Anmerkung: Herzlich Willkommen zurück nach der bisher vermutlich längsten Pause von "Ein bisschen wie Sterben"! Es tut mir wahnsinnig Leid, dass ich euch so lange auf ein neues Kapitel habe warten lassen. Ich habe von Anfang August bis Ende Oktober ein Praktikum gemacht, was mich, zeitlich betrachtet, einfach sehr in Beschlag genommen hat, sodass nicht genügend Zeit übrig blieb, um in dem bisschen Freizeit alles (ausschlafen, kochen, lesen, schreiben, faulenzen, spazieren, Freunde sehen) unterzubringen. Daher habe ich eine kleine Schreibpause eingelegt.
Nun hat mich jedoch der geregelte Unialltag wieder und ich hoffe und vermute, dass sich das auch auf mein Schreiben auswirken wird, sodass das nächste Kapitel mit Sicherheit früher kommen wird als dieses. Ich danke allen Lesern ganz herzlich, dass sie noch immer dabei sind - ich freue mich sehr über jeden einzelnen von euch! Tausend Dank allen Lesern! Meine Schussligkeit lässt grüßen: ich kann mich nicht mehr daran erinnern, ob ich die Reviews für das letzte Kapitel per Nachricht beantwortet habe oder nicht. Falls nicht - bitte lasst es mich wissen und seid mir nicht allzu böse. Diesmal wird alles wieder beantwortet!
Aber nun: genug geredet. Viel Spaß mit dem neuen Kapitel!
Neunte Vorlesung
Es gibt Tage, an denen schmeckt der Kaffee ein bisschen besser als sonst.
Heute ist keiner dieser Tage, stellst du fest, als du dir die dritte Tasse eingießt und in langsamen Schlucken wieder leerst. Heute schmeckt der Kaffee einfach nur heiß und ein wenig bitter, so, als hättest du ihn versehentlich viel zu stark gekocht, obwohl er aus der Mensa stammt und nicht aus deiner Küche. Egal, findest du, Kaffee soll nicht schmecken, er soll dich jetzt ordentlich wachkriegen, damit du nicht von deinem Stuhl fällst und auf dem Boden wieder einschläfst.
Es fühlt sich seltsam an, in deinem Büro zu sitzen und Kaffee zu trinken, weil du das üblicherweise immer in deiner Wohnung machst. Stattdessen hast du dir heute eine Tasse und eine selbst auffüllende Kanne Kaffee aus der Mensa geholt und es dir dann auf deinem wunderbar weichen Schreibtischstuhl bequem gemacht. Jemand – du vermutest, dass einer der Hauselfen der Universität dahinter steckt – hat ein kleines Feuer im Kamin entfacht und du schaust zu, wie die Flammen tanzen, und lauschst dem knackenden Holz.
Draußen hängt der Himmel in grauen Wolken über der Stadt, es regnet und der Wind peitscht wütend dicke Tropfen gegen dein Fenster. Du wolltest unbedingt dem Winterwetter trotzen und bist zu Fuß zur Uni gelaufen, so früh, dass du jetzt genügend Zeit hast, Kaffee zu trinken, deine liegengebliebenen Unterlagen durchzusehen und dich wieder aufzuwärmen.
Eigentlich hast du nichts gegen Regenwetter. Du würdest jetzt nur einfach gerne auf deiner Couch liegen, ein bisschen dösen oder schmökern in alten, vergilbten Büchern und ab und zu den Kopf heben, um den Regentropfen beim Fallen zuzusehen. Meistens beruhigt dich das ungemein. Nur hast du gerade dummerweise keine Zeit dafür, weil deine Vorlesung in ungefähr einer halben Stunde beginnt und du bis dahin noch den Packen Pergamente durcharbeiten solltest, der sich geradezu vorwurfsvoll auf deinem Schreibtisch angesammelt hat.
Ganz oben liegen Briefe von Studenten aus dem fünften Semester, die sich allesamt höflich nach zusätzlichen Sprechstundenterminen erkundigen, weil sie unbedingt mit dir das Thema ihrer jeweiligen Abschlussarbeit diskutieren möchten. Du seufzst ein bisschen und schiebst die Briefe beiseite, mit der festen Absicht, dich nach deiner Vorlesung darum zu kümmern, wenn dein Kopf ein wenig freier ist. Abschlussarbeiten sind nichts, womit du dich mal eben so beschäftigen kannst, dafür brauchst du Ruhe und Zeit (und noch mehr Kaffee).
Jetzt blätterst du stattdessen das Memo durch, das gestern Abend gekommen ist, persönlich zusammengestellt vom Direktor eures Instituts, um euch alle an die nächste Institutssitzung zu erinnern und um dafür zu sorgen, dass ihr perfekt vorbereitet dort erscheinen werdet, damit das nächste Semester nicht bereits mit einem Fiasko beginnen wird. Man sollte meinen, dass bis Anfang Februar noch viel Zeit bliebe, aber gut. So hast du immerhin ein paar Wochen, um deine Vorschläge für Seminare und Vorlesungen zu überarbeiten.
Das Memo landet vorerst in einer freien Ecke deines Schreibtischs, damit du dich nun wieder den wesentlichen Dingen zuwenden kannst: deinem Kaffee und deinen bisher noch ungeordneten Notizen für die kommenden Vorlesungen. Du kannst kaum glauben, dass zwei Drittel deiner Sitzungen bereits hinter dir liegen und dass du die, die noch ausstehen, an einer Hand abzählen kannst – von der, die du gleich halten musst, mal abgesehen.
Du nimmst einen Schluck Kaffee und kämpfst dich durch den Stapel an Anlagen, den du eigentlich für nächste Woche geplant hattest und von dem du dir nicht sicher bist, ob er nicht vielleicht ein kleines bisschen zu dick sein könnte für deine Studenten. Immerhin sind seitenlange Gerichtsprotokolle nicht jedermanns Sache, wie du zugeben musst. Mal abgesehen davon, dass du dir durchaus vorstellen kannst, dass die kommende Vorlesung ein paar Tücken bergen wird.
Todesser zu verteidigen ist schließlich nichts, was man jeden Tag machen muss. Nicht, dass du ihre Taten verteidigen willst oder behaupten möchtest, dass alles ja gar nicht so schlimm gewesen sei – nein. Du willst nur hinter die Masken blicken (Merlin, deine Wortwitze waren auch schonmal besser und origineller!) und du willst, dass deine Studenten lernen, das Gleiche zu tun.
Kaffeetrinkend starrst du die Anlagen an, ehe du dir den gesamten Packen greifst und ihn beiseite räumst. Du beschließt, dass es nicht dein Problem ist, wenn deine Studenten finden, dass du ihnen zu viel zum Lesen gibst. Du bist der Dozent, du entscheidest. Und du hattest schon deine Gründe, warum du genau diese (und genau so viele) Anlagen ausgesucht hast. Das wirst du jetzt bestimmt nicht mehr ändern, nachdem du den gesamten Sommer über so viel Arbeit in deine Recherche gesteckt hast.
Unter dem Stapel Pergament kommt ein zerknitterter Brief zutage, dem du eine Grimasse schneidest. Mittlerweile kannst du ihn beinahe auswendig. Er kam vor sechs Tagen und Millicent hat dir darin deutlich zu verstehen gegeben, dass sie als Heilerin eine Schweigepflicht hat und es dich darüber hinaus auch nichts angeht (behauptet sie), weshalb Miss Carter Millicent verteidigt hat. Natürlich hat Millicent Unrecht. Ein gewisser Grad an Neugier war sozusagen Teil deiner Berufsbeschreibung. Allerdings interessiert das Millicent herzlich wenig und du bist kaum schlauer als vorher.
Der Brief wandert auf das Memo und du schiebst ihn vorerst in eine Ecke des Gedächtnisses, in der er sich ausruhen kann. Du hast gerade Wichtigeres zu tun, als dir den Kopf darüber zu zerbrechen, was eine Nicht-Slytherin dazu gebracht hat, eine Slytherin derart vehement zu verteidigen.
Unter Millicents Brief liegt ein weiterer, peinlicherweise mit diversen Kaffeeflecken verziert, und erinnert dich daran, dass du dich dringend um deine Weihnachtsgestaltung kümmern solltest, wenn du nicht willst, dass deine Freunde das für dich in die Hand nehmen (du willst nicht. Definitiv nicht.). Immerhin sind es gerade mal noch zwei Wochen bis Heiligabend. Noch zehn Tage bis zu den Winterferien. Und du bist unentschlossen, ob du dich freuen sollst oder nicht.
Du streckst deine Füße aus, räumst auch den kaffeebefleckten Brief beiseite und genießt die Wärme, die von deinem kleinen Feuer aus in den Raum hinein wandert und alles irgendwie behaglicher macht. Sogar deine Mittwochmorgenstimmung. Und obwohl Leben momentan vieles ist, aber nicht unbedingt gut. Aber darüber kannst du dir ein anderes Mal den Kopf zerbrechen, jetzt legst du lieber deine kalten Finger um die heiße Tasse und genießt diesen kurzen Moment, bevor der Unialltag über dich hereinbricht.
Die Vorlesung, die vor dir liegt, verspricht spannend und interessant zu werden, oder zumindest erhoffst du dir das. Es macht dir Spaß, vorgefertigte Meinungen und Heldenbilder zu demontieren, in ihre Einzelheiten zu zerlegen und neu zusammenzufügen. Niemand wird als Held geboren, auch nicht der Junge, der Voldemort besiegt hat (und nein, damit möchtest du keinesfalls herabwürdigen, was Harry getan hat, und zufällig weißt du ziemlich genau, dass er dir absolut zustimmen würde). Und auch Gryffindors haben manchmal Angst.
