Du solltest nicht so nervös sein. Es ist ja nicht so, als hättet ihr zwei euch noch nie getroffen. Es ist nur leider so, dass du heute zum ersten Mal zu Alfred nach Hause eingeladen bist. Weihnachten ist vielbeschäftigt über euch beide hergefallen und hat euch primär an eure eigenen Familien gefesselt. Dein Kopf kommt dir seit Tagen leicht verklärt vor von all dem Glühwein, während dein Bauch schon gar kein Hungergefühl mehr zu kennen scheint. Zu viel phantastisches Essen. Sicher hast du nach diesen ausschweifenden Festtagen 2 Pfund zugenommen, doch das ist in dieser Jahreszeit völlig legitim.
Aber was, wenn seine Eltern dich nicht leiden können? Was, wenn sie dich merkwürdig finden? Und was, wenn Alfred wieder Ärger mit ihnen hat?
Zum wiederholten male streichst du dir die Haare zurecht, als du dein Spiegelbild in einer Fensterscheibe entdeckst. Du bist nicht overdressed – hoffst du zumindest. Bitte aber auch nicht underdressed, wie du noch viel mehr hoffst. Du möchtest einen guten ersten Eindruck hinterlassen. Alfred und du, ihr habt in der kurzen Zeit zwischen eurem ersten richtigen Date und dem heutigen Tage in erster Linie gechattet und abends telefoniert. Dass du frei hast, kommt euch beiden gelegen und auch deine Eltern finden es schön, dass du dir mal eine Pause gönnst, obwohl sie deine Selbständigkeit sonst vollkommen unterstützen.
In deiner rechten Hand schwingt eine türkisblaue, kleine Tüte, bedruckt mit silber-transparenten Sternen. Dein Geschenk für Alfred. Du hättest ihm nichts kaufen müssen; als ihr auf das Thema Weihnachtsgeschenke gekommen seid, habt ihr das geklärt. Ihr habt euch gefunden und es war ja schon unmittelbar vor Weihnachten, also hat Alfred gelacht und gesagt, du sollst dir all die Ideen für seinen Geburtstag und fürs nächste Weihnachtsfest aufsparen. Du hast mitgelacht, während dir warm ums Herz geworden ist, weil seine Worte bedeuten, dass er für euch eine Zukunft sieht. Er sieht sich und dich, zusammen, generell und überhaupt. Er sieht kein stures „das geht nicht" und „sie wird mich für irre halten" mehr, was er viel zu lang gesehen hat. Das ist dir schon Geschenk genug.
Nichtsdestotrotz hast du eine Kleinigkeit für ihn besorgt. Nichts Weltbewegendes, sondern nur einen feinen Kakao aus einem renommierten Schokolädchen. Dazu hast du ein paar Cookies gebacken, die in einem Plastiktütchen neben der bunt verpackten Kakaoschachtel stehen und darauf warten, von Alfred verputzt zu werden.
Der Beschreibung, die er dir gegeben hat, folgend, läufst du über einen weiten Bürgersteig. Die Häuser sind längst keine klobigen New Yorker Hochbauten mehr, sondern ufern in großräumige Familienhäuser aus. Die Art Familienhäuser, die weite Vorgärten, weiß gestrichene Zäune und mehrere Garagen besitzen. Es ist merkwürdig, wie schnell man von der Innenstadt in eine kleine, so heil wirkende Wohngegend gelangen kann. Du staunst nicht schlecht über die allseits blinkenden Lämpchen und Lichter, die sich über die prächtig geschmückten Häuser und die üppig dekorierten Gärten ergießen. Es ist eine jener Nachbarschaften, wo jeder versucht, sich bestmöglich nach außen zu präsentieren. Alfred hat nie durchscheinen lassen, dass seine Eltern offenbar viel Geld verdienen – oder zumindest genügend Geld, um sich hier ein Haus mit entsprechendem Lebensstil leisten zu können. Auch Matthew macht einen sehr geerdeten Eindruck; also müssen die Eltern der beiden – ganz gleich, wie erbittert sie mit Alfred auch streiten –, doch irgendwas richtig gemacht haben. Du kennst genug Menschen, die allein auf Grund eines reichen Elternhauses meinen, die Nase so hoch tragen zu dürfen, dass sie sich nicht mal mit dir unterhalten wollen.
