Sorry, dass ich euch hier so lange warten lasse. Ich hatte eine Zeit lang einen extremen Hänger drin, in dem mir sehr viele Ideen für die Geschichte eingefallen sind, aber nichts, womit ich hätte ernsthaft weiterarbeiten können. Jetzt geht es (fürs erste) wieder einigermaßen vorwärts.

Ein Großes Danke an dieser Stelle noch an Wolfsmädchen. Es ist wirklich eine große Hilfe beim Schreiben, wenn man weiß, dass es noch Leute gibt, die auf mehr hoffen, obwohl man schon über ein Jahr hat nichts mehr von sich hören lassen.

So, hier ist nun Schluss mit meinem Geschwafel. Unterm Strich geht's jetzt weiter mit Between war and love.


Bis jemand kotzt

„Na, schmeckts?"

George sah mit Genugtuung, wie Bill auf frischer Tat ertappt zusammenzuckte, sich dabei verschluckte und einen kräftigen Zug Whiskey durch die Nase über den Boden versprühte.

„George, sag mal, spinnst du?", lallte Bill seinen jüngeren Bruder an und fuchtelte dabei unwirsch mit der Flasche durch die Luft, wobei noch mehr von dem Inhalt über den eh schon durch Alkohol in Mitleidenschaft gezogenen Teppich verteilt wurde.

„Ja. Von Zeit zu Zeit. Hin und wieder. Ab und zu. Sobald sich irgendwie der passende Moment dafür ergibt. Aber mal im Ernst. Ich bin hier nicht derjenige, der eben einfach einmal so, ganz nebenbei, fast eine halbe Flasche Feuerwhiskey trinkt."

George drückte sich vom Türrahmen ab, an dem er gelehnt hatte und gesellte sich zu seinem Bruder auf das Bett.

„Wenn du nur gekommen bist um mir eine Strafpredigt zu halten, kannst du gleich wieder gehen, ich hör dir eh nicht zu."

Bill setzte die Flasche erneut an und trank unbeirrt weiter, während George darüber nachdachte, wie abhängig ein Mensch eigentlich sein musste, um bei der Konsummenge noch in ganzen logischen Sätzen zu reden.

„Hilft das Zeug wenigstens?", fragte er nach einer Weile.

Mit einem bestätigenden Nicken reichte Bill seinem Bruder die Flasche. Dieser, nahm sie entgegen, nippte daran und verzog angewidert das Gesicht. „Schreckliche Qualität. Wie verzweifelt muss man sein, um das Zeug runter zu bekommen?"

„Du hast ja keine Ahnung."

„Stimmt. Aber hast du auch nur einmal darüber nachgedacht, was du anderen damit antust, wenn du dich immer wieder aufs Neue maßlos volllaufen lässt?"

„Georgy, das, was ich trinke, ist ausnahmslos mein Problem."

„Klar. Kann doch dir egal sein, dass es auch anderen auf die Psyche schlägt, wenn du dich hemmungslos abfüllst."

Bill verdrehte genervt die Augen und machte sich die Flasche zu eigen. „Du klingst schon wie Charlie, Kleiner." Er nahm einen großen Schluck aus der Flasche. „Und das Schlimme an der ganzen Sache ist, dass ihr Recht habt."

„Du kannst nicht mehr aufhören, oder?"

„Jederzeit. Seit der Auseinandersetzung mit Charlie vor ein paar Tagen habe ich keinen einzigen Tropfen mehr angerührt."

„Bis heute."

„Weißt du eigentlich, was für ein guter Freund Alkohol sein kann? Er nimmt einen den Schmerz, er widerspricht nicht, er sorgt für Ablenkung, …"

„Ich würde sagen, es reicht für heute."

„Hey!"

George hatte seinem Bruder die Flasche entwendet und sie aus seiner Reichweite gebracht. Bill war wütend aufgesprungen, um sein Mittel gegen alles zurückzuerobern, doch schon nach wenigen Schritten hielt er wankend inne und begann zu würgen. George, der das Unheil nahen sah, gelang es gerade noch einen Eimer heraufzubeschwören und ihn vor Bill zu halten, als dieser auch schon seinen Magen entleerte.

