So, da bin ich wieder! Das hat jetzt doch alles etwas länger gedauert als geplant, aber ich hoffe, ihr nehmt mir das nicht ganz so sehr übel.

Jetzt geht's weiter.
vs


Erinnerungen

Er trieb sie wie ein Schaf. Weg von der Herde. Immer weiter durch das Schloss, durch immer engere Gänge. Sie musste irgendwo in der Nähe der Kerker sein. Ihre Füße stolperten und wollten jeden weiteren Schritt verweigern, doch der Überlebensinstinkt überwog. Ihre Lunge schien kurz davor zu sein zu bersten. Der Kampf, der oben in der Eingangshalle tobte, war hier unten nicht mehr zu hören. Es war menschenleer. Von ihr und ihrem Verfolger einmal abgesehen. Kraftlos stolperte sie über ihre eigenen Füße, stürzte, schlug sich Handflächen und Knie auf und rannte weiter, den Schmerz ignorierend.

Wenn ihr Verfolger gnädig gewesen wäre, würde sie schon längst nicht mehr leben, aber wann konnte man von einem Todesser schon Gnade erfahren? Ungebremst trugen ihre Beine sie gegen eine Wand und dann noch tiefer in das Labyrinth der Slytherins. Hinter der nächsten Kurve tauchte unerwartet eine Treppe auf. Der Boden unter ihren Füßen verschwand und sie fiel, überschlug sich einige Male. Die Treppe schien kein Ende zu nehmen. Endlich blieb sie gemartert und geschunden auf dem untersten Absatz liegen. Sollte er doch kommen, ihr war es egal. Sie war noch nie gestorben, aber nach alldem, was sie von den Geistern, die sie je in ihrem Leben getroffen hatte wusste, war der Tod etwas Angenehmes und sie war bereit jetzt mit ihm zu gehen, wenn er kam.

Die Schritte ihres Verfolgers näherten sich jetzt nur noch langsam. Er schlich die letzten Stufen herunter. Kam näher.

Warum brachte er es nicht einfach zu ende? Wollte diese Bestie erst noch ihre sadistischen Triebe an ihr ausleben oder hatte er noch anderes mit ihr vor? Merlin, sollte er sich doch ihren Körper nehmen, denn das war das einzige, was er je von ihr bekommen würde.

Er beugte sich zu ihr herab und es kostete sie ihre ganze Selbstbeherrschung, sich nicht zu übergeben, als ihr sein nach Verwesung stinkender Atem in die Nase stieg, während seine dreckverkrusteten Hände und die langen, gebrochenen gelben Fingernägel ihre Gesichtskonturen nachzogen. Er entblößte seine fauligen Fangzähne und ihr Magen drehte sich unangenehm.

„Na, meine Schöne, wie wärs mit uns Beiden? Wir würden sicherlich ein hübsches Pärchen abgeben, oder was meinst du?"

Sie spuckte ihm angewidert in das gierende Gesicht. „Träum weiter!"

Im nächsten Moment wurde das Ekel, von einem Lichtblitz getroffen, zur Seite geschleudert.

„Ich warne dich, Flohschleuder, lass deine dreckigen Pfoten von meiner Freundin!" Sie wusste nicht wo Ron, der sich schützend zwischen ihr und dem Werwolf aufbaute, so plötzlich hergekommen war, aber es war im richtigen Moment.

„Und wenn ich das nicht möchte?", höhnte die Bestie und rappelte sich auf.

„Verschwinde Hermine!"

Sie sah Ron entsetzt an und ihre Stimme war nicht viel mehr als ein erstickter Windhauch.. „Nein … Ron … ich kann doch nicht …"

„Du musst", sagte er nachdrücklich.

„Aber …"

„LAUF!"

