13.

Die Brühe war aufgesetzt und blubberte über dem Feuer vor sich hin.
Die Stunde, die sie kochen musste war die Gelegenheit. Matthew sammelte die trockenen Sachen von dem Boden und legte sie zurück in den Schrank. Als er sich die Regalwand genauer anschaute.
Er entdeckte Bücher - alte Klassiker -, die er kannte, aber aus so viele, die ihm völlig unbekannt waren. Neu sahen sie aber alle nicht aus. Daraufhin blieb sein Blick an den Fotos hängen, die ohne Bilderrahmen und mit einigen Schäden an den Rändern in einem Regal lagen.

Sie zeigten jeweils einen Mann, die alle von Grund auf verschieden waren. Der eine war ein durchtrainierter junger Mann mit dunkelbraun gebräunter Haut, als würde er jeden Tag in einem Solarium schlafen. Seine Arme, die durch das Shirt nicht verdeckt waren, waren übersäht mit Tattoos. Seine Haare waren eindeutig dunkelbraun gefärbt, denn sie hatten einen unnatürlichen Rotstich. Er trug dazu eine übergroße Sonnenbrille und eine nachgemachte Veteranenkette. Auf dem Foto posierte er offensichtlich ziemlich aggressiv.

'Irgendwie erinnert er mich an Alfred. Nur trainiert und gebräunt. Muss an der ähnlichen Frisur liegen.'

Das zweite Bild zeigte einen dürren Mann, der nicht in die Kamera schaute, sondern sich eine Zigarette anzündete. Sein hageres, kantiges Gesicht war mit einem ungepflegten Drei-Tage-Bart geziert, sowie einem untypischen Haarschnitt. Die dreckig blonden Haare fielen in leichten Wellen ihm vorne fast bis zum Kinn, am Hinterkopf waren sie jedoch ganz kurz geschnitten. Er trug sein Hemd lose und dazu eine Anzughose im schlichten dunkelgrau. Er strahlte schon durch das Bild schon eine dauerhafte Genervtheit aus.

Beim dritten Bild musste Matthew fast lachen. Es zeigte einen pastellfarbenen Arthur in Pullunder, der mit seiner überschwänglichen Heiterkeit direkt in die Kamera lächelte.

'Was haben diese schrägen Vögel mit einander zu tun? Und wie passt Matt in diese Gruppe?' fragte sich Matthew und fragte gleich Matt.

"Matt?" Er sah nicht von den Fotos auf bis er bei dem Bett stand. "Wer ist das?"
Matt schaute auf die Fotos und suchte seine Worte zusammen.
"Der Braungebrannte ist mein Bruder. Alex oder Allen. Er will immer wieder anders genannt werden."
"Dein Bruder? Wie Geschwister sich doch unterscheiden können." 'Dabei gleichen Alfred und ich uns fast wie das eine Ei dem anderen.'
Matt fuhr fort. "Der Quietschbunte nunja.. was ist er überhaupt.. sagen wir, der Freund meines Vaters, der mich und Allen hauptsächlich aufgezogen hat. Er heißt Oliver."
"Dann ist das also dein Vater." Matthew hielt das Bild mit dem Raucher nach oben.
"Ja. François." "Warum seid ihr die meiste Zeit bei Oliver gewesen?" hakte Matthew nach. Es erinnerte ihn ein wenig an seine Kindheit, aber Arthur hatte Francis ausgeschlossen und das ziemlich konsequent.

"Er hatte kein Interesse an uns." Matthew fühlte sofort mit. Das Gefühl war ihm nur zu geläufig. Von den Menschen, die einem nahestehen nicht beachtet zu werden ist zermürbend.

"Ist das der Grund, weshalb du hier draußen wohnst?" Matthew setzte sich jetzt auf das Bett. Er mochte es nicht auf andere herabzureden.
"Nein. Das nicht. Ich bin lieber allein. Die Menschen in Dörfern und in Städten wollen einem nur zum eigenen Vorteil ausnutzen. Sie haben keine Achtung. Sie sind abstoßend", er spuckte die Wörter regelrecht heraus, "und habgierig."

Diese Ansicht war wie ein Schlag in die Magengrube. Matthew traute sich nicht weiter nachzufragen, nachdem Matt das Gesagte voller Hass und Ekel ausgesprochen hatte.