3. Drei Einladungen und ein Zeitungsartikel

Es war Montagnachmittag, heute würde also mein Studium beginnen, ich wäre mal wieder der Neue und wie früher. Mein Vater war Sergeant bei der US-Army und als ich ein Kind war, in den späten 40ern und den 50ern sind wir, alle zwei Jahre umgezogen. Auch wenn viele Erinnerungen an mein Menschenleben verblasst sind, an das Gefühl der Neue zu sein konnte ich mich noch gut erinnern. Man wird von allen angestarrt, manche mit Interesse doch die meisten mit Abneigung, wieder so ein Army-Blag das für kurze Zeit da war und wieder aus ihrem leben verschwinden würde, nicht wert um sich mit ihm abzugeben und fand ich Freunde so musste mein Familie wieder umziehen. Mit der Zeit hatte ich aufgegeben Freunde zu suchen, der ewige Abschiedsschmerz war es eh nicht Wert. Meine Brüder hatten es besser, sie waren alle viel älter als ich das Nesthäkchen und sie hatten mir wohl auch nie verziehen das ich geboren wurde und das Mutter dabei starb. Mutter, für mich war sie nur die Frau auf einem vergilbten Foto, für sie war sie der Schutz vor unserem überstrengen Vater, der auch Zuhause der Feldwebel vom Dienst war und ich hatte sie ihnen genommen. Das haben sie mir nie verziehen und es mich spüren lassen. Doch was konnte der kleine Junge dafür, dass er geboren wurde? Früh, hatte ich für mich die Welt der Bücher entdeckt, war mit Huck Finn den Mississippi runter gefahren oder mit Jack London dem Ruf der Wildnis gefolgt. Bücher waren für mich immer eine feste Zuflucht, hier fand ich Freunde die ich immer besuchen konnte. Doch meinem Vater war das ein Dorn im Auge, ich sollte Sport machen, Boxen war immer sein Favorit und wenn ich schon Bücher lesen wollte dann doch bitte Patton, von Clausewitz und ähnliche Werke über Krieg und Strategie. Ich sollte Soldat werden für ein Studium hätten wir eh kein Geld. Und jetzt begann ich mein Studium an einer der angesehensten Universitäten des Landes. Welch Ironie was mir als Mensch verwährt wurde, war für den Vampir ein leichtes gewesen.

Als ich aus dem Wagen ausstieg wehte mir eine Wolke, aufdringlich süßen Parfüms, gemischt mit Haarspray und Pfefferminzmundwasser entgegen. "Hey", kam es aus Richtung der Wolke. Ich drehte mich der Stimme zu. Dort stand einen sehr attraktive, nun ja für einen Mensch war sie attraktiv, Blondine, die eine Hand lag auf meinem Auto, die anderen hatte sie keck in die Hüfte gestemmt. Ihre teure Designerkleidung und ihr Auftreten deuteten eindeutig auf Tochter aus gutem Hause hin. Sie schenkte mir ein Lächeln, aber darin lag nichts warmes, jedenfalls für mich. Zu routiniert, zu aufgesetzt, es war diese Art Lächeln, das hübsche Frauen aufsetzen, wenn sie etwas wollen.

"Du bist Bruce McGregor, ich heiße Annabelle Stone, von den Bostoner Stones, ich bin der Kapitän der Cheerleader, wir haben am Samstag ne Party. Du bist hiermit eingeladen." Ohne auf meine Antwort zu warten reichte sie mir einen Briefumschlag aus schwerem Papier, auf das mein Name aufgedruckt war. Hauchte mir noch ein bis Samstag ins Ohr und stolzierte von Dannen. Ein Junge zwei Parkplätze neben mir schüttelte den Kopf und kicherte vor sich hin. Ich warf den Umschlag ungeöffnet auf den Beifahrersitz, schnappte mir meine Tasche und ging auf das Unigebäude zu. Cheerleaderparty, der Traum meiner eingeschlafenen Füße, schnaubte ich vor mich hin, ohne mich. Der Junge vom Parkplatz schlüpfte vor mir ins Gebäude, er schien es eilig zu haben, stand aber gelangweilt an einem Fenster und starte nach draußen als ich es betrat. Seltsamer Mensch dachte ich noch, als fünf Mädchen den Gang hinunter stolzierten als wäre es ein Laufsteg. Alle in Chanel, Prada und ähnlichem gekleidet, Marie hätte es sofort erkannt, sie war das Fashion Victom in der Familie. Mir war das immer egal aber sie bestand auf ‚ordentlicher Kleidung', man kann nicht mit Luxusautos rum fahren, in riesigen Häusern wohnen und sich dann in Lumpen kleiden, meinte sie immer wenn sie mich in die nächste Boutique schleppte. Eine große Dunkelhaarige ging in der Mitte, die anderen folgten ihr mit einem Schritt abstand. Ich musste innerlich lachen, das erinnerte mich zu sehr an ein Wolfsrudel das dem Leitwolf folgt. Automatisch machten ihnen die Menschen den Weg frei, einige Jungs starten ihnen mit offenen Mündern hinterher, während die Mädchen sie mit einer Mischung aus Hass und Neid von der Seite betrachteten. Zielgerichtet steuerte das Rudel auf sein Ziel zu, mich. Gut anderthalb Meter vor mir blieb die Dunkelhaarige stehen, ihr Rudel hielt exakt die Position hinter ihr. Ihr Lächeln war genauso verlogen und zielorientiert wie das der Blondine vom Parkplatz.

