Broken
Kapitel 15
Halloween
Ginny und Pansy gingen im späteren Verlauf des Abends zur Halloweenfeier. Zuerst wollte Ginny nicht gehen, nach dem, was mit Harry und Ron zuvor in Hogsmeade geschehen war. Sie wusste, dass sie sie ständig im Auge behalten würden. Aber Pansy konnte sie überreden. Nun lief sie in einem Engelskostüm den Gang entlang und kam sich wie der größte Trottel auf Erden vor.
"Warum müssen Kostüme eigentlich Pflicht sein?", zickte sie Pansy an.
Pansy verdrehte die Augen. "Weil Halloween ist! Beeil dich, sonst kommen wir noch zu spät", sagte sie und beschleunigte ihren Schritt.
"Es ist ja nicht so, als würden sie uns nicht hinein lassen, wenn wir zu spät kommen", sagte Ginny und verdrehte ebenfalls die Augen. "Leider", murmelte sie leise.
"Das habe ich gehört!", rief Pansy, die schon etwas weiter vorne lief.
"Gut! Bedeutet das, ich kann heute in meinem Schlafsaal bleiben?", schrie Ginny und lief los, um zu Pansy aufzuschließen.
"Nein!", rief Pansy. Sie wartete, bis Ginny zu ihr gelaufen war. "Schau, ich weiß, dass ein Teil von dir dorthin gehen will", sagte Pansy mit einem kleinen Grinsen. Ginny öffnete ihren Mund, um zu protestieren, aber Pansy unterbrach sie. "Auch wenn das nur sein sehr kleiner Teil ist. Glaubst du wirklich, ich würde dich zwingen, wenn du wirklich nicht gehen wollen würdest?", fragte Pansy.
"Nein", sagte Ginny mürrisch.
"Gut, also komm jetzt!"
"Du weißt, ich bin der Meinung, dass du dein Talent zu sehr zu deinem Vorteil nutzt", meinte Ginny, als sie gerade die Gänge verließen, die zu Pansys Zimmer führten.
"Ich wäre nicht in Slytherin, wenn ich nicht so wäre", sagte Pansy mit einem Grinsen. Sie betraten die große Halle und fanden Blaise und Draco sofort.
"Da seid ihr ja! Ich dachte, ihr würdet vor uns hier sein", sagte Blaise mit einem Grinsen.
"Ja, tja, irgendjemand hat herumgezickt und nicht schneller gemacht", sagte Pansy und warf dabei Ginny einen bösen Blick zu.
"Komm schon, behandelt man so seine liebste Gryffindor?", fragte Blaise mit einem Augenzwinkern.
"Wenn sie nicht sofort mit dem Herumzicken aufhört, muss ich mir eine andere Gryffindor suchen", sagte Pansy mit einem bösen Grinsen.
"Du hörst dich langsam so an wie Draco und ich. Und wenn alle in unserer Gruppe so miteinander streiten, wird das irgendwann nicht mehr funkionieren", sagte Blaise überraschend ernst.
"Ja, du hast Recht", sagte Ginny mit einem Seufzen.
"Ich weiß, dass ich Recht habe. Wenn ihr Mädels zu streiten beginnt, würdn Draco und ich nicht mehr die ganze Aufmerksamkeit bekommen", sagte Blaise mit einem Grinsen.
"Sprich für dich selbst, Blaise", schnarrte Draco, als er zu ihnen kam.
"Aber immer doch."
"Können wir tanzen?", fragte Pansy und blickte in die Runde.
"Geht ihr Leute nur. Ich bleibe sitzen", sagte Ginny und ging zu einem nahe gelegenen Tisch.
"Ja, ich gehe auch nicht tanzen", sagte Draco und ging ebenfalls davon. Pansy und Blaise zuckten bloß mit den Schultern und gingen auf die Tanzfläche zu. Draco ging hinüber zu dem Tisch, an dem Ginny saß, und ließ sich ihr gegenüber nieder.
