2 - Große Aufgaben

Es war so lange her, dass Remus einen Freund gesehen hatte. Jemanden, an den er so gekettet war wie an Sirius, der ihn fröhlich machte in diesen monströsen Zeiten, jemand, der seine Verbindung zu seiner Vergangenheit war und ihn schmerzlich an die Maurauder-Zeiten und vor allem an James erinnerte – er sehnte sich nach jemanden der in ihm den Menschen sah so sehr...

„Setz dich wieder, alter Kumpel." Tatze hatte sich bereits auf einer zerbrechlich wirkenden Holzbank breitgemacht und deutete auf den danebenstehenden Stuhl. Glücklich tat er wie geheißen.

Alastor begann zu erzählen:

„Es gibt eine Menge an diesem Haus zu tun, aber man kann unmöglich mehr als die Hälfte der Mitglieder abzweigen. Deshalb schlage ich vor, dass die, die ohnehin nicht so erwünscht in der Gesellschaft sind, hierbleiben und helfen während alle anderen mit beteudenderen Positionen", Moody deutete auf Kingsley, andere Ministeriumsangestellte, Lehrer und Bill, „ihre Aufträge verrichten."

„Ohnehin nicht erwünscht? Ich hetz dir gleich nen Crucio auf den Hals", murrte Sirius, eingeschnappt darüber, dass er wohl zur Hausarbeit eingeteilt wurde. Er lachte.

„Das hab ich gehört, Tätzchen", schnauzte Alastor daraufhin.

„Ruhig!", rief Dumbledore, „wir sind hier doch nicht im Tollhaus! Ich finde Mad-Eye hat Recht. Sirius, Remus, Molly, Fleur und Hestia werden helfen, unser Hauptquatier zu vervollständigen. Das heißt ein paar Schutzzauber mehr könnten nicht schaden, der Apparier-Schutz muss auch noch verbessert werden. Kümmert euch am besten um das Wesentliche wie die Tarnung. Aufräumen und Entrümpeln könnt ihr wenn die Kinder da sind, das geht schneller." Albus hatte nicht mehr viel von seiner üblichen Eleganz und Höflichkeit. Er muss wirklich gestresst sein. Sonst blieb er doch in allen Situationen immer gelassen und nett... Voldemort wird mächtiger, dachte Remus besorgt.

„Ich persönlich werde mich vor meiner Abreise darum kümmern, das Bild von Frau Black zu entfernen. Wie ich höre scheint sie der Stimmung ziemlich zuzusetzen", fügte der Professor nun sanfter hinzu. Die pinkhaarige Frau wurde rot. „Tschuldigung", murmelte sie, "dieser dumme Trollbeinständer..." Meinte sie den Schirmständer, den der hagere Werwolf beim hineingehen fast umgeschmissen hatte? Oh ja, das konnte Gemälde sicherlich aufregen.

Für kurze Zeit färbten sich ihre Haare erdbeerfarben. Ein Methamorphmagus! Erwar positiv überrascht.

„Und jetzt sollten wir zum Hauptthema kommen", meinte Snape kalt und tat scheinbar gelangweilt. „Ich habe wenig Zeit."

„Das wissen wir alle, Schniefi. Du kannst deinen Riecher ja nicht oft genug in den Duft einer deiner Tränke halten", sagte Tatze gereizt. Lupin war nicht sehr überrascht von seiner Direkt- und seiner Gereiztheit – immerhin hasste sein alter Freund es, auf engem Raum festgehalten zu werden.

„Immernoch besser als nutzlos im Haus der Eltern zu hocken", konterte Snape kalt.

Remus fühlte sich eingeengt. Obwohl seine Symphatie dem Tränkemeister noch immer nicht versprochen war, hasste er Streit, ganz im gegenteil zu Sirius. In Tagen wie diesen legte er viel Wert auf Loyalität und Höflichkeit. Zusammenhalt war gefragt.

Die dunkle Seite schlich sich wieder in seine Gedanken. Seine dunkle Seite. Wenn er nicht mehr freundlich, menschlich war würde ihn die Bestie ganz beherrschen, sich mit ihren grausam reißenden Zähnen auf ihn stürzen und ihn zerfetzen. Wenn der Mond ihn einnahm kannte er keine Gnade – also musste er dafür sorgen, dass er in den Sonnentagen an seiner Menschlichkeit festhielt.

Niemals würde er so werden wie Greyback.

„Klappe", zischte nun auch Moody. Die Methormaphmagin und der junge Weasley hingegen wirkten amüsiert.

„Er hat angefangen", grinste Padfoot wie ein kleines Kind.

„Sirius. Wir wissen alle wie unser Konflikt aussieht, aber ich würde auch gerne zum Hauptthema kommen. Ich war noch nie bei einem Treffen seit der Wiederaufnahme des Orden des Phönix", bremste Lupin ihn höflich, aber sorgenvoll. Es drängte ihn, Neuigkeiten zu erfahren. Fast müde fuhr er sich durch die mausbraunen Haare, die an den Ansätzen bereits grau meliert waren.

