Mein Inet war im Eimer ... Ich bin molto zu spät, aber wenigstens bin ich da.

sternenhagel: Du kriegst Kanda und ich die Leberkassemmel *mampf* Ist doch ein fairer Deal.

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Disclaimer: All hail Hoshino-sensei! Es ist alles ihres.


1.21 …und es sind immer die Falschen, die einen dann finden

Wenn möglich, war Kanda jetzt noch schlechter gelaunt als vorher. Das Training hatte absolut nichts gebracht – außer seine Wut noch zu steigern. Anstatt Entspannung und Ruhe hatte es ihm nur noch größeren Zorn eingebrockt, also hatte er es einfach kurzerhand abgebrochen und war zurück zum Turm gegangen. Nicht, dass er erwartete, dass seine Laune dort besser würde, aber der strahlende Sonnenschein und der blaue Himmel gingen ihm in seiner momentanen Verfassung nur noch mehr auf die Nerven.

Wütend stapfte er die Stufen hinauf; am liebsten hätte er sich ins Bad gesetzt und wäre stundenlang nicht mehr herausgekommen, aber dort wäre er genauso wie überall sonst zum Nachdenken verdammt. Nachdenken über die absolut bescheuerte Mission, die ihm bevorstand. In Komuis Büro war er einfach gegangen, bevor er noch die ganze Einrichtung in Stücke schlug, aber das würde leider niemanden davon abhalten, ihm später haarklein und bis ins kleinste Detail zu beschreiben, wie diese Mission genau aussehen würde.

Er hasste die Mission jetzt schon, dabei wusste er noch nicht einmal alle Einzelheiten!

Wie kam dieser dämliche Wissenschaftler eigentlich auf solche kranken Ideen? Es war Kanda ein Rätsel, wie man sich überhaupt solchen Schrott ausdenken konnte, aber wenn er sich Komuis Komurins, seine falschen Akuma und den ganzen anderen durchgeknallten Kram ansah, den er bastelte, dann bekam man eine ungefähre Vorstellung davon, wie es in dem Gehirn des Mannes aussah.

Suff, entschied Kanda, er war eindeutig besoffen, als er sich das ausgedacht hat. Der Chinese musste unter dem Einfluss irgendeiner Droge gestanden haben – oder er hatte zuviel von den Dämpfen in seinen Labors eingeatmet. So oder so war Kanda jetzt in der unaussprechlich angenehmen Lage, auf unbestimmte Zeit den Ehemann einer der Zwillinge spielen zu dürfen.

Und wie lustig würde es erst, wenn Komui Jack für diesen Part aussuchte! Seine ‚Ehefrau' würde wahrscheinlich nicht einmal den ersten Tag ihrer ‚Ehe' überleben! Ich hoffe wirklich, dass es Ian ist, dachte er, mit dem kann man wenigstens arbeiten. Allerdings war es ziemlich wahrscheinlich, dass das passierte, denn – so verrückt der Wissenschaftler auch war - er würde sicher nicht ausgerechnet die beiden Exorzisten gemeinsam in eine ‚Ehe' stecken, die sich bei dem kleinsten Wort an die Gurgel gingen. Dieses Minimum an gesundem Menschenverstand musste er ihm zugestehen.

Kanda bog in den nächsten Gang ein. Er wollte jetzt nur noch in sein Zimmer und dann ins Bad, bevor irgendjemand auf ihn zugerannt kam, um ihm die Einzelheiten dieser verhassten Mission zu erklären. Und wenn möglich, wollte er dieser Unterhaltung bis morgen aus dem Weg gehen; die Chancen dafür standen allerdings eins zu einer Milliarde, was nicht gerade zu einer Besserung seiner Laune beitrug.

Er war die Treppe vor sich schon fast ganz hinauf, als ihm auffiel, dass am oberen Ende jemand stand; der schwarze Exorzistenmantel und die leuchtend roten Haare waren ihm Warnung genug, um sich sofort auf die andere Seite der Treppe zu zu bewegen, aber Lavi schien ihn gar nicht zu bemerken – was außerordentlich seltsam war, weil der Exorzist sonst immer bemerkte, wenn er ihm entgegenkam – und das auch lautstark zum Ausdruck brachte.