"Hey", sagte Ginny gedankenverloren.
"Hey, tut mir Leid wegen vorhin", sagte Draco.
"Du meinst, als du aufgestanden bist und losziehen wolltest, um Harry umzubringen?", sagte Ginny mit einem kleinen Grinsen.
"Ja, das. Warum lässt du uns nicht?"
"Du kennst die Antwort."
"Nein. Ich weiß, dass da noch mehr ist."
"Warum sollte ich mich auf deren Level herab lassen?", sagte Ginny, nachdem sie endlich den Kopf gedreht hatte, um ihn anzusehen. Draco sagte gar nichts. Er sah aus, als würden ihm die Worte fehlen. Dies musste eine Premiere sein, dachte Ginny, ein sprachloser Draco. "Als was bist du eigentlich verkleidet?", fragte Ginny nach einem Augenblick der Stille. Sie nahm erst jetzt wahr, dass Draco seine Schuluniform trug.
"Ich bin ein Hogwarts Schüler", sagte Draco mit einem Grinsen.
"Was?" Ginny schrie beinahe. "Ich wusste nicht, dass man das machen kann!", beschwerte sie sich und blickte ihr Engelskostüm hinab. Sie hätte nie zulassen sollen, dass Pansy das Kostüm aussuchte.
"Aber weiß steht dir gut", sagte Draco und grinste dabei immer noch.
"Pansy hat es ausgesucht. Ich hasse es", sagte Ginny mürrisch. Draco lächelte und zog seinen Zauberstab hervor. Mit einer trägen Bewegung verschwand Ginnys Engelskostüm und sie hatte wieder ihre Schuluniform an.
"Danke. So fühle ich mich definitiv wieder mehr wie ich selbst", sagte Ginny mit einem Lächeln.
"Oh, du bist nicht du selbst", sagte Draco mit einem bösen Lächeln.
"Was? Was hast du getan?", fragte Ginny mit gefährlichem Tonfall.
"Ich hab nur ein paar Dinge verändert. Sieh dir deine Uniform genauer an", sagte Draco. Ginny sah an sich hinab und sah, dass sie eine Slytherin Uniform trug. "Die steht dir besser als die der Gryffindors", sagte Draco.
"Wirklich? Gibt es sonst keinen Grund, warum du beschlossen hast, mich für eine Nacht lang nach Slytherin zu schicken?", fragte Ginny und zog ihren Zauberstab unter dem Tisch hervor.
"Tja, die Professoren regen sich schon auf, wenn du einfach deine Uniform trägst. Darum bin ich als Ravenclaw hierher gekommen", erklärte Draco. Ginny nickte bloß und schwang ihren Zauberstab genauso träge wie Draco zuvor. Sie führte kleine Veränderungen an seiner Uniform durch.
"Wenn ich eine Nacht lang eine Slytherin sein musst, musst du dafür in Gryffindor sein", sagte sie mit einem Grinsen. Draco versuchte, die Zauberei wieder zurück zu verwandeln, aber es klappte nicht. "Es lässt erst in zwölf Stunden wieder nach", erklärte Ginny.
"Da siehst du, warum du nach Slytherin hättest kommen sollen", sagte Draco.
"Nein, ich bin nicht mal ansatzweise so böse wie du, Pansy und Blaise."
"Aber nah dran."
Die beiden saßen einfach ein paar Minuten lang da und sahen den anderen Paaren beim Tanzen zu. Ginny wollte auch gern tanzen, aber sie wusste, dass Draco sie niemals fragen würde. Sie machte es sich also am Tisch bequem. Sie blickte hinüber zu Pansy und Blaise und merkte, dass ihre Kostüme einander ergänzten.
"Hatten Pansy und Blaise von Anfang an vor, in einander ergänzenden Kostümen zu kommen?", fragte Ginny Draco. Draco sah hinüber zu dem Pärchen und lachte. Pansy war als Prinzessin verkleidet und Blaise als Ritter.
