Yunaria kriegt 100 goldene Gummipunkte für die richtige Antwort :D (Für 1000 Punkte kann man sich eine Kanda-Actionfigur der Marke Gehtgleichkaputt kaufen)

Nächste Aufgabe: Die beiden Titel dieser und des vorangegangenen Parts sind nur Arbeitstitel. Nochmal 100 Punkte für einen vernünftigen Titel für "Er & Er" und weiere 100 für einen Titel für "Sie & Sie".

Und diesmal gibts ganz viel Kanda. *leser bestech*

Rated: T

Disclaimer: Wer bin ich denn, Anerkennung für etwas zu verlangen, das mir nicht gehört? Würde ich nie tun.


1.28 Badewasser

„Heute Morgen wurde in einem Hinterhof in der Hanbury Street der Leichnam einer Frau gefunden", berichtete Eric eindeutig ruhiger, nachdem Allen die versammelten Exorzisten mit der Bombe, die er platzen hatte lassen, in Aufruhr versetzt hatte. „Sie wurde als Annie Chapman identifiziert, eine Prostituierte aus Whitechapel, und sie wurde anscheinend auf die gleiche Weise getötet wie Mary Ann Nichols."

„Whitechapel, sagst du?", fragte Ian. „War Mary Ann Nichols nicht auch aus Whitechapel?"

„Beide haben dort gelebt."

„Das ist keine große Überraschung. Prostituierte findet man im East End wie Sand am Meer."

„Und wurde Nichols nicht in Whitechapel gefunden, anstatt in Spitalfields?", warf Jack ein. „Die Hanbury Street liegt doch in Spitalfields."

„Wo sie liegen, ist doch egal", machte sich Allen bemerkbar. „Beide Frauen wurden förmlich ausgeweidet."

„Schreibt die Lloyd's Weekly", kommentierte Ian skeptisch.

„Bestätigt die Polizei", widersprach Eric. „Wir sind gleich zur Polizei gegangen und haben mit Allens Abzeichen die Informationen in der Zeitung bestätigt."

„Beide Leichen wurden untersucht und es ist bei beiden die gleiche Vorgehensweise gewesen, sagt der Amtsarzt", erklärte Allen.

„Aber es sind Prostituierte", entgegnete Jack. „Und sie wurden ganz offensichtlich von einem Menschen getötet, sonst gäbe es keine Leichen. Also sind wir nicht dafür zuständig."

„In der Nacht nach unserer Ankunft in London wird eine Prostituierte getötet und ihr werden Organe entnommen. In der zweiten Nacht wird eine zweite Prostituierte auf die gleiche Weise ermordet. Beide Morde geschahen im East End, gar nicht weit von dem Ort entfernt, wo der letzte Finder, den wir nach London geschickt haben, zum letzten Mal gesehen wurde, und beide Male hat niemand etwas gesehen. Bist du ernsthaft der Meinung, das hätte alles nichts mit uns zu tun?", meinte Eric und seine Haltung machte klar, dass er das nicht so sah. Vor allem die demonstrativ verschränkten Arme.

„Herrje, im East End kommen dauernd Leute um, das ist doch nichts neues mehr", sagte Ian entnervt. „Könnten wir uns wieder um unsere Angelegenheiten kümmern? Und damit meine ich nicht die durchschnittliche Lebenserwartung im Londoner Armenviertel."

Von Kanda konnten sie sich keine Hilfe erwarten, das war sowohl Allen als auch Eric klar. Er würde sich schlicht und einfach nicht dafür interessieren. Und die Zwillinge schienen die Angelegenheit nicht ernst zu nehmen. Aber sie waren sich fast sicher, dass sie diese Sache ernst nehmen mussten. Also beugten sich Eric und Allen vorerst der Entscheidung der anderen drei, nahmen sich jedoch vor, weitere Nachforschungen anzustellen. Es würde mit ziemlicher Sicherheit noch ein Mord passieren.

oOo

Allerdings stand am nächsten Tag in keiner einzigen Zeitung, die sie kauften, etwas von einem dritten Mord. Nur der Mord an Annie Chapman wurde weiter bis ins kleinste Detail ausgeschlachtet.

Der Rest des Haushaltes kümmerte sich nicht darum, da es sie ihrer Meinung nach absolut nichts anging. So blieb es Allen und Eric zumindest erspart, sich anhören zu müssen, dass sie mit ihrer Theorie doch falsch gelegen hatten.

Als sich der Tag dem Abend zuneigte und es langsam Zeit wurde, sich für den versprochenen Besuch bei dem Earl of Pembroke fertig zu machen, saß Ian schon längst im Badezimmer in der Wanne und versuchte die Nervosität niederzukämpfen. Obwohl Christian bei ihrer ersten Begegnung nach über neun Jahren nichts bemerkt hatte, wurde er die Befürchtung nicht los, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, bis es ihm wie Schuppen von den Augen fallen würde, wen er da vor sich hatte. Ian sah keine Möglichkeit, wie er es nicht bemerken sollte.

