Wir haben es geschafft - also ich, meine Wenigkeit und meinereiner. Und ihr, weil ihr mitlest :D
sternenhagel: Hab ich gesagt, für die nächste Zeit? *nervös umschau* Äh, ich meinte natürlich, die Zeit wird wie im Flug vergehen. Ja. Du bietest mir ja lauter Zucker an ;_; Das darf ich alles nicht mehr essen, verdammt *traurig kreise auf den boden mal* Das darfst du essen ... als Ersatz für Kanda, der sich immer noch rar macht.
1.6 Der Verwüstungszwischenfall im Schwarzen Orden –Reloaded
„ICH PRÄSENTIERE: KOMURIN III!" Mit einer ausladenden Bewegung wies Komui auf das Ungetüm unter seinen Füßen, kam aber nicht dazu, weiter zu sprechen.
„KOMUI! Das Ding hätt mich fast zerquetscht! Wolln Sie mich umbringn!" schrie Jack, rot vor Wut. Die Leute, die aus dem Saal drängten, blieben stehen und wandten sich zu ihr um; verblüfft starrten alle den Exorzisten –denn sie hielten sie ja für einen Exorzisten- an, der den Wissenschaftler immer noch so wütend taxierte, dass der fast einen Schritt zurück gemacht hätte.
Leider hatte er sich rasch wieder gefangen. „Das hast du wieder vergessen, Jack, sobald du erfährst, was Komurin alles kann. Er kann-"
„Das intressiert mich nich!"
„-Daten analysieren und auswerten, Anti-Akuma-Waffen reparieren, für die Kompatiblen sorgen, kochen, putzen, Klavier und Geige spielen, schneidern, nähen, stricken, häkeln…" Die Liste schien endlos; bis Komui fertig war, wäre Jacks Zorn fast schon verflogen, wenn sie nicht immer noch vor ihrem Beinahe-Tod in Form von Komurin III gestanden hätte. Erschlagen vom Lieblingsspielzeug eines verrückten Wissenschaftlers. „Und er ist absolut wasserdicht und flüssigkeitsresistent, sowohl außen als auch innen", schloss Komui. Beifall heischend blickte er in die Runde der Mitarbeiter, die sich inzwischen zaghaft dem Riesen näherten, auf dem er stand.
„Und wozu?" fragte einer der Finder skeptisch.
„Damit nicht wieder dasselbe passiert wie letztes Mal, als Sie Allen und Linali fast damit umgebracht hätten?" antwortete River für ihn.
Komui wurde erst blass, dann rot. „Das war ein Unfall und ich hab das ja extra berücksichtigt, damit das nicht noch mal passiert. Komurin III ist absolut sicher, glaubt mir. Er ist-" Der Abteilungsleiter unterbrach sich selbst, als die Maschine unter ihm zu hicksen begann. „Was…"
„Anscheinend doch nich. Warum ham Sie ihm nich einfach beigebracht, dass er nix essn oder trinkn soll, das wär einfacher gewesn." Jack wich unsicher einen Schritt zurück, als die Maschine immer heftiger aufstieß. Sie war nicht nur auf ihrem Platz, sondern auch auf ihrem Tablett gelandet; während Komui quatschte, hatte sie die Zeit genutzt, um sich das ins Maul zu stopfen, das allerdings eher einer weiteren Linse gleichkam, nur wenig kleiner als sein ‚Auge'.
Hektisch versuchte Komui, das Hicksen seines Lieblings abzustellen, aber Komurin hörte nicht auf ihn und reagierte auch nicht auf seine Befehle. Allem Anschein nach hatte die Abdichtung irgendwo ein Leck, durch das das Essen in die Schaltkreise geraten war und einen Kurzschluss verursacht hatte.
„Bei Ihnen geht aber auch jedes Mal was schief, Abteilungsleiter." River wich vorsichtig zurück, die anderen taten es ihm gleich. Diesmal verließen sie den Saal geordneter als vorhin, behielten dabei aber die ganze Zeit Komurin im Auge. „Dieses Mal haben Sie vielleicht nicht so viel Glück wie beim letzten Mal; Diesmal könnte jemand verletzt werden; warum erfinden Sie auch immer solche Sachen?"
