Eine Woche ist rum und hier ist das nächste Kapitel ^-^
sternenhagel: Ja, jetzt hat's sich aber auch schon wieder ausgekandat xD Ich will dich ja nicht zu sehr verwöhnen. Komui baut einfach alles, wenn es nur lange genug stillsteht. Und die Akuma a lá Komui finde ich nicht so bedrohlich, ja, okay, sie können die Exorzisten verletzen, aber sie haben keinen Virus und Komui kann sie fernsteuern. Alles halb so wild :D Das mit dem Innocence wird noch viel besser, muhaha *näher an das rehragout heranrück und schnupper*
Rated: T
Disclaimer: [Hier steht der Disclaimer der letzten Kapitel.]
1.11 Erst das Vergnügen…
Sie verließen den Saal. Noch immer hatten die Zwillinge nicht ganz begriffen, was Komui damit meinte; sie hatten eine ungefähre Vorstellung, aber mehr auch nicht. Es hatte den Anschein, als wüssten die anderen aber, wovon er sprach. „Linali, was meint er damit? Ich versteh das immer noch nich." Jack ignorierte Kandas verächtliche Urlaute zugunsten einer Antwort; sollte der Japaner doch denken, was er wollte.
Die Exorzistin lächelte entschuldigend. „Da fragst du vielleicht am besten Allen; ich glaube, der kann euch das genauer erklären als ich."
Der Genannte wurde leicht rot, als beide Jungen ihn gespannt ansahen, „Also… so genau weiß ich es auch nicht… außerdem weiß ich nicht, wie das mit Equipment-Typen ist, ich kenne das nur von meinem eigenen Innocence –aber ich kann es ja mal versuchen", fügte er rasch hinzu, als er die steigende Enttäuschung der beiden sah. Auf dem Weg nach unten begann er zu erklären: „Vor Mathel hatte mein Innocence im aktivierten Zustand immer die Form einer großen, silberweißen Kralle, aber durch meine Emotionen hat es während dem Kampf zwei neue Formen angenommen; eine Kanone und ein Schwert. Man kann zwar nicht direkt von Parasiten- auf Equipment-Innocence schließen, aber ich denke, dass es bei euch auch so ähnlich sein wird. Vielleicht tragt ihr danach ganz neue Waffen, andere als eure jetzigen. Das Innocence kann viele Formen annehmen."
Ian und Jack senkten leicht die Köpfe, während sie neben ihm die Stiegen hinuntergingen; man sah ihnen an, dass sie jetzt zwar eine bessere Vorstellung von der ganzen Sache hatten, allerdings immer noch nicht wussten, wie sie diesen Zustand erreichen sollten. „Bei mir ging es ganz automatisch; vielleicht solltet ihr abwarten, was passiert. Es kann sein, dass es nicht funktioniert, wenn ihr plant; so was lässt sich wahrscheinlich nicht erzwingen", meinte Allen.
„Mal was anderes; wie habt ihr es geschafft, nicht verletzt zu werden?" fragte Lavi hinter ihm. Es hatte ihn mindestens ebenso erleichtert wie Jack, Ian unverletzt zu sehen; allerdings bezog sich seine Erleichterung eher auf die Unversehrtheit des älteren Zwillings. Jack war viel näher an der Explosion gewesen; trotzdem hatten beide nicht einmal einen Kratzer abbekommen.
Sie dachten zurück an den Moment, in dem sich die Explosion ereignet hatte; eigentlich hatten sie, so wie alle anderen, erwartet, Grillfleisch zu sein, aber das war aus irgendeinem Grund nicht passiert. Aus dem, was ihre beiden Erinnerungen ergaben, als sie sie verglichen, konnten sie nur eine Schlussfolgerung ziehen. „Ich nehm an, unser Innocence hat uns beschützt… irgendwie", vermutete Ian.
Darunter konnten sich jetzt wiederum die anderen wenig vorstellen, aber die Zwillinge waren auch nicht schlauer.
„Kann ich dich mal kurz sprechen?" fragte Lavi plötzlich leise, an Jack gewandt.
