Broken

Kapitel 39

Der Plan


Draco schlug mit seiner Faust auf den wackligen Tisch und stand mit einer raschen Bewegung auf.

"Willst du sie etwa bedrohen?", knurrte er und sah auf Ron hinab, der immer noch still da saß.

"Nein! Ich versuche, alles zu erklären", sagte Ron verteidigend.

"Draco, setz dich einfach hin und lass ihn aussprechen. Wenn mir nicht gefällt, was er zu sagen hat, kannst du ihn schlagen", sagte Ginny und legte ihre Hand dabei auf Dracos Arm.

Draco blickte hinab auf Ginny und seufzte. "Versprochen?", fragte er, stellte seinen Stuhl wieder auf und setzte sich hin. Ginny nickte bloß.

Blaise, Pansy und Draco sahen Ron allesamt böse an und sorgten dafür, dass er unbequem auf seinem Platz hin und her rutschte.

"Was meinst du, Ron?", fragte Ginny und merkte, dass ihre Stimme leicht zitterte. Obwohl sie sich sicher war, dass Ron sie nicht hierher gebeten hätte, um sie sofort umzubringen, machte es sie doch nervös, davon zu hören.

"Am Abschlusstag soll ich dich umbringen", erklärte Ron, ohne Ginny dabei in die Augen zu sehen.

"Sprich weiter", drängte Ginny. Sie fühlte sich aber, als würde ihr gleich das Herz aus der Brust springen.

"Wie du weißt, werden unsere Eltern da sein, inklusive Dad. Harry und er haben geplant, dich allein abzufangen, um dich für dein Benehmen dieses Schuljahr zu bestrafen", begann Ron. Ginny konnte sehen, wie Dracos Knöchel weiß wurden, als er sich diese Neuigkeiten anhörte.

"Aber Dad wollte mich doch nie umbringen. Dann würde er ja seinen Sandsack zum Draufschlagen verlieren", sagte Ginny verwirrt.

"Ja, aber er ist der Meinung, du wirst mit deinen neuen Freunden weglaufen. Er will dich lieber umbringen, als dich zu verlieren", erklärte Ron.

"Okay ... aber wie will er das am Abschlusstag machen? Alle Lehrer werden da sein, und Eltern, die im Ministerium arbeiten."

"Der Plan sieht vor, dich wegzulocken, nachdem du dein Diplom erhalten hast. Du musst nicht verpflichtend bleiben, nachdem du dein Diplom erhalten hast, also wird es niemandem auffallen, dass du nicht da bist", sagte Ron und wich dabei Ginnys Blick aus.

"Wie will er mich weglocken?" Ginny lehnte sich am Tisch vor, um sicher zu gehen, dass sie kein Wort dieses Planes verpasste.

"Hier komme ich ins Spiel. Du und ich, wir werden einer nach dem Anderen aufgerufen, da die Zeremonie in alphabetischer Reihenfolge erfolgt und wir beide den selben Nachnamen haben." Ginny hörte aufmerksam zu, aber ihr entging nicht, dass Draco bei Rons Aussage die Augen verdrehte. "Nachdem du aufgerufen wirst, soll ich dich auf dem Weg nach unten schnappen und dich in den verbotenen Wald bringen, wo wir uns mit Dad, Harry und vielleicht auch Percy treffen", beendete Ron seine Erzählung.

Ginny erschauderte. "Wie sollst du mich schnappen können? G kommt ja vor R. Ich werde zuerst aufgerufen", meinte Ginny und hob eine Augenbraue.

"Da ich ein Jahr älter bin, werde ich zuerst aufgerufen", erklärte Ron.

"Warum erzählst du mir das alles?", stellte Ginny die Frage, die ihr schon auf den Lippen brannte, seit Ron mit seiner Erzählung begonnen hatte.

"Weil ich das nicht länger mitmachen will. Ich weiß, du wirst mir nicht glauben, und ich fühle mich schrecklich wegen all dem, das ich getan habe. Ich wünschte bloß, alles wäre wieder wie früher", sagte Ron, während er auf seine Hände starrte.

"Wie sieht also der Plan aus?", fragte Ginny nach einem Moment der Stille. Ron sah sie fragend an. "Mir ist noch nicht nach Sterben zumute", sagte Ginny und verdrehte die Augen.

"Ich nahm an, du würdest einfach vor dem Abschlusstag abhauen", gab Ron zu.

Ginny schüttelte den Kopf. "Ich habe es satt, immer wegzulaufen."

"Also was sollen wir dann tun?", fragte Blaise. Ginny sah mit einem leicht schockierten Gesichtsausdruck zu ihm hinüber. Er war so still gewesen, dass Ginny beinah vergessen hatte, dass er überhaupt da war.

