Anmerkung: Vielen herzlichen Dank für die Reviews und Favoriteneinträge! Es tut mir entsetzlich Leid, dass ich diesmal nicht dazu gekommen bin, euch persönliche Antworten zu schicken, aber seid versichert: ich freue mich immer wahnsinnig über Rückmeldung!

In eigener Sache: Ich versuche mich gelegentlich auch als Übersetzerin englischer Geschichten und bin dankbar für jegliche Rückmeldungen. Falls ihr also gerne etwas über Sirius (und seine vermeintliche Schuld, Andromeda, Bellatrix ... ) lest, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mal bei "Etwas Altes, etwas Neues" vorbeischauen würdet. Die Geschichte (also, das englische Original) ist in meinen Augen wirklich sehr, sehr lesenswert!

Warnung: Naja, "Warnung" ist womöglich das falsche Wort, aber ich wollte euch trotzdem rein vorsichtshalber (damit sich keiner erschreckt ... ) mal mitteilen, dass das folgende das bisher längste "Ein bisschen wie Sterben"-Kapitel ist, mit knapp über 10000 Wörtern auf zwölf Seiten. Soll heißen: diesmal wird wirklich sehr viel besprochen. (Aber: Ja, mir ist bewusst, dass trotzdem noch Fragen offen bleiben werden. Aber die Geschichte ist ja auch noch nicht fertig, nicht wahr?)

Aber nun viel Spaß beim Lesen!


Vierte Vorlesung

Du merkst, wie der Herbst mit klammen Fingern nach der Welt greift und sie sich langsam Untertan macht, denn der Morgen ist noch nachtblau und dunkel, als du aufstehst, weil du sowieso nicht mehr schlafen kannst. Dein Wecker tickt fröhlich weiter, Sekunden, Minuten vergehen, du schälst dich aus deiner Decke und nach einer langen, warmen Dusche kehrst du angezogen in dein kleines Büro zurück, um dir einen Packen Briefe, Korrespondenzen und Unterrichtsmaterial zu schnappen, bevor du weiter in Richtung Küche läufst.

Mittlerweile warst du einkaufen, zumindest ein bisschen, und es reicht für ein Frühstück zu Hause. Du löffelst schwarzes Kaffeepulver in deine Caffettiera, schraubst sie zusammen und lässt oben Wasser hineinfließen, bevor du das Gerät auf einer Herdplatte abstellst. Deine nassen Haare tropfen auf deine Hände, als du die Platte einschaltest, und du bist froh, dass du deine ganzen Pergamente in weiser Voraussicht auf dem Tisch abgelegt hast.

Es dauert nur ein paar Minuten, bis der Kaffee blubbert und zischend kocht. Du hast es dir auf einem Holzstuhl so gemütlich gemacht wie es eben geht. Vor dir verteilt liegen lose Blätter, Pergamentbögen, ausgeschnittene Zeitungsartikel und du fragst dich, nicht zum ersten Mal, wo dir der Kopf steht und vor allem, wo er dir stünde, wenn es keinen Kaffee gäbe auf der Welt.

Du lässt deine Papiere Papiere sein und erhebst dich ächzend, um den Herd auszuschalten. Im Küchenschrank wühlst du nach einer großen Tasse und nach der immer leerer werdenden Zuckerdose. Du gießt dampfenden, pechschwarzen Kaffee in die wartende Tasse, löffelst Zucker dazu und bist dankbar, dass du beim Milchmann genügend Flaschen bestellt hattest, um jetzt einen ordentlichen Schuss Milch hinzugeben zu können. Phantastisch.

Mit der Tasse in der Hand kehrst du an deinen beladenen Küchentisch zurück, nimmst einen tiefen Schluck und starrst dann die Pergamente an. So viele Briefe, so viele Artikel, so viele Texte. Du liebst deinen Beruf, meistens, aber manchmal versuchst du, dich an das letzte Mal zu erinnern, wann du ein Buch rein zum Vergnügen gelesen hast, und du scheiterst und es erschreckt dich.

Du hast Seamus geschrieben, ein kurzer, höflicher Brief, und hast gefragt, ob du die Identitäten preisgeben darfst. Er hat dir zwar die Interviews erlaubt, aber du warst trotzdem unsicher. Seine Antwort liegt vor dir und war ebenso kurz und ebenso höflich, du verstehst das, er ist im Stress, er arbeitet Tag und Nacht, er hat keine Zeit, irgendwen zu treffen, geschweige denn, ganze Briefromane zu verfassen. Dennoch. Fast hättest du dir gewünscht, er würde „Nein" sagen, weil du dann einen Grund gehabt hättest, ihm nochmals zu schreiben. Doch den Gefallen hat er dir nicht getan.

Das ist das Problem, wenn man in seinem Beruf aufgeht, so wie du das tust und so wie er das tut: man vergisst, dass dort draußen in der Welt noch Menschen existieren, dass es soetwas wie Sozialleben und Freunde gibt und dass man es schmerzlich vermissen kann.

Dein Kaffee schmeckt süß und heiß und du verbrennst dir an ihm die Zunge, als du gedankenverloren an ihm nippst und gleichzeitig die Interviews noch einmal durchgehst, die du heute in der Vorlesung besprechen willst. Und die Interviews von letzter Woche, für die ihr keine Zeit mehr hattet. Du bist gespannt darauf, wie es werden wird. Was deine Studenten sagen werden. Ob ihnen etwas aufgefallen ist. Du hoffst zwar, aber du willst deine Erwartungen nicht zu hoch stecken, weil du sonst nur enttäuscht werden wirst.

Du hängst an den Interviews. Es ist das erste Semester, in denen du sie verwendest, weil Seamus vor kurzem erst mit seinem neuen Projekt angefangen hat, und dennoch hängst du bereits an den Texten. Du magst sie, weil sie offen und ehrlich sind. Du magst die Art und Weise, wie geantwortet und wie gefragt wird. Du mochtest es, sie zum ersten Mal zu lesen und zu zerpflücken, um dahinter zu kommen, wer interviewt wurde, bevor du Seamus geeult und ihm deine Rückschlüsse mitgeteilt hast. Du warst nicht schlecht, fandest du, auch wenn du besser hättest sein können.

Aber das ist nichts, worüber du dir jetzt den Kopf zerbrechen willst. Stattdessen solltest du lieber anfangen, deine Unterlagen zusammenzupacken und in deiner Tasche zu verstauen, damit du demnächst aufbrechen kannst. Dir ist schon aufgefallen, dass deine Studenten pünktlich sind und keiner zu spät erscheint, also findest du, dass es nur höflich und fair ist, wenn du ebenfalls pünktlich im Hörsaal auftauchst und die Vorlesung beginnst, wann sie beginnen sollte, das akademische Viertel eingerechnet.

Du schlürfst deinen Kaffee, stellst das benutzte Geschirr im Spülbecken ab, wo bereits ein gefährlich hoher und wackliger Stapel Teller wartet. Seufzend denkst du, dass du mal wieder für Ordnung sorgen solltest und verfluchst dich selbst dafür, dass du so unglaublich schlecht im Umgang mit Haushaltszaubern bist und deine Teller lieber auf die Muggelart abwaschen solltest, wenn du nicht einen Haufen Scherben statt Geschirr haben möchtest.

Überhaupt, du gibst es nicht gerne zu, aber manchmal glaubst du wirklich, dass du ein hoffnungsloser Fall bist bei allem, was nichts mit Geschichte zu tun hat. Traurig – und wahr.

Du machst einen kleinen Ausflug in dein Büro, kramst hektisch nach deiner Tasche und findest sie schließlich unter drei Schichten schwarzer Roben. Du hast, ehrlich gesagt, keine Ahnung, wie sie dort hingekommen ist, und du wusstest auch nicht, dass du so viele Roben besitzt. Du hättest schwören können, dass noch vier Sets Umhänge in deinem Schrank hängen und du hoffst wirklich, dass du nicht schon wieder versehentlich Roben eingekauft hast, weil deine alten auf mysteriöse Art und Weise verschwunden waren, bis sie wenig später ebenso wunderlicher Weise wieder an deinen Garderobenhaken auftauchten.

(Du hast den Verdacht, dass die meisten deiner Umhänge in deinem Büro an der Uni landen, wo du sie ausziehst und irgendwo ablegst und dann vergisst, etwas Neues über sie legst und sie nicht mehr siehst, bis das Wochenende kommt und die Reinigungshexen sich durch dein Chaos wühlen, in dem sie schließlich zwei bis fünf nagelneue Roben finden und zu dir nach Hause zaubern.)

Im Flur wirfst du einen kurzen Blick in den Spiegel, zupfst das Hemd zurecht und betrachtest kritisch deine dunkle Hose, auf der Suche nach etwaigen Kaffeeflecken, die du nur allzu gerne hinterlässt. An diesem Morgen kannst du keine finden und du nimmst es als gutes Zeichen. Deine Augen blinzeln dir noch ein wenig verschlafen entgegen, während du in eine der Roben schlüpfst und dir einen Schal um den Hals schlingst. Du könntest zwar direkt von deinem Wohnzimmerkamin in deinen Unibürokamin flohen, wie du es üblicherweise tust, aber dir ist danach, frische Morgenluft zu atmen und rotes Herbstlaub an kahler werdenden Bäumen zu beobachten.

Du verzichtest auf Handschuhe, greifst dir deine Tasse und verlässt deine Wohnung. Dein Schlüsselbund klimpert silbrighell, als du die Tür verschließt, es hört sich schön an und vertreibt allmählich deine noch von Morgenmuffeligkeit getrübte Laune. Auf dem Weg nach unten nimmst du immer zwei Treppenstufen auf einmal, etwas, was du stets tust, wenn du dich jung und merkwürdig beschwingt fühlst und nicht wie der alte Professor, der zwischen staubigen, mottenangeknabberten Büchern sitzt und der du nicht bist, noch nicht.

