Unglaublich, aber wahr! Ich habe endlich einen Weg gefunden hier wieder etwas zu posten. Hoffentlich hat sich das Warten für euch gelohnt.

Ich für meinen Teil hoffe, dass sich nicht allzu viele Fehler eingeschlichen haben und wünsche euch jetzt viel Spaß beim lesen.


Stimmen

Es war erst sieben Uhr morgens, doch durch Shell Cottage zog sich bereits der verführerische Duft von frisch gebratenen Eiern, Speck, Pilzen und Bohnen. Charlie war zufrieden mit seinen zum Teil selbst angeeigneten Kochkünsten. Schon allein deswegen, weil seine Mutter mehr als einmal zu ihm gesagt hatte, dass er es irgendwann noch fertig bringen würde, Wasser anbrennen zu lassen.

Irgendwo im Haus wurde eine von mehreren Türen geöffnet. Welche genau war nicht mehr zu unterscheiden, denn mit drei Bädern und zwölf Schlafzimmern hatte sich das Cottage in den letzten Tagen zu einer Art Massenunterkunft entwickelt. Wenn alle da waren, lebten insgesamt fünfundzwanzig Personen unter einem Dach. Angefangen bei der unbeliebten Tante Muriel, die von allen hinter ihrem Rücken jedoch nur Furiel genannt wurde, bis hin zu dem Waisen Ted, der zur Hälfte ein Werwolf war. Wie lang konnte das gut gehen?

Das ein Küchenmesser schnitt die letzten Pilze in die Pfanne, als vor der Küchentür Stimmen zu hören waren.

„Ich habe wirklich keinen Hunger!"

„Und du kommst trotzdem mit rein. Du hast in den letzten Tagen lang genug in deinem Zimmer gesessen, die Wände angestarrt und über den nicht vorhandenen Sinn des Lebens nachgedacht."

„Es ist ja auch viel sinnvoller, wenn ich die Wände in der Küche anstarre!"

„Sieh es doch einmal von der positiven Seite. In deinem Zimmer kannst du jeden Quadratzentimeter schon beim Namen nennen. Die Wände in der Küche kennst du noch nicht so gut. Das bringt Abwechslung ins Leben."

„Sehr witzig, Bill. Ich lach mich tot."

Die Tür ging auf und Bill schob eine Hermine in die Küche, die aussah wie der Tod persönlich. Das bleiche Gesicht und die trüben Augen wurden von zerzausten Haaren halb verdeckt, welche schlaff über die abgemagerten Schultern hingen.

Für Charlie, der ihren von Tag zu Tag kontinuierlich schlechter werdenden Zustand schon seit längerer Zeit miterlebte, war dies kein überraschender Anblick, doch wenn sie nicht bald etwas an ihrer Lebenseinstellung ändern würde, hatte sie nicht mehr lange zu leben.

„Morgen", grüßte Bill knapp. Seit ihrer Auseinandersetzung hatte es zwar keine weiteren Vorfälle gegeben, aber die Spannung zwischen den beiden Brüdern war immer noch präsent. Der Jüngere erwiderte den Gruß ebenso und Hermine setzte sich, etwas unverständliches murmelnd, zu Bill.

Charlie belud zwei Teller und stellte diese unter dem wütenden Blick Hermines auf den Tisch.

„Ich sage das jetzt zum letzten Mal. Ich – habe – keinen – Hunger!"

„Du vielleicht nicht, wir dafür aber umso mehr", erwiderte er und stellte ihr einen Teller mit frisch getoasteten Weißbrot unter die Nase. „Wir frühstücken und da du schon einmal hier bist, darfst du auch etwas essen. Ich für meinen Teil kann mit ruhigen Gewissen behaupten, dass noch niemand an einer Scheibe Brot gestorben ist und ich bin mir sicher, dass dies auch heute nicht der Fall sein wird."

Bill grinste, doch Hermine bedachte die Beiden mit tödlichen Blicken. Schließlich nahm sie eine Scheibe Brot in die Hand und begutachtete diese so misstrauisch, als ob sie trotz Charlies Versicherung dennoch vergiftet war. Die Brüder machten sich indessen über ihre Teller her, während am Herd Messer, Pfannen und Kochlöffel noch fleißig am werkeln waren. Es herrschte gefräßige Stille, wenn man einmal von Hermine absah, die das Brot hypnotisierte.