Du hast die Interviews, auf denen deine heutige Sitzung basieren wird, jeweils gefühlt ein Dutzend Mal gelesen und bist neugierig, was deine Studenten zu ihnen sagen werden. Zu einer Professor McGonagall, die offen zugibt, dass sie beim Quidditch immer Gryffindor favorisiert und sich ansonsten große Mühe gibt, unparteiisch zu sein. Zu einem Neville Longbottom, der ähnlich wie Harry das Etikett „Kriegsheld" verliehen bekam und der dazu steht, dass er den Todessern gegenüber Hass empfunden hat (Hass. Nicht Antipathie oder ein ähnlich lächerlich nettes Wort. Hass. Stark und ehrlich.).
Vielleicht passt es nicht zu dem Bild, das manch einer von Helden und Gryffindors hat, aber du bist nicht dafür zuständig, grell verzerrte Bilder bestehen zu lassen, sondern du bemühst dich darum, an der Oberfläche zu kratzen, bis etwas Wahres zum Vorschein kommt. Heute wirst du das mit den Guten machen; nächste Woche stehen die Todesser an und du weißt, dass es eine Herausforderung werden wird, dass es schwierig sein wird, den schmalen Grat zu meistern, damit dir niemand vorwerfen kann, du würdest verharmlosen.
Denn das willst du nicht tun. Du willst nur versuchen aufzuzeigen, dass es zwar bequem ist, in Gut und Böse zu unterteilen, aber dass es nicht so einfach funktioniert. Du kannst nur hoffen, dass deine Studenten Lust darauf haben, sich auf dieses Experiment einzulassen.
Schlürfend trinkst du deinen Kaffee aus, stellst die Tasse auf deinem Schreibtisch ab und packst deine Notizen ordentlich zusammen, um sie in deiner Tasche zu verstauen. Draußen ist der Himmel noch immer grau, doch wenigstens deine Laune hat sich ein klein wenig gebessert, sodass du nicht völlig mürrisch den Hörsaal betreten wirst. Es ist dir immer unangenehm, denn schließlich können deine Studenten (meistens zumindest) nichts für deine Stimmung. Sollten sie allerdings Schuld an ihr sein (beispielsweise durch einen Stapel absolut horrender Aufsätze), dann, findest du, müssen sie auch mit den Auswirkungen zurechtkommen.
Schweren Herzens lässt du dein warmes Büro hinter dir, klemmst dir deine Tasche unter den Arm und läufst den zugigen Flur entlang. Unterwegs triffst du Kollegen und Studenten in kleinen Grüppchen, du nickst ihnen zu und lächelst, spürst, wie der surrende Unialltag dich langsam vereinnahmt und für deine Grübeleien keinen Platz mehr lässt. So ist es immer, kurz vor dem Unterrichten: alle Gedanken sind weg, außer denen, die wichtig sind für die Vorlesung.
Du kannst Hörsaal Vier schon von weitem hören und runzelst verwirrt die Stirn. Normalerweise sind deine Studenten nicht unbedingt derartig laut. Die Stimmen verstummen, als du hereintrittst, und du siehst dich mit jeder Menge dezent enttäuschter Gesichter konfrontiert. Einen Augenblick fragst du dich, ob du dich in der Tür geirrt hast, dann entdeckst du Alasdair MacLaines Gesicht in der Menge und du kannst auf die Entfernung hin zwar nicht verstehen, was er zu Charles Grey sagt, aber – und da bist du dir sicher – seine Lippen formen sich um den Namen „Harry Potter" und dir wird einiges klar.
Offenbar haben deine Studenten gehofft, du würdest ihnen einen illustren Gast mitbringen.
Du schaffst es nicht, dir ein spöttisches Lächeln zu verkneifen (vielleicht hättest du es geschafft, hättest du dich ein bisschen mehr angestrengt) und wünschst „Guten Morgen allerseits" in die Runde, woraufhin dir ein gemäßigtes „Guten Morgen" entgegenschallt.
Es amüsiert dich ziemlich, die Erwartungshaltung deiner Studenten so gebrochen zu haben. Aber wirklich, denkst du, glauben sie denn allen Ernstes, du könntest ab jetzt in jeder Sitzung einen Kriegshelden aus dem Ärmel zaubern? (Natürlich könntest du. Nur müssen sie das nicht wissen, allein deshalb nicht, weil du nicht vorhast, ständig mit Gästen hier aufzukreuzen. Zeitzeugen sind schön und gut und funktionieren prima in der Zeitgenössischen Geschichte, doch du fragst dich, wie deine Studenten damit zurechtkämen, in den anderen Bereichen nur noch mit Fachliteratur umzugehen, wenn du sie nun derart verwöhnen würdest.)
„Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Woche", verkündest du, gehst zu deinem Pult und legst deine Tasche darauf ab. Deinen Mantel hast du diesmal gleich in deinem Büro gelassen. „Nachdem wir letzte Woche keine Gelegenheit mehr dazu hatten, würde ich heute gerne etwas nachholen, was mir sehr wichtig ist. Ich würde gerne von Ihnen erfahren, was Sie von der letzten Sitzung gehalten haben. Hat es Ihnen Spaß gemacht, sich einmal mit echten Menschen zu unterhalten statt nur Texte zu besprechen? Fanden Sie es interessant, die Personen kennenzulernen, die Sie vermutlich bisher nur aus Zeitungsartikeln oder Ähnlichem kannten? Waren Sie zufrieden? Unzufrieden?"
Du machst es dir auf deinem Pult bequem und blickst neugierig in die Runde. Es kümmert dich, was deine Studenten denken und zu sagen haben. Es muss sich nur jemand trauen und den Anfang machen. Nach ungefähr zwei Minuten, in denen die meisten der Studenten fieberhaft ihre Notizen betrachten oder die Tischplatte fixieren, gibt sich Charles Grey schließlich einen Ruck und hebt die Hand.
„Nur zu", nickst du und bist gespannt, was er zu sagen hat. „Ich finde es wichtig und richtig, sich nicht nur mit Texten zu befassen, sondern auch mit den Menschen, von denen diese Texte handeln", sagt er ruhig, „Ich glaube, wenn man nur liest, dann vergisst man irgendwann, dass das alles wirklich passiert ist, dass es wahr ist, dass Menschen gelitten haben und gefoltert wurden und gekämpft haben. Aber das kann man nicht vergessen, wenn man jemandem gegenüber steht, der das alles hautnah miterlebt hat. Deshalb fand ich die letzte Sitzung sehr ... lehrreich ist vielleicht das passendste Wort. Und ich fände es schön, wenn wir erneut Gelegenheit bekämen, mit jemandem zu sprechen."
„Danke sehr", wendest du dich an ihn, als er verstummt und dich ansieht, um zu signalisieren, dass er fertig ist. Du schaust dich fragend im Raum um und wartest ab, ob sich noch jemand zur letzten Vorlesung äußern möchte. Dein Blick bleibt an Tobias Miller hängen, der hastig den Kopf zur Seite dreht und versucht, seine flammendroten Wangen unter seinen Händen zu verbergen, die er sich auf sein Gesicht presst.
Es hat dir nicht gefallen, was er in der vergangenen Woche zu Millicent gesagt hat, aber du hast das Gefühl, dass es einen triftigen Grund gab für sein Verhalten; dafür, dass all diese Beleidigungen regelrecht aus ihm herausgebrochen sind; und du glaubst, dass du es dir nicht anmaßen kannst, ihn vor all seinen Kommilitonen zur Rede zu stellen und nach seinen Gründen zu fragen. Es steht dir nicht zu. Wenn er sich entschuldigen oder sein Verhalten erklären möchte – er weiß, wo er dein Büro finden kann.
Miss Carter hebt die Hand und du rufst sie hastig auf. Sie streicht sich die Haare aus dem Gesicht und sieht dich unverwandt an. „Ich fand es sehr schön, dass Sie uns sozusagen eine Auswahl mitgebracht haben", erklärt sie und lächelt, „Besser kann ich es leider nicht ausdrücken. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber vermutlich nicht, vier Vertreter der vier Hogwartshäuser friedlich nebeneinander zu erleben. Es war spannend, die verschiedenen Geschichten zu hören, die dennoch auf merkwürdige Art und Weise ihre Gemeinsamkeiten hatten. Und es war schön, hautnah mitzuerleben, dass alte Feindseligkeiten tatsächlich abgebaut werden können."
Du erwiderst das Lächeln und bedankst dich für ihren Beitrag. Der Rest deiner Studenten übt sich in nachdenklichem Schweigen und du beschließt, keine Rückmeldung zu erzwingen. Immerhin hat dir der tosende Applaus letzte Woche gezeigt, dass die Sitzung ein Erfolg war und dass du durchaus mal wieder einen Gast mitbringen kannst.
(Dir ist schon klar, wen deine Studenten gerne sehen würden.)
„Wunderbar", findest du, „Dann würde ich vorschlagen, dass wir uns nun der heutigen Vorlesung zuwenden. Wie Sie dem Lehrplan entnehmen können, beginnen wir heute unseren zweiten etwas größeren Themenkomplex. Nach den Familienbildern werden wir uns heute und in der nächsten Woche mit, wie ich es vielleicht ein wenig unglücklich benannt habe, Karriereausblicken befassen. Zuerst werden wir die Helle Seite behandeln und uns mit Dumbledores Armee, dem Orden des Phönix, Auroren und allgemein den sogenannten Rittern des Guten beschäftigen, ehe in der nächsten Woche ihre dunklen Zwillinge thematisiert werden.
