Kapitel 7
2. Oktober 1707, Mittelmeer, Erde
Flandenbourgh
Die letzten Stunden gehörten zu den schlimmsten, die Archer je erlebt hatte. Bereits mehr als einmal war er ein Gefangener gewesen. Doch selbst die Behandlung durch die Klingonen oder die Xindi wirkte nahezu human im Vergleich zu dem, was diese wilden Korsaren mit ihnen anstellten. Archer und Reed wurden gezwungen jeden Quadratzentimeter des Decks der Flandenbourgh zu schrubben. Dabei scheuerten sie nicht nur die Planken sauber, sondern auch ihre Hände und Knie durch. Wie froh war Archer doch bei dem Gedanken, dass sein Schiff nicht mehr von Menschenhand gesäubert werden musste. Insgeheim wünschte er sich einen der fleißigen Reinigungsroboter aus dem 22. Jahrhundert herbei. Jedoch waren sie auch Gefangene des 18. Jahrhunderts und damit der Barbarei dieser Zeit ausgesetzt, was ebenfalls eine recht karge Gefangenenverpflegung einschloss.
T'Pol und Hoshi indes dienten den Piraten als Erpressungsmittel. Die beiden Frauen mussten Don Muertos' Männer bewirten. Doch noch gieriger als darauf ihren Durst mit den Getränken, die sie austeilen mussten, zu stillen, waren die Blicke, die die Männer ihnen zuwarfen. T'Pol und Hoshi mussten sich ständig den Zugriffen der wilden Korsaren erwehren. Nur das emsige Schrubben Archers und Reeds und die Anordnung Don Muertos', die Gefangenen unbeschadet zu lassen um ein möglichst hohes Kopfgeld von den Franzosen zu erhalten, bewahrten die beiden Frauen vor noch schlimmeren Dingen.
Dennoch bemerkte Archer die zornigen Blicke, die Malcolm besonders einem der Piraten zuwarf, der als Don Muertos' rechte Hand galt, und der ein besonders großes Interesse an Hoshi zeigte. Immer wenn dieser stämmige Kerl mit dem langen schwarzen Bart die junge Japanerin mit seinen kräftigen Händen packte, dann packte auch Malcolm voller Wut seine Bürste und hätte sie am liebsten diesem bärtigen Wicht in den Mund gestopft um sein laut dröhnendes Lachen verstummen zu lassen.
Archer konnte seinem Waffenoffizier seine Reaktion nicht verdenken. Immer wieder legte er seine Hand auf Malcolms Schulter um den Briten zu beruhigen. Gleichzeitig diente diese Geste auch ihm selbst der Beruhigung. Auch er spürte in sich die gleiche Wut aufkochen. Doch jahrelange Erfahrung half ihm sie etwas besser unter Kontrolle zu halten.
"Bleiben Sie ruhig, Malcolm", sagte Archer, als Don Muertos' rechte Hand mal wieder seine kräftige linke Hand nach Hoshi ausstreckte. "Bestimmt wird bald ein Rettungsteam von der Enterprise hier eintreffen und dann wird diesen Korsaren schon das Lachen vergehen."
"Das hoffe ich sehr, Captain", erwiderte Malcolm, noch immer den Blick auf den Piraten und Hoshi gerichtet.
"Ich hatte übrigens bisher noch keine Gelegenheit Ihnen für Ihren tollen Einfall mit den britischen Spionen zu danken", versuchte Archer nun die Aufmerksamkeit des Briten auf ein anderes Thema zu lenken. " Wahrscheinlich hat uns Ihre Idee vor einer noch weitaus schlimmeren Behandlung bewahrt."
"Danke, Sir. Ich hätte ehrlich gesagt gar nicht erwartet, dass die Piraten so einfach auf meine Geschichte hereinfallen." Malcolm zuckte kurz mit den Schultern, doch Archer konnte auch in den Mundwinkeln des Briten ein leichtes Zucken ausmachen. "Wahrscheinlich hatten sie sich schon ausgemalt, welches Kopfgeld sie von den Franzosen für uns bekommen würden, so dass sie sich gar keine Gedanken über die Plausibilität unserer Geschichte gemacht haben."
"Glück für uns."
"Nun ja, ich weiß nicht, ob man in so einer Situation von Glück sprechen kann."
"Hey, Malcolm, seien Sie ein bisschen optimistischer. Das ist ein Befehl." Zu diesen Worten gab Archer seinem Waffenoffizier einen aufmunternden Stups mit dem Ellenbogen.
