Da sind wir wieder *paket abstell**aufschnür**kapitel auspack*
sternenhagel: Ich lasse dich zu gerne im Unklaren darüber, wie die Vergangenheit der beiden aussieht, um jetzt irgendwelche Details preiszugeben, thihi. Es klingt alles so lecker, was du vorschlägst *-* *mich draufstürz**schnell ess, bevor du bemerkst, dass diesmal kein kanda vorkommt*
Rated: T
Disclaimer: [Hier steht der Disclaimer der letzten Kapitel.]
1.12 …dann die Arbeit
„Da bist du ja endlich!" Ian war schon ungeduldig vor der Trainingshalle auf und ab marschiert, während er auf seine Schwester gewartet hatte. Er erwartete eine patzige Antwort, aber die blieb aus. Verwundert blieb er stehen, um sie genauer zu betrachten. Irgendwie sah sie anders aus. „Alles in Ordnung?"
„Klar, was soll sein?" fragte sie und ging an ihm vorbei in die Halle.
Einen Moment sah er ihr nach, dann zuckte er mit den Schultern und folgte ihr. Sie zogen ihre Mäntel aus und legten sie auf die Bank an der Seite der Halle. Jack ignorierte krampfhaft den Schaukasten, der an der Wand hing. Er enthielt eine wunderschöne Duellpistole mit fein gearbeitetem Wappen.
„Also, irgendeine Idee, wie wir das anstelln solln?" fragte sie stattdessen.
„Nich die Bohne, aber vielleicht fangn wir an, indem wir unser Innocence mal aktiviern, oder?" Er zog seinen Bogen aus der Rückentasche; noch in der Bewegung wurde daraus ein Langbogen.
„Klingt nich schlecht." Jack zog ihre Sai; sie begannen blau zu leuchten und die Mittelzinken wurden immer länger, bis sie Armlänge angenommen hatten.
„Hallo, was macht ihr denn da?" flötete Komui, der gerade diesen Moment wählte, um seinen Kopf zur Tür hereinzustecken. „Ihr duelliert euch doch nicht etwa?"
„Wie solln wir uns mit Bogn und Sai duelliern?" fragte Ian sarkastisch.
„Und was macht ihr dann?"
„Wir wolln rausfindn, wie wir unser Innocence auf die nächste Stufe kriegn", antwortete Jack.
Der Wissenschaftler kam näher. „Kann ich euch dabei behilflich sein?"
Ian hob zweifelnd eine Augenbraue. „Sie wolln sich doch nur vor Ihrer Arbeit drückn."
Komui rückte seine Brille zurecht. „Das mag sein, aber andererseits bekommt man nicht oft die Entwicklung eines Equipment-Innocence von einer Stufe zur nächsten mit; noch dazu von einem Zwillings-Innocence. Ich hab da mal was vorbereitet…" Hinter ihm schwebten mehrere falsche Level 1 in den Raum; offenbar hatte er nur darauf gewartet, dass sie hier auftauchen würden. „Das könnte helfen, oder?"
„Wir wissn ja noch nich mal, wie wir das gemacht ham", erwiderte Jack lahm; wenn Komui sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, war es schwer, ihn wieder davon abzubringen.
Ihre Proteste stießen auf taube Ohren. „Meiner Theorie nach war es die lange Aktivationszeit in Kombination mit dem gleichzeitigen Treffer; bei dem Test hattet ihr eurer Innocence immerhin eine Viertelstunde lang aktiviert. Wir könnten jetzt, nach dem ‚Trial-and-Error'-Verfahren, euer Innocence genauso lang aktivieren –wobei es wahrscheinlich nicht unbedingt eine Viertelstunde sein muss, das kann auch weniger sein- und euch dann gleichzeitig angreifen lassen; mal sehen, was passiert." Zustimmung heischend blickte er vom einen zum anderen.
Das war besser als ihr Plan –nämlich gar keiner. „Es käm halt auf 'nen Versuch an", sagte Ian zögerlich.
Jack verschränkte die Arme. „Aber wir ham ein Problem. Wenn ich die Sai loslass, deaktiviern sie sich wieder; aber wenn ich sie in der Hand behalt, bin ich zu nah an der Explosion –und, sorry Komui, ich riskier nich meinen Arsch für Ihre wissenschaftlichen Studien."