Dennoch bist du ein bisschen eingeschüchtert, als du nun das Haus mit der richtigen Nummer entdeckst. Der Gehweg zur Haustüre ist frei geschaufelt worden. Im Garten steht ein Weihnachtsmann samt Rehntieranhang und Schlitten, die Hand zum Gruß gehoben. Die Lichtchen leuchten im klaren Nachmittag. Auch die Fenster und die Türen sind mit Lichterketten und anderem Weihnachtsschmuck versehen. Du starrst auf die goldene Türklingel und das gleichfarbige Namensschild, auf dem in schnörkeligen Lettern Jones eingraviert ist. Drinnen brennt zwar Licht, doch du kannst weder jemanden sehen, noch etwas hören. Die Einfahrt zur zweitürigen Garage ist ebenfalls frei von Schnee und du holst tief Luft, als du nun mutig den Finger hebst und auf die Klingel drücken willst. Doch in just dem Moment wird die Haustür geöffnet. Fast fällst du die zwei kleinen Stufen rückwärts hinunter, doch der Schreck lässt dich glücklicherweise erstarren.
„H-hi, ähm, ich mein: fröhliche Weihnachten!", grüßt du deutlich aus der Bahn geworfen, als dein Gehirn dir meldet, es mit Matthew zu tun zu haben. Die Tür weiter für dich öffnend, lächelt er dich begrüßend an.
„Dir auch frohe Weihnachten! Komm doch rein."
Deine Hand, die so verkrampft ist, dass sie sich schmerzhaft um die Träger der kleinen Tüte geschlungen hat, ist eiskalt. Du hast deine Handschuhe vergessen. Passend zum Thema fällt dir auf, dass Matthew so ausschaut, als würde er wegfahren wollen. Als du neben ihn ins Innere des Hauses trittst, schließt er soeben den obersten Knopf seines feinen Mantels. Es ist ein anderer als der, den er an dem Tag getragen hat, als er dich im Coffee Shop besucht hat.
„Schön, dass du da bist. Willst du deine Jacke ausziehen?" Er deutet auf die Garderobe und du kommst rasch seiner Aufforderung nach. Gar nicht damit rechnend, dass er so höflich ist, dir die Jacke tatsächlich abzunehmen und sie auf einen Bügel zu hängen.
Im gleichen Zug schnappt sich Matthew einen Schal, der an einem der Haken hängt, und legt ihn sich um den Hals.
„Ich muss jetzt zwar los, aber ähm, danke dass du zum Schulfest gegangen bist und nun ja... du weißt schon." Sein Blick gleitet in Richtung Treppe und dein Augenmerk folgt. Du siehst niemanden und dir fällt erneut auf, dass zwar Licht brennt, aber ansonsten eher Stille im Haus vorherrscht. Es riecht nach Tannengrün, nach Zimtkerzen, deftigem Braten und schwerem Wein. Matthews Haar ist penibel frisiert, sein Mantel ist schwarz und elegant. Passend zu dem Kaschmirschal.
„Ich muss mich bei dir bedanken. Wenn du nicht gesagt hättest, dass er in der Schule ist..."
„Ach, keine Ursache. Hab ich doch gern gemacht." Sein Lächeln wird weiter und du fragst dich, ob Alfred sich auch ab und an so herausputzt. Vielleicht hat Matthew ja eine Verabredung? Die Tatsache, dass er wiederholt an seinen Ärmeln zupft, lässt ihn zumindest nervös wirken. Dann deutet er in Richtung der Treppe.
„Du musst hochgehen und dann rechts rum. Alfreds Zimmer ist hinter der linken Tür. Unsere Eltern sind vorhin zu Verwandten gefahren und er hat sich kurz hingelegt."
„Geht's ihm nicht gut?" Du musst daran denken, wie er auf die Tabletten geschimpft hat. Schon als er mit dir aus war, wollte er lediglich etwas trinken und nichts essen. Vielleicht wird ihm immer noch übel?
„Ihm war nur nicht wohl nach dem Mittagessen. Die Medikamente. Ich glaub aber, er ist schon wieder wach."
Du nickst verständnisvoll und bist dir plötzlich nicht mehr so sicher, ob die Cookies eine gute Idee waren. Was, wenn du das mit der Übelkeit unterschätzt hast? Alfred hat es zwar nur beiläufig erwähnt, aber womöglich wollte er nur nicht jammern.
„Geh einfach zu ihm hoch."