‚Was will den die?', dachte ich noch als sie mich ansprach.

"Hallo, ich bin Nancy O'Harra, von den O'Harras aus Provedence. Unsere Studentenvereinigung, gibt am Freitag eine Cocktailparty.", sie reichte mir einen Briefumschlag mit meinem Namen, " Wir erwarten dich pünktlich um acht." Sie drehte sich um und schritt von dannen. Ihr Rudel nahm wieder seinen Platz ein und folgte ihr. Eine Antwort von mir war wohl nicht nötig, wie hätte ich auch die 'Ehre' übersehen sollen von Nancy O'Harra persönlich Eingeladen worden zu sein. Ich warf den Briefumschlag in den nächsten Mülleimer. Ein kichern ließ mich aufhorchen. Es kam von dem Jungen vom Parkplatz, der jetzt zum gleichen Hörsaal wie ich ging. Der erste Vorlesung ging ereignislos vorüber. Bücherlisten, Arbeitsgruppen und ähnliches. Nur der Junge vom Parkplatz schaute immer wieder verstollen zu mir, wobei er sich offensichtlich königlich amüsierte. Was hat der nur? Ich betrachtete ihn etwas genauer. Er war um die 20, markantes maskulines Gesicht, Blonde Haare, sehr kurz fast ein Bürstenhaarschnitt, mit 1,80 hatte er fast meine Größe. Er war der sportliche Typ sowohl vom Body, als auch von der Kleidung. Auffällig war nur das er etwas Blas war. Nicht so Blas wie wir, mehr wie ein Mensch der die Sonne meidet um nicht Braun zu werden. Was soll es, einfach ignorieren.

Als ich nach Ende der Vorlesung auf den Gang trat hatte ich ein Déjà-vu. Nur das die Trägerin der edlen Kleidung und des unechten Lächelns diesmal nicht Blond oder Dunkelhaarig war, sondern langes feuerrotes Haar hatte das ihr in sanften Wellen über die Schultern fiel.

"Bruce McGregor," sprach sie mich an, "Ich bin Barbara Brown, von den Hartford Browns. Das Komitee zur Traditionspflege der Universität Dartmouth gibt am Samstag seine Semesteranfangsparty. Hier deine Einladung." Und schon wieder bekam ich einen Briefumschlag mit meinem Namen in die Hand gedrückt. Ich starte auf den Umschlag, was soll das ganze? Soll ich hier etwa zum Partylöwen gemacht werden? Und was wollten all diese Tussis von mir? Vielleicht sollte ich die Nächste einfach in aller Öffentlichkeit aussaugen, dann wäre wohl ruhe. Schade das das nicht in frage kommt. Grollte ich innerlich.

"Man sieht sich.", war alles was ich noch hörte als sie abzog.

Als wieder ein kichern zu hören war brauchte ich erst gar nicht zu suchen von wem es kam, das konnte nur dieser seltsame Junge sein. Ich beschloss ihn zur rede zu stellen, vielleicht konnte er ein bisschen Licht in diesen Irrsinn bringen, doch er war schon nicht mehr zu sehen. Die nächste Vorlesung war absolut Ereignislos und diesmal wurde ich auch nicht von irgendjemand zu irgendwas Eingeladen.

