Ohne weitere Umschweife, weil wir wollen sternenhagel ja nicht warten lassen :D
sternenhagel: Jaaa, ich fürchte, du hoffst umsonst ... irgendwo muss ich ja ein bisschen von der hier praktisch nicht vorhandenen Storyline auch noch unterbringen. Aber ich kann dir versprechen, dass Kanda binnen der nächsten zwei Chaps zurückkehren wird, ehrlich *auf den knien rumrutsch* Und das mit Jack im Wald kann ich auch aufklären: Manchmal gibt es Dinge, die größer sind als seine Angst. Und Jack ist ziemlich impulsiv und wenn ihm/ihr alles zu viel wird, macht er/sie gerne einfach einen Rückzieher. Soll heißen, schaltet das Gehirn aus, rennt auch schon mal vorm eigenen Zwilling davon und versteckt sich stundenlang im Wald, bevor die Vernunft langsam wieder Einzug hält und er/sie dann zurückkommt. Meistens krank, meistens psychosomatisch. Naja, und so im dunklen Wald rumhocken und frieren ist auch nicht unbedingt gesund. Außerdem auch keine Methode, eine panische Angst zu kurieren, auch wenn das die einzigen Momente sind, wo Jack seine/ihre Angst mal Blunzen ist. War das so halbwegs verständlich? :D
Rated: T
Disclaimer: Das gehört alles Katsura Hoshino. Und sie verdient damit hoffentlich so viel Geld, dass sie noch seeeeeeehr lange damit weitermachen kann *-*
1.8 Herzoginnen und Huren
Jack sah noch einmal im Speisesaal vorbei, aber der Tumult hatte sich noch nicht gelegt, also beschloss sie, noch etwas zu warten, bevor sie aß. Sie hatte zwar schon ziemlichen Hunger, aber das konnte warten. Sie wusste, dass sie, wenn sie sich endlos lange in einer Schlange anstellen musste, nur gereizt und noch hungriger wurde. Besser, sie verbrachte noch etwas Zeit in der Bibliothek oder sonst wo, bevor sie sich und Ian etwas zu essen holte.
Die Bibliothek war leer, also rannte sie schnell zu einem der Regale, zog ein Buch heraus und eilte wieder aus dem Raum, noch bevor die übliche Panik einsetzen konnte. Dann erst sah sie sich das Buch an, dass sie mitgenommen hatte; es war ein Buch über eines der Werke des antiken Philosophen Platon, eines der weniger bekannten. Das Gastmahl. Irgendjemand hatte sich die Mühe gemacht, es aus dem Altgriechischen ins Englische zu übersetzen; die mit Hand beschriebenen Blätter wurden nur durch einen alten, zerknitterten und abgewetzten Einband zusammengehalten, der aussah, als würde er im nächsten Moment auseinander fallen.
Es war nicht unbedingt das, was sie lesen wollte, aber in Anbetracht der Umstände besser als nichts. Außerdem hatte sie hier im Orden die Gelegenheit, Bücher zu lesen, die sie sonst nur aus der Ferne zu sehen bekam; Mädchen hatten nur wenig bis so gut wie gar kein Anrecht auf Bildung; sie hatten Glück, wenn sie lesen und schreiben lernten, von rechnen ganz zu schweigen. Jungen wurden zwar zwangsunterrichtet, um die Mädchen, die in den Straßen und Gassen lebten, kümmerte sich aber niemand. Warum sollte man, eine Frau taugte ja nicht viel, auch wenn die mächtigste Person in England ebenfalls eine Frau war. Queen Victoria war sehr strenggläubig und konservativ; unter ihr hatte England eine Blüte erlebt, wie man sie nur selten sah, aber trotzdem verhungerten noch genug Kinder auf den Straßen, weil sich niemand um sie kümmerte. Und deswegen hatten diese Mädchen oft keine andere Wahl, als zu stehlen und, wenn sie zu groß dafür wurden, schließlich Prostituierte zu werden.