Sie drehte sich leicht zu ihm um, gerade weit genug, damit sie ihn ansehen konnte, ohne dass die anderen es mitbekamen; er konnte ihre Verwunderung sehen, die allerdings nur einen Moment später schon von Verständnis ersetzt wurde. Dann nickte sie fast unmerklich. „Bibliothek?" fragte sie laut, damit die anderen es auch hörten.
„Klar. Wir sehen uns", verabschiedete er sich von den anderen; aber Ian war das anscheinend nicht so ganz recht.
„Moment! Jack, wir solltn herausfindn, wie wir-"
„Deine Gedankn sin schneller als deine Zunge, Ian, ich weiß, was du sagn willst. Aber du hast gehört, was Allen gesagt hat: Wir solltn es nich erzwingn. Außerdem wird das ja wohl noch 'n bisschen Zeit ham, oder?" Rasch wandte sie sich um und folgte Lavi, der sich schon ein Stück von der Gruppe entfernt hatte, in die ungefähre Richtung der Bibliothek. Ian regte sich zwar gedanklich weiter auf, sagte aber nichts mehr, während er mit Allen und Linali dem anderen Weg folgte –Kanda hatte sich längst abgesetzt.
Schließlich verstummten auch seine telepathischen Proteste und Vorwürfe, sodass in ihrem Kopf wieder Ruhe herrschte. Zwillingstelepathie in alle Ehren, aber dafür war das eigentlich nicht gedacht; dass sie dem anderen Kopfschmerzen machten. Eher für Notfälle und um sich so verständigen zu können, ohne dass andere mithörten; außerdem war es ein nützliches Mittel, um zu wissen, was der andere erlebt hatte, wenn sie mal getrennt gewesen waren –ohne lange erzählen zu müssen.
Ihre Aufmerksamkeit wurde dann allerdings in eine andere Richtung gelenkt; als sie in einen Gang einbogen, der erstens nicht zur Bibliothek führte und zweitens vollkommen leer war. Was ihr allerdings nur recht war, denn was sie zu besprechen hatten, war nicht für fremde Ohren bestimmt. Sie sprachen allerdings erst miteinander, als Jack die Tür eines leeren Zimmers hinter sich geschlossen hatte; man konnte ja nie wissen, wer auftauchte. Gang war zu öffentlich.
Lavi war dicht vor ihr stehen geblieben. „Geht es dir auch wirklich gut?" fragte er zweifelnd.
Sie lächelte. „Ja, mir is wirklich nix passiert; aber nur deswegen wolltest du nich mit mir redn, oder?"
„Nur? Hör mal, Jack, du bist in dieser Feuerwolke verschwunden, und das meine ich ernst. Für eine Sekunde warst du vollkommen davon eingeschlossen, bevor du dann quer durch die Halle gesegelt bist, das nenne ich nicht 'nur'. Du hattest Glück, dass dein Innocence dich beschützt hat, sonst wärst du jetzt-"
„Grillfleisch, ich weiß." Sie senkte den Blick. „Einen Moment hab ich wirklich gedacht, das wars jetzt." Dass sie auch daran gedacht hatte, dass sie dann den nächsten Schritt nicht machen konnte, sagte sie nicht; er brauchte nicht zu wissen, dass sie, wenn sie dem Tod gegenüberstand, an so etwas dachte. Wahrscheinlich würde er sie auslachen wegen ihrer Naivität. „Aber es is nix passiert und dafür sollt ich dankbar sein; wer weiß, wie oft ich noch solches Glück hab. Die nächste Explosion entsteht vielleicht nich durch mein Innocence; dann beschützt es mich vielleicht auch nich."
„Ich glaube eigentlich schon- verdammt, lenk nicht vom Thema ab! Eigentlich wollte ich wegen etwas anderem mit dir reden-"
„Du hast doch von dem Unfall angefangn!" Sie stieß ihm mit der flachen Hand vor die Brust. „Also gib jetzt nich mir die Schuld, wenn du abschweifst."
