2. Fehler über Fehler, wo ist nur mein Verstand geblieben?

Als ich den Wagen in der Garage abstellte war ich noch ganz durcheinander, tausende Gedanken gingen mir durch den Kopf. Wie war das möglich? Wie konnte sie das vor zehn Jahren gezeichnet haben oder wer auch immer es war? Was wusste sie? Waren wir hier sicher? Sollten wir nicht besser verschwinden? Denk an die Regeln, bewahre das Geheimnis! Wieso war sie glücklich als sie das Bild betrachtet hat? Wieso sah ich glücklich aus auf dem Bild? Wieso war ich nicht schon beim Packen? Was hält mich hier? WIESO ? WAS ? WARUM ?

Plötzlich hatte ich das Gefühl in einem Ruderboot zu sitzen, das bei heftigem Sturm auf den Wellen tanzt. So aus meinen Gedanken gerissen warf ich einen schnellen Blick durch die Windschutzscheibe und in den Rückspiegel. Eddie hatte den Wagen vorne und Marie hinten hochgehoben und rüttelten ihn durch. Oh man, manchmal benahmen sie sich wie kleinen Kinder, aber nein sie waren ja fast noch Kinder. Ein leichtes Knurren entfuhr meiner Kehle, mehr Mahnung als Warnung. Aber wieso war mir entgangen das sie hier waren? Sie stellten den Wagen wieder sanft hin und schon war Marie an der Tür und hatte sie aufgerissen. Sie strahlte mich unschuldig an. Sofort waren die düsteren Gedanken verschwunden. Ich konnte ihr nie böse sein, egal was sie tat. Meine wunderschöne Enkeltochter. Oder Tochter ? Als Mensch war ich ihr Opa, als Vampir ihr Erschaffer also ihr Vater und ich füllte mich auch mehr als ihr Vater. Wenn man das Aussehen von 25 hat und auch immer noch die Gefühlswelt eines 25 Jährigen, liegt die Vorstellung Großvater zu sein sehr fern.

"Na, warst du wieder auf Reisen? Eddie und ich wollen noch mal Jagen, kommst du mit?"

Jagen ? Ich prüfte meinen Durst, aber da bestand kein Verlangen nach Blut. Außerdem war ich mir noch nicht sicher was ich mit meinem kleinen Problem machen sollte. Also nein, ein bisschen allein sein und nachdenken würde mir gut tun und ein wenig Zweisamkeit würde ihnen gut tun. Das würde Marie bestimmt sanfter Stimmen wenn wir von hier verschwinden mussten, wegen eines kleinen Menschenmädchen das zuviel wusste.

"Nein, geht mal schön allein und nach der Jagd könnt ihr ja noch ausgehen. Heute Abend sind doch ein paar Partys auf dem Campus. Amüsiert euch, vielleicht komm ich später noch nach."

Bei den Worten allein, ausgehen und Party platzte sie fast vor Freude, es wäre das erste Mal, das sie als Vampir allein unter soviel Menschen durfte. Ich war wohl etwas übervorsichtig gewesen. Sie und Eddie hatten die Phase als Neugeborene und die Gewöhnung an unsere spezielle Art der Ernährung viel leichter durch gestanden als ich. Nun ja, ich war ja auch damals ganz allein gewesen.

"Meinst du wirklich? Du läst uns allein Ausgehen? Du bist der Beste, ich hab dich ganz doll lieb. Wir sind auch ganz bestimmt brav.", jubelte sie und fiel mir um den Hals.

"Jetzt aber weg mit euch, eh ich es mir noch anders überlege."

Sie strahlte mich noch mal an und sprang dann in einer fliesenden Bewegung über mein Auto. Zwei Türen gingen auf und zu, der kräftige Zehnzylinder des BMW heulte einmal kurz auf und schon waren sie Weg. Kinder, schmunzelte ich vor mich hin.

