Kapitel 21 – Dinge, die dich schmelzen lassen
Als sich Ron der Fetten Dame näherte, blitzte sie ihn an.
„Was wollen Sie, Mr. Weasley?" fragte sie.
„Mir wurde gesagt, dass ich Hermine, äh, Miss Granger hier finden könnte. Ich würde gern mit ihr sprechen, bitte."
„Und was lässt Sie denken, dass sie mit Ihnen sprechen will?"
„Kann ich bitte einfach mit ihr sprechen?" Ron seufzte. Sie sah ihn einen Moment lang an bevor sie verschwand.
Einen Augenblick später öffnete sich das Portrait aber es war nicht Hermine, die er sah. Es war Neville.
„Hermine will gerade nicht mit dir sprechen, Ron", sagte ihm Neville.
„Kannst du ihr eine Nachricht von mir geben?"
„Da kommt auf die Nachricht an."
„Sag ihr einfach, dass Harry und ich miteinander geredet haben und die Dinge gewissermaßen wieder hingebogen haben. Ich würde mich freuen, wenn wir wieder Freunde sein könnten, wenn auch nicht beste Freunde. Wirst du ihr das sagen?"
„Ich werde es ihr sagen." Neville nickte nach einem unangenehmen Moment der Stille.
„Danke Neville." Neville winkte ab und ging zurück nach drinnen. Ron drehte sich auf dem Absatz um und ging zurück nach unten.
Harry lief zu den Quartieren seines Vaters als er das Gefühl bekam verfolgt zu werden. Er drehte sich nicht um und lief mit ungezwungenem, sorglosem Schritt, während er langsam seinen Zauberstab aus dem Inneren seines Umhangs zog. Seine Hand außer Sichtweite richtete er seinen Zauberstab nach hinten und sprach einen Fesselspruch. Ein geschockter Schrei und ein dumpfer Aufprall war zu hören, als ein Körper auf den Boden aufschlug. Er erleuchtete seinen Zauberstab und sah nach unten in das Gesicht von …
„Remus! Oh scheiße, es tut mir Leid!" Harry starrte ihn an und löste seinen Spruch. Er half Remus auf die Beine und wischte ihm den Staub vom Umhang.
„Nichts passiert, Harry. Es freut mich, dass du immer noch Ständige Wachsamkeit übst." Remus lächelte. „Und außerdem war das auch schnell. Ich habe nicht einmal gesehen, wie du deinen Zauberstab gezogen hast."
„Mein Geheimnis", lächelte Harry. „Warum folgst du mir überhaupt?"
„Ich war auf dem Weg zum Krankenflügel, als ich dich herauskommen sah und entschied die nach unten zu folgen. Ich wollte dich nicht erschrecken." Harry hatte erneut das seltsame Gefühl beobachtet zu werden aber erwähnte es Remus gegenüber nicht.
„Das ist schon okay, Moony. Draco hat mich tatsächlich 'rausgeworfen, als ich ihm gesagt habe, dass ich den ganzen Tag noch nichts gegessen habe. Er sagte, dass ich nicht zurück kommen soll bis ich eine ganze Mahlzeit gegessen habe", kicherte er.
„Naja ich denke da sollten wir ihn nicht enttäuschen", lachte Remus und legte einen Arm um Harrys Schultern. Sie fuhren ihren Weg zu den Kerkern fort.
Ein anderer dunkler Körper löste sich aus den Schatten und knurrte voller Frustration.
So verdammt nah! Argh!
Später am Abend saß Harry auf dem schmalen Fensterbrett in ihren Räumen und sah zum scheinenden Halbmond auf. Ein leises Geräusch erregte seine Aufmerksamkeit und sein Zauberstab war blitzartig gezogen mit einem Entwaffnungszauber auf der Zunge. Draco starrte ihn mit großen Augen an.
„Was machst du außerhalb des Krankenflügels?" fragte Harry. Er steckte seinen Zauberstab wieder zurück und trat an Dracos Seite. Es war klar, dass er immer noch schwach von seiner Qual war und er zitterte durch die Anstrengung auf den Beinen zu bleiben.
„Ich konnte nicht ohne dich an meiner Seite schlafen." Er zuckte mit den Schultern. „Ich hatte ständig Alpträume in denen ich gewürgt wurde", erzählte Draco als Harry ihn in seine Arme zog.
„Madame Pomfrey wird auf dem Kriegspfad sein, wenn sie feststellt, dass du weg bist", warnte ihn Harry und führte ihn zu ihrem Schlafzimmer.