Vor der Haustür empfängt dich eine fahle Herbstsonne, die von einem klaren, sehr hellblauen Himmel herunterstrahlt. Es ist angenehm kühl, der Wind fährt dir sachte über Mund und Wangen und du schlenkerst deine vollgepackte Tasche hin und her, während du die Gassen entlangspazierst und ihnen dabei zusiehst, wie sie langsam zum Leben erwachen.

Du brauchst ungefähr 20 Minuten von deiner Wohnung zur Magischen Universität und es ist nur deiner Faulheit zuzuschreiben, dass du diese lächerliche Strecke nicht jeden Tag zu Fuß bestreitest. Es würde dir sicherlich gut tun, denkst du häufig, aber dann bist du wieder einmal zu spät dran, weil du unbedingt noch diesen oder jenen Artikel lesen musstest und schon findest du dich selbst mit Flohpulver in der Hand in deinem Kamin wieder.

Heute allerdings nicht. Heute lässt du dich von einem Strom Studenten mitreißen, die miteinander plaudern und lachen und jung und sorglos und unbeschwert aussehen. Es gibt Augenblicke, in denen du dir wünschst, wieder einer von ihnen zu sein, obwohl du weißt, dass es nicht geht. Es gibt nur eine Richtung, und zwar vorwärts. Du kannst nicht zurück.

Auf den Fluren begegnest du einigen deiner Kollegen, ihr nickt euch gegenseitig höflich lächelnd zu, sagt „Guten Morgen" und ignoriert die Blicke, die euch folgen und die eine Mischung aus Respekt und Furcht und Neid in sich tragen. Du bist dir nicht sicher, doch du glaubst, dass du deine Professoren früher ähnlich angeschaut hast. Sie waren deine Lehrmeister, sie waren streng und hart und gottgleich und Merlin, du kannst nicht fassen, dass du nun einer von ihnen sein sollst.

(Wann ist das alles nur passiert? Wann ist dein Leben passiert?)

Dir bleibt keine Zeit, noch länger sinnlos über diesen Fragen zu grübeln, denn mittlerweile bist du vor deinem Hörsaal angekommen und gehst hinein, lässt das abrupte Schweigen deiner Studenten über dich fließen und schenkst der wartenden Menge ein freundliches Lächeln. Es folgt dein übliches Ritual: Tasche abstellen, Robe ausziehen, Schal abnehmen, Materialien hervorholen. Du hast deine Augen auf dein Pult gerichtet, aber deine Ohren sind gespitzt und du bemerkst die vereinzelten Flüsterunterhaltungen, wispernde Stimmen, die sich austauschen und sofort verstummen, als du dich wieder aufrichtest.

„Meine Damen, meine Herren – Guten Morgen", nickst du in die Runde, legst deine Tasche zu deinen Füßen ab und machst es dir wie immer auf deinem Pult gemütlich. Zu deiner Linken liegt der dicke Packen an Interviews mitsamt deinen Vorbereitungsnotizen. Es freut dich, dass du ein ähnliches Bild erblickst, wenn du zu deinen Studenten schaust: die meisten von ihnen haben die Interviews und einige beschriebene Blätter vor sich liegen. Hervorragend.

„Sie kennen das Spielchen ja mittlerweile", fährst du gutgelaunt fort und staunst wieder einmal darüber, dass deine Müdigkeit fast immer verfliegt, sobald du den Hörsaal betrittst, als würde etwas in der Luft liegen, das dich wach macht, „Diejenigen von Ihnen, die die Interviews für heute gelesen haben, würde ich nun bitten, kurz die Hand zu heben. Danke."

Ein Wald aus empor gestreckten Armen schaut dir entgegen und obwohl manche von ihnen eher zögerlich nach oben gingen und somit verraten, dass etwas nicht ganz richtig ist, belässt du es für heute dabei. Gleichzeitig bist du gespannt, wann es zum ersten Mal soweit sein wird, dass sich jemand nicht meldet, dass sich jemand nicht vorbereitet hat, dass du fragen musst, weshalb nicht, dass du dir Entschuldigungen und Erklärungen, Lügen und Ausreden anhören musst. Manches siehst du ein, du verstehst, dass man nicht arbeiten kann, wenn man krank ist, aber manchmal ist es reine Faulheit und manchmal hast du Studenten nach Hause geschickt, weil es keinen Sinn hatte, deine Vorlesung zu besuchen ohne jegliche Vorkenntnisse. Du tust es nicht gerne (denn es verpasst dir einen Ruf, den du nicht willst) und du tust es selten, doch du tust es.

„Wie schön", kommentierst du und zeigst ein schiefes Grinsen, das leises Kichern hervorruft. Dir soll es recht sein, du legst keinen Wert darauf, als emotionsloser, geschichtebesessener Mistkerl verschrieen zu sein (obwohl du ja selbst zugibst, dass zumindest ein Teil davon der Wahrheit entspricht, du kennst dich immerhin gut genug) und überhaupt gibt es derzeit eigentlich nicht gerade viel, worüber man lachen kann, deswegen weißt du solche Momente zu schätzen.

„Nachdem wir letzte Woche leider nicht fertig geworden sind, würde ich Ihnen vorschlagen, dass wir noch einmal auf die Interviews Nummer Eins, Drei, Vier und Sechs zu sprechen kommen. Es sei denn, Sie würden lieber direkt mit den Interviews beginnen, die Sie für heute vorbereitet haben?", bietest du deinen Studenten an und schaust fragend in die Runde. Vereinzelt werden Köpfe geschüttelt und leises Gemurmel steigt empor.

Du zuckst die Achseln und beschließt, „Dann eben per Handzeichen. Wer von Ihnen stimmt dafür, die Interviews der vergangenen Woche aufzugreifen?" Du machst dir nicht einmal die Mühe, die gehobenen Arme zu zählen, weil es sowieso die Mehrheit ist und der Entschluss gefällt dir. Du magst es nicht, etwas nur zur Hälfte zu bearbeiten und den Rest einfach so stehen zu lassen. Und es hätte dich enttäuscht, wenn deine Studenten nicht den Wissensdrang an den Tag gelegt hätten, den man braucht, wenn man Geschichte studiert.

Du kramst ein wenig in deinem Blätterhaufen, bis du Interview Nummer Vier gefunden hast. „Am Ende der letzten Stunde haben wir uns ja darüber unterhalten, wie Slytherins im vierten Interview charakterisiert werden", fasst du zusammen, „Wir haben festgestellt, dass der oder die Interviewte tolerant wirkt und Slytherins genau wie andere Menschen behandelt. Es wird sogar von Bewunderung gegenüber Slytherins gesprochen; einer Tatsache, der wir, ehrlich gesagt, nicht allzu häufig begegnen. Ich würde Ihnen nun vorschlagen, an dieser Stelle anzuknüpfen und darüber nachzudenken, mit was für einer Art von Person dieses Interview geführt wurde."

Deine Studenten wühlen geschäftig in ihren Unterlagen und als du Lucinda Johnsons Blick begegnest, hältst du es für angebracht, noch einen Zusatz hinzuzufügen. „Im Übrigen", hebst du deine Stimme an und nimmst deine Augen nicht von ihren, „wird es Sie vielleicht interessieren, dass Professor Finnigan mir die Erlaubnis erteilt hat, Ihnen die Identitäten der Interviewten mitzuteilen. Es muss Ihnen jedoch klar sein, dass das mit absoluter, strikter Geheimhaltung verbunden ist. Haben wir uns verstanden?"

Du siehst Miss Johnson wachsam an, aber sie murmelt gehorsam „Ja, Professor" mit allen Anderen und du gibst dich für den Moment damit zufrieden. Du willst dem Mädchen nichts unterstellen, doch du erinnerst dich nur allzu gut daran, wie enttäuscht sie in der letzten Woche gewesen ist und du bist dir nicht sicher, ob sie von Wissensdrang geleitet wird oder schlicht und ergreifend von einer Art von Neugier, die üblicherweise in Klatschzeitschriften befriedigt wird.

Nach drei Minuten wirst du ungeduldig. „Möchte jemand etwas zu Interview Vier sagen?", erkundigst du dich, „Mister Flynn, Sie vielleicht? Nachdem Sie uns letzte Woche bereits das Slytherinbild zusammengestellt haben, das in diesem Interview entworfen wird?" Du musst sie ein wenig zwingen, deine Studenten, damit sie endlich ihre Scheu verlieren, etwas zu sagen, damit sie üben, Erklärungen zu finden und Analysen durchzuführen.

Der Ire nickt dir zu und legt die Stirn in Falten. „Wir hatten ja gesagt, dass wir davon ausgehen, dass die betroffene Person höchstwahrscheinlich zu derselben Zeit Hogwarts besucht hat wie Professor Finnigan und Harry Potter. Außerdem glauben wir, dass es sich um eine oder einen Ravenclaw handelt, wofür das rationale Denken spricht. Beinahe alles, was im Interview erwähnt wird, wird von der Person von allen Seiten durchleuchtet, es gibt Argumente und Gegenargumente, einen Kampf gegen Klischees. Gleichzeitig scheint mir die Person jemand zu sein, die mit sich selbst im Reinen steht. Es ist ihr nicht ... peinlich oder so, zuzugeben, dass sie gewisse Dinge verdrängt und versucht zu vergessen. Außerdem glaubt sie, dass jeder selbst für das verantwortlich ist, was er aus seinem Leben macht."

