Bemerkung der Autorin: Tut mir Leid. Ich habe schon wieder ewig gebraucht. Dafür ist das Kapitel relativ lang geworden. Es war ein bisschen schwierig zu schreiben, weil es mir teilweise schwer gefallen ist, beim personalen Erzählen zu bleiben und keine allwissenden Eingriffe zu tätigen - was mir natürlich trotzdem hin und wieder passiert ist. Das bitte ich zu entschuldigen. Ich hoffe, es gefällt euch ein bisschen.
In eigener Sache: Eventuell interessiert es ja den Einen oder Anderen, dass ich mich hin und wieder an Original versuche. Gerade habe ich etwas angefangen, an dem ich sehr hänge. Wer mag, kann ja gerne mal hier vorbeischauen: http:// fan fiktion . de /s/4abf64c100000cef0c903a98 (natürlich ohne die extra eingefügten Leerzeichen) - ich freue mich immer über Rückmeldung!
Aber nun: genug geredet. Bühne frei für die Blacks.
Anmerkung:
Liebe Studierende,
Die heutigen Anlagen funktionieren nach einem recht einfachen Prinzip: Sie müssen nur beginnen, die ersten Sätze zu lesen und schon werden Sie, wie bei einem Denkarium, in das erzählte Geschehen hineingleiten und können beobachten. Dies ist beliebig häufig wiederholbar und ich würde Sie bitten, diese Möglichkeit auch auszuschöpfen. Schauen Sie sich die Ereignisse mehrmals an und machen Sie sich Notizen. Um Ihnen gleich zu Beginn einen Hinweis zu geben: Sie werden die Familie Black zu verschiedenen Zeitpunkten an verschiedenen Orten beobachten. Das älteste Mädchen ist Bellatrix, gefolgt von Andromeda und der jüngsten Schwester, Narcissa (leicht zu unterscheiden, da sie im Gegensatz zu ihren Schwestern helles Haar hat). Bei den Eltern der Mädchen handelt es sich um Cygnus Black und seine Frau Druella, geborene Rosier. Die beiden Jungen sind die Cousins der drei Schwestern, Sirius (der ältere Bruder) und Regulus (der jüngere) Black. Ihre Eltern sind Orion und Walburga Black.
Ihnen eine schöne Woche und bis zur Vorlesung.
Anlage 1
„Ich hasse Weihnachten", verkündet Sirius mit finsterer Miene ...
„Ich hasse Weihnachten", verkündet Sirius mit finsterer Miene, kaum dass die verehrte Verwandtschaft zur Tür hereinspaziert ist und sich gerade aus dicken Winterumhängen schält. Auf dem dunkelgrünen Stoff schmelzen Schneeflocken, weil man ja unbedingt mit der familieneigenen Kutsche anreisen musste, inklusive optischem Schutzzauber wegen der Muggel, statt bequem (und höchst unwürdig) per Flohpulver.
„Beachtet ihn gar nicht", sagt Tante Walburga gelassen und sieht königlich über ihren Ältesten hinweg, „Er steckt mitten in einer Trotzphase und sollte darin nicht auch noch bestärkt werden." Sie hat die langen, dunklen Haare in schweren Flechten hochgesteckt, silbrige Haarnadeln glitzern wie Sterne, aber ihre grauen Augen sind kühl und wachsam und verraten, dass ihr Sirius' Trotzphase längst nicht so gleichgültig ist wie sie vorgibt.
„Ich hasse Weihnachten!", wiederholt der Erbe der Blacks mit Nachdruck seine Worte und verschränkt die Arme vor der Brust. Seine Augen, grau wie die seiner Mutter, funkeln wütend und verraten, dass der gute, teure Samtanzug die Feiertage vermutlich nicht unbeschadet überleben wird.
Druella zieht eine feingeschwungene, helle Augenbraue in die Höhe und schaut unbeeindruckt auf ihren Neffen hinab. „Achja?", erkundigt sie sich, „Darf man fragen, weshalb du eine solche Abneigung gegen Weihnachten verspürst? Ist es das hervorragende Essen? Die vielen Geschenke? Das Beisammensein mit der Familie?"
Sirius sieht aus wie jemand, dem man die Munition geklaut hat, und Bellatrix kichert leise und höchst undamenhaft. Sirius steckt die Fäuste in die Hosentasche, reckt den Kopf und blickt seiner Tante düster entgegen. „Die blöden Kleider", antwortet er so hoheitsvoll wie man es als Neunjähriger eben kann. „Genug", erklärt seine Mutter und legt ihm eine Hand auf die Schulter, „Das reicht, Sirius. Geh nach nebenan."
Er zieht schlurfend von dannen, beobachtet von seinen Cousinen und seinem kleinen Bruder, der etwas verloren wirkt, wie er nun ganz alleine vor der Treppe steht, den Blick fest auf Sirius gerichtet, die Mundwinkel zitternd, die Augen riesengroß. Er sagt kein Wort und falls er vorhatte zu weinen, ändert er seinen Entschluss. Ein Black schluchzt nicht. Auch dann nicht, wenn er erst knapp fünf Jahre alt ist.
Walburga greift erneut die Rolle der perfekten Gastgeberin auf. „Cygnus?", wendet sie sich lächelnd an die wartende Runde, „Druella? Darf ich euch einen Drink anbieten? Die Kinder können ja in der Zwischenzeit ein wenig spielen, nicht wahr?" In ihrem Lächeln liegt Stahl und Narcissa greift automatisch nach Andromedas Hand. „Gerne", seufzt Cygnus, müde von Weihnachten, bevor es überhaupt begonnen hat, „Kinder, auf nach nebenan." Bellatrix legt den Kopf in den Nacken und sieht fragend zu ihrer Mutter auf. Erst, als Druella nickt, kommt Bewegung in die Mädchen.
Eine nach der Anderen durchqueren sie die Halle, Narcissa streckt die freie Hand nach Regulus aus und gemeinsam steigen sie die Treppe nach oben, während ihre Eltern in einem der unzähligen Salons verschwinden. Bellatrix führt die kleine Gruppe an und selbst, wenn sie nicht bereits seit Jahren immer wieder zu Weihnachten in diesem einen bestimmten Raum spielen würden – heute hätten sie ihn sowieso gefunden, denn Sirius steckt bereits darin und macht Lärm, dass es ein Wunder ist, dass die Muggel nebenan ihn nicht hören können.
Er kniet auf dem Boden, macht Falten in seine teure Hose und hebt nicht einmal den Kopf, als seine Cousinen und Regulus hereinkommen. Er ist vollkommen damit beschäftigt, Juxzauberstäbe zu schwingen und dem Funkenregen zuzuschauen, der auf ihn herniederprasselt. Drüben in der Ecke spielt ein Magisches Grammophon fürchterlich verzerrt Weihnachtslieder ab und veranlasst Bellatrix dazu, ihr Gesicht zu verziehen.
„Das ist ja schauderhaft", stellt sie fest und macht ein paar Schritte nach rechts, um das Grammophon auszuschalten. Ihr Kleid aus dunkelviolettem, sattem Stoff schwingt ihr um die Knie und lässt ihre aristokratisch blasse Haut noch heller aussehen als sonst. Sie trägt das Haar kurz geschnitten, es fällt ihr in rabenschwarzen Locken auf die Schultern und da ist ein Zug um ihren vollen, roten Mund, der nur allzu deutlich verrät, dass sie die Älteste in der Runde ist und dass ihr die Oberaufsicht gebührt.
