Hallo, hier ist das zweite Kapitel!

Vielen lieben Dank an meine erste Reviewschreiberin mittelding!


Kapitel 2- Danvers Street 26b

Luna konnte nicht schlafen. Es war bereits weit nach Mitternacht und sie drehte sich unruhig in ihrem Bett hin und her. Die blonde Hexe wusste auch was der Grund dafür war dass sie keinen Schlaf finden konnte. Es war das Pergament dass sie gestern Abend unter ihrer Post gefunden hatte.

Was war der Orden des Phönix? Sie hatte diesen Namen noch nie gehört und auch noch nie in der Zeitung gelesen… Auf alle Fälle war es etwas das gegen das Regime des Dunklen Lords ging… Möglich wäre es, denn sonst hätten der oder die Absender doch das genaue Datum des ersten Treffens auf das Pergament gesetzt; aber so musste man erst in die Danvers Street gehen um nähere Informationen zu bekommen.

Luna seufzte und stand auf. Die Wahrscheinlichkeit dass ich heute noch einschlafen werde ist sehr gering, da kann ich genauso gut aufstehen! Sie lehnte sich gegen die Arbeitstheke ihrer kleinen Einbauküche und sah aus dem kleinen Fenster, hinaus auf die vom Mond in silbernes Licht getauchten Dächer Londons. Wie friedlich die Stadt aussah… So würde man nie und nimmer annehmen dass sie die Hauptstadt eines von dem gefährlichsten und mächtigsten Schwarzamgier regierten Landes war.

Luna blickte in die Ferne wo sich auf einer Anhöhe eine mächtige Festung aus schwarzem Marmor erhob. Fast alle Fenster lagen im Dunkeln außer ein paar größere; diese waren von kaltem blauem Licht erhellt. Einige enorme Türme ragten meterhoch in den Himmel und waren mit einem Kreis aus düsteren Wolken, der sich langsam zu drehen schien, umgeben. Ein mächtiges und schwer bewachtes Holztor mit Eisenbeschlägen wurde links und rechts von zwei Basiliskenstatuen flankiert in deren aufgerissenen Mäulern ein unruhig flackerndes grünes Licht die Szenerie erleuchtete.

Lunas Hand formte unwillkürlich eine Faust und in ihr kochte eine nur allzu bekannte Wut hoch. Das was sie da tagtäglich sah war die Festung des Dunklen Lords. Dort hausten neben ihm und seine Schlange Nagini auch einige der wichtigsten und besten Todesser.

In ihrer Rage begann Luna in ihrer kleinen Wohnung hin und her zu gehen wie ein Tiger im Käfig. Dieser Mann – nein, dieses Monster! – war schuld an den vielen Morden an Muggelgeborenen. An den schlimmen Schicksälen über die sie fast schon jeden Tag beim Korrekturlesen beim Tagespropheten las. Und auch am Tod ihres Freundes Harry!

Luna ließ sich in ihren Schaukelstuhl fallen und schloss für einen Moment die Augen; sie atmete schwer. Ihre Finger krallten sich so fest um die Armlehnen des Stuhls dass ihre Knöchel unter dem Druck ganz weiß wurden. Dann fiel ihr Blick auf das Pergament das in erster Linie daran schuld war, dass sie nicht schlafen konnte und demnach hier saß. Der Orden des Phönix…

Lunas Gedanken wanderten zurück zu ihrer Feststellung von vorhin. Auf alle Fälle war es etwas das gegen das Regime des Dunklen Lords ging… Sie erhob sich und griff nach dem Papier.

Sie spürte in sich den Drang etwas zu unternehmen – irgendetwas – um sich an Voldemort für das Unrecht das er begangen hatte zu rächen. Sie hatte fast ein Jahr lang gespurt und sich bemüht, ja nichts zu tun was gegen das neue Gesetz ging. Luna Lovegood hatte es satt still zu sein und demütig den Kopf zu senken. Sie wollte etwas verändern! Damit wieder etwas Glück und Frohsinn in das Leben der Menschen Einzug halten könnte.

Lunas Entschluss stand fest. Gleich morgen – eigentlich war es ja schon heute – würde sie in die Danvers Street Nummer 26b gehen und sich informieren. Dann würde sie über ihre neugewonnen Erkenntnisse nachdenken und dann ihren endgültigen Entschluss fällen.

Mit einem beschwingten Gefühl sah die Blonde noch einmal aus dem Fenster bevor sie sich wieder in ihr Bett legte um wenigstens noch ein paar Stunden Schlaf abzubekommen.