"Ich weiß nicht. Sieht ganz so aus."
"Eigentlich sehen alle Pärchen so aus, als würden sie einander ergänzen", sagte Ginny, die ihren Blick gerade über die Tanzfläche schweifen ließ. Sie sah Kostüme wie zum Beispiel Engel und Teufel und König und Königin. Einige der Schüler gingen sogar als Professoren. Sie sah Dumbledore und McGonagall, und daneben tanzten Professor Snape und Madam Pomfrey.
"Irgendwas stimmt nicht mit dieser Schule", sagte Draco, als ihm ebenfalls die zusammengehörenden Pärchen auffielen. Ginny blickte zu ihm hinüber und begann zu lachen. "Was?", fragte Draco und blickte sich um, um herauszufinden, was sie wohl so witzig finden könnte.
"Du und ich", sagte Ginny immer noch lachend.
"Was ist mit uns?", fragte Draco.
"Wir passen zusammen", sagte Ginny und deutete auf Dracos Kleidung. Draco blickte zuerst an sich selbst, dann an Ginny hinunter. Er sah, dass sie Recht hatte. Auf eine seltsame Art passten sie zusammen. "Der einzige Unterschied ist, dass wir kein Paar sind", sagte Ginny und ihr Lachen verschwand.
"Nein, aber manche Leute glauben das anscheinend", sagte Draco und deutete mit dem Kopf in Richtung einer Gruppe Hufflepuff-Mädchen, die ihnen komische Blicke zuwarfen. "Vielleicht sollten wir ihnen etwas vorzeigen, damit sie einen Grund zum Gaffen haben", sagte Draco mit einem bösen Grinsen.
"Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, du flirtest gerade mit mir, Draco Malfoy", sagte Ginny und grinste ebenfalls. Sie rutschte näher zu Draco, er legte seinen Arm um sie und zog sie noch näher zu sich heran.
"Malfoys flirten nicht", flüsterte er Ginny ins Ohr.
"Echt nicht? Ich glaube schon. Du machst es jetzt nämlich gerade, und zwar sehr gut", flüsterte Ginny zurück.
"Nein, wir brauchen nicht flirten", flüsterte Draco heiser.
"Aber wenn du nicht flirtest, wie machst du das dann, dass das Mädchen mehr will?", fragte Ginny. Sie zwang sich, seinen heiseren Tonfall und seinen heißen Atem an ihrem Hals zu ignorieren.
"Einfach so", sagte Draco. Er lehnte sich ein wenig zurück und grinste Ginny an. Ginny weigerte sich, zu zeigen, wie sehr sie auf Draco reagierte. Stattdessen grinste sie und sah zu der Gruppe Mädchen hinüber, die jetzt wie blöde kicherten.
"Sieht so aus, als hätte es funktioniert", sagte Ginny und wandte sich zurück zu Draco. Draco runzelte die Stirn und nickte. "Stimmt was nicht?", fragte Ginny unschuldig.
"Es ist nichts. Willst du etwas zu trinken?", fragte Draco und setzte seine Maske wieder auf.
"Sicher, wenn du es mir schon anbietest", sagte Ginny mit einem Schulterzucken.
Draco nickte und stand von seinem Platz auf. Sobald er Ginny seinen Rücken zugewandt hatte, starrte diese ihn an und stieß ein Seufzen aus. Das sollte alles nicht so laufen. Sie sollte Malfoy nicht gern haben, sie sollte entweder ganz allein oben in ihrem Schlafzimmer sitzen oder bei Harry und Ron sein. Aber willst du, dass alles wieder normal ist?, fragte sie ihr Unterbewusstsein. Ginny schüttelte leicht den Kopf. Es gefiel ihr, dass die Dinge nun anders waren, es gefiel ihr, Menschen zu haben, mit denen sie darüber reden konnte, was vor sich ging. Menschen zu haben, die für sie einstanden. Pansy kam kurz daraufhin zu ihr.
