Broken

Kapitel 26

Das Spiel


Der Rest der Woche verging, aber ohne große Hoffnung. Nachdem Draco sich mit Creevey "unterhalten" hatte, wurden keine weiteren Fotos verteilt, auf denen Ginny und Draco sich küssten, aber alle hatten noch die alten Fotos behalten und wegen Dracos öffentlichem Bekenntnis wusste es nun sowieso jeder mit Sicherheit. Ginny machte es nichts, dass alle es wussten. Sie war einfach froh, dass sie nun Hand in Hand mit Draco die Gänge entlang gehen konnte und sich keine Sorgen mehr zu machen brauchte. Sie hatte sich an die komischen Blicke gewöhnt, die die anderen Schüler ihnen zuwarfen. Sie hatte sie ja schon das ganze Schuljahr über erhalten. Aber niemand konnte sich ganz an die Blicke gewöhnen, die die Lehrer dem Pärchen zuwarfen. Ihnen gefiel die Vorstellung, dass Draco und Ginny zusammen war (mit Ausnahme von Snape natürlich), weil dies nicht nur die Einigkeit unter den Häusern förderte, sondern auch verdeutlichte, dass man über einen Menschen nicht nur auf Grund seines Nachnamens urteilen sollte.

Draco hatte einen Brief von seiner Mutter bekommen, der ihm mitteilte, dass obwohl sie mit seiner Wahl nicht zufrieden war, sie ihm dennoch nicht im Weg stehen würde, nur weil sie dachte, dass er erwachsen genug war und somit das Recht hatte, seine eigenen Entscheidungen zu treffen und seine eigenen Fehler zu machen. Sie erwähnte allerdings auch, dass er sehr froh sein konnte, dass Lucius noch in Askaban war, sonst wäre Draco nun in großen Schwierigkeiten.

Der einzige Nachteil dieser Woche war, dass Ginny nicht viel Zeit mit Draco verbringen konnte, da er für das Quidditch Spiel am Samstag trainieren musste. Er war entschlossen, Gryffindor zu besiegen und Harry und Ron eine Niederlage zu verpassen. Ginny war es egal, dass er drohte, Gryffindor im nächsten Match niederzumetzeln. Niemand von ihrem Haus stand mehr zu ihr, seit sie begonnen hatte, mit den Slytherins abzuhängen. Jeder, auch Colin anscheinend, stand auf Harrys und Rons Seite.

Nun war es Samstag Morgen und Ginny war aufgeregter als je zuvor, sich ein Quidditch Spiel anzusehen. Sie wusste, dass sie eigentlich nur wegen dem Geschenk von Fred und George so aufgeregt war. Ginny saß bei Pansy und Blaise am Slytherin Tisch in der Großen Halle und wartete auf die Ankündigung, dass es Zeit wäre, für das Spiel auf das Feld zu gehen. Niemand hatte etwas gesagt, aber alle empfanden wegen des heutigen Tages das Gleiche. Sie warteten schon gespannt darauf, die Auswirkungen von Fred und Georges Arbeit zu sehen, und sie machten sich alle Sorgen, dass Draco für den Rest das Jahres nachsitzen musste, sollte er Ron oder Harry oder beide umbringen.

Dumbledores Stimme übertönte die Unterhaltungen der Schüler in der Großen Halle. Ginny sah die anderen beiden an und erhob sich langsam von ihrem Platz. Der Rest der Schüler folgte ihrem Beispiel.

"Glaubt ihr, sie haben es schon bekommen?", fragte Blaise, ohne die Aufregung in seiner Stimme zu verheimlichen.

Ginny brauchte nicht zu fragen, was "es" war. "Ich weiß nicht. Wahrscheinlich. Sie sagten, dass die Wirkungen nicht sofort einsetzen würden, also haben sie es wahrscheinlich in den Schlafsaal geschickt, damit sie es noch vor dem Spiel bekommen."

