Maias Anmerkung: Hallo ihr Lieben, und erst einmal ein wenig verspätet: Fröhliche Weihnachten! Ich hoffe, ihr hattet ein paar schöne, geruhsame Tage. Es tut mir Leid, dass ich euch so lange auf dieses Kapitel habe warten lassen. Das hatte verschiedene Gründe: Erst hatte ich keine Zeit, dann zickte meine Muse (wobei gesagt werden muss, dass ich den ersten Teil des Kapitels schon geschrieben hatte, als das vorherige Kapitel noch nichtmal fertig war...) und dann schlug ich mich mit Lucius herum. Es ist mir ziemlich schwer gefallen, ihn zu schreiben, und so hoffe ich, dass euch das Lesen trotzdem ein bisschen Spaß macht.
Außerdem bin ich ein wenig nervös, weil im heutigen Kapitel eine meiner Lieblingsstellen endlich vorkommt. Eine der Szenen, mit der in meinem Kopf alles begonnen hat, bevor ich angefangen hatte, die Geschichte zu schreiben. Und jetzt endlich konnte ich sie aufschreiben (und weiß nicht, ob sie mir gut genug gelungen ist).
Naja. Immerhin habe ich es noch im alten Jahr geschafft, euch mit einem Update zu beglücken. Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefällt und dass es viele Fragen aufwirft.
Rutscht gut ins neue Jahr hinein!
Anmerkung:
Liebe Studierende,
anbei das vorzubereitende Material für unsere nächste Sitzung. Es handelt sich diesmal um Materialien höchst unterschiedlichen Charakters. Ich bitte Sie, dies beim Lesen und Durcharbeiten zu beachten. Bitte machen Sie sich Gedanken darüber, was wie erzählt wird und was im Verborgenen bleibt und warum. Überlegen Sie außerdem, wie sich die verschiedenen Mitglieder der Familie Malfoy zueinander verhalten.
Sollten Sie ein wenig Zeit aufbringen können: nutzen Sie diese, um in diversen Archiven zu stöbern und um soviel wie nur möglich über die Familie Malfoy herauszufinden. Das Material, das ich Ihnen zusende, ist nichts weiter als eine kleine Auswahl, die beliebig erweitert werden kann.
Ergreifen Sie Initiative.
Ihnen eine schöne Woche und bis zur Vorlesung.
Anlage 1
Ausschnitt aus Folge 3 der Reihe „Hinter verschlossenen Türen – Die Gilde der Alchimisten öffnet ihre Pforten", Draco Malfoy
Ein junger Mann in schwarzen Hosen und schwarzem Hemd steht hinter der Arbeitsfläche. Den Umhang mit einigen Brandflecken und Spritzern verschiedenfarbiger Flüssigkeiten trägt er mit der Gelassenheit von jemandem, der seit Jahren an diese Art von Kleidung gewöhnt ist. Die Hemdsärmel sind lose hochgeschoben, das blonde Haar ist kurzgeschnitten, die grauen Augen sind konzentriert auf die Finger gerichtet, die ein kleines, scharfes Messer halten und Sandelholz in winzige Stücke schneiden.
„Hier stellen wir verschiedene Öle her", erklärt Draco Malfoy, seines Zeichens Tränkemeister und Alchimist, „Größtenteils handelt es sich dabei um Öle, die aufgetragen werden, um Muskelschmerzen zu lindern und Verkrampfungen zu lockern. Die Muggel verwenden ein ähnliches Prinzip bei ihren sogenannten Massageölen; im Gegensatz zu ihnen benutzen wir allerdings vermehrt magische Heilpflanzen, sodass der gewünschte Effekt schneller und wirkungsvoller einsetzen kann."
In den verschiedenen Tränkeküchen werden natürlich nicht nur ätherische Öle hergestellt, sondern auch Heilsalben, Pastillen und selbstverständlich Zaubertränke in allen erdenklichen Farben und Formen. Das Angebot der Londoner Filiale umfasst alles, was das Herz begehrt: von handelsüblichen Schlaftränken über schmerzlindernde Tränke, Skelewachs, verschiedene Gifte bis hin zu Traumtränken, Vielsafttrank und Liebessäften.
Über die Gerüchte, es sei eine Verschwörung der Alchimisten im Gange, mit dem Ziel, die Beherrschung der Welt an sich zu reißen, indem gezielt bestimmte Tränke eingesetzt und etwa in Mahlzeiten gemischt werden, kann Draco Malfoy nur lachen und den aristokratischen Kopf schütteln.