"Hey, warum tanzt du nicht mit Draco?", fragte sie ein wenig außer Atem.
"Draco hat mich nicht gefragt", antwortete Ginny mit einem Schulterzucken.
"Dann frag du ihn."
"Irgendwoher weiß ich, dass Malfoys nicht tanzen", sagte Ginny mit einem schwachen Lächeln.
"Er würde mit dir tanzen, wenn du ihn nur fragen würdest", sagte Pansy mit einem Stirnrunzeln.
"Daran zweifle ich nicht. Aber ich will nicht, dass er etwas tut, was er eigentlich nicht machen will", sagte Ginny und blickte hinüber zu Draco. Er unterhielt sich am Getränketisch mit Blaise.
"Also wirst du bloß die ganze Nacht lang hier herumsitzen?", fragte Pansy mit einer erhobenen Augenbraue.
"Ich schätze schon", sagte Ginny und sah noch immer zu Draco. Pansy seufzte und schüttelte traurig den Kopf. Ginny hatte es verdient, etwas Spaß zu haben, und Draco musste lernen, wie man sich einer anderen Person öffnete. Er musste sich auch klar machen, dass er nicht sein Vater war und auch nicht versuchen musste, so zu sein wie er. Pansy sah hinüber zu Blaise und Draco und schenkte Blaise ein kleines Nicken.
Draco und Blaise standen am Getränketisch und unterhielten sich über die Pärchen und die jeweiligen Kostüme. Tja, Blaise war derjenige, der plapperte. Draco blickte sich bloß auf der Tanzfläche um. Ein paar Mal fiel sein Blick auf Ginny. Sie sah so traurig aus, dass Draco nicht wusste, ob sie gehen wollte oder einfach nur gelangweilt war.
"Du solltest sie fragen, ob sie mit dir tanzen möchte", sagte Blaise, als er merkte, wohin Draco gerade blickte.
"Ich tanze nicht", sagte Draco, ohne zurück zu Blaise zu gucken.
"Komm schon, alle tanzen", sagte Blaise mit einem Grinsen.
"Malfoys tanzen nicht."
"Yeah, aber Malfoys verlieben sich auch nicht in Weasleys", wies Blaise ihn darauf hin. Dracos Kopf drehte sich abrupt zurück zu Blaise und er starrte ihn böse an.
"Ich liebe Ginny nicht", sagte er knapp.
"Vielleicht noch nicht, aber du magst sie sehr", sagte Blaise mit einem Augenzwinkern.
"Stimmt nicht", log er.
"Stimmt sehr wohl, wir können es alle sehen, sogar Ginny kann es sehen", sagte Blaise und verdrehte die Augen. Draco erwiderte nichts. Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder Ginny zu. Wusste sie, dass er sie mochte? War es wirklich so offensichtlich? "Frag sie, ob sie mit dir tanzen will. Es sieht so aus, als ginge es ihr nicht gut", sagte Blaise und riss Draco aus seinen trüben Gedanken.
"Ich mag Ginny nicht", sagte Draco. Blaise schob ihn langsam in Ginnys Richtung.
"Ja klar. Und jetzt geh und frag sie, ob sie mit dir tanzen will", sagte Blaise und schob Draco weiter an. Er lächelte, als er merkte, dass Draco sich nicht umdrehte und ihn zu schlagen begann. Nach einem Augenblick sah er hinüber zu Pansy und nickte in Richtung Tanzfläche.
Pansy und Ginny saßen in Stille nebeneinander. Ginny sah hinüber zu den anderen Pärchen und Pansy beobachtete Draco und Blaise. Sie hoffte, dass Blaise nichts sagte, was Draco dazu bringen würde, die Feier zu verlassen. Nach ein paar MInuten sah sie, wie Blaise Draco in Ginnys Richtung schob. Sie beobachtete ein wenig überrascht, dass Draco weiter auf sie zu lief, anstatt sich zu Blaise umzudrehen. Sie sah zurück zu Blaise und lächelte. Blaise nickte in Richtung Tanzfläche und Pansy stand auf.
