Draco Malfoy fror.
Es war nicht die zurückhaltende, unerreichbare, ausdrucklose, gleichgültige Art der Kälte. Das war eine betäubende, frostige, eisige, „sich wünschenlieber im sonnigen Australien zu sein, anstatt sich hier den Arsch abzufrieren" Art der Kälte.
Man würde so frieren, wenn man dumm genug war, um bei Temperaturen unter null auf einem Besen zu fliegen.
Draco war nicht dumm.
Aber das war Ansichtssache.
„Verdammt noch mal!" fluchte er, als eine Druckwelle des kalten Winterwindes ihn fast von seinem Besen schlug. „Wenn ich Granger sehe, werde ich sie mit meinen bloßen Händen erwürgen. Mich verflucht noch mal nach Amerika zu schicken um nach dem Goldjungen zu suchen! ‚Aber Draco … ich habe Hedwig das letzte Mal, als sie eine Nachricht brachte, mit einem Verfolgungszauber belegt und ihren gesamten Weg zurück in die Staaten verfolgt. New York, um genau zu sein.' Warum würde Potter überhaupt erst in die Staaten gehen?", raunte er sich selbst zu.
Er sprach einem Unsichtbarkeits-Zauber auf sich, als unter die Wolken herabsank, damit er vom Muggel-Radar nicht entdeckt werden würde. Dann sah er auf die Karte, die Hermine ihm gegeben hatte. Der Verfolgungszauber auf Hedwig funktionierte immer noch und er folgte dem markierten Weg, den die Karte ihm anbot.
Viel zu schnell landete er in dem kleinen Ort Lake Placid, mitten im Herz der Adirondack Berge von New York gelegen. Er schrumpfte schnell seinen Besen und stopfte ihn in die Tasche seiner Winterjacke. Dann ging er los und suchte nach jemandem, der ihm helfen würde.
Er fand einen Imbiss und sein Magen knurrte, ihn daran erinnernd, dass er seit dem Frühstück nicht gegessen hatte. Er bestellte eine dampfende Tasse heiße Schokolade und einen Cheeseburger mit Fritten. Als die Kellnerin mit seiner Bestellung zurückkehrte, entschied er herauszufinden, ob irgendjemand Harry gesehen hatte.
„Entschuldigen Sie?"
„Ja, Sir?"
„Ich habe mich gefragt, ob Sie mir sagen können, wo ich diesen Mann finden kann." Er zog ein Muggelfoto von Harry Potter hervor, dass Professor Snape vom älteren Creevey-Bruder ‚geliehen' hatte. Die Kellnerin studierte es für einen Augenblick, bevor sie zu lächeln begann.
„Sie suchen also nach Mr Evans?"
Evans? Das passt murmelte er zu sich selbst. „Ja, das ist er. Wissen Sie, wo ich ihn finden könnte?"
„Warum wollen Sie das wissen?"
„Ich bin ein alter Schulkamerad von ihm. Ich habe seit seinem Jahr nichts von ihm gesehen oder gehört und ich wollte sicherstellen, dass es ihm gut geht", erklärte er. Und wenn ich zurück nach England komme, wasche ich mir meinen Mund mit Seife aus fügte er in Gedanken hinzu.
„Warten Sie eine Sekunde." Die Kellnerin drehte sich um, um über ihre Schulter einem der anderen Tischgäste zuzurufen. „Hey Sam?" Ein Kerl schaute zu ihr auf, ein großer Koloss von einem Mann in einem rot-schwarz-karierten Mantel und einer orangen Kappe auf dem Kopf.
„Jah, Barb?"
„Bringst du heute Morgen Harry seinen Nachschub?"
„Jah. Ich will hoch und wieder zurück sein, bevor dieser Sturm eintrifft. Warum?"
„Kannst du diesen Typ mit hoch nehmen? Er ist ein alter Schulkamerad."
„Freu mich drauf. Lass mich nur meinen Kaffee trinken und meine Zeitung fertig lesen."
„Danke, Sir", nickte Draco, erfreut, dass er so große Fortschritte machte. Er dankte der Kellnerin für ihre Hilfe indem er ihr ein großzügiges Trinkgeld hinterließ.
Er folgte Sam nach draußen zu seinem Truck und sobald er den Sicherheitsgurt angelegt hatte, trat Sam aufs Gas und fuhr los. Draco hatte solche Angst. Er war noch nie zuvor in einem Auto gewesen. Aber Sam wusste, was er tat und navigierte sie die Berge hinauf. Draco konnte nicht anders als die Landschaft zu bewundern. Alles war mit Schnee bedeckt. Er erhaschte sogar einen Blick auf ein Reh.
„Wie gut kennen Sie Harry, wenn ich fragen darf?" fragte Sam. Draco sah ihn an.
„Wir sind sieben Jahre zusammen auf ein Internat gegangen. Wir haben uns nicht immer verstanden, aber in den letzten beiden Jahren tolerierten wir einander. Ich bin eigentlich auf Wunsch eines gemeinsamen Freundes zuhause hier."