„So ein Unsinn", sagt er im Brustton der Überzeugung, „Die Zeiten, in denen Alchimisten sich hauptsächlich um die Herstellung von Gold gekümmert haben und als zwielichte Gestalten verschrieen waren, sind endgültig vorbei. Das war vielleicht mal im Mittelalter so, vor allem in der Phantasie der Muggel, aber eigentlich sind wir Alchimisten damit beschäftigt, Tränke und Pasten anzurühren, die in einem normalen Zauberhaushalt nicht fehlen dürfen."
Was ist mit Heilern, wollen wir wissen? Oder den verschiedenen Hospitälern? Hält man sich dort private Tränkemeister, die dann sozusagen auf Abruf bereit stehen und das zubereiten, was benötigt wird?
„Das ist nur in den wenigsten Fällen so", lächelt Draco Malfoy nachsichtig. Vermutlich hört er solche Fragen recht häufig, immerhin kommt es sehr selten vor, dass sich die Gilde der Alchimisten mal dazu herablässt, die Öffentlichkeit über ihre Kessel blicken zu lassen. „Die großen Krankenhäuser, wie etwa das Sankt Mungo's, haben natürlich auch den einen oder anderen Hausalchimisten, der dann in den meisten Fällen dafür verantwortlich ist, Tränke oder Salben herzustellen, die sich schlecht über einen längeren Zeitraum hinweg lagern lassen. Für andere Heilmittel hat man dann im Regelfall Kooperationen mit Tränkeküchen, also beispielsweise auch mit Filialen der Gilde."
Die Gilde der Alchimisten – eine elitäre Gruppe, in die man nur hineinkommt, wenn man das nötige Geld und die nötigen Kontakte hat? Wir fragen nach.
Draco Malfoy hebt die Schultern und lässt sie wieder sinken. Er schaut uns ein bisschen hilflos entgegen. „Kann ich Ihnen nur schwer beantworten", meint er, „Als ich mich beworben habe, hat man mich nicht nach dem Familiengold gefragt. Und soweit ich weiß, war meine Aufnahmeprüfung genauso aufgebaut wie die der übrigen Bewerber. Eigentlich legt die Gilde ja großen Wert darauf, die talentiertesten Mitarbeiter aufzunehmen, und nicht die reichsten."
Wenn man ihm dabei zuschaut, wie er das Sandelholz präzise und rasch in stetig gleich große Stücke schneidet, dann nimmt man ihm ein gewisses Talent sofort ab.
„Ich mochte Zaubertränke immer gerne, als ich noch zur Schule gegangen bin", erzählt er uns bereitwillig, während er das Holz in einen kleinen, mit Wasser gefüllten Kupferkessel gibt, „Ich hätte allerdings trotzdem nicht gedacht, dass ich das Tränkekochen eines Tages zu meinem Beruf machen würde."
Weshalb nicht? Woher kamen die Zweifel?
Draco Malfoy verzieht ein wenig das Gesicht. „Damals herrschten immerhin Kriegszustände", erinnert er uns leicht ungeduldig, „Man hatte andere Sorgen als Zukunftspläne und Berufsaussichten."
Glaubt er denn, dass er einen respektablen Beruf ergriffen hat, der ihm Prestige und Anerkunng innerhalb der Zauberergemeinschaft verschaffen kann?
Er lacht ein bisschen. „Ich weiß nicht, ob es nur darum geht", antwortet er ausweichend, „Ich wollte nicht Alchimist werden, weil das so toll klang oder weil es einen gewissen Ruf mit sich bringt, sondern weil mir die Arbeit gefällt. Dass es dabei noch ein geregeltes Einkommen gibt, kann natürlich nicht schaden, wenn man eine Familie ernähren möchte."
Aber seine Eltern werden doch gewiss mit Stolz auf ihren Sohn blicken?
Er wird tatsächlich ein bisschen rot um die Nase herum und beschäftigt sich intensiver mit dem kochenden Wasser, als nötig wäre. Wir haben es offenbar geschafft und Draco Malfoy verlegen gemacht.
„Ich schätze schon", erwidert er schließlich und schaut uns offen an, „Jedenfalls haben mir meine Eltern niemals Vorwürfe gemacht oder versucht, mir meine Pläne auszureden. Als für mich feststand, dass ich Tränkemeister werden will, haben sie meine Entscheidung gebilligt und standen immer vollkommen hinter mir."
Ob das etwas damit zu tun hat, dass Draco Malfoy als Einzelkind aufgewachsen ist? Oder sieht er sich selbst gar in einer Reihe mit Ahnen aus grauer Vorzeit, einer Familientradition folgend, die eigentlich fast schon ausgestorben war?