Du lächelst ein bisschen und versuchst dir vorzustellen, wie das Interview damals wohl abgelaufen ist. Es fällt dir leicht und du kannst alles, was Mister Flynn bisher gesagt hat, unterschreiben. „Gut beobachtet", unterbrichst du ihn kurz, „Ich weiß, dass sich im Text keinerlei konkrete Hinweise finden lassen, aber was sagt Ihnen denn Ihr Bauchgefühl? Handelt es sich bei dem Interviewten um einen Mann oder um eine Frau?"

Boreas Flynn zögert nur eine Sekunde und erwidert deinen Blick, ehe er „Um einen Mann" sagt. Du beschließt, dass es nur fair ist, ihm auf seinem Weg zu helfen, nachdem du ihn ins kalte Wasser geworfen und ihm die Aufgabe übergeben hast, das Interview zu analysieren. „Korrekt", antwortest du leichthin, „Alles, was Sie bisher gesagt haben, stimmt. Der Interviewte ist ein Mann, ein ehemaliger Ravenclaw und ein ehemaliger Schulkamerad Harry Potters. Was fällt Ihnen noch auf?" Ein wenig willst du sie noch auf die Folter spannen, ehe du das erste Geheimnis lüftest, auch wenn du nicht sicher bist, wie sie darauf reagieren werden. Du bezweifelst, dass ihnen der Name etwas sagen wird.

„Ich glaube, dass er nach der Schule keinen geisteswissenschaftlichen Beruf ergriffen hat", fährt Mister Flynn sehr langsam fort und schaut zu dir hoch. Du schmunzelst ein wenig, überrascht, und willst wissen, wie er darauf kommt. „Am Anfang definiert er Leben und sagt dort „Ganz streng gesagt, wissenschaftlich.". Ich kann es nicht genau beschreiben, aber ich habe das Gefühl, dass er sich mit wissenschaftlichen Definitionen wohlfühlt, dass er sich mit ihnen auskennt. Auch die Art und Weise, wie er über seine eigene Vergangenheit redet, das klingt für mich stark analytisch; analytischer jedenfalls eher als emotional."

Du zwinkerst ihm zu. „Wir Männer haben ja meistens ein wenig Schwierigkeiten damit, über unsere Gefühle zu reden, meinen Sie das?" Er schenkt dir ein schiefes Lächeln, unsicher, wie er auf deinen Scherz reagieren soll, und du findest, dass du ihn nun durchaus erlösen könntest. „Hat sonst noch jemand etwas zu diesem Interview zu sagen?" Du lässt deinen Blick durch die Menge schweifen und erntest Kopfschütteln, was dich wenig überrascht, denn immerhin habt ihr in der vergangenen Woche bereits recht ausführlich darüber gesprochen.

„Gut", meinst du gelassen, „Dann nehme ich an, Sie wollen erfahren, wer Professor Finnigans Partner in diesem Interview war?" Dir schallt ein Chor aus „Ja!" entgegen und du verdrehst amüsiert die Augen. In ihrem Inneren sind sie manchmal doch noch Kinder, einem Rätsel auf der Spur, und am glücklichsten, wenn die Lösung naht, denkst du. „Der Mann, der in Interview Nummer Vier gesprochen hat, heißt Terry Boot", erklärst du, „Kommt Ihnen der Name bekannt vor?"

Sie schütteln die Köpfe, wie du es dir gedacht hast. „Er war, wie gesagt, im gleichen Jahr wie Harry Potter, jedoch in Ravenclaw", erzählst du kurz, „In seinem fünften Schuljahr war Terry Boot Mitglied von Dumbledores Armee, einer Gruppe von Schülern, die sich traf, um Zaubersprüche, etwa zur Verteidigung, zu erlernen, da der Unterricht in Verteidigung gegen die Dunklen Künste in diesem Schuljahr eher ... theoretisch ausfiel. Gemeinsam mit den übrigen Mitgliedern nahm Terry Boot schließlich am Endkampf um Hogwarts teil. Nach der Schule entschied er sich für ein Studium in Magischer Technologie und ist heute für die Herstellung magischer Gerätschaften, wie beispielsweise Erinnermichs und Denkarien, bekannt. Gibt es zu ihm noch Fragen?", beendest du deinen kleinen Vortrag und fragst dich, ob du Terry damit gerecht geworden bist, ob es deine Studenten überhaupt kümmert, wer hinter diesem Interview steckt. Du kannst es nur hoffen.

Es gibt offenbar keine weiteren Fragen und du legst das Interview beiseite. „Dann wollen wir weitermachen", schlägst du vor, „Ich überlasse es jedoch Ihnen, mit welchem Text wir uns als Nächstes beschäftigen wollen. Zur Auswahl stehen Eins, Drei und Sechs. Freiwillige bitte vor, sonst suche ich mir jemanden aus", drohst du.

Du wirst nicht enttäuscht. Einige Hände strecken sich in die Luft und du entscheidest dich für ein Gesicht, dem du bisher noch keinen Namen zuordnen kannst. „Sie, bitte", nickst du und der junge Mann nickt zurück. Er hat schwarze Haare und ebenso dunkle, geschwungene Augenbrauen über blauen Augen in einem hellen, fein geschnittenen Gesicht. Er kommt dir ein wenig bekannt vor, aber du kannst ihn nicht einordnen und auch sein Name, „Stephen Hart", lässt den Groschen nicht fallen.

„Mister Hart", lächelst du ihn freundlich an, „Welches Interview darf es sein?"

„Das Letzte", antwortet er mit ruhiger, angenehmer Stimme und überrascht dich nicht. Ihr hattet bereits einige Informationen zu diesem Interview zusammengetragen und auch du findest, dass es an der Zeit ist, die Fäden zusammenzuknüpfen und zu einem Ergebnis zu kommen. „Dann, bitte, teilen Sie uns Ihre Ergüsse mit", forderst du ihn auf und lehnst dich zurück.

Er sitzt ganz entspannt da, was dir gefällt, seine Augen huschen von seinen Notizen zu dir und zu seinen Mitstudenten, während er spricht. „Wir haben ja bereits festgestellt, dass die Person vermutlich ebenfalls mit Harry Potter und Professor Finnigan zur Schule gegangen ist und darüber hinaus höchstwahrscheinlich in Slytherin war. Dafür spricht beispielsweise der Satz „Glaubst du, ich plaudere hier Kerkergeheimnisse aus?", der uns verrät, dass der oder die Interviewte in der Lage wäre, aus dem Slytherinnähkästchen zu plaudern, also selbst ein oder eine Slytherin war", beginnt er und du nickst, während deine Studenten es dir gleichtun.

„Es ist vielleicht ein wenig weit hergeholt", fährt Mister Hart fort, „aber aufgrund der ersten, doch recht poetisch anmutenden Antwort gehe ich eigentlich, ehrlich gesagt, davon aus, dass der Interviewte weiblich ist. Es gibt dafür, soweit ich das sehe, keine Bestätigung im Text, allerdings auch nichts, was gegen diese Annahme sprechen würde."

Er wirft dir einen kurzen Blick zu und du lächelst. „Ich unterbreche Sie schon, wenn Sie vollkommen falsch liegen", beruhigst du ihn, „Keine Sorge. Sprechen Sie weiter."

„Sie scheint mir klug zu sein und sich viele Gedanken über das Slytherinklischee gemacht zu haben. Sie weiß genau, wie sie größtenteils von der Öffentlichkeit betrachtet werden, oder wurden, und gleichzeitig fühlt sie sich von diesem Klischee mittlerweile befreit. Sie hat offenbar ein recht gutes Verhältnis zu Professor Finnigan und gerade gegen Ende des Interviews wird klar, dass sie befreundet sind. Sie scherzt mit ihm, er scherzt mit ihr und sie vertraut ihm so sehr, dass sie sich nicht scheut, ihm gegenüber zu erzählen, wie stark der Krieg sie mitgenommen hat und dass er sie noch immer verfolgt. Da Slytherins im Allgemeinen ja nicht gerade dafür bekannt sind, schnell Vertrauen zu Nicht-Slytherins zu fassen, denke ich, dass wir hier vielleicht einen Hinweis darauf finden können, dass die Beiden zur gleichen Zeit zur Schule gegangen sind, sich also während Hogwarts bereits zumindest vom Sehen her kannten und es danach schafften, eine freundschaftliche Beziehung aufzubauen."

Stephen Hart scheint sich warm zu reden und du lässt ihn. Es macht Spaß (und dir ganz besonders), ihm zuzuhören, einen neuen Studenten kennenzulernen und festzustellen, dass dein Hörsaal nicht zu 70 Prozent mit Hohlköpfen gefüllt ist.

„Ich gehe auch davon aus, dass sie keinen Hass auf Harry Potter verspürt", analysiert Mister Hart weiter, „Sie macht zwar diese spitze Bemerkung, dass sie hofft, er würde es ihr nachsehen, wenn sie sich ihm nicht zu Füßen werfen werde, aber ich finde, dass das eher augenzwinkernd zu verstehen ist, so, wie man sich eben manchmal über alte Bekannte amüsiert und über etwas lacht, das in der gemeinsamen Vergangenheit liegt. Dennoch hat sie sich ihre Meinung über Gryffindors zumindest halbwegs bewahrt: sie hält sie für stur und beinahe blödsinnig mutig. Allerdings schwingt hier keine Boshaftigkeit mit, wie ich finde. Sie glaubt an das, was sie sagt, doch sie hat sich anscheinend längst mit den Gryffindors arrangiert."