"Ich gehe tanzen", sagte Pansy zu Ginny. Ginny sah zu ihr und nickte. "Du weißt schon, obwohl Draco dich nicht fragt, ob du mit ihm tanzen willst, kannst du jederzeit mit mir und Blaise tanzen", sagte sie mit einem Lächeln.
"Ich weiß. Geh los und hab Spaß", sagte Ginny mit einem überzeugenden Lächeln, das Pansy ihr aber nicht abkaufte. Sie ging allerdings los.
"Ich bleibe hier einfach die ganze Nacht lang sitzen", murmelte Ginny leise, sobald Pansy außer Hörweite war. Draco kam eine Minute später mit einem Drink für sich und Ginny zurück.
"Danke", sagte Ginny und nahm ihr Getränk. Sie blickte weiterhin auf die tanzenden Pärchen und trug einen abwesenden Ausdruck im Gesicht.
"Du siehst aus, als ginge es dir nicht gerade gut", meinte Draco.
"Nicht wirklich. Eigentlich war ich mir von Anfang an nicht sicher, ob ich überhaupt hierher kommen wollte. Pansy hat mich überredet", erklärte Ginny.
Draco fixierte Ginny mit seinem Blick. Ihm wurde klar, worüber Blaise gesprochen hatte. Sie sah total gelangweilt aus. Er öffnete seinen Mund ein paar Mal, weil er sie fragen wollte, ob sie gerne mit ihm tanzen würde, aber er brachte kein Wort hervor. Eigentlich sollte das nicht so schwer sein, dachte er nach ein paar weiteren fehlgeschlagenen Versuchen.
"Äh, Ginny?", sagte Draco nach ein paar Minuten.
"Mhh?", meinte Ginny und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder Draco zu.
"Willst du tanzen?", fragte Draco. Seine Stimme hörte sich viel ruhiger an, als ihm zumute war.
"Sicher", sagte Ginny. Draco konnte sagen, dass sie froh und aufgeregt deswegen war, obwohl sie versuchte, es so darzustellen, als wäre es ihr egal. Mit einem kleinen Lächeln stand er auf und bot Ginny seine Hand an. "Ich hätte nicht gedacht, dass Malfoys tanzen", sagte Ginny, während sie zur Tanzfläche gingen.
"Wir tanzen auch nicht", sagte Draco einfach.
"Du tust es aber", meinte Ginny und lehnte ihren Kopf an seine Brust, da die Musik gerade zu einem langsamen Song wechselte.
"Tja, ich bin nicht wie mein Vater", sagte Draco etwas kühler, als er es beabsichtigt hätte.
Ginny blickte mit großen Augen zu ihm hoch. "Ich habe nie gesagt, dass du wie er wärst", sagte sie mit zittriger Stimme.
"Ich weiß. Es tut mir Leid", sagte Draco mit einem Lächeln. Ginny lehnte sich zurück an seine Brust und er hielt sie fest.
"Ich frage mich, was Harry und Ron nach der heutigen Nacht sagen werden", sagte Ginny, sobald ihr auffiel, dass die beiden sie böse anstarrten.
"Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich nicht zulassen werde, dass sie dich anrühren. Aber du lässt mich ja nicht einschreiten", sagte Draco und starrte das goldene Trio böse an.
"Du weißt doch warum", sagte Ginny dickköpfig.
"Ich weiß", sagte Draco einfach und küsste sie auf die Stirn. Er war an solch eine liebevolle Berührung nicht gewöhnt. Dies schockierte ihn und bereitete ihm Sorgen.