„Keine Ahnung", sagt er unbekümmert, „Vermutlich stimmt es, dass Einzelkinder überaus behütet aufwachsen und meistens das bekommen, was sie wollen. Jedenfalls ist mir das so ergangen. Und seien wir doch mal ehrlich: meine Eltern hatten schlichtweg auch die finanziellen Mittel, um mir in meiner Kindheit all das zu ermöglichen, was ich mir gewünscht habe oder von dem sie dachten, dass ich es gebrauchen könnte. Von einer Familientradition würde ich im Übrigen nicht sprechen wollen. Es stimmt zwar, dass ich nicht der erste Tränkemeister in der Familie Malfoy bin, aber es ist auch nicht so, dass wir allesamt unsere Zeit über dampfenden Kesseln verbringen."
Hatte er denn das Gefühl, nach Voldemorts Fall schwerer Fuß fassen zu können? Dass ihm möglicherweise Steine in den Weg gelegt wurden? Dass er Anfeindungen durch Kollegen begegnet ist? Oder wird das Thema gar totgeschwiegen in den altehrwürdigen Hallen der Gilde?
„Nein", schüttelt er den Kopf, „Totgeschwiegen wird bei uns eigentlich nichts. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Mitglieder der Gilde wegen ihres Könnens aufgenommen werden und nicht aufgrund ihrer politischen Überzeugung. Womit ich allerdings keineswegs sagen will, dass ich die Rassenpolitik, die der Dunkle Lord betrieben hat, auch nach seinem Sturz weiter verfolgt habe."
Sondern?
Er lächelt, irgendwo zwischen Kälte und Bitterheit. „Sechzehn Jahre sind eine lange Zeit", sagt er, „Eine lange Zeit, in der man irgendwann vergisst, die wichtigen Fragen zu stellen. In der man lernt, dass die Menschen, die einen aufziehen und die man liebt, vielleicht nicht immer alles richtig machen – und trotzdem schafft man es nicht, sie zu kritisieren, Fehler in ihrem Handeln und Verhalten zu entdecken, weil man glaubt, dass man ihre Zuwendung dann nicht mehr verdient hat. Verstehen Sie?"
Zu seiner Zeit war Draco Malfoy in Slytherin und unter seinen dortigen Klassenkameraden der unangefochtene Anführer. Was hat sich verändert in den letzten Jahren?
„Mal abgesehen davon, dass wir alle erwachsen geworden sind?", fragt Draco zurück und hebt eine der geschwungenen, blonden Augenbrauen. Seine Stimme klingt amüsiert und ein wenig spöttisch, so als würde er längst über all diesen Dingen stehen. „Ich habe es irgendwann begriffen, falls Sie darauf hinauswollen. Mir ist irgendwann klar geworden, dass Talent und Reinblut nicht zwangsläufig Hand in Hand gehen. Früher wollte ich das nie sehen. Früher wollte ich es überhaupt nicht verstehen. Ich war stolz auf meine Herkunft und auf die Vergangenheit meiner Familie. Ich hatte einen Namen, den jeder kannte, und einen Ruf, noch ehe ich geboren war. Parallel dazu gab es jedoch auch eine Erwartung, die es zu erfüllen galt. Vielleicht habe ich das einfach nie hinterfragt, sondern habe mich in diese Rolle gefügt."
Und später?
„Später", wiederholt er, „Ich glaube, dass es immer einen Punkt gibt, an dem man umdrehen kann. Und dann gibt es einen Punkt, an dem es zu spät ist. Die beiden Punkte habe ich verwechselt. Als mein Vater nach Azkaban kam, hätte mir bewusst werden müssen, dass der Dunkle Lord, trotz all der Macht, die er zu diesem Zeitpunkt bereits erlangt hatte, am Ende immer unterliegen würde. Dass die Familie Malfoy nicht mehr so viel wert war wie zuvor. Dass wir an Ansehen und Einfluss verloren hatten, unwiderruflich. Stattdessen dachte ich, dass der Moment gekommen sei, an dem ich mich beweisen könnte, an dem ich dafür sorgen könnte, dass unser Name gerettet wird."
Woher die Veränderung?