Die Neugier über die ungewohnte Situation war stärker als seine Erleichterung darüber, dass er der unliebsamen Begegnung entgangen war, und zwang ihn, den Kopf zu wenden, um zu sehen, weswegen Lavi ihn nicht bemerkt hatte. Da er nur ein paar Stufen unterhalb war, hatte er einen guten Blick auf die Situation, die ihn beinahe stolpern und vorwärts auf die Stufen knallen hätte lassen.

Lavi hatte Jack gegen die Wand gedrückt und seine Lippen auf die des anderen Exorzisten gepresst, seine Hände auf dessen Wangen, Haaransätzen und den freien Strähnen, die sich aus dem Pferdeschwanz an Jacks Hinterkopf befreit hatten, sein Knie zwischen seinen. Jack hatte die Arme unter Lavis geschoben und die Hände in den Mantel auf seinem Rücken gekrallt; seine Augen waren geschlossen. Keiner von beiden schien ihn gehört zu haben, so vertieft waren sie in den Kuss.

Kanda war unfreiwillig stehen geblieben und starrte die beiden an. Hunderte von Gedanken schossen gleichzeitig durch seinen Kopf, sodass er nicht einen von ihnen zu fassen bekam. Irgendeiner von ihnen blieb dann schließlich in seinem Bewusstsein hängen und sorgte dafür, dass er den Fuß hob und lauter als üblich auf die nächsthöhere Stufe knallen ließ. Erschrocken fuhren die beiden Exorzisten auseinander; als sie ihn endlich bemerkten, keuchten beide entsetzt auf. Dieser Moment würde sich vermutlich auf ewig in sein Gedächtnis brennen.

„Sucht euch 'n Zimmer", brummte er, bevor er seinen Weg fortsetzte, als ob nichts gewesen wäre.

Erst, als er die nächste Ecke passiert hatte, erlaubte er sich, so schnell zu atmen, wie sein Herz raste. Wobei er nicht verstand, wieso das so war; warum hatte ihn dieses Bild so in Aufregung versetzt? Und warum hatte er verhindern wollen, dass jemand anders die beiden sah? Es war beileibe nicht so, dass er sie beschützen wollte, schließlich hätte er es ihnen eigentlich gegönnt, erwischt zu werden, nach dem ganzen Ärger, den sie ihm gemacht hatten. Aber trotzdem hatte er es getan.

Der Grund war allerdings ein anderer, wie Kanda sich leider eingestehen musste: Er war eifersüchtig. Nicht auf einen von den beiden, sondern auf die Situation. Sie hatten ihm vorgelebt, wovon er des Nachts träumte und sich tagsüber selbst Vorwürfe machte.

In seinem Zimmer angekommen, ließ er die Stirn gegen das glatte Holz der Tür sinken. Bei allen existierenden Gottheiten, genau das war es; genau das wollte er mit Ian tun. Abgesehen davon, dass er sich nicht gerade zu dieser Sorte Mann gezählt hatte –bisher- wollte er sich nicht einmal ausmalen, was dieser mit ihm anstellen würde, wenn er je davon erfuhr. Nur gut, dass Kanda ein Meister im Schweigen war.

Es dauerte eine Weile, bis er begriffen hatte, was er eigentlich gesehen hatte. Es konnte nur bedeuten, dass die beiden zusammen waren – eigentlich kein Wunder, nach allem, was er mitbekommen hatte. Und er hatte sich die größte Mühe gegeben, sie zu ignorieren. Aber so, wie die beiden Exorzisten aneinander hingen, war es schwer, das zu übersehen. Es war bloß das erste Mal, dass ihm jemand den Beweis unter die Nase gehalten hatte.

Und gar nicht mehr so seltsamerweise galt sein erster Gedanke Ian. Was der wohl von dem Verhalten seines Bruders halten musste? Oder konnte es sein, dass er gar nichts davon wusste – das hielt Kanda allerdings für ziemlich unwahrscheinlich, denn die Zwillinge erzählten sich vermutlich alles.