Pansys Lippen verzogen sich zu einem kleinen Lächeln und Ginny konnte sehen, dass sie versuchte, bei den Gedanken, die in ihren Köpfen auftauchten, nicht loszulachen. Blaise ging zur Kommentatorenloge, während Pansy und Ginny auf das Spielfeld hinaus und hinüber zu den Slytherin Tribünen gingen, um von dort das Spiel zu verfolgen. Ginny bemerkte die Blicke, die die Schüler aller anderen Häuser ihr zuwarfen. Niemand außer der Slytherins wollte, dass Slytherin gewann, aber sie beschloss, sie einfach zu ignorieren. Sie war heute hier, um ihren Freund zu unterstützen, und es war ihr egal, für welches Team er spielte. Sie würde sowieso ihn allein anfeuern.

Innerhalb von fünf Minuten betraten die Spieler das Spielfeld. Draco führte das Slytherin Team an und Harry das Gryffindor Team. Draco und Harry schüttelten einander die Hände und Ginny war sich sicher, dass jeder deutlich sehen konnte, dass sie gerade versuchten, sich gegenseitig die Finger zu zerquetschen. Nachdem Madame Hooch in ihre Trillerpfeife gepustet hatte, stiegen die zwei Teams in die Luft. Ginny konnte Blaises Kommentare trotz all der Jubelrufe und Buh-Rufe deutlich hören.

"Und die Teams sind in der Luft! Draco und Harry sind beides Sucher und Kapitäne und sind nun hochgeflogen, um nach dem goldenen Schnatz Ausschau zu halten. Hat sonst noch jemand die Anspannung zwischen ihnen gemerkt? Das war mehr Spannung als normal, würde ich sagen ... vielleicht ist das sogar eine sexuelle Spannung. Tut mir Leid, Professor McGonagall."

Ginny sah bei Blaises Worten zur Kommentatorenloge, und zwar genau rechtzeitig, um zu sehen, wie McGonagall Blaise eins überziehen wollte und Blaise sich in letzter Sekunde geduckt hatte. Ginny lachte und sah hinüber zu Pansy. Sie sah überhaupt nicht glücklich aus, aber Ginny konnte sagen, dass sie definitiv amüsiert war. Ginny und Pansy kamen in Stille überein, dass Blaise schon viel zu viel Zeit mit den Zwillingen verbracht hatte.

"... und wieder hat Ron Weasley den Ball durchgelassen, einen leichten Fang, meiner Meinung nach, den hätte er aufhalten können, wenn er es nur wirklich versucht hätte."

All die Slytherins um Ginny herum begannen, "Weasley ist unser King" zu singen und Ginny verspürte den starken Drang, einfach mitzusingen. Sie hätte es auch getan, wenn nicht Harry zu ihr herübergesehen und ihr mit seinem bösen Blick gedroht hätte. Sie sah ihm zu, wie er um das Feld flog und ihr weiterhin tödliche Blicke zuwarf. Sie sah ebenfalls, wie Draco plötzlich neben ihm beschleunigte und ihn mit einer Schulterbewegung an einen der Torpfosten warf.

"Malfoy drängt Potter an den Torpfosten. Nicht, dass er es nicht verdient hätte ... Nur ein Spaß, Professor. Sorry, Kumpel, aber das war ein Foul! Dean Thomas übernimmt den Wurf ...Gryffindor schießt ein TOR! Verdammt! AUTSCH! Das war nicht für Ihre Ohren bestimmt, Professor! Der Quaffel wandert zu Finnigan, er fliegt auf das Tor zu ... Autsch! Von einem Klatscher von Crabbe am Arm getroffen, das macht dann einen Spieler weniger für Gryffindor."

Ginny konzentrierte sich stärker auf das Spiel und weniger auf die Kommentare. Sie konnte bei Harry und Ron kein Zeichen erkennen, dass sie die Süßigkeiten aus dem Korb von George und Fred gekostet hatten. Sie sah hoch zu Pansy und konnte sagen, dass sie genau das selbe dachte.