Er grinst. „Kennen Sie Hermione Weasley, ehemals Granger?", will er wissen, „Man kann nicht mit ihr zur Schule gehen und ihr in jedem Fach unterliegen und hinterher immer noch davon überzeugt sein, dass nur reinblütige Zauberer und Hexen auch talentierte Zauberer und Hexen sind. Und nach dem Krieg ... nach dem Krieg war mir vieles egal. Meine Eltern wurden wieder wichtig. Dass sie noch am Leben waren. Dass wir alle drei am Leben waren und frei. Dass meine Freunde, zumindest größtenteils, den Krieg unbeschadet überstanden hatten."
Und wie stünde er zu halbblütigen oder muggelstämmigen Mitgliedern der Alchimistengilde?
Draco Malfoy zuckt die Achseln. „Wenn sie gut sind, in dem was sie tun", sagt er, „Wieso nicht?"
Anlage 2
Protokoll Gerichtssitzung IV/1, 13. August 1999, Gerichtssaal 5
in Anwesenheit der Öffentlichkeit
Vorsitz: Heliaia White
Verteidigung: Dean Thomas, i. jur. A.
GD: Verhandelt wird in der Sache Britischer Zaubererstaat gegen Lucius Malfoy. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, Hochverrat und Volksbetrug begangen zu haben sowie die höchsten Gesetzen der magischen Gesellschaft gebrochen zu haben, inklusive Folter, Mord und Gebrauch der Unverzeihlichen Flüche. Den Vorsitz führt die ehrenwerte Richterin White. Die Strafverteidigung erfolgt durch Dean Thomas.
G: Name?
A: Lucius Malfoy.
G: Geboren am?
A: 15. Januar 1951.
G: Geboren in?
A: Malfoy Manor, Wiltshire.
G: Derzeitige Beschäftigung?
A: Momentan bin ich Gefangener des britischen Zaubereiministeriums, falls Sie das meinen.
G: Derzeit also ohne Beschäftigung.
A: Sie können mir ja ein paar Kräuter zum Kleinschneiden in die Zelle bringen, dann -
V: Was mein Mandant damit sagen möchte, ist: derzeit ohne Beschäftigung.
G: Mister Malfoy, Sie kennen die Vorwürfe, die gegen Sie erhoben wurden. Möchten Sie selbst dazu Stellung nehmen?
V: Mein Mandant hat sich dazu entschieden, selbst auszusagen.
G: Mister Malfoy, ich muss Sie darauf hinweisen, dass Sie das Recht zu schweigen, wenn Sie sich mit Ihrer Aussage selbst belasten würden.
A: Ich weiß.
G: Dann rufe ich hiermit Lucius Malfoy in den Zeugenstand. Mister Malfoy, können Sie bestätigen, dass Sie in den Jahren 1968 bis 1998 zum Inneren Kreis des sogenannten Dunklen Lords gehört haben?
A: Das ist korrekt. Abgesehen vom Zeitraum zwischen 1981 und 1995, als der Dunkle Lord verschwunden war.
G: Ist es wahr, dass Sie in Ihrer ... Tätigkeit als Todesser von den Unverzeihlichen Flüchen Gebrauch machten?
A: Das ist korrekt.
G: Mister Malfoy, ich glaube, Sie haben nicht ganz verstanden. Sie haben das Recht zu schweigen, sobald Sie sich selbst belasten müssen.
A: Dessen bin ich mir überaus bewusst.
G: Welche Unverzeihlichen haben Sie gesprochen?
A: Cruciatus und Imperius.
G: Jedoch niemals den Todesfluch?
A: Reden wir über das simple Sprechen eines Fluches oder über ein erfolgreiches Ausführen?
V: Mein Mandant möchte damit sagen, dass er den Todesfluch niemals angewandt hat.
G: Mister Malfoy?
A: Ich habe ihn gesprochen.
G: Ruhe im Gericht! Wenn nicht augenblicklich Ruhe einkehrt, lasse ich den Saal räumen! Mister Malfoy. Schildern Sie uns bitte, wie Sie damals in den Inneren Kreis des Dunklen Lords kamen.
A: Er ... Der Dunkle Lord kannte meinen Vater. Sie sind gemeinsam zur Schule gegangen, hatten ähnliche Interessen und Ansichten. Über die Welt, Politik, Muggelgeborene. Da war es nur natürlich, dass ich früh mit solchen Themen in Berührung kam. Als ich in der sechsten Klasse war, vertraute mir mein Vater an, dass sein alter Freund neue Kämpfer für seine Sache suchte.
G: Warum machten Sie mit?
A: Mein Vater machte mit. Ich war 16 und hatte das dringende Bedürfnis, mich zu beweisen. Im Sommer '68 wurde ich in den Kreis der Todesser aufgenommen.
G: Ihr Vater hat Sie also überredet?