Den Frauen der gehobeneren Gesellschaftsschichten ging es ja auch nicht viel besser; alleine kamen sie nicht zurecht, sie brauchten immer einen Mann, auf den sie sich stützen konnten. Jack war diese ganze Gesellschaft so zuwider, dass sie regelrecht froh war, diesem goldenen Käfig entkommen zu sein. Wären sie und Ian geblieben, wären sie genauso wie alle anderen erzogen worden, erzogen zur Unselbstständigkeit und Abhängigkeit. Vielen der Frauen ging es nicht viel besser als den Huren auf der Straße; sie hatten zwar Kleider genug für zwanzig Frauen, aßen mit Silberbesteck und lebten in Villen und Palästen, aber der einzige Unterscheid bestand darin, dass sie neben der Befriedigung der Gelüste ihrer Ehemänner auch noch die Gebärpflicht hatten, etwas, das auch ihrer eigenen Mutter nicht erspart geblieben war. Sie hatte das ganze zwei Mal mit sich machen lassen –dreimal, wenn man bedachte, dass sie beim zweiten Mal Zwillinge bekommen hatte- danach hatte sie sich geweigert, was ihrem Mann nur ganz recht gewesen war.
Jack machte sich keine Illusionen, ihre Eltern hatten sich nicht ausstehen können; oft genug hatten sie das deutlich gemacht, auch vor ihren Kindern. Ihre Mutter hatte sich ihren Freundinnen und dem Klatsch und Tratsch gewidmet, den sie atmete, förmlich lebte, und ihr Vater hatte sich sein Vergnügen anderswo gesucht, sobald er seine Pflichten erfüllt hatte. Er hatte einen Erben und zwei Töchter, die, wenn er sie richtig verkaufte, noch von Nutzen sein konnten, wenn sie schon nichts anderes konnten.
Sie grinste, trotz der schlimmen Erinnerungen. Das einzige, das sie an ihrer Flucht bereute, war, dass sie nicht die dummen Gesichter ihrer Eltern hatte sehen können, wenn sie bemerkten, dass ihre Töchter weggelaufen waren. Sie wusste, dass Ian genauso dachte; keiner von ihnen war ihren Eltern noch irgendetwas schuldig, nach allem, was passiert war. Außerdem waren sie sowieso eher geduldet als gewollt worden; Christian war gewollt, er war der Erbe, aber sie waren nutzlos. Püppchen. Es lief ihr kalt den Rücken hinunter, wenn sie daran dachte, wo sie jetzt wäre, wenn sie nicht abgehauen wären. Sie wäre noch weniger als das und spätestens nach zwei Jahren entweder tot oder krankenhausreif geprügelt.
Besser nicht daran denken.
Jack setzte sich auf dem Gang auf eine Brüstung und schlug das Buch auf. Es dauerte nicht lange, und sie war in die Geschichte versunken; es war anfangs etwas verwirrend, aber nach und nach fand sie sich in der komplizierten Sprache zurecht, die so wenig sagte und so viel damit meinte. Eine Weile lang hatte sie diese Sprache ja selbst gesprochen; die Art, mit hundert Worten etwas zu sagen, was man auch mit fünf ausdrücken konnte.
Viel später sah sie dann wieder auf und stellte fest, dass genug Zeit vergangen war, um sich wieder in den Speisesaal zu wagen. Sie machte vorsichtig das Buch zu und klemmte es sich unter den Arm, den Buchrücken nach unten, damit nichts verloren ging. Sie wollte nachher noch etwas weiterlesen, wenn sie wieder bei Ian war.
Zehn Minuten später blickte Ian auf, als seine Schwester das Zimmer betrat, beladen mit zwei Tabletts und einem zerfledderten Buch unter dem Arm. Bevor sie noch alles fallen ließ, nahm er ihr schnell eines der Tabletts ab, sodass sie die Tür hinter sich schließen konnte.
„Danke." Sie stellte das zweite Tablett auf dem Nachttisch ab und zog sich den großen Sessel heran. Dann setzte sie sich und hob das Tablett, das sie auf den Nachttisch gestellt hatte, auf die Knie. „Das is deins." Sie wies auf das Tablett in seiner Hand.
Jetzt sah er es zum ersten Mal richtig an; zwei belegte Scheiben Brot, ein Apfel und –noch mehr Suppe… „Äh… Jack? Ich hab zwar Fieber, aber meine Zähne sind noch alle da. Warum schon wieder Suppe?"
„Bedank dich bei Jeryy; er meint, mit seinem Geheimrezept bist du im Nu wieder gesund." Sie grinste hilflos. „Ich konnt es ihm nicht ausreden, sorry."