„Ja, mach ich. Und dir viel Spaß!" Wobei auch immer. Aber sein Strahlen verrät dir, einen Volltreffer gelandet zu haben. Seine Hände pflücken ein Schlüsselbund von den Haken an der Wand, ehe er dir ein verabschiedendes „euch auch!" zuwirft. Die Tür klappt leise, dann ist Matthew fort und du stehst inmitten des großen Hauses.
Der steinerne Boden ist mit guten Teppichen ausgelegt, als du ins Wohnzimmer spähst und einen riesigen Weihnachtsbaum entdeckst. Die Sofagarnitur ist großflächig ausgeweitet und teils dem Kamin, teils dem Garten zugewandt. Du kannst durch die gläserne Front hinaus schauen, in das weiße Wunderland, was sich hinter dem Haus auftut und im Sommer einen Pool beherbergt. An der Wand tickt eine Uhr und du wagst kaum, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Ihr habt nie darüber gesprochen, was eure Eltern beruflich tun. Irgendwie ist das Thema nicht aufgekommen und, wenn du ganz ehrlich bist, ist es dir auch nicht wichtig.
Du sichtest allerhand Familienfotos an den Wänden und auf dem Kamin. Bilder vieler Leute und Bilder, auf denen du nur die Zwillinge erkennst. Mal mit, mal ohne Elternteile. Beide Jungs haben das Lächeln ihrer Mutter, aber den hoch gewachsenen Körperbau des Vaters. Ähnlichkeiten ziehen sich durch die gesamte Verwandtschaft, als du an einem großen Familienfoto vorbei gehst und etliche unbekannte Gesichter studierst. Du kannst dir lebhaft vorstellen, was in diesem Haus an den letzten Tagen so los war. Immerhin hat Alfred erwähnt, seine Familie käme vorbei. Er würde sich freuen, aber es wäre auch irgendwie anstrengend.
Auch auf der Treppe liegt Teppich und dämpft deine Schritte. Als du schließlich im ersten Stock ankommst, musst du erneut Luft holen. Nicht etwa vor Anstrengung, sondern weil du reichlich übermannt bist von all den Sinneseindrücken. Deine Schuhe hast du unten bei der Garderobe gelassen. Sie sind nass und sollen nichts schmutzig machen. Als du vor Alfreds Zimmertür stehst, klopfst du zaghaft an. Eine Antwort ertönt allerdings nicht. Hast du dich etwa geirrt?
Vorsichtig drehst du am goldenen Knauf und lauerst dann durch einen Spalt in den Raum. Nein, du hast dich definitiv nicht getäuscht. Die Vorhänge sind halb vorgezogen und die bunten Lämpchen von Lichterketten, die sämtliche Fenster umgarnen, werfen farbenfrohe Tupfen durch den Raum. An den Wänden hängen lange Poster von Filmklassikern. Du entdeckst einen großen Flachbildfernseher, in dem beinahe tonlos eine Cartoonserie flimmert.
Die Tür ein Stück weiter öffnend, schlüpfst du in den Raum und kannst nun auch das breite Bett in Augenschein nehmen, was gegenüber des Fernsehers an der Wand steht. Es herrscht weder Ordnung noch Unordnung. Das Unordentlichste ist, wie du spontan behaupten würdest, der schlafende Junge, der halb in seine Decke eingerollt auf seinem Bett liegt. Die Brille auf dem Nachttisch neben einem halb aufgegessenen Schokonikolaus, fallen seine Haare teils in die Stirn, teils nach hinten weg. Alfred trägt ein Hemd, das mittlerweile vollkommen zerknittert ist, aber sonst optimal zu seinen Augen passt.
Sein Gesicht wirkt ein bisschen blass, als du näher trittst, einen Stapel DVDs und zwei Bücher sowie seine Umhängetasche umschiffst, und dann direkt vor seinem Bett in die Hocke gehst. Ruhige Atemzüge sind zu vernehmen. Unter einem Zipfel der Decke machst du die Fernbedienung ausfindig, ziehst diese behutsam hervor und stellst den Apparat aus. Anschließend legst du sie auf den Nachttisch, auf dem unter anderem auch das iPhone liegt und eine kleine Lampe steht.
„Hey Dornröschen, aufwachen", flüsterst du, als du dich liebevoll über ihn beugst und ihm einen Kuss auf den Mund hauchst. Er reagiert prompt, indem er verschlafen und hochgradig verwirrt die Lider öffnet. Dich sieht und dann plötzlich zusammenzucken.