„Au!" Er fing ihre Hand ein und rieb sich die Stelle; es tat nicht wirklich weh, auch wenn sie dafür gesorgt hatte, dass er dadurch einen Schritt zurück machte. Vorsorglich hielt er beide Hände fest, bevor sie ihm noch einmal wehtat. Sie hatte den Kopf wieder gesenkt, sodass ihr Gesicht hinter den freien Stirnfransen verschwand, die sich nicht in dem Zopf bändigen hatten lassen, den sie an ihrem Hinterkopf trug. Nur dort, wo sie sie immer trennte, um sie sich hinters Ohr zu streichen, sah er durch einen kleinen Spalt hindurch einen Teil ihrer Nase und ihrer Lippen. Ihre Hände immer noch festhaltend, damit sie nicht auf die Idee kam, ihn wieder zu schlagen, beugte er sich leicht vor und spähte zwischen den Strähnen durch. „Jack?"
Wieder hatte sie die Augen fest zusammengekniffen; erwartete sie einen Gegenschlag? Leider konnte er nicht mehr erkennen, ohne die Stirnfransen zur Seite zu schieben, aber er wusste nicht, wie sie das auffassen würde. Außerdem wäre das gegen ihre Abmachung… in einem gewissen Sinne.
Den Rücken gegen die Tür gelehnt, war sie bereit, sofort in Deckung zu gehen, egal, was er tat. Das hätte sie nicht tun dürfen; ihr Vater hätte ihr eine Ohrfeige verpasst, dass ihr noch drei Tage später die Zähne klapperten, wenn sie das bei ihm versucht hätte. Im Allgemeinen ließen sich Männer das von Frauen weniger gefallen; das vertrugen sie ganz schlecht und mit Lavi war das sicher auch nicht anders, egal wie nett er sonst auch war. Christian war auch nett gewesen, aber er war sich seiner Rolle als Erstgeborener und älterer Bruder durchaus bewusst gewesen. Zum Glück hatten sich seine Strafen auf Drohungen und Nichtbeachtung beschränkt; geschlagen hatte er sie nie, weder Ian noch Jack. Aber sie konnte nicht einschätzen, wie Lavi darauf reagierte, also ging sie sicherheitshalber in Deckung.
Wenigstens hatte sie ihre Abneigung gegenüber dem Sich-Entschuldigen überwunden, sodass sie sich ordentlich entschuldigen konnte. Es tat ihr ja auch aufrichtig leid, dass sie ihn geschubst hatte; eigentlich hatte sie das nicht so fest geplant gehabt. „Es tut mir leid, das wollt ich nich", sagte sie leise.
„Was? Was wolltest du nicht?" Er konnte sich keinen Reim auf ihre Worte machen; wofür entschuldigte sie sich? Etwa für den kleinen Schubs gerade eben?
„Ich wollt dich nich… dir nich… es tut mir leid."
Das bestätigte seine Vermutung. „Also erstens bist du sauschlecht im Entschuldigen und zweitens musst du dich doch nicht wegen so einer Kleinigkeit entschuldigen. Jack, schau mich wieder an, ich rede nicht gerne mit Haaren."
Endlich sah sie ihn wieder an; der verwunderte Ausdruck in ihren Augen beunruhigte ihn etwas. Wieso dachte sie, sie müsse sich entschuldigen, obwohl sie gar nichts getan hatte? Zumindest nichts, das eine Entschuldigung verdiente. Konnte es sein, dass sie befürchtete, er würde wütend und würde sie schlagen; dachte sie wirklich so schlecht von ihm?
„Glaubst du etwa ernsthaft, ich würde dir wehtun?" Es verletzte ihn, dass sie ihn für diese Sorte Mann hielt. Der zweifelnde Blick, den sie ihm zuwarf, kränkte ihn noch mehr. Anscheinend dachte sie wirklich, dass er so war; dass alle Männer so waren. Allerdings war sie auf der Straße groß geworden, unter Dieben und Halsabschneidern, die für einen Penny töteten; es war klar, dass sie nicht wirklich an das Gute im Menschen glaubte, wenn sie mit tausenden anderen ums Überleben kämpfen musste. Da kämpfte jeder für sich allein, Nächstenliebe war fehl am Platz, genauso wie Mitleid; nur die rücksichtslosesten unter ihnen überlebten. Es war barbarisch, dass in einem Land, das sich selbst für so fortschrittlich hielt, so großes Leid herrschte. Freundlichkeit hatte sie vor ihrem Eintritt in den Orden wahrscheinlich nur von ihrem Bruder gekannt.