Sollte es der Eine oder Andere von Ihnen vergessen haben, was ich nicht glaube, so möchte ich Sie an dieser Stelle kurz daran erinnern, dass nächste Woche unsere letze Sitzung vor den Ferien stattfindet. Danach stehen im Januar noch drei Vorlesungen zum großen Themenkomplex Vorbild, Klischee, Vorurteil an, dann unsere Abschlusssitzung und schließlich die Prüfung. Ich sage Ihnen das nicht, um Sie in Panik zu versetzen, im Gegenteil: ich möchte verhindern, dass Sie nach den Ferien panisch werden, weil Ihnen plötzlich auffällt, dass wir so viel Zeit gar nicht mehr haben.
Aber jetzt wenden wir uns erst einmal dem Material zu, das Sie für heute vorbereiten sollten. Oder gibt es im Vorfeld noch Fragen?" Alle schütteln simultan die Köpfe und so greifst du dir deinen Packen Papier, ordnest die Interviews und hebst dann den Blick, um herauszufinden, wer heute freiwillig den Anfang machen möchte.
„Miss Shaw", lächelst du erfreut, als sie ein wenig schüchtern die Hand hebt, „Welches Interview würden Sie denn gerne besprechen?" Es macht dir Spaß, mitzuerleben, wie deine Studenten von Stunde zu Stunde selbstsicherer werden, wie es ihnen immer weniger ausmacht, ihre Gedankengänge und Ergebnisse mit dir und den anderen Studenten zu teilen, auch auf die Gefahr hin, dass sie statt ins Schwarze zu treffen völlig daneben landen.
„Das Letzte", erwidert sie leise und du erwischst dich dabei, überrascht zu sein, obwohl du mittlerweile dachtest, du hättest dir das abgewöhnt. Studenten sind Menschen und Menschen sind unberechenbar, also solltest du dir nicht anmaßen zu glauben, du wüsstest, wie sie handeln und denken. Tatsächlich hättest du eher damit gerechnet, dass sie möglicherweise das Interview von Neville herausgreifen würde. (Du weißt gar nicht, wieso; vielleicht, weil Miss Shaw so schüchtern wirkt wie Neville es früher manchmal ebenfalls getan hat.)
„Natürlich", stimmst du jedoch sofort zu, „Haben Sie vielleicht im Vorfeld Fragen zu dem Interview? Dann würde ich versuchen, Ihnen so viele Antworten wie möglich zu geben, sollte das für Ihre Überlegungen nützlich sein." Du hältst das letzte Interview für das schwierigste, auch, was die Identität der Interviewten angeht, aber vor allem hältst du es für unglaublich interessant, weil darin einiges ausgesprochen wurde, was sich sonst niemand getraut hat.
Julianna Shaw runzelt die Stirn, pustet sich eine schwarze Strähne aus dem Gesicht und durchblättert rasch ihre Notizen. „Nein", lehnt sie schließlich ab, „Danke, ich glaube, ich habe alles, was ich brauche. Bei manchen Dingen bin ich mir nicht ganz sicher, vielleicht können Sie mich da ergänzen oder korrigieren, wenn ich etwas Falsches erzähle." Du nickst und lehnst dich ein bisschen zurück, um ihren Ausführungen zu lauschen.
„Fassen wir erst einmal zusammen, was wir aus dem Interview über die Person herauslesen können, die Rede und Antwort steht", schlägt Miss Shaw vor und hebt den Kopf, um dich anzuschauen, während sie spricht, „Sie war zum Zeitpunkt der Schlacht um Hogwarts bereits fertig mit der Schule, also muss sie älter sein als die Generation um Harry Potter. Sie sagt allerdings auch, dass sie Harry seit vier Jahren kannte und man 'kennt' keine jüngeren Schüler aus anderen Häusern, weshalb ich davon ausgehen würde, dass sie ebenfalls in Gryffindor war."
Du hebst die Hand, als seist du der Schüler und sie die Dozentin, und deine Studenten haben offenbar den gleichen Gedanken, da sie leise loskichern. Julianna Shaw blinzelt verwirrt und du kannst dir ein Schmunzeln nicht verkneifen, auch wenn sich dein schlechtes Gewissen meldet und dir unverhohlen mitteilt, dass es unfair ist, Miss Shaw derartig aus dem Konzept zu bringen. Obwohl du das ja nicht einmal vorhattest.
„Ja?", sagt sie schließlich an dich gewandt und wartet höflich ab, was du zu sagen hast. „Sie?", wiederholst du und kannst an Miss Shaws Gesichtsausdruck ablesen, dass sie nicht so ganz weiß, worauf du hinauswillst. „Sie sagten, 'sie' war fertig mit der Schule. Woraus schließen Sie, dass wir es mit einer Frau zu tun haben?"
„Sie spricht von ihrer besten Freundin", erwidert deine Studentin prompt und ohne auf ihre Notizen blicken zu müssen, „Ich möchte gar nicht behaupten, dass Männer nicht auch weibliche Freunde haben können, aber trotzdem würde ich hier rein gefühlsmäßig davon ausgehen, dass die Interviewte eine Frau ist. Können Sie mir das bestätigen?"
„Sie haben Recht", stimmst du ihr zu, „Es handelt sich um eine Frau. Bitte, fahren Sie fort."
„Wie gesagt, das Interview wurde wahrscheinlich mit einer Frau geführt, die älter als Harry Potter ist und ebenfalls Gryffindor besucht hat. Außerdem erfahren wir, dass sie in der Schule Quidditch gespielt hat und aus einer halbblütigen Familie stammt. Während der Schlacht um Hogwarts ist einer ihrer Freunde ums Leben gekommen, sie war Mitglied in Dumbledores Armee und hat nach der Schule angefangen zu arbeiten. Das grenzt die Zahl der möglichen Personen bereits erheblich ein", nimmt Miss Shaw ihre Überlegungen wieder auf und blickt abwechselnd auf ihre Notizen, zu dir und zu ihren Kommilitonen.
„Die Einzigen, die älter sind als Harry Potter und die gemeinsam mit ihm für Gryffindor Quidditch gespielt haben, sind Alicia Spinnet, Angelina Johnson und Katie Bell. Miss Bell ist Profiquidditchspielerin geworden, deshalb würde ich sie ausschließen." Ein paar Jungs rufen protestierend, dass Quidditch sehr wohl auch Arbeit sei und Miss Shaw bekommt rote Wangen vor Verlegenheit.
„Ich will ja gar nicht bestreiten, dass Quidditch Arbeit ist", verteidigt sie sich rasch, aber dennoch ruhig, „Ich finde nur, dass es in dem Interview eher so klingt, als würde sie einer ... naja ... geregelten Arbeit nachkommen, sie spricht von Pausen und Überstunden. Natürlich kann man auch beim Quidditchtraining Überstunden machen, aber so hört es sich für mich eben nicht an."
Als ein paar der Jungs noch immer nicht Ruhe geben, wirfst du einen strengen Blick in ihre Richtung und bemerkst kühl „Wenn Sie sich derart für Profiquidditch engagieren, wundere ich mich, dass Sie in meinem Hörsaal sitzen statt draußen auf einem Besen zu fliegen. Erweisen Sie Ihrer Kommilitonin immerhin den Respekt, dass Sie sie ausreden lassen und ihr zuhören. Ansonsten können Sie gerne gleich unter Beweis stellen, wie Sie eines der Interviews auseinandernehmen."
Deine kleine Ansprache wirkt beinahe Wunder und die Jungs verstummen sofort. Kaum zu glauben, denkst du, dass ein Wortbeitrag offenbar so viel Schrecken verbreiten kann.
„Bleiben noch Angelina Johnson und Alicia Spinnet übrig", nimmt Miss Shaw den Faden wieder auf und man kann nur an ihren noch blassrosa gefärbten Wangen erkennen, dass sie gerade unterbrochen wurde, „Miss Johnson hat, soweit ich weiß, nach ihrem Abschluss angefangen zu studieren, von daher würde ich sie auch ausschließen und denken, dass das Interview mit Alicia Spinnet geführt wurde.
Sie spricht darüber, dass Hogwarts für sie zu einem zweiten Zuhause geworden ist und dass sie deshalb auch nicht gezögert hat, zurückzukommen und zu kämpfen, die jüngeren Schüler zu verteidigen und gegen jemanden zu kämpfen, der eine rassistische Ideologie vertreten hat, die sie und ihre Familie ganz persönlich betroffen hat. Sie scheint zu den Wenigen gehört zu haben, die Harry Potter damals geglaubt haben, als er verkündete, der Dunkle Lord sei zurückgekehrt und als diverse Zeitungen regelrechte Hetzjagden auf ihn veranstalteten, ganz zu schweigen vom Ministerium, das ihn vermutlich am liebsten zum Schweigen gebracht hätte und was es, in Form von Dolores Umbridge, ja auch versucht hat.
Obwohl sich Miss Spinnet selbst als jung und hoffnungslos naiv bezeichnet, würde ich ihr da nicht unbedingt zustimmen wollen. Sicher ist es vielleicht utopisch zu glauben, dass wirklich jeder aus einer Schlacht lebendig zurückkehren wird, doch gleichzeitig scheint Miss Spinnet ja bereits bei der Gründung von Dumbledores Armee bewusst gewesen zu sein, dass irgendwann tatsächlich der Ernstfall eintreten wird und es sich nicht um bloßen Zeitvertreib handelt."
