2.

Seine Hose und der untere Teil der Decke waren völlig durchnässt als er die Baumgrenze erreichte. Die Temperaturen waren so unbarmherzig, dass seine Beine vor Kälte schon schlotterten.
Matthew versuchte einen klaren Kopf zu bewahren, das letzte, was er jetzt brauchte war Panik. Erstmal brauchte er dichtere Schuhe. Schnell war ein Baum gefunden, dessen Rinde lose war und Matthew riss sie ab. Auf den nächsten niedrigen Ast geklettert, die Rinde so dicht wie möglich in die äußere Windung der Lakenrolle gepackt. Eingewickelt in der Decke macht er sich einen Überblick über seine Lage.
"So, Matthew, du hast kein Essen, keine gute Ausrüstung, keine Orientierung und deshalb eine geringe Chance ohne Sterben hier raus zu finden, wenn kein Eremit seine Hütte stehen gelassen hat. Aber.." Er sah sich um. Die rabenschwarzen Baumstämme sind betüpfelt von dem verwehten Schnee, das saftige Grün der Nadeln, die durch die Schneedecke leuchten umgaben ihn. Durch die Bäume sah er auf der weiten Schneefläche noch sein Bett, das langsam genau so eingeschneit wurde wie alles andere hier. Wüsste er es nicht besser, könnte all das weiß Watte sein. Und das Schönste war die weiche Stille in dieser unberührten Landschaft, die ihn umgibt, umarmt und einbettet. Die weißen Wölkchen seines Atems verloren sich in der Luft und kurz war für ihn alle Welt friedlich, als hätte die Zeit angehalten.
Genau das war es was ihn so fasziniert, beruhigt, was er so liebte, auch an seinem Land. Kanada.

Sein Blick schweifte über die Landschaft als eine Ungereimtheit in dieser Perfektion ihm ins Auge stach.
"Ein Baumstumpf?!"
Man sah nur wenig von dem eingeschneiten Baumstumpf aber es war eindeutig. Und er war nicht normal. "Warum ist er so glatt, als wäre er …" Gefällt!
"Baumfäller!" Rettung! Wenn sie nicht zu dieser Zeit fällen, ihr Lager musste in der Nähe sein! Schnell bindet Matthew sich seine provisorischen Schneeschuhe aus großen Rindenstücken an die Füße um los zu eilen.

Es waren komische Baumfäller am Werk. Er fand bald mehr Baumstümpfe von eindeutig gefällten Bäumen aber sie standen vereinzelt herum. So als sollen sie nicht in der Landschaft auffallen. Sehr lobenswert, aber welche Firma tat so etwas? Bald zweifelte er daran, dass es überhaupt Baumfäller waren, höchstens einer, aber was sollte er in der wilden Natur mit den wenigen Bäumen anfangen? Es gab keine Straße, die für Lastwagen bestimmt waren. Alles war in dem unberührten weichen Weiß gehüllt. Langsam schob sich doch die Panik von Matthews Augen.

Seine Beine spürte er nicht mehr, ebenso wenig sein Gesicht. Der Wald wurde immer dichter, dass nur noch wenige Flocken durch das Walddach auf den Boden kommen. Auch die Schneedecke war nicht so tief wie am Waldrand. Wenigstens ein was Gutes. Doch lang würde er nicht mehr problemlos vorwärts kommen. Sein Schuhprovesorium war längst durchnässt, was das laufen nicht erleichterte.
Die Stümpfe, die er fand wurden zahlreicher, was das Einzige war, was ihn vorwärts laufen ließ.
"Weiter, immer weiter. Du wirst das Lager finden. Ganz bestimmt." versuchte er sich Mut zu machen.
Er bemerkte nur am Rande, dass die Schatten länger wurden. Er ignoriert es einfach und konzentrierte sich ganz auf die Zwischenräume der Bäume, um irgendein Zeichen eines Lagers zu erkennen.
Und auf einmal waren in einer Richtung zu viele Baumstämme für zu wenige Baumkronen zu sehen. Die tauben Glieder mit purer Willenskraft antreibend, hastete er los, stolperte nicht selten, doch kam er der Holzhütte immer näher.