Ich machte mich auf zur Mensa, um mich mit meiner Familie zu treffen, als er mir über den Weg lief.

"Das scheint dich ja köstlich zu Amüsieren!", sprach ich ihn an.

"O ja, die Töchter des Teufels auf Beutefang zu beobachten ist immer Amüsant. Ich bin Robbert Lee.", meinte er schmunzelnd und reichte mir die Hand.

"Bruce McGregor, aber das weißt du wohl schon."

Ich ergriff seine Hand. Obwohl die meisten Menschen von unser kalten Haut überrascht sind, schreckte er nicht zurück. Sein Händedruck war überraschend kräftig und ein bisschen zu Warm, als hätte er leichtes Fieber. Und dann nahm ich seinen Geruch wahr, er war erdig und erinnerte an ein Weizenfeld im Frühjahr, aber das war nicht das Auffälligste. An ihm haftete ganz dezent der süßliche Geruch eines Vampirs. Sehr seltsam, ich hatte keinen fremden Vampir in der nähe Gewittert. Wo war dieser Mensch mit einem unserer Art zusammengetroffen. Denn ein Mensch war er, ich konnte ja sein Herz schlagen hören, die Wärme seines Körpers spüren, seinen Puls unter an seiner Kehle wahrnehmen und seine braunen Augen sehen.

"Einfach nur Lee, kein von den was weiß ich wo Lees?", fragte ich leicht vor mich hin als wir weiter zur Mensa gingen.

"Nun ja, wenn du mich so fragst", druckste er vor sich hin, "ich bin ein direkter Nachfahre von Old Bobby."

"Ah, der General endlich mal ein Name mit dem ich was Anfangen kann.", lachte ich und er viel in mein Lachen ein, "Und was hatte das jetzt mit dem Empfangskomitee durch die, wie nanntest du sie doch gleich, Töchter des Teufels auf sich? Muss ich jetzt Angst haben?"

"Tja, kommt drauf an. Wenn du dich mitten in einer Kriegszone wohl fühlst nicht."

"Und warum befinde ich mich mitten in einer Kriegszone?"

"Da muss ich wohl etwas ausholen. Wo fang ich jetzt an? Ah am besten mit den Familien. Die Stones, die O'Harras und die Browns sind alle alter New England Geldadel, angeblich haben alle Vorfahren die auf der Mayflower in die Neue Welt kamen. In allen Familien ist es Tradition die Kinder nach Darthmouth zu schicken und das Wichtigste sie führen schon seit Generationen einen Kleinkrieg gegeneinander."

Wir waren mittlerweile an der Essenausgabe angelangt. Robbert bestellte sich ein Steak mit Pommes und ein Wasser, während ich nur eine Dose Cola nahm. Getränkedosen sind so praktisch, man kann so tun als ob man Trinkt ohne das es auffällt, dass man es doch nicht tat. Probier das mal mit Gläsern oder Flaschen.

"Hast wohl keinen Hunger?", meinte er, als ich mit meiner Dose zur Kasse ging.

"Nein, nicht wirklich bei uns wurde nie nach fünf gegessen, ist so ne Familientradition."

"Na, wenn das so ist.", meinte er skeptisch.

Wir gingen zu einem der freien Tische am Rande der Mensa. Er fing an zu essen und ich nippte an meiner Cola.

Zwischen zwei Bissen begann er wieder zu reden.

"Wo war ich stehen geblieben ach ja beim Kleinkrieg, das aus allen drei Familien zurzeit Töchter hier studieren, hat den natürlich wieder angefacht. Keine gönnt der anderen die Butter auf dem Brot und jetzt bist du halt das lohnende Ziel um das gekämpft wird."

"Warum bin ich das lohnende Ziel?" Es gefiel mir gar nicht hier in eine Familienfede rein gezogen zu werden, ich brauchte mehr Informationen.

"Nun bis zum Wochenende war Dave, der Auserwählte, aber nachdem der ja zugetrönt vom Dach gefallen ist, scheidet der ja aus."

"Gut, aber was hab ich damit zu tun?"

"Also pass auf, alle drei wollen Ballkönigin auf dem Winterball werden, dafür ist aber die passende Begleitung absolut notwendig und da kommst du ins Spiel."

Bitte was? Ich soll die Schnepfen zum Winterball begleiten weil sie dachten, mit mir hätten sie bessere Chancen aufs Krönchen. Ohne mich, kommt gar nicht in Frage.