Miss Shaw hat offensichtlich das erste Blatt ihrer Notizen durchgearbeitet, da sie für einen Augenblick inne hält, um das Papier nach ganz hinten zu befördern und mit der zweiten Seite weiterzumachen. Du sitzt auf deinem Pult und hörst ihr einfach nur zu, während sie versucht, jemanden zu charakterisieren, den sie nicht kennt. Sie macht ihre Sache gut.
„Bemerkenswert finde ich, dass sie zugibt, dass sie Angst hatte, wenn auch vor allem um ihre Freunde und vielleicht weniger um sich selbst", fährt Miss Shaw fort und auf ihrem Gesicht liegt so etwas wie Bewunderung, „Das macht sie ... menschlich. Und sie scheint sich nicht zu scheuen, unbequeme Wahrheiten auszusprechen."
„Wie meinen Sie das?", hakst du nach, weil du befürchtest, sie könne diesen Punkt allzu schnell abhandeln, diesen Punkt, den du so ungeheuer wichtig findest und von dem du froh bist, dass sie ihn entdeckt hat. Miss Shaw zuckt die Achseln und scheint sich nicht unbedingt im Klaren darüber zu sein, dass sie gerade einer Sache auf der Spur ist, die du für relevant hältst.
„Der Interviewer sagt es ja selbst", antwortet sie langsam, „Er sagt ihr, dass sie die Erste ist, die anspricht, wie viel Leid der Krieg gefordert hat. Ich weiß nicht genau, wie es damals war, aber ich könnte mir vorstellen, dass jeder so froh darüber war, dass der Dunkle Lord endlich besiegt war, dass man manchmal vergessen hat, um welchen Preis der Krieg gewonnen wurde. Und Miss Spinnet hat es keinesfalls vergessen, im Gegenteil. Sie weiß zwar, dass es gut ist, dass der Schrecken nun ein Ende hatte, aber sie ist sich auch bewusst, was der Frieden ihnen abverlangt hat.
Miss Spinnet ist Teil einer Generation, die die Geschichtsschreibung in fünfzig Jahren vermutlich aufgrund mangelnder Alternativen als Verlorene Generation bezeichnen wird, so wie man das immer tut mit einer Generation, die jung war und in einem Krieg gekämpft hat und um ihre Jugend betrogen wurde. Sie schildert die Schwierigkeiten, einen Alltag nach dem Krieg aufzubauen, wie kompliziert es plötzlich war, sich mit seinen Freunden zu treffen, weil jeder für sich mit den Nachwirkungen zu tun hatte. Muss das nicht schrecklich sein? Wenn man mit denen, die einem so nahe stehen, auf einmal nicht mehr wirklich reden kann, wenn man sich immer weiter voneinander entfernt, ob man es will oder nicht? Wenn man nicht in der Lage ist, sich gegenseitig zu trösten oder zu helfen?
Ich glaube, dass das viele übersehen, wenn es darum geht, die Zeit nach dem Krieg zu betrachten. Natürlich war der Dunkle Lord vernichtet, aber deswegen war doch noch längst nicht alles wieder gut. Miss Spinnet sagt ja selbst, dass ihr Leben nie wieder so sein wird, wie es einmal gewesen ist – und dass es lange gedauert hat, bis es wieder so etwas Ähnliches wie gut war.
Sie erzählt, dass jeder alleine war mit seinem Schmerz und ich glaube, das ist etwas, was gerne verschwiegen wird. Wer gibt schon gerne zu, dass er Freunde oder Verwandte nicht Tag und Nacht getröstet hat? Aber wie könnte man das tun, wenn man selbst mit Trauern beschäftigt ist und nebenbei noch irgendwie versucht, sein Leben halbwegs aufrechtzuhalten?
Was tut man, wenn der Schmerz den Alltag bestimmt, wenn man hilflos ist, hilflos sich selbst gegenüber, aber auch hilflos denen gegenüber, die man liebt und denen man so unbedingt helfen möchte, dass es nur noch mehr schmerzt, wenn man es eben nicht kann? Miss Spinnet gibt zu, dass sie nicht immer stark genug war, für jeden da zu sein und ... ich finde, dass sie genau das stark macht. Dass sie die Größe hat, das zuzugeben."
Miss Shaw wird leiser und du betrachtest ein wenig besorgt ihr blasses Gesicht, das zwischen ihrem dunklen Haar noch heller wirkt. Sie macht den Eindruck, als hätte ihre Analyse sie ziemlich angestrengt, als hätte sie selbst gerade all die Schrecken des Kriegs miterleben müssen. „Danke", wirfst du rasch ein und schaffst es damit, die Aufmerksamkeit deiner Studenten auf dich zu ziehen und von Miss Shaw wegzuholen, „Das war eine sehr ausführliche Analyse. Gibt es Fragen zum Interview mit Alicia Spinnet?"
Trystan Bickerton hebt die Hand und du rufst ihn auf. „Können Sie uns sagen, welchen Beruf Miss Spinnet ausübt oder zur damaligen Zeit ausgeübt hat?", erkundigt er sich. Du nickst ihm zu. „Sie befand sich damals in der Ausbildung zur Heilerin. Mittlerweile arbeitet sie seit etlichen Jahren im Sankt Mungo's", erklärst du bereitwillig und wirfst einen Blick in die Runde, „Weitere Fragen?"
Es bleibt still im Raum und du legst das Interview mit Alicia sowie das Blatt mit deinen eigenen Notizen beiseite. Drei sind noch übrig und du bist gespannt, welches deine Studenten als Nächstes besprechen wollen. Miss Hopkins meldet sich freiwillig, nachdem du gefühlte fünf Minuten damit verbracht hast, deine Studenten einfach nur stumm zu mustern und auf eine Meldung zu warten. Du erteilst ihr das Wort und bemerkst amüsiert, wie sie sich gewohnheitsmäßig erst die Brille zurechtrückt, ehe sie mit Reden beginnt.
„Ich würde mich gerne an Interview Nummer Drei versuchen", teilt sie dir mit und sieht dich abwartend an. „Gerne", erwiderst du und ziehst das richtige Blatt mit deinen Notizen hervor, um rasch einen Blick darauf zu werfen.
„Es wird ziemlich schnell deutlich, mit wem wir es in diesem Interview zu tun haben", stellt Miss Hopkins mit klarer Stimme fest, „Es gibt Verweise darauf, dass der Betroffene einer Familie angehört, die nicht viel auf reines Blut gibt; außerdem werden namentlich die Onkel Fabian und Gideon erwähnt – Fabian und Gideon Prewett, Brüder von Molly Weasley, geborene Prewett. Somit ist offensichtlich, dass wir es mit einem der Weasleys zu tun haben.
Spätestens als der Interviewte erwähnt, dass er während des Kriegsausbruchs die meiste Zeit in Rumänien gelebt hat, können wir mit absoluter Sicherheit davon ausgehen, dass es sich um Charlie Weasley handelt. Immerhin haben wir ja auch bereits ein Interview mit ihm behandelt, in dem er zum Ausdruck bringt, dass er in Rumänien mit Drachen arbeitet."
„Allerdings", hebst du kurz die Stimme und lächelst Miss Hopkins zu, „Ich will Sie auf keinen Fall von Ihrer Analyse ablenken, aber vielleicht haben Sie sich ja möglicherweise Gedanken darüber gemacht, warum ich gerade Interviews mit Charlie Weasley ausgesucht habe? Was für ein Mensch ist er? Was können wir über ihn, über seinen Charakter erfahren?"
Gwendolen legt die Stirn in Falten und schaut dich aufmerksam an. „Ich denke", erwidert sie langsam und nachdenklich, „dass Charlie Weasley genau deshalb interessant ist, weil er den Krieg zwar miterlebt hat, jedoch auf eine vollkommen andere Art und Weise. In gewisser Hinsicht ist er ein Außenstehender, weil er nicht hier war, aber natürlich war er trotzdem involviert. Vielleicht liege ich jetzt vollkommen falsch, doch ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch tausend andere Hexen und Zauberer gab, die wie er im Ausland gelebt und sich trotzdem im Orden des Phönix engagiert haben.
Ich halte ihn für jemanden mit viel Energie. Für jemanden, der impulsiv ist und eher handelt als darüber nachzugrübeln, was man tun könnte. Er scheint einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit zu haben und mag es gar nicht, wenn er tatenlos daneben stehen und zusehen muss. Ich glaube, er wirft sich lieber selbst ins Feuer als darauf zu warten, dass es irgendwann vorübergehen könnte. Vielleicht muss man ein bisschen verrückt nach Abenteuern sein, um täglich mit Drachen zu arbeiten.
Er ist erwachsen und ... abgebrüht, jedoch nur, weil mir kein besseres Wort einfällt. Er ist jedenfalls nicht naiv, das sagt er ja auch selbst. Irgendwie war ihm klar, dass seine Familie den Krieg wohl nicht unbeschadet überstehen würde, aber trotzdem hat es ihn kalt erwischt, als tatsächlich einer seiner Brüder verstorben ist. Ich will ihm das nicht vorwerfen!", fügt sie hastig hinzu, „Das ist nur natürlich, dass man trauert, wenn man ein Familienmitglied verliert, ich glaube nur, dass der Tod für ihn dennoch überraschend kam, obwohl er geglaubt hat, damit sowieso rechnen zu müssen. Er hat so eine Mischung aus Kindlichkeit und Erfahrenheit, die faszinierend ist."
Hinten in der letzten Reihe pfeift jemand anzüglich und Miss Hopkins verdreht genervt die Augen. Du würdest ihr gerne signalisieren, dass sie sich nicht unterkriegen lassen soll, aber du wirst das Gefühl nicht los, dass sie deine Unterstützung überhaupt nicht benötigt. Sie schenkt dem Störenfried nicht einmal die geringste Reaktion und blättert stattdessen in scheinbarer Seelenruhe ihre Notizen durch.
