15.
Matt machte trotzdem ein Kompliment über Matthews Kochkünste und dieser bedankte sich, das war auch das einzige, was sie an Worten wechselten. Beide hingen ihren Gedanken nach. Beide waren Menschen, die nicht einfach so plauderten.
Trotzdem schien Matt auch an Matthews Geschichte interessiert zu sein. Als Matthew das Geschirr abwusch, hätte er vor Schreck beinahe alles fallen lassen, als Matt fragte:
"Hast du Familie?"
"Oh… öhm.. ja! Lustiger Weise ähnlich wie du." Matthew ließ getrost den Fakt mit den Nationen aus. "Ich habe auch einen Bruder. Zwillingsbruder sogar. Ob.. ähm… ich meine… meine Mutter kenne ich nicht. Ich habe seit jeher bei zwei Vätern gelebt, aber der eine konnte während meiner Kindheit nicht da sein. Dafür ist er heutzutage umso öfter da."
'Papa, Arthur, Alfred… Suchen sie mich schon oder ist es ihnen noch nicht aufgefallen? Es waren ja immerhin noch nicht ganze 2 Tage, die ich fehle.'
Matthew wurde ganz depressiv bei diesem Gedanken.
"Kannst du jagen, Matthew?", fragte Matt sachlich. Matthew verzog das Gesicht. Er hasste das Jagen, das Töten allgemein, er musste es schon viel zu oft tun. Aber das Fleisch im Keller reichte nicht mehr lang für zwei Personen und wer weiß wann Matt wieder auf seinen Füßen stehen kann. Er brauchte es.
"Ganz ehrlich. Ja, ich kann es, aber ich verabscheue es mehr als alles andere." Matthew nahm den Wascheimer und schüttete das dreckige Wasser an eine geeignete Stelle vor der Hütte.
Als er wieder rein kam und den Eimer abstellte, streckte Matt ihm seine zitternde Hand hin und seine Augen baten ihn zu sich. Matthew kam näher.
"Deine Hand." Matthew gehorchte wieder, weil er nicht wusste was er sonst tun sollte und weil er wissen wollte was Matt vorhatte.
Matt nahm seine Hand und betrachtete sie.
"Ich mache das.", war sein Kommentar zu der Begutachtung. Sofort stellten sich bei Matthew Gewissensbisse ein. Nur wegen seiner moralischen Überzeugungen würde er Matt Probleme bereiten. Er wird so bald noch nicht Jagen gehen können und immer genug zu Essen im Haus zu haben, ist hier Überlebenswichtig. Matthew hing schon in genügend Schneestürmen fest um das bestätigen zu können.
"Nein, Matt, ich mache das. Es wird dauern bis du wieder auf den Beinen bist."
"Nein.", unterbrach Matt ihn scharf.
"Diese Hände sind nicht zum Töten gemacht." Matthew wollte gerade widersprechen, hielt dann doch inne, weil Matt Matthews Hand jetzt in seine beiden groben, sehnigen Hände nahm und sie hielt wie einen zerbrechlichen Schmetterling.
"Deine Hände…", begann er langsam, "sollten niemals mit Blut befleckt werden."
Matthew atmete scharf ein und in seinem Magen bildete sich ein riesiger Knoten.
Matts Gesicht wurde weich und er hob ganz sacht Matthews Hand an seine Wange. Matthews Magen zog sich noch mehr zusammen. Jetzt spürte Matt die vom Wetter rau gewordene Haut, die mit winzigen Bartstoppeln überseht war. Und er spürte, was für eine Wärme Matt ausstrahlte.
Matthew wagte es nicht sich zu rühren, um ehrlich zu sein, er verspürte auch nicht den Drang dazu. Wer hätte gedacht, dass Matt zärtlich sein konnte?
'Was geschieht hier?', fragte sich Matthew. 'Ich kenne Matt seit nicht einmal 2 Tagen und ich fühle mich ihm schon so vertraut, als wäre er ein langjähriger Freund.'
Matthews Gedanken stoppten kurz. Matt hatte langsam seinen Kopf gehoben, seine Hand ruhte immer noch auf Matthews, und er sah Matthew an, mit den ehrlichsten Augen, die Matthew je gesehen hatte. Und gerade waren sie voller Zuneigung.
'Ein langjähriger Freund? Ist es das wirklich?' Matthew errötete.
'Ich habe Matt das Leben gerettet, vielleicht ist es nur Zuneigung, die nach ein paar Tagen verschwindet, zudem bin ich der erste Mensch, den er seit wer weiß wie langer Zeit getroffen hat. Es kann nicht echt sein, nicht nach so kurzer Zeit.' Er seufzte innerlich. 'Du musst aufpassen Matthew, du lässt dich schon immer zu schnell einwickeln.' Er wand sich von Matt Blick ab, nahm aber seine Hand nicht von dessen Gesicht. Vorsichtig, ganz vorsichtig hob Matt seine Hand an Matthews Gesicht.
Er zuckte zusammen, ein Schauer fuhr durch seinen ganzen Körper und beide schreckten von einander zurück.
'Das ist ganz schlecht. Ganz, ganz schlecht.', Matthew stand sofort auf und fragte als Alibi: "Möchtest du auch noch etwas Brühe? Ich mache sie noch einmal warm."
Eine kurze Pause folgte.
"Sehr gerne."