Luftblasen stiegen blubbernd an die Oberfläche, als Ian mit einem tiefen Seufzer untertauchte. Er blieb solange unter Wasser, wie er die Luft anhalten konnte, aber seine Gedanken folgten ihm leider. Er musste mit ihnen wieder auftauchen.

Wenigstens hatte er Kanda dazu überreden können, mitzukommen. Der Exorzist war alles andere als begeistert gewesen, aber es blieb ihm auch nichts anderes übrig, als sich zähneknirschend zu fügen. Immerhin hatte Ian schon zugesagt. Und der Japaner würde mit seinem recht auffälligen Aussehen die Aufmerksamkeit auf sich und damit von Ian weg lenken. Hoffentlich auch die von Christian.

Ian war so vollauf mit seinen Gedanken beschäftigt, dass das Geräusch der sich öffnenden Tür erst an seine Ohren drang, als es zu spät war. Mit Schwung ging die Tür auf und Kanda trat ein.

Zu viel mehr, als erschrocken die Augen aufzureißen, hatte er nicht die Zeit. Den Türgriff noch in der Hand, stand der Japaner wie angewurzelt da; sie ging jede Wette ein, dass sie genauso entgeistert aussah wie er. Trotzdem, musste er sie so anstarren? Jeden Zentimeter von ihr?

Schützend legte sie die Hände über die Brüste; die Bewegung schien ihn aus seiner Starre zu reißen. Wortlos wandte er sich um und knallte die Tür hinter sich zu.

Er darf mich nicht verraten! So schnell wie jetzt war sie noch nie aus dem Badewasser gesprungen.

Der Exorzist lehnte an der Wand neben der Badezimmertür. Ein Mädchen. Ian war ein Mädchen. Kami-sama, wie blind war er gewesen!

Die Tür ging auf und eine nasse Hand packte ihn hinten am Kragen seines Jacketts; sie zog ihn ins Zimmer zurück, bevor die andere Hand die Tür zuwarf. Die Hand wanderte um seinen Nacken herum und legte sich um seine Hemdaufschläge.

Ian stand vor ihm, hastig in ein Handtuch gewickelt, das sehr zu seinem Leidwesen nicht sehr sicher saß. Allein schon diese wenigen Bewegungen hatten den Knoten, mit dem sie es um ihre Brust gebunden hatte, schon ein ziemliches Stück gelockert.

Zum ersten Mal sah er sie als Mädchen; die feinen Gesichtszüge, die mandelförmigen schwarzen Augen, die vollen Lippen. Die dunklen Haare, die an ihrer nassen Haut klebten, ihrem Gesicht, ihrem Hals, ihren Schultern. Die deutliche Rundung der Brüste unter dem dünnen Handtuch, das nur wenige Zentimeter ihrer Oberschenkel bedeckte und sich wie eine zweite Haut über ihre Taille und ihre Hüften gelegt hatte – Hüften, die eindeutig nicht männlich waren, genauso wenig wie die langen, nackten Beine.

Dieses verfluchte Handtuch saß viel zu locker für seinen Seelenfrieden; sie bemerkte nicht einmal, dass der Knoten inzwischen aufgegangen war und eine Ecke schon anfing, sich aus der Wicklung zu lösen. Sie war viel zu beschäftigt damit, ihn wütend anzustarren.

„Wehe", lenkte sie seine Aufmerksamkeit wieder auf ihr Gesicht, „wehe, du sagst auch nur ein Wort zu irgendjemandem. So schnell kannst du gar nicht schauen, habe ich dich zu Hackfleisch verarbeitet, klar?"

Ausdruckslos sah er sie an. „Gibt es etwas, das ich jetzt sagen sollte?"

„Wie wäre es mit: Ja, Ian, ich werde schweigen wie ein Grab?"

„Dann tun wir doch mal so, als hätte ich das gesagt und vergessen die Angelegenheit." Er wollte das beenden. So schnell wie möglich. Ihr Handtuch entblößte bereits die Seite ihrer linken Brust und er wollte nicht noch mehr sehen müssen; sie sollte ihn loslassen, das Handtuch richten und dann ganz schnell aus seinem Blickfeld verschwinden. Kami-sama, ihm war noch nie so heiß gewesen.

