Kapitel 5
1. Oktober 1707, Mittelmeer, Erde
Intrepid
Das kleine Segelboot hatte keine Chance gegen das mächtige Schiff anzukommen. Captain Archer und sein Außenteam versuchten durch geschickte Manöver, die Malcolm einmal gelernt hatte, zu entkommen. Doch sie konnten das Unvermeidliche nur hinauszögern. Schließlich wurden sie eingeholt und mussten sich bereit machen von einer Horde wilder Korsaren geentert zu werden. Da ein bewaffneter Widerstand angesichts der Überzahl der Angreifer aussichtslos schien, mussten sie sich schnell einen alternativen Plan ausdenken.
Es war Hoshis Idee einen der Kommunikatoren des Außenteams als eine Art elektromagnetische Leuchtrakete zu benutzen. Sie stellten das kleine Gerät so ein, dass es auf allen verfügbaren Frequenzen einen von Captain Archer aufgesprochenen Notruf aussendete. Sie versteckten den Kommunikator unter einer losen Planke ihres Bootes und hofften, dass einerseits die Piraten das Gerät nicht entdeckten und andererseits die Besatzung der Enterprise ihren Notruf empfangen und Hilfe schicken würde.
Als die Piraten längsseits gingen, hatten sie ihre Vorbereitungen abgeschlossen und machten sich bereit für das, was nun kommen würde. Zwei wettergegerbte Männer sprangen in ihr Boot und stürzten sich auf Archer und Reed. Letztere hatten jedoch beschlossen keinen Widerstand zu leisten und so hatte das Enterkommando leichtes Spiel das Außenteam auf ihr Schiff zu befördern. Die wilden Männer grölten und pfiffen, als T'Pol und Hoshi an Bord gebracht wurden. Doch sie ließen respektvollen Abstand, als ein großer kräftiger Mann mit langen roten Haaren das Deck betrat. Er schritt durch die Reihen der Mannschaft und dann mehrmals mit musterndem Blick vor dem Außenteam hin und her.
"Willkommen an Bord der Flandenbourgh", sagte er schließlich mit einer rauen Stimme. "Ich bin Enrico Don Muertos, Captain dieses großartigen Schiffes und Anführer dieser mutigen Männer."
Bei diesen Worten deutete er auf die umstehenden Männer, die immer noch gierige Blicke auf die beiden Frauen richteten.
"Und wen haben wir hier?"
Don Muertos schritt auf T'Pol zu und griff mit einer seiner kräftigen Hände nach dem Kinn der Vulkanierin. Diese hätte den Piratenkapitän dafür wohl am liebsten über Bord geworfen, doch hielt sie sich wohlweißlich zurück.
"Lassen Sie sie in Ruhe", rief Archer. "Sie gehört mir."
Archer wusste, dass er bei den Piraten nur etwas erreichen konnte, wenn er sich wie einer von ihnen verhielt.
"Oh, wie schade", erwiderte Don Muertos und baute sich nun in seiner vollen Größe vor Archer auf. "Und mit wem habe ich die Ehre?"
"Jonathan Archer ist mein Name. Wir sind Händler aus Genua."
"Mit welchen Waren handeln Sie? Wir haben nichts wertvolles in Ihrem Boot gefunden?"
"Das liegt daran, dass wir auf dem Weg nach Korsika sind um dort unsere Waren zu erwerben."
Archer versuchte so grimmig wie möglich auszusehen, damit der Korsarenkapitän ihm seine erfundene Geschichte abkaufte. Dieser erwiderte seinen Blick, jedoch schien er geübter darin zu sein.
"Ich glaube Ihnen nicht", sagte Don Muertos direkt in Archers Gesicht. "Ich erkenne einen Händler, wenn ich einen sehe. Und glauben Sie mir, Señor Archer, ich habe schon viele Händler gesehen."
Diese Aussage ihres Captains kommentierten die umstehenden Mannschaftsmitglieder mit einem grimmigen Lachen.
"Also, verraten Sie mir nun, wer Sie wirklich sind, oder muss ich erst Ihre reizende Begleitung meinen Männern übergeben?"
Don Muertos ging nun wieder einen Schritt auf T'Pol zu, was seine Mannschaft zu einem noch grimmigeren Lachen anspornte. Archer wollte sich gar nicht erst ausmalen, welch schmutzige Spielchen die Piraten mit den beiden Frauen vor hatten. Jetzt war schnellstens eine neue Idee gefragt.
"Wir sind Spione der britischen Marine", erhob plötzlich Malcolm das Wort. Archer blickte ungläubig zu seinem Waffenoffizier. Doch dieser richtete seinen Blick auf die Planken vor seinen Füßen. Archer begriff schnell was Malcolm vorhatte und spielte das Spiel mit.
"Wie können Sie es wagen, unsere geheime Mission preiszugeben?"
Archer versuchte möglichst wütend zu klingen.
"Bei allem Respekt, Sir", erwiderte Malcolm mit einem grimmigen Ausdruck "aber die Würde meiner Braut ist mir wichtiger als diese nutzlose Mission."
"Dafür bringe ich Sie vor das Kriegsgericht", schrie Archer nun seinen Waffenoffizier an.
Don Muertos hatte anscheinend genug von den Beschimpfungen der angeblichen britischen Offiziere. In seiner vollen Größe baute er sich zwischen den beiden auf.
"Genug!", schrie er. Seine Stimme war ebenso imposant wie seine Statur. "Schafft diese Spione und ihre Bräute unter Deck. Ich fürchte, das Kriegsgericht muss wohl etwas warten, Señor Archer. Die Franzosen werden bestimmt ein schönes Sümmchen für Sie zählen."
Das letzte was Archer hörte, bevor sie in eine dunkle und stickige Zel!e geworfen wurden, war das laute Lachen des Piratenkapitäns.
