Broken
Kapitel 22
Der Plan der Zwillinge
Am heiligen Abend saßen Draco, Pansy, Blaise und Ginny alle zusammen in Pansys Zimmer und überlegten, was sie wegen dem Weihnachtsfest am nächsten Tag tun sollten. Draco weigerte sich einfach hinzugehen. Blaise war dafür umso begeisterter hinzugehen und Ginny und Pansy war es eigentlich egal. Pansy war langsam ziemlich gelangweilt, weil sie den ganzen Tag und die ganze Nacht in ihren Räumlichkeiten verbrachte, und es hätte sie nicht gestört, eine Nacht anderswo zu verbringen, aber sie wollte diesen Abend auch nicht unbedingt bei den Lehrern verbringen. Ginny wusste, dass nur drei oder vier andere Schüler über Weihnachten hier bleiben würden, daher war es ihr egal, ob sie gingen oder nicht. Eigentlich mochte sie die Feste in Hogwarts nicht sonderlich. Sie blieb immer allein am Tisch sitzen, während Harry, Ron und Hermione sich über Voldemort unterhielten. Blaise sagte nicht, warum er unbedingt gehen wollte, aber sie wussten alle, dass es nichts Gutes zu bedeuten hatte, wenn er so aufgeregt war. Draco sagte bloß, dass er nicht die ganze Nacht lang den Lehrern und deren Lieblingen zuhören wollte. Während die vier herumsaßen und über ihre Ansichten diskutierten, hatten sie nicht einmal bemerkt, dass in Pansys Kamin ein Kopf aufgetaucht war. Georges Kopf wartete geduldig ein paar Minuten lang und verfolgte die amüsante Streiterei mit. Nach einigen weiteren Minuten war er von den vieren schon genervt und überlegte, ob er einfach wieder gehen sollte. Er sah sich kurz um und fand seine kleine Schwester, die ziemlich gelangweilt aussah, und da wusste er, dass er nicht einfach hwieder gehen konnte.
"Hey!", rief Georges Kopf.
Pansy schrie und sprang einen Meter in die Luft. Draco fiel beinahe von der Armlehne der Couch hinunter. Blaises Kopf ruckte so rasch in Richtung Feuer, dass man sein Genick knacken hören konnte. Ginny war an die Zwillinge gewöhnt, also erschrak sie nicht, sondern sah ruhig hinüber und lächelte ihren Bruder an.
"Drei von vier ist nicht schlecht, sage ich mal", sagte sie mit einem Grinsen.
"Vier von vier wäre aber besser", antwortete George ein wenig niedergeschlagen.
"Was willst du hier, mein lieber Bruder?", fragte Ginny und verdrehte in Richtung Georges Kopf die Augen.
"Tja, ich bin hierher gekommen, um euch alle für ein paar Stunden in unseren Laden einzuladen. Aber anscheinend macht es euch mehr Spaß, euch darüber zu unterhalten, ob ihr zum Schulfest gehen wollt oder nicht, also vergesst es wieder.
"Ja, weil ich genau so den heiligen Abend verbringen wollte. Darüber zu streiten, ob wir hingehen oder nicht, ob wir uns zu ein paar Lehrern setzen oder ob wir den ganzen Abend in diesem Zimmer sitzen bleiben", sagte Ginny voll Sarkasmus.
"Es könnte schlimmer sein", sagte George komplett ernst. Ginny wusste, was er meinte, und stimmte ihm zu, dass er Recht hatte. "Also, kommt ihr nun?", fügte er mit einem Lächeln hinzu und sah die anderen drei an, die sich nun endlich von ihrem Schock erholt hatten.
"Wir sind in fünf Minuten da."