„Komurin ist nicht gefährlich!" rief der Chinese empört über das Hicksen seines Monsters. „Das ist nicht seine Schuld!"
„Wessen dann?" brüllte Jack zurück.
„Deine! Warum hast du das Essen da stehen lassen?"
„Weil ich's noch essn wollt, Sie Idiot! Warum sonst?"
Dann stoppte das Hicksen auf einmal. Komurin sackte in sich zusammen und blieb wie ein Haufen Altschrott liegen. Entsetzt sprang Komui herunter und begann, seinen Schatz hastig zu untersuchen, während er jammerte, was sein Liebling denn habe.
Inzwischen befanden sich nur noch Komui, River und Jack im Saal; alle anderen hatten sich aus dem Staub gemacht. Weswegen sie geblieben waren, darüber nachzudenken hatten sie allerdings keine Zeit mehr, denn mit einem Satz sprang die Maschine auf, so plötzlich, dass sie Komui fast umwarf. Wild zuckend richtete sie sich zu ihrer vollen Größe auf, während immer wieder Funken aus den Verbindungsstellen der einzelnen Teile sprühten. „Ich… bin… Komurin… Ich kann… alles… Ich… sorge für… die Exorzisten." Er fixierte Jack. „Exorzistendatei geöffnet… Name: Jack… Alter: 17 Jahre… Größe: 172 cm… Ich habe… aus ihrem Gewicht… und ihrer Größe… berechnet… dass Sie stark… unterernährt sind… ich werde für Sie sorgen…"
Eine Tür an der Vorderseite seines Rumpfes öffnete sich und mechanische Arme streckten sich nach ihr aus. „Eine… Vorsorgeuntersuchung…" erklang die schnarrende, mechanische Stimme.
Untersuchung! „Ganz sicher nich!" Sie wich den Armen aus, die nach ihr griffen. „Ohne mich!" erklärte sie, während sie auf die Tür zustrebte. Weder behagte ihr das Innere der Maschine, das wie ein Operationssaal aussah, noch hatte sie Lust, dass die kalten Finger einer Maschine feststellten, dass sie ein Mädchen war; danke, nein.
„Objekt ‚Jack' zur Vorsorgeuntersuchung", schnarrte die Stimme erneut. Wiederum griffen die Arme nach ihr, diesmal schneller, sodass sie Mühe hatte, auszuweichen.
Warum bin ich nicht abgehauen, als ich die Gelegenheit hatte?
Plötzlich schoss ein neuer Arm aus der Öffnung; mit all den anderen, die sie langsam, aber sicher eingekreist hatten, konnte sie diesem nun nicht mehr ausweichen. Dann musste sie ihn eben abblocken, entschied sie.
Komui schrie gequält auf, als sie mit einer raschen Handbewegung die Hand der Maschine abtrennte; rasch ließ sie den Dolch wieder verschwinden, bevor der Haufen Blech auf die Idee kam, ihn ihr abzunehmen. Sie kämpfte sich ihren Weg aus dem Metallwald, der sie umgab, trennte noch weitere Hände ab, stieß andere beiseite –aber sie kam einfach nicht heraus. Wie viele Arme hat der Kerl? Immer neue Tentakel kamen auf sie zu, für jeden, den sie abschlug, drei weitere. Sie trat und stach in alle Richtungen, umgeben von eiskalten, mechanischen Händen, die an ihrem Mantel zerrten; eine hätte ihr beinahe die Hose zerrissen. Und das nennt der ‚für jemanden sorgen'?
Plötzlich spürte sie, wie einer der Arme nach ihrem Knöchel fasste, aber sie war nicht schnell genug, um sie abzuschlagen. Ruckartig wurde sie an ihrem linken Bein hochgerissen und in die Luft gehoben. Von hier oben erkannte sie auch, dass River verbissen mit ungefähr zehn weiteren Armen kämpfte, behindert von Komui, der versuchte, ihn davon abzuhalten, Komurin zu beschädigen. Die Versuche des Australiers blieben umsonst; unaufhaltsam wurde Jack auf die Öffnung in Komurins Rumpf zugezogen, egal, wie heftig sie sich wehrte, während sie gleichzeitig versuchte, ihre Weste und ihr Hemd daran zu hindern, über ihren Oberkörper und ihren Kopf zu rutschen. „Komui! Dafür bring ich Sie um und wenn es das letzte is, was ich tu!"