Ian zog zweifelnd die Augenbraue hoch; es war schwierig, zu entscheiden, ob sie die Sache jetzt auf sich beruhen lassen sollte oder nicht. Jedem anderen hätte sie ein Versprechen abgerungen, das sämtliche seiner ungeborenen Kinder, seinen Besitz und sein Augenlicht mit eingebunden hätte, aber der Japaner ließ sich leider nicht so einfach beeindrucken. Tatsächlich sah er ziemlich gelangweilt aus, als ob ihn die Tatsache, dass sie ein Mädchen war, überhaupt nicht interessieren würde. Zum Teufel, sie wusste einfach nie, woran sie bei ihm war! Konnte sie einfach so darauf vertrauen, dass er die Klappe halten würde?

Sie starrte ihn ein paar Sekunden lang misstrauisch an, aber dann entschied sie sich dafür, es darauf ankommen zu lassen. Sie konnte ihm immer noch ein paar unwichtige Körperteile abschneiden, wenn er doch jemandem von ihrem Geheimnis erzählte – für einen Exorzisten war es ohnehin besser, wenn er keine Kinder hatte.

Langsam ließ sie seinen Kragen los und richtete sich gerader auf; sie hatte sich leicht nach vorne gelehnt, während sie ihn gegen die Tür gedrückt hatte. Besser, sie sagte Jack Bescheid – warum eigentlich nicht gleich? Eine kurze mentale Nachricht reichte und es klopfte an der Tür. Ein letzter warnender Blick, dann schob sie den Japaner beiseite und öffnete ihrer Schwester.

Kanda war froh, dass sie wenigstens mit einer Hand das Handtuch festhielt, während sie die Tür aufmachte; dass er sie nicht mehr direkt ansah, half ihm, sich wieder zu beruhigen. Als der Besucher eintrat, sank seine Erregung sofort auf den Nullpunkt; er hätte wissen müssen, dass ausgerechnet jetzt ausgerechnet Jack vorbeikam. Vielleicht hatte Ian ihn sogar gerufen – aber warum musste er dafür herkommen? Konnten sie das nicht auch über ihre telepathische Verbindung klären?

„Was gibt es … denn … so … dringendes?" wurde Jack langsamer, als er Kanda sah; der schaffte es gerade noch, seinen Todesblick aufzusetzen.

Jack brauchte eine Sekunde, um das ganze Bild zu sehen: Kanda und Ian in einem Zimmer, ihre Schwester nur mit einem nassen Handtuch bekleidet. „Himmel, Arsch und Zwirn …", murmelte sie entsetzt.

Ian schloss die Tür. Ich will nichts hören, knurrte sie mental, gerade du solltest jetzt mal lieber ganz still sein. Laut sagte sie: „Er weiß es-"

„Du warst unvorsichtig", unterbrach Jack sie.

Halt die Klappe, dachte Ian, aber sie sprach es nicht aus. „Ein dummer Zufall, sonst nichts."

„Und das passiert ausgerechnet dir?" fragte Jack zweifelnd und warf Kanda einen misstrauischen Blick zu, der immer noch neben der Tür lehnte, jetzt lässig Arme und Beine überkreuzt.

„Auch mir passieren ab und zu mal Fehler", gab Ian zurück, „gerade du solltest das doch am besten wissen."

„Können wir das Gespräch jetzt beenden?" unterbrach Kanda die beiden, „Ich habe besseres zu tun, als hier zu stehen und euch zuzuhören." Er öffnete die Tür. „Du beeilst dich besser mit deinem Bad. Ich bin in einer Viertelstunde wieder da." Damit schloss er die Tür hinter sich.

„Was soll das heißen, ‚beeilen'? Ich dachte, du wärst längst fertig", wunderte sich Jack, dann riss sie die Augen auf, als ihr dämmerte, was der Japaner gemeint hatte. „Ian! Du willst mir nicht sagen, dass – er hat nicht – Ian!"

„Lavi hat auch nicht weniger von dir gesehen", schoss Ian zurück, aber Jack verschränkte stur die Arme; Ian wickelte inzwischen ihr Handtuch wieder ab.

„Wenn ich deine Erinnerung auffrischen darf: in dieser Nacht war ich voll bekleidet!"

„Aber danach auch nicht immer, oder?" meinte Ian, während sie wieder in die Wanne stieg.

„Lass das", antwortete ihre Schwester plötzlich ein wenig heiser, „ich will nicht darüber sprechen. Ich gehe jetzt." Abrupt wandte sie sich um und ging.

„Jack!" rief Ian ihr nach, aber sie ignorierte sie. Seufzend ließ sie sich tiefer in das Wasser sinken. Seit sie erfahren hatte, dass Lavi über ihre Schwester Bescheid wusste, versuchte sie herauszufinden, was passiert war, aber beide schwiegen eisern. Sie wusste, dass zwischen ihnen mehr als nur Küsse gewesen waren, auch, wie abrupt ihre ‚Beziehung' geendet hatte, aber etwas passte nicht ins Bild. Jack war eher traurig als wütend, ihr Verhalten passte nicht zu ihrem üblichen Reaktionsmuster. Und deswegen bohrte sie nach – mit vernichtenden Resultaten.