Ihrer Abmachung zum Trotz nahm er ihr Gesicht in beide Hände und sah sie ernst an. „Eher würde ich mir selbst die Hand abschlagen als dir wehzutun, klar? Ich will nicht sehen, dass dich jemand verletzt, und noch weniger will ich selbst daran schuld sein." Das war ein ziemlich großes Geständnis dafür, dass er erst seit einer halben Woche wusste, wer sie war.
Jack schimpfte sich selbst einen Idioten; sie hätte ihm mehr vertrauen sollen, anstatt von ihrem Vater auf ihn zu schließen. Lavi war in keinster Weise wie ihr Vater, Christian, Ben oder Johnny; Michael war auch nicht so wie die anderen gewesen, der hätte sie gleich umgebracht, wenn sie das versucht hätten. Aber Lavi war anders und das hätte sie wissen müssen. Stattdessen hatte sie auf das kleine Mädchen in ihrem Hinterkopf gehört, das sich vor der väterlichen Hand fürchtete; auf ihr Bauchgefühl hätte sie hören müssen, das es besser wusste. Er sah ziemlich verletzt aus; sie musste sich etwas einfallen lassen, wie sie das wiedergutmachte. Leider kam ihr nur eine Sache in den Sinn, die vielleicht sogar funktionieren würde; wenn sie es richtig anstellte, würde er bestimmt verstehen –zumindest hoffte sie das.
Sie legte ihre eigenen Hände auf seine und zog sie langsam von ihren Wangen; dann beugte sie sich leicht vor und stellte sich etwas auf die Zehenspitzen. „Es tut mir leid, dass ich an dir gezweifelt hab", flüsterte sie, bevor sie ihre Lippen vorsichtig auf seine legte und die Augen schloss.
Es überraschte ihn ehrlich, dass sie ihn von sich aus küsste; eigentlich hatte er gedacht, darauf noch etwas länger warten zu müssen. Ihre Vorsicht und Zögerlichkeit bewies, dass sie nicht ganz sicher war, es richtig zu machen, aber langsam wurde der Druck ihrer Lippen fester, sie lehnte sich noch enger an ihn und verstärkte ihren Griff in seinen Händen. Um es ihr leichter zu machen, neigte er den Kopf etwas und erwiderte den Kuss genauso sanft, wie sie ihn begonnen hatte, bevor er ihn vertiefte.
Dieses Mal brauchte sie keine Aufforderung, als sie seine Zungenspitze an ihren Lippen spürte; im Gegenteil, sie kam ihm entgegen, froh, dass sie nichts falsch machte. Sie hatte ihre Hände mit seinen verschränkt, aber jetzt ließ sie sie los, um in seinen Nacken zu fassen und ihn näher zu ziehen. Lavi hob die Hände und legte sie in ihre Taille, dann fuhr er langsam über ihre Seiten hinunter, über ihre Hüften und wieder hinauf, bis zu dem Verband über ihren Rippen. Mit langsamen Bewegungen strich er über ihren Rücken, vom Nacken angefangen immer tiefer; Jack presste sich an ihn und stöhnte leise an seinem Mund, als er sanft ihre Wirbelsäule entlang wanderte. Er quälte sie, indem er Zentimeter um Zentimeter auskostete, fast schon in Zeitlupe; ungeduldig drängte sie noch näher, wenn das überhaupt noch möglich war. Schon jetzt war kein Millimeter Platz mehr zwischen ihnen, nur noch ihr Gewand und ihre Mäntel.
Dann endlich hatte er sein Ziel erreicht; sie stöhnte schon fast erleichtert auf, als er mit den Handflächen über ihr Gesäß strich und dann dort verharrte… einen Moment… zwei… bevor er sie wieder losließ –was ihr überhaupt nicht gefiel- und sich vorsichtig von ihr löste, die Lippen zuletzt. Ehe sie ihrem Unwillen Luft machen konnte, begann Lavi zu sprechen; die Welt war leider kein Wunschkonzert, sonst hätte er sie wahrscheinlich im Stehen an der Tür genommen, aber so hatte er sich das eigentlich nicht vorgestellt. Sie hatte ihr Leben in Jungenkleidern verbracht; es hatte schon annähernd eine Woche gedauert, bis sie ihn küsste, also würde er noch behutsamer vorgehen müssen, wenn er sie entjungferte. Und Jungfrau war sie definitiv, sonst wäre sie wahrscheinlich nicht mehr am Leben, wenn irgendjemand, der sie nicht liebte, ihr Geheimnis herausgefunden hätte. Dass er sie liebte, war für ihn genauso Tatsache wie sein Begehren; gerade deswegen wollte er, dass es ihr genauso gefiel wie ihm –also musste er sich noch ein wenig gedulden. Dabei wollte er sie so sehr, dass es schon fast wehtat; trotzdem, wenn er jetzt weitermachte, dann würde er die Kontrolle über sich selbst verlieren und später würde sie ihn vermutlich hassen.