„Wenn ich an der Stelle kurz einhaken dürfte", bittest du Miss Hopkins und schmunzelst, als deine Studenten wieder leise kichern, so wie vorhin, als du dich gemeldet hast. Sie scheinen es amüsant zu finden, wenn sich ihr Dozent wie ein unbedarfter Student verhält und du wiederum findest es nur fair denen gegenüber, die ihre Analysen mit dem Rest von euch teilen und dabei durchaus eine Art Dozentenposition einnehmen. „Sicher", macht Miss Hopkins erstaunt, lehnt sich zurück und sieht dich aufmerksam an.
„Sie haben da einen sehr interessanten Punkt angesprochen", bescheinigst du ihr, „Diese Mischung aus kindlicher Naivität und einer Abgebrühtheit, der man die Erfahrungen anmerkt, die Mister Weasley im Laufe seines Lebens gesammelt hat. Behalten Sie eines im Hinterkopf: er gehört zu denen, die beide Kriege miterlebt haben. Vielleicht glaubt ja der Eine oder Andere von Ihnen, dass man dieses Detail vernachlässigen könne, da Mister Weasley zu Zeiten des Ersten Dunklen Krieges noch sehr jung war, aber ich glaube, dass gerade diese Rechnung nicht aufgeht.
Er erzählt selbst, dass er sich an Fabian und Gideon Prewett erinnern kann. Natürlich sind seine Erinnerungen die eines Sechsjährigen, der mit seinen beiden Onkeln getobt hat. Und? Sind seine Erinnerungen deshalb weniger wert als die von jemand Erwachsenem? Warum sollten sie? Er hat einen anderen Blick auf die Welt, das bedeutet jedoch nicht, dass er blind ist. Als Kind nimmt man vieles anders wahr als es Erwachsene tun – aber man nimmt dennoch wahr.
Mister Weasley hat mitbekommen, dass Fabian und Gideon Prewett selten zu Besuch kamen. Sie waren ständig unterwegs und hatten nicht viel Zeit, um ihre Familie zu besuchen. Und wenn sie vorbeischauten, dann war es laut und lustig. Bevor Sie das als rührselige Kindheitserinnerung abtun, denken Sie einmal wirklich darüber nach. Was bedeutet diese Aussage? Und was würden Sie eigentlich tun, wenn Sie monatelang versteckt für einen geheimen Orden im Kampf gegen den Dunklen Lord arbeiten würden und dann nach Hause kämen?"
Für einen Moment ist es still. Dann räuspert sich Miss Hopkins und schaut dir direkt in die Augen. „Es verrät uns eine Menge darüber, wie die Prewett-Brüder mit dem Krieg und mit ihrer Familie umgegangen sind. Mister Weasley spricht nicht von Angst oder Schrecken, die sie mit nach Hause brachten, sondern von Gelächter, von Spaß. Irgendwie haben sie es wohl geschafft, den Krieg auszublenden."
Du nickst. „Richtig", sagst du leise, „Auch wenn es vermutlich nur für eine kurze Zeitspanne war. Aber glauben Sie mir: man wird verrückt, wenn man sich Tag und Nacht, Stunde für Stunde vor Augen hält, dass man mitten in einem Krieg lebt. Es ist – es war wichtig, ständig aufmerksam und auf der Hut zu sein, weil man tatsächlich jederzeit angegriffen werden konnte. Doch es war genauso wichtig, sich ein Stückchen Alltag zu erhalten, wenn man nicht den Verstand verlieren wollte."
Deine Studenten sehen dich an, mit Federn in den Händen, und scheinen sich und dich zu fragen, wie sie das aufschreiben sollen (deine Lebensweisheiten oder was immer es ist, was du gerade zum Besten gibst). Beinahe musst du lachen, darüber, dass sie bei all den ernsten Themen, die ihr behandelt, noch immer an ihre Prüfung denken können.
„Ich wollte Sie nicht unterbrechen", wendest du dich an Miss Hopkins, „Bitte, fahren Sie fort. Ich verspreche auch, mich jetzt ein wenig zurückzuhalten." Sie grinst und ihr skeptischer Blick verrät, dass sie dir nicht unbedingt Glauben schenkt. (Kluges Mädchen. Als könntest du den Mund halten.)
„Was ich erstaunlich finde", hebt Miss Hopkins die Stimme und erlangt somit die Aufmerksamkeit ihrer Kommilitonen zurück, „ist die Tatsache, wie sich Mister Weasley über Slytherins äußert. Mal abgesehen davon, dass ich seinen Vergleich mit den Drachen recht passend finde, hat es mich überrascht, dass er sich überhaupt derartige Gedanken gemacht hat. Warum sollte er? Er gibt selbst zu, dass das zu seiner Schulzeit vollkommen anders war und er die Slytherins damals als Quidditchgegner und Hausfeinde betrachtet hat, während er jetzt beinahe dazu übergeht, Theorien über Slytherins aufzustellen.
Er spricht über etwas, was, meiner Meinung nach zumindest, eigentlich kaum jemand anerkennt, der selbst in Gryffindor, Ravenclaw oder Hufflepuff war: nämlich die Tatsache, dass es auch unter den verschrieenen Schlangen Loyalität und Gemeinschaftsgefühl gibt, was ihnen ja eigentlich recht gerne abgesprochen wird. Charlie Weasley war in Gryffindor, genau wie seine ganze Familie. Ich weiß nicht, woher sein Sinneswandel kommt, vielleicht hat es einfach nur mit Erwachsenwerden zu tun, vielleicht ist etwas passiert, was im Interview nicht angesprochen wird – ich weiß es nicht. Wissen Sie es?"
Sie schaut dich unverwandt an und lässt dich einfach nicht vergessen, dass sie ein Talent dafür besitzt, die richtigen (und manchmal auch die falschen) Fragen zu stellen und weiter zu bohren, wenn Andere längst denken, am Kern angelangt zu sein. „Sie werden das vermutlich nicht gerne hören", lächelst du, „aber ich muss Sie in der Hinsicht leider ein wenig vertrösten. Warten Sie die nächste Sitzung ab, dann werden Sie sehr wahrscheinlich eine Antwort auf Ihre Frage erhalten."
Miss Hopkins gibt sich für den Moment damit zufrieden, dass du sie vertröstet hast und du wiederum machst dir eine mentale Notiz, das Ganze bis zur nächsten Woche nicht zu vergessen. Obwohl das schwierig werden dürfte, bei dem Material, das du ausgewählt hast. Doch noch lautet dein Thema der Stunde Die Ritter des Guten und nicht Voldemorts Diener, also konzentriere dich gefälligst.
„Mister Weasley scheint sich regelrecht in die Köpfe der Todesser eingearbeitet zu haben", stellt Miss Hopkins fest, „Er legt dar, was hätte passieren können, wenn man sich als Slytherin öffentlich gegen den Dunklen Lord gestellt hätte, besonders dann, wenn ein Familienmitglied den Todessern angehörte, aus welchen Gründen auch immer. Ich glaube, wir vergessen zu schnell, dass es dafür verschiedene Motive geben kann. Sicher sind einige aus Überzeugung beigetreten, aber warum nicht auch manche aus Angst? Aus Angst vor dem, was geschehen wäre, wenn man sich verweigert hätte, wenn man öffentlich gezeigt hätte, dass man eben eine andere Einstellung vertritt? Genauso gut hätte man vermutlich auch gleich sein eigenes Todesurteil unterschreiben können, oder, im Falle des Dunklen Lords: das Todesurteil all jener, die man liebt.
Und betrachten wir das Ganze doch einmal nüchtern: wie viele Hexen und Zauberer hätte es damals wohl gegeben, die fröhlich gesagt hätten 'Ist doch kein Problem, wir beschützen euch!', wenn ein paar Slytherins erklärt hätten, dass sie sich dem Dunklen Lord nicht anschließen wollen und nun Hilfe brauchen? Mister Weasley hat Recht: Schubladendenken ist einfach und bequem. Ein Slytherin ist böse? Dann kann die einzige Schlussfolgerung nur sein, dass alle Slytherins böse sind. Unsere Vorurteile und unser Misstrauen stehen uns selbst im Weg. Vielleicht wäre alles anders geworden."
„Vielleicht hätte einer der angeblich achso eingeschüchterten Slytherins aber auch versucht, Mitglieder des Ordens umzubringen, sobald sie sich das Vertrauen der Mitglieder erschlichen hätten?", wirft Tobias Miller laut ein und unterbricht Miss Hopkins in ihren Überlegungen, „Hast du daran schon einmal gedacht? Manchmal ist Misstrauen ziemlich gesund und eindeutig besser als diese blinde Gutgläubigkeit."
Miss Hopkins' Blick wird kühl, als sie ihren Kommilitonen fixiert. „Ja", erwidert sie dennoch ruhig, „Daran habe ich gedacht. Und natürlich hätte das passieren können. Aber genauso gut hätte es auch nicht passieren können. Verstehst du denn nicht?" Er verschränkt die Arme und schnaubt verächtlich auf. „Nicht alle Slytherins sind verschüchterte, kleine Lämmchen, die du vor dem Schlachter retten musst, Gwen", zischt er über drei Reihen hinweg und du bist kurz davor einzugreifen, als Miss Hopkins zu einem Konter ansetzt.