Ian seufzte und tauchte den Löffel in die dampfende Hühnersuppe; ob das, was darin schwamm, wirklich war, was er dachte, wollte er lieber gar nicht wissen. Er schloss die Augen, hielt sich die Nase zu und schluckte es, ohne zu kauen. Es war genauso widerlich, wie er gedacht hatte. Dafür war der Rest der Suppe genauso lecker wie alles, was der Inder kochte.
Rasch hatte er aufgegessen; schließlich lehnte er entspannt mit dem Polster im Rücken an der Wand und sah Jack beim Essen zu. Es nervte sie normalerweise furchtbar, so angestarrt zu werden, wenn sie aß, aber heute gab sie keinen Mucks von sich. Dann fiel ihm erst auf, dass sie ebenfalls einen Teller mit Hühnersuppe vor sich hatte; und so wie es aussah, hatte sie die Geheimzutat genauso gegessen wie er. „Warum hast du auch diese… Was-auch-immer-Suppe?"
Jack sah auf und zog eine Grimasse. „Jeryy meinte, wenn ich mich um dich kümmere, darf ich nicht auch noch krank werden, also hat er mir vorsorglich auch gleich eine Portion verordnet. Auch das konnte ich ihm nicht ausreden." Sie sah aus, als wäre sie ziemlich unzufrieden mit ihren Überredungskünsten.
Als sie den Kopf wieder senkte, um weiter zu essen, fiel ihm auf, dass ihre Ansätze schon fast leuchteten. Verflucht. „Jack, du musst heute nachfärben; du kannst das nicht länger hinauszögern."
„Ich weiß; ich hab an alles gedacht. Deine Haare sehen übrigens auch schon wieder ziemlich hell aus, aber das fällt keinem auf; die anderen werden wohl kaum auf deine Haare achten-"
„Die anderen?"
„Allein bei der Essensausgabe haben sich Jeryy, Allen, Komui und Lavi nach dir erkundigt, rechne also damit, früher oder später Besuch zu bekommen."
„Und du?"
„Ich kann das im Waschbecken erledigen, das ist kein Problem." Dass sie nicht alleine ins Bad wollte, verschwieg sie lieber. Schon das Wort ‚allein' jagte ihr jedes Mal einen Schauer über den Rücken.
Um unter Beweis zu stellen, wie gut das funktionieren würde, stand sie gleich auf, nachdem sie aufgegessen hatte, und zog die kleine Flasche aus der Tasche ihres Mantels. Binnen zehn Minuten war sie wieder brünett, allerdings noch dunkler als sonst, weil ihre Haare noch nass waren. Mit dem kleinen Handtuch, das neben dem Waschbecken hing, trocknete sie ihre Haare, soweit es ging, dann ließ sie sich wieder in ihren weichen Sessel fallen. „Siehst du?"
Ian betrachtete ihre Haare eingehend. Sie hatte deckend gefärbt, es war nichts mehr zu sehen von den hellen Stellen; aber ihre Haare waren inzwischen schon fast schulterlang und ihre Stirnfransen konnte sie sich hinter die Ohren streichen. Er sah wahrscheinlich genauso aus. „Mach dir einen Zopf, bis wir das nächste Mal zum Schneiden kommen."
„Und womit? Soll ich Kanda oder Linali ein paar Haarbänder klauen?" Plötzlich schlug sie sich mit der flachen Hand auf die Stirn. „Das hab ich ganz vergessen; warte kurz, ich bin gleich wieder da!"
Sie schnappte sich beide Tabletts und raste davon; es dauerte keine fünf Minuten und sie stand schwer atmend wieder im Türrahmen. Erschöpft ließ sie sich ein zweites Mal in den Sessel fallen, dann erst erklärte sie, welcher Geistesblitz sie gerade getroffen hatte. „Ich hab meine Messer vergessen; eines hatte River und eines steckte noch in den Trümmern von Komurin; ich musste etwas suchen, bis ich es gefunden hab."
Ian schüttelte den Kopf. „Wieso hatte River eines deiner Messer?"