„Hmm–? Oh, shit! Ich bin eingepennt. Sorry, Süße!" Seine Stimme ist rau und noch im Traumland unterwegs. Mit Hilfe der einen Hand reibt er sich zügig über die Augenpartie. Seine Muskeln recken sich unter der Decke.
„Das mit dem Hemd hätt' ich mir sparen können..."
Du hebst fragend eine Braue, woraufhin er ein Brummen von sich gibt.
„Meine Mom hat gesagt, ich soll was Anständiges anziehen, wenn du herkommst..." Halb entschuldigend stützt er sich auf die Ellbogen und setzt sich somit halb auf. Du musst lachen; die Bettdecke ist tief genug gerutscht, damit du erkennen kannst, dass er eine gute Figur im Hemd macht. Wegen dir hätte er natürlich nicht extra eines anziehen müssen. Aber allein die Tatsache, dass er es gemacht hat – und du bist dir sicher, er hat es nicht nur gemacht, weil seine Mutter es ihm geraten hat – findest du niedlich.
„Passt schon", sagend lässt du dich grinsend auf der Bettkante nieder. Etwas, das Alfred eher nicht gerne sieht. Für geschätzte zwei Sekunden taucht eine grübelnde Falte zwischen seinen Augen auf. Dann spürst du, wie er die Hände um deine Handgelenke legt und dich näher an sich heran zieht. Du quasi halb auf ihm liegst, seinen Oberkörper unter dir spüren kannst und glaubst, sein Herzschlag dringe bis zu deinem hervor.
Er küsst dich, inniger und länger als dein Aufweck-Küsschen ausgefallen ist. Ihr arrangiert euch ganz von selbst. Seine Hände rutschen auf deinen Rücken, auf diese empfindliche Stelle knapp oberhalb deines Pos. Während deine Hände einen gemütlichen Platz auf seiner Brust finden. Das Hemd fühlt sich fast so gut an wie Alfreds Haut, die darunter auf deine Berührung wartet.
„Wie bist du reingekommen?" Sein Mund lässt dir gerade genug Raum, um ihm eine Antwort aufzuhauchen.
„Dein Bruder."
„Mhm" ist alles, was du noch zu hören bekommst, bevor seine Lippen sich wieder an deine schmiegen. Zwischen euch knistert das Bettzeug, indessen es in deinem ganzen Körper furchtbar warm wird. Die Stelle, an der Alfreds Hände liegen, ist wie ein angenehmer Brandfleck und sendet eine unverschämt wohltuende Hitze aus. Mit der Intensität von Lava fließt sie durch dich hindurch, erreicht unerhörte Stellen und lässt dich bereitwillig den Kuss vertiefen.
„Geht's dir gut?", hauchst du etwas atemlos, ohne die Augen zu öffnen. Sein Nicken ist an deinen Lippen spürbar.
„Jetzt ja! Merry Christmas!"
„Merry Christmas", wisperst du zurück, ehe du erneut anfängst ihn zu küssen. Jetzt sogar die Augen öffnest, um sein Gesicht dabei betrachten zu können. Die aufgeregte Anspannung, die gute Art der Entspannung, die pure Hingabe. Der reine Genuss, als du dich zunächst seine Oberlippe entlang küsst, dann in seine Unterlippe beißt und ihn so lange provozierst, bis er dich noch fester an sich presst. Eure Zähne schlagen ungeschickt, aber leidenschaftlich aneinander. Schmerzfrei.
Alfreds Hände bewegen sich kaum merklich, streicheln lediglich, wagen aber nicht, großartige Erkundungen anzustellen. Es macht dir nichts aus. Er bietet dir so viel Fläche, dass du dir geschützt vorkommst. Eingehüllt in einer fordernden Umarmung, die dir das Gefühl absoluter Sicherheit vermittelt.
Ihr küsst euch in Rage, er zieht Luft ein, bewegt sich geringfügig unter dir. Seine Hände werden plötzlich unruhig.
„Süße...", schiebt er dich seicht von sich weg. Atemlos, schön im Halbdusteren. Groß, präsent, aber verlegen.
Du ahnst, worauf er hinaus will. Du weißt immerhin, wie es um dich selber gestellt ist.
„Wenn..wenn wir so weitermachen, haben wir hier gleich ein Problem. Oder ich zumindest..." Sein Lachen ist unruhiger Natur. Du sollst ihn nicht ärgern. Er hat bei noch niemandem gelernt, wie man mit solchen Situationen umgeht.