Der Japaner öffnete wieder die Augen, die er die ganze Zeit geschlossen gehalten hatte, denn hinter seinen geschlossenen Augenlidern waren Bilder aufgetaucht, die sich normalerweise hinter den Grenzen seiner Traumwelt aufhielten und es nicht wagten, sein Bewusstsein zu stören; heute waren sie deutlicher und schärfer als sonst und drängten an die Oberfläche wie Luftblasen in einem See. Seine Träume von einem Zusammensein mit Ian schienen nach Aufmerksamkeit zu verlangen, nachdem sie von Jacks Beziehung erfahren hatten; wenn Jack mit Lavi zusammen sein konnte, fragten sie, warum konnte er dann nicht mit Ian zusammen sein, ihn genauso küssen und berühren, wie Lavi es mit Jack tat?

Es kostete ihn einiges an Anstrengung und Konzentration, die Gedanken wieder zu verdrängen, dorthin, wo sie sein Bewusstsein nicht erreichten; er konnte sich ihnen widmen, wenn er schlief. Längst hatte er es aufgegeben, sich gegen diese Träume zu wehren, sondern sie einfach zugelassen, denn er hatte erkannt, dass es nichts half, sich dagegen zu wehren. Gegen sein Begehren war er machtlos, selbst wenn es sich auf einen Jungen konzentrierte.

Auch wenn er es vorgezogen hätte, dass dieser Junge ein Mädchen gewesen wäre. Er wusste, dass es Männer gab, die an Frauen nicht interessiert waren, aber nie gewusst, dass er dazu zählte; offensichtlich tat er es doch. Zumindest zum Teil, denn niemand anders als Ian interessierte ihn, nur er. Kein anderer Mann, keine andere Frau.

Er hatte sich sowieso nie besonders viel aus Frauen gemacht, bis auf Linali, aber die Chinesin war wie eine Schwester für ihn. Schlechtes Beispiel also. Miranda war zu zaghaft und schüchtern für seinen Geschmack. Noch schlechteres Beispiel. Natürlich gab es Frauen, die seinen Sinn für Schönheit ansprachen, auch innerhalb des Ordens, aber sein Interesse geweckt hatte bisher noch keine. Emily, die schwarzhaarige Irin aus der Verwaltungsabteilung, war so ein Fall. Lange, pechschwarze Haare, dunkelgrüne, leuchtende Augen und helle, makellose Haut; dazu volle Lippen und eine gute Figur. Sie war schön, kein Zweifel, aber sie reizte ihn einfach nicht. Noch dazu war sie älter, mindestens vierundzwanzig, also sechs Jahre älter als er. Nein, danke.

Müde presste er die Fingerspitzen auf die Nasenwurzel. All diese Überlegungen führten zu nichts, stand doch längst fest, dass er sich Ian in sein Bett wünschte und keine Frau. Und seinen Frust über seine sexuelle Verwirrung an Grünzeug im Wald auszulassen, würde nur dazu führen, dass er noch erschöpfter und müder wurde und noch mehr Zeit mit Schlafen verbrachte, ergo auch mit Träumen. Ein großes ‚Nein, danke'.

Die Aussicht, Ian auf der Mission an seiner Seite zu haben, erschien auf einmal nur noch halb so reizvoll.

Warum musste das Leben immer so kompliziert sein? Konnte Ian nicht einfach ein Mädchen sein? All seine Probleme wären auf einen Schlag gelöst – na ja, zumindest die meisten. Ian ein Mädchen zu wissen, hieß noch lange nicht, seine Fantasien leben zu dürfen – aber es würde sie etwas erträglicher machen.

Unfreiwillig fragte sich Kanda, ob Lavi genauso dachte, oder damit zufrieden, womöglich sogar glücklich darüber war, dass Jack ein Junge war.

Der hingegen erholte sich zwar noch von dem Schock, aber immerhin noch schneller als Jack. Das Mädchen starrte immer noch auf die Stelle, an der Kanda gestanden hatte. Sie war wahrscheinlich entsetzter als er darüber, dass der Exorzist sie gesehen hatte; um ehrlich zu sein, machte es ihm eigentlich kaum etwas aus. Kanda war zu stur, um in Erwägung zu ziehen, dass Jack ein Mädchen war, also war ihr Geheimnis sicher. Und für ihn konnte es nur von Vorteil sein, wenn es wenigstens eine Person gab, vor der er nicht verstecken musste, wie sehr er sie wollte – selbst, wenn der Japaner dachte, sie wäre ein Junge.

