Epilog 1

Zögernd tippte er die Nummer ein. Er fragte sich bei jeder einzelnen Nummer wieder und wieder, ob es richtig war, sich jemanden anzuvertrauen. Er hatte es bis jetzt bei niemanden gewagt.
Würde er ihm glauben? Würde er nichts ausplaudern?
'Papa hatte mir einmal erzählt, dass er schon so etwas durchmachen musste. Er hatte es mir erzählt, um mich davor zu warnen, einen Menschen nahe an mich heran zu lassen. Er müsste es also verstehen.'

Es klingelte ein paar Mal als er abnahm.
"Einen wunderschönen guten Morgen, die Dame, oder der Herr!" piepste Feliciano in einem akzentreichen Englisch fröhlich durch den Hörer.
"Ahhh! Feliciano! Quando risponde il telefono così un normalo umano?!", hörte Matthew Lovino aus dem Hintergrund motzen.

Felicianos herzliche Begrüßung ließ Matthew lächeln.
'Diese verrückten Brüder! Aber Feliciano hat sofort gesehen, dass es eine kanadische Nummer ist, faszinierend.'
"Io anche desiderio tuo buongi orno, Feliciano. Qui è Matthew!", entgegnete er.

Er riss sein Handy von seinem Ohr weg, so laut war die Antwort.
"MATTHEW! WAS FÜR EINE WUNDERVOLLE ÜBERRASCHUNG! Womit kann ich dir helfen, mein Freund?", wieder zeterte Lovino im Hintergrund.

"Ich hätte eine Bitte an dich, aber ich würde es dir gerne persönlich sagen. Dieses Wochenende?"
Dieses Mal hielt er vor der Antwort schon das Handy von seinem Ohr weg.

"WIRKLICH?! OH WIE WUNDERBAR! LOVI! LOVI! WIR BEKOMMEN BESUCH!" Dieses Mal war es nur ein lautes Stöhnen, was von Lovino zu Matthew drang.
"Ja natürlich, Matthew! Wir freuen uns schon, nicht wahr Lovi?"
"Ja, ja. Jeder ist besser als dieser krankhafte Sonnenschein von einem Spanier, oder diese schwachsinnige Kartoffel in seinen Strampelanzügen."
Man hörte Feliciano vor Freude am Telefon hüpfen.

"Feliciano? Ist es möglich, dass ihr mich vom Flughafen abholt, wenn ich lande?"
"Aber natürlich, Matthew!"
Dieser gab noch schnell seinem euphorischen Gesprächspartner die Flugnummer und die Landezeit durch, die er sich vorher herausgesucht hatte. Dann verabschiedete er sich noch eine geschlagene halbe Stunde von Feliciano, bis er auflegen konnte.

Jetzt buchte er noch seinen Flug und druckte sich die Bordkarte aus.