"Passende Begleitung wie kommen die da auf mich?"

"Nun, dein Auftritt von Samstagabend ist nicht unbemerkt geblieben. Dave ist oder besser war zwar der Starverteidiger der Big Green, aber die Leute haben ihn mehr gefürchtet als respektiert und dann kommst du an fährst ihn kurz an und er pisst sich aus Angst in die Hose. Der Spruch muss gut gewesen sein, kannst du mir den mal bei Gelegenheit beibringen?"

"Bei Gelegenheit, aber jetzt erstmal weiter."

"Dave ist offen gesagt ein Arschloch, er hat vielen böse Mitgespielt und wenn ihm sein Status als Spieler nicht aus der Patsche geholfen hat, dann war Papa mit seiner dicken Brieftasche und den dazugehörenden Beziehungen da und hat alles geregelt. Keiner hat sich mehr getraut was zu sagen und dann kommst du rettest eine Maid in Nöten, machst ihn absolut lächerlich und er zieht auch noch mit eingezogen Schwanz ab. Das war zu köstlich. Viele haben sich königlich Amüsiert und deinem Ansehen hat das ganz bestimmt nicht geschadet. Das und natürlich die offensichtlichen Gründe machen dich zur passenden Begleitung."

"Von welchen offensichtlichen Gründen reden wir hier?"

Er schaute mich an als hätte ich ihm eine völlig überflüssige Frage gestellt und wollte mich über ihn lustig machen, mir war es aber todernst. Ich musste wissen was er unter offensichtlichen Gründen verstand.

"Willst du mich verarschen?", fragte er leicht verärgert, "Du hast offensichtlich genügend Kohle, fährst nen deutschen Sportwagen und dann noch dein Aussehen, auch wenn du wohl ein bisschen mehr schlafen solltest. Du bist echt Blass, weist du."

"Nun, gut zu wissen. Da hoff ich für die Ladys, dass sie noch einen Plan B haben, denn ich werde auf keinen Fall einen von ihnen begleiten."

"Stell dir das nicht so leicht vor, so schnell geben die nicht auf. Ach, an der Essensausgabe ist die Kleine vom Samstag, in Begleitung einer atemberaubenden Brünetten, die die ganze Zeit zu uns rüber sieht."

Ich dreht mich leicht um. An der Essensausgabe stand Sandy und unterhielt sich angeregt mit Marie. Verdammt musste das jetzt auch noch sein? War die Situation nicht schon kompliziert genug? Marie winkte mir zu und ich verzog kurz mein Gesicht, dann drehte ich mich wieder Robbert zu.

"Das ist nur meine kleine Schwester.", sagte ich so beiläufig wie möglich.

"Deine kleine Schwester ? Wow, die musst du mir unbedingt Vorstellen.", kam es aufgeregt von ihm.

"Na, die kommt ja gleich her, dann lernst du sie ja kennen, aber mach dir keinen Hoffnungen."

Ich hatte den Satz gerade zu ende gesprochen als sich neben mir jemand auf den Stuhl fallen ließ. Ich brauchte gar nicht hin zu sehen. Ich hatte ihn schon lange an seinem Geruch erkannt.

"Hey Bruce."

"Hey Eddie, das ist Robbert.", ich deutete mit dem der Hand zu Robbert und dann zurück zu Eddie, "Robbert, das ist mein Schwager Eddie."

Bei dem Wort Schwager zuckte es kurz in seinem Gesicht, er hatte wohl verstanden warum er keine Chance bei Marie hatte.

"Hey Robbert.", kam es von Eddie einsilbig, er hatte natürlich gehört das Robbert Interesse an seiner Marie hatte und das mochte er überhaupt nicht.

"Hey.", kam es von Robbert, dann schaute er von mir zu Eddie und dann zu Marie, die in Begleitung von Sandy zu unserem Tisch kam und schüttelte den Kopf. "Sag mal, haben die euch früher irgendwas ins Essen gemischt oder warum seht ihr alle so … gut aus, oh Mann ich kenn ne menge Leute die würden töten um so auszusehen."

Eddie und ich fingen gleichzeitig an, aus vollen Hals zu lachen, während Robbert uns fragend ansah. Es war doch immer wieder köstlich wie Menschen auf unser Aussehen reagieren, aber das war gar nicht das lustigste an seiner Bemerkung. Unbewusst hatte er den Nagel auf den Kopf getroffen, man musste töten, um so auszusehen.

