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Danke mittelding und Wulfbrain für die lieben Kommentare!


Kapitel 3- Die Stadt unter der Stadt

Das schwindelerregende Gefühl des Fallens benebelte immer noch Lunas Sinne als sie ihre neue Umgebung in Augenschein nahm. Da die Kanalisation nur sehr sehr spärlich beleuchtet gewesen war glaubte sie dass sie aufgrund der Helligkeit des Ganges in dem sie jetzt stand erblinden würde. Die Blonde blinzelte ein paar Mal bevor sie einen zögerlichen Schritt nach vorne tat.

Sie stand in einem langen Gang dessen Decke von weißen und mächtigen Säulen getragen wurde. Die Wände waren ebenfalls weiß und hatten einen leichten goldenen Schimmer. Weißer Marmor diente als Fußboden und die vielen Fackeln an den Wänden spendeten ein warmes Licht.

Luna drehte sich langsam um und blickte eine mannshohe goldene Phönixstatue an die vor einer Wand hinter ihr stand. Als sie sich wieder nach vorne drehte entdeckte Luna am Ende des langen Gangs eine Doppeltüre auf der das gleiche Motiv prangte wie auf dem goldenen Kreis der sie hierher befördert hatte – ein Phönix.

Langsam schritt die blonde Hexe darauf zu und währenddessen erlosch sie zwar das Licht ihres Zauberstabs steckte ihn jedoch noch nicht in ihren Mantel zurück. Was wenn das hier doch eine Falle war?

Die Türe öffnete sich von selbst als Luna nur noch ein paar Meter davon entfernt war und gab den Blick auf einen kreisrunden Saal frei von dem unzählige Treppen nach oben in alle Himmelsrichtungen führten und genauso viele Türen abzweigten. Es war nicht sonderlich viel los; hier und da hasteten ein paar Männer und Frauen die Treppen hinauf oder verschwanden durch verschiedenste Türen.

Eine junge Frau mit pinken Haaren fiel ihr ins Auge. Sie stand neben einem etwas gedrungenen und untersetzten Mann und sie sahen beide so aus als würden sie auf etwas – oder jemanden – warten. Als die beiden Luna entdeckten die sich etwas verloren umblickte schritt die Frau auf die Blonde zu und lächelte leicht. „Kann ich Ihnen weiterhelfen?" Luna war froh dass die Frau den ersten Schritt gemacht hatte denn so wie sie sich selbst kannte hätte es Stunden dauern können bis sie einen Ton herausgebracht hätte. Etwas schüchtern fing Luna an in der Tasche ihres Mantels zu kramen und brachte schließlich das Pergament das für ihre Anwesenheit hier verantwortlich war zu Tage. „Ähm, ja das können Sie… Ich habe das hier in meinem Briefkasten gefunden und ich dachte- na ja…" Ja, was hatte sie eigentlich groß gedacht? Allerdings gab ihr die junge Frau keine Gelegenheit weiterzureden denn sie drehte sich zu dem kleinen Mann herum der zögerlich näher gekommen war und rief erfreut: „Was habe ich dir gesagt Mundungus? Es wird schon jemand kommen! Und jetzt haben wir Miss-", sie drehte sich mit einem entschuldigenden Lächeln zu der blonden Hexe um. „Entschuldigen Sie, aber Sie haben mir noch nicht Ihren Namen genannt." Jetzt lächelte Luna ebenfalls. „Oh, Luna. Luna Lovegood."

Plötzlich sprang der gedrungene Mann hinter dem Rücken der Frau mit den pinken Haaren hervor und schlug dieser auf den Arm. „Ha! Was hab ich dir gesagt!" Dann schlang er seine Arme um Lunas Taille und umarmte sie stürmisch. „Vielen vielen Dank dass Sie gekommen sind Miss Lovegood!" Schließlich ließ er von der völlig überrumpelten Hexe ab und setzte einen ernsten Gesichtsausdruck auf, drehte sich zurück zu seiner Begleiterin und streckte eine offene Hand aus. „Jetzt schuldest du mir zwei Galleonen, Nymphadora Tonks!"