„Jack… lass… lass uns hier aufhören, bevor-"
„Aufhören? Aufhören womit?" fragte sie verständnislos. Plötzlich wich die Ratlosigkeit in ihrem Gesicht Entsetzen. „Lavi… du willst nicht -ich hätt's wissn müssn! Es war ja zu schön, um wahr zu sein-"
„Jack, wovon redest du da überhaupt?"
Sie verstummte und sah ihn mit einem seltsam verletzten Ausdruck im Gesicht an; dann wandte sie sich halb ab und murmelte nur „Nix".
Anscheinend hatte sie das irgendwie falsch aufgefasst; er fragte sich, zu welcher Schlussfolgerung sie wohl gekommen war, aber allem Anschein nach fiel sie nicht zu ihren eigenen Gunsten aus. Wie dem auch sei, wenn sie verstehen sollte, warum er aufgehört hatte, half nur schonungslose Ehrlichkeit. „Ich kann nicht…" Falsch angefangen. „Wenn du weiter…" Schon wieder falsch. „Ich würde…" Auch nicht.
Langsam kam er sich vor wie ein dummer Schuljunge, bei all dem sinnlosen Zeug, das er daherstotterte; er sollte sich zusammenreißen und einen ordentlichen Anfang finden, damit er erklären konnte, bevor sie ihn noch für schwachsinnig erklärte. Er machte eine kurze Pause und sah sie dann wieder an. Man sollte doch annehmen, dass ich darüber reden kann, oder? „Ich wollte zwar, dass du die Initiative ergreifst, aber ich befürchte, ich bin zu weit gegangen." An ihrem ratlosen Gesicht sah er, dass sie nicht verstand, was er damit meinte. „Hätten wir so weitergemacht, hätte ich dich wahrscheinlich einfach gegen die Tür gedrückt und ignoriert, ob es dir gefällt oder nicht. Und hinterher hätte ich mich selbst dafür gehasst, und du auch. Und so… so will ich das nicht."
Seltsamerweise lächelte sie jetzt; dieses Lächeln stand allerdings in absolutem Widerspruch zu dem, was sie dann sagte. „Hältst du mich für ein Kleinkind?"
„Was?"
„Du hast mich schon verstandn: Hältst du mich für ein Kleinkind?"
„N-nein…"
„Und wieso traust du mir dann nich zu, selber zu wissn, was ich will und was nich?" Jack war leider nicht halb so gefasst, wie sie sich gab; die Erwähnung dessen, was passieren hätte können, machte sie nervös. Es stimmte, was er sagte; für so eine Behandlung hätte sie eigentlich Geld verlangen müssen, so wie es jede billige Hure tat. Allein der Gedanke daran bereitete ihr Übelkeit, also konzentrierte sie sich wieder auf das Hier und Jetzt; weder war sie eine Hure noch würde sie sich je dazu machen lassen. Allerdings, wenn sie zurückdachte an das Gefühl, Lavi zu küssen und zu berühren… Bei der bloßen Erinnerung daran wollte sie es sofort wieder tun. Er vielleicht. Aber kein anderer. Nur jetzt noch nicht; sie brauchte noch ein kleines bisschen Zeit, um sich an den Gedanken zu gewöhnen.
Mit achtzehn wirst du atemberaubend sein. Du gewöhnst dich besser an den Gedanken, meine Frau zu werden.
Gerade jetzt musste sie an diese Worte zurückdenken, ausgerechnet jetzt; sogar seine Stimme hatte sie gehört. Sie schüttelte sich innerlich; äußerlich blieb sie gelassen. Er durfte nichts merken.