Eigentlich hätten sie misstrauisch sein müssen, denn Stille war in so einem großen Haushalt etwas extrem Seltenes und sie währte nie lange. Auch jetzt nicht.

Die Küchentür wurde erneut geöffnet und eine alte Hexe mit einer weißen Katze auf dem Arm trat ein.

„So, mein kleines Prinzesschen. Mommy schaut mal, was sie für leckere Sachen für ihren kleinen Lieblahhh!"

Der letzte Satz von Tante Muriel endete in einem lauten Schrei, begleitet von einem beleidigten Miauen von Princess, die ohne Vorwarnung aus den Armen ihrer Besitzerin geschleudert wurde.

Hermine zuckte und schrumpfte auf ihrem Stuhl zusammen. Charlie ballte die Hände fest um das Besteck, während Bill neben ihm die die Augen fest schloss und tief ein und aus atmete, sichtlich um Beherrschung ringend.

„WAS IST DENN DAS?", schrie Muriel und deutete hysterisch auf Hermine. „SEIT WANN SIND WIR EIN OBDACHLOSENHEIM FÜR DAHERGELAUFENE LANDSTREICHER?"

Charlie würde nicht ausrasten. Nicht noch einmal. Wenigstens noch eine Woche durchhalten. Sein letzter Ausraster wegen dieser Frau war doch erst vier Tage her. Ihm war ihr Verhalten deutlich gegen den Strich gegangen, als er sie abholte, also hatte er sie kurzerhand samt ihren Gepäck auf die Größe einer Tabakdose geschrumpft. Man kann sich wohl die Begeisterung von Tante Muriel ohne größere Probleme vorstellen. Seit dem war überall, wo die Beiden aufeinander trafen, hochexplosive Luft.

Während Charlie noch versuchte sein Besteck zu zersrücken, ergriff Bill das Wort. „Entweder du setzt dich jetzt mit an den Tisch und isst, oder du gehst wieder!"

„Ich werde mich sicherlich nicht mit dieser Person an einen Tisch setzen! Weiß Merlin, was die alles für Krankheiten hat!"

Hermine wollte soeben aufstehen und das Feld räumen, als sie von Bill auf ihren Platz gedrückt wurde.

„Du bleibst sitzen!", sagte er mit Nachdruck in der Stimme. „Das ist immer noch mein Haus, und wer wie an meinem Tisch sitzt entscheide immer noch ich! Entweder, du setzt dich jetzt oder du gehst wieder!"

„So etwas hätte es bei uns früher nie gegeben. Man kann ja wenigstens ein klein wenig auf Körperhygiene achten!", setzte Muriel aufs Neue an.

„Muriel!" Bills Knurren war nur ein kleiner Vorbote von dem, was gleich folgen würde.

Hermine stützte sich mit den Ellenbogen auf dem Tisch und beugte sich wie eine aggressive Politikerin darüber. „Um das Ganze noch einmal klarer zu formulieren. Sie sähen es lieber, wenn ich erst einmal ein ausgiebiges Bad nehmen und meine Haare in Ordnung bringen würde, bevor ich mich an diesen Tisch setze?"

„Ja, genau das meine ich!"

„Also, wenn es sonst weiter nichts ist …" Hermine stand mit einem hinterlistigen Lächeln auf und stolzierte zur Tür hinaus.

-xXx-

„DU KOMMST JETZT SOFORT AUS MEINEM BAD RAUS! SOFORT!"

„Kann mal jemand diese Frau zum Schweigen bringen? Ich hatte eine schlechte Nacht", stöhnte Harry, der halb verschlafen neben Ginny am Tisch saß und seine Hand, in der er meinte, eine Brotscheibe zu halten, mit Butter bestrich.

„Furiel wird erst still sein, wenn Hermine das Bad verlassen hat." George grinste breit und beobachtete, wie Harry sein Ei pellte und in ein Glas mit Kürbisssaft tunkte.