"Was ist den hier so lustig?", erklang Maries glockengleiche Stimme. Ohne auf eine Antwort zu warten beugte sie sich zu Eddie runter und küsste ihn leidenschaftlich, dann schaute sie auf und fragte: "Also wie lautet der Witz?"

Ich deutete auf Robbert. "Robbert hier meinte das manche Leute für unser Aussehen töten würden."

Marie ließ ihr helles Lachen erklingen und zwinkerte Robbert zu. "Ja, manche Menschen würden das wohl.", dann wand sie sich mir zu, "Ach schau mal wenn ich in meinem Literaturkurs kennen gelernt habe." und lächelte Sandy an, die gerade um den Tisch schritt, um sich mir genau gegenüber niederzulassen.

"Hallo Bruce.", kam es leicht schüchtern von ihr.

"Hallo Sandy.", zu mehr war ich bei ihrem Anblick nicht in der Lage.

"Ihr kennt euch schon?", kam es überrascht von Marie.

"Ja, dein Bruder war so freundlich mir am Samstag bei einem recht unfreundlichen Kerl zu helfen, er kann ganz schön einschüchternd sein."

"Davon hast du uns ja gar nichts erzählt.", tadelte mich Marie neckisch.

"Du musst auch nicht alles wissen, Schwesterchen." , antwortete ich ihr leicht süffisant und grinste sie an, dann wand ich mich wieder Sandy zu.

Unsere Blicke trafen sich und ich war gefangen von ihren blauen Augen, wieder einmal. Alles andere trat in den Hintergrund, war nicht mehr vorhanden, ich nahm nur noch ihr Gesicht wahr. Da war soviel das ich noch nicht wahrgenommen hatte. Die kleinen Grübchen die sich bildeten wenn sie lächelte, ihr leicht dunkler Teint, die kleine Narbe unter ihrem linken Auge, so fein das sie ein menschliches Auge gar nicht wahr genommen hätte, der perfekte Schwung ihrer Lippen und dann diese Augen. Große, dunkel Blau mit einem haarfeinen tiefgrünen Kreis außen und von vollen Wimpern umrandet. Auch ihren Geruch, ach was Geruch, Duft nahm ich zum ersten Mal richtig wahr. Er erinnerte mich an einen meiner Lieblingsplätze, eine kleine Bucht am Nordmeer im Frühjahr. Wenn Eis und Schnee sich zurückgezogen haben, auf den Salzwiesen die ersten Blumen ihre Blüten öffnen und eine leichte Briese würzig salzige Luft vom Meer rüberweht, klar und rein. 'Und was meinst du erst wie gut ihr Blut schmeckt?', meldete sich das Monster in mir. 'Schnauze!', war alles was ich ihm antwortete, für mehr hatte ich keine Zeit, ich musste dieses Wunder vor mir betrachten. Solange wie möglich genießen, bevor es sich in Rauch auflöst, denn das würde es, dessen war ich mir sicher, so was konnte nicht existieren. Ich weiß nicht wie lang ich sie angestarrt habe, doch plötzlich zogen sich ihre Augenbrauen zusammen und zwischen ihnen bildete sich eine kleine Falte, wie süß und ihre Augen zogen sich zu schlitzen zusammen.

"Was ist?" fragte sie scharf.

Verträumt und vertrottelt wie ich war legte ich den Kopf leicht schräg und lächelte sie an.

"Ich denke gerade, dass das zauberhaft schöne Blau deiner Augen, den perfekten Kontrast zu deinem Teint und deinen schönen Haaren bilden. Du bist wunderschön."

Bei zauberhaft wurde ihr Herzschlag unregelmäßig, um dann sich dann bei wunderschön zu einen Trommelwirbel zu steigern, Blut schoss in die feinen Adern in ihrem Gesicht und sie wurde rot. Überrascht schaute sie mich mit großen Augen an um dann verlegen ihren Blick zu senken.

"Zauberhaft, perfekt, wunderschön, warum sagt der so was? Das ist doch gar nicht wahr! Marie ist wunderschön, ich nicht! Warum macht der sich über mich lustig?", grummelte sie so leise vor sich hin, dass es ein Mensch nicht gehört hätte.