Aber Lavi war viel zu vertieft in seine eigenen Gedanken, die sich um seine eigene Blödheit drehten. Sie war durchaus in der Lage, sich zu verteidigen, und ein ordentlicher rechter Haken hätte ihn vielleicht wieder zur Besinnung gebracht. Nur weil sie unerfahren war, war sie noch lange nicht schutzlos; dass hätte ihm eigentlich auch schon früher einfallen können.
Wieder Herrin ihrer Gedanken, nahm Jack den Faden wieder auf. Sie küsste ihn ein zweites Mal kurz, aber bevor er reagieren konnte, löste sie ihre Lippen wieder von seinen, um ihn anzusehen. „Ich vertrau dir", flüsterte sie, dann legte sie ihre Hände in seinen Nacken und bedeckte seinen Mund abermals mit ihrem.
Lavi überlegte nicht lange, sondern erwiderte den Kuss; seine Hände behielt er aber diesmal an ihren Seiten, egal, wie sehr es ihn danach drängte, wieder dasselbe damit zu tun wie zuvor. Sie offenbar auch, denn mit einem gereizten Laut nahm sie ihre Hände aus seinem Nacken und griff nach seinen, um sie an die gewünschte Stelle zu legen. Er ergab sich schließlich; etwas anderes hätte er sowieso nicht tun können. Aber wenn er schon mal dabei war…
Gegen ihren Willen beendete er den Kuss, nahm aber seine Lippen nicht von ihrem Gesicht, sondern fuhr über ihre Wange und ihr Kinn hinunter zu ihrem Hals. Ihr Atem ging schwer und ihr Puls raste, als er seinen Weg nach unten fortsetzte; nur einmal machte er kurz Halt, an der empfindlichen Stelle direkt unter ihrem rechten Ohr. Ganz leicht biss er in die zarte Haut, wobei sie erstickt aufkeuchte, dann strich er mit der Zungenspitze darüber, bevor er fortfuhr, südwärts zu wandern. Lavi zog seine Hände aus ihrem Griff und öffnete ihren Mantel ein Stück; so weit, dass er ihre Hemdschleife öffnen konnte, um ihr Schlüsselbein freizulegen. Mit dem Mund fuhr er darüber, während er mit den Händen ihren Mantel vollends öffnete; vorsichtig, bereit, beim kleinsten Zeichen ihrerseits sofort aufzuhören, knöpfte er die schwarze Weste auf, das einzige außer dem Hemd und dem Verband, das ihre Brust noch verhüllte. Aber bis zum letzten Knopf wehrte sie sich nicht und als er den geöffnet hatte, hätte er schwören können, dass sie erleichtert aufatmete.
Mit den Fingerspitzen seiner rechten Hand streichelte er ihren Hals, die linke lag auf ihrer Hüfte unter dem Mantel. Langsam wanderten seine Finger weiter hinunter, während er mit den Lippen wieder ihren Hals hinauf strich. Behutsam ließ er seine Finger über den Rand ihrer linken Brust wandern, dann legte er die Handfläche darauf; sogar durch den Verband und den Stoff des Hemdes hindurch konnte er spüren, wie ihre Brustspitze hart wurde, als er mit dem Daumen darüber strich.
Jack hatte beide Hände auf seine Schultern gelegt; als er sie sanft ins Ohrläppchen biss, verstärkte sich für einen Moment ihr Griff und sie gab einen erstickten Laut von sich –den er hastig mit seinem Mund dämpfte, denn sie war etwas zu laut geworden. Bisher hatten sie beide darauf geachtet, leise zu sprechen, damit sie niemand hörte; egal, ob der Gang noch leer gewesen war, als sie hierher gekommen waren.
Er ließ seine Hand von ihrer Brust gleiten und löste seine Lippen von ihrem Mund; aufmerksam lauschte er, ob Schritte zu hören waren. Sie konzentrierte sich ihrerseits auf die Geräusche draußen auf dem Gang, aber es war totenstill. Nach ein paar Sekunden waren sie sicher, dass niemand sie gehört hatte und der Gang noch immer leer war, worüber sie beide erleichtert waren.
