Kapitel 4 7. Januar … immer noch

Nachdem er sich ein zweites Mal gereinigt hatte, zog sich Draco an und ging nach unten zur Küche.

Er stand in der Tür und beobachtete Harry, wie dieser zwischen Herd und Tisch hin-und-herging. Der Tisch war, wie er bemerkte für zwei gedeckt und es waren bereits Pfannkuchen, Eier, Schinken und Toast darauf. Er schnupperte voller Erwartung.

Harry hörte ihn und drehte sich um strahlte mit einem breiten Lächeln an bevor er einen Krug Orangensaft und eine Kanne Kaffee auf den Tisch stellte.

„Du hast also gut geduscht?" fragte er.

„Jah. Danke."

„Nun ja setz' dich hin. Ich muss nur noch die Würstchen fertig machen und dann können wir essen." Harry wies auf einen Stuhl. „Hier ist Kaffee und Orangensaft falls du durstig bist."

„Kein Tee?"

„Der wurde mir über nachdem ich so lange auf Hogwarts war. Außerdem war er das einzige, was meine Tante und Onkel tranken."

„Oh", seufzte. Harry hörte die Enttäuschung dabei und seufzte unhörbar. Er ging in seinen Vorratsraum und griff in Dose im obersten Regalfach und nahm die Schachtel mit dem Zimt-Tee heraus, den er dort versteckt hatte.

Draco sah von einem Muggel-Sportmagazin auf, das er gelesen hatte als Harry eine dampfende Tasse Tee vor ihn stellte.

„Was ist das?" fragte Draco, das Zimtaroma kitzelte in seiner Nase.

„Tee."

„Ich dachte du hättest gesagt, dass du keinen hast?"

„Ich sagte, dass er mir über ist. Ich habe nicht gesagt, dass ich keinen habe", erinnerte Harry ihn.

„Oh. Richtig." Draco nickte. Draco sah hinter ihn und sah den Rauch, der von der Pfanne auf dem Herd aufstieg. „Deine Würstchen verbrennen."

„Scheiße!" rief Harry und drehte sich zum Herd. Draco riskierte ein Lächeln bevor er an seinem Tee nippte.

Ein kratzendes Geräusch erreichte seine Ohren und er fröstelte in dem kalten Luftzug, der durch die Tür kam als Harry sie öffnete. Zeus stürmte schwanzwedelnd in die Küche. Draco beobachtete amüsiert wie Zeus Harry ansprang, seine Vorderpfoten auf die Schultern seines Herrchens setzte und sein Gesicht ableckte. Harry lachte mit kindischer Unbeschwertheit. Draco hatte Harry noch nie so glücklich und sorglos gesehen, außer wenn er auf seinem Besen saß. Er mochte es sehr.

„Nun ich hab' dir gesagt, dass es draußen eiskalt ist" lachte Harry seinen Begleiter an. Zeus wimmerte und leckte entschuldigend Harrys Kinn. „Schon gut du großes gelbes Baby. Ich mache dir etwas heiße Schokolade." Zeus bellte fröhlich und ging zu seinem Napf um zu fresse, während Harry die Teekanne erneut aufsetzte.

„Er trinkt heiße Schokolade? Ist das gesund?" fragte Draco. Harry sah ihn über die Schulter an. Aus irgendeinem Grund dachte Draco, dass das unglaublich sexy war und er verschluckte sich beinah an seinem Tee, als er darüber nachdachte.

Ich bin so verloren! Wiederholte er sich selbst.

„Es ist ja nicht so, dass ich ihm täglich Schokolade gebe. Das ist eine Leckerei für ihn. Er erwartet es nicht und freut sich sehr darüber, wenn er sie bekommt." antwortete Harry.

In Rekordzeit hatte Harry Zeus' Schokolade und weitere Würstchen fertig, bevor sich endlich hinsetzte.

„Hau rein, Draco." lächelte Harry und gab ihm die Pfanne mit dem Rührei.

„Plebejer." stichelte Draco freundlich, bevor es sich etwas der Eier auf den Teller tat. Harry tat das gleiche und goss Ahornsirup darüber, sehr zu Dracos Horror.

„Was?" fragte Harry, als er sein Gesicht sah.

„Harry, du hast schon gemerkt, dass du dir gerade Ahornsirup auf deine Eier gekippt hast?"

„Jah. Ich esse sie nur so. Du solltest es auch mal probieren."

„Barbar."

Harry spießte etwas in Ahornsirup getauchtes Ei auf seine Gabel und hielt es Draco vor den Mund.

„Versuch es, Draco."

„Nein!"

„Feige?"

„Das hättest du wohl gern, Potter! Malfoys sind nicht feige."

„Dann probiere es." Harry grinste. „Ich fordere dich dazu heraus."

Dazu muss gesagt werden, dass ein Malfoy sich nie vor einer Herausforderung drückt.