Als Luna ein paar Stunden später aus dem Wohnblock in dem sie ihre Wohnung hatte auf die Straße heraustrat bemerkte sie dass es angefangen hatte zu regnen. Allerdings war es nur ein leichtes Nieseln und so zog die Hexe die Kapuze ihres hellblauen Mantels über ihre langen blonden Haare und machte sich auf in Richtung Danvers Street, die nicht besonders weit von der Straße entfernt lag, in der sie selbst wohnte. Sie hatte das ungute Gefühl beobachtet zu werden und so drehte sich Luna ein paar Mal unauffällig um und sah dass niemand hinter ihr zu sehen war. Ein kalter Schauer kroch ihr den Rücken hoch. Du wirst ja noch ganz paranoid. Reiß dich zusammen!

Seit Lord Voldemorts Machtübernahme war nie so wirklich viel los auf den Straßen Londons außer am Trafalgar Square und an wichtigen Plätzen. Luna störte das nicht. Je weniger Leute sie sahen desto besser. Die Nervosität nagte an ihr als sie erneut wieder das Gefühl hatte, jemand würde sie von hinten mit seinen Blicken durchbohren. Luna beschleunigte ihre Schritte ein wenig und ihre Augen flogen über die Straßenschilder an denen sie vorbeiging. Old Market… Henderson Field… Danvers – Na endlich! Danvers Street! Ohne einen weiteren Blick hinter sich zu werfen bog sie in die enge Gasse ein.

Danvers Street? Während sich Luna darüber wunderte, dass eine so kleine Gasse die Bezeichnung Straße trug, wanderten ihre Augen von einem Hausnummernschild zum anderen bis sie schließlich das von ihr gesuchte Haus fand. Na ja, eigentlich fand sie nur die Nummer 26. Von einer 26a war weit und breit nichts zu sehen geschweige denn von 26b. Luna zog ihre blassen Augenbrauen zusammen und runzelte die Stirn. War das alles etwa nur ein Scherz?

Vor ihr lag ein furchtbar heruntergekommenes Haus das so aussah als würde es in sich zusammenbrechen wenn sich auch nur eine Fliege darauf niederlassen würde. Die Fenster waren mit Brettern vernagelt; irgendwo hatte sich eines gelöst und schlug mit jedem Windstoß klappernd gegen die Hauswand. Jedes Mal zuckte Luna unwillkürlich ein wenig zusammen. Quer über die Eingangstüre war ein durchnässtes Schild mit der Aufschrift ‚For Sale' angebracht worden.

Luna spielte mit dem Gedanken einfach umzudrehen und wieder nach Hause zu gehen. Das wäre mit Sicherheit das Beste. Wenn da allerdings zum einen nicht Lunas ungeheuere Neugierde und zum anderen ihre Entschlossenheit sich gegen das Regime aufzulehnen gewesen wäre. Also öffnete Luna das schrottige Gartentor das zu ihrer Überraschung überhaupt nicht quietschte und trat auf das Grundstück. Der kleine Garten war in einem genauso verwahrlosten Zustand wie das Haus. Das Gras war unglaublich lang und eine Vielzahl von Pflanzen die früher sicher einmal in einem Gemüsebeet angelegt gewesen waren hatten sich über die hölzerne Abtrennung hinweggesetzt und vermischten sich mit dem Gras.

Luna bahnte sich ihren Weg durch das Gestrüpp denn sie hatte die leise Ahnung dass es ihr nicht viel bringen würde in das Haus zu gehen. Sie umrundete die Bruchbude und kam an einem Regenfass an das mehr al überfüllt war denn der Boden um das Behältnis herum war durch das überschüssige Wasser aufgeweicht und ungeheuer matschig. Ihre blauen Augen betrachteten einen kleinen Schuppen der ein paar Meter davon entfernt stand und genauso heruntergekommen war wie das Haus. Die Türe war mit einem mächtigen Vorhängeschloss versperrt das sicherlich mit einem Alarmzauber belegt worden war der den Eigentümer – oder den der es loswerden wollte – in null Komma nichts herbringen würde falls irgendjemand versuchte es – ganz egal ob mit oder ohne Magie – zu öffnen.

Die blonde Hexe wollte gerade umdrehen als sie aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahrnahm. Luna hielt mitten in der Bewegung inne als sie wie in Zeitlupe wahrnahm wie die Türe des Schuppens langsam aufschwang. Die junge Hexe wagte nicht zu atmen; als ob auch nur der kleinste Luftzug die Türe wieder zuschwingen lassen würde. Nachdem Luna für einige Momente regungslos verharrt hatte und nichts dergleichen passiert war fasste die Blonde sich ein Herz und ging langsam und sehr behutsam auf die offene Türe zu.