„Das habe ich auch nie behauptet", antwortet sie nun doch leicht gereizt, „Aber stell dir vor: auch nicht alle Slytherins sind Monster, so einfach kannst du es dir nämlich nicht machen. Du musst schon bereit sein, dich auf jemanden einzulassen und damit zu rechnen, dass sich die Meinung, die du jahrelang vertreten hast, als falsch erweist. Dass du sie möglicherweise überdenken und revidieren musst. Wäre das so furchtbar?" Sie zieht eine Augenbraue in die Höhe und dreht sich zu Tobias Miller um und du findest es schade, dass du jetzt nur noch ihren Hinterkopf siehst, denn da muss irgendwas in ihrem Gesicht sein, was dafür sorgt, dass Mister Miller knallrote Wangen bekommt.
Du hustest unauffällig (oh bitte, man kann nicht unauffällig husten, wenn zwei deiner Studenten gerade ein solches Gespräch geführt haben; jedem Idioten muss klar sein, dass dein Husten ein Versuch ist, zum Thema zurückzukommen) und hoffst, dass Miss Hopkins den Wink versteht. Sie tut es. Langsam dreht sie sich wieder nach vorne, richtet ihre Augen auf ihre Notizen und scheint sich zu sammeln.
„Mister Weasley erzählt außerdem von den Nachwirkungen, die der Krieg auch heute noch auf sein Leben hat", nimmt Miss Hopkins ihre Erläuterungen schließlich wieder auf, „Er spricht davon, dass es manchmal schwierig ist, sich daran zu erinnern, was wirklich geschehen ist und was nicht. Ich stelle mir das unheimlich nervenaufreibend vor, wenn man zwischenzeitlich einfach vergisst, was während des Kriegs passiert ist. Und es muss noch schrecklicher sein, sich hinterher wieder an alles erinnern zu können.
Er hat viel erlebt und ich glaube, dass ihn das sehr geprägt hat. Vermutlich hat der Krieg jeden geprägt, der ihn miterlebt hat. Es geht aus dem Interview nicht hervor, ob Mister Weasley früher einmal ein religiöser Mensch war, fest steht nur, dass er es jetzt scheinbar nicht mehr ist. Er sagt, er glaubt nicht mehr an Himmel oder Hölle, aber ich denke, er glaubt an das Leben und an die Möglichkeiten, die es bietet."
Sie verstummt und rückt sich erneut die Brille zurecht, diesmal ein bisschen fahriger als zu Beginn. Du vermutest, dass sie ein wenig nervös ist, was du zu ihren Überlegungen zu sagen hast. Und natürlich was ihre Kommilitonen wohl denken werden. „Danke", wendest du dich erst kurz an sie und schaust danach offen in die Runde, „Gibt es von Ihrer Seite noch Fragen zu diesem Interview, entweder an mich oder an Miss Hopkins?"
Mister MacLaine hebt die Hand und du signalisiert ihm, dass er ruhig sprechen kann. „Mich würde interessieren, wo Mister Weasley heute lebt", entgegnet er dir, „Ich meine, Sie müssen mir jetzt keine genaue Eulenadresse geben, ich habe mich nur gefragt, ob er nach Kriegsende wieder nach Rumänien zurückgegangen ist oder ob er hier in Großbritannien lebt."
„Natürlich", antwortest du, „Mister Weasley war nach Kriegsende für einige Zeit hier bei seiner Familie, bevor er schließlich nach Rumänien zurückgegangen ist, da er immerhin dort arbeitet. Heute teilt er sich, soweit ich weiß, seine Zeit etwas freier ein, reist viel, besucht Drachenreservate in anderen Ländern und verbringt auch etliche Monate in Großbritannien. Genügt Ihnen diese Information?" Mister MacLaine nickt, während er fleißig mitnotiert und die Augen auf sein Pergament gerichtet hält.
„Weitere Fragen?", möchtest du wissen, erwischst dich jedoch dabei, wie deine Hände bereits das Interview und den Notizzettel beiseite legen. Tatsächlich scheint der Wissensdurst deiner Studenten fürs Erste gestillt zu sein. „Gut", findest du und wirfst nebenbei einen raschen Blick auf die Uhr, „Dann bleiben uns noch zwei Interviews übrig und anschließend hoffentlich Zeit für eine kleine Abschlussdiskussion oder einfach ein Gespräch, ganz wie Sie wollen. Gibt es Freiwillige für die Interviewanalysen?"
Boreas Flynn reckt den Arm in die Höhe und du stürzt dich dankbar auf ihn. „Mister Flynn, nur zu. Suchen Sie sich eines aus", meinst du und wartest neugierig ab. „Ich würde gerne das Zweite besprechen", erklärt er und zieht seine Notizen hervor. „Bitte", gibst du dich einverstanden und hörst lieber zu, was dein Student zu sagen hat, statt dir deine eigenen Unterlagen anzuschauen.
„Bei der Interviewten handelt es sich um Professor McGonagall, ihres Zeichens ehemalige Schulleiterin von Hogwarts und Lehrerin für Verwandlung, sowie Hauslehrerin von Gryffindor", fasst Mister Flynn die gröbsten Eckpunkte zusammen, „Professor McGonagall hat jahrelang unterrichtet und sich dabei, wie sie selbst sagt, stets bemüht, so unparteiisch und unvoreingenommen wie nur möglich zu handeln – wobei ich mir das teilweise durchaus schwierig vorstelle, wenn man eigentlich Vorstand eines bestimmten Hauses ist.
Die Tatsache, dass sie solange als Lehrerin gearbeitet hat, hängt damit zusammen, dass es ihr Spaß macht, Wissen weiterzugeben. Professor McGonagall legt Wert darauf, dass sie dabei keinen Unterschied gemacht hat zwischen reinblütigen Schülern und solchen, die aus Muggelfamilien stammen. Sie macht es selbst recht deutlich, indem sie sagt, dass sie aus eigener Erfahrung berichten kann, dass Talent nicht zwangsweise mit der Herkunft einher gehen muss.
Diese Einstellung widerspricht natürlich allem, was der Dunkle Lord propagieren wollte. Insofern ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich Professor McGonagall früh dem Widerstand gegen den Dunklen Lord angeschlossen hat. Ihre Nähe zu Professor Dumbledore, der den Orden des Phönix gegründet hat, hat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen, genau wie ihr Kontakt zu Alastor Moody, der ja bereits zu Beginn des Ersten Kriegs recht erfolgreich als Auror gearbeitet hat. Vielleicht haben Sie in der Hinsicht noch einige Hintergrundinformationen?", wendet sich dein Student fragend an dich.
Du zuckst ein bisschen mit den Achseln. „Das Wichtigste haben Sie eigentlich bereits gesagt, oder aber es ist im Interview nachzulesen", erwiderst du, „Professor McGonagall hatte zum Zeitpunkt der Gründung des Ordens bereits jahrelang mit Professor Dumbledore zusammengearbeitet, sie kannten sich gut und wussten daher auch recht genau, wie der jeweils Andere zu den Ansichten des Dunklen Lords stand. Da Professor McGonagall also seine Meinung teilte und darüber hinaus eine sehr talentierte Hexe war, scheint es mir nur allzu nachvollziehbar, dass Professor Dumbledore sich darum bemühte, sie für den Orden zu gewinnen."
„Danke", nickt dir Mister Flynn zu und spickt kurz in seine Aufzeichnungen, „Professor McGonagall spricht sehr offen über den damaligen Orden des Phönix und es liest sich beinahe wie eine Art Klassentreffen. Der Orden zählte nicht gerade viele Mitglieder und die wenigen, die er hatte, kannten sich untereinander alle, waren gemeinsam zur Schule gegangen oder hatten sich gegenseitig unterrichtet. Es war also ein eher kleiner, intimer Rahmen, in dem der Widerstand gegen den Dunklen Lord geplant wurde.
Professor McGonagall gibt es selbst zu: der Widerstand war unorganisiert. Die Gruppe war klein und dem Ansturm des Dunklen Lords und seinen Todessern nicht gewachsen, es gab Angriffe und Opfer, meistens auf Seiten des Ordens. Man hatte vielleicht gewusst, dass der Dunkle Lord Schreckliches plante, aber man hatte nicht einmal geahnt, wie viele Anhänger er bereits um sich geschert hatte und zu welchen Mitteln er bereit war zu greifen. Er fürchtete nichts und machte vor keiner noch so grausigen Methode Halt.
Es gab zwar einige Auroren und auch Aurorenanwärter im Orden, doch ist ja bekannt, dass während des Kriegs die Ausbildungszeit verkürzt wurde, weil man das Bedürfnis verspürte, schneller Auroren ausbilden zu wollen. Allerdings glaube ich, dass es einen Unterschied macht, ob ein Auror 19 Jahre alt ist und durch seine Ausbildung gehetzt wurde, immer mit dem Schrecken des Kriegs im Rücken, oder ob er 21 ist und gelassener an die Sache herangehen konnte."
Du nickst ein paar Mal vor dich hin. Er hat Recht. Du weißt, dass seine Argumentation den Auroren und Entscheidungsträgern von damals keinesfalls unbekannt war, aber man entschied sich dafür, lieber schnell junge Auroren auszubilden, als darauf zu warten, dass die Todesser die gesamte Zauberergemeinschaft in Schutt und Asche legen würden.
„Beim zweiten Krieg war das anders. Ich glaube, beide Seiten wussten nun, worauf sie sich einließen. Der Dunkle Lord und seine Methoden waren bekannt und der Orden konnte sich besser vorbereiten. Dazu kam noch die Tatsache, dass auch aus der Bevölkerung mehr Menschen bereit waren, zu helfen und im Orden aktiv zu werden. Heute wissen wir, dass alles gut ausgegangen ist, aber Professor McGonagall erinnert uns und sich selbst daran, dass man davon nicht immer hatte ausgehen können", erklärt Mister Flynn leise.