„Das hängt wahrscheinlich davon ab, wie schnell sie sich deaktivieren. Wenn wir es schaffen, dass es das Akuma trifft, bevor es sich wieder deaktiviert, dann könnte es funktionieren. Also sollten wir das erst überprüfen, bevor wir hier Maschinen verschwenden." Der Mann hatte offenbar auf alles eine Antwort.
Also legte Jack eines ihrer Sai auf den Boden; es dauerte keine drei Sekunden, bis das blaue Leuchten verschwand. Jetzt musste Komui nur noch ihre Wurfgeschwindigkeit testen, dann wusste er, wie weit sie maximal entfernt sein durfte, um rechtzeitig zu treffen. Zufrieden damit, dass die Zwillinge seine Anweisungen befolgten –und, dass sie ihn mitspielen ließen- konstruierte der Wissenschaftler die Situation, in der sie sich befinden mussten, um Erfolg zu haben. Ganz in seinem Element erstellte er einen Plan, wie sie vorgehen würden; zuerst würden sie ihre Innocence fünf Minuten aktivieren und dann auf eines der Akuma zielen, die er mitgebracht hatte. Brachte diese Methode nichts, würden sie den Zeitraum erhöhen, erst auf zehn, dann auf fünfzehn Minuten. Falls das auch nichts brachte, brauchten sie einen neuen Plan.
Es wurde eine zermürbende halbe Stunde, in der sie wieder und wieder ihr Innocence aktivierten und nach dem geplanten Zeitraum kämpften; nach fünf Minuten passierte gar nicht, nach zehn Minuten auch nicht und auch nach fünfzehn Minuten blieb der erhoffte Erfolg aus. Sie schafften es nicht einmal, die Explosion von vorhin zu wiederholen; das Akuma explodierte auf unspektakuläre Weise genau wie ein gewöhnliches.
Komui seufzte. „Irgendetwas machen wir falsch; ich weiß nur noch nicht, was es ist."
Ian gab einen gereizten Laut von sich. „Dabei ham wir genau dasselbe gemacht wie vorhin."
„Nicht ganz." Sie fuhren herum; Lavi stand in der Tür. „Ihr habt etwas übersehen."
„Und was soll das sein?" fragte Ian mürrisch.
Er kam auf sie zu. „Vorhin, wieso hast du da auf genau dieses Akuma gezielt, Ian? Warum nicht ein anderes?"
„Is doch klar, weil es Jack sonst erschossn hätt… klar!" Er schlug sich mit der Handfläche auf die Stirn. „Da hättn wir auch selber draufkommen können!"
Komui tat es ihm gleich. „Natürlich, die Intention! Die Intention spielt eine essentielle Rolle dabei; wie haben wir das nur übersehen können? Du hast gekämpft, um deinen Bruder zu beschützen, deswegen die Explosion. Ich wette, wenn wir Jack in eine lebensgefährliche Situation bringen, dann wird es wieder passieren."
„Hey! Ich bin auch noch da und ich hab Ihnen schon gesagt-"
Ian unterbrach seine Schwester einfach. „Aber dann müsstn wir doch beide in Gefahr sein, oder? Wenn das funktioniern soll, dann muss das Akuma gleichzeitig mich und Jack bedrohen, damit er mich beschützn kann und ich ihn."
„Du hast Recht; das Problem ist, dass das kein Level 1 hinbekommt", meinte Lavi.
Komuis Augen glänzten; er grinste teuflisch. „Dann wird es wohl Zeit, euch meine neueste Kreation zu präsentieren."
Zur Tür herein kam ein Level 2; bis auf die Tatsache, dass es weder Sprache noch Mimik hatte, sah es haargenau wie ein echtes aus. Es war gut drei Meter groß, mit langen Armen, die neben seinen Füßen auf dem Boden schleiften, und schwarzen Fledermausflügeln auf seinem Rücken; es sah aus wie ein Harlekin, mit seiner Mütze mit den drei Glöckchen, der Clownsschminke im Gesicht und dem gestreiften Rock über seiner Pumphose. Auf seiner rechten Brust war die typische römische Zwei zu sehen, auf der linken das Gesicht des ehemaligen Level 1.