George zwinkerte ihnen einfach zu und verschwand dann mit einem kleinen Popp. Ginny stand mit einem Achselzucken auf, ging in Pansys Schlafzimmer und zog sich rasch ihre bequemen Sachen aus. Sie zog sich eine einfache, schwarze Jeans und ein kleines Tank Top an. Pansy kam herein, als Ginny gerade das Badezimmer verließ, und begann sich ebenfalls umzuziehen. Ginny wollte zur Tür gehen, aber Pansy hielt sie auf.
"Ich würde da jetzt noch nicht rausgehen."
"Warum nicht?"
"Blaise und Draco ziehen sich gerade um."
"Oh."
Ginny saß auf dem Bett und hoffte, dass Pansy nicht merkte, dass sie sich eigentlich wünschte, sie hätte sie nicht aufgehalten und wäre dort hinaus gegangen. Sie wollte nicht unbedingt Blaise beim Umziehen zusehen, aber sie konnte nicht leugnen, dass es ihr nichts ausgemacht hätte, Draco in nichts weiter als seiner Boxershorts zu sehen. Sie wusste, dass sie an diesem Punkt ihrer Beziehung noch nicht sehr weit gegangen waren, und deswegen kam sie sich schlecht vor, aber sie war einfach noch nicht so weit.
"Seid ihr zwei schon fertig?", rief Pansy durch die Tür und riss damit Ginny aus ihren Gedanken.
"Klar", rief Draco.
"Ich schwöre euch, wenn ihr zwei nicht bekleidet seid, wenn ich gleich durch diese Tür da komme, mische ich euch beiden einen Impotenz-Trank in den nächsten Kürbissaft", rief Pansy zurück, bevor sie die Tür einen Spalt breit öffnete.
"Warte noch eine Minute!", rief Blaise.
Pansy grinste und schloss die Türe wieder, bevor sie sich zu Ginny drehte. Sie merkte, dass Ginny wegen einer persönlichen Sache ein wenig mitgenommen war und überlegte, ob sie sie deswegen fragen sollte. Aber gerade als Pansy den Mund öffnen wollte, um mit Ginny zu sprechen, hörte sie Blaises Stimme aus dem Wohnzimmer rufen, dass es diesmal sicher war. Pansy und Ginny gingen vorsichtig zur Tür und öffneten sie einen Spalt breit.
"Es ist wirklich sicher, keine Bange", sagte Draco in einem amüsierten Tonfall und öffnete die Tür.
Draco trug seine normale schwarze Hose und ein schwarzes Hemd. Er sah amüsiert und auch leicht angeekelt aus. Ginny warf ihm einen fragenden Blick zu und Draco verdrehte bloß die Augen und trat zur Seite, damit Blaise zum Vorschein kam. Blaise trug eine grüne Robe mit roter Borte. Ginny klappte bei diesem Anblick der Mund nach unten. Sie blickte an ihm auf und ab und sah, dass er sogar ein Paar Schuhe trug, wie sie sonst nur die Weihnachtselfen in der Muggelfantasie trugen, wo die Spitze hoch gerollt und Glöckchen angebracht waren. Ginny musste sich auf die Lippe beißen, um nicht laut loszulachen.
"Du siehst so ..."
"Lächerlich aus", schnarrte Draco und verdrehte wieder die Augen.
"Ich könnte dafür sorgen, dass deine Klamotten genauso aussehen, wenn du willst", sagte Blaise mit einem Grinsen zu Draco. Draco starrte Blaise bloß an.
"Können wir gehen?", fragte Pansy. Sie sah Blaise noch immer geschockt an.
Die anderen drei nickten und gingen zum Kamin. Ginny ging als erste, gefolgt von Draco, dann Pansy, und zuletzt Blaise. Als sie alle aufgehört hatten, zu husten und sich den Ruß von den Roben zu klopfen, sahen sie sich in dem Zimmer um und waren von dem Anblick noch schockierter als von Blaise. Die Wände waren alle grün und rot gestrichen. Überall waren Lametta und Luftschlangen an den Wänden. Schwebende Kerzen verliehen dem ganzen Raum ein blasses und doch hübsches Glimmen. An der anderen Seite des Raumes befand sich ein fünf Meter hoher Weihnachtsbaum, der üppig dekoriert war.