Betont langsam trat er wieder einen Schritt näher; als Kanda sie gestört hatte, war er weiter zurückgewichen als ursprünglich beabsichtigt. Noch war nicht alles gesagt, nicht alles geklärt, was zwischen ihnen stand. Lavi weigerte sich, einfach aufzugeben; er musste nicht unbedingt wieder mit ihr schlafen, aber er wünschte sich, dass sie ihn wenigstens nicht mied. Er musste ihr erklären, dass sie sich immer auf ihn stützen konnte, dass er für sie da war, wenn sie ihn brauchte, dass sie sich ihm anvertrauen konnte. Er würde sie nie verraten, nie alleinlassen; genau das wollte er ihr sagen, aber dafür musste sie ihm erst einmal ihre Aufmerksamkeit schenken.

Ihre erste Sorge galt definitiv Kanda, also fing er am besten damit an. Und da Jack ihm am besten zuhörte, wenn sie nicht versuchte, vor ihm wegzurennen …

Lavi legte vorsichtig eine Hand auf ihre Wange und drehte ihr Gesicht zu sich herum; sie zuckte bei der leichten Berührung zusammen. Jetzt war er ihr wieder so nah wie zuvor, ein Zustand, der das Denken nicht gerade einfacher machte; schon ein Blick in ihre schwarzen Augen verwandelte sein Gehirn in Mus, genau wie jedes Mal davor, wenn sie ihn ansah. Davon würde er wahrscheinlich nie ganz kuriert werden und das Schlimmste war, dass sie nicht einmal wusste, was sie ihm antat.

Konzentrier dich, mahnte dieselbe Stimme in seinem Hinterkopf, die sich auch jedes andere Mal gemeldet hatte und ihn bei Verstand hielt. Ihr verdankte er es, dass er noch sprechen konnte.

„Jack, er wird nichts sagen", sagte er schließlich leise, wofür er sich einen leicht skeptischen Blick einfing. Lavi schüttelte den Kopf, als sie etwas erwidern wollte, und legte auch die zweite Hand auf ihre andere Wange. „Yuu ist nicht der Typ für Tratsch – oder kennst du ihn so schlecht?"

Wie erwartet, musste Jack verneinen, aber er ließ ihr keine Zeit, den Gedanken weiterzuführen; als er leicht lächelte, konnte er unter seinen Handballen spüren, wie ihr Puls sich beschleunigte, und sehen, wie ihr Blick zu seinem Mund wanderte. Ihre Reaktion hatte den Effekt, dass er selbst etwas knapper atmete; das sprichwörtliche Öl ins Feuer. Unwillkürlich lehnte er sich noch näher, sodass sich ihre Lippen fast berührten…

Als sie erneut unterbrochen wurden. Linali rauschte um die Ecke, blieb ruckartig stehen und wurde knallrot.

Lavi hätte am liebsten zu heulen begonnen, als Jack hastig seine Hände von ihrem Gesicht nahm und aus ihrem Platz zwischen ihm und der Wand hervortrat; genauso hastig eilte sie auf die andere Exorzistin zu, die immer noch, rot wie eine Tomate, auf die Stelle starrte, wo sich ihre beiden Köpfe eine Sekunde zuvor befunden hatten.

„Was ist?" fragte Jack betont ruhig, um die Aufmerksamkeit der Chinesin auf sich zu lenken.

Linali blinzelte. „Äh … was wollte … ach ja!" rief sie erleichtert, als ihr wieder einfiel, weswegen sie nach ihr gesucht hatte, „Ian ist ganz panisch, weil du verschwunden bist; er meint, er könne dich nicht erreichen. Du sollst sofort zurückkommen, hat Komui-nii-san gesagt."

Jack nickte nur knapp und lief an ihr vorbei, froh, wieder Herrin ihrer Sinne zu sein. Ihr war wieder eingefallen, weswegen sie sich von Lavi fernhielt, und sie hätte sich am liebsten getreten, weil sie nicht besser aufgepasst hatte. Der Rotschopf hatte mehr Macht über ihr Bewusstsein, als ihr lieb war.