Erst da wurde mir bewusst, dass ich meine Gedanken laut ausgesprochen hatte. Wäre es mir möglich gewesen rot anzulaufen hätte ich jetzt wie ein Heißluftballon in der Nacht geleuchtet, bei dem die Brenner auf voller Stufe laufen. Man war das peinlich. Warum konnte sich jetzt kein Loch auftun und ich darin verschwinden? Hilfesuchend schaute ich zu Marie, doch die sah mich nur überrascht an und wand sich sofort an Eddie. Hilfe war von da nicht zu erwarten. Ich wusste nicht was ich tun sollte, also schwieg ich. Sandy schaute nicht mehr auf und fing an mit ihrem Essen zu hantieren. Sie hatte auch ein Steak mit Pommes und einem kleinen Löffel Möhren. Ich war ja nicht mehr so ganz auf dem Laufenden was menschliche Essgewohnheiten angeht, aber vom Fernsehen wusste ich das die moderne Frau von heute eher Salate und leichte Kost bevorzugt, aber was weiß ich schon. Als sie ihr Steak aufschnitt war ich mir sicher das ihre vorlieben im Bezug auf Nahrung doch ein wenig ungewöhnlich waren. Ihr Steak sah aus als wäre man mit einem Bunsenbrenner einmal kurz über das rohe Fleisch gegangen, bevorzugten Menschen ihr Fleisch nicht zart rosa oder durch, gut es gab auch welche die es englisch mögen aber das war noch nicht mal englisch. Oh, man menschliches Essen war ja schon so was von eklig, aber das. Es schüttelte mich innerlich. Sie schnitt ein weiteres Stück ab, drückte mit dem Messer von oben auf das Fleisch, so das der ganze Saft auf den Teller lief und aß es genüsslich, dann schob sie die Pommes über den Fleischsaft damit sie sich schön voll sogen.

Das wurde mir dann doch zuviel.

Ich deutete auf das Steak. "Das solltest du besser zurückgehen lassen, das ist ja noch roh."

Sie schnaubte verächtlich und schnitt sich demonstrativ ein neues Stück ab. Dann hob sie die Gabel und funkelte mich böse an.

"Ich mag mein Fleisch gerne blutig. WAS dagegen ?"

Ich hob abwehrend die Hände und grinste sie an.

"Nein, ist ja dein Magen … aber du weißt schon das das kein Blut ist."

Sie knallte die Gabel auf den Teller und wand sich abrupt ihre Tasche zu, die auf dem Stuhl neben ihr stand.

"Besserwisser!", kam es leise von ihr, dann kramte sie eine Zeitung hervor und legte sie vor mich.

"Ließ das und lass mich in ruhe essen.", kam es leicht bissig.

Es war die Dartmouth Standart, die Uni-Zeitung. Sie hatte sie so gelegt das die letzte Seite oben lag. Dort war ein Bild von Dave im Trikot der Big Green, dem Uni-Footballteam. Daneben stand in großen Lettern:

Starverteidiger David Morgan schwer Verletzt!

Dartmouth. Die beliebte Nummer 86, David Morgan, Verteidiger der Big Green wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag schwer Verletzt hinter seinem Haus aufgefunden. Herr Morgan hat sich schwere Brüche an beiden Beinen zugezogen, als er vom Dach des Appartementhauses fiel, in dem seine Wohnung liegt. Nach noch unbestätigten Informationen stand Herr Morgan erheblich unter Einfluss von Alkohol und illegalen Betäubungsmittel als das Unglück geschah. Laut den behandelnden Ärzten, des Universitätskrankenhaus, ist sein Zustand stabil, die Beinverletzungen aber schwer. Auf die Frage, ob und wenn wann Herr Morgan wieder einsatzbereit ist, antwortete Coach Campell:

"Die Beinverletzungen von Herrn Morgen sind so erheblich das es zweifelhaft ist ob er je wieder Football spielen kann. Doch sollten sich die Vorwürfe über den Missbrauch von Betäubungsmitteln bestätigen ist das sowieso unerheblich. Dann wird er auch bei einer vollständigen Genesung nicht mehr das Trikot der Big Green tragen. Wir stellen hohe moralische Anforderungen an unsere Spieler."

