3 – Tonks
„Natürlich nur, wenn du möchtest", schloss Dumbledore.
„Was soll ich tun?", wollte Moony wissen.
„Spionieren, überzeugen... all das, was du vor langem schon einmal für mich erledigt hast. Nur diesmal direkt in Greybacks Rudel."
„Ich hasse ihn. Was ist, wenn ich mich verwandle und versuche ihn in meiner Wolfsgestalt umzubringen?"
„Nun ja, das würde uns die Kontrolle der Werwölfe wesentlich einfacher machen. Aber nein, bleibe lieber erst einmal unauffällig." Albus versuchte zu lächeln.
Soll ich das wirklich wagen? Soll ich wirklich unter Bestien leben – und zum Monster werden? Das ist alles, was ich so verabscheue, und dennoch... er braucht mich.
„Ich helfe", sagte Remus und war erleichtert darüber, dass seine Stimme ihm nicht versagte.
„Gut. Aber jetzt ist es noch nicht Zeit. Erst einmal wirst du dich um das Haus kümmern. Hast du noch irgendwelche Fragen zum Orden oder dem neuen Haus?", wollte Dumbledore wissen.
„Ja. Gehört Sirius jetzt dieses Gemäuer? Ich meine, das kann man sich ja denken, aber ich würde gerne Gewissheit haben."
„Oh. Du hattest ja gar keinen Kontakt zu ihm... Wie konnte ich nur vergessen wie wenig du weißt! Verzeihe mir, ich werde alt. Als Antwort: Ja, er hat es geerbt und uns netterweise zur Verfügung gestellt. Es ist eine große Tat von ihm, wo er dieses Gebäude doch so sehr hasst." Er faltete die Hände. „Jetzt aber muss ich erst einmal für kleine Zauberer."
oOOOo
Remus wartete. Plötzlich sah die Methamorphmagin auf den Flur eilen. Als sie ihn erblickte, bremste sie ihre forschen Schritte ab.
„Du bist doch der Werwolf, oder?", fragte sie sichtlich neugierig.
„Jaah, der bin ich wohl." Remus seufzte, noch immer auf der Treppenstufe hockend. „Nicht, dass ich die Rolle des bösen Ungetüms perfekt erfülle, aber wenn ich du wäre würde ich mich trotzdem von mir fernhalten."
Sie tat genau das Gegenteil und setzte sich zu ihm. „Nun ja, es gibt wohl schlimmere." Eindeutig eine Andeutung auf Voldemort und sein Gefolge.
„Ich bin Tonks", stellte sie sich mit einem Lächeln vor.
„Freut mich, Sie kennenzulernen", sagte Lupin, wie immer ganz der Gentleman.
Die Frau lachte. „Ein einfaches Du reicht auch. Immerhin bin ich ja noch ganz neu hier im Orden."
„Ja, das habe ich gemerkt." Der Werwolf grinste nun ebenfalls. Eine peinliche Stille entstand.
Nach einer Weile raffte sich Tonks auf. „Nun denn...Ich muss los – Aurorenarbeit" Damit zwinkerte sie ihm zu und schlenderte zur Tür. Lupin bemerkte, dass sie einen sehr neumodischen Kleindungsstil besaß - vermischt mir Rock- und Punkelementen aus der Zaubererwelt -, die leicht verrückte Frisur passte perfekt dazu, lies sie aber sehr kindlich wirken, ihre Gesichtszüge selber wirkten niedlich und dennoch sehr weiblich. Irgendwie sympathisch..., dachte er, aber viel zu jung.
Bevor Nymphadora jedoch das Haus verlassen konnte öffnete sich die Tür wie von selbst.
Remus konnte von seiner verwinkelten Position aus einen Blick auf Molly und mehrere rothaarige Jugendliche erhaschen. Ihre Kinder. Wie schnell die Zeit vergeht.
Er erkannte die Geschwister Fred und George (an die er sich noch sehr gut aus dem Unterricht erinnern konnte), zudem sah er Ron wieder, den jüngsten der männlichen Nachkommen und den besten Freund von Harry- aber da war noch ein junges Mädchen, das er noch nie zu Gesicht bekommen hatte.