Er verstummt und sieht dich an, als würde er auf deine Absolution warten. Da ist etwas in seinen Augen, was dich erneut glauben lässt, dass er dich an jemanden erinnert, aber du kommst beim besten Willen nicht darauf (und vielleicht wirst du auch einfach nur älter). „Danke", löst du ihn ab und schaust in die Runde. Der Anblick gefällt dir, lauter junge Gesichter, die gebannt lauschen und konzentriert die Stirn gerunzelt haben. „Möchte vielleicht jemand einen Tipp abgeben, wer die betroffene Person ist?"

Du bist ein bisschen verblüfft, als Mister Harts Arm erneut in die Höhe geht. „Ja", erteilst du ihm das Wort, „Bitte, Mister Hart, nur zu." Du bist gespannt, was er sagen wird, und als er „Ich schätze, es ist entweder Pansy Parkinson oder Millicent Bulstrode" erwidert, wächst deine Verblüffung nur noch mehr an und veranlasst dich, beide Augenbrauen in die Höhe zu ziehen. „Interessant", machst du so neutral wie möglich, „Verraten Sie uns auch, wie Sie darauf kommen?"

Er lächelt. „Das sind die beiden weiblichen Slytherins, denen Professo Finnigan in seinem Vorwort zu Grün ist die Hoffnung dankt", erklärt er und du denkst, natürlich, so einfach, so unsagbar einfach, dass du nicht einmal selbst gemerkt hast, wie offensichtlich die Antwort sein kann, wenn man genau hinschaut und genau liest.

„Meinen Glückwunsch", gratulierst du, „zu Ihren Schlussfolgerungen. Es handelt sich bei der Interviewten tatsächlich um Millicent Bulstrode, ehemalige Slytherin und Klassenkameradin von Harry Potter, Professor Finnigan und Terry Boot. Gibt es noch Fragen zu diesem Interview?"

Ihr kommt besser voran, als du zu hoffen gewagt hast, und ein Blick auf die Uhr verrät dir, dass du heute vermutlich alles schaffen wirst, was du dir vorgenommen hattest: die verbliebenen Interviews der letzten und die neuen Interviews von dieser Woche.

„Dann bleiben uns noch zwei übrig", stellst du fest, als keine Hand erhoben wird, „Interview Nummer Eins und Nummer Drei. Wer möchte? Miss O'Connor vielleicht?" Sie bekommt rosa Verlegenheitsflecken, als du sie direkt ansprichst, aber sie nimmt die Herausforderung an und nickt dir zu. Gut, wie du findest.

Sie wählt „Nummer Drei" und fasst erst einmal zusammen, was ihr bisher herausgefunden habt und was nicht gerade viel ist: „Wir hatten uns überlegt, dass der oder die Interviewte vermutlich ungefähr in Professor Finnigans Alter ist", fängt sie zögernd an, „Er oder sie kann jedenfalls nicht mehr ganz jung sein, weil er den Krieg vollständig miterlebt hat und offensichtlich auch alt genug war, um verstehen zu können, was damals geschehen ist. Ich habe den Eindruck, dass es sich um jemanden handelt, der es gewohnt ist, von vielen Menschen umgeben zu sein. Er sagt, dass er in seiner Hölle alleine ist, dass da niemand ist, der ihm helfen kann und dass das für ihn das Schlimmste sei."

„Er?", unterbrichst du kurz und Miss O'Connor schluckt ein wenig nervös, ehe sie dir antwortet: „Oder sie. Das wissen wir nicht. Ich ... ich weiß auch nicht, ich fand nur, dass es sich eher wie ein Mann angehört hat. Die kurzen Sätze, die Art und Weise, wie er sich ausdrückt ... ich kann es nicht besser erklären." Sie hebt hilflos die Achseln und du füllst die Lücke. „Nein, Sie haben Recht", bestärkst du sie, „Es handelt sich hierbei tatsächlich um einen Mann. Fahren Sie fort." Du schenkst ihr ein aufmunterndes Lächeln und es scheint zu wirken.

„Ich denke, dass ihm im Krieg einiges zugestoßen ist, was nicht jeder erlebt hat", redet sie langsam weiter, „Sicher, jeder musste Verluste hinnehmen, aber bei ihm klingt es, als wäre es etwas wirklich Schlimmes gewesen. So, als wäre sein Leben vor dem Krieg immer in geordneten Bahnen verlaufen, voller Freude und Spaß, und als wäre das nun endgültig vorbei. Er sagt ja selbst, dass nur noch Ruinen übrig sind und er versuchen muss, etwas Neues aufzubauen."

„Gibt es Hinweise auf eine Häuserzugehörigkeit?", willst du wissen und Rosaleen schüttelt den Kopf. „Nein", erklärt sie, „Ich denke jedoch, dass wir Slytherin eventuell ausschließen können. Ich glaube, es ist jemand, der von Anfang an damit aufgewachsen ist, dass Muggelgeborene ebenso gleichwertig sind wie reinblütige Zauberer, jemand, der nie Zweifel daran hatte, dass das, was der Dunkle Lord tat, falsch war. Also jemand, der vermutlich in Hufflepuff, Ravenclaw oder Gryffindor war."

„In Ordnung", nickst du, „Was erfahren wir noch über ihn?"

„Er hat Quidditch gespielt", fasst Miss O'Connor zusammen, „Und wenn er darüber spricht, was er vermisst, also „Den Geruch von frisch gemähtem Gras. Barfuß über Wiesen laufen. In die Sonne blinzeln.", da hört sich das für mich an, als hätte er eine unbeschwerte Kindheit gehabt, als wäre er vielleicht in einem Haus auf dem Land aufgewachsen, wo man die Sommer damit verbringt, draußen zu spielen."

Du musst zugeben, dass Interview Nummer Drei seine Tücken aufweist, weil wirklich herzlich wenige Hinweise versteckt sind, also gibst du Rosaleen ein wenig Unterstützung, um ihre Schlussfolgerungen in die korrekte Richtung zu lenken. „Stimmt", lächelst du ihr zu, „Sie haben so ziemlich alles, was man herauslesen kann, aus dem Interview herausgefiltert. Ich verrate Ihnen allen, dass es relativ schwierig ist, den Interviewten zu erkennen. Gibt es dennoch jemanden unter Ihnen, der einen Tipp abgeben möchte?"

Sie schweigen und schütteln die Köpfe, schauen dir aus großen Augen entgegen und warten auf deine nächsten Worte. „Es handelt sich hier um George Weasley", verrätst du ihnen schließlich, „George ist einer der älteren Brüder von Ronald Weasley, Harry Potters bestem Freund. Genau wie die übrigen Familienmitglieder war George in Gryffindor, gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Fred. Einigen von Ihnen wird vermutlich der Scherzartikelladen Weasleys Zauberhafte Zauberscherze ein Begriff sein, der von den Zwillingen gegründet wurde und mittlerweile von George und Ronald Weasley geleitet wird."

Du verstummst einen Augenblick, kannst vereinzelt sehen, wie Studenten dir zunicken, denn natürlich kennen sie den Laden, jeder kennt ihn und du denkst, dass eure Welt um einiges trister und grauer wäre, wenn es den Laden nicht gäbe. Du holst tief Luft, bevor du leise fortfährst: „Im Endkampf um Hogwarts wurde Fred Weasley getötet. Miss O'Connor hatte also Recht: George Weasley hat etwas erlebt, was sonst kaum jemand ertragen musste: er hat seinen Zwillingsbruder begraben müssen und es hat lange gedauert, bis er sich von diesem Verlust erholt hat."

Noch einmal schweigst du für einen Moment und die Stille legt sich bedrückend über euch, ehe du sie verscheuchst wie eine lästige Fliege. Ihr werdet in den Vorlesungen noch häufig genug über die Grausamkeiten des Krieges sprechen, da müssen sich deine Studenten an traurige Schicksale gewöhnen und du wirst ihnen bestimmt nicht zeigen, wie sehr es auch dich oft genug mitnimmt.

„In Ordnung", klatschst du in die Hände, „Ein Interview bleibt noch übrig, bevor wir uns den heutigen Texten zuwenden. Möchte sich jemand an dem Interview versuchen?"

Vorerst bleiben die Hände unten und beschäftigen sich damit, Blätter zu durchwühlen und das richtige Interview hervorzuholen. Deine Studenten weichen deinen Blicken aus, bis langsam ein Arm die Luft durchbohrt und du Mister Grey aufrufst. „Fangen Sie an", forderst du ihn auf und bist gespannt. Du hältst Interview Nummer Eins für eines der schwierigsten und komplexesten, die Seamus je geführt hat, und du weißt nicht, ob deine Studenten viel herauslesen können.

„Ich glaube, dass unsere Überlegung vom letzten Mal stimmt", beginnt Mister Grey konzentriert, „Es handelt sich bei der interviewten Person zweifellos um jemanden, der älter ist als Professor Finnigan und dem er einen gewissen Grad an ... Respekt, auch wenn das vielleicht das falsche Wort ist, entgegenbringt. Ich denke, wir können ausschließen, dass es sich um jemanden aus Gryffindor handelt, schließlich sagt der oder die Interviewte „Geht man davon aus, dass jemand wie ich sich über so etwas wie Hölle keine Gedanken macht?" und dieses „jemand wie ich" weist meiner Ansicht nach darauf hin, dass wir es mit jemandem zu tun haben, dem die allgemeine Öffentlichkeit keinen Heldenstatus oder Ähnliches zuweist."

Er klingt ein bisschen spitzzüngig, was dir gefällt, und du lässt ihn weiterreden, neugierig auf seine Ausführungen, denn immerhin hat er zwei Jahre mehr Geschichtsstudiumerfahrung als die Übrigen.