"Jawohl, Sir", antwortet Malcolm, dessen Mundwinkel nun noch ein bisschen mehr zuckten.
Ein lautes Grölen der Korsaren ließ diesen Anflug eines Lächeln jedoch schnell wieder verschwinden. Don Muertos' Männer waren mittlerweile so betrunken, dass sie ihre schmutzigen Hände kaum noch von T'Pol und Hoshi lassen konnten. Archer hoffte genauso wie Malcolm, dass die beiden Frauen unbeschadet aus dem Tumult herauskommen würden, der gerade begann. Nun griffen nicht nur gierige Hände nach T'Pol und Hoshi, sondern schlugen auch wilde Fäuste gegen so manchen Kameraden.
Archer und Reed hielt nun nichts mehr an ihren Bürsten. Nahezu gleichzeitig sprangen sie auf, um ihren eigenen Mannschaftskameraden zu Hilfe zu eilen. Doch kaum hatten sie die Hälfte des Weges zu den wütenden Korsaren zurückgelegt, sahen sie auch schon, wie sich T'Pol und Hoshi ohne große Mühe aus dem Piraten-Pulk herausschälten. Die Prügelei unter Don Muertos' Männern ging indes unvermindert weiter, so dass sie die Abwesenheit der beiden Frauen, des eigentlichen Auslösers für ihre Auseinandersetzung, gar nicht bemerkten. Ebenso unbemerkt von ihnen blieben die weißen Segel, die sich am Horizont abzeichneten und schnell näher kamen.
Malcolm sah sie als erster. Sein geschultes Auge verriet ihm schnell, dass dies kein weiteres Piratenschiff war. Der Brite kniff die Augen leicht zusammen um eventuell mehr Details ausmachen zu können. Doch noch war das andere Schiff zu weit entfernt. Allerdings konnte er abschätzen, dass sich dieser Zustand sehr schnell ändern würde.
"Was denken Sie, Malcolm?"
Archers Frage riss ihn aus seinen Gedankengängen.
"Sie kommt schnell näher, Sir", antwortete er. "Sie segelt mit dem Wind. Wenn Don Muertos' Männer weiterhin mit sich selbst beschäftigt bleiben, dürfte sie uns in einer halben Stunde erreicht haben."
"Können Sie erkennen, um was für ein Schiff es sich handelt?"
"Nicht auf die Entfernung, Sir."
Malcolm richtete seinen Blick so angestrengt auf das weiße Schiff, dass er gar nicht bemerkte, dass Hoshi auf einmal neben ihm stand.
"Probieren Sie es hiermit", sagte die Japanerin und streckte ihm ein Fernrohr entgegen.
"Wo haben Sie das her?"
Hoshi zuckte kurz mit den Schultern.
"Ich habe es dem bärtigen Kerl dort drüben abgeknöpft. Ich denke nicht, dass er es im Moment braucht."
"Hoshi, Sie stecken voller Überraschungen."
Malcolm nahm das Fernrohr entgegen und bedankte sich mit einem Lächeln, welches Hoshi erwiderte. Der weiße Rumpf des anderen Schiffes trat nun in den Fokus des Piratenfernrohrs.
"Ich erkenne drei Masten", beschrieb Malcolm was er sah. "Es laufen Männer in Uniform an Deck herum."
"Dann sind es zumindest keine Piraten", bemerkte Hoshi, die nun ganz dicht neben ihm stand.
Malcolm fühlte, dass die Japanerin seinen Schutz suchte. Es fühlte sich auch irgendwie gut an, der Beschützer einer so hübschen Frau sein zu dürfen.
Doch jetzt musste sich Malcolm erst einmal auf das schnell näher kommende Schiff konzentrieren. Sein Auge suchte den gesamten Rumpf nach weiteren Hinweisen auf die Identität des Schiffes und seiner Besatzung ab. Als er den Fokus des Fernrohrs über den Bug des Schiffes schweifen ließ, kreuzte sein Blick den eines großen, wettergegerbten Mannes, der eine prächtige Uniform und einen großen, dreieckigen Hut auf dem Kopf trug. Das muss der Captain sein, schoss es sofort durch Malcolms Kopf. Die beiden Männer blickten einander wie hypnotisiert durch ihre Fernrohre an. Es kam fast einem geistigen Kräftemessen gleich, wer von beiden zuerst den Blick abwenden würde.