„Ich habe es dem Level 2 nachempfunden, mit dem Allen und Kanda in Mathel zu tun hatten, allerdings besitzt es nicht die Fähigkeit, seine Gegner zu kopieren; nur ein paar Justierungen und es ist perfekt für unsere Zwecke." Komui ließ sich von dem Akuma hochheben, betätigte einen Hebel unter seinem Kinn und sein Gesicht klappte wie eine Tür auf. Kopfüber in dem Hals der Maschine steckend, hantierte er in ihrem Inneren; nach ein paar Minuten richtete er sich wieder auf und schloss die Klappe wieder. „Fertig. Jetzt sollten wir es verwenden können. Vorher", er sprang wieder auf den Boden „kann ein kleiner Test aber nicht schaden, oder?"
Der Wissenschaftler zog eine Fernsteuerung aus der Manteltasche seines Laborkittels und drückte einen von ungefähr zwanzig Knöpfen. Sofort streckte der Roboter die Arme aus und mit der Geschwindigkeit eines Blitzes hatte er jeweils einen Zwilling an der Kehle hochgehoben; obwohl sie gute fünf Meter von ihm entfernt gestanden hatten, hatte er einfach seine Arme verlängert, um sie zu erreichen. Würgend und mit den Füßen strampelnd hingen sie knappe zwei Meter über dem Boden, während sie mit den Händen versuchten, den Griff um ihren Hals zu lösen.
„Komui!" rief Lavi.
Der Chinese sah auf. „Oh ja… ich glaube, das reicht jetzt." Er drückte einen weiteren Knopf und das Akuma setzte sie wieder auf den Boden und ließ sie los. „Entschuldigung", sagte er freundlich, während er bereits erneut an der Fernsteuerung herumspielte.
Ian und Jack rieben sich mit einer Hand den Hals und sahen ihn wütend keuchend an. Das Akuma hatte verdammt fest zugepackt.
„Aber so sollte es eigentlich klappen, oder?" Komui lächelte unschuldig. Besser, die beiden konzentrierten sich auf etwas anderes; sonst würden sie noch auf ihn losgehen anstatt auf das Akuma. „Wir spielen einen Kampf durch; ihr beide gegen mein Level 2."
Das Akuma setzte sich in Bewegung; die beiden hatten nicht einmal mehr Zeit zu antworten, bevor sie schon dem ersten Schlag ausweichen mussten. Das Level 2 arbeitete in zwei Richtungen gleichzeitig, mit seinen Armen, die es nach Belieben ausstrecken und wieder einfahren konnte, schlug es nach ihnen und ließ ihnen keine Chance, es anzugreifen. Fast sah es aus, als würde die Maschine tanzen; wie sie sich im Kreis drehte und immer wieder in unterschiedliche Richtungen ausschlug.
Lavi und Komui verfolgten aus sicherer Entfernung das Geschehen, während der Wissenschaftler immer wieder in regelmäßigen Abständen einen bestimmten Knopf drückte. Der Exorzist hingegen beobachtete gebannt, wie Jack oft nur in letzter Sekunde einer Hand des Roboters auswich; jeder dieser Treffer hätte schwere Verletzungen nach sich gezogen, wenn er gesessen hätte. „Wenn du triffst, dann setzt du damit einen deiner eigenen Exorzisten außer Gefecht, dass ist dir doch klar, Komui?" fragte er, ohne den Blick zu wenden.
Wieder drückte der Wissenschaftler den Knopf. „Das ist nichts, was sie nicht bewältigen können. Ich will sie ja nicht umbringen, aber eine andere Möglichkeit haben wir im Moment leider nicht." Keine Minute später drückte er abermals auf den Knopf.
„Sag mal, was hat es eigentlich mit diesem Knopf auf sich, den du da die ganze Zeit drückst?" fragte Lavi schließlich.