"Ihr zwei habt euch aber ausgetobt", sagte Ginny zu den Zwillingen, die gerade mit hinter ihnen her schwebenden Getränken zu ihnen kamen.
"Es ist Weihnachten!", sagte George und klang schockiert.
"Natürlich haben wir das!", sagte Fred im selben Tonfall.
"Wie ich sehe, hat Blaise sich auch ausgetobt", meinte George.
"Sehr hübsch", stimmte Fred ihm mit einem Nicken zu.
"Aber was ist mit diesen drei hier?", sagte George und nickte Pansy, Ginny und Draco zu, die alle schwarz trugen.
"Tsk tsk tsk ..." Fred schüttelte tadelnd den Kopf.
"Das können wir richten", sagte George und mit einem langsamen Schwenker seines Zauberstabes trugen Blaise, Pansy und Ginny plötzlich die selben Sachen, nur in rot mit grünen Borten.
"Viel besser", sagte Fred, sobald George fertig war.
"Ich hasse euch", fauchte Ginny.
"Wir lieben dich auch", sagten die Zwillinge gemeinsam.
Ginny verdrehte bloß die Augen und schnappte sich die Getränke. Sie reichte jedem der Slytherins eines, bevor sie selbst eines nahm.
"Nehmt Platz. Wir müssen euch etwas zeigen", sagte George aufgeregt. Sein Gesichtsausdruck veranlasst Ginny dazu, eine Augenbraue zu heben, aber sie blieb still sitzen.
"Ich weiß, dass das nichts Gutes sein kann", murmelte Ginny zu niemand Bestimmtem.
"Sie hat solch ein Vertrauen in uns", sagte George zu seinem Zwilling und schüttelte traurig den Kopf.
Ginny verdrehte die Augen. "Was wollt ihr uns zeigen?", fragte sie.
"Etwas für unseren lieben Bruder", sagte George süßlich, aber den vieren entging der giftige Ausdruck in seinen Augen nicht.
"Du meinst Ron, richtig?", fragte Ginny langsam. Sie wusste, dass wenn die Zwillinge wegen etwas aufgeregt waren, das mit Ron zu tun hatte, es nie eine gute Sache war.
"Ja."
"Wir haben ein Geschenk für ihn."
"Das wir ihm natürlich anonym übersenden werden."
"Und was wäre das genau?", fragte Ginny in einem Tonfall, der sich genau wie Molly Weasley anhörte.
"Du wirst schon sehen", sagte Fred mit einem Grinsen. Er ging dicht gefolgt von seinem Zwilling in die Küche.
"Das wird übel enden", sagte Ginny zu den anderen.
"Aber sicher höllisch witzig werden", meinte Blaise.
"Ich frage mich, was sie vorhaben", sagte Pansy. Ginny entging der aufgeregte Unterton in ihrer Stimme nicht.
"Wahrscheinlich vergiftetes Essen. Ihr wisst doch, dass Weasley einfach alles isst, das er sieht", sagte Draco in seinem üblichen schnarrenden Tonfall. Blaise, Pansy und Ginny brachen in Gelächter aus und nicht viel später stimmte auch Draco mit ein.
Das Lachen der vier verstarb und sie saßen alle in angenehmer, zufriedener Stille da. Ginny fühlte sich im Geschäft ihrer Brüder wohler als an jedem anderen Ort. Sie konnte es nicht erklären, aber die kleinen Explosionen und Geräusche, die aus der Küche drangen, beruhigten sie seltsamerweise. Sie blickte langsam zu den anderen dreien und merkte, dass sie genauso entspannt aussahen, wie sie selbst sich fühlte. Etwa zehn Minuten später kamen die Zwillinge zurück. Sie trugen einen riesen Geschenkskorb, der bis zum Rand mit allen möglichen Sachen gefüllt war. Es gab Süßigkeiten, Zauberspielkarten, Quidditch Figuren und einige andere Dinge, die Ginny nicht erkannte.