Tonks verdrehte die Augen, griff in ihre Tasche und kramte zwei Goldmünzen hervor. „Okay, das war das letzte Mal dass ich mit dir um irgendetwas gewettet habe!" Als sie Lunas verwirrten Gesichtsausdruck wahrnahm hakte sie sich bei ihr unter und führte sie eine der vielen Treppen hinauf. „Sorry. Während wir hochgehen – dort werden Sie alle weiteren Informationen bekommen – erzähle ich ihnen was das gerade zu bedeuten hatte." Als Mundungus dazu ansetzte ihnen zu folgen drehte sich Nymphadora scharf um und keifte ihn an: „Und du bleibst gefälligst hier unten und wartest auf die anderen!"

Dann erzählte sie Luna von der Geschichte wie Mundungus ein Flugblatt des Ordens in einen Briefkasten geworfen hatte der nicht auf ihrer Liste gestanden hatte…

„Ich verstehe wirklich nicht wie ich es bloß mit dir aushalten soll!", seufzte Hermine Noch-Granger und blickte ihren Verlobten Ron Weasley tadelnd an. Der Rothaarige blickte die junge Frau mit den krausen braunen Haaren an und runzelte die Stirn. „Hä? Auf was hast du denn damit angespielt?" Ein kleines Lächeln schlich sich auf Hermines Gesicht als sie in Richtung Rons Bauch nickte. Er folgte ihrem Blick aber sein Gesichtsausdruck war danach nicht viel schlauer. Ein grummelndes Geräusch kam Hermine zuvor. Die beiden brauchten ein paar Augenblicke um zu realisieren dass das Geräusch von Rons Magen verursacht wurde. Das Paar sah sich eine Sekunde lang schweigend an bevor sie in prustendes Gelächter ausbrachen. Ein wenig außer Atem brachte Hermine schließlich hervor: „Genau das meinte ich! Wir haben erst vor einer guten Stunde gegessen. Und trotzdem bist du schon wieder hungrig! Wie soll ich dich auf Dauer sattbekommen?"

Ron wollte gerade zu einer scharfen Antwort ansetzen als er seinen Blick in dem hörsaalartigen Raum in dem sie saßen umherwandern ließ. „Ich werd verrückt!" Die Brünette neben ihm zog fragend ihre Augenbrauen zusammen. Sie folgte dem Blick des Rothaarigen und entdeckte eine junge Frau mit platinumblonden Haaren die nicht weit von ihnen entfernt alleine dasaß und das majestätische Rednerpult am tiefsten Punkt des Saals bewunderte; ein Phönix der aus hohen Flammen aufstieg.

Zuerst wollte Hermine Ron dafür zurechtweisen dass er eine andere Frau so regelrecht anstarrte aber als die kluge Hexe genauer hinsah wanderten ihre Augenbrauen fast nach oben bis unter ihren Haaransatz. War das… konnte das sein? Sie nahm gar nicht wahr wie sie aufstand und die Stuhlreihen entlangschritt bis sie schräg hinter der Blonden stand.

„Luna?", sie berührte sie junge Frau leicht an der Schulter und als sich diese überrascht umdrehte blickte Hermine in die unglaublichen blauen Augen die sie überall wiedererkennen würde.

Luna Lovegood brauchte eine Weile um die junge Hexe vor ihr zu erkennen. Aber als ob ein Schalter in ihrem Kopf umgelegt worden wäre sprang sie auf die Beine; sie sagte nichts sondern schlang ihre Arme fest um die Brünette. Hermine erwiderte die Umarmung sofort und eine Welle der Freude überrollte sie. Nach den vielen Monaten der Trauer und Ungewissheit tat es unglaublich gut jemanden zu sehen der früher einmal ein fester Bestandteil seines Lebens gewesen war, eine Erinnerung an glücklichere und sorglosere Zeiten.