„Nun, das ist eine Einstellung, die ich leider noch nicht justieren konnte. Mit dem Treibstoff verhält es sich leider so, dass, wenn ich einen zu großen Tank baue, die einzelnen Molekülverbindungen neue Bindungen miteinander eingehen und dieses neue Gemisch ist dann unbrauchbar. Deswegen muss ich die einzelnen Bestandteile in separaten Tanks unterbringen und durch Knopfdruck wird dann immer eine genau abgestimmte Menge davon in den Haupttank geleitet, in dem sie sich vermischen und den fertigen Treibstoff bilden. Dabei müssen die richtige Temperatur und der richtige Druck im Tank herrschen, aber ich habe es geschafft, das alles durch einen einzigen Knopf regulieren zu können. Leider kann ich auch nur eine bestimmte Menge Treibstoff auf einmal herstellen, damit nicht wieder zuviel entsteht, also muss ich den Tank immer wieder per Knopfdruck füllen. Für ein Level 2 muss ich das so machen; Level 1 funktionieren mit weniger Treibstoff, brauchen also keine separaten Tanks. Das ist der einzige Nachteil an dem Treibstoff; sonst ist er perfekt." Das alles hatte er in weniger als einer Minute heruntergeleiert, woraufhin er zum hundertsten Mal den Knopf drückte. „So muss ich alle zwei Minuten den Tank auffüllen."
Lavi nickte nur knapp; gerade eben war Ian nur durch einen halsbrecherischen Sprung zur Seite dem Angriff der Maschine entkommen. Hätte er weniger Glück gehabt, hätte er sich wohl bei der Landung mindestens so schwer verletzt, als wenn ihn der Arm getroffen hätte.
Erst weiter zehn Minuten später hatten die beiden die Chance, selbst anzugreifen; ihre telepathische Verbindung half ihnen, den Moment genau abzustimmen, in dem sie warfen bzw. schossen. Das Akuma zog beide Arme gleichzeitig ein; jetzt wollten sie angreifen, solange sie sich noch außerhalb seiner Reichweite befanden. Aber genau in dem Moment, in dem sie angriffen, schossen die Arme der Maschine wieder auf sie zu; entgegen aller Erwartungen –denn normalerweise hätte man doch wohl eher sich selbst verteidigt- zielte jeder der beiden Angriffe auf den Arm, der den jeweils anderen bedrohte. Ians Pfeil traf den Arm, der auf Jack zuraste, in der Sekunde, in der die Klinge von Jacks Sai sich durch den Arm bohrte, der in Ians Richtung gezielt hatte.
Zum zweiten Mal binnen weniger Stunden gab es eine gewaltige Explosion, noch größer als die vorangegangene. Beide hoben abwehrend den Arm, um ihr Gesicht zu schützen; rückwärts wurden sie von der Wucht der Detonation durch die Halle geschleudert. Nach ein paar Metern knallten sie gleichzeitig auf den Boden; nachdem sie sich ungefähr dreimal um die eigene Achse gedreht hatten, kamen sie auf dem Bauch liegend zum Stillstand. Die Hand, mit der sie ihr Gesicht geschützt hatten, war unter ihrem Brustkorb gefangen; Ians Rechte und Jacks Linke.
Lavi und Komui rasten in verschieden Richtungen, an brennenden Teilen der Maschine vorbei und über Lacken aus Treibstoff, die sich ebenfalls entzündet hatten.
Komui kniete neben Ian nieder und drehte ihn vorsichtig auf den Rücken. „Bist du okay?"
Der Exorzist umklammerte seine rechte Hand; mit schmerzverzerrtem Gesicht sah er den Chinesen an, als er sich aufsetzte. „Ja, ich hab mir nix getan, aber was is mit Jack?"
Der Wissenschaftler sah hinüber zu Lavi, der dem Jungen gerade half, sich aufzusetzen; allem Anschein nach war auch er unverletzt. „Es geht ihm gut; Lavi kümmert sich um ihn."
„Ich glaub, mein Bogen ist zerbrochen; es fühlt sich an, als hätte sich ein Splitter in meine Handfläche gebohrt." Vorsichtig nahm Ian die Hand von seiner Rechten, aber von seinem Bogen war keine Spur. Auch im näheren Umkreis war nichts zu sehen, so angestrengt sich Komui auch umblickte.
Dann krümmte sich der Junge plötzlich zusammen; mit der Linken umklammerte er die schmerzende Hand, aber kein Laut kam über seine Lippen. Fassungslos verfolgte Komui, wie eine schwarze Flüssigkeit aus seiner geballten Faust kroch; fast schon lebendig legte sie sich wie Gummi um seine Hand, dann erstarrte sie plötzlich. Verwundert, weil die Schmerzen plötzlich aufgehört hatten, öffnete Ian seine Linke und streckte den Arm aus.
