19.
Matthew fiel fast vom Stuhl.
"DU? WAS?" er bekam nichts anderes heraus. 'Wie ist das möglich? gab es zwei…? Dann sind…!' Er stolperte zum Regal und griff sich die drei Fotos, um sie Matt unter die Nase zu halten.
"Sag mir, ist dann…", Matthew nahm das Foto mit dem braungebrannten Muskelprotz und drückte es Matt fast in sein Gesicht, "dein Bruder die USA?"
Matt war sichtlich überfordert mit der Situation. Mit einer solchen Reaktion hätte sicher niemand gerechnet.
"Ist er es?!", drängelte Matthew.
"Ja." sagte Matt immer noch geschockt.
"Und er hier: François, ist Frankreich?"
"Ja?"
"Und Oliver England?"
"Ja. Matthew woher…?"
Matthew war in ein völliges Gefühlschaos geraten. Er war hippelig, seine Hände wussten nicht wohin mit sich und er ignorierte Matts Frage. Seine Gedanken übertönten jedes Geräusch.
'Es gibt noch weitere, die so sind wie wir? Jemanden zweites? Wieso wissen wir davon nichts? Wissen die Regierungen davon und haben es uns nicht gesagt?'
Matt packte Matthew an den Schultern. Er war todernst. "Woher weißt du das, Matthew?" Seine Stimme war jetzt fordernd, ehrfurchtgebietend. Matthew hingegen bemerkte es scheinbar nicht sondern sagte nur halb lächelnd. "Du bist auch…"
"Matthew, was sagst du da? Antworte!" unterbrach ihn Matt, mit einer Stimme, die selbst Berge hätte zittern lassen. Matthew wäre ebenso zusammengezuckt wäre sein Gehirn nicht überfordert gewesen. Matt war gespannt wie eine Bogensehne und war kurz davor sich zu verlieren.
"Matt. Ich… bin auch eine Nation." Jetzt verlor Matt seine Nerven aber in einer anderen Richtung, als gerade eben noch.
"Auch… eine… Nation? Warum weiß ich nichts von dir? Welche… welche Nation bist du? Wo liegt dein Land?"
Matthew haderte keine Sekunde mit sich ihm sein Geheimnis zu erzählen, dass er seit Jahrhunderten vor so vielen geheim hielt. 'Jetzt ist es eh egal und es ist Matt, dem ich es erzähle. Ihm könnte ich wohl alles anvertrauen.'
Matthew löste vorsichtig die Hände von seinen Schultern, trat ein Stück zurück und strahlte eines seiner schönsten Lächeln.
"Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Matthew Williams, Repräsentant des wunderbaren Landes Kanada."
"Wie bitte?" fragte Matt ungläubig.
"Ich kann es auch nicht wirklich glauben, aber warum sollte ich dich anlügen?"
"Deine Familie?"
"Ebenso. Mein Bruder Alfred F. Jones ist die USA, Francis Bonnefoy Frankreich und Arthur Kirkland England."
"Wie ist das möglich?"
"Ich habe keine Ahnung."
"Ich dachte wir seien alleine."
Matthews Gesicht wurde weich.
"Dachte ich auch."
Eine riesige Anspannung löste sich aus Matts Körper. Er ging die paar Schritte zu Matthew und zog ihn in eine warmherzige Umarmung. Er vergrub sein Gesicht in Matthews Haaren und flüsterte:
"Mein Gott.."
Matthew erwiderte sie nicht weniger innig.
Der Gedanke, den Matthew seit Jahrhunderten als unumstößlichen Fakt angenommen hatte, löste sich in Luft auf. Sie waren nicht alleine auf der Welt.
'Und ausgerechnet der Eremit, der mitten im Wald lebt.. Ausgerechnet Matt ist es.'
Es verging eine ganze Weile, in der keiner von beiden beabsichtigte die Umarmung zu lockern oder sogar zu lösen. Dann begann Matt zu flüstern:
"Ich komme mit dir Matthew." Dieser wusste nicht was er darauf antworten sollte.
"Morgen früh rufe ich Oliver. Er wird uns mitnehmen können." "Kann er etwa auch zaubern?" flüsterte Matthew zurück. Keiner hatte sich einen Millimeter bewegt.
"Natürlich, du etwa nicht?"
"Wie? Nein. Du etwa?"
"Nicht gut und schon gar keine Teleportation, aber ja."
"Wow."
Es war dunkel in der der Hütte geworden. Matt begann langsam die Umarmung zu lösen und Matthew tat es ihm zögernd gleich.
"Es ist wieder Nacht geworden. Lass uns schlafen gehen."
"Ja." bestätigte Matthew.
"Und dieses Mal…", Matt tippte Matthew mit einem Finger an die Stirn, "… versuchst du nicht wieder auf dem Stuhl oder dem Boden zu schlafen."
Matthew lachte verlegen und antwortete:
"In Ordnung."