Als Fred noch lebte, hatten George und sein Zwillingsbruder sich oft übergeben, als sie ihre Scherzartikel an sich selbst testeten, aber das änderte nichts an der Tatsache, dass sein Magen bei dem Geruch und den Geräuschen dennoch rebellierte.

„Scheiße.", stöhnte Bill, hob den Kopf aus dem Eimer und hielt sich wankend an George fest.

„Nein, Kotze.", korrigierte dieser automatisch. „Geht es dir jetzt besser?"

„Nich wirklich."

„Los, setz dich erst mal zurück aufs Bett."

„Weißt du was, Georgy? Ich schlaf jetzt. Gute Nacht, Kleiner."

„Bill, nein! Kannst du dich nicht wenigstens … ins Bett legen?"

Noch bevor George den letzten Satz beenden konnte, hatte Bill sich auch schon auf den Boden sinken lassen und schlief sofort ein, den Kopf auf der Bettkante abgelegt.

„Oh Bruder, das gibt schöne Nackenschmerzen."

-xXx-

Er blickte hinab auf den blutüberströmten Körper in seinen Armen. Fleurs Körper. Das Schlachtfeld um ihn her, war an den äußersten Rand seines Bewusstseins gerückt. Ihr Leben war das Einzige, was jetzt noch zählte.

Mit zitternden Fingern strich er ihr eine vom Blut rot gefärbte Strähne aus dem Gesicht.

„Isch liebe disch, Bill.", hauchte seine Liebste mit gebrochener Stimme und strich ihm mit ihren blutverschmierten Fingern über die Lippen.

„Nein, Fleur, dass ist nicht das Ende! Nicht jetzt! Nicht so!", versuchte er ihr, oder vielleicht auch nur sich selbst, einzureden, doch seine Stimme brach weg.

„Non, c'est pas. C'est le début."

Eine von Bills Tränen fiel auf ihre blutverkrusteten Lippen und vermischte sich dort mit einem roten Tropfen.

„Isch möschte, dass du glücklisch bist, Bill. Lass dein Leben nischt wegen mir fallen. Tu es für misch."

„Fleur, hör auf so zu reden!"

„Je t'aime, Bill."

Die letzten Worte waren kaum noch zu hören. Ihre Hand, die eben noch an seiner Wange geruht hatte, fiel schlaff nach unten und aus ihren Augen entwich der letzte kleine Rest Leben.

„Nein! Fleur!" Mit zitternden Händen presste Bill den leblosen Körper seiner Frau an sich und vergrub das Gesicht in ihren Haaren.

-xXx-

Schweißgebadet schreckte Hermine aus ihrem Traum auf. Es war der gleiche, wie jede Nacht seitdem sie in Shell Cottage angekommen war, doch anders als in der ersten Nacht, gab es niemanden, der sie festhielt, als sich der Abgrund unter ihren Füßen auftat. Sie fiel wie ein Stein, wurde schneller und schneller und schlug doch nie auf dem Boden auf, bis sie endlich erwachte.

Hermine warf einen Blick auf Lunas Bett, mit der sie ein Zimmer teilte, seit es ihr wieder besser ging. Die manchmal etwas geistesgestört wirkende Tochter des seit dem Kampf verschwundenen Zeitungsredakteurs des Klitterers, Xenophilius Lovegood, schlief tief und fest und brabbelte etwas über Schrumpfhörnige Schnarchkackler.

Ein Blick auf die Uhr bestätigte Hermine, dass sie nicht einmal eine halbe Stunde geschlafen hatte. Kurz vor Mitternacht und sie saß hellwach und verstört in ihrem Bett und würde morgen früh mit dem Gesicht im Essen einschlafen.

Nahezu lautlos kroch sie aus ihrem Bett, suchte und fand ihren Bademantel, huschte aus dem Zimmer und tappte auf nackten Füßen ins Bad. Dort stellte sie sich, so wie sie war, unter die Dusche.

Hermine stütze sich an den Fließen ab und ließ den Kopf hängen. Das Wasser hatte sie auf die höchstmögliche Temperatur gestellt. Die Hitze drang durch ihre Kleidung. Sie drückte den Rücken durch und hielt das Gesicht in den heißen Wasserstrahl.