Ich ging direkt in meine Bibliothek, zündete ein Feuer im Kamin an und setzte mich in den schweren Clubsessel. Stundenlang starte ich ins Feuer und versuchte eine Lösung zu finden. Ich betrachtete es von allen Seiten, ging das für und wieder durch und konnte doch keine Entscheidung treffen. Die Uhr im Wohnzimmer schlug zwölf und ich hatte Sehnsucht nach meiner Familie, wollte aber auch nicht das Haus verlassen. Also nutzte ich meine Gabe und konzentrierte mich auf Marie. Augenblicklich hatte ich sie gefunden. Sie waren im Haus einer Studentenverbindung und schwebten mit einer Anmut über die Tanzfläche wie nur Vampire es können. Sie schien großen spaß zu haben. Ich schaute mich ein wenig im Raum um, die Anwesenden warfen den beiden versteckte Blicke zu. Die Jungs waren wohl neidisch auf Eddie und wollten wohl am liebsten an seiner stelle mit Marie tanzen, während die Mädchen Marie am liebsten auf den Mond geschossen hätten um Eddie für sich zu haben. Trotzdem blieben alle instinktiv auf Abstand, ihr Unterbewusstsein erfasste die Gefahr die von uns ausgeht, auch wenn ihr Verstand dazu nicht in der Lage war. Gut das wir anders sind und unsere natürlichen Instinkte unterdrücken, sonst wären wohl nicht nur Herzen gebrochen worden, sondern hätten wohl für immer aufgehört zu schlagen. Ich konzentrierte mich jetzt wieder ganz auf Marie und drang in ihren Verstand ein.

"Hallo mein Schatz, hast du Spaß?", fragte ich in ihrem Kopf.

"Und wie, kommst du noch vorbei?"

"Glaub nicht, aber keine Angst das ist kein Kontrollbesuch, ihr habt mir nur Gefehlt."

"Oh, du fehlst mir auch. Sollen wir heimkommen? Geht es dir gut? Du bist heute so … seltsam. Was ist los? Ist es wegen dem Mädchen?"

"Wie kommst du jetzt auf die?"

"Seit wir sie gesehen haben bist du gar nicht richtig anwesend, mach dir keine Sorgen du hast nichts gemacht und ja wir haben sie eben auf der Party der Footballspieler gesehen, da hat sie ganz freundlich zu uns rüber geschaut, sie hat sogar gelächelt. Ich glaube sie hat keine Angst vor uns, du hat ihr keine Angst gemacht glaub mir. Alles wird gut."

"Na ja, feiert noch schön wir sehen uns Morgen."

"Ja bis Morgen. Mach dir keine Sorgen."

Ich zog mich aus ihrem Kopf zurück, unbewusst suchte ich mein neues Ziel.

Ich fand sie, auf der Party der Footballspieler. Sie stand mit zwei weiteren Mädchen an der Bar. Drei große breitschultrige Jungs redeten auf die Mädchen ein. Während ihre Begleiterinnen offenbar sehr froh über sie Aufmerksamkeit der Spieler waren machte sie einen eher gelangweilten Eindruck. Sie sah sich immer wieder im Raum um, als ob sie jemanden suchte. Eines der Mädchen meinte sie müsse sich mal frisch machen und dann gingen sie gemeinsam zur Toilette. Es wird mir immer ein Rätsel bleiben warum sie das immer im Rudel machen müssen, aber das wollt ich mir nun doch nicht ansehen. Ich Respektierte ihre Privatsphäre und lies meine Sinne bei den Jungs.

"Da geht noch was, das sag ich euch.", meinte der Eine.

"Ja, die Chicas sind scharf, die machen wir klar. Aber deine hat wohl kein Interesse. Da musst du wohl schwerere Geschütze auffahren, wenn du die noch klarmachen willst, Dave.", sagte der etwas kleinere.

Dave grinste fies und bestellte sechs Bier. Sein Grinsen wurde noch fieser als er ein kleines Flächen aus der Hosentasche zog.

"Da muss wohl meine Geheimwaffe ran.", sagte er zynisch und goss ein paar tropfen in eine der Flaschen. Dann lachte er höhnisch und die anderen fielen in sein Lachen ein. Eh ich noch darüber nachdenken konnte hatte mein Körper schon reagiert. Ich stürzte durch Haus und saß keine zwei Sekunden später in meinem Wagen. Es war wie Splitscreen im Fernsehen, ein kleiner Teil meiner Wahrnehmung und meines Geistes steuerte den Wagen in halsbrecherischem Tempo zum Campus, während der größte Teil meiner Aufmerksamkeit auf der Party war. Die Mädels kamen wieder zurück.