Der Chinese schluckte schwer, als er das hörte, aber die Maschine quittierte ihre Befreiungsversuche und wüsten Beschimpfungen nur mit einem Stich in ihren linken Arm, mit einer Nadel, die aus dem Nichts zu kommen schien. Eigentlich hatte sie ja auf ihren Hals gezielt, weil sich das Mittel über die Halsschlagader rascher in ihrem Körper ausbreiten würde, aber durch ihr Zappeln hatte er sie verfehlt; jetzt würde es länger dauern, bis sie ruhig war.
„Aua! Du dämlicher Schrotthaufn!" Jack rieb sich den Arm und starrte Komui dann wütend an. „Komui, was war das?"
„Äh…ehe… ein… Betäubungsmittel?" beantwortete der Wissenschaftler verlegen ihre Frage. „Keine Sorge, es hält nicht lange, nur ein paar Minuten, tut auch nicht weh", fügte er schnell hinzu.
Sie spürte schon langsam die Wirkung; ihr Arm begann, sich seltsam anzufühlen und ließ sich nicht mehr richtig kontrollieren. Das Gefühl breitete sich schnell in ihrem restlichen Körper aus und sorgte dafür, dass ihre Befreiungsversuche ein jähes Ende fanden. Schlaff und reglos hing sie da, während ihr Gehirn immer noch versuchte, ihre Arme und Beine zu bewegen. Auch ihre Zunge wollte ihr nicht mehr gehorchen; ihre Flüche waren nicht mehr als eine sinnlose Aneinanderreihung von Silben, trotzdem bekamen die beiden Wissenschaftler noch einen ungefähren Eindruck von ihrem Sprachschatz und dem Anteil der Schimpfwörter daran.
„Objekt ‚Jack' wird in den OP aufgenommen."
OP? Wieso OP? Sie kämpfte verbissen gegen die bleierne Schwere, die ihr Gehirn wie Nebel umgab, und versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Aber langsam legte sich Dunkelheit über sie; ihre Augenlider wurden schwer, egal, wie verzweifelt sie versuchte, sie offen zu halten, um zu sehen, was auf sie zukam, langsam, aber sicher schlossen sie sich –obwohl sie noch wach war. Aber nur ihr Gehirn war wach, der Rest ihres Körpers hing wie eine Puppe da; sie fühlte nichts, als wäre es nicht mehr ihrer. Sie konnte nichts sehen, nichts sagen, nur noch mit anhören, wie Komui und River stritten, unterlegt von dem leisen Sirren, das die Maschine von sich gab. Es wurde immer lauter und eindringlicher, und der hinterste Winkel ihres Bewusstseins registrierte, dass sie sich auf das Ding zu bewegte.
Der Dolch, den sie immer noch in der Hand hielt, entglitt jetzt ihren Fingern und fiel zu Boden. Er schlug auf einem der Spinnenbeine der Maschine auf und rutschte in einen Spalt zwischen zwei Gliedern. Erneut sprühten Funken; offenbar hatte die Klinge mindestens ein Kabel durchtrennt auf ihrem Weg nach unten, denn jetzt ging es Komurin wie Jack: Das Bein gehorchte ihm nicht mehr. Er musste sich auf die anderen sieben stützen, während das achte wild um sich schlug und dabei einen Großteil der Einrichtung zerstörte. Anscheinend konnte die Maschine noch so weit logisch denken, dass sie das Bein als Gefahr erkannte; mit großem Getöse trennte sie es vom Rest ihres Körpers, indem sie die Verbindungsstellen öffnete.
Wild zuckend krachte es zu Boden, aber Komurin stand zu nah an der Wand; es zerstörte den Eingang und den Rest der Tische und Bänke, bevor es aufhörte, sich zu bewegen, und still lag. Jetzt konnte niemand mehr hinein oder hinaus; auch River und Komui waren gefangen. Gebannt verfolgten sie, wie der Exorzist über ihnen die OP-Tür erreichte; sobald Komurin Jack gefangen hatte, hatte er sich ziemlich viel Zeit gelassen, sie in den OP zu schaffen, weil er mit River und seinem kaputten Bein beschäftigt gewesen war, aber jetzt war sie gegen ihren Willen doch dort angelangt.
