12.
Der Fremde musste ihn natürlich wieder direkt anstarren.
'Er macht es auch nicht besser!' ärgerte sich Matthew und lief wieder rot an. Der ebenso rot gewordene Fremde, der sah wie sich Matthew unter seinem Blick wandt, drehte seinen Blick starr Richtung Decke und sagte in einer rauen Baritonstimme: "Entschuldigung."
"Alles in Ordnung.", stammelte Matthew und zog sich die Winterjacke und Stiefel an. "Ich gehe Wasser holen."
"Pass auf dich auf." antwortete der Fremde und Matthew wurde es ganz warm ums Herz.
'Trotz, dass er ziemlich verwegen aussieht, scheint er doch ganz nett zu sein.'
Matthew schnappte sich den Holzeimer und stapfte hinaus in den Schnee zu dem naheliegenden Wasserlauf.
'Was macht er dann hier draußen ganz alleine? Ist er Wildhüter? Aber ich sehe nicht einmal ein Telefon in seiner Hütte und es ist schwer mit irgendeinem kleinen Gefährt hier her zu kommen. Vielleicht ist er wegen seiner Unsterblichkeit hier draußen? Hach, will ich überhaupt wissen was er ist? Es ist nicht meine Angelegenheit. Wenn er wieder gesund ist, kann er mich hoffentlich zu einer Siedlung bringen. Dafür muss er aber erst mal auf die Beine kommen. Außer dem ewigen Starren ist er auch sehr freundlich. Ich werde es bis dahin ohne Probleme aushalten können.' Matthew musste etwas lächeln als er den schweren Eimer zurück schleppte.
Er betrat die Hütte wieder. Der Fremde starrte immer noch zur Decke und Matthew musste noch breiter lächeln.
'Er ist so unbeholfen und hat offensichtlich keine Ahnung wie er sich Verhalten soll. Das ist irgendwie sympathisch.' Matthew stellte den schweren Wassereimer dumpf auf dem Boden ab.
"Alles in Ordnung? Ähm… Wie war Ihr Name?", erst jetzt fiel Matthew auf, dass er den Mann noch nie nach seinem Namen gefragt hatte.
"Ähm… ja. Mein Name ist Matt. Matt Williams." sagte der Fremde unbeholfen.
'Er heißt fast genauso wie ich? Was für ein Zufall.' wunderte sich Matthew.
"Freut mich, Matt." Matts Blick huschte von der Decke kurz Richtung Matthew. Er hatte mit keiner Antwort gerechnet.
"Ebenso."
Matthew fand es immer witziger, dass Matt scheinbar völlig mit der Situation überfordert war, dass sich jemand um ihn kümmerte und nett zu ihm war. Er wirkte so bodenfest, was er hier draußen auch sein musste, und nun wankte er wie jemand im Handstand auf einem Wasserbett. Matthew würde ihn aber noch zum reden bekommen, denn er bemerkte wie neugierig er doch auf die Geschichte war, die dieser bärenartige Karohemdfan zu erzählen hatte.
Es war wie ein unausweichlicher Sog, der ihn zu Matt hinzog. Aber was für eine Art Sog es war, konnte Matthew nicht sagen.