Sie erklärte rasch, was passiert war, als die Maschine durchgedreht war. Er schien sichtlich erleichtert, als er erfuhr, dass nicht einmal Komurin herausgefunden hatte, dass sie ein Mädchen war. Ihre Gewissensbisse, weil sie ihm verschwieg, dass Lavi es allerdings wusste, schob sie beiseite. Ian würde das ganz schlecht vertragen, aber es war zu spät, um es ungeschehen zu machen. „Hast du schon etwas geschlafen?"
Zögerlich schüttelte er den Kopf; er wusste, was jetzt kam: Seufzen, Kopfschütteln und Schuldgefühle. Er hatte diese Methode praktisch erfunden.
Jack seufzte und schüttelte resigniert den Kopf. „Ian, wenn ich mich recht erinnere, warst du derjenige, der bis zum Morgengrauen gepokert hat. Du bist krank und übernächtigt; gerade jetzt solltest du schlafen, findest du nicht?"
„Aber ich bin nicht müde." Es stimmte, gerade jetzt war er nicht müde, er war hundemüde. Aber der Schlaf wollte sich einfach nicht einstellen.
„Soll ich dich k.o. schlagen?"
„Untersteh dich. Also schön, ich versuch ein wenig zu schlafen. Zufrieden?"
„Nur, wenn ich hier bleiben und lesen darf."
Er runzelte die Stirn. „Das ist dein Zimmer; warum nicht?"
„Du vergisst, wer von uns hier mehr Erfahrung mit Kranksein hat. Ich an deiner Stelle würde versuchen, dich loszuwerden, um meine Ruhe zu haben." Würde sie zwar nicht, aber sie wusste, dass er das tun würde.
„Verdammt." Das hatte er tatsächlich vorgehabt. Aber wenn sie nicht verschwand, würde er eben so einschlafen müssen –oder es zumindest versuchen. „Schön, aber ich garantier für nix, klar?"
„Klar. Gute Nacht." Sie legte sich das zerfledderte Buch auf den Schoß und begann zu lesen, während er sich missmutig umdrehte und versuchte, Schlaf zu finden.
Das Buch, das sie las, war sowieso nicht interessant genug, um sich darüber zu unterhalten. In einem Anfall von Langeweile hatte er es einmal gelesen, als sie in Deutschland gewesen war, und es am Ende in die Kategorie ‚Bücher, die es sich nicht lohnt, zu lesen' eingeordnet. Platon – oder Sokrates, wenn man es genau nahm - war aus seiner Sicht schon lange nicht mehr auf das Leben anwendbar.
Allein der Unsinn über Eltern, die sich um ihre Kinder kümmerten, war lachhaft. Wenn man sich die Welt ansah, sah man, egal, wo man hinschaute, keine solchen Eltern. Egal, ob reich oder arm, neunzig Prozent aller Kinder waren ungewollt und die Eltern gaben dann den Kindern die Schuld für ihre Fehler, machten sie verantwortlich dafür, dass sie es überhaupt wagten, zu existieren. Eine Gräfin genauso wie eine Hure, die Herzogin wie die Bäckersfrau.
Und ihre eigenen Eltern waren ja nicht besser gewesen. Ihr Vater hatte ihre Mutter wegen ihres Geldes geheiratet, ihre Mutter ihren Vater wegen dem Titel. Dann hatten sie einen Erben bekommen und eigentlich dabei bewenden lassen wollen; aber das Schicksal –oder was auch immer dafür verantwortlich war- hatte ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Oft genug hatten sie die Streitereien ihrer Eltern mit anhören müssen, dass sie nicht passiert wären, wenn ihr Vater nicht so ein Säufer wäre. Einmal war er besoffen genug gewesen, um tatsächlich im eigenen Bett zu schlafen –mit Frau. Neun Monate später hatte sie Zwillinge zur Welt gebracht und dabei geflucht, wie es keine feine Dame können sollte.
Von ihr hatten sie ja auch das Italienisch gelernt, denn ihre eigene Mutter war selbst Italienerin gewesen, ihr Vater Engländer. Sie war eine sehr jähzornige Frau gewesen; hatte sich über alles und jeden aufgeregt, der ihr nicht in den Kram passte, und dabei geflucht, so schnell sie ihre Zunge nur bewegen konnte. Nachdem sie sie mindestens hundertmal ‚Vaffanculo' sagen hatten hören, konnten sie sich langsam zusammenreimen, was das bedeutete. Einzig und allein ihr Vater war in der Lage gewesen, sie zum Schweigen zu bringen; dann hatte sie immer dagesessen, die Hand auf der brennenden Wange und hatte ihn hasserfüllt angestarrt; aber sie hatte geschwiegen.