Ron, Ginny und die Slytherins blieben noch fast vier Stunden lang im Raum der Wünsche, um einen Plan zu erarbeiten. Zerknülltes Pergament bedeckte den Boden, denn sie versuchten, einen sicheren Plan zu erarbeiten, um dem Plan von Ginnys Vater und Harry entgegenzutreten, aber das war nicht so leicht wie gedacht.

"Haben wir alle unsere Rollen verstanden?", fragte Ron und fuhr sich mit der Hand durch seine Haare.

"Ja", sagten Blaise und Pansy gemeinsam. Ginny nickte.

"Gut", sagte Ron. Er zog seinen Zauberstab heraus und ignorierte es, dass Ginny zusammenzuckte und Draco ihn deswegen böse ansah. Er tippte das Pergament vier Mal an. Die Pläne, die sie geschmiedet hatten, wurden vier Mal kopiert. "Hier", sagte Ron und reichte jedem von ihnen ein Exemplar, bevor er sein eigenes zusammenrollte.

"Warte noch eine Minute, Weasley", sagte Pansy und ergriff Rons Arm.

"Was?"

"Wir können dir nicht vertrauen, dass du dies nicht Potter zeigst", erklärte Pansy.

"Gib mir deine Ausgabe", sagte Blaise und streckte seine Hand aus. Ron reichte Blaise zögerlich das Pergament. Blaise tippte es mit seinem Zauberstab an und murmelte ein paar Worte, bevor er es ihm zurückgab.

"Du wirst es niemandem zeigen können, egal was kommt. Wenn du es wirklich ansehen musst, kannst du zu uns kommen", sagte Blaise und steckte seinen Zauberstab wieder ein.

Ron nickte. "Ich gehe zuerst, und dann könnt ihr alle nachkommen, nur für den Fall, dass jemand draußen am Gang ist", sagte er und machte sich auf den Weg zur Tür. Ron hatte gerade seine Hand auf den Knauf gelegt, als Draco sein Handgelenk ergriff.

"Wie können wir dir vertrauen?", fragte er und sah Ron böse an.

"Ich nehme an, das müsst ihr selbst entscheiden." Ron zuckte mit den Schultern. Dracos Augen flackerten gefährlich. "Lass es mich so ausdrücken ...", seufzte Ron. "Welche andere Option habt ihr noch zur Verfügung?" Er hob seine Augenbraue. Draco ließ Ron zögerlich los, der sofort das Zimmer verließ.

"Er hat Recht, weißt du", sagte Blaise, der zu Draco gegangen war.

"Ich weiß. Das ist es ja, das mir nicht gefällt." Draco ging zurück zu seiner Ginny.


Draco, Ginny, Blaise und Pansy saßen mit den Zwillingen beisammen und gingen den Plan durch, den sie gemeinsam mit Ron ausgeheckt hatten. Ginny hatte dies alles relativ gut aufgenommen, nur Draco erkannte, wie besorgt sie wirklich war.

"Also, wo passen wir in das Ganze hinein?", fragte Fred und betrachtete nochmals den Plan.

"Ron hat euch nicht berücksichtigt", erklärte Blaise.

"Wie nett." George verdrehte die Augen.

"Ist uns doch egal", fügte Fred hinzu und tat es seinem Zwilling gleich.

"Wir sind trotzdem dabei", sagten sie zusammen.

"Wenn euer Vater euch sieht und etwas vermutet ..." Blaise verlor den Faden.

"Nein, sie haben Recht. Wir wissen nicht, ob wir dem, das Ron uns erzählt hat, wirklich vertrauen können. Wir brauchen Verstärkung im Hintergrund", sagte Draco und drückte Ginnys Hand.

"Zwei Pläne bringen uns bloß durcheinander", meinte Pansy.

"Nicht zwei Pläne. Nur ein paar Ergänzungen zu unserem eigentlichen Plan, die Ron nicht wissen muss, wie zum Beispiel die Zwillinge", sagte Draco und nickte dabei Fred und George zu.

"Ich weiß nicht ... wenn jemand sie sieht ...", begann Blaise.

"Dann werden sie annehmen, Fred und George sind hier, um bei der Abschlusszeremonie dabei zu sein", sagte Ginny in finalem Tonfall. "Draco hat Recht. Auch wenn ich nicht glaube, dass Ron versuchen wird, mir weh zu tun, glaube ich doch, dass wir auf Nummer sicher gehen sollten. Das wird aber nur passieren, wenn wir die Kontrolle über diese ganze Sache erlangen, nicht Ron." Ginnys Gesicht strahlte Entschlossenheit aus.

"Okay. Also was sollen wir machen?", fragte Pansy.

Drei Stunden später hielten Blaise, Pansy, Draco und Ginny eine überarbeitete Version ihres ursprünglichen Plans in Händen. Am ersten Blick würde niemand sagen können, dass etwas verändert wurde, aber wenn man näher hinsah, konnte man die wichtigen Rollen erkennen, die Fred und George übernehmen würden.