„Die Person sagt von sich selbst, dass sie intelligent ist", bemerkt Charles Grey, „Diese Aussage lässt uns vermuten, dass die Person über ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein verfügt, was teilweise vielleicht bereits als Arroganz aufgefasst werden könnte. Fest steht allerdings, dass ihre Selbsteinschätzung der Wahrheit entspricht: sie antwortet unter Anderem mit kritischen Gegenfragen und man kann herauslesen, dass sie bereits einiges an Lebenserfahrung gesammelt hat. Sie scheint einen klaren Blick auf die Welt zu haben und sich häufig mit diversen, teils philosophisch angehauchten Themen zu beschäftigen, was man beispielsweise an der Frage erkennen kann, warum ein möglicher Gott Ungerechtigkeit zulässt."

Du nickst ihm zu. „Leibniz und die Theodizee-Frage", sagst du und verkneifst dir ein Grinsen, als du die irritierten Blicke mancher Studenten bemerkst. „Die Frage danach, wie sich die Existenz eines Gott, der allgemeinhin als gütig, liebend und allmächtig beschrieben wird, mit der Existenz des Bösen vereinbaren lässt", erläuterst du hastig, „Ein Problem, das in der Theologie und Philosophie immer wieder besprochen wird und auf das der deutsche Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz geantwortet hat, dass unsere Welt bereits die vollkommenste aller möglichen Welten ist und das Böse darin den kleinstmöglichen Platz hat, jedoch niemals ganz verschwindet. Aber bitte, Mister Grey, sprechen Sie weiter."

Du versuchst ja wirklich, es zu vermeiden, doch manchmal rutschst du einfach in deinen Besserwisser-Professoren-Modus hinein und zeigst allen, wie belesen und gebildet du bist. Angeber, schimpfst du dich, und lauschst nun wieder brav deinem Studenten.

„Er oder sie ist jedenfalls kritisch eingestellt gegenüber dem Konzept von Gott und Ewigem Leben im Himmel", stellt Mister Grey fest, „Daraus können wir möglicherweise schließen, dass er oder sie keine Kindheit hatte, die stark durch Religion geprägt war oder in der Religion eine große Rolle gespielt hat. Vielmehr erfahren wir, dass seine oder ihre Kindheit alles andere als paradiesisch war. Darüber hinaus scheint die Person nicht gerade ein gutes Bild von ihren Mitmenschen zu haben, immerhin stellt er oder sie fest, dass es den Menschen gelungen ist, eine Hölle auf Erden zu schaffen – eventuell ein Hinweis auf die Schrecken und Grausamkeiten des Krieges.

Dass der oder die Interviewte antwortet, in der Hölle seiner oder ihrer ehemaligen Tränkelehrerin zu begegnen, zeigt einen gewissen Grad an ... nun ... Selbstironie. Es wirkt, als würde er oder sie betont leichtfertig etwas erwidern, ohne allzu stark daran zu glauben. Die Person scheint einen recht starken Charakter zu haben, immerhin erklärt sie, dass sie nichts bereut, wenngleich sie einiges anders machen würde. Das beweist uns, dass sie zu dem, was sie getan hat, steht.

Die Vorstellung von der Hölle korrespondiert meiner Meinung nach mit der Antwort auf die letzte Frage, nach dem höchsten Gut, nämlich Freiheit. Die Hölle wird als etwas gesehen, das beengt, auch wenn es groß ist. Sie riecht nach Veilchen und Mottenkugeln – ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich persönlich verbinde mit diesen Gerüchen immer meine alten Großtanten in ihren schwarzen Kleidern, die wirken wie aus dem 19. Jahrhundert."

Alles lacht und du nickst. Scharf beobachtet.

„Mann oder Frau?", willst du wissen und schaust Mister Grey direkt in die Augen. Er sieht nachdenklich zurück und streicht sich mit hellen Fingern über den dunklen Bartschatten. Er schweigt lange, vielleicht eine Minute, und du überlegst schon, ob du es ihm verraten sollst, als er schließlich „Eine Frau" zurückgibt. Du fragst nicht nach dem Warum, du hältst nur seinen Blick fest und sagst leise „Korrekt".

Er lächelt ein bisschen. „Wir suchen also nach einer Frau, vermutlich mittleren Alters, die intelligent, kritisch und gebildet ist und das auch weiß. Sie muss sich selbst nichts mehr beweisen und sie spricht offen mit Professor Finnigan. Sie schätzt Freiheit, vielleicht, weil sie sie in ihrer Kindheit niemals vollkommen erlebt hat. Ihre Hölle erzählt von Dunkelheit, Schatten, Tod und Vergänglichkeit", fasst er zusammen, lehnt sich zurück und sein Lächeln vertieft sich. Du hast keine Ahnung, ob er erraten hat, wer es ist.

„Nun?" Du hebst eine Augenbraue in die Höhe und blickst im Saal umher. Du kannst Verwirrung auf den Gesichtern erkennen und du kannst es ihnen nicht verübeln. Woher sollen sie Frauen kennen, die älter sind als ihre Mütter, Frauen, die so reden, wie sie es in diesem Interview getan hat? Du erinnerst dich nur zu gut daran, wie du den Text zum ersten Mal gelesen hast. Du hast gewusst, wer es war, und dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, haben dir die Worte Gänsehaut gezaubert.

Es herrscht Schweigen. „Was denkt denn der Rest von Ihnen?", willst du wissen, „Ist die Frau eine Gryffindor?" Kollektives Köpfeschütteln. „Eine Todesserin?", machst du weiter und erntest, wenn auch zögernd, die gleiche Reaktion. „Reinblütig?", fragst du lauernd und sagst laut und auffallend „Aha!", als einige Studenten verneinen, während andere nicken. „Mister Grey, Ihre Meinung?", bittest du ihn erneut zu Wort.

„Reinblütig", erwidert er ohne nachzudenken. „Wie kommen Sie darauf?", erkundigst du dich, ohne ihm zu verraten, ob er Recht hat oder nicht. Er hebt die Achseln. „Wenn wir davon ausgehen, dass sie älter ist als Professor Finnigan, können wir gleichzeitig davon ausgehen, dass sie zu einer Zeit aufgewachsen ist, in der Bildung und reines Blut noch stark verknüpft waren", antwortet er, „Damit will ich nicht sagen, dass Muggelgeborene weniger intelligent sind, aber es ist nun einmal so, dass die alten, reinblütigen Familien einen großen Wert auf standesgemäße Erziehung gelegt haben."

„Weshalb glauben Sie, dass es sich hier um genau das handelt?", hakst du nach, „Um standesgemäße Erziehung?"

Mister Grey lächelt erneut. „Das Theodizee-Problem", entgegnet er gelassen, „Philosophie. Meines Wissens nach wird das in Hogwarts nicht unterrichtet." Du nickst und sagst, „Das ist wahr. Aber was spräche denn dagegen, dass sich diese Person während ihrer Hogwartszeit oder auch danach ganz eigenständig mit Philosophie beschäftigt hat? Immerhin kann jeder, der Interesse hat, sich weiterzubilden, so viel er möchte."

Dein Argument ist gut und du weißt es. Charles Greys Blick sagt dir nur allzu deutlich, dass er es auch weiß und es anerkennt. „Trotzdem", spricht er weiter, „glaube ich, dass wir es mit jemandem zu tun haben, der aus einer reinblütigen Zaubererfamilie stammt."

„Sie haben Recht", gestehst du ihm zu, „Sie ist reinblütig. Denken Sie einmal nach, meine Damen und Herren. Wir suchen eine Frau mit reinblütigen Wurzeln, intelligent, stellenweise arrogant, zwischen, sagen wir, 50 und 60 Jahren alt. Irgendwelche Ideen?"

Es bleibt leise. Du kannst regelrecht beobachten, wie deine Studenten nachdenken. Dann -

„Ja, Mister MacLaine?", rufst du ihn auf, nur ein bisschen überrascht. Du glaubst mittlerweile, dass Charles Grey weiß, wer es ist, aber aus Gründen, die nur er selbst kennt, zieht er es offenbar vor zu schweigen.

Alasdair MacLaine räuspert sich, rückt seine Goldbrille zurecht und sieht dich an. Er sagt „Narcissa Black" und die Worte hängen in der Luft wie Gespenster.

„Narcissa Malfoy, geborene Black", korrigierst du sachte und nickst ihm zu, „Das ist korrekt, ja." Dein Nicken scheint den Startschuss zu geben für halblautes Getuschel und du musst laut um „Ruhe!" bitten, um deine Studenten daran zu erinnern, dass sie sich immerhin nachwievor in einer Vorlesung befinden und nicht in einer Kaffeeklatschrunde. „Haben Sie Fragen?", erkundigst du dich schärfer als beabsichtigt und du unterdrückst mit Mühe ein entnervtes Stöhnen, als sich Lucinda Johnsons Hand erhebt.

„Miss Johnson?", wendest du dich bemüht sachlich an sie und konzentrierst dich darauf, dass du dich immer rühmst, deine Studenten gleich zu behandeln, keine persönlichen Abneigungen oder Sympathien zu zeigen, auch wenn es manchmal schwerfällt, besonders bei Studentinnen mit dunklem Haar und einem Englisch, das breit und amerikanisch eingefärbt ist und das davon erzählt, wie fürchterlich falsch die Geschichte des Zweiten Dunklen Krieges jenseits des Atlantiks behandelt wird.