Trotzdem sollten sie verschwinden, denn sie wollten nicht das Risiko eingehen, entdeckt zu werden; die Erklärungen wären in jedem Fall umständlich.
Lavi bemerkte, dass sie besser noch etwas hier blieben; Jacks Lippen waren leicht geschwollen, ihre Wangen gerötet und sie atmete immer noch schwer –aber er sah bestimmt nicht anders aus, und dass sein Puls raste, wusste er auch so. Auf zehn Meter Entfernung würde man ihnen anmerken, was passiert war.
Es war das Zimmer eines Finders, wie ihm jetzt erst auffiel, und ungefähr so spartanisch eingerichtet wie das von Kanda; ein Bett und ein kleiner Tisch, auf dem ein Bild von einem älteren Ehepaar stand, wahrscheinlich seine Eltern oder er selbst mit seiner Frau. Auf dem Waschbecken an der Wand lag ein Waschlappen, daneben ein Handtuch; ein Haken an der Wand diente als Kleiderschrank, mit einem einzigen Kleidungsstück, einer Finderrobe. Sonst befand sich nichts in dem Raum, was allerdings nicht weiter ungewöhnlich war; viele Finder waren ständig unterwegs und kamen nur sehr selten hierher, weswegen sie diese Zimmer kaum benutzten.
Jack war damit beschäftigt, ihre Weste wieder zu schließen, aber er brauchte etwas zu tun, also ging er hinüber zu dem Waschbecken und hielt den Waschlappen unter das kalte Wasser; dann kam er zurück und hielt ihn ihr hin, in dem Moment, in dem sie wieder aufsah. „Hier."
„Was soll ich damit?"
Er musste lächeln. „Das ist für deine Lippen. Sonst sieht dir jeder sofort an, was hier in den letzten Minuten passiert ist. Besonders Ian."
Vorsichtig befühlte sie ihre Lippen. „Stimmt, mein Bruder hat scharfe Augn." Sie nahm das nasse Tuch aus seiner Hand und hielt es sich an den Mund; dann lächelte sie. „Ich hätt wahrscheinlich nich daran gedacht."
„Auch wenn ich nicht weiß, wie man es schafft, acht Jahre lang so zu tun, als wäre man ein Junge, das weiß ich."
„Woher weißt du, dass es acht Jahre warn?" fragte sie, plötzlich misstrauisch.
„Weil du nichts erzählst, das länger als acht Jahre her ist, Blitzgneißer."
Sie entspannte sich unmerklich; natürlich war es Unsinn, anzunehmen, dass Lavi irgendetwas von ihrer Vergangenheit wusste, das sie ihm nicht selbst erzählt hatte. Und was das anging, was sie ihm erzählt hatte, war sie sehr vorsichtig gewesen; es stimmte auch alles, wenn man den ‚Ich-muss-verstecken-dass-ich-ein-Mädchen-bin'-Faktor hinzurechnete.
Sie war das ganze Versteckspiel langsam leid; immer so zu tun, als wäre man ein Junge, zu verstecken, wie sehr sie sich vor dem Alleinsein fürchtete, ihre Vergangenheit zu verschweigen, immer aufpassen zu müssen, was man erzählen durfte und was nicht. Jetzt musste sie sogar aufpassen, was sie dachte, wenn Ian nicht wissen sollte, dass Lavi ihr –offensichtlichstes- Geheimnis kannte; natürlich hatte sie schon früher darauf achten müssen, sonst wüsste er längst von ihrer Angst, aber jetzt war noch stärkere Gedankenkontrolle gefragt. Ich hab ohnehin nicht mehr alle Tassen im Schrank, aber wenigstens weiß das keiner, sonst wär ich schon längst in der Klapse gelandet, dachte sie sarkastisch.
Aber ihre Sicherheit stand auf dem Spiel; Ians natürlich auch, aber ihre noch eher, schließlich suchte er nach ihr und nicht nach ihrem Bruder. Auch wenn sie manchmal ihre Zweifel hatte, ob er nicht schon vor Jahren aufgegeben hatte, war es besser, in Deckung zu bleiben, als das Risiko einzugehen, entdeckt zu werden. Und deswegen gab es Dinge, die sie niemandem anvertrauen konnte, nicht einmal Lavi oder Ian.