„Dann finden wir schon 'ne Lösung." Trotz verhältnismäßig kecker Antwort, bist du nicht allwissend. Dein Blick dürfte ihm das gerade vermitteln. Seine gesamte Aufmerksamkeit liegt auf deinem geröteten Gesicht. Zwischen euch scheint die Luft beinahe zu verdampfen. Du rutschst näher an Alfred heran und lässt die Kuppe deines Zeigefingers über seine leicht geöffneten Lippen streifen. Langsam, andächtig, ehe deine Finger ihren Weg hinab finden. Du küsst ihn längst wieder, als deine Hand seinen Hals passiert und unter dem Kragen seines Hemdes verschwindet.
Alfred möchte dich verschlingen. Auf die gute, auf die begierende Art. Seine Küsse fordern ein, was ihm bisher so gut gefällt und wovon er weiß, dass es noch weitaus mehr gibt. Selbst wenn er es noch nicht erfahren hat. Du kannst sein gedämpftes Keuchen vernehmen, sein schnelles Atmen. In ihm baut sich fortwährend mehr Anspannung auf und sorgt dafür, dass sich seine Finger leicht in den Stoff krallen. Du löst dich von seinem betörenden Mund und drückst ein paar Küsse auf seinen Hals, bis er dich abermals leicht wegdrückt. Nicht etwa, weil du tatsächlich aufhören sollst. Zwischen euch liegt noch diese Decke, die er etwas unschlüssig beiseite zieht. Die Beule in seiner Jeans ist unübersehbar. Dir läuft ein wahrer Regenschauer an Nervosität über den Rücken und lässt dich leicht beiseite rutschen. Auf den Knien sitzt du nun, in etwa auf Höhe von Alfreds Hüfte.
„Zeigst du mir ein bisschen, wie du's magst?", deine Stimme zittert, aber nicht, weil du Angst hast. Angst hast du höchstens davor, etwas falsch zu machen. Deswegen möchtest du ja seine Hilfe haben.
Mit holprigen Bewegungen streift sich Alfred die Jeans von den Hüften, sodass du im nächsten Moment freie Sicht auf seine Boxershorts hast. Dann stockt er, dich ansehend, aber du nickst zuversichtlich. Also schiebt er die Boxershorts auch hinab. Natürlich schaust du. Du schaust ihn an, sein leicht rotes Gesicht, dann die Stelle, an der sein Hemd nach oben gerutscht ist und dann wandert dein Blick weiter, bis er bei Alfreds erigierter Mitte ankommt. Seine Hand schließt sich um deine rechte und führt sie. Legt sie, bewegt sie. Nicht zu fest, nicht zu schnell, hinauf und hinab. Dich fasziniert und erregt, wie er genießen kann. Wie deine Nähe und deine Taten ihn dazu bringen, verklärt die Augen wieder zu schließen. Das Glied zwischen deinen Fingern ist steif und überraschend weich. Du übernimmst den Rhythmus, den Alfred dir vorgibt. Gleitest entlang seines Schaftes und bis hin zur empfindlichen Spitze. Sein Daumen schiebt den deinen hinüber, sodass es ihn neckt und erregt. Sein Becken liegt nur mühevoll still, als deine Hand sich mutiger verselbständig. Seine Finger lassen deine los. Du bist frei in deinen Bewegungen, erfährst, verwöhnst und ertastest. Ohne dich entscheiden zu können, ob du Alfred dabei lieber ins Lust verzerrte Gesicht schaust oder doch direkt ungeniert auf den Penis.
Alfred bemüht sich, es beim Keuchen zu belassen und nicht in ein Stöhnen überzuwechseln. Dabei ringt er unlängst mit dem letzten Rest an Beherrschung, die du drauf und dran bist ihm abzuluchsen. Erste Tröpfchen Flüssigkeit treten bereits aus seiner pochenden Spitze. Du integrierst sie ganz selbstverständlich in dein Fingerspiel, das noch gar nicht all zu lange andauert. Aber du kannst ihn deinen Namen seufzen hören, tief und kehlig, indessen er sich vermehrt zu winden beginnt. Deine Fingerspitzen und sein Glied glänzen, über den Zustand deines Höschen denkst du besser gar nicht erst nach.