Hermine war so in ihren eigenen Gedanken versunken gewesen dass sie esr jetzt bemerkte dass Luna am ganzen Leib zitterte. Besorgt löste Hermine die Umarmung und sah dass die Blonde angefangen hatte hemmungslos zu weinen. Sie öffnete und schloss ihren Mund ein paar Mal bis sie schließlich herausbrachte: „Ich-Es tut so gut dich nach so langer Zeit wiederzusehen!" Luna schniefte ein paar Mal und atmete tief durch. „Hattest-Hattest du auch gerade das Gefühl… als wäre ein teil aus der damaligen Zeit in das Hier und Jetzt zurückgelehrt und-und als hätte es für ein klein wenig Licht in der düsteren Welt gesorgt?"

Hermine lachte und wischte sich auch ein paar Tränen aus den Augenwinkeln. „Du sprichst mir aus der Seele Luna!" Und dann lagen sich die beiden Freundinnen erneut in den Armen. Ron war ebenfalls aufgestanden und mit einem Grinsen auf die beiden Frauen zugeschlendert. Auch er umarmte Luna kurz und sagte mit einem selbstzufriedenem Tonfall: „Ich hoffe ihr zwei habt eine Familienpackung Taschentücher dabei!" Anstelle auf die fragenden Blicke von Hermine und Luna zu antworten nickte er in Richtung des Eingangs zum Hörsaal. Die Köpfe der beiden Hexen drehten sich synchron in die Richtung in die der Rothaarige gedeutet hatte und beide schnappten ähnlich überrascht nach Luft.

Neben dem Rednerpult stand eine Vielzahl an bekannten Gesichtern aus Hogwarts. Luna traute ihren Augen nicht! Dort standen unter anderem Dean Thimas, Cho Chang, Ginny Weasley, Fred Weasley mit seiner Frau Angelina und seinem Zwillingsbruder George. Seamus Finnigan, Pavarti und Padma patil und Hannah Abott waren ebenfalls mit von der Partie.

Alle hatten ein breites Grinsen quer über ihre Gesichter gepflastert; offenbar durch das unverhoffte Wiedersehen gleichsam überrascht und erfreut.

Hermine war die Erste die etwas sagte. „Spinne ich jetzt komplett? Zuerst Luna und dann ihr alle?" Dann eilte sie gefolgt von Luna auf ihre alten Freunde zu. „Wehe ihr seid nicht echt!" Auf diesen Ausruf der Hexe mit den buschigen Haaren mussten alle lachen und es folgte eine sehr warme und herzliche Runde an Begrüßungen. Doch bevor alle erzählen konnten wie es ihnen nach dem Krieg ergangen war und so weiter betrat ein dunkelhäutiger Mann den Raum.

Er war in dunkelblaue und lila Gewänder gekleidet die ihn orientalisch anmuten ließen. Außerdem trug er einen kleinen goldenen Ohrring an seinem linken Ohr. Ihm folgte ein anderer Mann der in seinen Vierzigern zu sein schien; sein braunes Haar war teilweise schon von grauen Strähnen durchzogen und sein Gesicht zierten ein paar Narben.

Die beiden Männer strahlten eine Autorität aus die die soeben wiedervereinten Freunde dazu veranlasste leise zu sein und sich in dem Saal hinzusetzen. Es waren auch noch andere Hexen und Zauberer dazugekommen die Luna nicht kannte aber darüber machte sie sich keine großen Gedanken.

