"I can see you sad, even when you smile, even when you laugh. I can see in your eyes, deep inside you want to cry."
( watch?v=CWR_balfYas)
Langsam ging ich auf den Tisch zu und setzte mich neben den Jungen. Er war wunderschön, keine Frage. Doch wieso fühl ich mich so ruhig neben ihm? Das ist mir noch nie bei einem Fremden passiert.
Bei meiner Familie fühl ich mich wohl, aber bei einem wildfremden Jungen? Man konnte es auch nicht gerade wohlfühlen nennen. Aber es war verdammt nah dran. Ich schaute ihn genauer an. Er hatte bronzenfarbenes zersaustes Haar, das einfach zum verwuscheln da war. Seine Smaragdgrünen Augen haben einen goldenen Tupfer. Er schaut mich aus dem Augenwinkel an und ich schau schnell auf die Tafel. Gott, er denkt bestimmt ich wär verrückt.
Um mich auf andere Gedanken zu bringen achtete ich wieder auf den Unterricht.
Als Mr. Banner den Unterricht beendete rannten die meisten raus. Genauso der Junge. Und mit ihm ist auch die Ruhe weggegangen.
Als nächstes hatte ich zwei Stunden Spanisch. Ich lief durch die Flure und schaute dabei nur auf den Boden. Spanisch hatte ich schon wieder alleine, toll. Als ich in das Klassenzimmer rein ging, war meine Lehrerin Mrs. Sanches schon da. Doch der Unterricht hatte zum Glück noch nicht angefangen. Ich gab ihr meinem Laufzettel und sie setzte mich an den einzigen freien Platz. Neben Jessica.
Nein! Nein, nein, nein, nein! Bitte nicht. Sie wird mich aufressen. Doch es gab keinen anderen freien Platz. Meine Finger fingen an zu zittern und mein Herz raste. Wird sie fies sein? Werde ich mich wieder blammieren? Ich ging zu meinem Platz.
Jessica saß da unterhielt sich mit einem blonden Jungen der vor ihr saß. Gut, sie hat mich noch nicht bemerkt. Doch das tat sie als ich mich hinsetzte.
"Ach, der Freak sitzt also neben mir." Sie kicherte und flüsterte dem blonden Jungen etwas ins Ohr, woraufhin er auch kicherte. Was hat sie über mich gesagt? Etwas fieses? Warum hat er gekichert? Mrs. Sanches begann den Unterricht.
Die zwei Stunden kriegte ich nichts vom Unterricht mit. Mein Herz raste wie verrückt und meine Hände zitterten so sehr, dass ich kaum den Stift gerade halten konnte. Sie denkt ich bin dumm, fett, hässlich, anders, ein Freak. Ich bin dumm, hässlich, anderes, ein Freak! Jessica tat zu meiner Überraschung nichts. Sie schaute mich ein paar mal an, aber sagte nichts. Das machte mir Angst. Sie heckt einen Plan aus. Sie will mich blamieren.
Als Mrs. Sanches den Unterricht beendete, packte ich so schnell wie möglich meine Sachen und rannte förmlich raus. Ich rannte aus dem Gebäude zum Auto und verkroch mich sogleich darin. Ich atmete viel zu flach und zitterte am ganzen Körper. Warum? Warum bin ich so? Sie hat nichts gemacht. Es liegt an mir. Ich bin das Problem. Ich spürte wie heiße Tränen mir die Wangen runterrannen. Ich nahm meine Umgebung noch kaum war. Hat Jessica sich etwas gemeines einfallen lassen? Bestimmt. Die Frage ist nur, wann wird sie zuschlagen? Ich bekam kaum noch Luft, deshalb ging ich aus dem Auto und atmete tief durch. Ein und aus atmen. Ein und aus. Meine Therapeut hatte mir das empfohlen.
Zum meinem Glück war kein Schüler mehr da. Sie waren alle in den Klassenräumen, in denen ich auch sein müsste. Ich hätte jetzt Englisch. Doch in den Unterricht zu gehen kam gar nicht in Frage. Das würde alles nur noch schlimmer machen. Ich könnte meine Geschwister oder meine Eltern anrufen. Doch ich wollte sie nicht enttäuschen. Sie glaubten alle das ich auf dem Weg der Besserung war und das würde sie nur wieder traurig machen.
Ich ging zum Mädchenklo und schaute in den Spiegel. Meine augen waren rot vom weinen und mein Gesicht war blasser als es ohnehin schon war. Ich nahm das Make-up aus meiner Tasche. Normalerweise schminkte ich mich nicht, aber ich hatte immer ein bisschen Schminke bei solchen Notfällen dabei.
Als ich fertig war, sah ich einigermaßen normal aus. Ich hatte nicht viel Schminke drauf gelegt. Im Gegensatz zu meinen Schwestern hielt ich nichts von sowas.
Als ich rausging regnete es natürlich. Ich setzte mich ins Auto und machte die Heizung an. Die Wärme umhüllte mich während ich der wunderschönen Musik lauschte. Meine Gedanken schweiften wieder zu dem Jungen aus Biologie ab. Ich kannte seinen Namen nicht. Ich wusste nichts über ihn und trozdem dachte ich so viel über ihn nach. Warum?
Gott, wie krank das klang. Ich dachte die ganze Zeit über einen Unbekannten nach. Kein Junge würde etwas von mir wollen, weil ich ein Freak bin. Jungs stehen auf große, schöne Mädchen, die nicht so krank sind wie ich. Jungs stehen auf Mädchen wie Rosalie.
Schüler strömten aus den Gebäuden, so auch meine Geschwister. Schon von weitem konnte ich sehen das Alice sehr wütend aussah. Oh nein, wenn Alice wütend war bewältigte sie es damit indem sie pausenlos redete. Das klang nicht außergewöhnlich, aber sie redete so schnell das sie kaum einer verstehen konnte. Zudem fluchte sie wie sonst was.
"Dieser scheiß Lehrer! Erst macht er Witze über meine Frisur und dann über meine Mathekenntnisse! Was denkt der Penner wer er ist?!", beschwerte sie sich über ihren Mathematiklehrer Mr. Cook "Ally, beruhig dich mal. Es ist nur Mathe", versuchte Jasper sie zu beruhigen. Und so ging es die ganze Fahrt über.
Abends saß ich dann alleine in meinem Bett mit meinem besten Freunden Laptop und Essem. Meine ganze Familie war paarweise ausgegangen und ich blieb alleine zuhause. Solche Abende gab es öfters, da ich keinen Freund hatte und die Anderen auch Zeit zu zweit brauchten. Irgendwann döste ich ein.
Ich wusste nicht wann ich einschlief. Das einzigste das ich wusste war, dass ich vom Jungen mit den grünen Augen geträumt hatte.
If you close your eyes you see darkness. But if you keep them closed for long enough... you'll see light.