Jack indes hatte ganz andere Probleme. Es stimmte, Ians Worte hatten sie an die Vorfälle der letzen Wochen erinnert, aber sie war aus einem anderen Grund gegangen.

Sie holte den Japaner am Treppenabsatz ein und hielt sich erst gar nicht mit Worten auf, sondern packte ihn einfach am Ellbogen und beförderte ihn mit Schwung in den nächstbesten Salon. Krachend fiel die Tür hinter ihr ins Schloss.

„Hast du Hirnfieber?" war der trockene Kommentar des Exorzisten; er versuchte, zur Tür zu gelangen, aber Jack ließ ihn nicht vorbei. Es war die einzige Tür, die aus dem Raum führte.

„Nein, aber mit dir zu reden. Und die Tür geht erst wieder auf, wenn alles geklärt ist." Kanda sah sie zweifelnd an, aber sie fuhr ungerührt fort: „Es passt mir überhaupt nicht, dass du Bescheid weißt, darüber müssen wir wohl erst gar nicht reden. Aber ich habe ein anderes Problem."

„Ja, das seh ich", antwortete Kanda ungerührt.

„Halt die Klappe, Bakanda, und hör zu", fauchte sie, „Ab jetzt gelten für dich strengere Regeln. Du dürftest sie von Komui kennen."

„Die Linali-Regeln?", fragte er ungläubig; Jack nahm ihn wohl für nicht ganz voll.

„So ziemlich. Wenn du sie anfasst, wenn du sie auch nur ansiehst, dann ist Mugen bald dein einziges Schwert, capisci?" Kandas Gesicht sagte eindeutig: Das geht zu weit, aber Jack war noch nicht fertig. „Ich bin sicher, du ahnst es schon, aber ich sage es trotzdem: Ich will dich nicht in ihrer Nähe sehen." Sie wiederholte nur, was Ian auch zu Lavi gesagt hatte, wenn auch in anderen Worten, aber die Fälle waren gar nicht so verschieden.

„Und wie soll das gehen, wenn wir im selben Raum schlafen?" gab Kanda aus purem Trotz zurück; er sah nicht ein, warum Jack ihm vorschreiben sollte, was er zu tun und zu lassen hatte.

„Dir ist sicher bewusst, dass ich dagegen nichts tun kann, aber du lässt dich besser nicht in diesem Bett erwischen", sagte Jack wütend. „Du glaubst doch nicht, dass ich meine Schwester weiterhin in einem Bett mit einem Kerl schlafen lasse, der bei ihrem Anblick zum Sabbern anfängt."

Verdammt, er hatte seinen Blick doch bemerkt. Unter anderen Umständen hätte er Jack dafür unangespitzt in den Boden gerammt, aber er war zu ehrlich, um es abzustreiten. „Das hatte nichts mit Ian zu tun", mogelte er sich drumherum; präzise hatte es eigentlich nur mit Ian zu tun, aber das brauchte er nicht zu wissen.

„Ja, ich weiß, es ist einfach zu lange her, dass dir eine das Bett gewärmt hat", erwiderte Jack mit boshaft gespieltem Mitleid, „Armer, untervögelter Bakanda. Ich würd vorschlagen, du nutzt deine fünfzehn Minuten und sorgst vor. Komui hat sicher nichts dagegen, wenn du das vom Spesengeld absetzt." Sie öffnete die Tür und ließ ihn allein zurück.

Der Japaner kochte vor Wut; Jack hatte nicht einmal so viel Anstand, hastig wegzulaufen, bevor er ihn entzwei teilte, nein, er schlenderte ganz gemütlich zurück zur Treppe. Er starrte ihm einen Moment wütend hinterher, dann sagte er sich, dass es nichts bringen würde; er sollte die Viertelstunde lieber nutzen, um sich zu beruhigen. Ein kurzer Spaziergang würde ihn abkühlen und Ian aus seinem Gedächtnis verschwinden lassen.


Ihr habt sicher schon bemerkt, dass ich Ian bis zu dem Zeitpunkt, in dem Kanda hereinkam, er genannt habe und danach sie. So habe ich es ja auch bei Jack gemacht, was so viel bedeutet wie: Wenn ich ab jetzt aus der Sicht von jemandem schreibe, der nichts von dem Geheimnis der beiden weiß, verwende ich er, wenn es aus der Sicht von jemanden passiert, der Bescheid weiß (also auch eines unbeteiligten Erzählers), dann sie. Alles klar soweit?

Bleibt mir gewogen, Leute.