Draco öffnete seinen Mund und Harry steckte ihm die Eier in den Mund. Das Gesicht verziehend, kaute Draco einen Moment bevor er sie schluckte. Harry sah ihn fragend an. Als Antwort nahm Draco den Ahornsirup und tat sich selbst etwas auf seine Eier. Harry grinste triumphierend.

„Ich denke trotzdem, dass du barbarisch bist, Harry."

„Man bräuchte einen Vergleich um das zu wissen, Draco" Harry grinste.

Sie aßen ihr Frühstück und sprachen darüber, was geschehen war seitdem Harry die Zauberwelt verlassen hatte. Draco brachte ihn auf den neuesten Stand über die Geschehnisse an der Schule und in London. Er hatte Neuigkeiten von denen er nichts wusste ob er sie Harry erzählen wollte, da er nicht wusste, wie der andere Mann reagieren würde. Das war der Hauptgrund, warum Hermine Draco zu Harry geschickt hatte.

„Stimmt etwas nicht?" fragte Harry, und schien Dracos Gedanken zu spüren.

„Ich muss dir etwas erzählen aber ich weiß nicht, wie du es auffassen wirst."

„Sag es mir schon. Ich kann es nicht leiden, wenn mir etwas verheimlicht wird. Dumbledore hat das getan, Snape hat das getan und manchmal sogar Lupin und es machte mich verrückt. Das ist der Grund warum ich nichts von der dummen Prophezeiung wusste, bis zu dem Fiasko in der Mysterienabteilung."

„Nun … okay. Ich hab dir nicht ganz die Wahrheit gesagt, warum Hermine mich zu dir geschickt hat."

Harry legte vorsichtig seine Gabel hin, sein Ausdruck war neutral.

„Ich verstehe. Also was ist der wahre Grund?"

„Der wahre Grund ist … Hermine und Ron werden nächsten Monat heiraten und würden dich gern dabei haben."

„Das ist toll. Ich wusste immer, dass sie zusammen gehören." Harry lächelte.

„Ähm … eigentlich..."

„Was?"

„Sie sind nicht zusammen, schon eine ganze Weile nicht mehr."

„Aber du hast gerade gesagt, dass sie heiraten."

„Werden sie nur nicht sich."

Harry verzog verwirrt das Gesicht. Draco fand das bezaubernd.

„Das verstehe ich nicht. Was habe ich verpasst?"

„Nun … sieh … Hermine und Ron bemerkten, dass sie nicht richtig zusammen waren und trennten sich kurz nachdem wir aus der Schule kamen. Sie haben andere gedatet und nun beide ihre Seelenpartner gefunden."

„Oh, schön für sie. Also wer sind die Glücklichen?"

Draco zögerte einen Moment.

„Du wirst Hermines Seelenverwandten nicht mögen."

„Warum nicht? Behandelt er sie gut?"

„Ja. Das tut er tatsächlich."

„Das ist alles, was zählt."

„Nun ja … du wirst ihn trotzdem nicht mögen."

„Es ist ja nicht so, dass du mir erzählt, dass sie Snape heiratet." lachte Harry.

Draco starrte ihn an und biss sich auf die Lippe.

Harry verging das Lachen.

Draco nahm seine Augen nicht von ihm.

Harry nahm seinen Kopf in die Hände und stöhnte.

„Hab dir gesagt, dass du es nicht mögen wirst."

„Und was ist mit Ron?"

„Er heiratet ein Muggel-Mädchen, das ihm sein Bruder Bill vorgestellt hat."

„Eine Muggel?"

„Mm-hm." Draco nickte. „Oh keine Angst. Sie weiß alles über uns. Ihre Schwester ist Lehrerin in Beaubaxton."

„Ah" Harry nickt. Seine Gedanken kehrten zurück zu Hermine und Snape. Er konnte es einfach nicht glauben. Er hatte Snape wahrscheinlich nicht so gut gekannt, wie er dachte.

Aber dann, Draco Malfoy, sein Erzfeind der Schule sechs Jahre lang, sah an seinem Küchentisch und aß mit ihm Frühstück.

„Leute verändern sich." murmelte er. Draco sah ihn an.

„Ja. Das tun sie." stimmte Draco zu.

„Du hast dich auch verändert, Draco. Das weiß ich."

„Danke, denke ich." Draco runzelte die Stirn.

„Nein, ehrlich. Du hättest mich heute früh ignorieren können, wie du es normalerweise machst und gehen können."

„Ich bin nicht dumm, Harry."

„Ich weiß! So hab ich es nicht gemeint!"

„Was zur Hölle hast du denn gemeint?"

„Du hättest meine Warnung missachten, trotzdem gehen können und wahrscheinlich dort draußen sterben. Aber das hast du nicht. Denkst du wirklich, dass du in der Schule auf meine Warnungen gehört hättest?"