Irgendwie kamen Malcolm die Uniformen der Besatzung des anderen Schiffes bekannt vor. Da er kein Interesse an einem Kräftemessen mit dem Captain des Schiffes, welches ihnen eine Hoffnung auf Rettung brachte, hatte, ließ er seinen Blick ein weiteres Mal über das Schiff schweifen. Als er das Heck erreicht hatte, fand er endlich, wonach er gesucht hatte. Eine große Flagge wehte dort im Wind. Auf ihr prangte ein rotes Doppelkreuz auf weißem Grund, welches von blauen Dreiecken umrahmt wurde. Malcolm kannte diese Flagge nur zu gut.
"Es sind Briten, Sir", berichtete er seine Entdeckung an Captain Archer.
Die Gesichter des Außenteams erhellten sich bei dieses Worten. Ein Schiff der britischen Marine kam in ihrer derzeitigen Situation einem Freund gleich. Malcolm hatte sie schließlich den Piraten gegenüber als britische Spione dargestellt.
Dieselbigen blieben nicht untätig. Es dauerte nicht lange, dann hatten auch die Piraten das britische Segelschiff entdeckt. Don Muertos ließ seine laute Stimme erschallen und gab eilig Befehle an seine Mannschaft. Aufgrund ihres angetrunkenen Zustands ließ allerdings deren Reaktionszeit sehr zu wünschen übrig. Es dauerte fast zehn Minuten bevor sämtliche Segel gesetzt und die Kanonen einsatzbereit gemacht waren. Derweil war das britische Schiff bereits so nahe gekommen, dass man deren Flagge auch ohne Fernrohr erkennen konnte.
"Schaffen Sie die Gefangenen unter Deck", befahl Don Muertos zweien seiner Männer.
Archer hatte schon gehofft, dass das einsetzende Durcheinander vor dem Gefecht dazu führen würde, dass man ihre Anwesenheit auf Deck ganz ignorieren würde. Doch noch war diese Hoffnung nicht ganz verloren. Ein kurzer Blick zu seinen Offizieren genügte um ihnen mitzuteilen was er vor hatte.
Nichts ahnend schubsten die beiden Piraten das Außenteam der Enterprise zu der engen Luke am Bug des Schiffes, die unter Deck führte.
"Los, rein da", knurrte einer der Piraten Archer an.
Das ließ er sich nicht zweimal sagen. Noch einmal warf er Malcolm, T'Pol und Hoshi einen kurzen Blick zu und verschwand dann in der Dunkelheit des Vorderdecks. Im fahlen Licht der Nachmittagssonne zeichneten sich die Schatten der beiden Piraten nun deutlich auf dem Boden vor Archers Füßen ab. Der eine Piratenschatten bewegte sich auf den Schatten Malcolms zu. Archer konnte hören, wie auch der Brite die Anweisung bekam durch die Luke zu treten. Derjenige, der nun durch die Luke kam, war allerdings nicht Malcolm, sondern der, der eigentlich davor stehen bleiben wollte. Sofort stürzte sich Archer auf den Piraten und verpasste ihm einen kräftigen Schlag gegen den Schädel, welcher ihn in das Land der Träume beförderte. Sein Mannschaftskamerad gesellte sich alsbald dazu, nachdem T'Pol ihm mit einem vulkanischen Nervengriff das Bewusstsein geraubt hatte. Die beiden Piraten trugen genug Waffen um das komplette Außenteam auszurüsten.
"Versuchen Sie sich so weit wie möglich aus dem Kampfgeschehen herauszuhalten", gab Archer seinen Offizieren mit als er die Waffen verteilte. "Wir sollten versuchen unser Boot zu erreichen und uns unbemerkt davon zu machen."
"Sie haben es an der Backbord-Seite festgemacht", gab T'Pol Bericht. "Soweit ich sehen konnte, haben sie keine Wachen abgestellt."
"Sehr gut", nickte Archer der Vulkanierin zu. "Da die Briten von Steuerbord angreifen, sollte uns das genügend Ablenkung liefern um von hier weg zu kommen."
"Sir, warum helfen wir nicht einfach den Briten?", warf Malcolm ein. "Sie würden uns sicher auch nach Korsika bringen."
"Captain, ich halte das für keine gute Idee", gab T'Pol ihre Meinung kund. "Wir würden riskieren die Zeitlinie zu verändern."