„Wohl eher nicht", sagte Percy und sah angeekelt zu, wie Harry ihm gegenüber nun begann, sein Brot mit Schwarzen Tee zu fluten. „Wenn Hermine da raus kommt, kann sie sich eine Strafpredigt anhören, die sich gewaschen hat. Das willst du doch jetzt nicht wirklich essen, Harry?"

Harry, der sich seinen Toast noch zusätzlich mit Salz und Pfeffer gewürzt hatte, biss herzhaft hinein und kaute eine Weile darauf herum, während der Rest der Tischgesellschaft ihm angewidert dabei zusah. „Charlie, deine Kochkünste sind erbärmlich."

„ICH WARNE DICH DU FRECHE GÖRE! MACH DIE TÜR AUF, SONST ÜBERNEHME ICH DAS!"

Lee Jordan hatte Mühe, seine Pilze nicht über den ganzen Tisch zu spucken. „Eure Tante kennt ja sehr kreative Schimpfwörter."

Ein explosionsartiger Knall ließ die kleinen Kristalle des koboldgearbeiteten Kronleuchters im Nebenzimmer bedrohlich klirren und unter dem Türspalt leuchtete es für eine Sekunde hell auf.

Molly schüttelte ratlos den Kopf. „Wenn sie so weiter macht, müssen wir uns nach einem neuen Hauptquartier umsehen."

„Bevor sie mir das Haus in die Luft jagt, kann sie mit Fang das Zimmer tauschen." Bill stand auf, ging mit energischen Schritten zur Tür, riss sie auf und wollte diesem Theater endlich ein Ende bereiten. Beinahe zeitgleich öffnete sich die Tür gegenüber und eine dicke Nebelwand waberte aus dem Bad heraus.

„Na endlich! Das hat aber lange gedauert!", keifte Tante Muriel sofort weiter.

Hermine, in einem dunkelblauen Bademantel gewickelt und mit einem grünen Handtuch auf dem Kopf, das ihr die nassen Haare aus dem Gesicht hielt, schritt an ihr vorbei und würdigte sie keines Blickes. Bill sah die nächste Beleidigung schon kommen, bevor Tante Muriel den Mund aufmachte.

„Ich dachte schon, du hättest dich da drin ertränkt! Aber dann wären wir dich wenigstens los gewesen. Ein faules Maul weniger zu stopfen!"

Bill holte Luft um einzugreifen, doch Hermine war schneller. „Pass bloß auf, dass ich dir nicht das Maul stopfe, Schätzchen!"

Reflexartig wich der Mann ein Stück zurück und griff nach seinem Zauberstab – der durch Abwesenheit glänzte. Merlin, wo war dieses Ding, wenn man es einmal brauchte! Seine einzige Beruhigung war, das seine Tante lieber mit Worten kämpfte, als mit Taten und Hermine nichts hatte, um ihr wirklich gefährlich zu werden. Dennoch hatte er ein ungutes Gefühl.

„Wie willst du das denn anfangen? Eine einfältige Muggelstämmige wie du kann ja wohl kaum dazu in der Lage sein, einen anständigen Zauber zustande zu bringen!"

Das war das entscheidende Stichwort. Während Bill die Kinnlade herunter klappte, sagte hinter ihm ein einstimmiger empörter Chor „Muriel!".

Hermine wirbelte herum und funkelte ihre Rivalin bedrohlich an. „Wie hast du mich gerade genannt?"

„Du hast schon richtig gehört, Kleine!"

„Na los! Sag es noch einmal! Wir hören dir alle zu! Oder bist du schon so senil, dass du es bereits wieder vergessen hast?"

Tante Muriel öffnete leicht den Mund. „Eine einfältige Muggelstämmige!"

Beinahe gleichzeitig hob Hermine die Hand und Bill fand – etwas zu spät – seinen Zauberstab in eben dieser wieder, kurz bevor Hermine „SILENCIO!" schrie. Die Worte begannen erneut im Übermaß aus Tante Muriels Mund zu sprudeln, doch nichts war zu hören.

„Findet ihr diese Stille auch so erfrischend wie ich?", sagte Hermine mit einem freudigen Lächeln und drückte den sprachlosen Bill seinen Zauberstab in die Hand. „Danke fürs Ausleihen. Du darfst den Mund übrigens wieder schließen, das sieht sonst irgendwie seltsam aus. Also, dann genießt die Ruhe, denn ich habe nicht vor, den Zauber vorzeitig zu beenden."