Der Traum löste sich von ihrer Haut wie ein penetrant klebender Zaubertrank. Langsam wieder klar im Kopf, zog Hermine sich aus, warf die Kleidung auf den Haufen mit der dreckigen Wäsche, stieg endlich aus der Dusche und wickelte sich in ihren Bademantel. Erst jetzt bemerkte sie die Gänsehaut, die ihren ganzen Körper überzog.

Mit klarem Kopf machte sich Hermine auf den Rückweg in ihr Zimmer. Luna faselte etwas über Schlickschlumpfe. Hermine zog sich eine schlabbrige Hose und ein viel zu weites T-Shirt an, nahm sich ein Buch und verließ das Zimmer. Ihr Ziel war das als Versammlungsraum genutzte Wohnzimmer. Dort wollte sie sich mit dem Buch auf einem Sessel oder Sofa einrollen.

„NEIN!"

Der Schrei kam völlig unerwartet und ließ Hermine das Blut in den Adern gefrieren. 'Todesser', schoss es ihr durch den Kopf. Zauberstab ziehen und Tür aufreißen waren für sie eine Bewegung. Ihre Augen brauchten einen Moment, um sich an die Dunkelheit im Zimmer zu gewöhnen. Das Licht aus dem Flur erhellte den Raum nur schwach, ließ aber eine auf dem Bett sitzende Silhouette erkennen. Groß, schlank, lange Haare.

„Bill?"

Den Kopf in die Hände gestützt, gab der Angesprochene keine Anzeichen von sich, sie überhaupt bemerkt zu haben. Hermine ließ ihren Zauberstab sinken und trat dabei vorsichtig näher, als würde sie sich einem besonders misstrauischen Hippogreif nähern.

„Alles okay bei dir, Bill?"

Bill schwieg solange, dass Hermine gar nicht mehr mit einer Antwort gerechnet hatte. „Seh ich etwa so aus?^

„Nein. Entschuldige."

Hermine ließ sich neben Bill auf das Bett fallen und schloss die Augen. Natürlich war nichts in Ordnung. Und es würde auch nie wieder so sein. Es war ausweglos.

„Luna, zieh gefälligst die Vorhänge wieder zu! Wenn du aufstehen willst, dann mach das, aber lass mich schlafen." Hermine zog sich schützend die Decke über den Kopf. Sie roch seltsam. Angenehm, aber fremd und doch irgendwie bekannt. Warm, dunkel, …

„Luna? Also, Mum war ja schon immer der Meinung, Ohrringe und lange Haare sind deutliche Kennzeichen einer Frau, aber ausgerechnet Luna? Warum nicht Ginny?"

Endlich schreckte sie auf. „Bill, was machst du in meinem Zimmer?"

Dein Zimmer? Mach nur so weiter und du hast das letzte Mal in meinem Bett geschlafen."

Konzentriert starrte Hermine in das vernarbte Gesicht, als ob sie dort die Geschehnisse der vergangenen Nacht nachlesen könnte und kam schließlich zu einem Ergebnis. „Ich habe rumgejammert, wie ausweglos das ganze Leben hier ist und bin dabei eingeschlafen?", fragte sie und wischte sich den Schlaf aus den sich immer noch verheult anfühlenden Augen.

„So in etwa."

„Na klasse. Wie spät ist es eigentlich?"

„Gegen elf Uhr. In einer Stunde gibt es Essen und die liebreizende Tante Muriel kocht."

„Furiel? Wie kommt sie denn dazu?"

„Sie hat Mum vorhin im Minutentakt erklärt, wie Kartoffeln richtig geschält werden. Daraufhin hat Mum ihr das Messer in die Hand gedrückt und wutschnaubend die Küche verlassen."

Hermine ließ sich betrübt zurück in die Kissen fallen. „Na großartig. Kannst du den anderen sagen, dass ich krank im Bett liege?"

Bill hob gleichgültig die Schultern. „Du kannst dich darauf verlassen, dass Mum in spätestens fünf Minuten hier ist, um zu sehen, wie es dir geht. Aber wie du in mein Bett gekommen bist, erklärst du ihr dann bitte selbst."

Hermine gab ein gequältes Stöhnen von sich und kroch benommen aus Bills Bett.

„Bis nachher."