Sirius protestiert wütend („Das war meine Schallplatte und das hier ist mein Zuhause!"), was Bellatrix mit dem Heben einer dunklen Augenbraue kommentiert; einer Geste, die sie sich bei ihrer Mutter abgeschaut hat und deren Wirksamkeit sie nun testet. „Glaub bloß nicht, dass wir uns allesamt nach deinen absonderlichen Wünschen richten", wendet sie sich an ihren Cousin und schaut sich dann im Raum um. Sirius hat ganze Arbeit geleistet und das Zimmer in den fünf Minuten, die er hier alleine verbracht hat, bis zur Unkenntlichkeit verwüstet.
Regulus klammert sich an irgendein albernes Spielzeug und an Narcissa, während Andromeda zögernd auf Bellatrix zugeht. „Sollten wir aufräumen?", fragt sie ihre Schwester verwirrt, unsicher, wie sie mit der Situation umgehen soll. Bei ihnen daheim sieht es eigentlich niemals so aus wie hier und Andromeda kann sich nur vorstellen, wie ihre Mutter auf ein solches Chaos reagieren würde. Tante Walburga wäre bestimmt nicht viel anders und eigentlich hat Andromeda wenig Lust, Weihnachten mit einer Standpauke zu beginnen.
Bellatrix verengt die Augen und fixiert Sirius, der genauso düster zurückstarrt. „Nein", antwortet sie gedehnt, „Ich glaube, Sirius sollte die Unordnung ganz alleine wieder beheben, oder was meint ihr?" Ihre Stimme ist zuckersüß, aber Andromeda kennt ihre Schwester gut genug, um die Härte heraushören zu können, die verborgen darin liegt. Sirius kann das auch, wenngleich er offenbar beschließt, sie zu ignorieren und seiner Cousine stattdessen die Zunge herauszustrecken.
„Du kannst mir gar nichts befehlen!", faucht er wütend und schaut dann überrascht zu Narcissa, die erschrocken zusammengezuckt ist. Andromeda wirft einen hastigen Blick zu den beiden Jüngsten und stellt fest, dass Regulus seinen Bruder aus großen Augen ansieht, offenbar unschlüssig, was er tun soll. „Hey, Reggie", macht Sirius da plötzlich und seine Stimme ist merkwürdig sanft und versöhnlich, „Sollen wir mit der Eisenbahn spielen?"
Regulus nickt begeistert und der Teddybär fällt achtlos zu Boden, als er etwas mühselig über verstreutes Spielzeug klettert, um zu Sirius zu gelangen. Er zieht Narcissa an der Hand hinter sich her, sie stolpert in ihren Lackschuhen über Gummihühner und Spielbesen und ihr langes, blondes Feenhaar fliegt hinter ihr her wie eine flatternde Fahne.
Bellatrix unterdrückt ein entnervtes Stöhnen und verdreht die grauen Nebelaugen. Andromeda muss lachen, schließlich ist es gerade mal zwei Jahre her, dass sich Bellatrix noch gemeinsam mit ihnen auf dem Fußboden niedergelassen hat, um die magische Eisenbahn zu bestaunen und jedes Mal begeistert „Ooooh!" zu machen, wenn richtiger, echter Dampf aus der Lokomotive emporstieg. Aber jetzt ist Bellatrix elf und schon seit vier Monaten in Hogwarts, sie lernt richtig zaubern und da kann man nicht mehr mit kleinen Cousins und Schwestern auf dem Teppich herumkriechen.
„Das ist albern", sagt sie und rümpft die Nase, „Das ist nichtmal ein richtiger Zauberspruch, glaube ich. Reines Glück, dass das blöde Ding überhaupt noch fährt, nach all den Jahren, in denen es Sirius' Jähzorn ausgesetzt war." Andromeda lacht erneut und drückt Bellas warme, weiche Hand. Sie vermisst ihre Schwester, sie waren noch niemals so lange getrennt und vier Monate ist wirklich eine fürchterlich lange Zeit, findet sie. Sie kann es kaum erwarten, bis sie im nächsten Herbst auch nach Hogwarts gehen darf und sie muss die wenigen Tage genießen, in denen Bellatrix zu Hause ist.
„Lass sie doch", macht Andromeda gelassen und schaut zu, wie Regulus entzückt in die Hände klatscht, als sich der kleine Zug auf den Schienen langsam in Bewegung setzt, „Solange sie ihren Spaß haben, ärgert Sirius uns wenigstens nicht. Und Regulus ist auch beschäftigt, wenn er nur seinen Bruder und Cissy hat." Bellatrix zuckt betont gleichmütig die Schultern, aber ihre Haltung entspannt sich etwas. „Du hast Recht", stimmt sie zu, „Sie sind eben noch Kinder." Andromeda stupst sie sachte an und zwinkert ihr zu. „Was meinst du? Sollen wir mal bessere Musik anschalten?", schlägt sie vor.
Die nächste Viertelstunde verbringen sie damit, sich durch die Musiksammlung zu wühlen und doch nichts zu finden. Es ist ungewöhnlich friedlich im Raum, Regulus und Narcissa bestaunen die Eisenbahn (ein billiger Zauberabklatsch des Muggelspielzeugs, aber es war ein Geschenk von Onkel Alphard und was soll man denn machen? - Außerdem lieben es die Kinder, also bleibt es, vorerst, weil es ein wenig Frieden garantiert.) und Sirius badet sich im bewundernden Blick seines Bruders.
Dann macht es leise Plopp und Kreacher erscheint vor Andromeda und Bellatrix. „Mistress Black", sagt er und verbeugt sich vor Bella, „Ihre Eltern und die werten Herrschaften lassen ausrichten, dass das Abendessen angerichtet ist." Bellatrix nickt ihm würdevoll zu, sagt „Danke, Kreacher. Lass sie wissen, dass wir uns auf den Weg machen." und ist froh, dass der Hauself verschwindet, bevor Regulus ihn entdeckt. Der Kleine scheint den Elfen zu mögen und sie findet, er sollte so früh wie möglich lernen, dass man zu ... niederen Wesen keine Freundschaft aufbaut.
„Habt ihr gehört?", wendet sich Bellatrix an ihre Cousins und Narcissa, „Das Essen ist fertig. Wir müssen wieder runter." Andromeda findet, dass es beinahe bedauerlich ist, die ungewohnt friedliche Stimmung zu zerstören und offenbar sehen die Anderen das ähnlich, denn Sirius zieht bereits wieder die dunklen Augenbrauen auf diese bestimmte Art und Weise zusammen, die nur Unheil bedeuten kann, und Regulus sieht aus, als würde er trotz des mütterlichen Verbots gleich in Tränen ausbrechen.
„Na, kommt", lächelt Andromeda und streckt den Arm aus, bietet Regulus ihre Hand an, „Unten gibt es Essen. Und Nachtisch! Du magst doch Nachtisch, oder, Reggie?" Sie hat schon immer gewusst, wie sie jeden Einzelnen von ihnen anpacken musste, selbst (oder gerade) Bellatrix und der Trick verfehlt auch heute nicht seine Wirkung. Langsam umschließt Regulus ihre Hand mit seinen kleinen, weißen Fingern und lässt sich von ihr in Richtung Tür begleiten. Narcissa folgt ihnen brav, während Bellatrix sicher stellt, dass Sirius den Raum ebenfalls verlässt.
