Kapitel 6

2. Oktober 1707, Mittelmeer, Erde

Montecristo

"Archer an Enterprise. Dies ist ein automatischer Notruf. Unser Boot ist von Piraten aufgebracht worden. Wir befinden uns auf Kurs Richtung Korsika. Wir brauchen Hilfe."

Die Worte seines Captains und besten Freundes klangen immer wieder in Trips Ohren. Er musste etwas unternehmen und das möglichst schnell. Leider waren die Shuttles nach ihrem erfolgreichen Abschleppmanöver schwerer mitgenommen als zunächst erwartet. Insbesondere die Triebwerke hatten durch die zu starke Belastung Schaden genommen und bedurften einer umfangreichen Reparatur, bevor überhaupt daran zu denken war die Shuttles auf eine Rettungsmission zu schicken. Die Lage war ernst, weswegen der Chefingenieur der Enterprise seine Offiziere zu einer Lagebesprechung an den felsigen Strand Montecristos gerufen hatte.

"Höchste Priorität sollte die Rettung des Außenteams haben", verkündete Trip die Maxime der Stunde. "Wir müssen so schnell wie möglich eines der Shuttles wieder flugfähig bekommen. Vorschläge?"

"Wir könnten die beschädigten Teile des einen Shuttles durch Teile des anderen ersetzen", meldete sich einer von Trips Ingenieuren.

"Wenn möglich würde ich gerne beide Shuttles wieder flott machen", erwiderte Trip. "Das erhöht unsere Chance den Captain und die anderen zu befreien. Nichtsdestotrotz ist es eine gute Idee. Fangen Sie mit Shuttle eins an und entnehmen Sie wenn nötig Teile aus Shuttle zwei."

Der Ingenieur bestätigte den Befehl mit einem knappen Nicken und machte sich sogleich mit vier anderen Technikern an die Arbeit.

"Es wäre gut, das Shuttle zu tarnen, Commander", warf Phlox ein. "Ich glaube nicht, dass die Seefahrer dieser Zeit mit Fluggeräten vertraut sind."

"Guter Punkt! Was schwebt ihnen vor?"

"Leider fehlt mir dazu das nötige Wissen über die Kultur mit der wir es hier zu tun haben", antwortete der Denobulaner.

"Haben wir noch die Tarnvorrichtung aus dem sulibanischen Zellenschiff?", fragte Travis.

Das erste Grinsen seit drei Tagen erschien auf dem Gesicht des Chefingenieurs.

"Ja, die müsste noch irgendwo im Frachtraum herumliegen."

"Also, worauf warten wir dann noch?"

"Nicht so schnell, Travis", bremste Trip die Begeisterung des Piloten. "Um ein so leistungsfähiges Gerät in die Syteme des Shuttles zu integrieren brauchen wir elektrische Kontakte aus Gold - wahrscheinlich mehr als wir an Bord haben."

"Es gibt noch ein weiteres Problem, Commander", meldete sich ein junger Ensign zu Wort der eben aus Richtung Schiff gekommen war. "Der Küchenchef hat gemeldet, dass wir dringend Vorräte an Bord holen sollen. Besonders dringend brauchen wir Trinkwasser."

Das Grinsen verschwand ebenso schnell von Trips Gesicht wie es gekommen war.

"Daran habe ich überhaupt nicht gedacht."

"Das wiederum habe ich mir gedacht", wandte Phlox ein. "Wann haben Sie das letzte Mal etwas gegessen, Commander?"

Trip wusste, worauf der Denobulaner hinaus wollte. Doch er konnte sich in so einer kritischen Situation keine Ruhe gönnen.

"Ich denke, ich hatte heute Morgen Frühstück", versuchte er sich herauszureden.

Phlox' ernster Blick verriet Trip, dass der Chefarzt der Enterprise nicht überzeugt war.

"Commander, wenn wir aus dieser misslichen Lage wieder herauskommen wollen, brauchen wir einen kommandierenden Offizier, der bei Kräften ist und keinen der nahe am Rand eines Zusammenbruchs steht."

Die Blicke aller Anwesenden waren nun auf den Chefingenieur gerichtet. Trip wusste, dass Phlox die Autorität hatte, ihm Ruhe zu verordnen. Er hatte es schon oft genug beim Captain getan. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als einen Kompromiss zu finden.

"Ok, Doc, Sie haben gewonnen. Ich werde gleich im Anschluss an unsere Besprechung etwas essen und ein Nickerchen machen."

Erwartungsvoll blickte der Chefingenieur zu Phlox. Der Denobulaner schien mit seinem Kompromiss einigermaßen einverstanden zu sein.

"Nun aber zu unseren dringenden Problemen."

Trip versuchte so schnell wie möglich das Thema zu wechseln. In der Zwischenzeit hatte Travis angestrengt nachgedacht.

"Commander, ich denke, ich weiß, wo wir Gold in ausreichender Menge finden können", meldete er sich nun zu Wort. "Auf dieser Insel soll es einmal ein Kloster gegeben haben. Die Bewohner sollen einige Schätze gehortet haben, weswegen sie auch zum Ziel für Piraten wurden. Doch wenn wir Glück haben, ist noch etwas von den Schätzen übrig."

Nun musste Trip doch wieder grinsen.

"Sie wollen also auf Schatzsuche gehen, Travis?" Die Idee gefiel ihm. "OK, einverstanden. Stellen Sie ein Team zusammen ..."

"Mit Ihrer Erlaubnis würde ich auch gerne Porthos mitnehmen", warf der Pilot ein.

"Ich weiß zwar nicht, ob Hunde Edelmetalle aufspüren können, aber wenn Sie meinen ... Aber passen Sie gut auf ihn auf. Klar, Travis?"

"Ja, Commander. Sie können sich auf mich verlassen."

Trip wusste, dass Travis gut auf den Liebling des Captains aufpassen würde. Bereits mehr als einmal hatte er sein eigenes Leben dem jungen Piloten anvertraut.

"Und Sie, Doc", wandte sich der Chefingenieur an Phlox, "Sie kümmern sich um unsere Vorräte. Nehmen Sie sich so viele Leute wie Sie brauchen und durchkämmen Sie diesen Felsen nach Wasser und etwas Essbarem."

"Ja, Commander", bestätigte der Denobulaner knapp.

"Und ich werde mal schauen, was Chef noch in seiner Küche übrig hat."