Der rationale Teil ihres Gehirns schrie sie förmlich an dass das was sie da tat ganz falsch war und sie mit Sicherheit in große Schwierigkeiten bringen würde aber Luna hörte nicht auf sie; da war irgendetwas das den Schuppen umgab, so etwas wie eine magische Aura und sie weigerte sich auch nicht zu glauben dass das Pergament vom Orden des Phönix ein Scherz gewesen war. Sie war auf dem richtigen Weg…

Das Innere des Schuppens lag in tiefer Dunkelheit und so nahm Luna ihren Zauberstab aus der Innentasche ihres Mantels und flüsterte „Lumos!" woraufhin sich ein weiches blaues Licht an der Spitze ihres Zauberstabs entzündete. Die Wände des Holzschuppens waren mit Regalen gesäumt auf denen alles Mögliche Krimskrams herumlag und Luna achtete nicht sonderlich darauf. Was ihre Aufmerksamkeit erregte war ein Schimmern das unter einem alten Kartoffelsack herzukommen schien. Zögerlich trat die Blonde darauf zu und hob das Leinenmaterial ein Stück an, ihr Zauberstab abwehrbereit falls darunter etwas gefährliches Lauern würde. Ihr Herz klopfte so schnell dass sie glaubte es würde ein Loch in ihren Brustkorb hämmern und dann sah sie was unter dem Sack lag…

Es war ein Gullideckel! Ein bronzefarbener Gullideckel! Mitten in einem verfallenen Schuppen! Ein ziemlich merkwürdiger und sinnfreier Ort für einen Gullideckel! Sie wollte gerade den Kartoffelsack wieder darauf legen als etwas auf dem Deckel ihre Aufmerksamkeit erregte. Als sie näher hinsah entdeckte sie eine kleine Gravur auf dem leicht schimmernden Material. Dort stand – Lunas Magen tat vor Aufregung einen kleinen Hüpfer – Danvers Street 26b!

Ein gemurmeltes Wingardium Leviosa später lag der Gullideckel neben ihr und gab ein dunkles Loch frei das dem Gestank nach zu urteilen in die Kanalisation führte. Lunas Magen drehte sich und sie musste sich sehr zusammenreißen um ihr Frühstück bei sich zu behalten. Sie wollte jetzt aber keinen Rückzieher machen! Sie war so weit gekommen und sie würde auch das jetzt noch hinter sich bringen!

Sie leuchtete mit ihrem Zauberstab hinein und entdeckte eine kleine Leiter aus Stahl die in die Tiefe führte. Luna tat einen großen Atemzug und hielt die Luft an; dann begann sie ihren Abstieg in die Kanalisation.

Die Leiter endete auf solidem Grund und als sich Luna umsah stellte sie fest dass sie auf einer kleinen Insel aus Beton stand; um sie herum floss das unappetitlich aussehende Abwasser. Sie war gerade dabei ihren Ekel zu überwinden als ihre scharfen Augen eine Unregelmäßigkeit in der Betoninsel wahrnahmen. Eine kreisförmige Erhebung befand sich einige Schritte von ihr entfernt. Vorsichtig ging Luna darauf zu und als sie ihren leuchtenden Zauberstab darauf richtete sah die junge Hexe dass es ein mit einem glänzenden Material ausgegossener Kreis war in dem der Umriss eines Phönixes zu erkennen war.

Unschlüssig was zu tun war richtete sich Luna auf und überlegte. Sie war ganz nah dran das konnte sie spüren aber wie sollte es jetzt weitergehen? Vielleicht gab es eine Spur dieser Kreise mit dem Phönix durch die Kanalisation bis sie ihr Ziel erreicht hatte? Ja, das wäre eine Möglichkeit! Luna ging an dem ersten Kreis vorbei weiter entlang der Betoninsel. Dabei berührte ihr Schuh das Abbild des Phönixes und plötzlich war Luna als würde sie durch einen extrem engen Schlauch nach unten gequetscht. Sie fiel durch den Kreis hindurch ins Leere…

Während Luna verschwand bewegte sich der Gullideckel oben im Schuppen von selbst wieder an seinen angestammten Platz und die Türe des heruntergekommenen Gebäudes schlug wieder zu.


Dadadadam! Wo sie da wohl wieder rauskommt? XD