Mad-Eye setzte sich auf dem Stuhl, an dem er bisher fast lässig gelehnt hatte, aufrecht hin. Fast angespannt begann er zu sprechen: „Voldemort wird stärker. Wir haben das alle bei meinem Zwischenfall", er hustete kurz, „bemerkt. Und es gibt Neuigkeiten. Voldemort hat eine Waffe, wie Dumbledore mir erzählt hat."

„Was ist es?", meldete sich nun auch die neugierig wirkende pinkhaarige zu Wort. Sie wirkte jung, fast verletzlich. Es überrascht mich nicht, wenn sie noch nie Tote gesehen hat. So unberührt von der schwarzen Seite des Schicksals...

„Wir glauben es ist eine Prophezeiung. Eine, die das Schicksal von Harry Potter und Du-weißt-schon-wem voraussagt."

„Das Ministerium", keuchte Arthur erschrocken.

„Genau", bestätigte Alastor. „Dort wird sie nun schon seit Jahren aufbewahrt. Aber wir wissen nie, wie weit die Macht von seinen Spionen reicht – ob er bereits einen Angriff plant."

„ Deswegen muss sie rund um die Uhr bewacht werden. Alle, die das tun können, sollten augenblicklich einen Wach-Plan erstellen. Auch in diesem Bereich könnten wir jede Hilfe gebrauchen", schloss Dumbledore. Fast weise schaute er zu Lupin herüber und blickte tief in seine Augen. Für dich habe ich noch eine ganz spezielle Aufgabe, schien er sagen zu wollen.

„Damit ist die Sitzung beendet. Remus, folgst du mir bitte?"

oOOOo

Lupin hatte großen Respekt vor dem Schulleiter.

Schon immer war er sein Vorbild gewesen - ein Element in seinem Leben, das ihn nicht wie einen Aussätzigen behandelte, im Gegensatz zu den meisten anderen Zauberern und Hexen.

Und seine Achtung wuchs noch mehr als Albus um ihn ernsthaft besorgt schien. „Wie waren die letzten Wochen, Remus? Wir haben uns so flüchtig gesprochen, ich konnte nie fragen wie es dir geht und ob du eine angemessene Stätte für deine..." Er suchte nach Worten.

„...Verwandlung in eine mörderisch zerreißende Bestie gefunden?", ergänzte der Werwolf mit bitterer Stimme.

„So würde ich es nicht ausdrücken. Egal was der Rest der Welt denkt, du bist kein Monster."

„Woher wissen sie das so genau, Sir? In einer Vollmondnacht würde ich selbst sie zerreißen wenn ich könnte." Lupin schmeckte den bitteren Geschmack von Galle auf seiner Zunge und fühlte sich furchtbar ausgetrocknet. Er hasste das ewige Weglaufen, aber dennoch musste er sich so verhalten – er musste sich fern von jeder menschlichen Beziehung halten um die anderen zu schützen.

„Und in jeder anderen Zeit bist du ein Mann. Edel und tapfer."

„Ich kann sie riechen, Professor. Ich rieche alles. Und ich höre sie mit ihrem Fingernagel gegen die Wand tippee einen Schläger auf einer Trommel. Meine Sinne sind auch jetzt unglaublich scharf und erinnern mich die ganze Zeit daran, dass ich eben nicht das bin was sie sagen. Ich habe immer einen dunklen Part in mir, egal was ich tue und wie herzlich ich mich auch verhalte."

Dumbledore schwieg eine Weile. Der Flur des riesigen Hauses strahlte eine ungewohnte Ruhe aus, die nach Verwesung und Vereinsamung klang – nicht einmal Mrs Blacks üblich Schnarchen war zu hören. Dann zog er seinen ehemaligen Schüler am Arm zum ersten Absatz der großen Holztreppe und gebot ihm, sich zu setzten, um es ihm danach gleichzutun.

„Weißt du, du bist ein wirklich mutiger Mann. Kaum jemand kämpft so energisch gegen die dunkle Seite wie du es tust – bis jetzt hast du jeden meiner noch so gefährlichen Aufträge angenommen und erfolgreich gelöst. Ich hoffe wirklich, die Meinung eines alten Mannes wie mir sagt dir noch etwas, aber du kannst auf meinen Rat hören: Blei so, wie du bist."

Moony war gerührt darüber, dass Albus so viel Vertrauen in ihn setzte. „Was ist denn meine nächste Aufgabe?", wollte er nach einer Weile wissen.

„Du gehst zu den Werwölfen, mein Junge."


So... ich hoffe es hat euch gefallen :)

In der nächsten Folge wird´s dann auch endlich mal spannend.