Mit letzter Kraft unbekannter Herkunft sprang sie auf und sprintete los. Beinahe gleichzeitig fiel der Werwolf über Ron her und ein roter Lichtblitz erleuchtete die Gänge. Der Boden begann zu beben und der Gang stürzte hinter ihr ein. Etwas schlang sich fest um ihre Arme. Sie schrie. Schlug um sich. Versuchte sich frei zu kämpfen. Doch was auch immer sie gepackt hatte, es hielt sie nur noch fester. Wie eine Teufelsschlinge.

„Hermine!"

Der Boden brach unter ihren Füßen weg und in ihrer Panik schrie sie noch lauter.

-xXx-

„Merlin, jetzt mach endlich die Augen auf! Hermine!"

Bill wusste nicht, wie lang er jetzt schon versuchte, die komplett panische Hermine zu beruhigen. Auf einmal riss sie die Augen auf, entwand sich mit einem erneuten Aufschrei aus seinem Griff, setzte sich aufrecht in die äußerste Ecke ihres Bettes und starrte verstört um sich.

„Hermine?", fragte er besorgt, erhielt jedoch keine Antwort. Sie saß einfach nur völlig durchgeschwitzt und verängstigt in ihrer Ecke gedrückt, die Augen weit aufgerissen ins Leere blickend und zitterte am ganzen Körper.

Bill setzte sich behutsam neben sie, legte ihr einen Arm um die Schultern und zog sie vorsichtig an sich. Langsam entspannte sich Hermine, bis sie schließlich erschlafft an seiner Schulter lehnte.

„Schlecht geträumt?", brach Bill irgendwann das Schweigen.

Sie nickte stumm als Antwort.

„Möchtest du darüber reden?"

Hermine rutschte etwas weiter nach unten und legte den Kopf auf seine Brust. Plötzlich fühlte er sich Jahre zurückversetzt. Er war wieder der große Bruder, zu dem alle Geschwister kamen, wenn sie Probleme hatten. Nur mit dem Unterschied, dass Hermine deutlich älter war als seine Geschwister damals.

„Eigentlich wollte ich dir nur dein Frühstück hoch bringen. Charlie hat gestern Abend versucht dich etwas aufzupäppeln, aber dein Körper reagiert nur schwach auf die Heilmittel."

Sie hob gleichgültig die Schultern. „Und wenn schon. Ist doch eh alles egal."

„Hey, das Leben geht weiter."

„Wie beruhigend." Sie lachte sarkastisch auf. „Das sagt einer, der seinen Kummer im Alkohol ertränkt."

Bill versuchte es erst gar nicht vor der wütend aufspringenden Frau abzustreiten. Er stank sicherlich wie ein Abraxaner. Hermine lief in der Zwischenzeit zu Höchstformen auf.

„Auf das Leben kann ich gut und gern verzichten! Ein Leben im Krieg!" Sie lief aufgebraucht durch das Zimmer und raufte sich die Haare. „Immer mit der Angst, das Cottage könnte irgendwie irgendwann einmal gefunden werden! Und jeden Tag werden mehr Menschen sterben, die wir kennen! Freunde! Familie! Das nennst du Leben! Ein scheiß Leben! DARAUF KANN ICH GUT UND GERN VERZICHTEN!" Mit den letzten Worten griff sie nach einer Vase, warf sie quer durchs Zimmer und traf damit die Wand hinter Bill, der sich im letzten Moment wegducken konnte. Hermine griff nach einer Holzschale, doch bevor sie damit auf das Fenster zielen konnte, war Bill aufgesprungen und hatte einen Arm um sie geschlungen, während er mit der freien Hand versuchte, das Wurfgeschoss vor seinem Schicksal zu bewahren.

Sie ließ die Schale los und begann sich heftig zu wehren. Bill schlang auch den zweiten Arm um ihrem Körper und zog Hermine noch enger an sich. Sie zappelte mit letzter Kraft und sankt schließlich völlig erschöpft und weinend in seinen Armen zusammen.

„Ich bring die Vase wieder in Ordnung", schluchzte sie, befreite sich aus seinen Armen und schwankte gefährlich von einer Seite auf die andere.

