Haftungsausschluss: Ich halte weder an irgendwelchen Nazi-Idealen fest, noch bin ich einverstanden mit deren Taten während des 2. Weltkriegs. Diese Geschichte basiert auf den Charakteren in „Schindlers Liste", nicht den echten Personen. Ich beabsichtige nicht, jemanden mit dem Inhalt der Geschichte zu beleidigen.

Übersetzt von der erstaunlichen Aymara!

Es war gerade erst Morgendämmerung, doch die Sonne schien schon hell und das Lager war bereits bei der Arbeit. Amon gähnte und schütze seine Augen vor dem grellen Licht, das vom Balkon her einströmte. Er drehte sich auf die Seite. Majola war nicht da. Er konnte sich vage erinnern, sie die vergangene Nacht weggeschickt zu haben. Sie war es schrecklich gewohnt, zu bekommen, was sie wollte, und würde kaum erfreut sein aus der Villa hinausgeworfen zu werden, wo sie hier doch so viel ihrer Zeit verbrachte.

Amon ging aus dem Bett, sein Kopf pochte etwas. Glücklicherweise war er nie das Opfer von Katern als solche, doch war da immer etwas, dass ihn leicht an seinen übermäßigen Alkoholgenuss erinnerte, wann immer er zu viel trank. Er nahm sich sein Gewehr und ging hinaus auf den Balkon, wie gewöhnlich. Die Häftlinge arbeiteten gerade, sie taten das wahrscheinlich schon eine ganze Weile. Er sah sich nach einem Ziel um, und entschied sich für einen Mann, der sich über einer Kiste zusammenkrümmte, er verzog das Gesicht vor Anspannung und Konzentration. Amon hob das Gewehr zu seiner Schulter und richtete es auf ihn.

Seine Finger zogen fast am Abzug, als er sich dagegen entschied und aus ihm unbekannten Gründen, die Waffe wieder senkte und seufzte, bevor er sie auf sein Bett warf und wieder hinein ging. Er wusch sich schnell, griff nach einem Hemd und stürmte aus seinem Zimmer, bevor er die Tür hinter sich zuschlug. Eines der Dienstmädchen eilte an ihm vorbei. Es war nicht sie. Es war eine der anderen, die in den Baracken mit den restlichen Häftlingen lebte.

Er ging in die Küche, während er nach Lisiek rief. Der Junge erschien bald und schlug die Hacken zusammen.

„Was wünschen Sie, Herr Kommandant?", sagte er kleinlaut.

„Stell mein Pferd bereit." Befahl Amon, und goss sich eine Tasse heißen Kaffee ein, dieser war so bitter, dass Amon zusammenzuckte, als er zu trinken begann. Durch das Fenster konnte er die Gebäude des Emalia-Nebenlagers sehen.

Verdammter Schindler und seine Judenarbeiter. Schindler ... Amon dachte einen Moment nach, bevor er hinüber zu den Kellertreppen schritt und hinunter in den dunklen Raum ging.

Alles war so, wie er es letzte Nacht hinterlassen hatte. Sie war noch da. Sie hatte sich nicht bewegt. Einen schrecklichen Moment lang, dachte er, dass sie tot sein könnte. Nein, er bemerkte erleichtert, wie sich ihre Brust langsam hob und wieder sank, auch wenn ihr Atem selbst während des Schlafes flach und schwer war, außerdem war da getrocknetes Blut an ihrem Nachthemd und auf ihrer Haut.

Das Regal klemmte sie immer noch ein. Amon kniff die Augen zusammen. Weshalb war er überhaupt hier? Das war nicht seine Angelegenheit. Früher oder später würde eine der anderen Bediensteten ihr helfen oder ... Aber sie sah so kaputt aus.

Waren das Schuldgefühle, fragte er sich. Konnte er womöglich Schuld gegenüber einer Jüdin empfinden? Er wusste es nicht. Es war nichts, womit er vertraut war, nichts was er oft erlebte.

Du wirst das bereuen, dachte er sich. Doch gerade, als er sich ermahnte, hatte er bereits entschieden. Er ging hinüber zum Regal und zog es nach oben, sodass es wieder gerade stand. Helene begann sich zu bewegen, als er es von ihr hob und zur Seite schob, während sie schlief. Es schien, als habe sich die heftige Ohnmacht, irgendwann zu Schlaf entwickelt. Ein unruhiger, nervöser Schlaf, doch nichtsdestotrotz Schlaf.