Hermine wanderte triumphierend die Treppe zu ihrem Zimmer hinauf und Muriel drohte ihr stumm mit Mimik und Gestik, ohne damit etwas zu erreichen.

-xXx-

Vier Tage. Seit vier Tagen hatte er keinen Alkohol mehr in die Hand genommen und Bill empfand eine Art Triumph. Von wegen Abhängigkeit. Er konnte jeder Zeit damit aufhören. Charlie machte sich einfach zu viele Sorgen.

'Bill.'

Bill zuckte zusammen und sah auf. Hatte er da eben seinen Namen gehört? Alles im Raum blieb still. Er musste sich geirrt haben. Merlin, die letzte Nacht hatte ihm anscheinend stärker zugesetzt als erwartet. Zwar war Bill zeitig schlafen gegangen, aber bis er erfolgreich die Augen schließen konnte, vergingen noch einige Stunden und als es ihm schließlich gelang, folgte eine unruhige Nacht. Nicht zuletzt deswegen, weil er mindestens vier mal aufgewacht war. Grund dafür war eine Frauenstimme, die, wie durch eine dichte Nebelwand, durch seinen Kopf hallte und ihn regelmäßig aus dem Schlaf riss. Die selbe Stimme, die ihn auch jetzt gerufen hatte. Merlin, er verlor anscheinend endgültig den Verstand. Stimmen zu hören, die nicht annähernd menschlichen Ursprungs waren, erwiesen sich in den seltensten Fällen als etwas positives. Meistens waren solche Ereignisse von schwarzer Magie geprägt und davon gab es außerhalb der Bannkreise mehr als genug.

Aber hier konnte es nichts dergleichen geben. Als Geheimniswahrer von Shell Cottage war Bill sich zu hundert Prozent sicher, dass sich auf dem gesamten Gelände nichts dergleichen befand. Verlor er jetzt doch den Verstand?

Nein, das war nicht möglich. Solche Leute merkten es nicht, wenn sie wahnsinnig wurden, sonst würden sie ja noch rechtzeitig etwas dagegen unternehmen, bevor es so weit kam.

„Bill, bist du hier?"

Anscheinend wurde er jetzt doch verrückt oder irgendjemand versuchte ihm einen üblen Streich zu spielen! Bill musste nicht lange darüber nachdenken, wer ihn hier versuchte zum Narren zu halten. Es war nur einer im Haus, der auf solche Ideen kommen konnte. George. Er musste es sein, keine Frage! Der konnte was erleben! Mit energischen Schritten marschierte er auf die Tür zu, um seinen Bruder zur Rede zu stellen, doch kaum hatte Bill diese aufgerissen, schreckte er mindestens ebenso überrascht zurück wie die Person, die vor seinem Zimmer stand.

„Hermine!", stöhnte Bill erleichtert, während ihm die angestaute Spannung aus dem Körper wich. „Was machst du denn hier?"

Hermines Augen starrten unbehaglich abwechselnd zu Bill und seinem auf sie gerichteten Zauberstab, bis sie ihn bei Seite schob. „Ähm … na ja … eigentlich wollte ich dich nur fragen, ob du mit zur Versammlung kommst, aber wenn du lieber allein sein möchtest, dann …"

„Was?" Bill sah erst Hermine, dann den Zauberstab in seiner Hand an, bis ihm langsam dämmerte, was sie meinte. Hermine atmete erleichtert auf, als Bill endlich das bedrohliche Stück Holz aus der Hand legte. „Tschuldigung.

„Also?"

„Was, also?"

„Ob du mit runter kommst!"

„Ach so … ja … ich komme gleich."

Stolz darüber, dass er seine sture Tante Muriel endlich zu der Einsicht gebracht hatte, dass sie nicht an der Versammlung teilnehmen konnte und er dabei noch nicht einmal ausgerastet war, betrat Bill das überfüllte Wohnzimmer.

Auf sämtlichen Sitzmöglichkeiten hatten sich um die vierzig Hexen und Zauberer im Raum verteilt. Einige sahen nur auf, als sie die Tür hörten, andere die ihn kannten hoben grüßend die Hand.