A: Nein. Mein Vater war vermutlich nicht der liebevollste Vater der Welt, aber meine Entscheidungen habe ich alleine getroffen und ich trage auch alleine die Verantwortung dafür.
G: Wie steht es mit Ihrer Mutter?
A: Meine Eltern sind lange tot. Ich bezweifle, dass es von Bedeutung ist, hier in aller Öffentlichkeit über sie zu sprechen.
G: Und Ihre Ehefrau?
A: Narcissa hat mit meinen Machenschaften nichts zu tun. Sie war niemals eine Todesserin. Sie hat niemals einen der Unverzeihlichen ausgesprochen. Wenn Sie meiner Frau -
V: Mister Malfoy, ich denke, Sie haben ausreichend zu verstehen gegeben, dass Ihre Frau keinerlei Kontakt zum Dunklen Lord hatte.
G: Beruhigen Sie sich, Mister Malfoy. Haben Sie auf Befehl des Dunklen Lords Menschen, seien es nun Hexen, Zauberer oder Muggel, gefoltert?
A: Ja.
G: Haben Sie im September 1992 vorsätzlich das ehemalige Tagebuch von Tom Riddle nach Hogwarts eingeschleust, um die Kammer des Schreckens öffnen zu lassen?
A: Ja.
G: Haben Sie während der Quidditchweltmeisterschaft 1994 auf schändliche Weise mit der Muggelfamilie Roberts Ihre Späße getrieben?
A: Ja.
V: Ich beantrage eine Unterbrechung der Gerichtsverhandlung.
G: Mister Malfoy?
A: Ich sehe keinerlei Veranlassung.
V: Hohes Gericht, ich beantrage eine sofortige Unterbrechung.
G: Mit welcher Begründung?
V: Mein Mandant benötigt offensichtlich eine kurze Pause. Er ist erschöpft und weiß nicht mehr, was er sagt.
G: Mister Malfoy?
A: Ich benötige keine Pause.
G: Ruhe im Gericht! Herr Verteidiger, Ihrem Antrag wird nicht stattgegeben. Mister Malfoy. Der Zwischenfall auf der Quidditchweltmeisterschaft fand noch vor der Rückkehr des Dunklen Lords statt. Hatten Sie Grund zur Annahme, dass dieses Ereignis kurz bevorstand?
A: Ihnen ist sicher bekannt, dass uns der Dunkle Lord mit dem Dunklen Mal gekennzeichnet hatte. Wir spürten, dass es wieder stärker wurde. Aber wir wussten nicht, was passierte. Niemand außer Pettigrew und Crouch wusste das. Was denken Sie wohl, warum wir die Flucht ergriffen, als das Dunkle Mal am Himmel erschien? Wir hatten Angst. Der Dunkle Lord vergibt nicht. Er befiehlt und foltert und quält. Wir hatten Ihn aufgegeben. Wir hatten Ihn verraten.
G: Aber Sie sind zu Ihm zurückgekehrt.
A: Es gibt keine Wahl. Wer einmal Todesser ist, bleibt es. Wer aussteigt, wird getötet. Karkaroff wusste das. Wir alle wussten das. Ich denke nur, dass wir es nicht wussten, als wir Ihm die Treue schwuren. Wir waren dumme, kleine Kinder, die alles glaubten, was man ihnen vorschwätzte. Und bis wir es merkten, war es zu spät. Einige haben es nie verstanden.
G: Und trotzdem haben Sie zugelassen, dass Ihr Sohn beitritt.
A: Ich saß in Azkaban. Hätte ich ausbrechen und ihn davon abhalten sollen?
G: Verstehe. Warum, denken Sie, ist Ihr Sohn ebenfalls Todesser geworden?
A: Nun, er wird sich gedacht haben, dass er meinem glorreichen Vorbild unbedingt nacheifern sollte. Nicht jeder hat einen Vater, der im Gefängnis sitzt.
V: Äh. Mein Mandant möchte zum Ausdruck bringen, dass sein Sohn vermutlich keinen anderen Ausweg sah, sich und seine Mutter vor dem Zorn des Dunklen Lords zu schützen.
G: Mister Malfoy, 1997 und 1998 wurde Ihr Familienanwesen, Malfoy Manor, vom Dunklen Lord als Hauptquartier genutzt. Ist das korrekt?
A: Ja.
G: Haben Sie das dem Dunklen Lord angeboten, um wieder in seiner Gunst zu steigen?
A: Nein. Es ist sinnlos ... war sinnlos, vor dem Dunklen Lord zu Kreuze zu kriechen. Er verteilt seine Gunst – sofern er sie überhaupt verteilt – ganz so, wie er es will.