Bill zog Hermine schnell wieder in seine Arme und sie vergrub das Gesicht an seiner Brust. „Vergiss die Vase. Die war nur ein altes Familienerbstück, das uns Tante Muriel irgendwann mal geschenkt hat. Wenn man einmal davon absieht, dass das Teil koboldgearbeitet war, um die tausend Jahre alt und um die 500 Galeonen gekostet hat. Um ehrlich zu sein bin ich froh, dass ich endlich einen Grund habe, die Vase verschwinden zu lassen."

Eine Etage unter ihnen ging die Haustür auf und mehrere Stimmen waren zu hören.

-xXx-

„Ich werde sicherlich nicht Tante Muriel abholen! Sie hasst mich, seit dem Fred und ich damals ihrer Katze einen Feuerwerkskörper in den Hintern gesteckt haben."

„Das würde ich an ihrer Stelle auch. Schließlich ist das arme Tier daran auch gestorben", warf Percy ein.

Immerhin hat sie dafür einen Grund. Seit dem sie weiß, dass ich mit Harry zusammen bin, darf ich mir bei jeder Gelegenheit anhören, welcher Reinbluttyp am besten zu mir passen würde!"

„Recht hat sie aber. Ich weiß echt nicht, was du an Harry so attraktiv findest."

„Ich habe durchaus meine Qualitäten, aber ich verspreche dir, dass du davon nie etwas genaueres erfahren wirst, George."

„Sie kann uns alle nicht besonders leiden, falls es euch noch nicht aufgefallen ist", sagte Charlie, der absolut kein Interesse an irgendwelchen Qualitäten von wem auch immer hatte.

„Warum holst du sie nicht ab, Percy? Du hattest doch so eine brillante Karriere im Ministerium gestartet. Wir durften uns Ewigkeiten anhören, wie schön es ist, das wenigstens einer in der Familie etwas zu Stande gebracht hat", schlug Ginny vor.

„Wie du bereits so schön erwähntest, ich hatte eine Karriere. Die letzte Amtshandlung von Thicknesse war es, mich Verrates wegen zu feuern."

„Ja, das ist die offizielle Version. Der eigentliche Grund werden wohl deine ständige hilfsbereite Anwesenheit und diese sinnlosen Kesselberichte gewesen sein." Wenn Blicke töten könnten, wäre George jetzt sicherlich gestorben.

„Okay, Vorschlag: Harry nimmt fünf Zahnstocher und jeder von uns zieht einen. Wer den Kürzeren bekommt, holt Tante Muriel ab", sagte Charlie diplomatisch.

„Was für ein Kindergarten", murmelte Percy.

Charlie sah seinen jüngeren Bruder herausfordernd an. „Habe ich da eben einen Freiwilligen gehört?"

Während Percy mürrisch der Gruppe hinterher in die Küche trottete und Harry nach Zahnstochern suchte, ging Charlie nach oben um Bill ausfindig zu machen. Kaum hatte er die Treppe verlassen, als er ein verdächtiges Klirren im Zimmer des Gesuchten hörte.

Bill würde doch nicht schon wieder …

Charlie wollte eben die Tür öffnen, als diese aufschwang, Er erkannte Bill einen Moment, bevor er auch schon mit ihm zusammen prallte. Etwas hartes mit nassen Inhalt und beißenden Geruch traf ihn direkt im Gesicht und durchweichte kurz darauf sein T-Shirt. Die beiden Männer starrten sich kurz erschrocken an und während Charlie sich eine tropfende Strähne aus dem Gesicht wischte, erhascht er ein Blick auf die hellblaue Flasche, die eilig hinter Bills Rücken verschwand.

Bombay Sapphire? Das reichte. Charlie musste dringend einmal ein ernstes Wort mit seinem Bruder reden. Und zwar bevor die Flasche vollständig geleert wurde.

„Hast du einen Moment Zeit, Bill?"

„Nein … also … ja … worum geht's denn?", druckste der Ältere, dem ein Gespräch im Moment alles andere als recht zu sein schien.