"Slytherin ist in Führung mit 40 Punkten zu 30. Sieht aus, als hätte Potter den Schnatz gefunden! Er stürmt in die rechte Seite des Feldes, Malfoy ist ihm dicht auf den Fersen ... halt ... irgendetwas stimmt nicht mit Potter."

Ginny suchte bei Blaises Worten das Feld ab. Sie konnte ihn jetzt sehen, Harry war überall rot angelaufen und ließ ständig von seinem Besen ab, um sich an den Ohren, am Hals, im Gesicht, an den Armen und sogar an den Beinen zu kratzen!

"Sieht aus, als hätte er die Karte eines dieser Schokofrösche berührt", flüsterte Pansy Ginny ins Ohr. Ginny konnte nicht anders, sie musste einfach lachen. Sie sah hinüber zu Ron und merkte, dass er immer wieder den Mund öffnete und ihn dann nwieder schloss. Jedes Mal, wenn er den Mund öffnete, schloss er ihn schneller wieder und er ging nicht mehr so weit auf wie beim letzten Mal.

"Sieht aus, als hätte Ron das Karamell gegessen!", flüsterte Ginny Pansy zu und deutete mit dem Kopf in Rons Richtung.

"Sieht aus, als hätten Potter und Weasley heute Morgen ein paar körperliche Probleme ...", hörten sie Blaise sagen. Sie bemerkten den amüsierten Unterton in seiner Stimme.

Ginny lachte mit dem Rest der Slytherins mit, während Ron und Harry die verschiedensten Stadien der Süßigkeiten durchliefen, die Fred und George ihnen geschenkt hatten. Harry sah aus, als bekäme er Blasen an den Fingerspitzen, und Ron begann sich unkontrolliert zu übergeben.

"An den kann ich mich gar nicht mehr erinnern", sagte Ginny zu Pansy. Sie sah Ron zu, wie er sich immer wieder und wieder die Seele aus dem Leib kotzte. Pansy zuckte bloß mit den Schultern.

"Potter und Weasley haben keinen guten Tag heute, aber sie wollen trotzdem nicht aussteigen. Manche Leute wissen eben nicht, wann man aufgeben sollte, auch wenn es in ihrem besten Interesse wäre", sagte Blaise. Ginny hörte den giftigen Tonfall am Ende des Satzes und wusste, dass er ihnen eine unterschwellige Warnung mitteilte.

"Halt ... sieht so aus, als würde gerade das ganze Gryffindor Team genauso krank werden wie Weasley und Potter. Was habt ihr alle gemacht? Habt ihr die gestrige Nacht lang gefeiert? Professor, ich glaube, Sie sollten diesen Schülern mal die Auswirkungen des Trinkens von Alkohol erklären ... insbesondere vor einem Spiel", sagte Blaise.

Ginny und Pansy sahen hinüber zu den anderen Mitgliedern des Gryffindor Teams. Sie litten anscheinend alle unter den selben Effekten der Süßigkeiten. Offenbar hatten Harry und Ron beschlossen, die Süßigkeiten mit dem ganzen Team zu teilen. Ginny sah hinüber zur Gryffindor Tribüne und erblickte Hermione. Sie hätte erwartet, auch bei ihr die Auswirkungen der Süßigkeiten zu sehen, aber Hermione ging es anscheinend gut. Außer dem Schock, der ihr ins Gesicht geschrieben stand, zeigte sie keine Anzeichen der verzauberten Süßigkeiten. Ginny hätte wissen sollen, dass Hermione wahrscheinlich nichts davon anrühren würde. Schließlich waren ihre Eltern Muggel Zahnärzte und mussten ihr eingedrillt haben, dass Süßigkeiten etwas Schlechtes sind.

"Malfoy fängt den goldenen Schnatz! SLYTHERIN HAT GEWONNEN!" Blaises Rufen war über das Gelächter, die Jubelschreie und Buh-Schreie hinweg zu hören. Ginny sah, wie Draco mit hoch erhobenem Arm in die Luft stieg und den wild flatternden Schnatz in der Hand hielt. Sie jubelte mit den anderen Slytherins mit. Sie war so damit beschäftigt, ihren Freund in diesem Moment des Sieges zu beobachten, dass sie gar nicht sah, wie Ron hinab zu Harry flog und begann, in ihre Richtung zu zeigen.