"Ich hab uns noch was zu Trinken besorgt.", meinte Dave zu ihnen und drückte jeder ein Bier in die Hand, wobei er darauf achtete das sie die präparierte Flasche bekam.

Meine Wut kochte über. Ich reis ihn ganz langsam in Stücke und dann verbrenn ich seine Einzelteile, nein ich bind ihm eine Kette um und schau mal wer schneller laufen kann. Tausende von Möglichkeiten ihn in die Hölle zu schicken gingen mir durch den Kopf.

Sie hob die Flasche an und wollte gerade trinken.

"Nein, trink das nicht!" schrie ich in meinem Kopf.

Ihre Augen weiteten sich und die Flasche glitt ihr aus der Hand und zerbrach in tausend stücken auf dem Boden. Dave schaute angewidert nach unten. Seine teure Designerhose war mit Bier besudelt.

Ich erreichte den Parkplatz und schoss im sehrschnellen Menschentempo auf den Eingang zu.

"Kannst du nicht aufpassen, du blöde Kuh.", fuhr er sie wütend an.

"Du spinnst wohl, weist du wie teuer die war?"

Ich schlängelte mich im hohen Tempo durch die Feierden zur Bar.

Dave schrie sie weiter an und legte ihr seine Hände auf die Schultern als wollte er sie durchschütteln.

Jetzt sah ich sie auch so und ließ meine Gabe fallen. In ihrem Gesicht lag Angst, Hilfe suchend sah sie sich um. Dann traf sich unser Blick und sie lächelte mich an. Das traf mich bis in mein gefrorenes Herz.

Noch zwei Schritte und ich war hinter ihm und klopfte ihm auf die Schulter.

"So geht man nicht mit einer Dame um.", meinte ich voller hass.

Wütend wirbelte er herum, man war der langsam und starte mich von oben an, seine zwei Kumpels stellten sich rechts uns links neben ihn. Um uns herum zogen sich die Menschen, in Erwartung einer Schlägerei zurück.

"Krümmer dich um deine Kram Kleiner, sonst gibt's was auf Maul.", funkelte er mich von oben an. Sein Kumpel lies warnend die rechte Faust in die linke Hand klatschen.

Mordlust lag in meinen Augen, ich bleckte die Zähne und ein leises knurren entstieg meiner Kehler als ich einen Schritt auf sie zumachte.

Alle Selbstsicherheit wich von ihnen und pure Angst lag auf ihren Gesichtern. Sie wichen vor mir zurück, der linke rutsche aus und krachte gegen die Theke. Bei Dave gesellte sich zu den Flecken an seinen Beinen noch ein großer feuchter Fleck in seinem Schritt, vom dritten stieg ein Duft auf als hätte sich sein Darm entleert. Angewidert zog ich die Nase kraus. Hinter mir ertönte schallendes Gelächter aus mehreren Kehlen.

"Schau nur der große Mann hat sich in die Hose gemacht."

"Der Kleine hat es denen aber gezeigt," meinte ein Andere.

Mit hochroten Köpfen, machten Dave und seine Kumpane sich, vom johlenden Gelächter der anderen Partygäste begleitet, davon.

Nur gut das ich mit dem Rücken zu den anderen Gästen gestanden hatte, so hatten sie wohl nicht gesehnen was den dreien solche Angst gemacht hat und die die es gesehen hatten würden es beiseite schieben, so arbeitete ihr Verstand halt, was nicht sein kann das gibt es auch nicht. Die pure Verdrängung. Ich schaute sie an, ihre Augen waren weit aufgerissen und ihr Mund stand weit offen. Na, klassen wenn ich ihr heute Mittag keine Angst gemacht hatte, dann wohl jetzt. Prima, gut gemacht. Weiter so, du sagst den anderen wir sollen nicht auffallen und du rastest am ersten Abend aus. Sag endlich was.

"Sandy, geht es dir gut?", sagte ich ganz sanft zu ihr, sie sollte sich nicht vor mir fürchten.

Sie löste sich aus ihrer starre und strahlte mich an.

"Ja, alles bestens. Danke."

"Du solltest jetzt besser nach Hause gehen.", sagte ich in einem Ton der keinen Widerspruch zuließ.

Sie legte ihren Kopf leicht schräg und kicherte als hätte ich einen Witz gemacht.