Er dachte, er könnte vielleicht wieder verweichlicht werden, und erinnerte sich daran, dass sein Vater immer gesagt hatte, wie schwach Menschen wären, die an Liebe glaubten. Er musste sich in Erinnerung rufen, dass er nicht wie sein Vater war. Der Song endete, ohne dass Draco es bemerkte. Er bewegte sich weiter mit ihr in seinen Armen.
"Ich schätze, wir bleiben noch einen Song lang?", fragte Ginny mit einem Lächeln und blickte hoch zu ihm.
"Wenn du willst." Draco zuckte die Schultern.
"Ja."
Draco sah hinab auf ihr Gesicht, als sie sprach. Sie hörte sich nicht so verzweifelt an wie die meisten anderen Mädchen. Sie hörte sich an, als hätte sie hier wirklich eine schöne Zeit mit ihm. Sie unterbrachen den Blickkontakt nie, aber sie sprachen auch kein Wort miteinander.
Langsam spürte Draco wieder diese Anziehungskraft, und er wusste, dass er es nicht schaffen würde, sich zu bremsen. Er wollte sie schon küssen, seit sie einander vorhin ins Ohr geflüstert hatten. Aber nun kam es ihm vor, wenn er sie nicht gleich küssen würde, würde er sie nie wieder küssen können.
Er sah ihr tief in die Augen, als ob er die Antwort auf diese Frage darin lesen könnte. Sie sah nicht so aus, als würde sie sich weg bewegen wollen, aber er konnte auch nicht genau sagen, ob sie wohl wieder vor ihm zurückschrecken würde. Er gab ihr für das letzte Mal keine Schuld, er wusse, warum sie das getan hatte. Er hätte wissen müssen, dass es nicht richtig war. Er nützte seine Chance, beugte seinen Kopf nach vorne und berührte ihre Lippen mit seinen eigenen. Sie zog sich diesmal nicht zurück. Eigentlich vertiefte sie den Kuss noch ein wenig.
Bald kamen sie auf der Tanzfläche zum Stehen und küssten einander nur. Ginny fühlte sich, als wäre die Welt um sie herum verblasst. Sie wollte nie wieder aufhören, Draco zu küssen. Draco begann, sie ein wenig intensiver zu küssen, und Ginny stieß ein kaum hörbares Stöhnen aus. Draco hörte sie aber und musste um seine Beherrschung kämpfen, um nicht weiter zu gehen. Eine Minute später strich Ginnys Zunge über Dracos Unterlippe und er gewährte ihr dankbar Einlass. Seine Hände strichen langsam über ihren Rücken und Draco spürte ebenfalls, wie die Welt dahinschmolz. Er wusste, dass Ginny sich in dem Kuss verloren hatte und dass er einen kühlen Kopf bewahren musste, um nicht zu weit zu gehen. Schließlich ließ er von ihr ab und knabberte zuvor noch kurz an ihrer Unterlippe.
Ginny seufzte leicht genervt auf und lehnte sich wieder an seine Brust, damit sie weitertanzen konnten. Sie hatten nicht bemerkt, dass die meisten Pärchen auf der Tanzfläche stehen geblieben waren, um zu beobachten, wie Draco Ginny in aller Öffentlichkeit solche Zuneigung zeigte. Er konnte kaum glauben, dass er Ginny gerade so in aller Öffentlichkeit geküsst hatte, aber es war ihm momentan egal. Er gab ihr einen Kuss auf den Scheitel und machte sich keine Sorgen, dass er als Malfoy eine Weasley mochte. Harry und Ron waren im Moment nicht wichtig, und er wollte nicht einmal stehen bleiben und nachdenken, was das für ihn und Ginny zu bedeuten hatte. Er würde nicht zulassen, dass seine Gedankenwelt darüber nachdachte, ob der Kuss bedeutete, dass sie jetzt zusammen waren oder ob es rein ein Kuss gewesen war. Alles, was ihm momentan wichtig war, war dass er Ginny in seinen Armen halten konnte. Nichts anderes auf der Welt zählte, solang sie gemeinsam auf der Tanzfläche waren.