„Wenn ich mich nicht irre", hebt Miss Johnson ihre Stimme, „dann handelt es sich bei Mrs Malfoy um die Frau eines ehemaligen Todessers, der für seine Verbrechen auch in Azkaban gewesen ist. Weshalb besprechen wir also Texte von Schwarzmagiern und was bei Merlin hat sich Professor Finnigan überhaupt dabei gedacht, sie zu interviewen?"

Du hältst dich an deinem Pult so fest, dass deine Handknöchel weiß hervortreten und die scharfen Kanten dir ins weiche Fleisch schneiden, aber du befürchtest, dass du etwas tun könntest, was du nicht tun willst und darfst, wenn du jetzt loslässt. Miss Johnsons Frage hat für einigen Aufruhr gesorgt, da gibt es ein paar, die zustimmend nicken, und da gibt es einige, die empört aufschreien. Du beißt dir auf die Unterlippe und sammelst dich innerlich, bevor du kühl „Da müssen Sie sich schon bei Professor Finnigan persönlich erkundigen. Aber ich würde Ihnen dringend raten, weder seine noch meine Arbeitsweise erneut in Frage zu stellen." erwiderst.

Sie verschränkt die Arme vor der Brust und schmollt, doch du kannst an ihren blitzenden Augen erkennen, dass sie die Warnung gehört hat, die in deinen Worten leise mitschwang. Es sieht aus, als hättest du dir deinen ersten Feind unter deinen neuen Studenten gemacht. Du hattest dich bereits gewundert, wann das der Fall sein würde.

Du schielst auf deine Uhr und verkündest dann, „Ich würde vorschlagen, ich gebe Ihnen fünf Minuten Zeit, damit Sie sich Ihre Notizen zu den Interviews für die heutige Sitzung noch einmal durchlesen können. Wenn Sie soweit sind, würde ich dann gerne mit diesen drei Texten weitermachen. Ich überlasse es Ihnen, mit welchem wir beginnen, und ich vertraue auf Ihre Mitarbeit.".

Ein sanftes Blätterrascheln erfüllt den Raum und du beobachtest, wie deine Studenten ihre Augen gehorsam auf ihre Notizen richten. Du bist wütend, dass die letzten paar Minuten so verlaufen sind; du hättest dir eine etwas andere Atmosphäre gewünscht und eigentlich hattest du geplant, anhand von Narcissas Interview und dem ersten für die heutige Sitzung gemeinsam mit deinen Studenten eine Art Skizze der Black-Familie zu zeichnen, aber nun hoffst du, dass ein anderes Interview zuerst analysiert werden wird, weil du keine Lust hast, dir von Miss Johnson oder sonstwem vorwerfen zu lassen, dass du Todesser verteidigen würdest, nur indem du Narcissa Malfoys Interview behandelst wie jedes andere auch.

Du hast sie häufig genug getroffen, um dir sicher sein zu können, dass es ihr relativ gleichgültig wäre, was jemand wie Lucinda Johnson über sie denkt, doch dummerweise ist es dir nicht egal und du willst nicht, dass deine Studenten mit falschen Bildern im Kopf herumlaufen. Du hast noch einiges geplant zum Kapitel Familie Malfoy und du bist gespannt, wie die Vorlesungen sich entwickeln werden.

„Sind Sie soweit?", erkundigst du dich schließlich und stürzt dich regelrecht auf Gwendolen Hopkins, die die Hand in die Luft gestreckt hat. „Ich würde gerne beginnen", verkündet sie mit ihrer dunklen Stimme und du nickst ihr dankbar zu. „Nur zu", lächelst du und zwinkerst ihr zu, „Sie haben das Wort."

„Danke", antwortet sie und ordnet ihre umfangreichen Notizen, „Ich denke, die meisten von uns haben erkannt oder zumindest eine Ahnung, wer die beiden Personen in den Interviews Eins und Zwei sind", stellt sie fest und das zustimmende Gemurmel ihrer Kommilitonen bestätigt das, was auch du dir gedacht hast. „Gut", fährt Miss Hopkins forsch fort, „Deswegen würde ich gerne Interview Nummer Drei besprechen."

Du lachst und sagst amüsiert, „Mit dem größten Vergnügen.".

„Ich bin mir sehr sicher, dass sich die beiden Interviewpartner kennen", leitet Miss Hopkins ihre Überlegungen ein, „Das Gespräch zwischen den beiden wirkt locker, vertraut, so, als würden sie sich schon eine ganze Weile kennen und hätten kaum Geheimnisse voreinander. Es gibt diese eine Stelle, an der der Interviewte fragt, ob der Interviewer während der Schulzeit jemals ganz er selbst sein konnte, und der Interviewer sagt, er wüsste es nicht, woraufhin der Interviewte nur feststellt „Ich weiß". Das deutet daraufhin, dass sie gleichzeitig die Schule besucht haben und sich auch während dieser Zeit bereits kannten. Auch die Art und Weise, wie sie über Flucht, Wegrennen und Verdrängen sprechen ... ich persönlich glaube einfach nicht, dass man so eine ... Tiefe erreichen kann, wenn man seinen Gesprächspartner gerade zum ersten Mal sieht.

Für mich ist der Interviewte im Übrigen männlich. Ich kann nicht genau sagen, warum, aber es ist so. Wir wissen von ihm, dass sein Vater ein Todesser und Slytherin war, was die Vermutung nahelegt, dass er selbst im gleichen Haus gewesen ist. Allerdings verrät er uns auch, dass er niemals dem Inneren Kreis des Dunklen Lords angehörte. Sein Vater war reinblütig und kam aus einer „halbwegs angesehenen Familie", seine Mutter starb an einer Muggelkrankheit."

Du lauschst und weißt spätestens bei Miss Hopkins' letztem Satz und dank des Ausdrucks in ihren Augen, dass sie begriffen hat, wer hier interviewt wurde, dass sie jedoch erst alle ihre Ergebnisse präsentieren will, bevor sie euch den Namen verrät. Dir soll es recht sein.

„Er sagt von sich selbst, dass es ihm nicht besonders wichtig ist, in welchem Hogwartshaus jemand war, sondern dass es andere, weitaus wichtigere Merkmale gibt, die Menschen zu guten oder zu weniger guten Menschen machen", erklärt Gwendolen gerade, „Das zeigt uns, dass er ziemlich tolerant denkt. An der Frotzelei bezüglich Gryffindors, Helden und Harry Potter können wir allerdings erkennen, dass sich die übliche Rivalität zwischen Gryffindor und Slytherin nicht ganz gelegt hat, auch wenn es hier eher scherzhaft anklingt. Er respektiert zwar, was Harry Potter geleistet hat, aber er betrachtet ihn als Menschen, als Mitmenschen, statt als überirdischen, makellosen Helden."

Miss Hopkins schaut hoch und zwinkert dir zu, als sie feststellt: „Eine Haltung, die wir so ähnlich bereits aus Interview Nummer Sechs kennen, in dem es sich ja um Millicent Bulstrode handelte." Du zwinkerst zurück und entspannst dich wieder ein wenig. Du hattest es gar nicht registriert, doch die kurze Konfrontation mit Miss Johnson hat dafür gesorgt, dass dein Nacken schmerzhaft pocht.

„Er ist jemand, der während seiner Schulzeit offenbar häufig im Schatten stand, nun jedoch damit beschäftigt ist, sich selbst zu finden und die Welt zu erkunden. Er hat keine Angst davor zuzugeben, dass er möglicherweise auf der Flucht vor seinen eigenen Erinnerungen und Dämonen ist, was uns zeigt, dass er einerseits wahrscheinlich über ein mittlerweile recht großes Selbstbewusstsein verfügt und dass er andererseits eine vertrauensvolle Beziehung zu seinem Interviewpartner pflegt.

Auf mich wirkt er noch verhältnismäßig jung und sehr ... vital ist vielleicht das passende Wort. Er scheint zufrieden zu sein mit dem, was er tut, und es hat den Anschein, als hätte die Tatsache, dass der Krieg vorüber ist und auf diese Art geendet hat, ihm die Möglichkeit gegeben, so zu werden wie er das möchte, nämlich nicht als Todesser kämpfen zu müssen. Er respektiert die Vergangenheit und hat gleichzeitig keinerlei Bedürfnis, sie zurückzuholen."

„Beeindruckend", sagst du, „Und ich wette, Sie wissen auch, um wen es sich handelt."

Miss Hopkins schenkt dir ein schiefes Grinsen und nickt. „Besonders viele männliche Slytherins, die in Harry Potters Jahrgang waren, gibt es sowieso nicht", erwidert sie, „Und dass es sich hier um einen Jahrgangskollegen handelt, können wir daran erkennen, dass er nach den Klassentreffen gefragt wird. Fügen wir dann die Informationen zusammen, die wir haben – den Todesservater aus einer reinblütigen, angesehenen Familie; die tote Mutter – dann bleibt nur einer übrig und zwar Theodore Nott."

„Korrekt", stimmst du ihr zu, „Sehr gut durchdacht."

„Danke", antwortet sie und sieht dich unentwegt an, „Ich hätte dann noch zwei Fragen." „Sicher", sagst du erstaunt, „Nur zu, fragen Sie, was Sie wissen möchten." Sie zückt ihren Stift, raschelt mit den Blättern und erkundigt sich, „Was macht Mister Nott beruflich?" Ah. Mit der Frage hättest du eigentlich rechnen können, immerhin erzählt Theodore im Interview, dass ihn das Reisen beruflich nicht stört, sondern dass er immer Arbeit findet.

