Eees ist Sonntag :D

sternenhagel: Aber Kanda hat Ian doch vorher schon im Kleid gesehen und sooo auffällig war dieses da auch nicht. Zum Wohle der Mission schaut er da nicht so genau hin ... noch nicht, hrhr. *tomatenmozarella, liwanzen und erdbeeren mit schlag ess* mjam *-*

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Disclaimer: Nichts hier gehört mir. Wow, das hat sich sogar gereimt o.o


1.25 Deutliche Enthüllungen

Es war irgendwann zwischen drei und vier Uhr morgens, als die letzten Gäste sich verabschiedeten, darunter auch die Exorzisten, und obwohl man durch den dichten, ungesunden Londoner Nebel nichts erkennen konnte, war der Sonnenaufgang nicht mehr fern, als ihre Kutsche vor Lord Devereux' Haus hielt. Noch ein paar Wochen und es würde wieder kühler werden, kälter, um genau zu sein, und die Sonne würde noch ein wenig länger schlafen. Dann würde auch die Ballsaison zu Ende gehen und die meisten Londoner Adelsfamilien würden sich wieder aufs Land zurückziehen, u dort den Winter zu überdauern wie Bären im Winterschlaf.

In der Kutsche sprachen sie nicht darüber, aber trotz der späten – oder frühen, je nach Ansicht – Stunde versammelten sich die Exorzisten und Eric noch in der Bibliothek des Hausherren, um darüber zu sprechen, was sie in Erfahrung gebracht hatten. Eric bestätigte das Verschwinden des Finders aus dem Tabakladen. Er hatte von Komui eine Liste mit allen Findern bekommen, die in der letzten Zeit in London verschwunden waren, auch wenn die Chance, sie wiederzufinden, äußerst gering war.

Eine Verbindung zwischen dem Verschwinden der Finder und dem Mord an der Frau hielten zumindest die Zwillinge aber für unwahrscheinlich. „Die Frau wurde in Whitechapel ermordet, der Tabakladen und die Mietwohnung des Finders befanden sich aber in Shoreditch. Es liegt zwar beides im East End, aber zwischen dem Fundort der Leiche und der Wohnung des Finders liegt trotzdem mehr als eine Meile", erklärte Ian.

„Und der Finder verschwand schon vor fünf Tagen", erinnerte Jack. „Die Prostituierte wurde gestern ermordet."

„Und woher weiß eine Lady aus dem West End, dass ein Tabakverkäufer aus dem East End verschwunden ist?", fragte Allen kritisch nach. Er hatte seine Perücke sofort nach Betreten der Bibliothek heruntergerissen, dankbar dafür, dass er sie für die nächsten paar Stunden nicht tragen musste. Die Zwillinge trugen ihre noch.

„Ihr Dienstmädchen hat ihm schöne Augen gemacht und als sie es verbieten wollte, hat das das Dienstmädchen nur noch darin bestärkt, noch einmal hinzugehen. Der Butler raucht gerne die Marke, die dort verkauft wird, aber als sie zum zweiten Mal kam, war der Finder schon weg."

Ian wandte sich an Eric, nachdem Jack geendet hatte: „Kannst du uns sagen, wo die Finder verschwunden sind? Vielleicht können wir es auf ein bestimmtes Gebiet eingrenzen."

„Nun ja, es bezieht sich hauptsächlich auf das East End", gab Eric zu, „weil es dort am leichtesten ist, Arbeit zu finden, ohne Referenzen nachweisen zu müssen. Ab Holborn und der City wird es kompliziert."

Das East End umfasste den Teil Londons östlich des Stadtkerns aus dem Mittelalter und nördlich des River Thames und war hauptsächlich den ärmeren Gesellschaftsschichten vorbehalten, während im West End rund um Mayfair und die großen Parks die Adelshäuser residierten. Der Grund dafür waren die Westwinde, die Abgase der Fabriken ins East End trugen, und die Docks im East End, die Hafenarbeiter anzogen wie Fliegen. Hinzu kam die Überbevölkerung im East End durch tausende Fabriksarbeiter, was eine Mischung ergab, in der Armut und Verbrechen Hand in Hand gingen.

Ein idealer Nährboden für Akuma. Und doch hatte Komui angedeutet, der Graf hätte einen Geldgeber aus dem West End für seine Fabrik.

„Warum investiert ein Mensch in eine Akuma-Fabrik?", stellte Jack die Frage in den Raum. „Das ist doch … wider die Natur."