Charlie schob seinen Bruder rückwärts in sein Zimmer zurück und schloss hinter sich die Tür.

„Hermine geht es miserabel, falls es das ist, weswegen du hier bist. Sie ist nervlich total am Ende und zeigt keinen Hauch von Lebenswillen. Wenn man versuchen würde, sie zu erwürgen, würde sie sich nicht einmal wehren."

„Und wie geht es dir?", fragte Charlie, der schon gestern festgestellt hatte, dass Hermines Zustand alarmierend war.

Bill wich dem Blick seines Bruders aus. „Bestens."

Charlie hob ungläubig eine Braue. „Wirklich?"

„Ja!"

„Und warum zweifel ich an deiner Antwort?", fragte er ruhig weiter, denn wenn er jetzt aufbrausend wurde, hatte er nichts erreicht.

„Woher soll ich das wissen?", schnauzte Bill. „Was du glaubst oder nicht ist deine Sache!"

„Merlin, du bist mein Bruder! Denkst du, ich merke nicht, dass du ein Problem hast?"

„Gut erkannt, Sherlock! Da fällt mir ein, meine Frau und zwei meiner Brüder sind vor ein paar Tagen gestorben! Vielleicht liegt es ja daran?" Er machte einen bedrohlichen Schritt auf Charlie zu und zum ersten Mal wurde diesem wirklich bewusst, dass er gut einen halben Kopf kleiner war als sein Bruder.

„Bill, dass war auch ebenso unsere Familie! Allerdings ist mir noch niemand von unseren Eltern oder Geschwistern mit so einem Alkoholkonsum begegnet", sagte Charlie, immer noch beherrscht.

Bill verlor die Nerven. „Willst du damit sagen, dass ich ein Säufer bin? Willst du das?"

Er schubste seinen Bruder grob an den Schultern, doch Charlie bewegte sich kaum vom Fleck und streckte stattdessen die Hand aus. „Wenn das so ist, kannst du mir sicherlich auch die Flasche geben."

„Warum sollte ich?"

„Zeig mir, dass du nicht süchtig bist."

„Ich bin nicht süchtig! Ich könnte jeder Zeit damit aufhören!"

„Schön. Dann gib mir einfach die Flasche und ich werde dir nie wieder so etwas unterstellen."

„MERLIN, ICH BIN NICHT SÜCHTIG!" Bill schubste seinen Bruder erneut und diesmal stolperte er rückwärts gegen die Tür. Das war dann doch zu viel für seine Ruhe.

„Natürlich nicht! Du ertränkst nur deinen Verlust! Es funktioniert ja auch bestens! Immer, wenn die Erinnerung kommt sofort zur Flasche greifen, damit sie möglichst wenig Schaden anrichtet! Oder lässt du es vielleicht schon gar nicht mehr so weit kommen? Es ist ja immer noch am Besten, wenn sie einfach gar nicht mehr an die Oberfläche kommt!"

„Halt den Mund, Charlie!"

„Warum? Ist es denn so schwer mit der Realität zu leben? Worauf wartest du noch? Du hast doch die Flasche schon in der Hand! Komm schon, nach drei kräftigen Zügen Gin geht es dir sicherlich schon viel besser!"

„Sei still. Bitte", flehte Bill, doch sein Bruder hatte sich jetzt richtig in Rage geredet.

„Was ist daran so schwer? Es hat doch die letzten beiden Tage auch bestens funktioniert! Los! Ein Schluck für Fleur, die in deinen Armen gestorben ist! Einer für Fred, der mit dem halben Schloss in die Luft gesprengt wurde!"

„Charlie!" Bill jammerte auf und hielt die freie Hand vor Augen, als ob er so den Redefluss stoppen konnte.