G: Hat der Dunkle Lord auch in Seinen eigenen Reihen zu Flüchen gegriffen, um zu bestrafen?
A: Ja.
G: Wurden Sie-
A: Ja.
G: Ruhe im Gericht! Ich möchte mich nicht ständig wiederholen müssen. Wurde Ihre Frau-
A: Denken Sie, das hätte ich nicht zu verhindern gewusst?
V: Mister Malfoy, bitte setzen Sie sich wieder.
G: Mister Malfoy, ist es wahr, dass Sie bei der Schlacht in Hogwarts zwar anwesend waren, jedoch nicht gekämpft haben?
A: Ja.
G: Was taten Sie stattdessen?
A: Ich suchte meinen Sohn.
G: Ich verbitte mir jegliche Zwischenrufe!
V: Hohes Gericht, ich beantrage erneut eine Unterbrechung sowie die Räumung des Saals. Die momentanen Bedingungen machen es meinem Mandanten unmöglich, seine Aussage zu Ende zu führen.
G: Stattgegeben. Der Saal wird geräumt. Die Sitzung wird für eine Stunde unterbrochen.
Anlage 3
Sie kocht mir starken, heißen Kaffee und sagt, ich solle mich gefälligst hinsetzen statt ihr im Weg zu stehen. Nein, meint sie, ich könne ihr nicht helfen, ich sei Gast und solle mich dementsprechend verhalten. Sie lächelt, wenn sie mich ansieht, und dieses Lächeln ist es, was es unmöglich macht, ihr zu widersprechen. Ich nehme auf der Eckbank Platz und schaue durch das Fenster hinaus in den Garten. Es gibt eine Kräuterecke, mit Thymian und Rosmarin und Zitronenmelisse. Die Beete sind gesäumt mit kleinen Lavendelbüschen und drüben am Teich streichelt die Trauerweide mit ihren herabhängenden Ästen die Oberfläche des Wassers. Obwohl Winter ist und die Pflanzen zurückgeschnitten und mit Laub bedeckt sind, sieht es wunderschön aus. Friedlich.
Nebenan im Wohnzimmer spielt ein magisches Grammophon alte Schallplatten ab. Ich kann Klavier herausfiltern, Geigen, dann ein ganzes Orchester. Narcissa Malfoy zuckt entschuldigend die Achseln. Lucius' neuestes Hobby, erklärt sie mir, Merlin sei Dank ist er noch nicht auf die irrsinnige Idee gekommen, sich mit dem Piano im Salon auseinanderzusetzen. Er wäre in der Lage, sich Tag und Nacht daran zu setzen und erst wieder aufzuhören, wenn er meint, dass er nun Klavier spielen könne.
Sie lacht und schenkt mir schwarzen Kaffee in eine große, blaue Tasse. Es gibt keine Hauselfen im ehemaligen Sommerhaus der Malfoys. Seit dem Ende des Krieges leben sie hier; Malfoy Manor ist verkauft und verloren. Hier sind die Fensterrahmen aus weiß lackiertem Holz und die Gemälde der Ahnengalerie werden auf dem Dachboden gelagert.
Die Frau, die mir gerade ein Milchkännchen und die Zuckerdose zuschiebt, ist vor wenigen Wochen 50 geworden und schöner denn je. Ihr Gesicht ist entspannter, als man es von den Photographien in Erinnerung hat, von damals, als der Krieg gerade vorbei war und ihr Mann gefangen war und sich vor Gericht und der Öffentlichkeit erklären musste. Die Sorgenfalten haben sich geglättet. Stattdessen gibt es kleine Lachfältchen um die Augen herum. (Kornblumenblau wie der Sommerhimmel.) Die Haare sind noch immer lang und schwer und wer kann schon sagen, ob in dem Blond irgendwo das erste Grau versteckt ist?
Sie hat etwas Beeindruckendes an sich, etwas Königliches, etwas, das mir den Atem nimmt, schon immer getan hat.
Sie sieht aus, als wäre sie ganz zufrieden mit dem Leben, das sie hat, hier in einem hübschen Cottage mitten in Cornwall, weit weg von Wiltshire, weit weg von Malfoy Manor. Natürlich, antwortet sie mir erstaunt, wer könnte hier denn unglücklich sein? Ich habe alles, was ich brauche. Lucius erholt sich besser denn je, von Frühling bis Herbst kann ich mich um meinen Garten kümmern, im April blüht der Flieder und meine Schwiegertochter erwartet ihr erstes Kind.