„Wenn das bedeutet, dass ich gut schlafen kann, dann kümmert es mich nicht, womit sie mir droht." Draco lächelte, als ihm ins Bett geholfen wurde. Harry ging sicher, dass er gut zugedeckt war, bevor er sie auszog und sich zu ihm legte. Draco kuschelte sich sofort nah an ihn und legte sein Ohr über Harrys klopfendes Herz. Es beruhigte seine Seele, dieses Geräusch und innerhalb kürzester Zeit war er eingeschlafen. Harry streichelte sanft seinen Rücken, dankbar, dass Draco immer noch Teil seines Lebens war, bevor auch er einschlief.
„Was zur Hölle meinen Sie mit 'er ist weg'? Sie sollten ein Auge auf ihn haben!" schrie Lucius die Medi-Hexe am darauf folgenden Morgen an.
Poppy hatte Lucius, Severus und Remus gerufen, als sie entdeckte, dass Draco aus seinem Bett verschwunden war.
„Er ist dein Sohn, Lucius. Du hast ihm wahrscheinlich alle Arten Anti-Aufspürzauber gelehrt." Poppy blitzte den wütenden Blonden vor ihr an. Lucius ging einen Schritt zurück und hatte den Anstand zu erröten. Severus biss sich auf die Innenseite seiner Wange um nicht zu Lachen und Remus erging es nicht besser. Er prustete alle paar Sekunden. Lucius sah die beiden böse an, seine Augen versprachen alle Arten schmerzhafter Rache.
„Also wo ist er?" fragte Remus. Plötzlich leuchtete der Kamin in Poppys Büro orange auf und sie konnten Harrys Stimme rufen hören. Sie gingen in ihr Büro und sahen Harry Kopf in den Flammen.
„Achso hier waren alle. Ich rief nach Dads Zimmer, aber niemand antwortete."
„Harry, stimmt etwas nicht?" fragte Sevrus.
„Nein. Ich wusste nur Madame Pomfrey wissen lassen, dass Draco bei mir ist. Er konnte letzte Nacht nicht schlafen also verließ er den Krankenflügel und kam zu unseren Räumen."
„Siehst du, Lucius. Es gab nichts besorgniserregendes" sagte Poppy dem älteren Malfoy.
„Nichts Besorgniserregendes? Draco wanderte durch das Schloss … allein sollte ich hinzufügen. Jemand versucht meinen Sohn zu töten und du sagst, es gibt nichts um das man sich Sorgen machen muss? Also bitte!" spottete Lucius.
„Lucius, reiß dich zusammen! Du bist ein Malfoy und ein Slytherin. Also verhalt' dich verflucht auch so" meinte Remus. Lucius starrte ihn an.
„Wie war das?"
„An den letzten beiden Tagen liefst du wie ein keifendes Waschweib herum, oder ich wage zu sagen, wie ein Hufflepuff!" Lucius versuchte mit einer Erwiderung aufzuwarten aber Remus unterbrach ihn. „Draco ist ein erwachsener Mann und ich bin verdammt sicher, dass er auf sich selbst aufpassen kann. Er braucht keinen Vater der übervorsorglich ist wie eine besorgte Mutter. Und lass uns nicht den Fakt vergessen, dass er an den machtvollsten Zauberer auf dem Planeten gebunden ist. Ich bin verdammt sicher, dass sie denjenigen, der hinter ihnen her ist das Handwerk legen können." Remus zählte diese Tatsachen an seinen Finger ab, während Lucius ihn geschockt anstarrte.
„Ähm … lasst es mich wissen, wenn das Feuerwerk vorbei ist" meinte Harry. Jeder hatte vergessen, das er immer noch im Feuer war. Er schloss schnell seinen Ausgang als die vier Erwachsenen im Raum sich gegenseitig anstarrten. Einen Augenblick später richtete sich Lucius auf, drehte sich auf dem Absatz um und verließ den Raum.
„Denkt ihr ich bin etwas zu weit gegangen?" wunderte sich Remus und kratzte sich den Kopf. Severus und Poppy sahen ihn an.
„Das war etwas, das gesagt werden musste, Remus. Ich bin nur überrascht, dass ich es nicht zuerst gesagt habe", seufzte Severus. „Er wird verschwinden, ein oder zwei Tage schmollen und dann zurück kommen um sich zu beschweren, dass du recht hattest und dann verlangen in den Boden gevögelt zu werden."
„Meine Güte! Zwischen euch drein und euren Kindern, ich weiß nicht welcher Gedanke heißer ist!" Poppy grinste und fächelte sich Luft zu.
„Du wirst uns NICHT beim Sex beobachten, egal wie sehr die Idee magst", erwiderte Severus.
„Verdrehter Idiot, oder nicht?" kicherte Remus. Poppy nickte mit knallrotem Gesicht.