Nach und nach tröpfelten die restlichen Ordensmitglieder ein und endlich eröffnete Minerva McGonagall das Treffen.

Bill konnte sich nicht Helfen. McGonagalls Stimme wirkte nach wie vor besser als das stärkste Schlafmittel auf ihn. Wenn sie nicht so streng gewesen wäre, hätte ihr Unterricht die beste Schlafmöglichkeit geboten, die sich ein Schüler nur wünschen konnte.

Seine Gedanken verabschiedeten sich langsam von der Gegenwart. Wo sollte das hier alles enden? Würden sie in zehn Jahren noch im Krieg leben, oder regierte da bereits Du-weißt-schon-wer über die ganze Welt? Wie würde diese dann aussehen? Gab es noch Hoffnung auf einen Sieg?

'Bill!'

Mist, seine Unaufmerksamkeit war aufgeflogen. Jetzt bloß nichts anmerken lassen.

Bill hob möglichst gleichgültig den Kopf und blickte sich nach der Person um, die seine Gedankengänge aufs Neue gestört hatte.

Sein Blick ruhte besonders lang auf George, der jedoch interessiert an Minervas Lippen hing und ihm keinerlei Beachtung schenkte. Auch niemand anderes schien ihn zu beachten. Wahrscheinlich war sein Name einfach nur bei der Unterhaltung gefallen. Bill wollte sich gerade wieder seinen eigenen Gedanken widmen, als er die Stimme erneut hörte. Und diesmal schien er sie zu erkennen.

Er musste hier raus wie schneller umso besser. Andererseits wollte er keine Aufmerksamkeit erregen und das würde er nicht vermeiden können, wenn er den Raum verließ.

Bill.'

Wenn er jetzt aufsprang und die Flucht ergriff, würden ihn alle für wahnsinnig halten.

'Bill.'

Er war kein Psychopath! Ihm ging es bestens!

„Bill?"

Diese Stimme gab es nicht!

„Bill!"

Er würde sie einfach ignorieren. Irgendwann musste sie ja verschwinden.

„BILL!"

Ein heftiger Schmerz breitete sich in Bills Fuß aus und kroch in alle vorhandenen Nervenenden. Percy hatte ihn unterm Tisch getreten.

„Au! Percy, du Vollidiot, das tat weh!", zischte Bill wütend.

„Entschuldige. Aber wenn du dich eben mal im Spiegel gesehen hättest, würdest du dir auch Sorgen machen."

„Eine nette Art sich zu sorgen, indem man seinem Bruder den Fuß zertrampelt."

„Ich hab doch schon gesagt, es tut mir Leid! Außerdem bist du so blass wie ein Inferie und …"

„Percy, mir geht es einfach nicht gut. Um genau zu sein, mir ist speiübel und wenn ich jemanden bräuchte, der sich Sorgen um mich macht, dann wärst du der allerletzte zu dem ich gehen würde! Und jetzt entschuldige mich, ich geh kotzen."

„Soll ich mitkommen?"

„Danke, ich habe schon einen Grund, um meinen Magen umzustülpen. Manchmal bist du echt schwer von Begriff."

Bill stand auf und verließ den Raum, ohne dass jemand Notiz davon nahm. Draußen führte sein Weg am Bad vorbei und in sein Zimmer. Er brauchte Ruhe von diesem Treiben. Abstand zu diesen Menschen, die alle der Meinung waren ihm helfen zu müssen.

Keiner konnte ihm helfen, denn keiner von ihnen konnte sich auch nur annähernd in seine Lage versetzen. Sie hörten nicht diese Stimme, die einmal voller Leidenschaft war, dann wieder vor Leid und Schmerz zu brechen drohte.

Er wollte sie nicht mehr hören. Nicht, wenn ihm sein Verstand lieb war. Doch sie schrie weiter.

In seiner Not ging er zum Schrank, riss ihn auf und kramte eine Flasche Feuerwhiskey heraus. Gierig setzte er sie an und nahm einen tiefen Schluck.

Der Alkohol brannte ihm die Kehle hinunter, überschwemmte den Schmerz und ertränkte die klagende Stimme.