"Wir haben doch bereits durch unsere Anwesenheit die Zeitlinie verändert", erwiderte der Brite.
"Durch Vermeidung einer weiteren Konfrontation können wir aber zumindest den Einfluss unserer Präsenz minimieren."
"Malcolm, ich schätze Ihren Patriotismus", schaltete sich nun Archer in die Diskussion ein, "aber T'Pol hat Recht. Wir sollten zusehen, dass wir nicht noch mehr Schaden an der Geschichte verursachen, als wir bisher schon getan haben."
Malcolm bestätigte die Anweisung seines Captains mit einem knappen Nicken. Archer war froh einen solch loyalen Waffenoffizier zu haben.
"Also, wir halten uns auf der Backbord-Seite. Wir kämpfen uns zu unserem Boot durch und versuchen uns so unauffällig wie möglich abzusetzen."
Archer blickte seine Offiziere einen nach dem anderen an. Jeder wusste, was er zu tun hatte.
Malcolm hielt den Griff seines erbeuteten Säbels fest umschlossen, als er aus der Luke trat. Er empfand es als seine Pflicht, als erster in das Kampfgeschehen zu gehen und seine Kameraden zu beschützen. Im selben Moment ertönte ein heftiger Donnerschlag und das Deck unter seinen Füßen begann zu beben. Das britische Schiff hatte das Feuer eröffnet. Sogleich erwiderten die Piraten den Angriff mit einer Salve aus ihren eigenen Kanonen. Malcolm konnte nicht erkennen, ob und wie stark das andere Schiff getroffen worden war, denn sogleich wurde das Piratenschiff von einem weiteren Einschlag erschüttert, welcher ihn zu Boden warf.
"Darf ich Ihnen zur Hand gehen?"
Captain Archer war sofort zur Stelle um ihm auf die Füße zu helfen. Malcolm bedankte sich mit einem knappen Nicken.
"Unser Boot befindet sich im hinteren Teil des Schiffes."
T'Pol war nun ebenfalls zur Stelle und deutete mit ihrem Dolch in Richtung Heck.
Das Außenteam der Enterprise setzte sich wieder in Bewegung. Doch sie kamen nur wenige Meter weit, als erneut eine Kanonenkugel das Piratenschiff erzittern ließ und sie von ihren Füßen riss. Der große Hauptmast neigte sich nach Backbord und fiel mit einem lauten Krachen auf das Deck.
Als Malcolm sich wieder aufgerappelt hatte, fiel sein Blick sogleich auf Hoshi. Die Japanerin lag zwei Meter hinter ihm und sah weitestgehend unversehrt aus, jedoch klemmte ihr linkes Bein unter dem umgestürzten Mast. Von Archer und T'Pol indes fehlte jede Spur.
"Können Sie sich bewegen?"
Malcolm war sofort zu Hoshi geeilt um sie aus ihrer gefährlichen Lage zu befreien. Die Japanerin blickte an sich herab und versuchte Arme und Beine zu bewegen.
"Ich spüre mein linkes Bein nicht mehr. Ich glaube, es ist gebrochen."
Malcolm war beeindruckt mit welcher Ruhe Hoshi ihren eigenen Zustand diagnostizierte. In den vergangenen fünf Jahren hatte er sie bereits als eine starke Frau kennen gelernt, doch in diesem Moment war sie für ihn die beeindruckendste Frau auf dem ganzen Planeten.
"Ich werde den Mast anheben und Sie versuchen sich vorzuschieben."
"Malcolm, passen Sie auf, hinter Ihnen."
Blitzschnell drehte sich der Brite um seine eigene Achse. Das Adrenalin in seinen Adern schärfte seine Sinne. Fast wie in Zeitlupe sah er Don Muertos' rechte Hand mit gezücktem Säbel auf sich zustürmen. Seine eigene rechte Hand umschloss erneut den Griff seines Säbels und machte sich bereit dafür den Streich der kräftigen Linken zu parieren.
Die beiden Männer kreuzten ihre Säbel. Nun, da sie sich gegenüber standen, bemerkte Malcolm, dass sein Gegenüber nicht viel größer war als er selbst. Das stärkte sein Selbstvertrauen. Der bärtige Pirat schien zwar etwas muskulöser zu sein, doch vertraute Malcolm auf sein umfangreiches Nahkampftraining bei der Sternenflotte.