Wenn er so darüber nachdachte, hatte sie ihn wahrscheinlich in der Zwischenzeit vergiftet. Nicht, dass es ihm etwas ausgemacht hätte; ihr Vater war nicht gerade liebevoll gewesen, genauso wenig wie ihre Mutter. Beide hatten durch Abwesenheit geglänzt, hatten ihre Töchter Hauslehrern, Erziehern und Kindermädchen überlassen und sich nur blicken lassen, wenn es um Christian ging. Ihr älterer Bruder war wahrscheinlich das einzige, das sie zusammenhielt; er musste umsorgt und verhätschelt werden, schließlich würde er einmal alles erben.
Wenigstens hatte er nicht den Charakter seines Vaters geerbt; aufbrausend, gewalttätig und ausschweifend. Der hatte gespielt, gesoffen und herumgehurt; nur nach außen hin war er ein Gentleman gewesen. Christian hingegen war weitaus freundlicher und fürsorglicher; er hatte seinen beiden kleinen Schwestern praktisch Vater und Mutter ersetzt. Wäre er damals, vor acht Jahren, nicht auf Kavallierstour gewesen, wer weiß, was hätte sein können.
Wütend ballte Ian die Hand mit der Decke zur Faust. Aber sofort ließ er wieder los; es war auch viel Gutes passiert. Sie hatten gelernt, zu kämpfen und auf sich selbst aufzupassen; und sie waren Exorzisten geworden. Wären sie geblieben, hätte der Orden auf zwei weitere Kämpfer verzichten müssen; jeder einzelne von ihnen war wertvoll und schon ein einziger konnte viel bewirken. Immerhin gab es insgesamt gerade mal ein Dutzend Exorzisten weltweit; nicht gerade viel, wenn man bedachte, wie viele Akuma es dafür gab.
Und wenn man bedachte, wofür sie kämpften. Mal abgesehen davon, dass das Schicksal der gesamten Menschheit auf dem Spiel stand, wer würde auf Jack aufpassen, wenn nicht er? Er wusste, dass das egoistisch klang, aber sein Hauptgrund, ein Exorzist zu werden, war, Jack zu beschützen. Als Kanda ihnen angeboten hatte, dem Orden beizutreten, hatte er gewusst, dass Jack Ja sagen würde. Und wenn seine Schwester ging, dann würde auch er gehen. Er würde auf sie aufpassen und sie beschützen, nicht nur vor anderen, sondern auch vor sich selbst. Außerdem, wenn sie getrennt waren, wie sollten sie sich dann je wieder finden? Wenn der Fall der Fälle eintrat und Ian war nicht da, wer sollte dann für sie da sein? Sie konnten den anderen nicht anvertrauen, was damals geschehen war, zu ihrem eigenen Wohl nicht. Sicher, als Exorzisten würden sie damit fertig werden, aber menschlich… Es gab eben nicht nur schwarz und weiß; Menschen waren genauso zu Grausamkeit fähig wie Noah oder Akuma. Sie würden wahrscheinlich nicht glauben können, dass jemand das tun könnte, aber wenn sie es glaubten, dann würden sie sie bemitleiden; und das war etwas, mit dem sie beide, er und seine Schwester, ganz schlecht zurechtkamen.
Er schüttelte den Gedanken ab; so zu denken war nicht gerade förderlich, um einzuschlafen. Er sollte besser an etwas anderes denken; irgendetwas Langweiliges.
Mit Erleichterung stellte Jack fest, dass er eingeschlafen war, als sie das nächste Mal von ihrem Buch aufblickte. Allerdings schaffte sie selbst nur noch ein paar Seiten, bevor sie auch einnickte, das Buch noch auf dem Schoß.
Nur zum besseren Verständnis vom Hintergrund der Zwillinge. Die sind ja auch nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen. Und nicht jeder kann so äh ... psychisch angeknackst (gestört wollt ich jetzt nicht sagen) auf die Welt kommen wie Kanda. Wobei der ja auch nicht wirklich geboren wurde, wenn mans genau nimmt. Ob das als Ausrede gilt?
Bleibt mir gewogen.