Wer hätte nach dem Krieg gedacht, dass einmal wieder eine Zeit kommen würde, in der man Narcissa Malfoy beneidet? Nach dem Krieg, als ihre Welt zu Asche zerfiel und sie zu Geächteten wurden. Als ihr Mann erst im Gefängnis saß und dann monatelang in St. Mungo's lag. Als sie befürchten musste, dass man auch ihren Sohn ins Gefängnis schicken würde. Als die Zeitungen jeden Tag höhnisch von ihrem Unglück berichteten und auf der Titelseite Bilder von ihr prangten, wie sie mit starrem Gesicht im Gerichtssaal saß und lauschte, während ihr Mann befragt wurde.
Eishexe hat man sie damals genannt, und Schneekönigin, weil man nie eine Regung sehen konnte, egal was passierte. Weil sie einfach im Gericht saß, die Miene wie in Stein gemeißelt, der Blick klar auf den Richter fokussiert, die Lippen schmal und zusammengepresst. Man bekam nicht mit, was hinter den Kulissen geschah. Niemand durfte sehen, wie Narcissa Malfoy ihren Mann nach Monaten wieder in die Arme schließen konnte.
Es gibt Dinge, über die redet man nicht, sagt sie leise, man tut sie einfach und schweigt. Sie hat das alte Familienanwesen der Malfoys eigenmächtig verkauft, als Lucius im Gefängnis saß. Sie ist mit hoch erhobenem Haupt durch die Winkelgasse spaziert und hat in Dutzenden von Läden angefragt, ob man ihr nicht dieses oder jenes abkaufen wolle. Man kann nicht anders, als dieser Frau Respekt zu zollen. Nicht viele schaffen es, ihren Stolz zu bewahren, während sie auf Knien durch den Dreck rutschen.
Niemand sieht dein Lachen, sagt sie, Und niemand sieht deine Tränen. Was privat ist, bleibt privat. Man hatte bereits alles über mich geschrieben, was man schreiben konnte, um mich zu verletzen und zu verhöhnen. Ich wollte nicht, dass sich jemand darüber lustig macht, wie angreifbar ich werde, wenn es um Lucius oder Draco geht. Sollten sie mir doch alle Namen geben, die sie nur wollten. Aber sie würden niemals zu Gesicht bekommen, wie ich weine.
Lucius' Verhör, erzählt sie heute, mit beinahe neun Jahren Abstand, war furchtbar. Er war gesundheitlich längst angeschlagen und nervlich völlig aufgebraucht. Er wollte für seine Taten Verantwortung übernehmen und vor allen Dingen wollte er Draco und mich heraushalten. Er hätte alles gestanden, um mich davor zu bewahren, eine Aussage machen zu müssen. Mister Thomas und ich, wir waren damit beschäftigt, ihn vor sich selbst zu retten.
Ihre Augen leuchten, wenn sie von ihrem Mann oder ihrem Sohn redet. Draco, sagt sie lächelnd, ist so stur wie sein Vater. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, die Familienehre zurückzugewinnen. Er wurde ein Todesser und hörte auf niemanden mehr. Wenn ... sie bricht kurz ab und schluckt, wenn Severus nicht gewesen wäre, dann wäre Draco heute tot. Davon bin ich überzeugt.
Man weiß längst um Severus Snapes Rolle als Doppelspion und dass er damals Albus Dumbledore mit dessen Wissen und Zustimmung getötet hat. Man weiß ebenfalls, dass er damit Draco Malfoy von der Bürde befreite, dies zu tun. Wer Narcissa Malfoy kennt, der wird verstehen, dass man dieser Frau wohl kaum einen Wunsch abschlagen kann, wenn sie ihren ganzen Stolz vergisst und um etwas bittet.
Den Dunklen Lord im Haus zu haben, erzählt sie langsam und mit rauer Stimme, das war vermutlich das Schlimmste. Man konnte nie ahnen, was passieren würde. Sicher, Lucius war aus Azkaban zurück, aber das bedeutete längst nicht, dass er bei den Todessern wieder dort stand, wo er einmal gewesen war. Er musste betteln und unterwürfig alles tun, was von ihm verlangt wurde. Lucius ist stolz. Er ist damit groß geworden, dass die Menschen vor ihm buckeln. Aber er hätte alles ertragen, um Draco und mich zu schützen.