Die Frage wurde zum ersten Mal offen ausgesprochen, auch wenn sie schon des öfteren in den Köpfen der Anwesenden aufgetaucht war.

„Vielleicht weiß er nicht, wohin sein Geld tatsächlich fließt", vermutete Eric.

„Aber er wird doch Profite erwarten."

„Und wenn der Graf es als wohltätige Organisation getarnt hat?", warf Allen ein. „Dann spenden die Leute Geld dafür, dass Akuma-Skelette hergestellt werden."

„Was schön und gut wäre, wenn es sich um mehr als eine Person handelt, aber Komui hat eindeutig von einem einzigen Geldgeber aus der Aristokratie gesprochen."

„Komui kann sich irren", widersprach Ian seiner Schwester.

„Meinst du nicht, dass er uns nicht mit genau diesem Auftrag losgeschickt hätte, wenn er sich nicht sicher wäre?", entgegnete Jack stirnrunzelnd. „Selbst eine Wohltätigkeitsorganisation würde irgendeine Art von Resultat zeigen, Schulen, Krankenhäuser, irgendetwas. Und eine solche Organsiation verdient besser, je besser ihr Ruf ist. Eine Wohltätigkeitsorganisation, die keiner kennt, bekommt keine Spenden."

„Dann ist es eben keine wohltätige Organisation", lenkte Allen ein. „Heißt das, dass es automatisch nur ein Geldgeber sein muss?"

„Allen hat Recht, Jack", sagte Ian, „vielleicht ist es keine Organisation. Es könnte aber etwas ähnliches sein wie … wie ein Fond. Die Mitglieder glauben, es wäre eine längerfristige Anlage, die sich später finanziell rentiert, und investieren, während der Graf ihr Geld für die Fabrik ausgibt."

„Dann halten wir also Ausschau nach einer Gruppe von Leuten, die in einen Scheinfond investieren?", fragte Jack skeptisch. „Weißt du, wie viele Aristokraten ihr Geld längerfristig anlegen?"

„Zufälligerweise weiß ich darüber genauso gut Bescheid wie du", erklärte Ian mit einem warnenden Blitzen in den dunklen Augen. „Was mitnichten heißt, dass es keinen Versuch wert wäre."

„Mitnichten", wiederholte Kanda spöttisch und alle Blicke richteten sich auf den Japaner, der sich damit zum ersten Mal zu Wort meldete. „Ihr habt eure Sprechweise erstaunlich schnell angepasst. Genauso wie eure Aussprache."

„Wer kann, der kann", entgegnete Jack giftig. „Was hast du eigentlich heute herausgefunden, Sōichirō-san?"

Sie bekam einen mörderischen Blick dafür ab, dann wandte Kanda den Blick ab. Jack war nicht derjenige, den er ansehen wollte, wenn er Bericht erstatten würde. Er und der andere Exorzist waren ja nicht gerade beste Freunde. „Diejenigen, mit denen ich gesprochen habe, gehen augenscheinlich soliden Geschäften nach. Zumindest behaupten sie das. Hätten wir diese Unterhaltung vor dem heutigen Abend geführt, hätte ich allerdings besser gewusst, wonach ich suchen muss." Missbilligung schwang in jedem seiner Worte mit.

„Kein Problem", sagte Ian, sich dieses Tonfalls anscheinend nicht im Geringsten bewusst. „Wir haben in den nächsten Tagen genug Zeit, um uns umzuhören, ob es irgendwo die Möglichkeit gibt, unser im Handel verdientes Vermögen längerfristig gewinnreich anzulegen."

„Ihr habt schon morgen Gelegenheit dazu", meldete sich Eric. „Während ihr aus wart, habe ich die Einladungen durchgesehen, die für euch gekommen sind. Kanda hat eine Einladung für morgen Nachmittag in einen Herrenclub" - was den Japaner ausgesprochen zu begeistern schien, seiner Miene nach zu urteilen - „und die Zwillinge sind zum Tee bei der Schwester des Admiral of the Fleet Sir Edward Hobart Seymour eingeladen. Das ist gut, er ist Oberbefehlshaber der britischen Fernost-Flotte. Kanda, schau nicht so grimmig. Du kommst in den Carlton Club, das ist eine der Hochburgen der Tories. Dort findest du sicher jemanden, der an deinem Geld interessiert ist."

„Che."

„Und was soll ich tun?", fragte Allen.