"Was ist das alles?", fragte sie. Sie setzte sich auf, um einen besseren Blick zu erhaschen.
"Unser Geschenk für Ron", sagten sie zusammen mit einem bösen Grinsen.
"Und war haben auch ein paar Dinge für Harry hinzugefügt."
"Und ein paar für Hermione."
"Was stimmt denn damit nicht?", fragte Ginny mit einem bösen Grinsen, das dem ihrer Brüder ähnelte.
"Wahrscheinlich alles", sagte Blaise aufgeregt und lehnte sich nach vorne, um einen besseren Blick zu erhaschen.
"Ihr glaubt alle, dass wir das getan haben, nur um Ron zu schikanieren oder ihn zu verletzen?", fragten die Zwillinge in geschocktem Tonfall.
Ginny und die anderen nickten alle. "Oder beides", meinte Ginny.
"Schön, ihr habt uns erwischt", sagte Fred mit einem Seufzen.
"Komm, zeigen wir ihnen, das das alles kann!", sagte George aufgeregt.
Die Zwillinge begannen, ihnen aufgeregt zu erklären, was jedes Teil konnte. Die Schokoladenfrösche waren mit einer Creme gefüllt, die dafür sorgte, dass die Zunge schrumpft. Die Karten waren mit einer dünnen Schicht Juckpulver bedeckt, das die Haut wochenlang kratzig und pickelig machte. Andere Süßigkeiten waren mit verschiedensten Flüchen für die verschiedensten Effekte belegt. Manche machten einen stundenlang taub, andere blind, und das Karamell klebte einem den Mund zu. Die Gummizauberstäbe sorgten dafür, dass man den Geschmackssinn verlor, und die Quidditchfiguren bekamen Stacheln, wenn man sie anfasste.
"Das ist sadistisch", sagte Pansy ungläubig.
"Danke", sagten die Zwillinge gemeinsam.
"Wann schickt ihr es ihnen?", fragte Draco böse.
"Wir wollten es ihnen morgen oder heute Abend senden, aber uns ist gerade etwas besseres eingefallen", sagte Fred mit einem fiesen Ausdruck im Gesicht.
"Wir schicken es ihm zum nächsten Quidditch-Match", erklärte George im selben fiesen Tonfall.
"Also seht zu, dass ihr alle gute Plätze bekommt", sagte Fred.
Die sechs lachten und unterhielten sich über Rons Reaktionen auf die verschiedenen Süßigkeiten und die anderen Dinge im Korb. Sie stimmten alle überein, dass Harry und Ron das meiste abbekommen sollten. Hermione hatte nicht so viel verdient wie die beiden. Pansy erwähnte einen Spruch, der dafür sorgte, dass Zauber und Flüche auf Männer viel stärker wirkten als auf Frauen, also auch wenn Hermione mehr davon berührte und aß (was eher unwahrscheinlich war), wäre sie nicht so mitgenommen wie Harry und Ron.
"Glaubt ihr, das wird ihnen eine Lehre sein?", fragte Pansy, als Ginny und die anderen ein paar Stunden später wieder in ihrem Zimmer waren.
"Nein", sagte Ginny knapp. "Aber es ist Zeit, um es ihnen zurückzuzahlen."
"Du hättest wirklich nach Slytherin kommen sollen", meinte Draco.
"Bedeutet das, wir können Harry und Ron ebenfalls verletzen?", fragte Blaise hoffnungsvoll.
"Nur, wenn ihr die selben Methoden anwendet wie die Zwillinge", sagte Ginny in finalem Tonfall.
"Besser als nichts", meinte Blaise mit einem bösen Grinsen.