„Wahrscheinlich hat er mitbekommen, dass er den Rennbesen dieses Weihnachten bestimmt noch nicht bekommen wird", wispert Bellatrix Andromeda ins Ohr und deutet mit dem Kopf auf Sirius. Seine Laune ist wirklich auffallend schlecht für Heiligabend, findet auch Andromeda, und nickt vorsichtig zurück. Sie vermisst, wie es früher war, bevor Bellatrix in die Schule gekommen ist. Manchmal scheint es fast, als würde Sirius seiner Cousine übel nehmen, dass sie älter ist und nach Hogwarts gehen darf, bevor es ihm erlaubt ist. Sie haben den gleichen Sturkopf und den gleichen unbändigen Stolz und es verträgt sich nicht besonders gut, wenn Bellatrix etwas darf, das Sirius verwehrt bleibt. Andromeda weiß, dass er ihrer Schwester in den letzten vier Monaten nicht geschrieben hat, also hat er ihr offenbar noch nicht verziehen, dass sie jetzt richtiges Zaubern lernen darf und er noch nicht.
Sie stehen zu fünft am Treppenabsatz und Andromeda weiß nicht, woher der Impuls kommt, doch sie bleibt abrupt stehen und meint, „Wie wär's: wir rutschen das Geländer hinunter?" Ihre Augen glitzern vor Vorfreude und selbst Bellatrix' geziertes „Ich weiß nicht" ist eigentlich nur Fassade. Sogar Sirius' Gesicht hellt sich ein wenig auf und er ist der Erste, der sich auf das Geländer schwingt und nach unten rutscht. Narcissa folgt, etwas unsicher und wacklig, blass um die Nase herum, aber sie kommt heil an und strahlt Bellatrix entgegen, die elegant nach unten braust. Regulus schaut besorgt drein und Andromeda beschließt kurzerhand, mit ihm gemeinsam zu rutschen. Er jauchzt begeistert und wirft die Arme nach oben und als sie wieder festen Boden unter den Füßen hat, fühlt sich Andromeda so gut wie schon lange nicht mehr.
Bellatrix räuspert sich und streicht ihr Kleid glatt, während Andromeda Regulus' weißen Kragen zurechtzupft. „In Ordnung", sagt Bellatrix leichthin und zwinkert in die Runde, „Wir gehen jetzt ganz gesittet dort rein und genießen das Essen. Einverstanden?" Sie ist die Anführerin ihrer kleinen Gruppe, unangefochten (mal abgesehen von unregelmäßigen Rebellionen von seiten Sirius'), und sie erfüllt die Aufgabe mit Bravour. Sie stößt die schwere Eichentür auf und gemeinsam marschiert die Gruppe in den Speisesaal hinein, wo die jeweiligen Eltern warten.
„Da seid ihr ja", bemerkt Tante Walburga und Andromeda ist sich ziemlich sicher, dass sie das „endlich" gerade noch rechtzeitig heruntergeschluckt hat. Wenn es etwas gibt, was Tante Walburga nicht leiden kann, dann ist es Unpünktlichkeit – zum Pech von Onkel Alphard, der soeben, noch mit Stock und Zylinder in der Hand, keuchend im Türrahmen erscheint. „Tut mir Leid", japst er und schnappt nach Luft, „Ich ... äh ... ich wurde aufgehalten."
Die Kinder kichern verhalten, als Druella und Walburga synchron die Augenbrauen heben und einen missbilligenden Blick wechseln. Sie mögen sich ja nicht in vielem einig sein, aber in dieser Hinsicht schon und schließlich ist es ja jedes Weihnachten wieder das Gleiche. Wirklich, jemand sollte Onkel Alphard mal eine funktionierende Uhr schenken, die ihn an all seine Termine erinnern würde.
„Setz dich doch, Alph", sagt der Hausherr und schaut zu, wie Alphard auf den freien Stuhl zwischen Walburga und Cygnus gleitet. Die Ähnlichkeit zwischen den Geschwistern ist unübersehbar, doch nach dem Äußeren hören die Gemeinsamkeiten auch beinahe bereits wieder auf. „Steht hier nicht so herum, Kinder", verlangt Druella und dann wird es ein wenig laut, als fünf Stühle gleichzeitig zurückgeschoben werden. Die Kinder sitzen den Erwachsenen gegenüber, Narcissa in der Mitte, Sirius links außen und Bellatrix ganz rechts. Andromeda lächelt ihren Vater kurz an und Regulus schaut ein bisschen besorgt zu seiner Mutter.
Der Tisch ist gedeckt mit dem Familienporzellan, links und rechts liegt das gute Silberbesteck und die Gläser sind aus geschliffenem Kristall. Wie jedes Jahr gibt es für Weihnachten nur das Beste; ein prunkvolles Fest, wenn es jemals eines gegeben hat.
Alphard erzählt mit ausschweifenden Gesten etwas von der Arbeit, Orion nickt immer wieder mal und der Rest der Erwachsenen macht sich nicht einmal die Mühe, interessiert auszusehen. Sie werden allesamt gerettet, als das Essen erscheint – zumindest solange, bis Sirius im Brustton der Überzeugung und mit perfekter Unschuldsengelmiene erklärt, dass Kürbissuppe doof ist, weil sie eine doofe Farbe hat. Narcissa prustet in ihren Teller hinein und Alphard wischt sich verwirrt ein paar orangefarbene Suppenspritzer von der kahler werdenden Stirn.
Regulus jauchzt vergnügt und lässt den schweren Silberlöffel fallen, um stattdessen lieber begeistert Applaus zu klatschen. Der Löffel landet mitten im Teller und sorgt dafür, dass sowohl Sirius als auch Regulus' Eltern mit Kürbissuppe bekleckert werden. Andromeda legt vorsichtig ihren eigenen Löffel beiseite, beißt sich hart auf die Unterlippe und vermeidet jeden Blick nach rechts, wo Bellatrix sitzt und verzweifelt versucht, ihre zuckenden Mundwinkel unter Kontrolle zu bringen.
„Entschuldigung", wispert Narcissa entgeistert und nun kann Andromeda beim besten Willen nicht mehr an sich halten. Sie lacht, bis ihr die Tränen kommen, und unter dem Tisch verflechten sich ihre Finger mit denen von Bellatrix. Die beiden schauen sich an und lachen immer lauter, Sirius grinst spitzbübisch und Alphard trägt ein mildes Lächeln spazieren, während Orion und Walburga so elegant wie möglich die Suppenreste von ihrer Kleidung wegzaubern.
„Vielleicht ist Weihnachten doch nicht so blöd", stellt Sirius frech fest und Druella macht seufzend den Vorschlag, dass es vielleicht am besten wäre, die Kinder im Salon essen zu lassen. Es gibt ein scharrendes, hässliches Geräusch, als die jungen Erben der Blacks zeitgleich ihre Stühle nach hinten rücken und kichernd und schwatzend im Nebenraum verschwinden, wo Hauselfen damit beschäftigt sind, eiligst einen zweiten Tisch zu decken.
„Gut gemacht, Sirius", lobt Andromeda ihren Cousin amüsiert, „Ich glaube, das war ein neuer Rekord. So schnell haben wir es noch nie geschafft, dem Festessen zu entgehen."
Anlage 2a
„Schau mal", sagt Bellatrix und deutet ...