„Einer für Ron, dessen Leiche wir fast nicht mehr identifizieren konnten. Wie wärs mit einem Weiteren für Hermine, die kurz davor ist auch noch zu sterben, wenn sie nicht bald aus diesem seelischen Abgrund herausfindet! Und wenn wir schon einmal bei Abgründen sind, trink doch auch noch darauf, dass du überhaupt schon wieder mit trinken angefangen hast, denn eigentlich weißt du, dass es falsch ist! Soll ich noch weiter reden? Mir fallen sicherlich noch ein paar gute Gründe ein!"

Charlie hatte kaum geendet, als Bill vor seinen Füßen zusammen brach. Die Flasche in seiner Hand kippte auf den Teppich und der restliche Gin sickerte langsam heraus in den beigen weichen Stoff.

Wütend über sich, seinen Bruder, Alkohol, den Krieg und überhaupt über die ganze Welt, verließ Charlie lautstark das Zimmer, schlug die Tür gut hörbar – seines Erachtens jedoch nicht laut genug – hinter sich zu und polterte die Treppen herunter, vorbei an seinen Geschwistern und Harry, die ihn verwirrt anstarrten und sicherlich Alles gehört hatten.

„Du kannst die Zahnstocher wieder wegräumen, Harry, ich hohle Furiel freiwillig ab!"

„Wenn wir Glück haben, kommen die Beiden nur halbtot hier an", flüsterte George.

Charlie ballte die Fäuste und wollte schon etwas erwidern, doch dann schien es ihm sinnvoller, die Wut, die in ihm kochte, zu unterdrücken.

Die Haustür schloss sich unsanft hinter ihm und endlich im Freien, bekam er einen klaren Kopf. Er hätte sich beherrschen müssen. Warum war er nicht einfach aus dem Zimmer gegangen? So hatte er zumindest nichts erreicht.

Charlie stand schon eine gefühlte Stunde vor der Haustür seiner Tante und hatte nach dem fünften Klingeln aufgehört zu zählen. Rein theoretisch könnte er auch einfach die Tür öffnen und drinnen nach dem Rechten sehen. Mit etwas Glück war Furiel auch schon gestorben. Aber dafür hatte er schon zu viele zu schlechte Erfahrungen mit dieser Frau gemacht. Um ganz genau zu sein, hatte er sich schon einmal in einer ähnlichen Situation befunden. Mit seinen unschuldigen zehn Jahren hatte er vor ihrer Tür gestanden – warum wusste er nicht mehr – und hatte gewartet. Und er hatte wirklich sehr lange gewartet, bis er sich schließlich Sorgen um seine Tante machte. Er hatte vorsichtig die Tür geöffnet und hinein gespäht. Es war nichts ungewöhnliches zu sehen aber dafür zu hören. Aus dem Bad kamen Schreie, als ob jemand gefoltert wurde. Charlie war panisch in eben diese Richtung gerannt und hatte die Tür aufgerissen. Das Bild, das er dann sah, hatte sich bis zum heutigen Tag in seine Augen gebrannt und er würde es wohl auch noch in neunzig Jahren nicht vergessen haben.

Mitten im Badezimmer stand seine Tante. So wie die Natur sie geschaffen hatte. Und als sie ihn bemerkte schrie sie wirklich. Schneller, als Charlie es realisieren konnte, hatte sie ihm auch schon eine Ohrfeige verpasst. Seine Eltern hatten auch irgendwann davon erfahren und dafür gab es dann auch noch eine Strafpredigt von seiner Mutter, während sein Vater versuchte eine ernste Miene aufzusetzen. Später erfuhr Charlie, dass das Foltergeschrei von Furiel Gesang sein sollte. Anscheinend der einer Banshee oder so.

Im hier und jetzt klingelte Charlie erneut an der Tür und zu seiner Erleichterung hörte er die gereizte Stimme von Tante Muriel. „Was soll den schon wieder dieser Stress? Eine alte Dame ist doch keine Dampflok!" Na die war ja schon wieder gut drauf.

Er wartete – laut seiner Uhr – dennoch eine geschlagene viertel Stunde, bis die Furie endlich die Tür öffnete.