Schlaftrunken steuerte sie durch den Flur das Badezimmer an. Von unten drangen lautstark die zankenden Stimmen von Furiel und Molly, die anscheinend die Küche doch nicht so ganz kampflos aufgeben wollte.

„Guten Morgen." George stand, ein Bein an der Wand abgestützt, an die er sich gelehnt hatte, neben dem Bad und grinste Hermine amüsiert über den Rand seiner Kaffeetasse hinweg an. Als er den Mund aufmachte, um ihr mitzuteilen, was er so lustig fand – höchstwahrscheinlich ihre Haare oder die Tatsache, dass sie eben mit halb geschlossenen Augen aus Bills Zimmer schlürfte – fuhr sie ihm antriebslos dazwischen.

„George, was auch immer es ist, behalt es für dich."

Der Badezimmerspiegel verbesserte Hermines Stimmung nicht wirklich. Ihre Haare sahen aus, als hätte ein Vogelschwarm darin genistet, ihre Augen waren rot und mit Ringen unterlegt, die vielleicht einen misslungenen Schwellzauber zuzuschreiben waren und in ihrem Mund hatte sich ein unappetitlicher Geschmack breitgemacht. Im Gorßen und Ganzen war also alles wie immer. Mit halb geschlossenen Augen putzte sich Hermine die Zähne. Danach rieb sie sich den Schlafsand aus den Augenwinkeln und wusch ihr Gesicht mit kalten Wasser. Langsam kam ihr Hirn wieder in Gang. Als es ihr nicht gelang, ihr Vogelnest mit Hilfe der Bürste in eine einigermaßen erträgliche Form zu bringen, tauchte sie diese in Wasser und fuhr sich damit durch die Haare. Merlin, wie lange war es her, dass sie diese wildwachsende Mähne das letzte Mal richtig gebändigt hatte?

'Weihnachten, vor vier Jahren, schoss es ihr durch den Kopf.' Dann rechnete sie noch einmal nach. Etwa drei Jahre, vier Monate und ein paar Tage.

Sie und Ginny hatten den halben Tag lang vor dem Spiegel zugebracht und versucht, ihre Haare in eine dem Anlass gerechte Form zu zwingen. Mit Erfolg. Die Unmengen an Haarspray am nächsten Tag wieder auszubürsten war dann jedoch eine ganz andere Herausforderung gewesen.

Das aktuelle Ergebnis von Bürste gegen Mähne war zufriedenstellend.

George stand immer noch an der Wand, als Hermine das Badezimmer verließ. Er wirkte enttäuscht über ihren Anblick. Schon wollte Hermine fragen, was er sich diesmal für einen Streich ausgedacht hatte, als sie es doch für klüger hielt, es besser nicht in Erfahrung zu bringen.

Ihr Zimmer war leer. Luna trieb sich sicherlich irgendwo außerhalb des Hauses herum, auf der Suche nach Schlickschlumpfen oder so etwas. Hermine tauschte ihre Kleidung, die sie irgendwann die Nacht nach der Dusche angezogen hatte gegen ein Tanktop und kurze Stoffhosen ein. Als sie vor einem Jahr mit Ron und Harry losgezogen war, hatte sie alles, was sie behalten wollte, auf ihrer Reise aber nicht gebrauchen konnte, bei den Weasleys eingelagert. Jetzt musste sie feststellen, dass sie in dieser Zeit anscheinend noch einmal gewachsen sein musste, denn beides kam ihr kürzer vor als letzten Sommer.

Einigermaßen gesellschaftsfähig wollte sich Hermine gerade nach unten begeben, als die Tür aufflog und ein gehetzt aussehender George hereinkam. „Kannst du den kurz für mich halten? Danke." Bevor Hermine auch nur auf die Idee kommen konnte, nachzufragen, was denn los sei, drückte George ihr bereits seine Kaffeetasse in die Hand, öffnete das Fenster gegenüber der Tür, kletterte gekonnt hinaus und landete geschickt unten zwischen Sand und Dünengras.

Kaum, dass sich die Tür geschlossen hatte, wurde diese auch schon wieder aufgerissen. „Na warte, wenn ich dich in die Finger bekomme …!" Percy, den Hermine nur anhand seiner Stimme erkannte, stürmte ins Zimmer. „Wo ist er hin?"