„Sie scheint nichts vergessen zu haben: weder all die Toten, die sie hat begraben müssen, noch den Schmerz, wenn man wieder einmal hilflos den Jüngeren beim Sterben zusehen musste, noch den Verrat, der durch die Reihen geisterte und bestimmt an mehr Nerven zerrte und rüttelte, als ich mir vorstellen kann. Wie fühlt sich das an, etwas zu erfahren, was die ganze Welt auf den Kopf stellt? Professor McGonagall war die Hauslehrerin von James Potter und Sirius Black. Sie kannte die Beiden, sie wusste, dass sie befreundet waren, und dann hieß es, der Eine hätte den Anderen verraten.
Wie fühlt sich das an, Tag für Tag aufzuwachen und weiterzuatmen, während man weiß, dass seine Schüler tot in der Erde liegen und man rein gar nichts dagegen hatte tun können? Wie fühlt es sich an, wenn man sich immer häufiger fragt, ob man versagt hat, ob es überhaupt noch einen Sinn ergibt, weiterzukämpfen?" Es wird laut im Hörsaal, ein paar deiner Studenten begehren auf, rufen dazwischen und bringen Mister Flynn dazu, abwehrend die Hände zu heben, aber diesmal wartest du nicht ab, ob sich dein Student selbst verteidigen kann, sondern diesmal tust du es sofort.
„Ruhe!", verlangst du mit kühler Stimme, „Setzen Sie sich alle gefälligst wieder hin und seien Sie still. Erweisen Sie Ihrem Kommilitonen den nötigen Respekt und hören Sie zu, wenn er redet. Sollten Sie etwas Sinnvolles beizutragen haben, so würde ich Sie bitten, sich zu melden und zu warten, bis ich Sie aufrufe. Bevor Sie jetzt die Hände heben, möchte ich Ihnen jedoch Eines klar machen: was Mister Flynn gerade gesagt hat, ist auf gar keinen Fall persönlich gegen Professor McGonagall gerichtet. Er hat kluge Fragen gestellt und mit keiner Silbe versucht, Professor McGonagall als Versager darzustellen. Haben Sie das verstanden?"
Du hast das Gefühl, einige deiner Studenten regelrecht in Grund und Boden zu starren, aber schließlich bist du derjenige, der den Kopf noch hoch hält, während sie ihre Blicke senken und die Tische vor ihnen betrachten. „Gut", sagst du leise, „Dann reißen Sie sich in Zukunft ein wenig zusammen und hören Sie auf, derart vorschnelle Schlüsse zu ziehen."
Merlin nochmal. Wie es dich aufregt. Es würde dir nicht im Traum einfallen, Professor McGonagall zu beleidigen und du kannst an Boreas Flynns merklich verwirrtem Blick erkennen, dass ihm überhaupt nicht bewusst ist, woher der Aufruhr seiner Kommilitonen rührte. Du nickst ihm zu und signalisierst ihm somit, seine Analyse weiterzuführen.
„Professor McGonagall ist die Erste, von der wir etwas über den Tod von Albus Dumbledore erfahren", setzt Mister Flynn seinen Gedankengang fort, wenn auch merklich stockender und weniger selbstbewusst als zuvor, „Es blieb ja für einige Zeit ungeklärt, welche konkreten Umstände zu seinem Tod geführt haben. Man wusste in Hogwarts von Harry Potter, dass Severus Snape, seines Zeichens ebenfalls Lehrer an der Schule, den Direktor mit dem Avada Kedavra-Fluch getötet hatte. Mehr wusste man nicht. Und was sollte man davon schon halten?
Die Wahrheit kam erst viel später ans Licht, erneut durch Harry Potter. Und ich kann mir nicht im Geringsten vorstellen, wie furchtbar es für Professor McGonagall gewesen sein muss, erst ein Jahr lang mit ihrem Kollegen zusammenzuarbeiten, dem sie vertraut hatte und der dieses Vertrauen, wie sie glaubte und glauben musste, schamlos ausgenutzt hatte, und anschließend, nach seinem Tod, zu erfahren, dass er Professor Dumbledore immer loyal geblieben ist. Und zu dem Zeitpunkt war es bereits zu spät."
Das Lächeln auf deinen Lippen schmeckt bitter und erzählt von Einsamkeit und Melancholie. Heute wird Severus Snape als Held verehrt und du weißt, dass er das gewesen ist, in gewisser Hinsicht, auch wenn er selbst sich bestimmt niemals so bezeichnet hätte, aber all die posthum verliehenen Orden, all die rührenden Nachrufe machen ihn nicht wieder lebendig und du denkst, dass er sehr einsam gewesen sein muss im letzten Jahr seines Lebens, vielleicht noch einsamer als in all den Jahren davor.
„In der Tat", sagst du leise, „Professor McGonagall gehört, ebenso wie Charlie Weasley, zu denjenigen, die zwei Kriege erlebt und überlebt haben, aber im Gegensatz zu Mister Weasley war sie auch während des Ersten Kriegs alt genug, um ihn höchst bewusst wahrzunehmen und um sogar in ihm zu kämpfen. Lassen Sie alle sich bitte für einen kurzen Moment auf ein Gedankenspiel ein. Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich vor, Sie seien alt und weise und erfahren – egal, wie schwer Ihnen das fallen mag – und stellen Sie sich vor, Sie hätten zwei Drittel Ihres Lebens in Kriegszeiten verbracht."
Du folgst deiner eigenen Anweisung nicht. Stattdessen behältst du die Augen offen und betrachtest deine Studenten, wie sie stumm auf ihren Plätzen sitzen. Manche halten ihre Notizen in verkrampften Händen, manche lehnen sich entspannt zurück, andere haben die Gesichter verzogen und die Stirn in Falten gelegt. Manche sind blass geworden, manche schlucken schwer und merklich. Es ist keine nette, angenehme Vision, die du ihnen anbietest, aber es ist eine, die du für wichtig hältst. Und Medizin schmeckt niemals süß.
„Wie ist das?", fragst du und lässt deinen Blick weiterhin wandern, „Wenn man morgens aufwacht und einfach nur dankbar ist, überhaupt noch am Leben zu sein? Wenn man sich in dieser Sekunde zwischen Schlafen und Aufwachen fragt, ob man all die Schrecken nur geträumt hat? Und wenn einem dann wieder einfällt, dass sie wahr sind? Wie übersteht man den Tag, wenn man ständig damit rechnen muss, angegriffen zu werden? Oder eine Nachricht zu erhalten, dass der beste Freund getötet wurde? Wie übersteht man den Tag und, vor allem: wie übersteht man die Nächte? Allein in seinem Bett, nur mit dunklen Gedanken im Kopf, an denen man sich bestimmt nicht wärmen kann?
Wie fühlt es sich an, um seine Jugend betrogen zu werden, weil jeder nur darauf wartet, dass man endlich alt genug ist, um zu kämpfen? Wie fühlt es sich an, einige Jahre sorglos verbringen zu können, bis der Schrecken plötzlich zurückkommt, schlimmer, gewaltiger, und einen einfach nicht mehr loslässt? Dann besiegt man ihn und man glaubt, es sei vorbei, aber es war nur die Ruhe vor dem Sturm und ehe man sich versieht, hat man sein Leben lang immer nur gekämpft. Ich weiß, dass wir uns hier in dieser Vorlesung hauptsächlich mit Zeitgenössischer Geschichte im engeren Sinne befassen, aber vergessen Sie nicht, dass das 20. Jahrhundert mehr gesehen hat als nur die Zwei Dunklen Kriege. Und vergessen Sie nicht, dass noch Menschen am Leben sind, die das alles miterlebt haben. Minerva McGonagall gehört zu diesen Menschen. Waren Sie sich dessen bewusst? Sie können die Augen wieder öffnen. Und nun brauche ich einen Freiwilligen für das letzte Interview."
Du straffst dich ein bisschen und denkst seufzend, dass das nun vermutlich wieder um einiges altkluger gewirkt hat als du es beabsichtigt hattest. Manchmal kannst du dich dem Dozententonfall einfach nicht verwehren, er bricht über dich herein und nimmt klammheimlich von dir Besitz. Aber immerhin, sagst du dir hastig, ist das hier deine Vorlesung und da hast du jedes Recht, so sehr den Dozenten raushängen zu lassen, wie du willst.
Sämtliche Hände bleiben unten und es herrscht Stille im Saal, abgesehen davon, dass einige Studenten hektisch ihre Notizen ordnen und mit kratzenden Federn etwas auf dem Papier vermerken. Aber niemand meldet sich. Du machst es dir auf deinem Pult bequem und schaust offen in die Runde, doch dein Blick wird nicht gerade häufig erwidert. Du siehst dir das Ganze exakt drei Minuten lang an, bemerkst, wie deine Studenten immer unruhiger werden, und könntest es noch ein wenig in die Länge ziehen, wenn du nicht befürchten würdest, dass du dadurch wertvolle Zeit verlieren könntest.
„Schön", findest du und ziehst deine Augenbrauen hoch, „Keine Freiwilligen? Habe ich Sie mit meinem kleinen Gedankenspiel derart in Ihren Grundfesten erschüttert, dass sich nun niemand in der Lage sieht, ein einfaches Interview zu analysieren? Oder aber ist es Ihnen unangenehm, über Ihren ehemaligen Lehrer zu referieren? Die Wenigsten von Ihnen dürften Professor McGonagall noch in der Schule erlebt haben, doch ich gehe davon aus, dass alle hier, die in Hogwarts waren, auch von Neville Longbottom unterricht wurden. Habe ich da Recht?"