„Ah." Sam nickte. Draco sah auf den Rücksitz und sah ein Dutzend Kartons.
„Was ist das alles?"
„Nachschub für Harry."
„Ich verstehe nicht."
„Harry kommt sehr selten in die Stadt und er zahlt mir einen netten Betrag, damit ich ihm Lebensmittel und andere notwendigen Dinge bringe. Heute bringe ich ihm auch einen gasbetriebenen Generator."
„Wofür?"
„Es kommt ein schwerer Schneesturm auf uns zu und sobald dieser eintrifft, wird er eingeschneit sein."
„Oh."
„Da sind wir!" Sam umrundete eine Baumgruppe und stoppte. Draco schaute zum Fenster hinaus und sein Blick landete auf einer großen Ranch-ähnlichen Hütte, umrahmt von Bäumen. Mit dem Schnee, der alles bedeckte, sah es aus wie eine Szene auf einer der Postkarten, die Hermines Büro im Ministerium schmückten. „Hilf mir diese Sachen rein zutragen." Es war keine Bitte. Draco biss sich auf die Zunge und kletterte aus dem Truck.
Er folgte Sam den Weg hinauf, als sich die Tür öffnete und ein großer gelber Knäuel heraus schoss. Draco lies beinah den Karton fallen, den er trug.
„Runter, Zeus!" kam der scharfe Befehl, als der Hund, ein gelber Labrador, Sam ansprang. Der Hund gehorchte sofort. Harry stand auf der Veranda und beobachtete wie Sam und sein mysteriösen Partner seine Sachen brachten.
„Hey, Harry. "
„Hi, Sam", grüßte Harry. Draco blieb hinter den Kisten versteckt. „Wer ist der neue Kerl?"
„Hab ihn in der Stadt aufgelesen. Sagte, dass er nach dir sucht. Also hab ich ihn mitgebracht. Nun, dein Generator und extra Brennstoff sind auf der Veranda und ich und Maize werden unsere CB-Funkgeräte rund um die Uhr anhaben. Du hast genug zu essen, Wasser und alles andere?"
„Ja. Ich habe aufgestockt seit ich letzte Woche den Bericht über den Sturm gehört habe."
„Gut. Ich werde besser gehen, bevor mich die Hausherrin killt. Begib dich nicht in Gefahr, Harry."
„Du auch nicht, Sam"
„Schön dich getroffen zu haben, Kumpel" sagte Sam zu Draco, welcher sich immer noch hinter den Kisten versteckte. Draco hob eine behandschuhte Hand und winkte. Dann war Sam weg.
Harry beobachtete sein Verschwinden mit einem kleinen Stirnrunzeln. Sam war ein großartiger Kerl, fast wie eine Vater-Figur für Harry und er bewunderte ihn dafür.
Seufzend rief Harry Zeus herein, bevor er die Tür schloss und verriegelte. Dann drehte er sich zu seinem unangekündigten Gast um.
„Hallo, Malfoy" grinste Harry. Überrascht trat Draco hinter den Kisten vor.
„Wie wusstest du, dass ich es war?"
„Dein Eau de Cologne hat dich verraten", erzählte ihm Harry. „Was machst du hier? Wie hast du mich gefunden?"
„Hermine hat mich geschickt."
„Das passt." Er blickte finster und begann die Kisten auszupacken.
„Sie war besorgt um dich. Sie und Ron, beide."
„Gut für sie", schnappte er zurück. Draco runzelte die Stirn. Er dachte Harry würde glücklich darüber sein zu wissen, dass sich seine Freunde um ihn sorgten. „Wie hast du mich gefunden?"
„Hermine hat einen Verfolgungszauber auf Hedwig gelegt, als du das letzte Mal einen Brief geschickt hast."
„Diese Bitch!" knurrte er und überraschte Draco damit.
„Potter, was ist los? Warum all die Wut?"
„Ich habe ihr gesagt, dass ich nicht gefunden werden will. Warum geht das nicht in ihren Dickschädel?"
„Sie ist ein Gryffindork." Draco zuckte mit den Schultern.
„Sie kann nicht verstehen, dass ich in der Zauberwelt weder leben noch atmen oder trinken möchte."
„Dann erklär es mir."
„Es war immer ‚Harry mach dies, Harry mach das, Harry wird eine Rede halten, oh Harry kann ich ein Kind von dir haben.' Es war krank! Und es ging mir verdammt auf die Nerven. Als ich Voldy tötete, tat ich es, weil ich mein Leben zurück haben wollte das Leben, das mir verwehrt worden war seit ich ein Jahr alt war. Aber Hermine sprang auf den Zug des Ministeriums auf. Und ich habe ihr gesagt, dass sie nicht besser als Percy Weasley sei. Daraus folgt der Grund, warum ich auch nicht mit Ron spreche. Und warum, verdammt noch mal, erkläre ich dir das? Du solltest einfach so bald wie möglich zurück nach Hause gehen, Malfoy."