"Ich hatte schon erwartet, dass Sie versuchen würden zu fliehen", knurrte ihn der Pirat an.
"Wir haben eine Mission zu erfüllen", parierte Malcolm sowohl die Worte als auch den Säbel des Piraten.
"Was ist das für eine geheime Mission? Hatten Sie vor die Franzosen auszuspionieren?"
Ein kräftiger Streich des Piraten ließ Malcolm zwei Schritte zurück taumeln.
"Das werde ich Ihnen ganz bestimmt nicht verraten."
"Dann muss ich es wohl mit meinem Säbel aus Ihnen herauskitzeln."
Erneut kreuzten sich die Klingen der beiden Männer. Malcolm staunte über seine eigene Agilität. Der Kampf mit Stichwaffen zählte normalerweise nicht zur Standardausbildung bei der Sternenflotte. Doch sein Instinkt und sein umfangreiches Wissen über Waffen aller Art kamen ihm jetzt zugute. Geschickt parierte er die Streiche des Piraten.
"Ich glaube, ich muss Sie enttäuschen. Ich bin nicht sonderlich kitzelig."
Malcolm machte einen gewagten Vorstoß. Tatsächlich war es nun an seinem Gegenüber zuruckzuweichen.
"Dann werde ich mein Glück mit Ihrer Braut versuchen, sobald ich mit Ihnen fertig bin", sagte der Pirat mit einem finsteren Grinsen.
Malcolm spürte erneut den gleichen Zorn in sich aufsteigen wie zuvor, als er diesem bärtigen Wicht mit seiner Bürste den Mund stopfen wollte. Dieser Zorn trieb ihn weiter voran. Sein Kontrahent zeigte ein erstauntes Gesicht, als er zwei weitere Schritte zurückweichen musste.
Doch plötzlich drehte sich der Spieß erneut um. Don Muertos' rechte Hand schlug nun mit noch größerer Kraft auf Malcolm ein und trieb ihn zurück in Richtung des umgestürzten Mastes. Der Brite spürte indes, wie ihn allmählich die Kraft verließ. Seine Armmuskeln waren einfach nicht für diese Art des Nahkampfes gemacht.
Da traf ein kräftiger Schlag des Piraten seinen rechten Arm. Der Schmerz sorgte dafür, dass sich seine Hand öffnete und der Säbel scheppernd zu Boden fiel. Ein weiter Schlag traf ihn an der Seite und er taumelte gegen den auf dem Deck liegenden Mast. Der Schmerz war nahezu unerträglich. Wahrscheinlich war ein Organ verletzt worden. Doch er musste diesen Gedanken schnell zur Seite schieben. Noch mehr als seine Seite schmerzte ihn der Gedanke daran, was dieser Furcht erregende Korsar mit Hoshi anstellen würde. Die Japanerin blickte besorgt zu ihm hinauf und dann zu Malcolms Kontrahenten. Sie versuchte sich mit aller Kraft selbst von dem Mast auf ihrem Bein zu befreien. Malcolm wusste, dass diese Mühe vergebens war, doch er bewunderte Hoshis großen Mut.
Die Zähne zusammen beißend richtete er sich auf. Erneut trat Verwunderung auf das Gesicht des Piraten. Er war wohl der Annahme gewesen, Malcolm bereits ausgeschaltet zu haben. Doch da hatte er sich geirrt.
"Haben Sie noch nicht genug?"
Don Muertos' rechte Hand streckte Malcolm seinen Säbel entgegen.
"Lassen Sie Ihre schmutzigen Finger von ihr."
Mehr brachte der Brite im Moment nicht heraus.
Zu mehr kam er auch nicht. Sofort stürzte sich der bärtige Pirat auf ihn. Malcolm sprang geschickt zur Seite, so dass sein Kontrahent an ihm vorüber lief. Dabei verpasste er ihm einen Schlag gegen den Rücken, der ihn vorwärts gegen den Mast warf. Wütend drehte sich der Pirat zu Malcolm um. Letzterer versuchte so gut es ihm möglich war in eine Kampfhaltung zu gehen. Kaum war der Brite in Position, kam der Pirat erneut auf ihn zu. Diesmal sprang Malcolm nach links um einerseits dem Säbel des Piraten aus dem Weg zu gehen und andererseits dem selbigen seinen linken Fuß in die Seite zu stoßen. Eine schnelle Kombination mit seinen kräftigen Fäusten ließ den Piraten endgültig das Gleichgewicht verlieren und er fiel auf das Deck.