Hermine, den Kaffee in der Hand, deutete verwirrt zu dem offenstehenden Fenster. „Er ist da raus, aber …"

„Danke." Der Verfolger rannte zum Fenster und war schon im Begriff, seinem Bruder auf diesen Weg zu folgen, als Hermine sich einmischte. „Percy, … tu das bitte nicht!"

Zu ihrer Erleichterung hielt Percy inne und drehte sich zu ihr um. „Was ist denn, Hermine? Traust du mir nicht zu, dass ich heil da unten ankomme?"

„Doch, aber …"

„Nichts aber. Sieh mal, was dieser Mistkerl mit meinen Haaren angestellt hat!" Percy deutete wutschnaubend auf seine neue Frisur. Von seinen roten Haaren war nicht mehr die geringste Spur zu sehen. Stattdessen zog sich eine Zebramähne von oberhalb seiner Stirn über seinen Kopf hinweg bis in den Nacken und endete in einem langen schwarz-weißen Pferdeschwanz. Anklagend nahm er das schlaff herabhängende Ende in die Hand und wedelte unwirsch damit durch die Luft. „Das fällt unter Körperverletzung, Hermine!"

„Ja, und wenn du jetzt mit nichts weiter bekleidet als einem Handtuch aus dem Fenster springst und durch die Gegend rennst, nennt man das Erregung öffentlichen Ärgernisses."

Percy sah erst verwirrt zu Hermine, dann an sich selbst herunter und ließ, erschrocken von der Erkenntnis, dass er außer dem Handtuch, welches er sich notdürftig vor dem Bauch zusammen hielt, tatsächlich nichts am Körper hatte, beinahe sein einziges Kleidungsstück fallen. Percys Gesicht wurde erst so weiß wie die Streifen in seiner Mähne, dann so feuerrot wie seine ehemaligen Haare. „Also, ich … ich … werde dann mal …"

Hermine presste die Lippen fest aufeinander und schluckte hart, um nicht zu lachen. Als ob das sein Stichwort gewesen wäre, verließ Percy fluchtartig das Zimmer durch die Tür und verschwand in der auf der anderen Seite des Bades.

Hermine trat leise kichernd nun endgültig den Weg in die Küche an.

-xXx-

Zehn!

„Ich bitte dich. Auf welches deiner Kinder kannst du denn bitte stolz sein?"

Neun!

„Der erste Sohn ein hässlicher Werwolf. Genaugenommen nicht einmal das. Das Vieh, von dem er gebissen wurde, hat ja noch nicht einmal ordentliche Arbeit geleistet."

Acht!

„Der Zweite ist schon über zwanzig und spielt lieber mit Drachen, als sich eine Frau zu suchen und eine Familie zu gründen. Außerdem ist er mit Sicherheit Alkoholiker."

Sieben!

„Der, der es dann doch bis ins Ministerium geschafft hat, wurde wegen Verrats gekündigt."

Sechs!

„Dann die Zwillinge. Von der ersten Sekunde des Tages bis zur letzten nichts als Unsinn im Kopf. Und auch noch der Versuch, mit einem eigenen Laden den Müll, den sie Tag ein Tag aus fabriziert haben, an andere zu verkaufen."

Fünf!

„Wohin das geführt hat, ist ja nicht zu übersehen. Der eine ist tot, dem anderen fehlt ein Ohr. Schwer zu sagen, welcher von beiden das größere Glück hat."

Vier!

„Der Jüngste freundet sich mit einem der gefährlichsten Menschen der Welt an und schleppt eine Muggelstämmige ins Haus. Wen wundert es da noch, dass auch er gestorben ist?"

Drei!

„Als ob das alles noch nicht genug wäre, eine Tochter, die mit diesem Potter auch noch eine Familie gründen will."

Zwei!

„Als Krönung dein muggelfanatischer Mann, der auf der Karriereleiter schon meilenweiter oben stehen könnte, wenn er nur endlich von diesem Muggelschwachsinn ablassen würde."

Eins!

„Und du willst eine gute Mutter sein, die auf ihre Kinder stolz ist?"

Null!