"Okay, ich glaube, wir haben an alles gedacht", sagte Blaise und rollte sein Pergament ein.

Fred und George nickten, während Blaise die Pläne mit seinem Zauberstab antippte und genauso wie Ron Kopien erstellte.

"Glaubt ihr Jungs, dass es funktionieren wird?", fragte Pansy.

"Es muss funktionieren", sagte Blaise.

"Ist egal." Alle sahen verwirrt zu Ginny. "Wie es auch kommen mag, ich werde nicht zulassen, dass diese Ärsche weiterhin mein Leben bestimmen", meinte sie.

"Du weißt schon, dass jemand dabei verletzt werden könnte, richtig?", fragte Draco.

"Ja."

"Ist das okay für dich?" Draco zog eine Augenbraue hoch.

"Solange es nicht einer von euch ist, ist es mir egal, wenn jemand getötet wird." Bei Ginnys Worten lächelten sie alle.


Während des nächsten Monats wurde Ginny immer nervöser. Bei dem Gedanken daran, dass ihr Vater und Harry bei der Abschlusszeremonie dabei waren, formten sich unangenehme Knoten in ihrem Bauch. Ginny hatte noch nicht darüber nachgedacht, was nach diesem Schuljahr auf Hogwarts passieren würde, nun, da sie Draco, Blaise und Pansy hatte, aber mit Sicherheit hatte sie dies nie erwartet. Ein Teil von ihr hatte sich immer vorgestellt, sie würde mit einem ihrer neugewonnenen Freunde aus Slytherin davonlaufen und ein glückliches und normales Leben führen, oder wenn dies nicht funktionierte, nahm sie an, dass die Zwillinge sie aufnehmen würden. Aber nun wusste sie, dass dies nicht passieren konnte. Nun wusste sie, dass sie sich dem hier stellen musste, es beenden musste. Ginny musste zurückkämpfen. Der Gedanke machte ihr mehr Angst als alles Andere.

Mittlerweile war Juni, die Schule würde in drei Wochen zu Ende sein, es würde keine Prüfungen mehr geben und die Schüler würden sich über ihre Pläne für den Sommer unterhalten. Ginny allerdings würde um ihr Leben kämpfen müssen. Die Lehrer hatten natürlich die Menge an Hausaufgaben noch einmal verdoppelt, aber dies beruhigte Ginnys Nerven nicht so sehr, wie sie es sich gewünscht hätte.

Draco, Ginny, Blaise und Pansy blieben spät nachts wach und gingen noch einmal den Plan durch. Ginny hatte zuerst angenommen, dass der Plan, den sie mit Ron erarbeitet hatten, standfest genug wäre, aber nun, da die Positionen der Zwillinge eingefügt worden waren, musste Ginny zugeben, dass ihre Überlebenschancen nun um einiges größer waren. Blaise und Pansy versicherten ihr immer, dass alles gut ausgehen würde, aber sie sagten ihr nie, dass sie alle dies unversehrt überstehen würden. Sie wussten es besser. Draco sagte nur, dass er kämpfen würde, egal wie lange es dauerte, um Ginny in Sicherheit zu bringen. Er sagte nie, dass am Ende alles klappen würde, sagte nie, dass es für sie eine glückliche Zukunft geben würde. Er sagte nur, dass er für sie kämpfen würde, und das reichte Ginny momentan aus.


Ginny lag wach auf dem verwandelten Bett in Pansys Wohnzimmer. Heute war der Tag vor dem Abschlussfest und sie konnte nicht schlafen. Ginny wusste, dass die anderen Schüler in ihren Gemeinschaftsräumen waren und das Ende der Prüfungen und des Schuljahres feierten. Für einige von ihnen war es die letzte Feier in Hogwarts, für andere die Erste. Ginny drehte sich zur Seite und starrte zum dunklen Fenster hinaus. Sie sah einen Lichtstrahl des Mondes, der durch das Fenster fiel und den Raum düster erleuchtete. Das Licht fiel quer über den schwarzen Himmel und verteilte sich auf Ginnys sowieso schon blassem Gesicht. Sie seufzte schwer, stand vom Bett auf und sah hinab auf die Ländereien. Die Bühne war bereits aufgebaut, die Stühle standen bereit und der Morgen würde bald anbrechen. Ginnys rationale Gedanken sagten ihr, sie solle jetzt weglaufen, mitten in der Nacht abhauen, so weit fort wie sie nur konnte und endlich frei sein. Aber der andere Teil in ihr wusste, dass dies keine Option war. Ihr Vater würde nach ihr suchen. Er würde den Laden der Zwillinge durchforsten, Blaise, Pansy und Draco verfolgen. Er würde all jene verletzen, die sie liebte und die versucht hatten, ihr zu helfen. Nicht weil er sie finden wollte ... nicht nur weil er sie finden wollte, sondern weil sie sich Sorgen um sich machten, geholfen hatten und sie liebten. Ginny wusste, ihr Vater dachte, dass sie all dieser Dinge nicht wert wäre und er würde alles tun, das nötig war, damit sie dies nicht bekam.