Die Luft schmeckt anmutig männlich und hat etwas Diktierendes an sich. Ein wenig zurechtrückend, schielst du vielsagend hinab. Alfred starrt dich ob deiner plötzlichen Unterbrechung an. Die vom vielen Küssen geschwollen wirkenden Lippen leicht geöffnet, treffen sich eure Blicke.
Sollst du?
Sein Blick klebt dich fest, wie eine Ladung Honig ein Insekt. Ja, du sollst. Seine Pupillen scheinen so rund wie Vollmonde und saugen jedes Detail von dir auf. Reißen an deinen Kleidern und lassen dich ergeben tiefer sinken. Kaum berühren deine Lippen seine Eichel, hörst du ihn stöhnen. Urplötzlich ist da wieder seine Hand, liegt auf deinem Kopf und krallt sich voller Erregung in dein Haar. Du gleitest tiefer, nimmst ihn weiter auf. Deine Zunge macht nicht viel, sondern fährt erkundend über die Spitze und das Bändchen. Da ist ein latent salziger Geschmack.
In Alfreds Becken kommt mehr Bewegung, die er nicht mehr zu zügeln fähig ist. Er stößt dir in den Mund, ohne dass du noch großartig etwas tust oder machst. Aber der salzige Geschmack nimmt die Form einer leichter Flüssigkeit an, die du schluckst, bevor du überhaupt begreifst, dass sie da ist.
Seine Hand in deinem Haar hält dich dazu an, dich aufzurichten. Dir ist nicht so wirklich bewusst, was hier gerade vor sich gegangen ist, bis du ihm wieder ins Gesicht schaust. Verausgabung, völlige Zufriedenheit und Schweiß bilden das Grundgerüst seiner Miene. Seine Brust hebt und senkt sich schnell, viel schneller noch als eben.
Du krabbelst ein Stück zu ihm hinauf. Seine Hände helfen dir, berühren sanft deine Seiten, bis du auf seiner Höhe anlangst und er seine Stirn gegen deine Halsbeuge rollt.
„Wow, ich mein..das war echt geil...!" Sein glühender Atem kriecht dir über den Nacken und schlängelt sich dein Rückgrat hinab. Lässt dich die Beine zusammen schieben und das drängende Pochen bestmöglich ignorieren.
Eigentlich hattest du gar nicht vor, ihm einen runterzuholen – geschweige denn, ihm einen zu blasen. Wenn man das überhaupt so nennen kann. Du bist gerade etwas von dir selbst überrascht. Was hat dich da bloß geritten? Du hast im Leben nicht damit gerechnet, dass der heutige Besuch bei Alfred darauf hinauslaufen würde. Noch viel weniger rechnest du aber damit, was er dich nun fragt.
„Was möchtest du denn?"
Was du möchtest? Du wirst so rot im Gesicht, dass du keinen Ton herausbekommst. Das Kapitel, was mit heimlichen Phantasien über euch beide gefüllt ist und in deinem Kopf verdammt viel Platz einnimmt, scheust du dich noch immer aufzuschlagen. Du schluckst, als Alfred den Kopf anhebt und sich eure Blicke wieder treffen.
„Oder soll ich gar nichts machen?" Du verunsicherst ihn und er will sich dir nicht aufdrängen.
„Doch...", hörst du dich heiser antworten. Denn du liebst ihn und seine Nähe. Er zerreißt dich innerlich, so viele Emotionen setzt er in dir frei und du weißt nicht, wie du es ihm sagen sollst. Du weißt nur, dass du ihn willst. Egal auf welche Art und Weise. Dein Körper ist bis zum Zerbersten gefüllt mit Hingabe.
„Komm her...", bittest du ihn, um ihn erneut zu küssen. Dabei rollst du dich leicht seitlich, gerade genug, um deinen guten Rock nach oben schieben zu können. Dein nächster Griff findet Alfreds Hand, die wieder in deiner Taille ruht, und bringt sie auf den richtigen Weg. Schon die Berührung, die seine Finger auf deiner Haut hinterlassen, werfen Flammen und machen dich unruhig, vorfreudig, nervös. Er hört nicht auf, dich anzugucken. Erst recht nicht, als du den feinen Stoff deines Slips beiseite ziehst und seinen Fingern Platz machst. Du bist im Verlauf der letzten Minuten deutlich feucht geworden und senkst den Blick, als seine Finger zwischen deine Beine gleiten und dies spüren. Er kurz inne hält und dich dann unerwartet auf die Stirn küsst.