Charlie, der augenscheinlich hochkonzentriert neben seiner Mutter am Tisch gesessen hatte, die Ellbogen auf dem Tisch abgestützt, die Finger ineinander verschränkt und den Kopf darauf abgelegt, öffnete langsam, fast wie in Zeitlupe, die Augen und stierte auf Furiels Hinterkopf. „Bist du jetzt endlich fertig damit, unsere Familie zu kritisieren oder brennt dir noch etwas auf dem Herzen, dass du unbedingt loswerden möchtest, bevor ich dich einen meiner Spielzeugdrachen zum Mittagessen serviere?"

Furiel drehte sich mit erhobenen Kochlöffel zu ihm um und begann eine weitere Gardinenpredigt. „Siehst du, Charles, genau das meine ich. Du denkst gar nicht mehr über deine Worte …"

„Raus hier!" Charlies Knurren war so tief und dunkel wie der Donner nach einem besonders hellen Blitz und trotz der Tatsache, dass er extrem leise sprach, war seine Stimme im ganzen Raum deutlich zu hören.

Ginny, die die ganze Zeit bedrohlich an der Tür gelehnt hatte, wich automatisch zur Seit, um die Fluchtwege freizuhalten.

„Charles, mir war schon immer bewusst, dass du einen äußerst aggressiven Charakter hast. Genauso wie dein großer Bruder …"

„Ich sagte raus hier!" Charlie erhob sich und kam um den Tisch herum bedrohlich langsam auf die alte Hexe zu. „Sieh zu, dass du aus meiner Reichweite kommst, bevor ich meine gute Erziehung, die ich eh nicht habe, völlig vergesse!"

Charlie dachte schon, er müsse persönlich Handanlegen, bis Furiel endlich anfing, einen kleinen Anflug von Vernunft zu zeigen. Begleitet von einem lauten Scheppern, landete der Kochlöffel zwischen zwei Deckeln neben dem Herd und eine zutiefst beleidigte Tante marschierte aus der Küche. Dicht gefolgt von Charlie, bei dessen Gesichtsausdruck es auch keinen gewundert hätte, wenn Rauchwolken aus seiner Nase gequollen wären.

„Es wäre wirklich sehr nett von dir, wenn du mir sagen würdest, was ihr hier alle an der Wahrheit nicht verkraftet.", fauchte Furiel, nachdem Charlie die Küchentür hinter sich geschlossen hatte.

„Und für unser aller Nerven wäre es von Vorteil, wenn du nicht zu jeden kleinen Sachverhalt deine Meinung verkünden würdest, die eh keinen interessiert!" Charlie war sich ziemlich sicher, dass seine Stimme eine Lautstärke erreicht hatte, die im ganzen Haus nicht zu überhören war.

„Genau da liegt das Problem. Wenn mir nur einmal jemand zuhören würde. Deine Mutter hätte jetzt deutlich weniger …"

„Tu wenigstens einmal in deinem Leben jemanden einen wahren Gefallen und geht mir aus dem Weg."

„Dir aus dem Weg gehen? Ich denke gar nicht daran. Du bist doch derjenige, der immer aus der Haut fährt und die Meinung anderer nicht akzeptieren kann."

„Das sagt die Richtige. Du bist doch die, die immer an allen und jedem herumkritisieren muss."

„Junge, überlege dir, wen du vor dir hast. Ich bin schließlich eine D- …"

„Eine alte Hexe, die chronische Rückenschmerzen mit der Dauer von drei Sekunden hat."

„Charles, wie redest denn du mit mir?"

„Die Frage müsste doch eher lauten: Warum redest du mit mir? Ach das ist doch alles zum kotzen hier. Mach doch was du willst, aber verschone uns vor deiner Präsenz!"

Völlig entrüstet über diese direkte Ansage, machte Furiel auf dem Absatz kehrt, verschwand in ihr Zimmer und wieder krachte eine Tür.

„Und mein Name ist Charlie! Charlie mit i und ohne s! Merk dir das endlich!"


So. Falls euch jetzt noch etwas auf der Seele brennt, das ihr unbedingt loswerden wollt, aus welchen Gründen auch immer, wisst ihr ja, wie das geht. Ich bin für alle Meinungen offen.

lg Daydreamer