„Er hat eine vom Aussterben bedrohte Kunst für sich entdeckt", lächelst du, „Theodore Nott stellt Zauberstäbe her. Wie Sie sich vielleicht denken können, gibt es bestimmte Bäume mit hohem, magischem Nutzfaktor, die jedoch nicht überall wachsen. Gleiches gilt für magische Wesen, deren Federn, Schuppen oder Ähnliches für Zauberstäbe verarbeitet werden: auch sie lassen sich nicht allesamt in England finden. Deswegen ist es für Mister Nott eigentlich recht praktisch, dass er ständig durch die Welt reist: er lernt fremde Kulturen und ihre Art der Zauberstabherstellung kennen."

Miss Hopkins Stift gleitet zügig über ihr Pergament und sie nickt dir zu, um zu zeigen, dass die Antwort zufriedenstellend war. „Und die Zweite?", hakst du nach und erntest einen verwirrten Blick von ihr. „Sie sagten, Sie hätten zwei Fragen", erinnerst du sie schmunzelnd, „Bisher haben Sie mir nur eine gestellt. Was ist die Zweite?"

Sie hält beim Schreiben inne und zögert einen Augenblick lang. Beinahe denkst du, sie würde ausweichen und dir versichern, dass es sich erledigt habe, dass es gut sei, aber stattdessen hebt sie den Kopf und fragt, „Das Interview wurde nicht von Professor Finnigan geführt, oder?".

Du schluckst, ein bisschen schwerer als sonst, und weichst ihrem Blick nicht aus. „Korrekt", sagst du erneut, „Professor Finnigan hat dieses Interview nicht geführt. Weitere Fragen?" Sie schüttelt den Kopf, dass die blonden Haare etwas fliegen, und ihre Augen verfolgen dich, selbst als du dich von ihr abwendest und den übrigen Studenten in die Gesichter schaust. „Wer möchte als Nächstes?", forderst du sie betont heiter um Mitarbeit auf und wartest, dass die ersten Hände in die Luft gehen.

„Mister Bickerton", beschließt du dann und schaust ihm zu, wie er den Arm wieder nach unten nimmt und sich leise räuspert. „Interview Nummer Zwei", teilt er euch mit und du denkst, etwas zynisch vielleicht, dass sie sich offenbar nicht trauen, das Erste zu besprechen, nachdem du und Miss Johnson nicht gerade überaus freundlich zueinander wart. Du machst eine kleine, einladende Handbewegung, um Mister Bickerton anzudeuten, dass du mit seiner Wahl einverstanden bist und greifst nach dem fraglichen Interview.

„Wir haben es hier mit einer Mutter zu tun, die im Krieg ihren Sohn verloren hat und darüber hinaus jemanden tötete, um ihre Tochter zu retten", beginnt Trystan mit leicht unsicherer Stimme, „Wir erfahren außerdem, dass sie Familie und reinblütige Vorfahren hat, allerdings nicht gerade über allzu viel Geld verfügt." Er unterbricht sich und blickt dich an, wartet auf dein Nicken, ehe er fortfährt.

„Ich glaube, dass Molly Weasley, die Mutter von George Weasley, interviewt wurde", plappert Trystan weiter und streicht sich mit nervöser Geste blonde Haare aus dem Gesicht. Okay, denkst du dir, er ist etwas sehr rasch zum Punkt gekommen. Du ziehst die Augenbrauen hoch und sagst, „Interessant. Sie haben Recht. Würden Sie uns trotzdem bitte noch etwas mehr zu dem Interview erklären?"

Er lächelt scheu und wird rot und murmelt „Ja ... Das hatte ich vor ..." und dir wird bewusst, dass du offensichtlich wieder einmal schärfer und anklagender geklungen hast als du es geplant hattest.

„Es wird sehr deutlich, wie viel ihr ihre Familie bedeutet", macht Mister Bickerton leise weiter, „Sie sagt selbst, dass sie ihren verstorbenen Sohn zurückholen würde, wenn sie nur einen Wunsch frei hätte. Sie schwärmt von ihrer Familie, von dem Zusammenhalt, der während des Krieges und in der Zeit danach bei ihnen geherrscht hat und der sie davor bewahrt hat, verrückt zu werden oder in ihrer Trauer unterzugehen."

Na bitte, denkst du zufrieden und eine Spur selbstgefällig, es geht doch.

„Sie gibt im Interview sogar offen zu, dass sie getötet hat, um ihre Tochter zu retten, und dass sie es wieder tun würde", sagt er und du greifst ein, um ihn mit deiner Zwischenfrage noch weiter anzustacheln und in genau diese Richtung, nämlich die analytische, weiterdenken zu lassen. „Ist das denn so ungewöhnlich?", willst du betont unschuldig wissen, „Schließlich sagt Mrs Weasley auch selbst, dass jede Mutter so handeln würde."

Mister Bickerton zuckt die Achseln. „Sicher", gibt er zu, „Aber es ist ja mittlerweile bekannt, dass Mrs Weasley Mitglied im Orden des Phönix war und Todesser bekämpft hat, für gewöhnlich allerdings eben genau nicht mit den Methoden, die die Todesser an den Tag legten. Dazu gehören selbstverständlich die Unverzeihlichen, die die Todesser häufig benutzten und die bei allen anderen Zauberern und Hexen verpönt waren. Über diesen Grundsatz hat sich Mrs Weasley jedoch hinweggesetzt, um ihre Tochter zu schützen und zu retten."

Du schenkst ihm ein anerkennendes, zustimmendes Nicken und stützt dich mit den Händen auf der Tischplatte deines Pultes ab, um es dir noch etwas gemütlicher zu machen, während du seinen Schlussfolgerungen lauschst, die von Minute zu Minute selbstbewusster präsentiert werden.

„Interessant ist auch, wie Mrs Weasley über Bellatrix Lestrange spricht", findet Trystan und blättert geschäftig in seinen Unterlagen, „Mrs Weasley kannte sie ja seit ihrer Schulzeit und beschreibt uns, wie Bellatrix Lestrange damals war, nämlich „schön", „kalt" und „grausam", jemand, der dachte, dass er über allen Anderen stand und der von den Slytherins als ihre Prinzessin gefeiert wurde. Jemand, dessen Geist Azkaban vollständig zerstört hat. Jemand, der zu einer Mörderin wurde und der Spaß am Foltern hatte."

Er verstummt und du denkst gerade, dass er mit seinen Ausführungen fertig ist (und wirklich, das Wichtigste hat er ja erwähnt, wie du findest), als sein Kopf wieder nach oben schnellt und er mit nachdenklicher Miene feststellt: „Noch interessanter ist allerdings, wie Mrs Weasley über Schmerz spricht."

„Achja?", erkundigst du dich, „Inwiefern? Teilen Sie Ihre Überlegungen doch bitte mit dem Rest von uns." Du ahnst, worauf er hinaus möchte, aber du willst abwarten.

„Sie sagt: „Aber man lernt, man lernt, mit dem Schmerz umzugehen und sich mit ihm zu arrangieren. Er ist immer noch da, wenn auch versteckt. Er beherrscht mich nicht, nicht mehr."", zitiert Mister Bickerton und blättert sich dann hektisch durch seinen Pergamenthaufen, um einen zweiten Bogen hervorzuholen, „Nur zum Vergleich: „Er gehört zu mir, in all seinen verschiedenen Formen, und ich habe gelernt, mich mit ihm zu arrangieren. Solange er mein Leben nicht regiert, ist es okay."" Er macht eine Kunstpause und sieht dich an.

Über dein Gesicht bricht ein Lächeln und du fühlst dich gut, wie immer, wenn dich einer deiner Studenten so ungeheuer positiv überrascht. „Nur weiter", lachst du amüsiert und zwinkerst Mister Bickerton zu, „Ihre Kommilitonen wirken etwas verwirrt. Verraten Sie Ihnen, worauf Sie hinauswollen."

Er nickt zurück und wirkt gleichzeitig erleichtert und verschüchtert von deinem plötzlichen Heiterkeitsausbruch. „Das zweite Zitat ist aus dem Interview mit Millicent Bulstrode", erläutert er seine Überlegungen, „Sie spricht über den Krieg und benutzt dabei teilweise genau die gleichen Worte wie Mrs Weasley, wenn sie über Schmerz redet."

„Und?", ruft jemand aus den hinteren Reihen und du verdrehst die Augen.

„Und", wiederholt Trystan Bickerton langsam, „das zeigt uns doch ziemlich deutlich, dass Mrs Weasley und Miss Bulstrode trotz ihres völlig unterschiedlichen familiären Hintergrundes und trotz ihrer zumindest anfangs vermutlich grundverschiedenen Einstellung zum Themenkomplex Reinblüter und Muggelgeborene während des Krieges recht ähnliche Erfahrungen gemacht haben und irgendwo in gewisser Hinsicht gleich sind."

„Danke", greifst du hastig ein, ehe die aus den hinteren Reihen noch anfangen, mit Papierkügelchen um sich zu werfen. Du kannst Lucinda Johnson erkennen und hast sie stark im Verdacht, eine Rebellion anzuleiern – etwas, was du gerade nun wirklich nicht gebrauchen kannst. Darüber hinaus hat Mister Bickerton Recht, wie du findest.

„Kommen wir zum ersten Interview", beschließt du, „Gibt es Freiwillige? Miss Johnson, wie wäre es denn mit Ihnen?" Du musst verrückt geworden sein. Oder zumindest kurzzeitig nicht handlungsfähig. Wie sonst ist es zu erklären, dass du äußerlich vollkommen gelassen auf deinem Pult sitzt und ein freundliches Lächeln in Richtung der hinteren Reihen wirfst? Konfrontation mit dem Feind, nennt sich das wohl. Und du sitzt am längeren Hebel. Du weißt das, aber sie weiß es auch.