Egal, dass schon ein Kuss gereicht hätte, um ihre Zunge zu lösen, egal, dass sie Ian sonst alles sagte; das musste sie für sich behalten.
Sie ließ die Hand mit dem Tuch sinken. „Reicht das?" Probehalber presste sie die Lippen zusammen; sie fühlten sich eiskalt an.
Lavi warf einen prüfenden Blick auf ihr Gesicht und nickte dann; die Kälte hatte auch die Röte aus ihren Wangen vertrieben und auch ihr Atem verriet sie nicht mehr. Er hatte die Zeit ebenfalls genutzt, um seinen Herzschlag zu beruhigen; er nahm an, dass sie jetzt beide wieder einigermaßen präsentabel aussahen.
Dann fiel ihm auf, dass sie ihre Weste falsch geknöpft hatte; als er sie darauf aufmerksam machte, wurde sie rot und knöpfte sie hastig neu, wobei sie erneut ihr Gesicht hinter den Stirnfransen versteckte. Als sie sie vorhin zugemacht hatte, war sie in Gedanken noch bei den Sachen gewesen, die er getan hatte, als er sie geöffnet hatte… und das, was er danach getan hatte… kein Wunder, dass ihre Aufmerksamkeit flöten gegangen war.
Sie schloss ihren Mantel wieder bis unters Kinn. Um auf andere Gedanken zu kommen, fragte sie: „Was hattest du eigentlich ursprünglich vor?"
Lavi grinste. „Mehr oder weniger das, was auch passiert ist."
„Obwohl du mir die Initiative überlassn wolltest?" brachte sie fehlerfrei heraus; mit seinen Worten hatte er sie wieder an die letzten Minuten erinnert. Glücklicherweise wurde sie nicht rot.
Dafür wurde er rot; er hatte es keine drei Tage ausgehalten. Das war das Problem mit der Liebe; man wurde sie einfach nicht los, vor allem nicht, wenn man das Objekt seiner Begierde direkt vor der Nase hatte. Und ebenjenes triumphierend grinste, wenn die Röte in seinen Wangen ihn verriet.
Ihr Lächeln verschwand plötzlich; dafür sah sie ziemlich genervt aus. Als er sie fragend ansah, winkte sie ab. „Ian drängt mich, dass ich endlich mit ihm trainiern geh; er will rausfindn, wie wir diese neue Form von unsrem Innocence bekommen können."
„Dann sollten wir vielleicht wirklich gehen, bevor er noch anfängt, dich zu suchen."
Sie nickte, hielt ihn aber noch zurück. „Wir solltn vielleicht nich gleichzeitig rausgehn."
Lavi schüttelte den Kopf. „Ich denke, in dem Fall ist es egal. Der Gang ist leer und alle wissen, dass wir viel Zeit zusammen verbringen; keiner wird sich wundern, uns gemeinsam auf dem Gang zu sehen." Er öffnete die Tür einen Spalt, um sicherzugehen, dass niemand kam; dann verließen sie das Zimmer schnell und eilten den Gang entlang. Erst an der Ecke verlangsamten sie ihr Tempo und passten es der Geschwindigkeit der anderen an.
Aber sie waren nicht schnell genug gewesen. Am anderen Ende des Ganges stand ein Finder wie angewurzelt auf der Treppe und starrte auf die Stelle, an der er sie zuletzt gesehen hatte. Was hatten die beiden Exorzisten in seinem Zimmer zu suchen gehabt?
Eric öffnete die Tür und sah sich in dem leeren Raum um, konnte aber keine Anzeichen dafür erkennen, dass überhaupt irgendjemand hier gewesen war. Bis auf den Waschlappen, den jemand achtlos ins Waschbecken zurückgeworfen hatte; er war klitschnass und zur Hälfte eiskalt, zur Hälfte warm.
Warum waren Jack und Lavi hier gewesen?
Ich bin der unabänderlichen Meinung, dass ich solche Szenen nicht auf Deutsch schreiben kann o.O Ich lese sie lieber auf Englisch :D
Bleibt mir gewogen.
apotheke, obi, spar, dm, lidl, c&a und libro und das vor elf uhr x.x mein vormittag war fürn arsch .