"Sir, jawohl, Sir", kam es leicht spötteln von ihr.

Sie ging an mir vorbei Richtung Ausgang, blieb aber nach drei Metern stehen und schaute mich fragend an.

"Was?"

"Nun ich dachte du würdest mich begleiten damit ich auch sicher Zuhause ankomme.", das war keine Frage, das war eindeutig eine Aufforderung. Oh, man die macht mich noch fertig.

"Gut, dann komm.", sagte ich resigniert und ging zum Ausgang.

Schnellen Schrittes gingen ich zu ihrem Wohnheim, sie musste fast rennen um mitzukommen. Ich sagte kein Wort. Ich war noch viel zu durcheinander. Wieso hatte ich mich hier eingemischt? So was passiert tausendfach jeden Tag, das hat mich bis jetzt noch nie Interessiert. Menschenahngelegenheiten sind für Menschen da, nicht mein Business. Meine Familie schützen das ist mein Business, aber so bring ich sie nur in Gefahr. Plötzlich standen wir vor ihrem Wohnheim und ich drehte mich zu ihr um, da waren sie wieder diese großen blauen Augen und strahlten mich an. Die Erkenntnisse traf mich wie ein schlag, ich könnte es nicht ertragen wenn ihr was zustoßen würde. Warum wusste ich nicht. Nur das es so war. Aber die größte Gefahr hier, war ich. Es wäre also besser wenn sie sich von mir fernhielt.

"Die Treppe kommst du ja wohl allein hoch.", kann es sehr unhöfflich und genervt von mir. Ich drehte mich auf der stelle um und wollte fortgehen.

"Warte!"

"Was?"

"Wie heißt du eigentlich?", diesmal lag ein flehen in ihren Augen wie bei einem Hundewelpen wenn er ein stück Wurst haben möchte.

"Bruce.", antwortete ich und verschwand in der Nacht.

"Bruce, wie schön.", hörte ich noch leise hinter mir.

Ich wollte Dave noch einen Besuch abstatten, aber erst musste ich mir noch ein Alibi zulegen, nein ich würde ihn nicht umbringen, aber sicher ist sicher. Ich startete meinen Wagen und fuhr zum Highway Richtung Concord, zwischen Hanover und Concord fand ich was ich suchte, ein kleines Motel direkt an der Straße. Ich parkte direkt vor der Rezeption und ging rein.

"Schönen Wagen fahren sie da, ist das ein R8?", fragte der junge Mann hinter dem Tresen.

"Ja, fährt sich Klasse, haben sie noch was frei für eine Nacht?"

"Die Acht ist noch frei.", sagte er und griff nach hinten und reichte mir den Schlüssel und das Anmeldeformular, "Macht 30$, Sir.".

Ich füllte das Formular aus und reichte ihm die 30 Mäuse.

"Bis wann arbeiten sie?"

"Bis morgen um 10, wieso?"

Ich nahm eine 100$ Note, riss sie in der Mitte durch und reichte ihm eine Hälfte.

"Wenn sie heute Nacht ein Auge auf mein Auto werfen und morgen kein Kratzer dran ist bekommen sie die andere Hälfte."

"Alles klar Chef niemand wird das Schmuckstück anfassen. Kann ich ihnen sonst noch behilflich sein? Was zu trinken, oder suchen sie nach einer Begleitung, oder was auch immer?"

"Nein, danke."

"Na, dann gute Nacht und sollten sie doch noch was benötigen einfach die Eins wählen, wenn sie raustelefonieren wollen die Null vorwählen.", meinte er fast kriecherisch.

Ich nickte nur und ging zur Acht, hing das bitte nicht stören Schild außen an die Tür und schloss von innen ab. Gut der würde sich an mich und meinen Wagen erinnern. Ich war jetzt 150 KM von Dartmouth entfernt, das würde Ausreichen. Ich kelterte durchs Fenster und rannte Richtung Hanover. Mein Geruchssinn führte mich in eine ziemlich miese Gegend, die Strassen waren voll Gesindel aber hier fand ich was ich suchte. Ein etwa 16 jähriger Ganger stand am Straßenrand und ging seinen Geschäften nach. Ich ging auf ihn zu und er schaute mich skeptisch von oben bis unten an. Ja, klar er kannte mich nicht und ich war zu gut gekleidet um in dieser Gegend zu fuß unterwegs zu sein.