Amon erstarrte. Sie konnte nicht wissen, dass er hier war. Niemand konnte wissen, dass er hier war. Selbst in der Finsternis konnte er die lilanen und grünen Blutergüsse sehen, die auf ihrer blassen Haut entstanden waren. Er hatte das zu verantworten, dachte er. Ihre Haut war fast durchsichtig und selbst im Schlaf, schien ihr Gesichtsausdruck ganz aufgewühlt. Er hob die Gefäße, die im Regal gestanden hatten, vom Boden auf und brachte sie, so gut er konnte, wieder an ihre alten Plätze zurück. Es war nicht so, als wäre er oft hier, um aufzuräumen. In der Tat sah es ihm so unähnlich, dass er fast nicht glauben konnte, dass er es tat.

Er blickte sie gelegentlich flüchtig an, um sicherzugehen, dass sie noch schlief. Er war schnell mit dem Regal fertig und setzte sich auf einen der harten Holzstühle, während er den Raum gründlich inspizierte. Es war wirklich ziemlich elendig hier unten, dachte er. Er fühlte den unvernünftigen Drang, dem Mädchen zu helfen. Aber weshalb? Er hatte bereits genug getan, oder? Er erinnerte sich, den Jungen beauftragt zu haben, sein Pferd bereitzustellen, aber es schien weit entfernt und unwichtig. Es gab nur das Jetzt. Er wusste nicht, wie lange er da gesessen und ihr beim Schlafen zugesehen hatte.

Wenn die Dinge nur anders wären. Er streckte die Hand nach ihr aus, und berührte zögernd ihre Wange. Ihre Haut war weich und die sonst blassen Wangen waren ein wenig gerötet.

Ohne Vorwarnung, riss sie ihre braunen Augen auf und starrte ihm direkt in die seinen, für einen Moment schien sie etwas zu lächeln, bevor das Vergnügen in ihren Augen durch Angst und Schrecken ersetzt wurde. Amon sprang vom Stuhl auf, zog seine Hand weg, sprach kein Wort und stieg schnell die Stufen, die aus dem Keller führten, hinauf. Seine widersprüchlichen Gefühle kämpften eine irrationale Schlacht in seinem Kopf.

Als er einmal gegangen war, setzte Helene sich auf und rieb sich die Augen, zwar nicht mehr beängstigt, doch zutiefst verwirrt. Sie blickte zur Uhr an der Wand. Es war fast neun Uhr, lange nach der Zeit, zu welcher sonst von ihr erwartet wurde, aufgestanden zu sein und zu arbeiten. Sie wurde sich eines dumpfen Schmerzes am ganzen Körper bewusst, und sie japste, als sie die Blutergüsse und das Blut überall auf ihr sah.

Sie rief sich die Geschehnisse der vergangenen Nacht in Erinnerung und runzelte die Stirn, als sie sah, dass das Regal am üblichen Platz stand, und der Inhalt mehr oder weniger an der richtigen Stelle. Er konnte es nicht von ihr gehoben haben, oder?

Warum sollte er zurückkommen? Warum sollte es ihn überhaupt interessieren? Warum wachte sie auf, um festzustellen, dass er sie ansah, sie anfasste, nach seinem Wutausbruch in der vergangenen Nacht? Und warum, über alles, hatte sie es nicht bemerkt?

Helene stand von der Matratze auf, wusch sich schnell, zog ihre Arbeitskleidung an, und weichte ihr blutbeflecktes Nachthemd ein, bevor sie sich die Haare machte und die Letzten Dinge wieder zurück an ihren Platz brachte.

Sie schob ihre Rückkehr ins Haupthaus auf. Sie wollte ihn nicht sehen, wollte die unangenehme Mischung aus Angst und Hilflosigkeit, die sie überkam, wann auch immer sie in seiner Nähe war, nicht fühlen. Doch daran lies sich nichts ändern. Sie strich ihr Kleid glatt und stieg die Treppe ins Haus hinauf.

Sie ging in die Küche. Glücklicherweise war er nicht in der Nähe. Sie sah Lisiek hineinkommen, welcher völlig schockiert wirkte, als er sie sah. „Um Gottes willen, Helene, was ist mit dir passiert?"