Sie lief hinab auf das Spielfeld und rannte auf Draco zu. Er umarmte sie, hob sie vom Boden hoch und wirbelte sie im Kreis.

"Ich hätte nie gedacht, dass eine Gryffindor mal so froh sein wird, wenn Slytherin gewinnt", sagte er und drückte sanft seine Lippen auf ihre.

"Ich fühle mich schon seit diesem ersten Tag in Zauberkunst nicht mehr wie eine Gryffindor", sagte Ginny mit einem Grinsen.

Draco wurde von seinen Teamkameraden in Richtung der Umkleideräume geführt. Er sagte Ginny, dass er in einer Minute wieder da sein würde und dass sie am See auf ihn warten solle. Pansy und Blaise kamen eine Minute später zu ihr. Blaise grinste von einem Ohr zum anderen und Pansy sah immer wieder mit einem bösen Grinsen zu den Gryffindors hinüber. Ginny sah, dass Madam Pomfrey ihnen direkt auf dem Feld Tränke verabreichte.

"Sieht aus, als hätte sie den Krankenflügel heute lieber leer", sagte Blaise mit einem Grinsen.

"Ah! Blaise! Das ist ekelhaft!", sagte Pansy und schlug ihm auf den Arm.

"Das heißt wohl, dass es ihnen ganz bald wieder gut gehen wird", sagte Ginny traurig. Pansy und Blaise nickten mit einem Seufzen. Es wäre lustig gewesen, wenn das ganze Gryffindor Team einige Tage lang im Krankenflügel hätte bleiben müssen.

"Kommst du mit auf mein Zimmer, Gin?", fragte Pansy eine Minute später.

"Nö, geht ihr zwei schon mal vor. Ich werde am See unten noch auf Draco warten", sagte Ginny. Pansy und Blaise nickten und winkten zum Abschied, bevor sie hoch zum Schloss gingen. Ginny ging zum See und setzte sich unter eine der großen Eichen.

Draco kam zwanzig Minuten später aus der Umkleide. Er ging hinunter zum See und lächelte bei der Erinnerung an Harry und Ron, wie sie auf dem Spielfeld gelitten hatten, und Ginny, wie sie ihn angefeuert hatte und auf ihn zugelaufen war, um ihm zu gratulieren. Er kam zum See und sah, dass Ginny nicht da war. Er ging am Ufer auf und ab und konnte sie nicht finden. Er nahm an, dass sie einfach nicht länger warten wollte, also lief Draco zurück zum Schloss und hinab zu Pansys Zimmer.


Draco lief durch die Gänge und merkte, dass die Teammitglieder von Gryffindor alle wieder geheilt und gesund waren. Anscheinend war es wahr gewesen, dass Madam Pomfrey ihre Tränke gleich auf dem Spielfeld verabreicht hatte. Er lief den Gang hinunter zu den privaten Zimmern und kam vor Pansys Tür an. Er konnte Ginny drinnen nicht sprechen hören, aber deswegen machte er sich keine allzu großen Sorgen.

"Wo ist Ginny?", fragte Draco, als er die Tür öffnete.

"Sie wartet unten am See auf dich", sagte Pansy.

"Nein, sie war nicht da, also habe ich angenommen, dass sie mit euch hierher gegangen ist ... Wo ist Blaise?", fragte Draco. Er konnte nicht glauben, dass Ginny und Blaise gemeinsam unterwegs wären, aber dennoch gefiel ihm dieser Gedanke nicht.

"Er ist im Schlafzimmer. Draco, was ..."

"Leute?", sagte Blaise, als er aus Pansys Schlafzimmer kam. Sein Gesicht war bleich und er sah noch besorgter aus, als Draco ihn je zuvor gesehen hatte. "Was soll das bedeuten?", fragte er und hielt seinen Hunde-Anhänger hoch. Er summte leise und glühte plötzlich orange.