"Was willst du?", fragte er und seine Hand fuhr nach hinten in seinen Hosenbund. Ich schaute mich um, keiner zu sehen. Ich machte zwei schnelle Schritte auf ihn zu und griff seine Hand und hielt sie mit eisernem Griff fest.

"Immer mit der ruhe Kleiner und niemand wird verletzt.", meinte ich und nahm mit der anderen Hand seine Pistole und warf sie hinter ihm über den Bretterzaun.

"Schon gut.", jammerte er kleinlaut als ich seine Hand wieder los lies und fuhr sich mit der anderen über sein Handgelenk wo sich eine großer blauer Fleck bildete.

"Ich brauch Pillen."

"Eine 30, fünf für 100."

"Wie wäre es wenn du mir einfach alles gibst was du hast und ich vergesse das du eben sehr unhöfflich warst."

Ich schenkte ihm mein schönstes Raubtierlächeln. Zitternd griff er in seine Hosentasche und holte zwei Beutel raus. In dem einen waren Tütchen mit einzelnen und in dem anderen mit je fünf Pillen. Ich nahm sie an mich.

"Ist das alles?"

Er nickte stumm und ich gab ihm einen leichten Schlag an die Schläfe. Er sackte weg, morgen würde er schreckliche Kopfschmerzen haben aber leben. Während ich nach Dartmouth rannte konzentrierte ich mich auf mein Ziel. Ich fand Dave in seiner Wohnung, es war ein typisches Angeberappartement für Söhne reicher Eltern. Er hatte sich umgezogen und stand mit einem Karton Bier, an seiner Eingangstür. Er ging aus der Wohnung die Treppe nach oben aufs Flachdach wo ein schöner kleiner Garten mit Sitzgelegenheiten angelegt war. Perfekt dachte ich.

Fünf Minuten später war ich bei seinem Haus. Ich vergewisserte mich noch mal wo er sich befand und das die Wohnung leer war, dann sprang ich geräuschlos auf seinen Balkon im zweiten Stock. Die Tür war nur angelehnt. Ich schlich wie eine Katze rein und deponierte die Drogen. Alle bis auf fünf Pillen, die brauchte ich noch. Ich ging wieder auf den Balkon und hüpfte aufs Dach. Dave stand auf der anderen Seite und schaute auf einen kleinen Park. Leise bewegte ich mich auf ihn zu und erstarte anderthalb Meter hinter ihm zu einer Statur.

Ich konnte jeden Herzschlag hören, seine Körper strahlte eine feuchte Hitze aus, ich roch sein Blut und sah es an den Adern, unter seiner dünnen Menschhaut, am Hals pulsieren. Meine Kehle stand in Flammen. Doch die Vorstellung sein Blut zu trinken ekelte mich an. Selbst wenn ich die Beherrschung verlieren und ihn töten würde, war der Gedanke etwas von ihm in mir zu haben absolut abstoßend.

Innerhalb einer Stunde trank er fünf Bier. Abwechselnd fluchte er, zitterte und murmelte vor sich hin, dass er mich umbringen würde. Er beleidigte meine Mutter, er verwünschte Sandy. Ein Lufthauch kam vom Park herüber geweht, sein Geruch hatte etwas Unangenehmes und erinnerte mich an ein Feld das frisch gedüngt war, überlagert von Alkohol und Angstschweiß. Dann drehte er sich endlich um, sein Gesicht war gerötet und die Augen glasig vom trinken. Sein Verstand braucht ein paar Sekunden um zu begreifen wer vor ihm Stand. Sein Gesicht wurde zu einer angstverzehrten Maske und er torkelte zurück, ohne das hüfthohe Geländer rund um den Dachgarten wäre er wohl runter gefallen. Noch mehr Angstschweiß und der Geruch von Urin, zogen mir entgegen. Nicht schon wieder dachte ich, kann dieser Mensch seine Körperflüssigkeiten den nie bei sich behalten. Angewidert verzog ich die Nase.

"Kauf dir doch mal Windeln, wenn du schon nicht weißt wie man eine Toilette benutzt. Das ist ja widerlich!", stieß ich angeekelt hervor.