Um seine rechte Hand hatte sich ein schwarzer, fingerloser Handschuh gelegt, der bis zu seinem Handgelenk reichte. Er ballte die Hand zur Faust und bewegte die Finger; alles fühlte sich normal an. „Was is das?"
Komui half ihm, aufzustehen; beide betrachteten den Handschuh, der wie aus dem Nichts aufgetaucht war. „Ich glaube, das ist dein neues Innocence", mutmaßte der Wissenschaftler.
„Das? Wie soll ich'n damit kämpfn?" fragte Ian skeptisch.
„Ian!" Durch die Rauchschwaden der brennenden Maschinenteile kamen Lavi und Jack auf sie zu. Auch bei Jack fehlte von seinen Waffen jede Spur, stellte der Chinese fest.
„Wo is dein Bogen?" fragte Jack, als sie sie erreicht hatten.
„Wo sin deine Sai?" stellte Ian die Gegenfrage.
„Keine Ahnung, aber das is plötzlich aufgetaucht. Schau dir das an." Jack hob die linke Hand, an der er einen Handschuh trug, der bis ins kleinste Detail wie Ians aussah.
Ian hob seinerseits seine Rechte. „Du auch?"
Beide sahen zu Komui; der Wissenschaftler räusperte sich und rückte seine Brille zurecht. „Anscheinend ist das euer neues Innocence. Versucht mal, es zu aktivieren."
Mit einem Mal kam Leben in Ians Handschuh; wie Schlangen wanden sich mehrere schwarze Bänder seinen ausgestreckten Arm hinauf, unter dem Ärmel bis zur Schulter. Dann wurden sie breiter; im Uhrzeigersinn schlossen sie sich zu einer Fläche zusammen, die seinen gesamten Arm bedeckte. Aus dem schwarzen Material formte sich eine Art Kanone, die auf seinem Unterarm saß, während sein Oberarm durch das Hemd durch gelblich leuchtete. An den Fingeröffnungen entstanden weitere Schlangen, die sich um die Mündung der Kanone wanden und von dort aus eine Art schwarzen Schild bildeten, der seinen Oberkörper schützte. Ians obere Hälfte war buchstäblich dahinter verschwunden.
„Ian?" fragte Komui vorsichtig, dann machte er unwillkürlich einen Schritt zurück, als der Exorzist sich ihm zuwandte und die Kanone genau auf ihn zielte.
„Ja?" ertönte seine Stimme hinter dem Schild.
„Du kannst ihn sehen?" Lavi versuchte, durch die schwarze Masse hindurchzusehen, aber es war unmöglich.
Ian schnaubte gereizt. „Natürlich kann ich ihn sehn. Warum denn nich?"
Jack ging um ihn herum und stellte sich hinter ihn, sodass von ihr auch nur noch die Beine zu sehen waren. „Nein, da sieht man überhaupt nix."
„Red keinen Schwachsinn; da steht Komui, da Lavi. Du willst mir wohl nich ernsthaft weismachn, du siehst sie nich."
„Tu ich aber nich." Jack kam wieder hinter dem Schild hervor.
„Wahrscheinlich kannst nur du als Kompatibler hindurchsehen", meinte Komui.
Ian ließ den Arm sinken; der Rand des Schilds glitt widerstandslos durch seine Beine hindurch. „Echt?" Er blickte auf den Schild, durch den er den Boden sehen konnte; für alle anderen war er unsichtbar. „Mach du mal", meinte er an Jack gewandt.
Jacks Handschuh begann ebenfalls zu wachsen, allerdings auf andere Art als seiner; in einzelnen Ringen rund um ihren Unterarm wuchs er wie eine Rüstung ihren Arm aufwärts. Er legte sich über ihre Schulter und ihren Rücken und wanderte den anderen Arm wieder hinunter bis zum Handgelenk, wo er einen zweiten, identischen Handschuh bildete. Die schwarzen Ringe wurden zu silbernen Platten, wodurch sie einer Rüstung noch näher kamen; an den Handgelenken leuchteten zwei blaue Ringe auf. Dort bildeten sich zwei große, schwarze Blasen, die sich zu Klingen formten; sie legte jeweils eine Hand um die Griffe der beiden silbernen, gebogenen Klingen.
