11.

Matthew wachte auf als die kalte Wintersonne seine Nase sacht streichelte.

'Schon Tag?' Er blinzelte ein paar Mal und sah, dass er auf einmal drei Arme hatte. Ohne seine Brille war er ziemlich blind, also angelte er nach seiner Brille, die auf dem Boden lag, um den dritten Arm besser begutachten zu können.
Der Fremde knurrte hinter ihm. Matthew hatte ihn scheinbar aufgeweckt, als er sich bewegt hatte. Fast hatte Matthew seine Brille erhascht als der dritte Arm Matthew plötzlich nach hinten zog. Er stieß einen Laut der Verwunderung aus und drehte den Kopf, um hinter sich sehen zu können.

'AHHHHHHHHHHH!', schrie seine innere Stimme, als sich seine Befürchtungen bestätigt hatten. Der Fremde kuschelte sich an Matthew heran. Wohl bemerkt nackt. Matthew versuchte den Arm zu lösen aber dieser bewegte sich keinen Zentimeter.
'Du warst gestern halb tot, könntest du bitte auch schwach sein?' Wieder ein Knurren von hinten und der Arm, der über seinen ganzen Oberkörper sich gelegt hatte zog ihn noch fester an den Fremden heran.
'Wenn er so weiter macht kann ich nicht atmen. Na dann eben so. Rise and shine!'
"Guten Morgen!" sagte Matthew laut. "Wie fühlen Sie sich heute?"
Jetzt schien der fremde Kuschler wirklich aufzuwachen und schien zu bemerken wie eng er bei Matthew lag. Er hatte sogar sein Gesicht in Matthews Haaren vergraben.

Blitzschnell war der Arm um Matthew weg und der Fremde versuchte sich so gut es ging von ihm wegrücken. So sehr es das schmale Bett zuließ. Ebenso schnell war Matthew von dem Bett aufgestanden und setzte sich nervös die Brille auf.
"Ich schaue mal nach, ob ich im Keller noch etwas anderes zu Essen finde."
Auch wenn es witzig ausgesehen haben muss wie Matthew unter vollem Körpereinsatz die Falltür aufzog, (den Tisch hatte er nicht wieder zurückgeschoben. Er brauchte seinen Rücken noch eine Weile.) er wollte so schnell wie möglich woanders hin.

Im Keller war es wieder kalt und düster, sodass Matthew ein Schauer über den Rücken lief. Voller Peinlichkeit setzt er es sich auf die letzte Leitersprosse und vergrub sein Gesicht in den Händen.

'Was war das denn?' Er spürte wie sein Gesicht hoch rot sein musste, eine Hitze brannte in seinen Wangen.
'Oh du meine Güte. Wie kann ich ihn jetzt noch ansehen? Er… er… Er hat sich so angeschmiegt wie…' Man konnte fast sehen, wie Matthews Kopf rauchte und qualmte. Er versuchte sich die Gedanken aus den Kopf zu schlagen.

'Jetzt muss ich erst mal Essen machen. Ich glaube eine Brühe wäre nicht schlecht.'
An den hingen noch eine Keule und ein fast abgegessener Knochen, den er keinem Tier oder Körperteil zuordnen konnte.
'Für zwei Personen wird das Fleisch nicht mehr lange reichen.', stellte er fest und nahm den Knochen ab. Er sah sich nach Wurzelgemüse um. Zwar hatte er nicht wirklich geglaubt welches hier zu finden und war umso mehr erfreut doch welches zu finden. Wie die Sachen, besonders noch in einer beschaulichen Menge, hier her gelangt waren konnte sich Matthew nicht erklären, aber sie waren da.
Ihm widerstrebte es wieder nach oben zu gehen, aber was muss, das muss. Er konnte schlecht sich hier unten verschanzen. Das wäre noch peinlicher.
Einmal tief durchgeatmet und Matthew stieg die Leiter wieder nach oben.