„Schau mal", sagt Bellatrix und deutet auf die Schlange aufgeregter Erstklässler, „Da ist er ja!" Sie hat Sirius erspäht und obwohl sie krampfhaft versucht, die Nervosität aus ihrer Stimme zu bannen, kann Andromeda die letzten Reste noch heraushören. Sie reckt den Hals ein wenig und widersteht der Versuchung, sich höchst unblackhaft auf die Bank zu stellen, um ihrem Cousin zuzuwinken, obwohl sie es wirklich gerne täte – schon alleine deshalb, weil es Sirius ungeheuer peinlich wäre.
Ihr Cousin steht betont gelangweilt zwischen seinen zukünftigen Mitschülern. Sein nagelneuer Hogwartsumhang sieht leicht zerknittert aus und Bellatrix murmelt amüsiert, „Merlin, seine Haare sind fast so lang wie deine!" Sie zupft spielerisch an Andromedas dunklem, dickem Zopf und gemeinsam brechen sie in leises Gelächter aus.
Sirius hat die Arme vor der Brust verschränkt und wenn man ihn nicht kennt, könnte man ihm glatt abkaufen, dass er kein bisschen aufgeregt ist. Dummerweise kennen ihn seine Cousinen mittlerweile recht gut. „Fünf Galleonen, dass er die Stufen übersieht und McGonagall vor die Füße kullert", bemerkt Bellatrix und ihre Augen blitzen vergnügt. Andromeda stöhnt amüsiert auf und wispert, gespielt tadelnd, „Also wirklich, Bella, Wetten, und das in deinem Alter und bei einem solch heiklen Thema!" Bellatrix lehnt sich zurück, sodass sie niemand belauschen kann. „Komm schon, Meda, sei kein Frosch", sagt sie herausfordernd und wiederholt, „Fünf Galleonen, dass der gute Sirius auf die Nase fallen wird."
Andromeda gibt sich geschlagen (denn wer wird es schon erfahren? Ihre Mutter gewiss nicht und es ist ja nicht so, als hätten sie und Bellatrix noch niemals miteinander gewettet und bisher ist immer alles gut ausgegangen.) und meint, halb belustigt, halb resignierend, „Oh, na schön. Zehn Galleonen, dass Sirius für einen Skandal sorgen wird, noch ehe das Essen auf den Tischen erscheint." Bella lacht und nickt, sie schütteln besiegelnd die Hände und schauen zu, wie Professor McGonagall den ersten Erstklässler aufruft.
Sirius ist der Dritte und Andromeda kann fühlen, wie Bellatrix neben ihr den Atem anhält, als er sich aus der Schlange löst und langsam in Richtung Stuhl und Hut schreitet. Sein Umhang scheint ein wenig zu lang und zu groß für ihn zu sein, aber er schafft es, sich zu setzen, ohne dabei seiner zukünftigen Lehrerin vor die Füße zu fallen.
„Verdammt", zischt Bellatrix und zwinkert Andromeda gleichzeitig zu. Verlieren ist okay, solange es Meda ist, die es niemandem verrät, Meda, mit der sie Geheimnisse teilt. Andromeda lacht und wartet gespannt, was der Hut verkünden wird. Nicht, dass sie mit irgendwelchen Überraschungen rechnet. Ihr Cousin wird nach Slytherin kommen, so wie sie und Bella, so wie ihre Eltern, so wie Sirius' Eltern, so wie Cissy und Reggie es tun werden, wenn sie alt genug sind.
Dann ruft der Hut „Gryffindor!" und die Hölle bricht los.
Anlage 2b
„Aber das muss ..."
„Aber das muss ein Irrtum sein", sagt Bellatrix zum wiederholten Mal und legt ihre Hände wie Schraubstöcke auf Sirius' Schultern, „Er kann überhaupt nicht nach Gryffindor gehen. Er ist ein Black! Wir sind Slytherins." Professor McGonagall schenkt ihr einen missbilligenden Blick und verkündet eisig, „Was Ihr Cousin kann oder nicht kann, ist allerdings eindeutig nicht Ihre Angelegenheit, Miss Black."
Andromeda legt ihrer Schwester beschwichtigend eine Hand auf den bebenden Unterarm. „Nun", strahlt Professor Dumbledore vergnügt in ihre Richtung, „Ich schätze, der werte Mister Black kann durchaus nach Gryffindor gehen, schließlich ist er noch jung, seine Beine scheinen ihn auch zu tragen und unser ehrwürdiger Sprechender Hut hat seine Entscheidung getroffen."
Bellatrix öffnet den Mund, um etwas zweifellos höchst Unangebrachtes zu erwidern und Andromeda hält es für das Beste einzugreifen, bevor ihre Schwester es schafft, für den zweiten Skandal innerhalb weniger Stunden zu sorgen, indem sie ihren Schulleiter anschreit. „Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben", erklärt sie höflich und ihre Finger schließen sich um Bellas Handgelenk, „Wir würden nun gerne zum Essen zurückkehren."
Professor Dumbledore nickt und Professor McGonagall sieht höchst skeptisch drein, während die Black-Schwestern ihren Cousin in die Mitte nehmen und das Zimmer eiligst verlassen. Immerhin wartet Bellatrix, bis die Tür sich wieder geschlossen hat, bevor sie mit ihrer kleinen Rede loslegt.
„Hast du völlig den Verstand verloren?", faucht sie Sirius an. Sie stehen direkt voreinander, so ähnlich, so wütend, und Andromeda streckt beide Arme aus, stellt sich in die Mitte und verdreht die Augen. Das hier kann dauern, fürchtet sie. „Ach?", zischt Sirius zurück, „Jetzt ist es also meine Schuld, dass dieser blöde, zerfledderte Hut mich in das falsche Haus geschickt hat, oder wie?"
Bellatrix hat die Arme vor der Brust gefaltet, einige Strähnen haben sich bereits aus ihrer sorgfältigen Frisur gelöst und sie ist ganz blass im Gesicht. „Na, wessen Schuld denn sonst?", gibt sie kühl zurück, „Du hast ja wohl auf dem Stuhl gesessen, oder? Du hast dich nur einfach nicht genügend angestrengt!" Sirius wird knallrot vor Zorn, er ballt die Hände zu Fäusten und schreit, „Du spinnst doch!" und Andromeda hat eindeutig genug und donnert „Ruhe!"
Sie verstummen, beide, und schauen schweigend zu Meda. Sirius sieht aus, als hätte ihm jemand die Luft rausgelassen: seine Schultern sacken nach unten und er macht ein unglückliches Gesicht, das gar nicht recht zu ihm passen will, zu ihm, dem Frechdachs der Familie. Er zieht die Nase hoch, wickelt sich in seine neue, frischzerknitterte Robe und blickt zu Andromeda hoch. Seine Augen, grau wie Nebel an einem Novembermorgen und denen von Meda und Bella so ähnlich, dass wirklich niemand übersehen kann, dass sie verwandt sind, wandern von Andromeda zu Bellatrix und wieder zurück.
„Was soll ich denn jetzt machen?", fragt er leise, „Die rasten aus, wenn ich ihnen schreibe, dass ich nicht in Slytherin bin. Und wenn sie rauskriegen, wo genau ich stattddessen gelandet bin ..."
Andromeda muss sich nicht erkundigen, wen er meint. Mit Onkel Orion und Tante Walburga ist nicht unbedingt zu spaßen, wenn die Themen Familie, Reinblut oder Schulangelegenheiten heißen. Sie mag sich gar nicht ausmalen, was Sirius blüht, wenn seine Eltern von seinem ... Fehltritt erfahren.