Helene zog, bei seinem besorgten Ton die Augenbraue hoch. „Was?" Sie nahm einen Lappen und begann die Teller abzuwischen, die aufeinandergestapelt am Spülbecken standen.

„Dein Gesicht!" stieß Lisiek hervor. Helene drehte sich um und erblickte ihr Spiegelbild in einer Glasvitrine.

„Oh!", sagte sie. Sie sah einen dunklen Bluterguss, der die eine Seite ihres Gesichts bedeckte. Er stammte unmissverständlich von einer wurde ganz rot.

„Das ist gar nichts, Lisiek." Sie verstand es zwar selbst nicht ganz, doch sie wollte ihm nicht erzählen, was der Kommandant getan hatte.

„Das war er, oder? Er hat dich wieder geschlagen." sagte Lisiek wütend. Er war wirklich wie ein Bruder für sie.

„Das ist nicht wichtig. Hast du denn nichts zu tun?" antwortete Helene, während sie hartnäckige Essensreste von einem Porzellanteller zu schrubbte.

„Er war es, stimmts?" beharrte Lisiek. „Er ist ein grauenvoller Mensch ..."

„Lisiek, hör auf!"

„Warum verteidigst du ihn?", fragte Lisiek entrüstet.

„Man wird dich noch hören.", warnte Helene ihn.

„Jeder würde denken, dass du tatsächlich magst." Lisiek runzelte die Stirn. „Und du sieht schrecklich aus."

„Danke, Lisiek. Und sei nicht lächerlich. Wir haben es hier besser, als die meisten anderen, weißt du."

„Oh, ja. Wir arbeiten für einen gewalttätigen, mordenden Frauenschläger. Wir Glückspilze." Lisiek verdrehte die Augen. Helene schlug kräftig mit dem Lappen nach ihm.

„Halt den Mund, Lisiek. Geh und tu etwas Nützliches."

„Ich musste sein Pferd vorbereiten. Schon vor Stunden. Ich weiß nicht, was er gemacht hat, aber ich denke er ist jetzt weg. Und heute Morgen wurde niemand erschossen. Bis jetzt."

Helen drehte sich weg, sodass er ihren Gesichtsausdruck nicht sehen konnte. „Wirklich?", fragte sie, und versuchte, möglichst gleichgültig zu klingen. Sie wusch den Lappen, lies ihn ins Spülbecken fallen und trocknete die Hände an ihrem Kleid ab.

„Oh. Da ist er." Lisiek zeigte aus dem Fenster. Helene sah hinaus und sprang auf, als sie den Kommandanten durch den Garten reiten sah.

Lisiek sah sie fragend an. „Was denn?", fragte sie irritiert.

„Nervös heute?", fragte er.

„Wer denn nicht, an meiner Stelle?", antwortete Helene.

Lisiek verließ die Küche und Helene stand am Fenster und beobachtete die Häftlinge draußen. Es war wahr, sie hatte Glück, verglichen mit dem Rest. Er hatte recht gehabt, als er sagte, dass sie von der Knochenarbeit im Lager wegkommen würde. Ihre Arbeit war gelegentlich ermüdend, doch nie schmerzhaft oder zu hart. Nein, es war nur die Art, wie sie behandelt wurde, die man so bezeichnen konnte. Aber tatsächlich war sie genauso sehr Gefangene wie alle anderen auch.

Sie schreckte bei dem hellen Licht, das durch das Fenster hinein schien, zusammen, als das Sonnenlicht ihr in die Augen leuchtete. Sie konnte sich nicht dazu bringen, sich zu bewegen. Dann hörte sie jemandem von irgendwoher im Haus rufen.

„Lena! Bring den Kaffee!" Es war er. Schnell füllte sie die Kaffeekanne auf, während sie den Drang unterdrückte, die Augen bei dem Spitznamen zu verdrehen. Sie stellte die Kanne auf ein Tablett mit etwas Zucker und ein paar Tassen. Sie trug es vorsichtig aus der Küche. Sie wusste nicht einmal, wo er war.

Sie schaute um den Türrahmen herum und entdeckte Göth, der ganz in Uniform auf einem Sessel gegenüber von Schindler saß. Sie schienen in eine Diskussion vertieft zu sein.

Sie ging hinüber zu ihnen und stellte das Tablett auf den nächstgelegenen Tisch, bevor sie gehen wollte. Sie konnte den Blick des Kommandanten auf sich spüren, doch sie sah nicht auf, sondern begann nur sich wieder auf den Weg in Richtung der Türe zu machen.