„Ich geh dann mal", sagte Tonks zum Abschied und schob sich an der Masse vorbei.
„Willkommen am Grimmauld Place", stöhnte Frau Weasley und bedachte die Spinnweben mit einem hausfräulichem Blick.
„Ist das dein Ernst, Mom? Diese Staubnische soll das Quartier des großen Phönixordens werden?" Einer der Zwillinge trat vor und streckte scheinbar gelangweilt die Arme aus. „Fred! Pass auf den bescheuerten...", warnte Molly ihn noch, doch zu spät.
Mit einem lauten Krachen fiel der sogenannte „Trollbeinständer" zu Boden. „SCHLAMMBLÜTER! MUGGELGESICHTER! SCHÄNDER MEINES HAUSES UND ELENDE BLUTSVERRÄTER", schrie das Bild von Mrs. Black wütend. Die Vorhänge des Gemäldes flogen auf.
Sofort versuchte Remus der verunsicherten Molly und ihren geschockten Kindern zu helfen. Er kannte das Bild zwar selber nicht, aber... Verflixt, es ging nicht...
Dumbledore und Sirius rannten herbei. „Halt deine reinblütige Klappe, du Biest von Mutter!", fauchte Sirius und versuchte, sie wieder zu verschließen. „VERRÄTER!"
Völlig außer Atem gelang es ihm mit Albus´ und Moonys´ Hilfe schließlich, seine Mom zum schweigen zu bringen.
„Dummes Trollbein", schimpfte Molly und schob ihre Söhne weiter in das Haus hinein, „wenn Kreacher es nicht immer wieder dahinstellen würde..."
„Ich werd´s ihm sagen wenn ich den Drecksbengel das nächste Mal zu Gesicht bekomme", murrte Sirius und ging wieder zurück in die Küche. Unterdessen versuchte Dumbledore, das Gemälde endlich von der Wand zu entfernen - Remus konnte sein Gemurmel hören während er heftig von Mrs. Weasley umarmt wurde.
„Ach was siehst du gut aus! So lange ist es her...", schluchzte die erfreut. „Eine echte Schande, dass du Hogwarts verlassen musstest. Bei dir hatte Ron endlich mal gute Noten."
„Molly, die alten Zeiten sind vorbei." Lupins Satz holte sie schnell wieder zur ernsten Atmosphäre zurück die vor der Ankunft der Weasleys geherrscht hatte. „Ich war einmal Lehrer und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, aber jetzt gibt es wichtigeres zu tun."
„Ich weiß, ich weiß. Aber lass uns erst die Kinder unterbringen bevor wir zum Thema kommen", meinte sie nervös.
„Kinder? Wir sind bald volljährig! Und dann..."
„...sind wir Mitglieder im Orden wie ihr auch", maulte George empört.
„Das wüsste ich aber! Der Orden ist viel zu gefährlich für euch", schimpfte Molly. „Sirius? Könntest du meinen Kindern bitte die Zimmer zeigen anstatt in deinem Haus herumzustrolchen", rief sie so laut, dass es für Tatze auch in der Küche hörbar war. Es war eindeutig dass sie nicht halb so viel für ihn übrig hatte wie für Remus.
„Ich mach ja schon. Pass auf, dass du dich nicht heiser schreist", knurrte der herbeieilende Padfoot um danach mit den Weasley-Kindern im ersten Stock zu verschwinden.
„Bei Merlins Unterhose! Seine Mutter hat mit dem Dauerklebefluch wirklich grandiose Arbeit geleistet", fluchte Dumbledore und schaute auf seine magische Taschenuhr. „Ich muss aufgrund von Schulvorbereitungen gehen, aber ich verspreche alles zu tun um dieses Gemälde zu entfernen." Mit diesen Worten ging auch er.
Jetzt waren nur noch Molly und Lupin übrig."Wohnst du jetzt hier", fragte sie.
„Das würde ich gerne selbst wissen", seufzte er erschüttert.
„Dann solltest du dich beeilen. Morgen ist nämlich Vollmond - und ich möchte nicht böse klingen, aber wenn du meine Kinder zerreißt, weil du keinen passenden Ort gefunden hast, werde ich dich eigenhändig kastrieren."