„Was sollst du schon machen?", gibt Bellatrix zurück und es klingt ruppiger als es gemeint ist, „Nichts, natürlich. Ändern kannst du an der ganzen Sache jedenfalls nichts. Du gehst jetzt zurück zum Essen, setzt dich an deinen Tisch und versuchst, keinen Streit mit irgendwem anzufangen. Kriegst du das hin?" Sie wartet seine Antwort, die sowieso nur aus einem gereizten Blick besteht, überhaupt nicht ab. „Gut. Meda und ich schreiben deinen Eltern. Vielleicht können sie ja irgendwie dafür sorgen, dass du zu uns nach Slytherin kommst."
Sirius zuckt die Achseln und gibt sich unbeteiligt. „Okay", murmelt er, schaut beide zögernd an und scheint zu überlegen, ob er sie umarmen darf, bevor er sich umwendet und den Gang entlangschlurft, zurück in die Große Halle, zurück an einen Tisch, an dem er kein Gesicht kennt und an dem er nicht zu Hause ist.
Andromeda schaut ihm nach und er tut ihr Leid. Es ist sein erster Abend in Hogwarts, das ist eigentlich sowieso aufregend genug, aber nein, natürlich kann Sirius die Häuserverteilung nicht wie jeder andere machen, und nun hat er einen Haufen Probleme am Hals, mit denen er irgendwie fertig werden soll.
„Zehn Galleonen", sagt Bellatrix, „dass er heute Nacht noch jemanden zusammenhext."
Andromeda schüttelt den Kopf und meint, „Du bist unmöglich, Bella, weißt du das?", doch über ihre Lippen huscht ein feines Lächeln und sie hat das seltsame Gefühl, dass Bellatrix diese Wette bestimmt gewinnen wird.
Anlage 3
„Orion", hallt es durch ...
„Orion", hallt es durch das Haus, eine Stimme wie klirrendes Glas und Fensterläden, die zugeworfen werden, „Orion, wo bei Salazar bist du?"
Narcissa und Regulus schauen sich schüchtern an, sie sitzen unter dem großen, tischtuchverhangenen Esstisch im Grünen Wohnzimmer und sie wissen nur allzu genau, wo Onkel Orion steckt, nämlich geschätzte zwölf Fuß von ihnen entfernt, dösend auf dem Samtsessel mit den lustigen Troddelkissen. Sein Schnarchen klingt leise und sehr vertraut und sie haben sich extra angestrengt, um ihn nicht aufzuwecken, als sie sich hereingeschlichen haben, weil man nirgends so gut mit den kaputten, nun unverhexten Eisenbahnwaggons spielen kann wie unter dem Tisch.
„Orion!", sagt Tante Walburgas Stimme in einem scharfen Tonfall und das Schnarchen hört abrupt auf. Stattdessen knarzt der Sessel leise und Onkel Orion gähnt vernehmlich. „Was ist denn passiert?", will er schläfrig wissen und Regulus und Narcissa können durch das Tischtuch hindurch die Konturen der beiden erkennen, eine stehend, drohend, eine sitzend, müde.
„Das hier ist passiert", zischt Tante Walburga und wedelt mit der rechten Hand. Sie hält etwas fest, dessen Schatten aussieht wie ein Brief und Narcissa und Regulus legen synchron die Zeigefinger auf die Lippen und lächeln sich zu. Schön still bleiben, sonst gibt es nur Ärger.
„Was ist das?", fragt Onkel Orion ergeben, wie einer, der weiß, dass er in der Falle sitzt und nicht mehr herauskommt und sich deswegen gleich in sein Schicksal fügen kann. Er faltet die Hände über seinem Bauch und hebt den Kopf, um seine Frau anschauen zu können. „Ich weiß, dass es ein Brief ist", fügt er noch hinzu, „Also kommen wir doch gleich zum Wesentlichen."
Narcissa weiß, dass Tante Walburga „den Zauberstab in der Hand hat", wie ihre Mutter das immer ausdrückt, aber da ist etwas in Onkel Orions Stimme, was verrät, dass trotz allem er das Familienoberhaupt ist, er und nicht seine Frau, auch wenn sie hundertmal königlicher und stolzer und furchteinflößender auftreten kann als er dazu jemals in der Lage sein wird.
„Das hier", Tante Walburga holt tief Luft und richtet sich zu ihrer vollen, beeindruckenden Größe auf, „ist ein Brief aus Hogwarts. Im Salon liegen zwei weitere, falls es dich interessiert, doch die Quintessenz ist in allen dreien die gleiche. Dein missratener Sohn hat es tatsächlich geschafft, sich nach Gryffindor einsortieren zu lassen."
Ihre Stimme schwankt bedrohlich, als sie „Gryffindor" herauspresst wie man angeekelt ein schlechtes Stück Käse ausspucken würde. Eine Stimme wie ein Peitschenhieb, denkt Narcissa, und Sirius tut ihr Leid, bevor ihr plötzlich aufgeht, was ihre Tante da gerade gesagt hat. Oh, Merlin. Gryffindor. Sirius ist nach Gryffindor gekommen. Gryffindor. Gryffindorgryffindorgryffindor.
„Ach", macht Onkel Orion schneidend und es gelingt ihm irgendwie, dabei bedrohlich zu klingen, „Nun ist er wieder mein missratener Sohn, ja?"
„Wessen missratener Sohn denn sonst?", schießt Tante Walburga zurück und verschränkt die Arme vor dem Oberkörper, „Und überhaupt – hast du mir gerade zugehört? Er ist nach Gryffindor geschickt worden, Orion! Gryffindor!"
„Ich habe dich durchaus verstanden", erwidert Orion und unter dem Tisch greift Regulus mit klammen Fingern nach Narcissas Hand, „Nur aus Interesse: von wem ist der Brief?"
Tante Walburga schnaubt. „Minerva McGonagall", antwortet sie, „Sie schreibt, um uns mitzuteilen, dass sie sich freut, unseren Sohn in ihrem Haus willkommen heißen zu dürfen. Ausgerechnet. Wie kann sie es nur wagen. Diese Schande. Diese Unverschämtheit. Diese Impertinenz einer Hexe, die noch nie begriffen hat, was der Name Black mit sich führt."
Orion seufzt. „Und die anderen beiden Briefe?", erkundigt er sich.
„Einer von Dumbledore", erklärt Tante Walburga abfällig, „Und einer von unseren Nichten, mit der Bitte darum, dass wir etwas gegen diese unmögliche Situation unternehmen. Ein Black in Gryffindor! Wie absolut und vollkommen unpassend und lächerlich. Was hat sich der Junge nur dabei gedacht, frage ich mich."
Narcissa fragt sich das auch. Sie kauert unter dem Tisch, ihr Blick ist mit dem von Regulus verhakt und sie starren sich schweigend, mit offenen Mündern an und begreifen nicht, was gerade um sie herum passiert ist. Blacks gehören nach Slytherin. Slytherin. Das wissen sie beide, schon immer, damit sind sie aufgewachsen. Wenn sie eines Tages nach Hogwarts kommen werden, werden sie nach Slytherin gehen. Das steht außer Frage. Genau wie Bella und Meda und – Es geht nicht, denkt Narcissa verschwommen, Sirius kann kein Gryffindor sein. Er kann nicht zu denen gehören, zu denen, die sie hassen, zu denen, die ihre Feinde sind.
Tante Walburga denkt offensichtlich ähnlich. „Du schreibst Dumbledore", beschließt sie, „Ich schreibe den Mädchen und dann deinem missratenen Sohn."