„Vielleicht könntest du dich mit mir zusammen ein wenig in London umsehen", schlug Eric vor. „Ich würde mir gerne die Wohnungen der verschwundenen Finder ansehen und eventuell ihr Hab und Gut zurückholen. Es ist immer noch Eigentum des Ordens."

„Und du denkst, ich falle nicht auf?", gab der weißhaarige Exorzist ein wenig skeptisch zurück und deutete auf ebendiese weißen Haare, die ihn so deutlich von den anderen unterschieden.

„Wir verkleiden dich. Du … bist der Großvater der verschwundenen Finder", erklärte Eric einer Eingebung folgend. „Ich habe alle Decknamen, unter denen sie hier gearbeitet haben, und die Details ihrer Tarnungen bei mir. Damit holen wir die Sachen zurück, sehen uns ein wenig um, und können uns unerkannt ein wenig die Beine vertreten."

„Was uns ja leider nicht vergönnt sein wird", sagte Ian und versuchte, seinen schmerzenden Rücken durchzubiegen, was ein leises Ächzen des Walbeinkorsetts zur Folge hatte.

„Gehen wir schlafen", schlug Allen vor. „Es war eine lange Nacht und wir sind alle müde."

„Der Vorteil einer langen Ballnacht ist, dass man auch lange schlafen kann. Das haben die Lords und Ladys bequem eingerichtet", gähnte Jack und zog am Ausschnitt ihres Kleides, als sie aufstand. Durch das Sitzen hatte dieser sich schon wieder verschoben.

Allgemeine Müdigkeit rundum folgte Allens Vorschlag begierig und begaben sich nach oben. Und obwohl Ian sich schon heute Mittag damit auseinandergesetzt hatte, wurde Jack zum ersten Mal seit Stunden wieder bewusst, dass sie sich ein Zimmer mit Eric und Allen teilen würde. Daran hatte sie gar nicht mehr gedacht – aber sie würde das Kleid ausziehen müssen und … Oje.

Sie und Ian tauschten einen wissenden Blick auf dem Gang und verständigten sich kurz.

„Ähm, Leute … ich helfe Jack mal eben aus dem Kleid."

„Und ich Ian. Geht ihr schon mal vor."

„Wir können dir doch helfen, Jack", meinte Allen verwundert.

„Ihr habt keine Ahnung von dem Folterinstrument, in dem ich stecke, und braucht mindestens vier Hände dafür. Und wer hilft dann Ian, etwa Kanda?", gab Jack schlagfertig zu bedenken. Mit ausgezeichetem Timing dadurch untermalt, dass die Tür zu Ians und Kandas Zimmer in diesem Moment mit einem Klicken hinter dem Japaner ins Schloss fiel.

Dazu fiel Allen und Eric nichts mehr ein und achselzuckend gingen sie voraus, woraufhin die Zwillinge alleine auf dem Gang zurückblieben.

Man hatte sie mit einer größeren Anzahl von Kleidern ausstaffiert, da nicht absehbar war, wie lange sie bleiben würden, und die Familie war so großzügig gewesen, den Zwillingen dafür einen Extraraum zur Verfügung zu stellen, da die Kleider unmöglich in die Räume gepasst hätten, die sie mit den anderen dreien teilten. Dorthin zogen sich Ian und Jack nun zurück, um sich umgeben von Taft, Tüll, Seide und Satin ihrer Kleider zu entledigen und sich dabei gegenseitig zur Hand zu gehen.

Als Ian schließlich nur noch in der langen Unterhose mit den lächerlich mädchenhaften Rüschen an den Knöcheln dastand und Anstalten machte, sich das weite, ebenfalls weiße Hemd über den Kopf zu ziehen, hielt Jack sein Handgelenk fest. „Warte. Wenn du das ausziehst, worin willst du schlafen?", gab sie zu bedenken.

„Du hast Recht", gab Ian seufzend zu und ließ den Saum des Hemds wieder fallen. Es war weit genug, damit der Verband darunter nicht zu sehen war, den er inzwischen wieder trug, und lang genug, dass es über den Hosenbund reichte. Sie sahen in diesen Klamotten zwar ein wenig lächerlich aus, aber sie erfüllten zumindest ihren Zweck.

Hoch erhobenen Hauptes spazierten sie in der Unterwäsche über den dunklen, leeren Gang zurück zu ihren Zimmern.

„Gute Nacht", wünschte Jack ihrem Bruder, als Ian die Hand auf die Türklinke des Raumes legte, den er mit Kanda teilte. Und behalt deine Finger bei dir.