„Ah! Da bist du ja endlich Charles. Ich warte schon den ganzen Tag auf dich, aber Pünktlichkeit war ja noch nie deine Stärke."

„Hallo, Tante Muriel", antwortete Charlie auf die überaus freundliche Begrüßung seiner Tante. Er war ruhig. Er würde es nicht zum eskalieren bringen. Nicht schon jetzt.

„Hier riecht es seltsam nach Alkohol." Tante Muriel schnüffelte wie eine Katze in der Luft bis ihr Blick vorwurfsvoll auf ihm zum liegen kam. „Du bist das! Charles, bist du etwa betrunken hier her appariert?"

„Ich hatte vorhin nur eine Kollision mit einer Flasche Bombay Sapphire. Ich bin vollkommen nüchtern."

„Bombay Sapphire? Du hast einen ausgesprochen schlechten Geschmack, Junge. Nun gut. Wenn du schon einmal da bist, kannst du mir auch gleich beim Tragen helfen. Ich habe in letzter Zeit immer solche Probleme mit meinem Rücken", rasselte sie ohne Punkt und Komma herunter. Und Merlin, hatte sie schon immer eine so hohe unangenehme Stimme?

Charlie folgte ihr in den Eingangsbereich ihres Hauses, der komplett in weiß und rosa gehalten war. An einer Wand stapelten sich fünf Koffer und mehrere Taschen. Warum in Merlins Namen hatte sie das nicht alles schon auf eine tragbare Größe gezaubert, wenn sie angeblich schon soo lang auf ihn gewartet hatte. Aber er wollte nicht schon wieder die Nerven verlieren, also zückte er nur seinen Zauberstab und richtete ihn auf die Koffer.

„JUNGE BIST DU WAHNSINNIG? Da sind zerbrechliche Gegenstände enthalten! Die kannst du doch nicht einfach so schrumpfen lassen!"

Charlie verdrehte genervt die Augen. „Tante Muriel, da kann überhaupt nichts passieren."

„Woher willst du das so genau wissen? Da sind sehr zerbrechliche wertvolle Gegenstände drin!"

„Der Zauber ist absolut zuverlässig, da kann nichts zu Bruch gehen."

„Woher willst du das denn wissen? Hast du denn schon jemals in deinen Leben so einen Zauber ausgeführt? Außerdem bist du betrunken."

„Tante Muriel, ich …"

„Willst du mir etwa widersprechen?"

„Nein, aber …"

„Dann hilf deiner armen alten Tante und nimm endlich die Koffer! Ihr jungen Leute wisst heutzutage doch gar nicht mehr, was körperliche Arbeit bedeutet! Kein Wunder, bei diesen ganzen neumodischen Zaubern."

„Bist du dir wirklich sicher, dass du nur die wirklich wichtigen Sachen eingepackt hast?" Charlie begutachtete zweifelnd das Gepäck.

„Natürlich bin ich mir sicher!"

„Und wo sind deine Tiere?", fragte Charlie, der sich noch gut an eine kratzbürstige Katze und eine eingebildete Eule erinnern konnte, jedoch keinen Käfig, Korb oder etwas derartiges erblickte.

„Oh, da mach dir mal keine Sorgen. Rex und Princess habe ich bereits gut verstaut." Sie deutete auf zwei Taschen. „Diese neuen Transporttaschen für Tiere sind ja so praktisch."

Merlin, merkte diese Frau überhaupt noch, dass sie sich selbst widersprach?

„Was ist denn jetzt! Können wir endlich los oder möchtest du dich noch weiter vor der Arbeit drücken?" Tante Muriel griff nach den Taschen mit ihren Tieren und schritt erstaunlich leichtfüßig für eine alte Frau mit Rückenproblemen aus dem Haus.


So viel zu meinem schriftlichen Part. Jetzt dürft ihr auch mal was für mich schreiben. Ich würde mich da echt drüber freun.

Bis demnächst
daydreamer