Immer noch total überwältigt setzte sich die Blonde zwischen Cho Chang und Hermine und richtete ihre Aufmerksamkeit auf den dunkelhäutigen Mann der nun hinter dem Rednerpult stand und mit einem leichten Lächeln das Meer aus Gesichtern vor ihm überblickte. Er verstärkte seine Stimme nur ein wenig mit Hilfe von Magie als er das Wort an alle Anwesenden richtete: „Herzlich Willkommen im Orden des Phönix! Mein Name ist Kingsley Shacklebolt und ich bin Vorsitzender dieser Organisation." Kingsley begann langsam im Raum umherzugehen. „Sie sind alle hier da Sie von uns ein Flugblatt im Briefkasten gefunden haben…" Ein zustimmendes Murmeln erhob sich im Saal das jedoch schnell wieder abebbte. „Wir haben Sie ausgewählt da wir mit Sicherheit wussten dass Sie oder nahe Verwandte während des Ersten oder Zweiten Zaubererkrieges gegen Lord Voldemort gekämpft haben.", erklärte Kingsley. „Nun, wie Sie sich mit Sicherheit schon gedacht haben sind wir eine Widerstandsorganisation die bereits während der ersten Machtergreifung des Dunklen Lords gegründet wurde. Da wir vorwiegend im Untergrund arbeiten wurden wir nie von Todessern entdeckt, verfolgt oder bedroht. Und diesem Umstand verdanken wir es dass wir jetzt noch existieren."

Luna wagte es nicht zu atmen als sie die Worte des Vorsitzenden wie einen wertvollen Schatz aufnahm und tief in ihrem Gedächtnis abspeicherte. Allem Anschien nach war ihre Vermutung bezüglich des Ordens richtig gewesen!

Jetzt trat der Mann mit den Narben im Gesicht vor und stellte sich vor: „Guten Tag. Mein Name ist Remus Lupin und ich bin Kingsleys Stellvertreter. Außerdem kümmere ich mich um unsere Ausrüstungslager." Remus Lupin verschränkte seine Hände hinter dem Rücken und fuhr fort: „Wir hoffen unter Ihnen neue und passionierte Mitglieder zu finden. Natürlich ist uns klar dass wir niemanden dazu zwingen können aber durch einen sehr mächtigen Zauber sind nur diejenigen unter allen die unser Flugblatt bekommen haben heute hierhergelangt die tief in ihrem Herzen den Wunsch hegen Den-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf zu stürzen. Nur für diejenigen deren Loyalität auf unserer Seite ist, ist die sonst verschlossene Türe des Schuppens aufgeschwungen; nur euch hat sich der Gullideckel offenbart. Weil Sie alle auf unserer Seite sind!"

Atemlose Stille lag über den Zuhörern die gebannt jedem Wort lauschten um ja nichts zu verpassen. Jetzt übernahm Kingsley wieder das Wort: „Bitte bedenken Sie dass alles bei Ihrer Entscheidung! Wenn Sie sich ganz sicher sind dass Sie ein Mitglied des Orden des Phönix sein wollen tragen Sie bitte Ihren Namen auf dieser Liste hier ein." Während er das sagte beschwor er mit seinem Zauberstab ein Blatt Pergament hervor das neben einer Feder in der Luft schwebte. Dann trat der Vorsitzende zurück und wartete.

Ohne groß darüber nachzudenken stand Luna Lovegood auf und schritt zielstrebig auf das Papier zu, nahm die Feder und setzte ihren Namen auf die Liste. Als sie aufsah bemerkte sie dass sowohl Lupin als auch Kingsley sie anlächelten. Die blonde Hexe erwiderte die Geste und stellte sich neben die beiden und blickte ihre Freunde auffordernd und ermutigend an. Es dauerte nicht lange bevor Ron und Hermine Lunas Beispiel folgten und dann war der Damm gebrochen!

Am Schluss hatte jeder Einzelne im Raum seinen Namen auf die Liste geschrieben.

Ein freudiges Kribbeln breitete sich in Lunas Körper aus. Es war ihr als stünde sie unter Strom und die junge Hexe wusste ganz genau was das für ein Gefühl war das sie empfand: Vorfreude. Vorfreude auf das was kommen würde. Sie war nicht mehr alleine; sie hatte ihre Freunde wiedergetroffen und sie hatte nach langer langer Zeit mal wieder das Gefühl etwas richtig zu machen…

Mit einem Funkeln in den Augen sah sich Luna in dem Hörsaal um. Einige bestürmten Kingsley und Lupin mit Fragen und andere standen in kleinen Grüppchen im Raum verteilt und unterhielten sich angeregt.

Ja, mein Platz ist hier!