„Was sin 'n das für Schwerter?" fragte Ian, der sein Innocence inzwischen wieder deaktiviert hatte.
„Also, wenn mich nicht alles täuscht, dann sind das", Lavi deutete auf das fast achtzig Zentimeter lange Schwert in ihrer Linken, dessen einseitig geschliffene Klinge auf ungefähr vierzig Prozent der Länge fast geradlinig verlief und dann eine blitzförmige Krümmung machte; die restliche Klinge bildete eine Linie, die Ähnlichkeit mit einem Wiegemesser hatte, „Kopesh, Waffen, wie sie im alten Ägypten verwendet wurden. Sie werden auch oft Sichelschwerter genannt, weil bei vielen solchen Schwertern die obere Hälfte aussieht wie eine Sichel; einige sahen auch so aus wie deine, hatten also keine Spitze, sondern ähnelten eben einem Wiegemesser."
Komui ging um sie herum. „Interessant; die Rüstung bedeckt deinen gesamten Rücken, die Schulterpartien und den Nacken. Die einzelnen Teile liegen teilweise übereinander, wie Dachziegel, sodass eine größere Bewegungsfreiheit gewährleistet ist. Eigentlich müsstest du dich vollkommen frei bewegen können."
Jack ließ die Klingen wieder verschwinden, sie zog die Schultern hoch und streckte die Arme nach vorne aus, dann ließ sie die Schultern wieder fallen; sie konnte sogar, wenn sie die Arme nach hinten ausstreckte, ihre Hände zusammenlegen, oder hinter dem Rücken zusammengreifen. „Stimmt, ich bin genauso beweglich wie sonst auch."
Sie richtete ihre Aufmerksamkeit auf den Wissenschaftler. „Komui?"
Der bittende Unterton gefiel ihm gar nicht. „Was?"
„Können wir die ausprobiern?" fragte Ian, genauso schmeichelnd wie seine Schwester.
„Ja, natür- Augenblick, dafür braucht ihr meine Maschinen, oder?" Verzweifelt sah er von einem zum anderen. Schließlich gab er sich geschlagen. „Na schön, ein paar werde ich entbehren könn-"
„Danke!" riefen beide unisono; Ian aktivierte sofort wieder sein neues Innocence.
Komui ließ fünf von seinen übrigen Level 1 in der Halle, nachdem er sie umprogrammiert hatte, die restlichen nahm er mit sich, als er schleunigst das Weite suchte; bevor sie noch mehr brauchten.
Umprogrammiert deswegen, um sie auf die Stimmen der Zwillinge einzustellen; mit einfachen Sprachkommandos konnten sie sie steuern, ihnen den Befehl zum Feuern geben und sie nötigenfalls auch ausschalten.
Jack blickte von ihrem eigenen Innocence zu Ians und wieder zurück. Als ihr Bruder ihren Blick sah, hob er fragend eine Augenbraue, aber sie zuckte nur mit den Schultern.
Er ließ nicht locker. „Was?"
„Nix, nur… ich mein, sieh dir das doch mal an. Fällt dir nix auf?" Sie deutete erst auf seinen Schild, dann auf ihre Rüstung.
Er folgte ihrem Blick, aber verstand nicht, was sie meinte. „Was soll mir denn auffalln?"
„Na ja, dein Schild schützt hauptsächlich deine Vorderseite; meine Rüstung meinen Rückn. Irgendwie schaut das nur… halb aus."
„Du meinst, das ist noch nicht die endgültige Form eures Innocence?" fragte Lavi.
„Ich weiß auch nich; es is mir halt aufgefalln. Egal, eigentlich wolltn wir ja was andres machn, oder?" Sie ließ die Schwerter einmal in ihrer Hand kreisen.
Ian grinste. „Jetz bin ich gespannt. Feuer!" Der Roboter, an den der Befehl gerichtet war, schoss gleich dreimal auf ihn, aber der Schild hielt stand. Als er ihm den Befehl gab, das Feuer wieder einzustellen, fand er nicht einmal einen Kratzer an der Außenseite.
