Prolog

2. Februar 2156, Erdorbit

S.S. Enterprise NX-01

Das Wasser spritzte, als Williams den Ball hoch in die Luft warf. Geschickt tauchte er in das Wasser hinab und umging so mehrere seiner Kontrahenten. Kurz vor dem Tor tauchte er wieder auf, fing den Ball und warf ihn nur wenige Zentimeter am linken Ohr des Torwarts der gegnerischen Mannschaft vorbei.

"Eine grandiose Taktik! Findest du nicht auch?"

Trip konnte sich nicht so recht für den Lieblingssport seines Captains erwärmen. Etwas gedankenverloren kraulte der Chefingenieur der Enterprise den Beagle des Captains, Porthos, hinter seinen großen Ohren. Eigentlich wollte er diesen Abend mit T'Pol verbringen. Er hatte der Vulkanierin versprochen, einen romantischen Ausflug nach Italien zu machen. Doch leider wie zu oft hatte sie mal wieder alle Hände voll zu tun. So endete der Abend statt mit einem romantischen Sonnenuntergang am Mittelmeer mit einer Aufzeichnung eines Wasserballspiels im Quartier des Captains.

"Hast du das gesehen?", jubelte Jonathan Archer und riss Trip aus seinen Träumen.

"W-was?"

"Hey Trip, du scheinst diesem Highlight der Wasserpolo-Geschichte recht wenig Aufmerksamkeit zu schenken."

"Tut mir leid, Jon."

Der Captain stoppte die Aufzeichnung und blickte besorgt zu seinem langjährigen Freund.

"Ich weiß, dass du noch nie ein großer Fan dieser wunderbaren Sportart warst, aber heute bist du besonders unaufmerksam."

"Ich hatte mir das so toll vorgestellt", klagte Trip. "Zuerst ein Besuch bei den Ruinen, dann zu einem netten kleinen italienischen Restaurant und als krönenden Abschluss ein Spaziergang am Strand bei Sonnenuntergang."

"Das komplette Programm, huh?", kommentierte Archer Trips Aufzählung. "Und T'Pol hat dich einfach sitzen gelassen?"

Trip nickte schweigsam.

"Vielleicht mag sie ja kein Italienisch?"

Auf diese Bemerkung hin blickte Trip seinen Captain und besten Freund mit schiefem Kopf an. Er sah jetzt fast so aus wie Porthos, wenn dieser nicht genau wusste, was sein Herrchen von ihm wollte. Aber Trip ging nicht auf die Bemerkung ein, weil er verstand, dass Jon ihn damit nur aufmuntern wollte.

Stattdessen erwiderte er: "Sie wollte unbedingt ein paar merkwürdigen Anzeigen nachgehen, die sie aus Daniels' Quartier empfangen hat."

Jonathan wurde hellhörig.

"Unser Freund aus dem 31. Jahrhundert?"

"Genau der!"

Der Captain blickte kurz zum Bildschirm, wo derselbe Williams wie zuvor in diesem Moment gerade dabei war, den Ball erneut auf das gegnerische Tor zu werfen. Das Bild war eingefroren. Williams schwebte mit dem Ball in der Hand vor dem Tor.

"Warum gehst du nicht zu ihr?", fragte Archer. "Wenn du ihr bei ihren Untersuchungen hilfst, dann wird sie vielleicht schneller fertig und ihr könnt doch noch ans Mittelmeer."

Trip kraulte wieder Porthos' Kopf und dachte über den Vorschlag seines Captains und besten Freundes nach.

"Außerdem zeigst du ihr damit, dass du nicht beleidigt bist", ergänzte Jonathan Archer.

"Ich bin nicht beleidigt", konterte Trip.

Doch seine unterbewusste Reaktion verriet ihn. Seine Ohren liefen rot an. Archer tat so, als hätte er es nicht bemerkt.

"Vielleicht hast du Recht, Jon", sagte Trip schließlich. "Als Chefingenieur sollten mich alle ungewöhnlichen Dinge auf diesem Schiff interessieren."

Mit diesen Worten strich Trip Porthos noch einmal über den Kopf und ging zur Tür. Archer schmunzelte. Charles Tucker III. hatte sich nicht verändert so lange er ihn kannte. Er blieb ein großes Kind.

"Halt mich auf dem Laufenden", rief Archer Trip zu, als dieser gerade aus der Tür ging.

"Verlass dich darauf, Jon."

Auf der Brücke angekommen fand Trip T'Pol, als sie gerade die Anzeigen an ihrer wissenschaftlichen Station überprüfte. Auf den Bildschirmen waren mehrere Sensorscanns zu sehen, die parallel liefen.

"Hi", begrüßte Trip die Vulkanierin.

T'Pol zeigte mit keiner Reaktion, dass sie den Chefingenieur bemerkt hatte. Sie konzentrierte sich voll und ganz auf die Scannergebnisse, die ihr das kleine teleskopartige Anzeigeelement in ihrer Konsole ausgab. Trip kannte sie mittlerweile gut genug um zu wissen, dass sie ihn sehr wohl bemerkt hatte, dass sie es jedoch nicht für notwendig hielt seine Begrüßung zu erwidern.

"Hast du schon etwas gefunden?"

"Ich konnte bis jetzt nur einen erhöhten Chronitonenfluss feststellen, der offenbar vom D-Deck, Sektion 69 Alpha kommt", antwortete T'Pol knapp.

"Dort liegt Daniels' Quartier", bemerkte Trip.

"In der Tat. Und der Fluss nimmt immer weiter zu."

"Was ist die Ursache?", fragte Trip.

T'Pol blickte von ihrer Anzeige auf.