„Lena?" Sie blieb abrupt stehen, wandte sich ihm zu und sah ihn fragend an. „Danke.", sagte er ruhig, ohne sie anzusehen. Er fuchtelte mit einer Hand, um ihr klarzumachen, dass sie gehen konnte und sie nickte, bevor sie den Raum schnell verließ. Als sie ging, konnte sie aus dem Augenwinkel sehen, wie Schindler sie mit einem leicht entsetzten Ausdruck ansah. Er blickte mit zusammengekniffenen Augen auf den Bluterguss in ihrem Gesicht.

Sie hörte Schindler sprechen und blieb kurz vor der Türe stehen, als sie ihren Namen hörte. Sie konnte nicht alles hören, was sie sagten.

„... Helene ... ihr Gesicht, Amon!", sagte Schindler. Der Kommandant räusperte sich.

„... über sie sprechen ... schon wieder ..."

„... lügen ... wird nichts lösen ..."

„ES REICHT!" das Letzte wurde voller Wut von Göth gesagt, der unerwartet aus dem Raum Schritt und sie anrempelte, da er sie nicht sah, wodurch sie von ihm gegen einen Schrank gestoßen wurde.

Sie verlor den Halt, versuchte sich am Schrank festzuhalten, um sich wieder zu fangen, doch schaffte das nicht und fiel rückwärts. Amon reagierte instinktiv und griff sie an der Taille, damit sie nicht weiter fiel, mit der anderen hielt er sie am Arm. Sie hielt sich an ihm fest, um ihr Gleichgewicht zu zurückzugewinnen, bevor sie sich ertappte und schwer atmend zu Seite treten wollte.

Er ließ nicht los. Er schien ebenfalls etwas nervös. „Entschuldigung. Achtlos von mir", sagte er. Doch er bewegte sich immer noch nicht von ihr weg. Helene war sich seiner Hände auf ihr überaus bewusst, seines Körpers so dicht an ihrem, seines Gesichts so nahe an ihrem. Sie bewegten sich nicht, erstarrt, bis Helene hörte, wie jemand sich räusperte.

Göth drehte sich augenblicklich um, um Schindler zu sehen, der sich an die Tür lehnte, eine Zigarette und dabei ein amüsiertes Flackern in den Augen hatte. „Ich gehe jetzt. Denken Sie darüber nach, Amon. Ich finde selbst hinaus." Er ging langsam hinüber zur Türe, holte sich dabei seinen Hut und Mantel, bevor er schmunzelnd das Haus verließ. Die Tür schloss sich mit einem Klicken hinter ihm, bevor der Kommandant überhaupt reagieren konnte.

Dieses Mal war es Helene, die sich räusperte. Göth schien sich langsam bewusst zu werden, was er gerade tat und entfernte seinen Arm von ihrer Taille. Verlegen murmelte Helene eine Entschuldigung und eilte mit glühendem Gesicht davon, hinunter in die Küche.

Als er sie beim gehen beobachtete, rüttelte Amon sich innerlich selbst. Was tat er da, um Gottes willen? Und Gott wusste, was Schindler jetzt denken würde ... In so einer Pose mit einem Dienstmädchen gesehen zu werden, einem jüdischen Dienstmädchen, so unschuldig die Situation auch gewesen sein mag, war inakzeptabel. Er hätte ihr nicht helfen sollen. Er hätte sie einfach sich selbst überlassen sollen.

Oskar Schindler ist wirklich unerträglich, dachte er. Er hatte das verursacht! Ich habe mich bei ihr entschuldigt, dachte Amon. Als ob sie von Bedeutung wäre, als ob er schuld wäre. Na ja, er nahm an, dass er das gewesen war, wirklich.

Er hatte nicht berücksichtigt was er da tat, hatte sich nur bemüht sie zu beschützen. Selbst seine Instinkte verrieten ihn jetzt. Er machte auf dem Absatz kehrt und schritt durch die Türe in Richtung des Hauptlagers.

Genug von dieser Albernheit, dachte Amon, als er weiter ins Lager lief und alle Gedanken an Schindler, Gefühle, und jüdische Dienstmädchen aus seinem Kopf verbannte.

Ich hoffe das war in Ordnung! Bitte sagt mir eure Meinung!

x Bea