Malcolms Kontrahenten tropfte Blut aus dem Mund, als er sich wutschnaubend erhob. Mit seiner rechten Hand hatte er ein Messer gezückt. Malcolm versuchte sich ein selbstbewusstes Grinsen abzuringen, doch wurde nur eine schmerzverzerrte Grimasse daraus. Zwei blitzende Klingen waren nun auf ihn gerichtet. Jeden Moment würde sich der Pirat auf ihn stürzen um ihm den Rest zu geben. Malcolm wusste, dass er nur ein Chance hatte.
Der Angriff kam plötzlich und doch nicht überraschend. Malcolm hatte mit Absicht seine verletzte rechte Seite präsentiert, da er damit rechnete, dass der Pirat versuchen würde ihn dort zu attackieren. Mit all seiner verbliebenen Kraft traf sein rechter Fuß die kräftige Linke seines Kontrahenten und schleuderte ihm den Säbel aus der Hand. Dann drehte er sich geschickt, um den Piraten ins Leere laufen zu lassen. Im Vorbeilaufen verpasste er seinem Widersacher mit einem Schlag ins Genick ein zusätzliches Bewegungsmoment, packte ihn am rechten Arm und stürzte ihn mit seinem gesamten Körpergewicht zu Boden.
Malcolm spürte wie der Körper des Piraten unter ihm erschlaffte. Das Messer hatte sein Ziel offenbar nicht verfehlt. Doch auch der Brite spürte, wie ihn seine Kräfte verließen. Zum ersten Mal seit Beginn des Duells mit Don Muertos' rechter Hand blickte er an sich selbst herab. Ein großer Blutfleck bedeckte seine rechte Seite. Er wusste nicht, wie lange er so dagelegen hatte, als er wie von weitem jemanden seinen Namen rufen hörte.
"Malcolm, können Sie mich hören?"
Es war Captain Archers Stimme. Er blickte auf und sah in die besorgten Gesichter seiner Kameraden.
Um sie herum lagen die Körper vieler Piraten und auch einiger britischer Marineoffiziere. Offenbar hatten die Briten das Piratenschiff geentert. Malcolm blickte auf das Kampfgeschehen um sich herum. Es war ein furchtbares Gemetzel. Manche der Piraten ergaben sich und wurden gefangen genommen. Die meisten jedoch kämpften bis zum bitteren Ende und wurden zum Opfer der gnadenlosen Marineoffiziere. Auf dem hinteren Deck konnte Malcolm Don Muertos mit dem Captain des britischen Schiffes kämpfen sehen.
Das britische Schiff, schoss es ihm plötzlich durch den Kopf. Sein Blick glitt an seinen Kameraden vorbei zur Steuerbordseite. Was er dort sah, erschütterte ihn erneut. Die ehemals stolzen weißen Segel waren durchlöchert und zerrissen. Die Masten, an denen sie hingen, waren an mehreren Stellen gebrochen. Das Banner des britischen Königreichs war ebenfalls zerrissen und das Schiff schien Schlagseite zu haben. Malcolm trauerte um das Schiff, dass Ihnen Hoffnung auf Rettung gebracht hatte wie er um die Enterprise trauern würde.
Plötzlich verschwamm das Bild vor seinen Augen. Das muss der Blutverlust sein, dachte er. Schemenhaft konnte er erkennen, wie ein Mann auf ihn und seine Kameraden zukam. Er trug weder die Kleidung der Piraten noch die Uniform der Briten. Es sah eher so aus, als trüge er ahnliche Kleidung wie sie selbst. Er sah auch gar nicht wie ein Pirat oder ein Marineoffizier aus. Er wirkte eher schmächtig und schien auch unbewaffnet zu sein.
Malcolm merkte gar nicht, dass er ihren Besucher wie hypnotisiert anstarrte. Seinen Kameraden entging sein Blick jedoch nicht. Drei Köpfe drehten sich dem Neuankömmling entgegen. Er konnte hören, wie Hoshi neben ihm laut nach Luft schnappte. Nur Archer und T'Pol zeigten kein Anzeichen der Überraschung beim Anblick des Mannes.
"Daniels", konnte er Archer sagen hören. Es war das letzte was er wahrnahm, bevor ihn vollständig Dunkelheit umfing.
Fortsetzung folgt ... in Captain's Enterprise
