So, weil ich letztes Mal zu spät dran war *inet tret* halte ich mich diesmal wieder an den Zeitplan.
Robert Devereux, 16th Viscount Hereford habe ich mir aus Wikipedia ausgeborgt. Er war ein englischer Viscount von 1843 bis 1930. Genaueres weiß ich leider nicht über ihn.
Der Geologe namens Sir Charles Lyell hat auch wirklich existiert und er war auch ein echter Baronet. Er war verheiratet, ob er auch Kinder hatte, weiß ich allerdings nicht.
Kaneda Sōichirō habe ich frei erfunden.
Rated: T
Disclaimer: Alles gehört Katsura Hoshino.
1.22 ICH bin die Ehefrau!
Jack fand ihren Bruder in ihrem eigenen Zimmer. Sobald sie die Tür öffnete, schlug ihre eine Gaswolke aus schlechter Laune entgegen, mit der man ganz London ersticken konnte.
Oh-oh.
Ja, allerdings, meinte Ian wütend. Oh-oh.
Hör zu, ich weiß, dass ich nicht einfach abhauen hätte sollen, aber…
Darum geht es jetzt gar nicht. Du bist nicht der Mittelpunkt des Universums, Jack, auch wenn du das vielleicht glaubst.
Jacks Augen weiteten sich. Ians Zorn musste größer sein, als sie gedacht hatte, wenn er beleidigend wurde. Gut, Ian konnte öfters beleidigend werden, aber nicht so beleidigend. Vor allem nicht seiner eigenen Schwester gegenüber.
Geht es um die Mission?
Natürlich geht es um die bescheuerte Mission, was dachtest du denn? Komui ist übergeschnappt!
Dann erzähl mir doch bitte, was passiert ist nachdem ich …gegangen bin.
Du willst wissen, was passiert ist? Schön. Ian setzte sich aufs Bett, nachdem er minutenlang auf und ab getrabt war. Ich soll Kandas EHEFRAU spielen!
Bist du des Wahnsinns…
Ja, das habe ich auch gedacht. Und das ist noch nicht mal das Beste! Nein, ich muss mir auch noch ein Zimmer mit ihm teilen, 'weil Eheleute das nun mal so machen!', fügte er hinzu. Pah! Unsere Eltern hätten sich lieber die Pest geholt, als im gleichen Raum zu schlafen!
Aber das konntest du Komui natürlich nicht sagen.
Richtig, und deswegen dürfen wir jetzt eine ANPROBE über uns ergehen lassen, damit man uns KLEIDER schneidern kann, für unseren GROSSEN AUFTRITT!
Jack bewunderte ihren Bruder dafür, wie er in Großbuchstaben denken konnte. Noch heute?
Noch heute. Und morgen schon sollen wir aufbrechen, weil die in der Wissenschaftsabteilung irgendwelche Maschinen erfunden haben, damit die Kleider für uns, Allen und Kanda bis morgen Früh fertig sind! Graaaahhh!
Ians mentaler Aufschrei schmerzte in Jacks Ohren. Sie war genauso aufgebracht wie ihr Bruder, aber anscheinend kämpften sie hier gegen Windmühlen.
Ian zeterte noch eine ganze Weile weiter und so erfuhr Jack weitere Details, die Komui erst erzählt hatte, nachdem sie …gegangen war. Sie waren Mitglieder der Gentry, also des Landadels, die durch irgendeine Verwandte mütterlicherseits mit einem Viscount verwandt waren. Dieser war natürlich wirklich ein Viscount, aber gleichzeitig auch ihr Verbündeter in London. Die beiden 'Schwestern' hatten keine Titel, aber ihr jüngerer Bruder hatte von seinem Vater den Titel als Baronet geerbt. Kanda war der 'Gefolgsmann irgendeines reichen Mannes aus Japan' und selbst sehr vermögend. Er investierte viel in die Wirtschaft des Empires und handelte mit Kunstgegenständen und Gütern aus aller Welt, weswegen man ihn mit einer 'englischen Lady' verheiratet hatte, um ihn enger ans Empire zu binden. Nun tat er ihr den Gefallen, sie und 'ihre Schwester' nach London zu begleiten, damit ihre 'kleine Schwester' ihr 'offizielles Debüt' - an diesem Punkt schrie Ian schon fast - erleben und ihr kleiner Bruder sich ein wenig in der Peerage, dem Hochadel, umsehen konnte.