Voller Panik starte er auf mich. Ein Grinsen legte sich auf meine Züge, aber darin lag nichts Freundliches. Dann stieß ich zu. Während einer Achtelsekunde hatte ich die Distanz zwischen uns überwunden, ihn mit einer Hand am Hals gepackt und auf die Knie gezwungen. Ein stöhnen entwich seiner und eine tiefes Knurren meiner Kehle. Bei ihm wich die Panik und machte Todesangst platz.

" Was … was … bist … du? … Was … willst … du? Nein … ich … will … noch … nicht … sterben….", stotterte er vor sich hin Tränen schossen aus seinen Augen.

"Ich bin dein schlimmster Alptraum, das bin ich und ich wollte mich mit dir über Damen unterhalten." Meine Stimme klang sehr freundlich fast mitfühlend aber mein Blick strafte sie Lügen. Er fing am ganzen Körper an zu Zittern, es kam mir vor als würde er auseinander fallen.

"Ich hab genau gesehen was du mit ihrem Bier gemacht hast. So was macht man doch nicht. Frauen behandelt man mit Respekt und Höfflichkeit. Wenn man abgewiesen wird zieht man sich mit freundlichen Worten zurück, oder hat dir deine Mutter das nicht beigebracht?"

"Ja, hat sie."

"Und warum hörst du dann nicht auf sie? Ach weißt du was, ich behalte dich einfach im Auge und solltest du noch einmal zu einer Frau unhöflich sein, komme ich wieder und dann führen wir ein sehr langes Gespräch über Anatomie. Ich werde dir dann zweigen wo jeder einzelne Knochen in deinem Körper sitzt, dir den lateinischen Namen nennen und anschließend zertrümmern." Ich machte eine Pause um das gesagte sacken zu lassen.

"Haben wir uns verstanden?"

"Ja.", kam es von tränen erstickt von ihm.

Ich erhöhte den Druck meiner Hand an seiner Kehle. "Ich versteh dich so schlecht bitte etwas lauter oder sollen wir das Gespräch jetzt führen?"

"Ja, ich hab dich Verstanden.", schrie er fast.

Ich fuhr mit der freien Hand in meine Hosentasche, zog das Tütchen mit den Pillen raus und hielt sie ihm vor die Nase. Entsetzt starte er auf die Pillen.

"So jetzt machen wir brav den Mund auf oder soll der böse Mann nachhelfen?", fragte ich voller Sarkasmus.

Widerwillig öffnete er seinen Mund. Ihm die Pillen in den Rachen zu schütte, das letzte Bier aus dem Karton nehmen, die Flasche öffnen, die Hand von der Kehle nehmen, seine Nase greifen den Kopf nach hinten zu drücken und die Flasche an seinen Mund zu setzten dauerte keine Viertelsekunde. Als das Bier in seine Kehle schoss schluckte er ganz automatisch, dann ließ ich die leere Flasche zu Boden fallen und sie zerbrach in tausend Stücke.

Ich zog ihn auf seine Beine. Schlug ihm gezielt auf beide Oberschenkel, Knie und Unterschenkel. Man hörte ganzdeutlich wie die Knochen brachen, aber ich hatte meine Schläge gut dosiert es kam zu keinen offnen Brüchen. Ich weiß nicht ob meine Selbstbeherrschung groß genug gewesen wäre, ihn nicht zu töten wenn Blut geflossen wäre. Ich legte ihm eine Hand vor den Mund um seine Schrei zu dämpfen. Diesmal musste ich ihn mit der anderen Hand festhalten, mit so zerschmetterten Beinen kann niemand stehen. Wieder war nur eine Viertelsekunde vergangen.

Als sein Schrei in ein wimmern überging schaute ich ihm noch mal tief in die Augen.

"Ach solltest du mich irgendwie erwähnen komm ich auch wieder!" meinte ich ganz beiläufig und hielt ihn weiter fest.

Schmerz und Angst waren zuviel für ihn. Sein Körper erschlafft und er verlor sein Bewusstsein. Ich wartete solange bis ich roch das die Drogen sich in seinem Blut verteilt hatten. Ich schnupperte, lauschte und sah mich um, ob auch niemand im Park war, dann nahm ich ihn auf und sprang leichtfüßig vom Dach. Unten legte ich ihn so, dass es aussah als wäre er runter gefallen, nahm sein Handy und wählte den Notruf. Ich verstellte meine Stimme, ich klang jetzt wie der kleinere seiner Freunde von der Party und nannte die Adresse.