„Ganz ehrlich? Nein", gab er zu. Er war erfreut, dass Harry merkte, dass sich sogar Draco verändern konnte. Vielleicht gab es doch Hoffnung.

„Ich bin froh, dass du auf mich gehört hast", sagte Harry dann und überraschte ihn damit.

„Warum?"

„Ich mag es irgendwie mit dir zu reden." antwortete Harry und seine Wangen färbten sich vor Scham rot. Draco biss sich auf die Wange, damit sich sein Grinsen nicht zeigte.

„Also was machst du hier, wenn du Spaß haben willst?" fragte er.

Draco bat in der Küche zu helfen und nach einer kurzen Diskussion ließ ihn Harry.

Danach führte Harry ihn in das Wohnzimmer damit sie es vor dem Feuer warm hatte. Harry zeigte ihm seine Büchersammlung und suchte eins aus, dass er gerade las. Er machte es sich auf dem Sofa gemütlich und begann zu lesen. Draco überflog die Titel und bemerkte, dass einige davon von jemandem namens „Harold Porter" geschrieben waren. Er nahm sich eins und las die Rückseite. Es sah aus wie eine dunkle Romanze über Vampire und Werwölfe. Fasziniert nahm er das Buch und setzte sich auf die andere Seite der Couch die Harry für sich beanspruchte.

Er bemerkte nicht, dass Harry aufstand und in die Küche ging um ihnen ein paar Sandwichs zum Mittag zu machen. Er aß abwesend während er seine Nase ins Buch steckte. Harry erkannte das Buch, blieb aber still.

Es war Abend Draco endlich damit fertig war es zu lesen. Er ging zu Harry in die Küche wo dieser bereits Käsesandwichs und Bratkartoffeln machte.

„Hat dir das Buch gefallen?" fragte Harry ohne ihn anzusehen.

„Ja es war aufregend. Die Beziehung zwischen Chloe und Marcus war faszinierend. Ihre Schwierigkeiten dabei den Hass ihrer Gesellschaftsschichten zu überwinden war wie bei Romeo und Julia, nur ohne die Todesszenen am Ende."

„Das ist was der Autor beabsichtigt hat." erwiderte Harry und gab Draco einen Teller und ein Glas Saft.

„Du kennst ihn?"

„Er ist mir vertraut." war Harrys kryptische Antwort. Draco spürte wie sein Herz in seinen Bauch fiel.

Verdammt er hat einen Freund!

„Wie ist er?" fragte er stattdessen und biss in sein Sandwich.

„Wer?"

„Harold Porter." seufzte Draco. Ehrlich Harry, bist du so dumm?

Wenn Harry gewusst hätte, an was Draco in dem Moment dachte, hätte er gelacht.

„Er ist ein ziemlicher Einzelgänger. Mag es nicht viel über sich selbst zu reden."

„Er klingt sehr interessant." Seufzte Draco irritiert.

„Er kann es sein, wenn er es möchte."

„Klingt nach Liebe, Potter." Er gab Harry sein leeres Glas und den Teller, damit es aufgewaschen und weggeräumt werden konnte.

„Oh nein: keine Liebe zwischen uns, Malfoy. Es ist mehr eine Hassliebe zwischen uns. Ich hasse ihn aber ich mag ihn."

„Ich verstehe."

„Wie auch immer ich habe etwas in meinem Büro zu tun bevor ich ins Bett gehe. Kommst du alleine klar?"

„Ich bin die letzten drei Jahre alleine klar gekommen. Ich denke eine Nacht wird mich nicht umbringen."

„Okay. Gute Nacht, Draco."

„Nacht, Harry." erwiderte er flüsternd

Harry setzte sich an seinen Schreibtisch in seinem Büro und schaltete seinen Computer an. Er klickte auf einen Ordner namens „Harold Porter" und öffnete eine der vielen Dateien darin.

Er hatte schon eine Weile eine Idee für ein neues Buch und es schien die richtige Zeit damit anzufangen. Seine Muse schien eine ganz neue Identität angenommen zu haben.

Ein Dokument mit leeren Seiten öffnete sich und er begann eine Zusammenfassung zu schreiben …

Dylan McBride war der Typ Mensch der zuerst schoss und dann Fragen stellte. Als der aristokratische ansässige Vampir Carter Edwards auf unerwartete Weise in sein Leben trat veränderte sich seine Sichtweise. Während Dylan das Eis war, war Carter das Feuer. Die Kombination der beiden musste tödlich enden.

Jedoch hatte Dylan ein eigenes Rätsel, das gelöst werden wollt und das sich ganz um zwei kleine Wunden an der Innenseite seines Oberschenkels drehte..."

Harry tippte bis weit in die Nacht hinein.

Er hatte fast zehn Kapitel fertig als die Sonne am Horizont aufging und er erschöpft auf dem Sofa, das in der Ecke des Zimmers stand einschlief. Zeus schlief neben ihm auf dem Boden.