Ihr neuer Name war Lyell; den hatte ihnen dankenswerterweise der Sohn eines Baronets und bekannten Geologen namens Charles Lyell zur Verfügung gestellt. So war aus ihnen Iris und Joanne Lyell geworden, während Allen seinen Namen behalten durfte. Aus Kanda hatte man Kaneda Sōichirō gemacht, damit sie sich wenigstens seinen Nachnamen merken konnten.
Ihr neuer Verwandter hieß Robert Devereux, und war der 16. Viscount Hereford. Exorzisten hatten einmal seine Kinder vor Akuma gerettet und der Viscount hatte damals geschworen, dem Orden ebenfalls zu helfen, sollte es in seiner Macht stehen. Nun, jetzt war der Zeitpunkt gekommen, sein Versprechen einzulösen.
Als Ian schließlich verstummte, richtete sich sein Blick auf seine Schwester. Wo warst du eigentlich die ganze Zeit über? Wo hast du dich verkrochen, sodas ich dich nicht erreichen konnte?
Küche, gab Jack zurück und versuchte nicht daran zu denken, dass sie log.
Es klopfte. Jack öffnete die Tür und sah sich Lavi gegenüber.
Der Rotschopf erstarrte, als er Ian sah.
Ian ebenfalls. Jack, zur Seite.
Aber-
LOS! Ian stürmte mit mindestens siebzig Sachen und der Wut eines Bullen auf den rothaarigen Exorzisten zu. Jack konnte gar nicht anders, als zur Seite zu treten. Im Geiste entschuldigte sie sich bei Lavi, der von ihrem Bruder von dannen geschleift wurde.
„Was ist denn los?" fragte Lavi, während er hinter Ian hinterherstrauchelte.
„Ich muss mit dir redn", antwortete der Junge ernst, „unter vier Augn." Vor seinem Zimmer blieb er stehen und öffnete die Tür, bevor er den Exorzisten praktisch hineinwarf.
„Sag mal, geht's noch?" rief Lavi, aber Ian ignorierte seinen Protest und versperrte die Tür. Spätestens jetzt war er der Meinung, dass der Junge vollkommen den Verstand verloren haben musste. „Was soll das?" wollte er wissen.
„Spiel nicht das Unschuldslamm", fauchte Ian, sodass Lavi unwillkürlich einen Schritt zurück machte. „Du weißt genau, worum's geht."
Er hätte es lieber nicht gewusst. Wirklich nicht. Verdammt. „Und wie viel weißt du?", gab er zurück; bevor er irgendetwas ausplauderte, das Ian nicht erfahren sollte, musste er in Erfahrung bringen, was Jack ihrem Bruder gesagt hatte.
„Ich weiß", fauchte Ian gereizt, „dass ich erst über Linali erfahren muss, dass du über Jack Bescheid weißt - dass sie mir's wochenlang verheimlicht hat! Es war schon dämlich genug, sich erwischen zu lassen, aber es vor mir geheim zu halten, übertrifft alles!"
Also ging es Ian in erster Linie darum, dass Jack ihm nicht gesagt hatte, dass Lavi Bescheid wusste, und erst an zweiter Stelle kam er selbst. Wahrscheinlich hatte er sich noch nicht genug bei Jack aufgeregt und brauchte ein zweites Ventil für seine Wut über diesen Verrat.
Aber für seine eigene Gesundheit war es wohl besser, diesen Gedanken nicht auszusprechen und dem Jungen stattdessen die Gelegenheit zu geben, ein wenig Dampf abzulassen, entschied Lavi und hörte von da ab nur noch mit einem Ohr zu, während Ian sich weiter darüber aufregte, dass Jack ihn hintergangen hatte.
Er redete geschlagene fünf Minuten durchgehend auf ihn ein und wurde immer lauter dabei, seine Gesten immer raumgreifender und seine Bewegungen immer schneller; Lavi wich sicherheitshalber noch ein Stück zurück, um nicht über den Haufen gerannt zu werden, während Ian wie eine wildgewordene Lok durchs Zimmer dampfte.
Schließlich schien er sich einigermaßen beruhigt zu haben, denn er verstummte und blieb stehen. Lavi merkte auf; jetzt musste er wieder aufmerksam zuhören.