River ließ die Arme von Komurin los und packte stattdessen Komui am Kragen. „Abteilungsleiter, sagen Sie mir, wie man das Ding abstellen kann!"
„Das geht nicht!"
„Warum? Komui, wenn das wieder so ein ‚Das-dürft-ihr-nicht-tun'-Anfall ist, dann sorge ich dafür, dass Sie gefeuert werden!"
„Nein, das ist es nicht! Ich meine, ja, schon, aber das habe ich nicht gemeint. Ich habe Komurin so programmiert, dass er nur auf meine Stimme reagiert; andere Befehle nimmt er nicht entgegen. Aber jetzt hört er nicht einmal mehr auf mich, das Essen muss diesen Bereich seiner Schaltkreise lahm gelegt haben; niemand kann ihn jetzt abschalten!"
River fluchte und ließ ihn los; an den Armen, die sich langsam zurückzogen, vorbei, kletterte er an der Maschine hoch, auf Jack zu. Komurin II hatte schon Allen einmal zu einer lebendigen Mumie verpackt; er hätte noch mehr Schaden angerichtet, wenn Linali nicht aufgewacht wäre. Damals hatte Komurin II allerdings noch auf Komui gehört, der neue tat nicht einmal mehr das; es war also nicht abzusehen, was er alles anstellen würde. Er musste ihm wenigstens Jack abnehmen und ihn vor dem wahnsinnigen Blechhaufen schützen, bis das Betäubungsmittel nachließ.
Mit einem Ruck zog er sich hoch und kam neben Komurins Rumpf zum Sitzen; sofort stand er auf und bekam gerade noch Jacks Kapuze zu fassen. „Jack! Jack, hörst du mich!"
Die Stimme dicht neben ihrem Ohr war ohrenbetäubend laut; sie vibrierte in ihrem Kopf, aber sie konnte die Hände nicht heben, um sich die Ohren zuzuhalten. Ein Teil ihres Bewusstseins registrierte den Klang der Stimme. „River…" lallte sie.
Erleichtert atmete der Wissenschaftler auf; noch war Jack wach und bei Bewusstsein. Jetzt musste er ihn nur irgendwie aus Komurins Klauen befreien. „Kannst du dich bewegen?" rief er.
Jack versuchte, ihre Beine und Arme zu bewegen, aber nur ihre rechten Finger gehorchten ihr, der Rest war noch taub. Mit einiger Anstrengung schaffte sie es, ihr Handgelenk so weit zu verbiegen, dass sie einen ihre Dolche aus dem Ärmel ziehen konnte. „River… hier…"
Der Australier nahm das Messer und durchtrennte den Arm, der an dem Exorzisten zog; er konnte ihn gerade noch auffangen, bevor er fiel. Sofort griffen neue Arme nach dem Jungen und zerrten an seinem Mantel, um ihn in den OP zu ziehen. Sie schlug nach ihnen, nachdem ihr Arm wieder halbwegs beweglich war; das Betäubungsmittel reichte offenbar nicht aus, um sie lange ruhig zu halten. Dadurch, dass Komurin von River und seinem eigenen Bein abgelenkt gewesen war, hatte er zu viel Zeit gebraucht, um sich Jack zu schnappen.
Trotzdem verlor River im direkten Vergleich zu sechs Armen, die alle an ihrem Mantel zogen. Sie wurde zurückgerissen und landete im Inneren der Maschine; sofort schlug die Doppeltür zu und sie war gefangen. Von draußen hämmerte River gegen das Metall, aber die Türen öffneten sich nicht wieder. Gelähmt blieb sie liegen und versuchte, ihre Augen zu öffnen und ihre Arme und Beine zu bewegen. Gerade, als sie wieder ein Gefühl in ihrem rechten Arm hatte und ihre Beine unter dem Befehl, sich zu bewegen, leicht zuckten, wurde sie hochgehoben und auf eine kalte Platte gelegt; allem Anschein nach ein OP-Tisch.