"Das können wir wohl nur feststellen, wenn wir Daniels' Quartier direkt untersuchen. Von hier aus kann ich keinen detaillierteren Scann durchführen."

T'Pol blickte zur anderen Seite der Brücke, wo Lieutenant Malcolm Reed an seiner taktischen Konsole saß.

"Mr. Reed, würden Sie uns begleiten?"

Der Brite blickte von seiner Konsole auf.

"Was ist los?"

"Wir brauchen deinen Schlüssel für Daniels' Quartier", antwortete Trip.

Nachdem Malcolm das Sicherheitsschloss entfernt hatte, welches er fünf Jahre zuvor an der Tür zu dem Quartier des Besuchers aus dem 31. Jahrhundert angebracht hatte, begannen T'Pol und Trip sofort mit ihren Tricordern die Quelle des merkwürdigen Chronitonenflusses ausfindig zu machen. Schon seit über zwei Jahren hatte die Crew der Enterprise nichts mehr von dem Agenten, der sich als Crewman Daniels getarnt hatte, gehört. Sein Quartier, in dem noch viele seiner technologisch hochentwickelten Geräte vermutet wurden, hatte seither niemand mehr betreten. Dementsprechend lag eine ziemlich dicke Staubschicht auf den Einrichtungsgegenständen.

"Puh", sagte Trip bei dem staubigen Anblick, "hier sollte mal wieder jemand sauber machen."

"Ist das nicht normalerweise die Aufgabe des Chefingenieurs?", kam ein spitzer Kommentar von der Tür her.

"Sehr witzig, Malcolm."

"Würdest du bitte mit der Diskussion über die Sauberkeit an Bord dieses Schiffes aufhören und dich darauf konzentrieren, die Quelle des Chronitonenflusses aufzuspüren", fuhr T'Pol dazwischen.

Etwas brummelig blickte Trip wieder auf die Anzeige seines Tricorders. Dieser Abend verlief immer weniger nach seiner Vorstellung. Plötzlich piepte das Gerät in seiner Hand.

"Ich glaube, ich habe etwas gefunden", sagte er.

Er ging auf ein Regal zu, das auf der anderen Seite des Raumes stand. Dort lag es. Es war ein unscheinbarer grauer Kasten, der auf seiner Oberseite eine runde Erhöhung aufwies, in deren Mitte ein kleines weißes Licht pulsierte. Trip hob es vorsichtig hoch. Als er sich damit zu T'Pol und Malcolm umdrehte, traute er seinen Augen nicht. Die beiden standen wie eingefroren an den Stellen, an denen sie schon gestanden hatten, als er sich auf den Weg zu dem Regal gemacht hatte. T'Pol blickte auf die Anzeige ihres eigenen Tricorders und Malcolm stand an der Tür, mit dem Sicherheitsschloss in der Hand und einem schelmischen Grinsen auf den Lippen, welches wohl noch auf seinen Scherz über das Saubermachen zurückging.

"Irgendwie muss dieses Ding den Zeitablauf verändern", dachte Trip laut.

Er ging auf T'Pol zu. In dem Moment, in dem er direkt neben ihr stand, fing sie an sich langsam wieder zu bewegen. Zuerst blickte sie in die Richtung, in die er kurz zuvor gegangen war. Dann drehte sie langsam ihren Kopf zu ihm hin. Ihr Mund öffnete sich um etwas zu sagen. Doch sie sprach so langsam, dass Trip sie nicht verstehen konnte.

"Man muss doch dieses Gerät irgendwie ausschalten können", sagte er zu T'Pol.

Da er davon ausging, dass sie ihn ebenso nicht verstehen konnte, beschloss Trip einfach seinem Gefühl zu folgen und drückte auf das weiße Licht auf der Oberseite des Geräts. Doch passierte dann alles andere als das, was er beabsichtigt hatte.

Der ganze Raum schien wie im Fluss zu sein. T'Pol und Malcolm bewegten sich in Zeitlupentempo auf ihn zu. Auch seine eigenen Bewegungen kamen ihm äußerst verlangsamt vor. Das weiße Licht auf dem Gerät pulsierte immer schneller. Dann, von einem Moment auf den nächsten, erlosch es plötzlich und die merkwürdigen Effekte auf ihn und seine Freunde verschwanden. Auch das Schiff war wieder an seinem Platz.

"Was ist passiert?", fragte Malcolm.

"Ich wollte dieses Ding ausschalten und da habe ich einfach auf den Knopf hier oben gedrückt", antwortete Trip.

"Ich sagte dir doch, du solltest nichts anfassen", sagte T'Pol, zwar stoisch, wie bei Vulkaniern üblich, doch mit einem leicht verärgerten Unterton.

"Ich habe dich nicht verstehen können. Du und Malcolm, ihr wart zuerst wie eingefroren und dann habt ihr euch wie in Zeitlupe bewegt."

"Der Chronitonenfluss muss den Zeitablauf in diesem Raum beeinflusst haben", vermutete T'Pol.

Sie scannte das Gerät aus dem 31. Jahrhundert in Trips Hand.

"Das Gerät sendet jetzt keine Chronitonen mehr aus", sagte sie.

"Dann wäre zumindest das Problem gelöst", analysierte Trip die Situation.

Wie auf sein Stichwort hin begann die Enterprise sich heftig zu schütteln.

"Was ist denn jetzt wieder los?"

"Archer an alle Führungsoffiziere", drang plötzlich die Stimme des Captains aus den Bordlautsprechern, "melden Sie sich sofort auf der Brücke. Das Schiff ist dabei in die Atmosphäre der Erde zu stürzen."