Er streckte den Arm aus und richtete die Kanone auf das Akuma. Fast schon automatisch wusste er, was er zu tun hatte; er legte seine linke Hand auf seinen rechten Oberarm und sofort leuchtete er wieder gelb auf. Ein Lichtstrahl schoss aus der Mündung und traf die Maschine genau in der Mitte; sofort, nachdem er getroffen hatte, verschwand der Strahl wieder, während das Akuma explodierte.
„Nich schlecht." Er bewegte die Hand auf der leuchtenden Fläche und wieder feuerte die Kanone; diesmal aber veränderte er die Position seiner Hand, noch während er schoss, wodurch der Strahl einen plötzlichen Knick in die Richtung machte, in die er seine Hand bewegt hatte. Ein zweites Akuma fiel getroffen zu Boden. „Ich glaub, indem ich meine Hand beweg, kann ich sogar um die Ecke schießn. Das is anscheinend so was wie 'n Bedienungsfeld."
„Lässt du mir auch noch was übrig?" fragte Jack spöttisch; mit einer übertrieben höflichen Verbeugung räumte Ian das Feld. Er deaktivierte seine Waffe, setzte sich neben Lavi auf die Bank an der Längsseite der Halle und beobachtete, wie Jack ihrerseits einer der Maschinen den Befehl gab, zu feuern. Unter anderen Umständen hätte er seine Bedenken gehabt, dass sie sich so offen einer Gefahr aussetzte, aber er hatte ja schließlich dasselbe getan. Und wenn sein Schild funktionierte, dann würde die Rüstung sie genauso gut schützen.
Was sie dann auch tat; wirkungslos prallten die Geschosse an den Platten ab. Ian fiel auf, dass der Exorzist neben ihm erleichtert aufatmete, als hätte er Zweifel gehabt, ob die aus Innocence geformte Rüstung auch wirklich standhielt. Leider hatten sie keine andere Möglichkeit, die Wirksamkeit ihrer Verteidigung zu testen –und diese Methode war immer noch sicherer als der Kampf gegen echte Akuma.
Jack tat es ihrem Bruder gleich und testete jetzt die beiden Schwerter, die ihr ihr neues Innocence verschafft hatte. Die Klingen glitten durch die Maschinen wie durch Butter. Jetzt blieb nur noch eine Maschine übrig; lautlos schwebten sie über ihren Köpfen und beobachtete durch leere Augen das Geschehen. Jack deaktivierte ihre Waffen und kam zu den beiden anderen Exorzisten hinüber. „Also ich hab Hunger und ihr?"
„Essn klingt gut", meinte Ian.
Lavi nickte und stand auf, er tauschte einen schnellen Blick mit Jack, die daraufhin lächelte und ihrem Bruder die linke Hand hinhielt. „Komm schon, Faulpelz."
Er wollte nach ihrer Hand greifen, zuckte aber plötzlich zurück, als hätte er sich verbrannt; es kam ihm vor, als wäre ihr Handschuh elektrisch geladen.
Jack hatte es auch gespürt. „Lavi, gehst du schon mal vor? Wir kommen gleich nach; das Akuma muss noch weg", sagte sie geistesabwesend, den Blick auf ihren Handschuh gerichtet. Der Rotschopf sah kurz von einem Zwilling zum anderen, dann verließ er die Halle; was auch immer es war, früher oder später würde er es sowieso erfahren.
Vorsichtig hob Ian seine rechte Hand; als ihre beiden Handschuhe kaum fünf Zentimeter voneinander entfernt waren; knisterte die Luft zwischen ihnen wie elektrisch und kurz war ein kleiner Lichtblitz zu sehen, der sich von einer Handfläche zur anderen spannte. Sofort zogen sie die Hände wieder zurück.
Ian sah seine Schwester an. „Was hast du vorhin noch mal gesagt? ‚Es sieht nur halb aus'?" Er stand auf. „Denkst du dasselbe wie ich?" Jack nickte, dann hob sie ihre linke Hand wieder und hielt sie mit der Handfläche nach oben gedreht. Ian legte seine rechte Hand darauf und ignorierte die Spannung, die sofort wieder auftrat.
„Innocence, Aktivierung!"
Zwillinge sind doch was feines. Damit kann man so viel Blödsinn anstellen. Und mit falschen Akuma auch :D
Bleibt mir gewogen ^-^
