4.
Er stand von seinem Platz an der Feuerstelle auf um den Kleiderschrank zu öffnen. Die Hütte sah noch belebt aus, also musste es einen Bewohner geben. Und auch wenn er es abgrundtief verabscheute ein Verbrechen zu begehen, er würde sich einige Sachen darin zu Eigen zu machen müssen, wenn er nicht sterben wollte, er würde erfrieren ehe seine Sachen trocken wären. Irgendwann musste er auch aus dieser Hütte gehen um Essen zu besorgen und da ist seine Ausrüstung aus einem Satz Bettwäsche mehr als ungeeignet. Etwas Weiteres worauf er sich keinen Deut freute, denn im Winter ist die einzige Möglichkeit an Essen zu gelangen das Jagen.
Er entdeckte gerade eine Luke unter dem Tisch als plötzlich seine Beine nachgaben und er sich auf ihr Niveau begab. Sein Kopf explodierte vor Schmerz und die Luft wurde ihm abgeschnürt. Ein panischer Hustenkrampf folgte, bis er sich übergab. Er wand sich auf den Boden, doch die unsichtbare Hand, die seinen Kopf quälte und seine Luft abdrückte war unbarmherzig und eisern in ihrem Griff.
Und dann ganz plötzlich von ihm abzulassen. Ein rasselnder tiefer Atemzug erfüllte wieder seine Lunge, und sein Kopf war wieder freigegeben, als wäre nichts gewesen.
Matthews Verwirrung war nicht in Worte zu fassen
Entkräftet rappelte er sich auf die Beine, ließ seinen Auswurf erst einmal unbeachtet und lief weiter zum Kleiderschrank. Seine Überlebenstriebe haben ihn noch fest im Griff, aber ein leichtes Schmunzeln kroch über seine Lippen als er sah, dass der Schrank, neben pelzigen Wintersachen und riesigen Stiefeln, die glatt einem Bären gehören könnten, voll war mit Holzfällerhemden. Matthew suchte sich die verschlissensten Sachen aus.
'Wenn ich schon Sachen stehlen muss, dann welche, die er am wenigsten vermissen wird.'
Er schlüpfte in eine alte Jeans, die ihm ausgesprochen gut passte, aber die Hemden waren ihm viel zu weit. Er konnte sich gefühlt 2 Mal darin einwickeln.
Sein Magen meldete den nächsten Bedarf an, woraufhin er zum Tisch lief und diesen mit Müh und Not zur Seite schob.
'Es muss wirklich ein Bär hier leben, wenn er den Tisch mehrmals am Tag wegschieben konnte.'
Zu seinem Pech war die Falltür kein bisschen leichter.
Hechelnd, wie nach einem Marathonlauf schaffte er es in den Keller, in dem sofort sein Zahn anfing zu tropfen. Es lagerten zuhauf Äpfel, Kartoffeln, Birnen und anderes Lagerobst und -gemüse. Selbst Fleisch hing an der Seite ab. Matthew hielt zu seiner Überzeugung und nahm nur etwas Obst mit nach oben. Gierig aß er die Früchte und sein Magen grummelte dankbar.
Der Stress des Überlebens fiel langsam von ihm ab und beinahe konnte er sich sogar in der Hütte entspannen, klare Gedanken fassen. Was würde er tun wenn der Besitzer käme und sehen würde, dass ein Fremder sich in seiner Hütte eingerichtet hatte? Würde er Verständnis haben? Oder Matthew als Bedrohung sehen? Wo war der Besitzer überhaupt, es war schon Nacht?
Als hätte der Blick aus dem kleinen Fenster in daran erinnert, wurde er müde von den unerklärlichen Abenteuer auf das er geschickt wurde. Warum auch immer. Er schleppte sich in das fremde Bett, begrub sich unter den Decken und Fellen, und das einzige, was ihm noch vor dem Einschlafen bei dem Glimmen der erlöschenden Glut auffiel, war, dass das Bett unglaublich gut roch.