Die Arme, die sie herein gezogen hatten, fingen an, ihren Mantel zu öffnen und richteten sie kurz auf, um ihn ihr von den Schultern zu streifen. Dann ließen sie ihn neben dem metallenen Tisch zu Boden fallen; es gab ein lautes Klirren, als Metall auf Metall traf; ihre Sai befanden sich noch in den Taschen, sowie vier von ihren Dolchen. Drei waren in ihren Ärmeln versteckt, einer steckte noch in dem abgetrennten Bein der Maschine, einen hatte River und einen Greg.
Von draußen erklangen dumpf weitere Stimmen, die sie nicht einordnen konnte; das Metall dämpfte den Klang, der ihr verraten hätte, wer sprach, und auch die Worte hörte sie nicht; nur ein dumpfes Auf und Ab in einem wilden Durcheinander von mindestens drei Leuten war zu hören. Es waren allerdings definitiv nicht River oder Komui, denn Rivers Stimme wäre lauter gewesen, während Komui –den hätte sie sicher sofort an seinem kleinmädchenhaften Geschrei erkannt, das jedes Mal erklang, wenn jemand Komurin etwas antun wollte.
Allerdings konnten ihr diese Leute wahrscheinlich auch nicht helfen; sie war auf sich gestellt. Toll, mit gerade mal einem funktionstüchtigen Arm gegen Akuma zu kämpfen macht mehr Spaß.
Komurin hatte sich von dem Lärm nicht ablenken lassen und arbeitete immer noch an den Vorbereitungen für seine ‚Vorsorgeuntersuchung'. Gerade machte er sich an ihrer Weste zu schaffen, aber die Finger der mechanischen Arme waren zu dick und ungelenk, um die winzigen Knöpfe zu öffnen; er hatte erst drei von fünf geöffnet. Das war für sie nur von Vorteil, denn während er sich noch mit dem vierten abmühte, arbeitete sie schon daran, die Kontrolle über ihre Beine und Arme wiederzuerlangen. Bis er den vierten offen hatte, konnte sie schon mit den Zehen wackeln, als der fünfte Knopf offen war, waren ihre Beine wieder voll beweglich.
Er hielt es offensichtlich nicht für nötig, sie festzuhalten; ein Fehler, den nur eine Maschine begehen konnte. Sie schob sich vom Tisch und kam wankend zum Stehen; noch trugen sie ihre Beine nicht ganz so sicher, wie sie es gewohnt war.
Mit einer Hand konnte sie allerdings die Knöpfe nicht schließen, also ließ sie es gleich bleiben und hob nur ihren Mantel auf. Sie schaffte es nicht, ihren linken Arm durch den Ärmel zu bringen, deswegen klemmte sie sich den Stoff unter den tauben Arm, nachdem sie eines ihrer Sai gezogen hatte. Damit wehrte sie die mechanischen Arme ab, während sie auf den Ausgang zwei Meter weiter vorne zuwankte.
Wieso passiert so was immer nur mir? Ihr Gehirn konnte gerade noch diesen einen Gedanken formulieren; alles andere war damit beschäftigt, die Augen offen zu halten, einen Fuß vor den anderen zu setzen, mit dem funktionierenden Arm die Maschine auf Abstand und mit dem anderen den Mantel festzuhalten. Noch immer lag dieser Nebel um ihr Bewusstsein und machte jegliches Denken zu einer immensen Anstrengung; Pläne zu schmieden, fiel fürs Erste flach. Sie konnte nicht weiter als bis zum Ausgang denken, was danach kam, das wusste sie jetzt noch nicht. Auch nicht, ob Komurin sie einfach so verschwinden lassen würde. Aber eines stand fest: Sobald sie wieder gerade aus schauen konnte, würde Komui dafür büßen.
Gerade, als sie den Ausgang erreichte, erklang ein Geräusch, als würde jemand mit den Fingernägeln über eine Schiefertafel kratzen. Dann drang eine riesige silberne Kralle durch das Metall der Tür und zerteilte sie, als wäre sie aus Butter. Mit einem einzigen Ruck riss die Klaue die gesamte Tür aus den Angeln; dann erschien ein Gesicht in der Öffnung. Sie musste die Augen zusammenkneifen, um die weißen Haare, die Narbe und die silbernen Augen zu erkennen. „Allen…?"