Hier und da nicken ein paar und du seufzst auf. „Gut, meine Damen und Herren. Ich werde niemanden von Ihnen zwingen. Allerdings würde ich mir wünschen, dass Sie diese merkwürdige Scheu demnächst ablegen und-"
„Es hat nicht unbedingt etwas mit Scheu zu tun", wirst du unterbrochen und du kannst nicht anders als Alasdair MacLaine überrascht anzuschauen. „Ach nein?", fragst du zurück und verschränkst die Arme vor dem Oberkörper, „Womit dann? Erklären Sie es mir." Er zuckt die Achseln.
„Ich kann nur für mich sprechen", stellt er fest, „Vielleicht haben die Anderen ja ganz verschiedene Gründe. Es fühlt sich einfach seltsam an, jemanden zu analysieren, den man sieben Jahre lang als Respektsperson wahrgenommen hat und mit dem man irgendwie verbunden war. Und dann, dann liest man in einem Interview oder auch in seinem Buch, wie er die Treffen mit seinen Eltern erlebt hat, wie er jahrelang damit umgehen musste, dass seine Familie dachte, er sei ein Squib, wie seine Leistungen niemals gut genug waren, wie er sich selbst ständig mit Anderen verglich und dabei immer verlor.
Es ist zu – zu intim. Kennen Sie das Gefühl, zu glauben, die eigenen Eltern seien allmächtig? Und plötzlich muss man feststellen, dass sie auch nur Menschen sind, dass sie Fehler machen und Macken haben und alles sind, nur nicht unsterblich und allmächtig? So geht es mir, wenn ich die Texte von Professor Longbottom lese. Ich finde es bewundernswert, was er schreibt, und sehr interessant und aufschlussreich, aber gleichzeitig bin ich froh, dass ich sein Buch nicht gelesen habe, als ich noch zur Schule ging. Ich wüsste nicht, wie ich ihm begegnen sollte."
„Warum?", unterbrichst du ihn und hörst selbst, dass du lauter und gereizter klingst als du es eigentlich wolltest, „Es ist ja nicht so, als hätte Professor Longbottom irgendetwas Peinliches getan, im Gegenteil!"
„Ich weiß!", fällt dir nun wiederum Mister MacLaine ins Wort und seine Augen bitten dich, ihn ausreden zu lassen und du tust ihm den Gefallen, auch wenn es schwer fällt, „Das wollte ich auch gar nicht ausdrücken. Es ist eher so, dass ich jetzt weiß, wie sein Leben abgelaufen ist, seine Kindheit, seine Jugend, sein Erwachsenwerden. Ich weiß, was er alles hinter sich hat und ich weiß, dass er es überstanden hat und das macht einen auf merkwürdige Art und Weise regelrecht demütig.
Ich lese die Texte, sein Interview, sein Buch, und ich frage mich, wie ich diesen Mann, der einen Krieg überlebt, der darin gekämpft, der seine Eltern an etwas Schlimmeres als den Tod verloren hat – wie ich diesen Mann in Hogwarts als stets gut gelaunten, freundlichen, teilweise etwas vergesslichen Kräuterkundeprofessor erleben konnte. Ich frage mich, wie er so unglaublich normal bleiben konnte."
Du musst lachen. „Ich verrate es Ihnen", sagst du und klingst beinahe amüsiert, „Er konnte es, weil er sonst verrückt geworden wäre. Das menschliche Gehirn ist etwas Wundersames. Es gibt Dinge, die sperren wir aus unserem Bewusstsein aus, weil wir sonst von derart vielen Reizen und Sinneseindrücken und Erinnerungen überflutet würden, dass Leben gar nicht mehr möglich wäre. Damit will ich nicht sagen, dass Professor Longbottom verdrängt, was ihm passiert ist. Er hat nur einen Weg gefunden, mit seinen Erinnerungen umzugehen, sie zu behalten und trotzdem ein Leben im Hier und Jetzt zu führen."
Du seufzst erneut, schaust auf deine Uhr und stellst fest „Jetzt haben wir derart viel Zeit darauf verschwendet, zu klären, warum es Ihnen schwer fällt, dieses Interview zu analysieren, dass wir nun keine Zeit mehr haben, die Analyse tatsächlich durchzuführen, wenn wir nicht auf unsere Diskussion am Ende verzichten wollen und das würde ich ungern. Wie sieht's bei Ihnen aus? Eine kleine Rückmeldung bitte: wer lieber das Interview besprechen und auf die Diskussion verzichten will, möge jetzt die Hand heben."
Keine einzige Hand wird erhoben und du kannst dir nicht verkneifen, leise ein „Hätte mich auch gewundert" zu murmeln. Du ordnest deinen Notizzettelberg neben dir auf dem Pult und wendest dich dann deinen Studenten zu. „Gut. Diskutieren Sie. Reden Sie. Fragen Sie. Aber bitte tun Sie etwas." Vereinzelt wird gelacht und du bist froh, dass die seltsame Stimmung langsam verschwindet, die eben noch wie eine düstere Gewitterwolke über dem Saal hing.
Miss O'Connor meldet sich nun und du rufst sie auf, erleichtert darüber, dass jemand den Anfang macht, auch wenn euch sowieso nicht mehr sonderlich viel Zeit bleibt. „Ich hoffe, das klingt jetzt nicht, als würde ich Ihre Herangehensweise kritisieren wollen", beginnt sie vorsichtig und errötet, als mehrere ihrer Kommilitonen laut kichern, „Ich habe mich nur gefragt, weshalb Sie genau diese Interviews ausgewählt haben."
„Haben Sie denn eine Vermutung?", fragst du gelassen zurück, und fügst, als Miss O'Connor nickt, ein „Dann teilen Sie die doch bitte mit mir und ich verrate Ihnen anschließend, ob Sie Recht haben" hinzu.
„Wir haben ja schon häufiger darüber gesprochen, dass es zu einfach ist, die Menschen in Gut und Böse zu unterteilen", meint Miss O'Connor und legt konzentriert ihre Stirn in Falten, „Es gibt immer viele Aspekte, die man beachten muss, und hier ist es ähnlich: es sind Interviews mit den sogenannten Helden, mit Mitgliedern des Ordens des Phönix, mit Widerstandskämpfern, mit solchen, die ihr Leben riskiert haben, um die Zauberergemeinschaft gegen den Dunklen Lord und die Todesser zu verteidigen.
Wir erwarten, dass sie dieses Heldenbild aufrechthalten. Dass sie klug und stark und mutig sind. Wir wollen nicht lesen, dass sie manchmal Angst und Zweifel hatten, dass sie am liebsten verzweifelt wären, wenn sie schon wieder einen Freund begraben mussten, dass sie in der Schule vielleicht untalentiert waren oder selbst mit Vorurteilen im Kopf durchs Leben gegangen sind.
Kurz: wir wollen die Wahrheit nicht wissen. Wir wollen nicht, dass jemand an der Maske kratzt, weil wir befürchten, dass das Gold abblättert und darunter nur jemand zum Vorschein kommt, der uns ähnlich ist, jemand, der auch einmal zweifelt und Angst hat und nachts wach liegt und sich wünscht, dass am nächsten Morgen alles wieder gut ist."
Du lächelst, ein bisschen so wie ein stolzer Vater. „Da haben Sie Ihre Antwort", nickst du ihr zu, „Ich finde es reizlos, mit Ihnen Texte zu besprechen, in denen die Interviewten vorgeben, jemand zu sein, der sie einfach nicht sind. Auch Helden haben Angst. Kennen Sie Ralph Waldo Emerson? Amerikanischer Philosoph, Muggel und deshalb in Zaubererhaushalten wohl nicht allzu häufig zitiert. Wissen Sie, was er zum Thema Helden und Angst zu sagen hatte? Ein Held ist nicht tapferer als jeder Andere, er ist nur fünf Minuten länger tapfer. Denken Sie mal darüber nach. Ich will Ihnen keine Ikonen näherbringen, ich will, dass Sie versuchen, die Menschen zu begreifen, die von Zeitungen viel zu schnell als Helden oder Verbrecher tituliert werden."
Du schielst auf deine Armbanduhr und ärgerst dich, dass dir wieder einmal die Zeit davon gelaufen ist. „Gut", hebst du die Stimme an, „Unsere Zeit ist leider vorbei. Sollten noch Fragen offen geblieben sein, notieren Sie sie sich bitte und stellen Sie sie in der nächsten Sitzung. Ich werde Ihnen das zu bearbeitende Material natürlich wie immer zukommen lassen und würde mir wünschen, dass Sie die Anlagen sorgfältig bearbeiten. Ich weiß, dass für die nächste Woche viel Material zu lesen ist – bitte bemühen Sie sich trotzdem, gut vorbereitet zur Vorlesung zu erscheinen. Und bis dahin: Haben Sie eine schöne Woche. Wir sehen uns nächsten Mittwoch."
Du gleitest von deinem Pult, sammelst deine Notizen wieder ein und schaust zu, wie deine Studenten in kleinen Grüppchen den Hörsaal verlassen. Du drehst dich zum Fenster und starrst nach draußen. Es regnet noch immer. Nicht gerade motivierend und schon gar nicht, wenn du daran denkst, wie viel Arbeit in deinem Büro auf dich wartet. Aber immerhin hast du die Hoffnung, dass der Kaffee jetzt besser schmecken wird als vorher.
tbc.