Es war ein bisschen wie sterben, sagt sie leise, jeden Tag ein wenig mehr. Jeden Tag ist etwas von uns verloren gegangen. Stolz. Mut. Hoffnung. Glück. Ich wollte nur noch, dass es vorüber geht. Dass jemand kommt und uns von diesem Wahnsinnigen befreit, damit wir endlich wieder eine Familie sein konnten. Ich wollte nicht mehr jeden Abend schlafen gehen, wenn mich kalte Angst und schiere Panik unter der Decke erwarteten. Ich wollte nicht mehr fürchten müssen, dass sich Lucius mit seinem Sturkopf und seiner Arroganz noch sein eigenes Grab schaufeln würde.
Dann kam Harry Potter, antworte ich.
Ja, sagt sie und lächelt, dann kam Harry Potter. Er weiß, wie dankbar ich ihm bin. Das genügt. Und es geht die Öffentlichkeit nichts an.
Im Ofen bäckt frisches Brot und Narcissa Malfoy steht auf, um Kartoffel-Lauch-Suppe zu kochen. Eigener Anbau, erklärt sie, und fragt, ob ich zum Essen bleiben will. Und wer kann schon widerstehen, wenn Narcissa Malfoy lächelt?
Anlage 4
Artikel des Tagespropheten vom 27. Dezember 2004, Rita Kimmkorn
Bringt sie sein Herz aus Eis zum Schmelzen?
Es ist die Sensation des Jahres: Todesser-Sohn und Slytherin-Eisprinz Draco Malfoy wird tatsächlich den Schritt vor den Traualtar wagen und sich vermählen! Das bestätigte uns eine ihm nahestehende Quelle, die allerdings anonym bleiben möchte. „Es war unglaublich romantisch!", schwärmt unsere Kontaktperson, „Er hatte den ganzen Fußboden mit roten Rosenblättern ausgelegt und überall leuchteten verzauberte Kerzen. Beim Nachtisch ging er dann vor Astoria auf die Knie und bat sie um ihre Hand. Natürlich hat sie sofort Ja gesagt. Wer hätte dem prächtigen Diamantring schon widerstehen können?"
Obwohl es also den Anschein hat, dass Astoria Greengrass Draco Malfoy eher aus finanziellen Gründen (immerhin hat er es geschafft, direkt nach dem Studium eine der heißbegehrten Juniorpositionen in der Gilde der Alchimisten zu erlangen, was ihm Galleonen und Prestige einbringt) als aus Liebe heiratet, hofft man dennoch, dass es der jungen Hexe gelingen wird, sein kaltes Herz ein wenig schneller schlagen zu lassen.
Seine Vergangenheit außer Acht gelassen, gehört Draco Malfoy zweifellos zu den begehrtesten Junggesellen Zauberergroßbritanniens. „Groß, schlank, blond, gutaussehend – wenn nur sein Charakter nicht wäre!", vertraute uns eine seiner ehemaligen Geliebten augenzwinkernd an, „Er ist eitel, arrogant und natürlich völlig verzogen. Wirklich ein Jammer. Wir hätten so hübsche Kinder kriegen können."
Astoria Greengrass wiederum ist der jüngste Spross der Greengrass-Dynastie, die seit Jahrhunderten ein Vermögen mit dem Anbau und Verkauf magischer Kräuter und Pflanzen macht – ein ehrbares Geschäft, das derzeit von ihrem Vater geleitet und demnächst von ihrer älteren Schwester Daphne (übrigens eine ehemalige Klassenkameradin Draco Malfoys) übernommen wird. Astoria selbst hat offenbar keinen Sinn dafür, die Familientradition weiterzuführen. Sie studiert momentan Astronomie im dritten Jahr und scheint nicht vorzuhaben, ihre beruflichen Pläne für eine Familie hintenanzustellen.
„Sie war schon immer sehr ehrgeizig", erzählt uns eine frühere Klassenkameradin im Vertrauen, „Schon in der zweiten Klasse meinte sie, dass sie später reich heiraten wird, damit sie ihren verschwenderischen Lebensstil aufrechterhalten kann. Der arme Draco. Ob er weiß, was er sich da ins Haus geholt hat?"
Die junge Hexe genießt es, im Mittelpunkt so vieler Parties wie nur möglich zu stehen. Da sie nicht vollkommen hässlich ist, konnte sie sich stets vieler Verehrer erfreuen, doch das scheint nun der Vergangenheit anzugehören. Man darf jedenfalls gespannt sein, wie lange diese Ehe wohl halten wird.
Die Familie Malfoy wollte sich im Übrigen zu der Verlobung mit keinem Wort äußern. Ob ihnen die Schmarotzer-Schwiegertochter jetzt schon peinlich ist?