Onkel Orion zuckt die Achseln. „Und McGonagall?", hakt er nach, „Willst du die ignorieren?" Walburgas Schnauben ist Antwort genug. Sie reckt das Kinn in die Höhe und verlässt den Raum. Das Pergament in ihrer Hand zittert beim Laufen und ihre Absätze klackern über das edle Parkett. Orion reibt sich die Augen und murmelt etwas von „Soviel Aufregung so früh am Tag", bevor er sich aus seinem Sessel wuchtet und in seinen Pantoffeln nach draußen schlurft.
Regulus und Narcissa nehmen gleichzeitig die Zeigefinger von den Lippen und schauen sich an. „Gryffindor", flüstert Regulus, seine Augen sind groß und verwirrt, „Was heißt das, Cissy?" Narcissa sieht hilflos zurück. „Ich weiß nicht, Reggie." Der Griff seiner Finger um ihre Hand wird fester. „Aber ich darf Sirius doch noch liebhaben", flüstert er, „Oder?"
Anlage 4
„Tut mir Leid", murmelt ...
„Tut mir Leid", murmelt Andromeda und hält Sirius unbarmherzig am Ärmel seines Hogwartsumhangs fest, „Tut mir Leid, Sirius. Wirklich." Er schüttelt den Kopf, sodass ihm die schwarzen Haare übers blasse Gesicht fallen und seine Cousine nicht sehen kann, wie rotgerändert seine Augen sind und wie dunkel die Schatten darunter. Natürlich weiß Andromeda trotzdem Bescheid, aber sie kennt den Stolz ihres Cousins gut genug. Sie hatte ihre Gründe, ihn hier auf einem der entlegeneren Gänge abzufangen.
„Schon okay", antwortet er, die Stimme kratzig und brüchig, „Ich hab' sowieso nicht erwartet, dass sie irgendwas ausrichten können. Dumbledore hat es ja gesagt, oder nicht? Wir können uns nicht gegen das wehren, was uns der Sprechende Hut mitteilt. Verdammtes, verfluchtes, verlaustes Stück Filz!"
Andromeda schwankt zwischen Unglaube und Amüsement. „Sirius!", sagt sie streng, aber augenzwinkernd, „Also wirklich. Du wirst doch wohl kein Schuleigentum beleidigen wollen, oder?" Sie schafft es immerhin, ihm ein Lächeln zu entlocken. Sie kann sich vorstellen, dass die letzten Tage alles andere als leicht für ihn waren, doch sie weiß es nicht genau. Sirius würde niemals kommen und sich beklagen.
„Haha", macht er und verzieht das Gesicht, „Du kennst mich doch, Meda. Würde ich jemals irgendwas beleidigen?" Er schenkt ihr einen langen Unschuldsblick, dem sie ihm schon nicht mehr abnimmt, seitdem er fünf Jahre alt war. Trotzdem ist da etwas, die langen Wimpern um die grauen Augen der Blacks, was sie milde stimmt und ihr verrät, dass Sirius längst nicht so abgehärtet ist wie er gerne tut.
„Mal ganz im Ernst", fährt sie leise fort und schaut ihn forschend an, „Geht es dir gut? Sind sie nett zu dir, die Gryffindors? Oder muss ich gehen und jemanden verhexen?" Sie würde es tun. Sie würde sofort losziehen und dafür sorgen, dass man ihren Cousin gut behandelt. Er ist Familie. Und er würde sie niemals lassen. Schließlich ist er ein Junge und kann auf sich selbst aufpassen.
Er schiebt die Hände in die Hosentaschen und zuckt die Achseln. „Ja, doch", erwidert er, „Sind ganz okay." Andromeda lässt nicht locker. „Und die anderen Erstklässler?", will sie wissen, „Wie sind die Jungs aus deinem Schlafsaal so?" Natürlich weiß sie das alles längst. Sie hat ihre Informationen. Aber sie will es von ihm hören.
„Ganz okay", wiederholt Sirius, „Potter ist ein Reinblut und ein Trottel. Lupin weiß ich nicht. Und ich glaube, Pettigrew ist ein Halbblut. Oder so." Andromeda ist klar, dass ein Black nicht gerade leichtes Spiel haben wird in Gryffindor. Sie haben keine Erfahrung damit, wie man mit Löwen umgeht. Sie sind Schlangen, seit Jahrhunderten, seit Generationen.
„Aha", macht sie und fixiert Sirius, „Und du hast gedacht, um deinen grandiosen Einstand in Hogwarts noch ein bisschen spektakulärer zu gestalten, prügelst du dich mit deinem zukünftigen Klassenkameraden?" Immerhin, denkt sie, geprügelt und nicht duelliert, das bedeutet, keine zehn Galleonen für Bella.
„Ich hab' doch gesagt, Potter ist ein Trottel", stößt Sirius hervor und hat den Anstand, wenigstens ein winziges bisschen verlegen dreinzuschauen, „Ich hab' das nicht geplant, okay? Ich wollte keinen Ärger machen. Ehrlich nicht. Hat ja schon genug Ärger gegeben, dass ich überhaupt in Gryffindor gelandet bin", fügt er leise hinzu.
„Ja", antwortet Andromeda leise und zieht Sirius in eine Umarmung und versucht zu verbergen, wie überrascht sie ist, dass er sie lässt, „Ja, ich weiß. Aber das können wir jetzt nicht mehr ändern, also musst du versuchen, das Beste daraus zu machen. Okay?"
Sirius nickt an ihrer Schulter und hebt dann den Kopf, um sie anzuschauen. Seine Augen leuchten wie Sterne im weißen Gesicht. „Wie sauer sind sie?", will er wissen. Er kaut nervös auf seiner Unterlippe und Andromeda weiß, er hat Angst. Er würde es nie zugeben, ihr sturköpfiger, stolzer Cousin, doch er hat Angst vor der Reaktion seiner Eltern und sie kann es ihm nicht verdenken. Sie hätte auch Angst.
Anlage 5
„Natürlich sind wir überaus stolz ..."
„Natürlich sind wir überaus stolz", verkündet Druella und schenkt ihrer Schwägerin einen triumphierenden Blick, „Drei wunderbare, wohlerzogene Kinder, intelligent, hübsch, allesamt in Slytherin ..."
Bella grinst in der Fensternische und beweist, wie wohlerzogen sie doch ist, als sie Sirius heimlich den Ellbogen in die Rippen stößt. „Na, bist du froh, wieder zu Hause zu sein?", will sie leise wissen, während ihre Eltern sich mit Tante Walburga und Onkel Orion in ein Streitgespräch hineinsteigern, das als Familientreffen getarnt ist. Das heutige Thema lautet Wer hat die besseren Kinder und die Chancen stehen nicht schlecht, dass Bella zur Königin gekrönt wird, denkt Andromeda.
„Halt bloß die Klappe", murrt der Erbe der Blacks und verdreht die Augen, „Ich kann's wirklich nicht mehr hören. Hier hängt der Haussegen aber sowas von gewaltig schief, seitdem Cissy nach Hogwarts gekommen ist, das kann ich euch flüstern. Mir tut nur Reggie Leid, der muss immerhin in dem Irrenhaus hier bleiben, während ich am Sonntag wieder wegfahren darf."
Andromeda nickt und wirft einen mitfühlenden Blick nach links, wo Regulus ein klein wenig verloren auf dem Sofa sitzt und in ein Gespräch mit Narcissa vertieft ist. Er sieht nicht sonderlich glücklich aus und die Last, die er tragen soll, ist viel zu groß und viel zu schwer für seine neunjährigen, mageren Schultern.
