für ihn zuviel auf einmal gewesen ein könnte, als Draco ein breites Lächeln zeigte.
„Abgefahren!" lachte Draco atemlos. Er schlang einen Arm um Harry Nacken und zog ihn in einen lustvollen Kuss, den Harry eifrig erwiderte.
„Wenn die beiden Gentlemen mit ihrer Mandeluntersuchung fertig sind, würde ich gern Mr. Malfoy untersuchen", kam kurze Zeit später die amüsierte Stimme der Krankenschwester. Harry zog sich zuerst zurück und erröte bis zu den Haarwurzeln.
„Sorry." krächzte er.
„Ich bin nicht geschockt, Mr. Potter" sagte sie zu ihm, als sie ihren Zauberstab zog. „Aber versuchen Sie dies etwas herunterzufahren. Mein Herz verkraftet die Vorstellung zweier umwerfender junger Männer wie sie beide in intimen Positionen nicht."
„Madame Pomfrey!" Rief Harry offensichtlich beschämt. Draco gab sein Bestes nicht zu lachen und seine langsam heilenden Rippen nicht zu belasten. Es kam als ein ersticktes Kichern heraus.
„Es ist gut sie wach und und mit normaler Aufnahmefähigkeit zu sehen, Mr. Malfoy" sagte sie und aktualisierte seine Akte.
„Mir gebührt nicht das ganze Lob" sagte Draco und sah Harry an. „Mein Seelenpartner hat geholfen."
Harry grinste dümmlich und setzte sich neben Draco auf das Bett als dieser an seiner Hand zog.
„Ich werde nur ihren Vätern Bescheid geben, dass sie leben und dass es ihnen gut geht. Keine unnötige Überanstrengung! Mr. Malfoy ist immer noch in der Heilungsphase", warnte sie bevor sie den Raum verließ. Draco lehnte seinen Kopf gegen Harrys Oberschenkel.
„Was werden wir tun, Harry? Es wird ernst."
„Ich werde mich darum kümmern, Draco. Sorge dich nicht. Sie werden keine weitere Chance haben", schwor Harry. Draco legte Harrys Arm um seinen Hals und hielt ihn fest. Er driftete in den Schlaf, als Harrys Finger durch sein Haar fuhren. Harry beobachtete ihn eine Weile beim Schlafen, bevor er selbst einschlief.
Vor Wahnsinn glänzende Augen beobachteten sie.
Schön, Potter! Wenn das Spiel so gespielt wird, lass es beginnen!