Genau dasselbe dachte Lavi auch, allerdings in Bezug auf Jack. Wenn sie ihm nicht so sehr den Kopf verdreht hätte, hätte er vielleicht noch sagen können, was er sagen wollte, bevor sie unterbrochen wurden. So aber war nicht nur seine Chance auf Aussprache verstrichen, sondern Linali hatte auch noch etwas gesehen, was sie gar nicht sehen sollte. Wieso tauchten heute ständig Leute auf, immer dann, wenn man sie nicht brauchte? Konnte er diesen Gang nicht wenigstens für ein paar Minuten für sich haben, nur für sich und Jack?

Seufzend drehte er sich um und ließ sich mit dem Rücken gegen die Wand fallen, dann fiel ihm auf, dass Linali immer noch auf demselben Fleck stand, an dem sie zum Halten gekommen war, und ihn misstrauisch betrachtete. Und so leid es ihm auch tat, er hatte absolut keinen Plan, wie er ihr das jetzt erklären sollte. Bei Yuu war es einfacher gewesen, es hatte ohne Worte funktioniert, aber Linali war leider nicht Yuu.

Bevor Lavi die richtigen Worte finden konnte, trat Linali auf ihn zu, einen entschlossenen Ausdruck im Gesicht. „Ich weiß es", erklärte sie offen, „auch wenn ich nicht verstehe, was genau das zwischen euch ist -"

„Was meinst du mit ‚Du weißt es'?", unterbrach sie Lavi.

„Ich weiß, dass Jack ein Mädchen ist", erwiderte Linali mit gesenkter Stimme, „aber kannst du mir jetzt erklären, was zwischen euch…" Sie schwieg bedeutungsvoll.

Der Exorzist seufzte leise ein zweites Mal und ließ den Hinterkopf gegen die Wand sinken. „Wenn ich das wüsste. Ich weiß, dass sie auch etwas für mich empfindet, aber aus irgendeinem Grund sperrt sie sich dagegen. Und dann dieses Desaster vor zwei Wochen…" er verstummte, bevor er mehr sagen konnte; das war nicht für ihre Ohren bestimmt.

„Was meinst du damit?"

Lavi schüttelte den Kopf. „Das solltest du eigentlich gar nicht hören", setzte er an, wurde aber von ihr unterbrochen.

„Wieso? Ich weiß Jacks Geheimnis, ich kenne eures – also warum sollte ich davon nichts wissen dürfen?"

„Weil Komui mich umbringen würde, wenn ich dir davon erzählen würde", umschrieb er es eindeutig; ihre etwas verspätete Reaktion bestätigte ihm, dass sie verstanden hatte.

„Oh", sagte Linali nur, wieder rot im Gesicht geworden.

„Seit wann weißt du es?" fragte Lavi, um sie davon abzulenken.

„Auf unserer Rückfahrt von Abbazia habe ich sie zur Rede gestellt", antwortete Linali, „nachdem ich angefangen habe zu zweifeln, wollte ich Gewissheit."

„Hm. Hat sie dir gesagt, warum sie es verschwiegen hat?"

Die Exorzistin schüttelte den Kopf. „Nein, sie hat mich nur gebeten, nichts zu sagen. Sie meinte, das könne sie mir nicht sagen."

Der Rotschopf lächelte traurig. „Genau die Antwort habe ich auch bekommen."

„Ich weiß nicht … ich hatte irgendwie das Gefühl, sie würde denken, es wäre besser für uns, wenn wir es nicht wüssten, du nicht auch?"

„Mhm, aber ich weiß beim besten Willen nicht, wieso", antwortete er.

„Tja, wenn wir das wüssten, hätten wir es ihr schon längst ausgeredet, oder?" meinte Linali, aber ihre vergnügte Miene wirkte aufgesetzt. Sie machte sich Sorgen, genau wie er.

„Worum ging es eigentlich, als du gesagt hast, Komui wolle, dass sie zurückkommt?"

Jetzt war ihr Lächeln echt. „Das ist wahrscheinlich die verquerste und verrückteste Mission, die sich mein Bruder je ausgedacht hat", begann sie zu erzählen, „und sie wird dir gar nicht gefallen …"


So, jetzt stellt sich Jack erst mal Ians schäumender Wut und dann sehen wir weiter, wie lange es dauert, bis Jack wieder aus der Krankenstation entlassen wird, bevor wir die Mission beginnen können. Hat jemand ein Pflaster übrig?

Bleibt mir gewogen.