Ein Bild von einem großen Doppelbett mit dem Japaner darin erreichte Ian und er sah seine Schwester vorwurfsvoll an. Das gleiche gilt für dich.

Kurz zuckte es um Jacks Mundwinkel, dann sanken sie traurig herab. Ian konnte sich denken, was das zu bedeuten hatte. Du vermisst ihn doch nicht etwa, oder?, fragte er immer noch vorwurfsvoll. DU hast IHN zurückgewiesen.

Ich weiß, ich weiß, gab Jack müde zurück. Und ich vermisse ihn nicht, nur um das mal klarzustellen. Als könnte sie ihren Bruder damit auch aus ihrem Kopf aussperren, schloss sie die Tür zu ihrem eigenen Zimmer hinter sich, die direkt neben der von Ian lag.

Ian seufzte und zog sich in sein eigenes Zimmer zurück.

Jack indes sah Allen bereits in dem Bett direkt neben der Tür liegen und Eric gerade den Kopf auf das Kissen des zweiten Bettes daneben legen. Damit blieb ihr nur noch das dritte Bett auf der anderen Seite des Raumes, unter dem Fenster. Keiner der beiden hatte das Licht ausgemacht, also übernahm Jack das und tastete sich dann durch das stockdunkle Zimmer zu ihrem Bett vor. Der Sonnenaufgang war nicht mehr fern, aber das Fenster ging nach Westen und Jack sah außer Schwärze gar nichts.

Es gab einen Knall, einen schmerzerfüllten obszönen Fluch und dann noch einen Knall. Allen und Eric setzten sich in ihren Betten auf. „Jack?", fragten sie unisono in die Dunkelheit, da sie überhaupt nichts erkennen konnten.

„Alles okay. Mir fehlt nichts. Kann mal jemand ein wenig Licht in die Situation bringen, damit ich gefahrlos aufstehen kann?", war Jacks Stimme irgendwo zu ihren Füßen zu hören.

Dieses Zimmer hatte noch keine Gasbeleuchtung, da es so selten benutzt wurde, und darum musste Allen erst zum Fußende seines Bettes klettern, nach der Kerze tasten, die auf dem kleinen Regalbrett neben der Tür angebracht war, die Streichhölzer finden und die Kerze anzünden. Damit leuchtete er dann über das Fußende seines Bettes. „Was hast du denn aufgeführt?"

„Nur ein kleines Tänzchen mit dem Bettvorleger … und mit deiner Krawatte, wie es aussieht. Was macht die auf dem Boden, Allen? … Allen?"

Jack blickte von ihren Versuchen, die verhedderte Krawatte von ihren Füßen zu streifen, auf, weil ihr niemand antwortete. Beide, der Exorzist und der Finder starrten sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. Also, so dumm hatte sie sich auch wiederum nicht angestellt, dass sie diese Blicke verdiente.

„Ähm, Jack? Wenn wir schon in einem Zimmer schlafen … solltest du dann nicht ehrlich zu uns sein?", meinte Eric vorsichtig.

„Ehrlich? Was meinst du denn damit?", fragte Jack verwirrt. Glaubten die beiden ihr etwa nicht, dass sie bloß über die Teppichkante gestolpert und sich in der Krawatte verfangen hatte? Das war doch absurd.

„Er meint, dass du nicht vorgeben solltest, ein Junge zu sein", sagte Allen geradeheraus.

Vorgeben? Oh nein … Jack blickte an sich herunter und sah zum ersten Mal, was die beiden sahen, nämlich die Vorderseite ihres Hemdes, das weit aufklaffte – was wahrscheinlich bei ihrem Sturz passiert war – und gerade noch so ihre Brustspitzen bedeckte.

Mehr aber auch nicht. Und wenn sie nicht darum gebeten hätte, dass Allen Licht machen sollte, hätten die beiden nie erkannt, was ihnen klar geworden sein musste, als sie Jack da sitzen sahen.

Dass das nicht das Korsett mit der falschen Oberweite war, das sie noch am Abend getragen hatte, um etwas vorzuweisen, das angeblich gar nicht da war.

IAN!


Jaaaa, irgendwann musste Allen es ja erfahren. Es wäre ihm gegenüber nur fair - und Eric auch, obwohl ich Eric nicht besonders mag. Er ist ein ... notwendiger Störfaktor :D Und zu der Frage, warum Ian den Verband noch getragen hat, Jack aber nicht ... Schlampigkeit :D Falls euch das an Jack bisher noch nicht aufgefallen ist :D

Bis zum nächsten Mal und bleibt mir gewogen.