„Und du?", wendet sich Sirius an seine älteste Cousine, der Blick ist spöttisch und wild, „Wann beglückst du deine Eltern endlich mit dem heiß ersehnten Schwiegersohn, natürlich aus urältester, reinblütiger Zaubererfamilie, möglichst reich, möglichst höflich und möglichst gutaussehend? Immerhin hast du dein vorletztes Schuljahr angefangen. Läuft dir nicht langsam die Zeit davon, Bella?"
Sie schenkt ihm ein Lachen, das irgendwo zwischen Amüsement und Kälte schwingt. „Lass nur", winkt sie ab, „Deine kleinen Sticheleien sind nicht ausgereift genug, um mich wirklich treffen zu können. Aber um deine Frage zu beantworten: auf den perfekten Schwiegersohn werden meine Eltern vermutlich nicht mehr lange warten müssen. Bekommst du denn gar nichts mit vom Hogwartsklatsch?"
„Ich interessiere mich nicht so sehr für das, was die Schlangenbrut treibt", giftet Sirius zurück und Andromeda seufzt entnervt auf. Zeit, einzuschreiten, wenn sie verhindern will, dass das erste Duell noch vor dem Essen stattfindet. Außerdem glaubt sie, dass Onkel Orion und Tante Walburga es gar nicht gutheißen würden, wenn ihr Ältester in ihrem eigenen Haus anfangen würde, Familienmitglieder zu hexen. (Was auf den Fluren von Hogwarts geschieht, ist eine andere Angelegenheit und keiner von ihnen verliert den Eltern gegenüber ein Wort darüber.)
„Ruhe", verlangt Andromeda und schaut von Sirius zu Bella und wieder zurück. Wie ähnlich sie sich sind, denkt sie erschrocken, wie ähnlich sie sich sind und wie wenig sie es wissen. „Haltet die Klappe, ja?" Sie zwinkert ihnen zu und Sirius lacht bellend auf, Bella sagt, „Meda, deine Wortwahl, wirklich, ich bin entsetzt!" und erwidert, gar nicht entsetzt, das Augenzwinkern.
„Ist doch wahr", Andromeda zuckt die Achseln, „Reicht völlig, wenn unsere Eltern sich gegenseitig zerfleischen, oder?" Auch, wenn sie das natürlich auf höchstem, höflichstem Niveau tun. Trotzdem findet Andromeda es unfair, dass sie ihre Kinder mit hineinziehen, wenn es darum geht, sich gegenseitig zu beweisen, wie perfekt man doch ist. Wirklich, die Eltern sollten sich nicht wundern, wenn es häufiger mal zu Spannungen zwischen ihren wohlerzogenen Sprösslingen kommt.
Bella grinst und Sirius stimmt mit ein. „Was meint ihr", fragt er beiläufig, „Ob sie es heute schaffen, sich schon vor dem Nachtisch anzuschreien? Mutter ist ja etwas angespannt, seitdem Tante ihr geschrieben hat, dass Cissy nach Slytherin gekommen ist. Reggie hat mir verraten, dass das mit ihrem Auge wieder schlimmer geworden ist."
Andromeda und Bellatrix lehnen sich synchron nach links, um heimlich um die Ecke schauen zu können und nachzusehen, ob ihr Cousin Recht hat. Tante Walburgas Auge ist berühmt-berüchtigt bei ihren Söhnen und Nichten. Immer, wenn sie sich aufregt, fängt es an zu zucken. Als sie noch jünger waren, haben Sirius und Regulus sich stets gegenseitig übertroffen, wenn es darum ging, eine gelungene Imitation ihrer Mutter darzustellen, komplett mit Augenzucken und schriller Stimme, hochgerecktem Kinn und schmalen Lippen.
„Tatsächlich", stellt Bella fest, „So schlimm habe ich das ja seit Jahren nicht mehr bei ihr gesehen! Armer Reggie. Kein Wunder, dass er vollkommen fertig ist." Er tut ihnen kollektiv Leid, der Kleinste, der Jüngste, der noch bis zum übernächsten September warten muss, bis auch er nach Hogwarts darf.
Anlage 6
„Hey Black, heute schon mit den ..."
„Hey Black, heute schon mit den Unverzeihlichen gespielt?"
Ohoh, denkt Andromeda genervt, und bleibt stehen, als Bellatrix neben ihr sich umdreht, Zauberstab in der Hand, bereit zum Kampf, den sie als Schulsprecherin eigentlich nicht führen darf. Meda legt ihr eine Hand auf den Unterarm und hofft das Beste. Nicht nur für Bella, sondern auch für Potter und für Sirius, der gerade vor allem durch seine Abwesenheit glänzt.
„Was willst du, Potter?", schnappt Bellatrix, ihre Augen sind kleine, schmale Schlitze und der kleine Zwischenfall auf dem Gang kann übel enden, wenn Andromeda nicht eingreift.
Potter zuckt lässig die Achseln, seine Brille hängt schief auf der Nase und seine Haare sehen aus, als hätte er sie sich heute schon ein Dutzend Mal gerauft. Er hat Pettigrew im Schlepptau und Andromeda hat den starken Verdacht, dass er Sirius abgeschüttelt hat und Lupin noch obendrein. Lupin ist Vertrauensschüler und er hat vielleicht nicht den stärksten Einfluss auf seine Freunde, aber generell lässt er es eigentlich eher selten zu, dass sich Potter auf den Gängen mit jemandem wie Bellatrix Black duelliert.
„Wollte nur mal fragen, wie das so ist, mit einer Mutter aufzuwachsen, die fanatisch an den Dunklen Künsten hängt und sie vergöttert", sagt er so gelassen, als würde er über das Wetter plaudern, „Oder einen Verlobten zu haben, der im Ausland studiert, weil seine kranken Vorlieben in England nicht geduldet werden. Erzähl doch mal. Liegt ihr abends im Bett und erzählt euch, was für Grausamkeiten ihr am Tag über so geleistet habt? Gewinnt der mit den meisten Fluchopfern?"
Ohoh, denkt Andromeda erneut, gar nicht gut. Überhaupt nicht gut. Potter klingt kalt, aber ruhig. Es ist der erste Schultag nach den Weihnachtsferien, Bellas Verlobung ist gerade erst publik geworden und Meda könnte schwören, dass Potter die Fluchmale an Sirius' Körper gesehen hat. Sie haben sie alle gesehen, beim alljährlichen Familienweihnachtsessen. Cissy hat gezittert und Reggie hat sich auf die Lippe gebissen, aber Bella hat unverhohlen gestarrt und ihr Silberbesteck fester angepackt und Meda hat einfach hinschauen müssen.
Sie weiß, warum es Bella so nahe geht. Bella ist stark und stolz und wenn ihr einer ähnlich ist, dann ist es Sirius. Und Bella weiß genau, wie hart man sein muss, um jemanden wie sie und Sirius auch nur ansatzweise brechen zu wollen. Sie kann sich vorstellen, was Sirius durchgemacht hat. Aber sie kann ihm nicht helfen, weil sie weiß, tief drinnen, dass es notwendig war.
Bella hebt spöttisch eine Augenbraue. „Korrekt, Potter", antwortet sie so sanft wie eine Raubkatze, „Das macht uns wirklich ungeheuer an. - Was denkst du dir eigentlich, du-" Beim letzten Teil wird ihr Tonfall kalt und abfällig und Andromeda hält es für besser, ihr das Wort abzuschneiden, bevor Potter sie dazu bekommt, ihre Beherrschung zu verlieren. Dafür würde Bella ihn nämlich bis an sein Lebensende hassen. Sie schätzt es nicht sonderlich, die Kontrolle zu verlieren.