Die Beine für ihn spreizend, rollst du dich auf den Rücken und lenkst seine Finger direkt zu deiner empfindlichsten Stelle. Du bringst seinen Fingern eine kreisende Bewegung bei, die dir schaurig heißes Wohlbefinden bereitet, ehe du ihn machen lässt. So wie er dich hat machen lassen. Nur dass du erst jetzt die Augen wieder aufschlägst und Alfred es extrem fesselnd zu finden scheint, wie dein Gesicht unter zunehmender Lust reagiert. Du kennst das Phänomen. Du hast es eben erst bei dir selbst beobachtet, als du ihn nicht aus den Augen lassen konntest. Das, was hier gerade geschieht, bewegt dich jedoch mehr. Seine Augen wirken, als wollten sie jede Regung deines Körpers aufnehmen und betrachten dich so voller Gier, dass du am liebsten das Gesicht abwenden würdest. Das Ganze ist dir auf eine gewisse Art und Weise unangenehm, steigert aber auch dein Erregung zunehmend.
Sein Zeigefinger wagt sich etwas tiefer hinab. Dorthin, wo er zusehendst mehr Feuchtigkeit verspürt und nur mit der Fingerspitze ein Eindringen andeutet.
„Soll ich?" Seine Worte lassen dich zügig nicken. Seine Stimme besitzt einen ruhigen, tiefen Tonfall, der in deinem Bauch Waldbrände entfacht. Die Verunsicherung landet gleich mit in den Flammen, als du seinen Finger langsam, aber stetig tiefer in dich rutschen spürst. Umgehend beißt du dir auf die Unterlippe und genießt das Gefühl der Penetration, was noch viel besser wird, als Alfred seinen Finger vor und zurück schiebt. Rein und wieder weit raus, bis du realisierst, dass es in erster Linie dein Becken ist, was den Rhythmus vorgibt. Deine Hüfte hat genau den richtigen Winkel für sich entdeckt.
In einer fast verzweifelten Geste krallst du dich an Alfred fest, weil du nicht weißt, wo du noch Halt finden sollst. Erwischst das gute Hemd und ziehst ihn so dicht an dein Gesicht heran, dass seine Nasenspitze deine berührt.
„Zwei...", keuchst du ihm gegen die Lippen.
„Zwei Finger?!"
Du keuchst eine Bestätigung und bist selig, als du nun auch noch seinen Mittelfinger in dir verschwinden fühlst. Blut rauscht in deinen Ohren, während dein Herz so laut gegen deine Rippen schlägt, dass man es garantiert durchs ganze Haus hallen hört. Dir ist unbeschreiblich warm, als würdest du in Alfreds Gegenwart endgültig zerschmelzen. Deine linke Hand bleibt im Hemdstoff verankert, derweil deine rechte sich zu deiner Perle hinabmogelt und den Moment perfektioniert. An deinen Schläfen spürst du Schweiß, als die herannahende Woge des Höhepunkts dich erfasst. Du dich aufbäumst und dein Stöhnen den Raum flutet. Zwischen deinen verkrampften Fingern schauen bedauernswerte und zerknitterte Zipfel von Alfreds Hemd hervor, indessen seine Finger deine Kontraktionen erfahren.
Du erschlaffst unter ihm, von seinem lüsternen Blick aufs Bett gepinnt wie ein Schmetterling mit einer Nadel. Alles in dir ist heiß, feucht und voller ausufernder Erregung. Für ein Wort oder gar einen Satz hast du keine Stimme mehr übrig. Die letzte Energie sickert in die Matratze unter euch und die Luft im Raum scheint still zu stehen. Ist verbraucht und gehört ausgetauscht. Davon abgesehen ist alles leise und weich. Der andere Körper, so dicht bei dir, massiert dein Gemüt mit besinnlicher Ruhe. Unbestimmte Sekunden fügen sich zu Minuten zusammen, in denen du empfänglicher denn je für das Glück bist, welches dir mit warmen Lippen auf den Mund geküsst wird.
Aus dem Augenwinkel erhaschst du das neckische Treiben vorwitziger Schneeflocken vor dem Fenster. Der Himmel leuchtet goldblau zwischen den satten Schäfchenwolken hervor. Ihre weiße Gestalt erinnert dich an Sahne und die erinnert dich wiederum an Kakao, an Kaffee, an Cookies und natürlich an Alfred.