„Das habe ich vor. Ich habe Granger gesagt, dass ich dich finden würde, dir sagen, dass sie dich sucht und dann nach Hause gehen würde."
„Und wie sieht dein Plan aus das auszuführen? Zurück zur Stadt laufen? Es sind unter null Grad hier draußen."
„Ich habe meinen Besen."
„Du wirst erfrieren, bevor du an den Bäumen vorbei bist, du dämlicher Idiot", merkte Harry an. „Im Fall, dass du es nicht bemerkt hast, da kommt ein Sturm auf uns zu. Du könntest dort draußen sterben."
„Ich werde das Risiko eingehen." Draco zuckte mit den Schultern.
„Nicht noch jemand wird für mich sterben, Draco" erklärte Harry. Das erschreckte Draco. Es war das erste Mal, dass Harry jemals seinen Vornamen sagte und ohne Bösartigkeit. „Ich habe ein zusätzliches Schlafzimmer. Du kannst diese Nacht hier schlafen und am Morgen abreisen."
„Danke Po-Harry."
„Wie auch immer", sagte Harry und beließ es dabei.
„Kann ich deinen Floh-Anschluss benutzen? Ich möchte meine Mum wissen lassen, dass es mir gut geht."
„Du könntest … wenn ich einen hätte" erwiderte Harry. „Als ich sagte, dass ich keinen Teil der Zauberwelt haben möchte, meinte ich es. Kein Flohen, überhaupt keine Möglichkeit mit jemandem zu kommunizieren, außer per Eule und ich riskiere nicht Hedwigs Leben für dich oder irgendjemand sonst." Draco warf niedergeschlagen seine Hände hoch.
„Du zauberst aber noch, oder?" fragte Draco verwundert.
„Ich bin nicht völlig hirnlos, du Depp." Harry blickte finster und deutete auf das Zauberstab-Holster, das an der Innenseite seines Unterarmes befestigt war.
„Oh." Harry fuhr fort seinen Nachschub auszupacken und wegzuräumen. Eine unbehagliche Stille herrschte zwischen ihnen. Draco versuchte ein Gähnen zu unterdrücken und scheiterte.
„Du bist wahrscheinlich müde. Komm mit. Ich zeige dir, wo du schlafen kannst." Schläfrig nickend folgte Draco Harry die Treppen hinaus.
Einige der Türen des Stockwerkes standen offen und Draco nahm sich die Zeit sich den Inhalt jedes Zimmers anzuschauen. Er stoppte, als er zu dem kam, was offensichtlich Harrys Zimmer war. Ein großes Himmelbett dominierte den Raum, aber was Draco überraschte war die Tatsache, dass die Farbwahl ausgesprochen slytherin war dunkles Grün, Silber und Schwarz.
„Hast deine Slytherin-Seite entdeckt, Harry?" fragte er mit hochgezogener Augenbraue. Harry knallte die Tür zu.
„Sei nicht so neugierig, Malfoy." Harry blickte finster. „Ich habe keine Probleme damit dich draußen in der Kälte schlafen zu lassen."
„Entschuldige. Salazars Zähne! Sei nicht so mürrisch.
„Dann halt deine spitze Nase aus Dingen, die dich nichts angehen", warf Harry zurück. Sie hielten an, Harry öffnete eine weitere Tür und geleitete Draco hinein. Es gab ein extragroßes Bett in der Mitte des Zimmers und alle Dekorationen und Möbelstücke waren mitternachtsblau.
„Ravenclaw? Lass mich raten … du hast auch Hufflepuff- und Gryffindor-Zimmer", grinste er. Harry Gesichtsausdruck verdunkelte sich zu einem nicht beschreibbaren Ausdruck.
„Ich werde dich wecken, wenn das Abendessen fertig ist", sagte Harry und schlug die Tür auf seinem Weg nach draußen hinter sich zu. Er wunderte sich, was den Goldjungen störte. Draco nahm seine Reisetasche aus seiner Tasche um sie wieder zu vergrößern und fiel auf das Bett. In sehr kurzer Zeit war er eingeschlafen.
Harry sah zweimal nach ihm, aber Draco war so müde, dass er nicht aufwachte.
Er sieht aus wie ein Engel, wenn er schläft, sinnierte Harry als er Draco beobachtete. Der Blonde hatte sich nicht die Mühe gemacht sich zuzudecken. Harry holte ein zusätzliches Federbett und legte es über Dracos schlafenden Körper. Er zauberte das Licht aus, ging sicher, dass das Feuer im Kamin ordentlich brannte und ging dann selbst ins Bett.
Er wird morgen früh nach Hause gehen und du wirst ihn nie wieder sehen. Dachte er, als er sich seinen Pyjama anzog. Er war zu rastlos um zu schlafen und entschied sich etwas zu lesen. Zeus sprang neben ihn auf das Bett und legte sich auf seinen üblichen Platz in der Nähe von Harrys Hand. Harry streichelte abwesend das weiche Fell, während er in seinem Buch versank.
Er schlief ein, als es draußen gerade zu graupeln und zu schneien begann …