Der jüngere Exorzist lächelte. „Alles okay, Jack?" Er hielt ihr die Hand hin, um ihr aus den Trümmern des ehemaligen Superroboters zu helfen. Erst, als sie die verhältnismäßige Dunkelheit des OPs hinter sich gelassen hatte, erkannte sie, dass er nicht stand, sondern in der Luft hing; genauer gesagt, hielt er sich mit der rechten Hand an Nyoibos Griff fest, während er ihr die linke –deaktivierte- Hand hinhielt.
Dann sah sie die Szene vor sich: River und Ian hielten Komui fest, Allen hing an Nyoibo und Lavi saß da und grinste sie an. „Da lässt man dich einmal allein und dann so etwas…" Er beugte sich vor und half ihr, sich neben ihn zu setzen, während Allen absprang, um sich Komurin vorzunehmen. Mit einem einzigen Hieb hatte er den Kopf vom Rest der Maschine getrennt; das Leuchten in der Linse, die das Auge darstellen sollte, erlosch, und mit einem lauten Krachen sackte die Maschine in sich zusammen.
Komui schrie auf und wollte hinüber laufen, aber River und Ian hatten je einen Arm gepackt und hielten ihn gegen die Wand gedrückt fest. „Reißen Sie sich zusammen, Abteilungsleiter!"
Sicher landete Lavi auf dem Boden, Jack neben sich. Er hatte sich einen ihrer Arme um die Schultern gelegt, weil sie immer noch ziemlich schwankte; was ihrer Wut allerdings keinen Abbruch tat. Wütend fixierte sie Komui. „Sie…"
Sie wollte einen Schritt auf ihn zumachen, aber Lavi hielt sie zurück. „Einen Schritt, und er weiß, wer du bist", murmelte er.
Da erst fiel ihr wieder ein, dass sie ja weder Mantel noch Weste trug; nur das weiße Hemd verbarg den Verband noch. Die Schleife hatte sich gelöst; es war ein Wunder, dass sie immer noch an ihrem Hals hing; aber so würden sowohl Komui als auch River sofort den Verband sehen. Jack errötete leicht und blieb stehen. „Am liebsten würd ich…"
„Ich weiß, aber das kann warten, bis du wieder alleine stehen kannst. Was ist überhaupt passiert?" fragte Lavi, an River gewandt. Jack war im Moment nicht dazu in der Lage, ganze Sätze von sich zu geben.
„Der Herr Abteilungsleiter hier hat mal wieder einen Komurin gebastelt", erklärte der Australier über die Proteste des Chinesen hinweg „und es ist mal wieder daneben gegangen. Das Ding hat sich Jack geschnappt, nachdem es ihn fast erschlagen hätte, als Komui damit durch die Decke gekracht ist, und ihm ein Betäubungsmittel verpasst. Den Rest kennt ihr ja."
Allen landete neben den anderen beiden Exorzisten. „Das letzte Mal hätte er mit seinem Komurin II fast Linali umgebracht und die Hälfte der Forschungsabteilung ebenfalls; das halbe Hauptquartier ist dabei draufgegangen und es hat Tage gedauert, bis alles wieder repariert war."
„Ganz zu schweigen davon, dass er dich auch betäubt hat und operieren wollte, Allen." fügte River hinzu. Er ließ den Chinesen los, der daraufhin sofort auf den Schrotthaufen zustürzte.
Ian eilte zu Jack. „Alles in Ordnung mit dir?" Er legte sich ihren anderen Arm um die Schulter und zwang Lavi so, sie loszulassen.
Müde durch die Anstrengung, unter der Wirkung eines Betäubungsmittels kämpfen zu müssen, lehnte sie sich an ihren Bruder. „Warum… immer… ich?" Sie wäre fast eingeschlafen, aber er zwang sie dazu, die Augen offen zu halten und einen Fuß vor den anderen zu setzen.