"Nennen sie mir bitte ihren Namen, Sir?!", sagte die Telefonistin geschäftsmäßig.

"Hören sie mein Freund hat geschrieen ich kann Fliegen und ist vom Dach gesprungen.", sagte ich mit gespielter Panik.

"Ist er bei Bewusstsein?"

"Nein, er hat den ganzen Abend getrunken und Pillen geworfen, kommen sie schnell er liegt hinter dem Haus."

"Ich schicke ihnen die Polizei und einen Rettungswagen, Sir. Wie ist ihr Name, Sir?!"

Ich legte auf und rannte zurück zum Motel. Dort angekommen schaltete ich als erstes den Fernseher ein und wählte den Lokalen Wetterkanal. Der Morgen sollte stark bewölkt sein, für den Nachmittag sprach man von leichten Aufheiterungen, für die nächste Woche wurde der Durchzug einer größeren Schlechtwetterfront mit Dauerregen angekündigt. Na, wenigstens etwas, gutes Wetter. Ich ging unter die Dusche und stellte mich sehr lange unter das heiße Wasser. Eigentlich brauchte ich nicht zu duschen, mein Körper konnte ja nicht mehr schwitzen und beschmutzt hatte ich mich auch nicht, aber heißes Wasser fand ich schon immer entspannend. Aus lauter Gewohnheit legte ich mich aufs Bett und lies den Abend revue passieren. Sie zu beschützen, nein nicht sie sondern Sandy zu beschützen war Richtig. Bei der Erinnerung an ihre Augen und den klang ihrer Stimme durchlief mich ein wolliger Schauer. Dave zu bestrafen war notwendig und irgendwie befriedigend. Man der konnte von glück reden das ich mich beherrschen konnte, lachte ich innerlich. Doch ich hatte auch Fehler begangen. Ich hatte mich auf der Party wie ein Vampir benommen, ich hatte sie mit ihrem Namen angesprochen, obwohl ich den gar nicht wissen dürfte und ich war schnurstracks zu ihrem Wohnheim gegangen ohne zu fragen wo sie wohnt. Wo war nur mein Verstand geblieben? Solche Fehler zu begehen sah mir gar nicht ähnlich. Warum war ich so durcheinander, wenn es um sie ging? Das mit dem Namen und dem Wohnheim ließ sich leicht vertuschen, wenn sie fragte konnte ich immer noch behaupten ich hätte mich über sie informiert. Den Ausraster auf der Party müssten wir im Auge behalten. Wir würden die Gespräche, der anderen Studenten genau belauschen und so schon erfahren was getuschelt wird. Wir würden jedenfalls erstmal bleiben.

Ich konzentrierte mich wieder auf sie und fand sie in ihrem Bett. Ihr Schlaf war ganz ruhig, sie sah so friedlich aus. Eigentlich wollte ich nur kurz schauen ob es ihr gut ging, doch ich konnte mich von ihr nicht losreißen. Unser Verstand ist schon seltsam, einerseits ist es uns möglich die komplexesten Dinge zu tun, eine Unterhaltung auf höchsten Niveau zu führen, einen detaillierten Plan auszuhecken, unregelmäßige Verben zu deklinieren und das alles gleichzeitig. Da war soviel Platz. Andererseits waren wir so leicht abzulenken und verloren uns in Kleinigkeiten.

Der Wecker an meinem Handy klingelte. Ich ließ meine Gabe fallen und ging zur Rezeption.

"Guten morgen, Sir.", meinte der junge Mann hinter dem Tresen als ich zur Tür rein kam. "Ich hoffe sie haben gut geschlafen. Ihrem Auto ist nichts passiert, keiner hat es angerührt."

Ich reichte ihm den Schlüssel und die versprochne zweite Hälfte des Hunderters. "Danke und schönen Tag noch."

Beim Anblick des Geldes bekam er ein zufriedenes Grinsen, schnell verschwand der Schein in seiner Hose. Ich drehte mich um und ging zu meinem R8, von hinten hörte ich noch: "Ebenfalls und beehren sie uns bald wieder. Haben sie eine gute Reise."

Ich sprang in meinen Wagen und fuhr nach Hause.