„Bitte", erwidert sie gespielt gleichgültig und zuckt hochmütig die Achseln. Stille hat sich wie Nebel über den Hörsaal gelegt und alle Studenten aus den vorderen Reihen haben sich umgedreht. Du bist gespannt. „Das Interview wurde geführt mit Andromeda Tonks, geborene Black", schleudert dir Miss Johnson entgegen und verengt die Augen zu schmalen Schlitzen, „Habe ich Recht?"

„Ja", nickst du völlig unbeeindruckt und baumelst gelassen mit den Beinen, „Vielleicht hätten Sie auch die Güte, das Interview noch etwas weiter zu analysieren? Wenn Sie in der Klausur die Aufgabenstellungen so bearbeiten wie Sie das gerade tun, werden Sie nämlich leider durchfallen." Es ist erneut eine leichte Warnung, die du mitschwingen lässt, und die kleinen, roten Punkte, die auf Miss Johnsons Wangen brennen, zeigen dir, dass sie genau wie vorhin verstanden hat, was du ihr sagen willst.

„Andromeda Tonks sorgte für einen mittelprächtigen Skandal, als sie den muggelstämmigen Ted Tonks heiratete und von ihrer Familie verstoßen wurde", erklärt Miss Johnson und klingt erschreckend nach Klatschzeitschrift, wie du findest, „Das Interview behandelt ihre Kindheit, ihr Verhältnis zu ihren Schwestern, damals und heute, und ihr weniger luxuriöses Leben mit ihrem Ehemann."

Lucinda schlägt ihre Mappe mit den Texten zu und sieht dich abwartend an.

Du bist ein bisschen sprachlos, ehrlich gesagt. So hattest du dir die Analyse von Andromeda Tonks' Interview jedenfalls ganz sicher nicht vorgestellt. Offensichtlich sieht Miss Johnson allerdings keinerlei Veranlassung, ihre Aussagen noch etwas weiter zu verfolgen und du beschließt, dass du dich heute ganz sicher nicht auf einen Machtkampf mit ihr einlassen musst, nur, damit sie deine Vorlesung nicht weiter behindert.

Ihr habt für heute nicht mehr lange Zeit, aber du willst dieses Interview besprechen und du willst es gut besprechen. „Mister MacLaine", hebst du deine Stimme wieder an, nimmst den Blick von Miss Johnsons Gesicht und legst ihn dafür auf das des jungen Schotten, „Dürfte ich Sie bitten, Miss Johnsons brillante Gedankengänge fortzuführen?" Du bist zynisch und kalt und es kümmert dich nicht, in diesem Moment. Du musst Luft ablassen und zwar dringend.

„In Ordnung", antwortet Alasdair und falls er überrascht ist, so lässt er es sich nicht anmerken.

„Es fällt auf, dass Mrs Tonks sehr offen über ihre Vergangenheit spricht. Sie scheint sich der Tatsache bewusst zu sein, wie ... speziell ihre Kindheit und ihre Erziehung verlaufen sind und sie analysiert dies relativ sachlich. Sie gibt zu, dass ihre Familie und somit auch sie selbst einen besonderen Status und Ruf in der Zaubererwelt genossen haben, aber sie sagt selbst, dass die Zeiten damals noch anders waren als heute. Jedenfalls ist sie mit diesem Wissen, über allen Anderen zu stehen, aufgewachsen und daher ist es ihr verständlicherweise verhältnismäßig schwer gefallen, diese Haltung abzulegen und sich an ein normales Leben zu gewöhnen, in dem sie ihre Arbeiten selbst verrichtet.

Sie unternimmt nicht den Versuch, die Fehler und Taten ihrer Schwester Bellatrix zu rechtfertigen; vielmehr bemüht sie sich um eine Erklärung, wie es überhaupt soweit kommen konnte und sieht einen Hauptgrund für ihre unterschiedlichen Lebensentwicklungen in den Menschen, die ihnen begegnet sind. Sie erzählt vom starken Einfluss des Dunklen Lords auf Bellatrix, davon, dass er ihr all das versprochen hat, was sie am Leben schätzte und liebte.

Bellatrix scheint die Ikone der Slytherins gewesen zu sein: intelligent, schön, reinblütig und reich. Ihre Schwester verrät uns, dass sie leidenschaftlich war und wir wissen heute, dass Bellatrix diese Leidenschaft geschickt einzusetzen wusste, um Menschen zu foltern und um rücksichtslos für das zu kämpfen, wofür ihre Leidenschaft eben entbrannt war.

Bellatrix war für Mrs Tonks offenbar sehr wichtig. Sie nennt Bellatrix ihre ehemals „beste Freundin" und spricht von ihrer älteren Schwester, die auf Konventionen pfeifte und die wiederum Andromeda brauchte. Wir bekommen einen Eindruck davon, wie Bellatrix Black einmal gewesen sein mag, bevor sie ins Dunkel abrutschte und bevor Azkaban sie zerstörte. Sie war sich ihres Namens nur allzu bewusst und sie erfüllte jede Erwartung, die an den Namen Black geknüpft war.

Andromeda hingegen ... Andromeda wurde von der Familie verstoßen, als sie sich entschied, jemanden zu heiraten, der nicht reinblütig war. Sie stellte ihre Liebe über ihre Familie und seitdem existierte sie für die Blacks nicht mehr, weil sie eine Blutsverräterin war. Mrs Tonks sagt selbst, dass es die schwierigste Entscheidung ihres Lebens war, aber dass sie sie trotzdem immer wieder fällen würde."

Mister MacLaine holt kurz Luft und du denkst, dass dem Interview nun immerhin die Ehre zuteil wird, die es verdient.

„Andromeda spricht auch von Narcissa und von ihrer Kindheit", fährt Alasdair fort, den Blick konzentriert auf seine Notizen gerichtet, die Stimme klar und deutlich, „Das ist ziemlich spannend, weil wir das Ganze ja mit Mrs Malfoys Eindrücken aus ihrem Interview vergleichen können. Sie kommen beide zu dem Ergebnis, dass sie vielleicht niemals wirklich Kinder waren: Andromeda spricht von „kleinen Erwachsenen", während Mrs Malfoys Bild vom Himmel nur allzu deutlich macht, dass das typische Kindheitsbild in ihrer Welt so niemals existiert und stattgefunden hat.

Mrs Tonks erwähnt jedoch auch eine gewisse Art von Unschuld, die sie irgendwann verloren haben, weil das Leben eben anders spielte als erwartet. Und ich persönlich greife ihre Aussage, dass sie die Zeit zurückdrehen würde, wenn sie nur könnte, so auf, dass sie die Zeit soweit zurückdrehen würde, dass sie diese Unschuld noch besitzen würden."

„Danke sehr", sagst du und wirfst einen Blick auf die Uhr, „Das soll für heute genügen. Wie üblich werde ich Ihnen die Materialien für die nächste Sitzung zukommen lassen. Ich bitte Sie, sich ausgiebig vorzubereiten. Danke für die heutige Mitarbeit." Du nickst einigen deiner Studenten zu und lässt deinen Papierstapel zurück in deine Tasche gleiten, während du selbst vom Pult herunterrutschst. Deine Robe wartet zuverlässig auf der Stuhllehne auf dich, sie ist weich und fließend, als du in sie hineinschlüpfst, und sehr vertraut.

Du machst dich auf den Weg zur Tür und versuchst, die unschöne Episode mit Miss Johnson im Saal zurückzulassen. Du hast Wichtigeres und Dringenderes zu tun. Eigentlich würdest du gerne nach Hause flohen, deine Sachen ablegen und dann irgendwo essen gehen, aber du weißt, dass sich in deinem Unibüro die unbeantworteten Briefe stapeln (noch höher als bei dir zu Hause) und auf Bearbeitung warten. Du kannst es dir nicht leisten, auf der faulen Haut zu liegen, wenn Vorlesungen, Materialien, Vorbereitungen und Projekte warten. Und schließllich musst du dein Geld ja irgendwie verdienen, nicht wahr?

„Sir?", hörst du Gwendolen Hopkins rufen und du schätzt, dass du nun die dritte Frage beantworten sollst, die Frage, die sie vorhin hinuntergeschluckt hat, „Wenn es Professor Finnigan nicht war - wer hat dann diese drei Interviews geführt?"

Ja. Du hattest Recht. Genau die Frage, die du erwartet hast. Genau die Frage, die du von jedem deiner Studenten erwartet hast, die du verlangst, weil doch immerhin ihre Neugier geweckt werden soll, weil sie lernen sollen, Spuren zu verfolgen bis zu ihrem Ende und weil sie „Korrekt. Professor Finnigan hat dieses Interview nicht geführt." nicht als Antwort akzeptieren sollten, denn die Spur ist noch längst nicht zu Ende.

Genau die Frage, die du nicht beantworten willst.

(Genau die Frage, die du als Student gestellt hättest.)

Du erstarrst in deiner Bewegung, bleibst im Türrahmen stehen und zögerst, bevor du dich umdrehst und etwas erwiderst. „Niemand von Bedeutung", sagst du. Und gehst.


tbc.

Anmerkung: Mir ist durchaus bewusst, dass Professor Slughorn noch Zaubertränkeprofessor ist, wenn Narcissa nach Hogwarts kommt. Aber nachdem der Gute schon zu Tom Riddles Zeiten unterricht hat, fand ich, dass er seine Rente etwas genießen sollte. Nun gibt es also eine Übergangslehrerin, bis schließlich Severus Snape die Tränkeküche aufwirbelt. Alles klar?