„Ich glaub, er legt sich besser hin." Sie machten sich auf den Weg zum Ausgang, den Allen mit seinem Innocence frei geräumt hatte, und betraten den mit Trümmern übersäten Gang davor. Ian schleppte seine Schwester bis zu ihrem Zimmer; dort legte er sie aufs Bett und schloss die Tür.
Jack hatte immer mehr Mühe, die Augen offen zu halten; müde registrierte sie, dass Ian sich besorgt über sie beugte und die Lippen bewegte, aber sie verstand nicht, was er sagte. Sie schüttelte nur leicht den Kopf; schon diese eine Bewegung fiel ihr erschreckend schwer. Was hatte dieses Zeug für Nachwirkungen? Sie war vorher doch noch in der Lage gewesen, sich alleine zu bewegen, zu sprechen und vernünftig zu denken –zumindest teilweise- wieso fiel ihr das jetzt wieder so schwer?
Ian wiederholte seine Frage: „Hat irgendjemand Verdacht geschöpft?" Aus den Reaktionen seiner Schwester konnte er sehen, dass es ihr soweit gut ging; sie sah und hörte ihn, bewegen konnte sie sich auch noch, und wie es mit dem Sprechen aussah, würde er gleich sehen. Deswegen wandte er sich der nächsten wichtigen Frage zu; ob sie glaubte, aufgeflogen zu sein.
Wieder schüttelte sie den Kopf. „Nein." Sie sperrte jeglichen Gedanken an einen gewissen rothaarigen Exorzisten in den hintersten Winkel ihres Bewusstseins; sie konnte sich –auch in ihrem benebelten Zustand- an zwei Fingern ausrechnen, dass ihre Gedanken für ihren Bruder im Moment extrem leicht zulässig waren, weil das Mittel noch wirkte. Sie musste so scharf auf ihre Gedanken aufpassen wie noch nie und genau beachten, woran sie dachte. Also rief sie sich mit etwas Mühe das Erlebte im Inneren der Maschine ins Gedächtnis; das war ungefährlich und nur verständlich, immerhin war sie dem Ding gerade noch so entkommen.
Kritisch beobachtete er sie, dann schien er mit dem Ergebnis zufrieden, denn er richtete sich wieder auf und nahm dann auf der Bettkante Platz. „Gut. Auch auf deiner Mission nicht?"
Jack dachte daran, wie schnell Amalie sie enttarnt hatte, und daran, dass ihre Schwester nicht minder schnell gewesen war. Ian wurde erst bleich, dann schlug er sich mit der flachen Hand auf die Stirn. „Das hast du also gemeint! Da hätt ich auch selber draufkommen können." Als er ihre leicht gerunzelte Stirn sah, fuhr er fort: „Ich hatte die ganze Zeit, während du weg warst, das Gefühl, dass du mir was sagen willst, und dass es irgendwas mit Linali zu tun hat, aber ich bin nicht dahinter gekommen, was du gemeint hast. Jetzt versteh ich."
Jack nickte schwerfällig. „Anscheinend… ham Mädchen 'nen Riecher… für so was", lallte sie mit schwerer Zunge.
„Gut, dass wir bisher nur wenig mit Linali zu tun hatten. Das sollten wir dann wohl besser beibehalten."
Wieder nickte seine Schwester, dann fielen ihr die Augen zu, obwohl sie krampfhaft versuchte, sie offen zu halten. „Ian… bleibst du da?" fragte sie leise.
Er lächelte. „Klar. Ich bin ja selber noch müde; Allen und ich ham bis Sonnenaufgang gepokert. Wir sind von dem Lärm aufgewacht, den Komui veranstaltet hat, dabei bin ich noch gar nicht richtig wach. Rutsch mal 'n Stück." Als Jack sich einfach auf den Bauch rollte, sodass die äußere Hälfte des Betts frei war, ließ er sich neben sie fallen und war eingeschlafen, kaum dass er das Kissen berührt hatte. Nur wenige Sekunden später schlief auch sie ein, beruhigt durch die Nähe ihres Bruders.
Alle Schäfchen im Trockenen. Jetzt sind ja auch wieder (fast) alle im Orden, da kann ja nichts mehr schief gehen. Oder?
Bleibt mir gewogen.