Nach auffinden von Herrn Morgan, wurde seine Wohnung von der Polizei durchsucht und erhebliche Mengen illegaler Substanzen sichergestellt. Dazu Polizeichef Miller vom Hanover Policedepartment :

"Gegen 04:30 Uhr, ging bei unserer Dienststelle der Notruf einer unbekannten Person ein. Der Anrufer meldete eine bewusstlose Person im Batterie Park. Bei umgehend eingeleiteten Rettungsmaßnahmen wurde Herr David Morgan schwer Verletzt hinter einem Appartement- haus, in dem sich auch seine Wohnung befindet, aufgefunden. Nach Angaben des unbekannten Anrufers war Herr Morgan vom Dach ebendieses Gebäudes gefallen. Da der Verdacht bestand das Herr Morgan zum Zeitpunkt des Unfalls unter Einfluss illegaler Betäubungsmittel stand, wurde umgehend eine richterliche Verfügung zur Durchsuchung seiner Wohnung erwirkt. Bei der Durchsuchung des Appartements wurden erhebliche Mengen illegaler Substanzen sichergestellt. Es handelt sich dabei um Kokain, Ecstasy, Ruipnol besser bekannt als KO-Tropfen und diverser Dopingmittel zum Muskelaufbau. Da Herr Morgan noch nicht Vernehmungsfähig ist konnte er noch nicht zu den Tatvor- würfen befragt werden."

Auf Anfrage des Standards gab Dekan Houston folgende Stellungnahme ab:

"Die Universität Dartmouth bedauert den Unfall von Herrn Morgan. Unsere Gebete sind bei Herrn Morgan und seiner Familie. Wir hoffen das sich sein Gesundheitszustand bald bessern wird. Jedoch können wir auch nicht die Augen vor den erheblichen Vorwürfen gegen Herrn Morgan verschließen. Darum wurde Herr Morgan, bis zur endgültigen Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe durch das exekutiv Komitee der Universität, vorläufig Suspendiert. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und noch einmal alle Studierenden darauf hinweisen das an der Universität Dartmouth eine null Toleranz Politik in Bezug auf Drogen gilt."

Der Standart wird sie über den weiteren Verlauf im Fall Morgan auf den laufenden halten. Was der Ausfall von Herrn Morgan für unser Footballteam bedeutet erfahren sie in der morgigen Ausgabe.

Ich liebe es wenn ein Plan funktioniert, der hätte in nächster zeit anderes zu tun als Frauen zu belästigen, z.B. darauf zu achten das ihm keine Seife im Duschraum runter fällt, aber davor würde ihn sicher sein Daddy bewahren. Ein triumphierendes Lächeln zauberte sich kurz auf mein Gesicht. Sandy war immer noch mit ihrem Essen beschäftigt, von dem Rohfleisch war nichts mehr übrig und sie stocherte in den letzte Pommes herum, die Möhren hatte sie nicht angerührt. Ich wartete bis sie fertig wahr und sparte mir jeden weiteren Kommentar zu ihrer Mahlzeit. Keine Witze übers Essen war wohl auch bei Menschen ein guter Rat.

Als sie die letzte, mit Fleischsaft voll gesogene Pommes runter geschluckt hatte, sah sie mich schmunzelt an. "Und ?"

Ich deute auf das Bild und grinste. "Bösen Menschen passieren böse Dinge."

„Sera tamen tacitis Poena venit pedibus.", kam es kichernd von ihr.

Ich schaute sie erstaunt an. Seneca, wow, schön und belesen, was für ein wundersames Wesen.

„Probatum est.", war alles was ich noch sagen konnte und dann fingen wir an zu lachen.

"Kann mich mal jemand aufklären ich will mitlachen.", unterbrach uns Eddie.

"Sie meinte, spät kommt die Strafe leisen Schrittes."

„Worauf er sagte, es hat sich bewährt." und dann mussten wir wieder lachen.

„Versteh ich immer noch nicht.", kam es quengelt von Eddie.

„Du musst auch nicht alles verstehen.", sagte ich zu ihm und schaute auf meine Uhr und stand auf. „So ich muss dann mal, hab noch ne Vorlesung."

Dann schaute ich zu Sandy. „Du sitzt doch morgen wieder bei uns?"

„Wenn du das möchtest.", kam es wieder leicht verlegen.

„Ja, aber nur wenn du das auch möchtest. Überleg es dir. Bis morgen."

„Bis morgen.", kam es von ihr, ich lächelte sie noch mal an, dann drehte ich mich um und ging zum Unterricht.