„Eins will ich mal klarstelln", sagte der Junge. „Ich weiß alles, was in den letzten Wochen passiert ist - alles. Und ich rate dir dringendst", fuhr er fort und starrte den Rotschopf durchdringend an, „dich von meiner Schwester fernzuhalten. Komm noch ein einziges Mal in ihre Nähe und du bist Hackfleisch, klar? "
„Wenn du alles wüsstest", entgegnete Lavi kalt, „dann wüsstest du auch, dass sie nichts mehr mit mir zu tun haben will." Er brauchte Ian nicht, um ihm das zu sagen. Noch weniger als dass er es brauchte, er wollte es nicht. Er wollte nicht hören, dass er Jack nicht mehr sehen sollte, weil es ihn zu sehr an diese eine stürmische Nacht erinnerte, in der sie ihn von sich gewiesen hatte; in der sie ihn aus ihrem Leben hatte aussperren wollen.
Er hatte versucht, ihr klarzumachen, dass sie keine Last war, aber er war kläglich gescheitert und jetzt dazu verdammt, zuzusehen, wie sie sich selbst quälte. „Deine Drohungen sind unnötig", sagte er, „da sie mich meidet. Wenn du sonst nichts zu sagen hast, dann sperr wieder auf und lass mich gehen."
Lavis Ton überraschte Ian. Er hielt den Exorzisten nicht auf, als er selbst den Schlüssel im Schloss umdrehte und verschwand. Blind starrte er ins Leere.
Er hätte nicht gedacht, dass Lavi... ja, was eigentlich? Dass er so einfach aufgeben würde? Nein, das war es nicht. Er hatte nicht aufgegeben, weil Ian auf ihn eingeredet hatte, er hatte schon längst resigniert. Wieder einmal war etwas zwischen ihm und Jack passiert, das sie auseinander gebracht hatte, und wieder einmal hatte er keine Ahnung, was es war.
Aber diesmal hatte offenbar keiner von beiden den Wunsch, etwas an der bestehenden Situation zu ändern, seine Schwester nicht und Lavi auch nicht. Erst jetzt fiel ihm auf, dass das Verhältnis der beiden seit ihrer Rückkehr aus Abbazia praktisch nicht mehr existent war -obwohl Jack ihn im Zug so vehement verteidigt hatte. Sie mochte Lavi, das war deutlich zu sehen, aber etwas hielt sie von ihm fern.
Und dieses Mal hatte sie es sich selbst ausgesucht. Sie wollte ihn nicht mehr sehen.
Ian wusste nicht, was er davon halten sollte. Er hatte sich noch nicht ganz damit abgefunden, dass Lavi Bescheid wusste, und er wusste auch nicht, ob ihm das Recht sein sollte. Aber noch weniger wusste er, was er davon halten sollte, dass seine Schwester offenbar beschlossen hatte, den Rotschopf aus ihrem Leben auszuschließen.
Am liebsten hätte er sie gefragt, was der Unsinn sollte, aber er wusste, dass sie ihm nicht antworten würde. Auf einmal hatte sie Geheimnisse vor ihm.
Dringend wünschte er sich in den Wald zurück, wo er und Jack noch unzertrennlich gewesen waren und einander alles gesagt hatten. Aber sie hatten sich beide verändert und nichts würde je mehr so sein, wie es war. Zu versuchen, diese Veränderung ungeschehen zu machen, war unmöglich.
Und sie zu ignorieren auch.
Zumal er eigentlich auch gar nicht wollte, dass alles wieder so wurde wie früher. Für sein Verhältnis zu seiner Schwester wäre es besser, doch...
Er wollte es gar nicht denken. Seine eigenen Probleme hatten damit gar nichts zu tun.
Und doch waren sie erst aufgetaucht, als er Kanda begegnet war.
Und jetzt durfte er dessen Ehefrau spielen, verdammt noch mal! Welcher beknackte Gott war dafür verantwortlich?
Eine gute Frage, aber sie sollte wohl eher lauten: Welcher beknackte Abteilungsleiter ist dafür verantwortlich? Oder: Welche beknackte Autorin ist dafür verantwortlich?
Äh... *komui vorschieb**kanda und lavi k.**mit den beiden in die türkei flücht*
Wir sehen uns, wenn die Türkei ein Auslieferungsabkommen mit Österreich unterzeichnet :D Bleibt mir bis dahin gewogen.