„Potter", fährt Meda dazwischen, „Ich glaube, es ist besser, wenn du dich von jetzt an um deine eigenen Probleme kümmerst. Was hältst du davon?" Sein Blick verrät ihr nur allzu deutlich, was er davon hält, doch Andromeda ist mit den Blicken ganz anderer Leute aufgewachsen und so leicht schüchtert er sie bestimmt nicht ein. „Ich habe gehört, dass Lily Evans noch immer kein Wort mit dir spricht. Vielleicht arbeitest du mal an deinen Umgangsformen?", schlägt sie vor und zieht Bellatrix unsanft mit sich davon.
Sie ist überrascht, dass Bella es zulässt. Gemeinsam laufen sie den Gang entlang und es ist einen Augenblick lang still, bevor -
„Ihr bringt ihn noch um!", brüllt Potter und seine Stimme überschlägt sich fast, „Kapiert ihr das nicht? Ihr bringt ihn noch um! Er wäre tausendmal besser dran, wenn es euch überhaupt nicht gäbe!"
Ja, denkt Andromeda und das Herz klopft ihr bis zum Hals, vielleicht wäre Sirius das wirklich, aber wenn es sie alle nicht gäbe, dann wäre Sirius ein Anderer, einer, der nicht von seinen Cousinen und seinem Bruder zu dem geschliffen wurde, der er nun ist.
(Und trotzdem fragt sie sich, wie es sein kann, dass Potter vehementer für ihren Cousin eintritt als sie oder Bella oder Cissy oder Reggie es je getan haben. Und sie schämt sich und begreift, was es heißen muss, in Gryffindor zu sein.)
Anlage 7
„Black? Ist alles in Ordnung? Du ..."
„Black? Ist alles in Ordnung? Du weinst ja."
Genau, was Andromeda gebrauchen kann: erwischt zu werden in einer dunklen Ecke, während sie da sitzt und in den Ärmel ihres Umhangs heult. Grandios. Morgen wird es die ganze Schule wissen, denkt sie wütend, morgen wird jeder wissen, dass Andromeda Black, frischgebackene Schulsprecherin, nachts durch die Gänge läuft, um mal so richtig heulen zu können, weil nämlich ihre ganze Familie und ihr gesamtes Leben den Bach runtergehen.
„Tu ich nicht", faucht sie und hebt den Kopf, um Theodore Tonks' lächelndem Blick zu begegnen. „Wenn du irgendjemandem hiervon erzählst", beginnt sie düster, „dann muss ich dich leider verhexen." Er lacht und streckt ihr seine Hand entgegen. „Steh erstmal auf", schlägt er vor, „sonst erkältest du dich noch, wenn du auf den kalten Steinplatten sitzen bleibst."
Es verwirrt sie, wie er einfach die Drohung ignoriert, die sie im Handumdrehen und ohne mit der Wimper zu zucken wahr machen könnte.
„Willst du darüber reden?", fragt er gut gelaunt und beinahe klingt es, als würde er das täglich machen: nach Sperrstunde durch die Flure wandern und seine Mitschulsprecherin weinend vom Boden aufklauben. „Nein", zischt Andromeda und richtet sich so würdevoll wie nur möglich auf. Sie streicht sich das dunkle Haare aus dem Gesicht und zieht die Nase etwas hoch. Als sie gegangen ist, hat sie die Taschentücher vergessen. Verflixt.
„Hier", sagt Tonks und reicht ihr ein blütenweißes Stofftaschentuch. Er lächelt sie an und in dem Moment würde sie ihm am liebsten die Augen auskratzen. Nicht nur, dass er sie mitten in ihrem Elend beobachtet hat – nein, nun hat er auch noch den Nerv, sich aufzuführen wie ein ... Freund oder so etwas, der sich um sie kümmern will.
„Nein, danke", erwidert sie verschnupft und reckt das Kinn in die Höhe, wie sie es sich bei ihrer Mutter und Bella abgeschaut hat, „Ich brauche weder dein Mitleid noch dein blödes Taschentuch. Es wäre also nett, wenn du beides für dich behalten könntest. Klar?"
Wenn man Meda braucht, um Bella zu beruhigen, gilt das Gleiche dummerweise auch für den gegenteiligen Fall. Andromeda ist durchaus bewusst, dass sie sich gerne mal ein wenig im Ton vergreift, wenn ihre schöne, spöttische, kühle Schwester nicht da ist, um ihr die Hand auf den Arm zu legen, aber sie ist machtlos dagegen und die Worte purzeln ihr einfach aus dem Mund. Sie ist nicht geschaffen für höfliche Reinblutfinesse und Teepartymanieren, fürchtet sie.
„Ganz ruhig", grinst er und streckt abwehrend beide Arme von sich, „Ich dachte nur, du könntest vielleicht ein bisschen Gesellschaft vertragen. Und ein Taschentuch. Außerdem hatte ich nicht vor, irgendjemandem von diesem kleinen Treffen zu berichten. Du etwa? Damit deine Freunde mich verprügeln können, weil ich es gewagt habe, mich dir zu nähern?"
Sein Blick ist spöttisch, aber die Worte sind wahr und sie treffen Andromeda unvermutet und direkt. Sie weiß, dass seine Eltern Muggel sind und sie hat in sechs Schuljahren keine zehn Wörter mit ihm gewechselt. Er ist kein Umgang für sie, doch das hat Dumbledore offenbar herzlich wenig gekümmert, als er sie beide zu Schulsprechern ernannt hat.
„Sie würden dich nicht verprügeln", startet sie den schwachen Versuch, ihre Freunde zu verteidigen. Tonks winkt nur ab. „Ich weiß, wo ich bei euch Slytherins stehe", sagt er, „Du brauchst dir keine Mühe zu geben. Aber wo ich dich schonmal alleine treffe – ich dachte, du solltest vielleicht wissen, dass ganz Hogwarts Bescheid weiß. Sie werden es dir vielleicht nicht ins Gesicht sagen, doch hinter deinem Rücken redet jeder. Ist die Sensation des Jahres, vermute ich."
Andromeda stöhnt entnervt auf. Sie hat es geahnt und trotzdem das Gegenteil gehofft. Großartig. Da wird sie Schulsprecherin und worüber redet die gesamte Familie? Über Sirius. Über Sirius, der Hals über Kopf ausgezogen ist und düster versprochen hat, nie wieder zurückzukommen. (Nicht, dass sie es ihm verübeln könnte. Regulus' Berichte waren schmerzhaft detailliert.) Und nicht nur das, nein, auch die ganze Schule hat kein anderes Gesprächsthema. Wunderbar.
Ein Glück, denkt Meda, dass Bella nicht mehr hier ist. Sie würde ausrasten.
„Danke", seufzt sie und fährt sich mit dem Ärmel übers verschmierte Gesicht, „Ich weiß deine Ehrlichkeit zu schätzen. Deine Verschwiegenheit übrigens auch." Sie schaut ihn an, herausfordernd und abwartend, und er sieht gelassen zurück und lässt sich Zeit, bevor er nickt. „Ich verrate dich nicht", verspricht er, „Können wir jetzt unsere Runden drehen? Ich würde dann langsam echt gerne ins Bett gehen."
tbc.