Ginny hörte gedämpfte Schritte hinter sich und versteifte sich kurz, bevor sie merkte, dass es bloß Draco war. Ginny stieß leise den Atem aus, den sie angehalten hatte, als Draco seine starken Arme um ihre Schultern legte.

"Wieso bist du wach?", flüsterte Draco ihr ins Ohr.

"Konnte nicht schlafen", sagte Ginny und starrte weiterhin auf die Tribünen hinunter.

Draco küsste Ginnys Hals und spürte, wie ihr Puls unter seinen Lippen sich beschleunigte. "Morgen ist ein großer Tag", flüsterte er und sandte angenehme Vibrationen auf Ginnys Haut.

"Ich weiß." Ginny seufzte. "Morgen werde ich angegriffen. Meine eigene Familie will mich töten." Ginny machte sich nicht einmal die Mühe, gegen ihre Tränen anzukämpfen, die ihr über die Wangen liefen.

"Nein." Draco schüttelte ein wenig den Kopf. "Morgen gehst du da hoch und bekommst dein Diplom von McGonagall. Und du wirst umwerfend aussehen."

"Genau." Ginny lachte schwach. "Und dann werde ich in den Wald gezerrt, wo meine Familie mich umbringen will."

Draco drehte sie sanft herum. "Ich werde nicht zulassen, dass dir etwas passiert", sagte er und sah ihr tief in die Augen. "Ja, es wird einen Kampf geben. Ja, wir werden vielleicht verletzt dabei. Aber du wirst das durchstehen. Nach all dem wirst du endlich frei sein. Du wirst ein normales Leben mit mir führen können, ohne für den Rest deines Lebens ständig über die Schulter blicken zu müssen", fügte er hinzu und wischte Ginnys Tränen weg.

"Alles wird sich morgen ändern."

Draco nickte. "Aber es wird nicht schlecht sein. Endlich werden wir in Ruhe gelassen. Nach dem morgigen Tag besorgen wir beide uns ein ruhiges Plätzchen, mit den Zwillingen und Pansy und Blaise in der Nähe, und wir werden in Frieden unser wunderschönes Kind großziehen."

Ginny konnte nichts gegen den neuerlichen Tränenschwall tun, der von ihren zimtfarbenen Augen lief. Nur dass es diesmal Freudentränen waren. Einen Augenblick lang hatte Draco Ginny überzeugt, dass alles gut ausgehen würde, das alles sich zum Guten wenden würde.

"Es tut mir so Leid, dass du das alles wegen mir durchmachen musst", sagte sie und kuschelte sich an Dracos Brust.

"Musst du nicht." Draco gab ihr einen Kuss auf den Kopf. "Du hast uns einen Grund gegeben, gegen Potter vorzugehen", scherzte Draco. Ginny lachte.

"Wir alle wussten, worauf wir uns einließen, als Blaise, Pansy und ich uns zu Beginn dieses Schuljahres zu dir setzten", sagte er und gab ihr wieder einen Kuss auf den Kopf.

"Soweit ich mich erinnern kann, warst du damals aber nicht so enthusiastisch", meinte Ginny.

"Egal wie es aussah, ich würde nichts davon ändern wollen."

"Gar nichts?", fragte Ginny in ungläubigem Tonfall.

"Nur das, womit ich dich verletzt habe", fügte Draco hinzu.

"Warum nicht?", fragte Ginny verwirrt. "Alles ändern, meine ich", fügte sie hinzu.

Draco ergriff Ginnys Kinn und zwang sie, ihm in die Augen zu sehen. "Weil ich dich dadurch gefunden habe. Es kann nichts Schlechtes sein, das zu diesem Moment jetzt geführt hat", erklärte Draco, bevor er ihre Lippen in einem sanften Kuss einfing. "Komm zurück ins Bett. Du brauchst deinen Schlaf", sagte Draco, nachdem er den Kuss wieder unterbrochen hatte.

Ginny sagte gar nichts, als sie sich von Draco zurück ins Bett bringen ließ. Ginny kuschelte sich an Dracos Brust und stieß ein zufriedenes Seufzen aus, bevor sie ihre Augen schloss und in einen friedlichen Schlaf abdriftete.


"Seid ihr sicher, dass alles funktionieren wird?", flüsterte Ginny besorgt zu Blaise, Pansy und Draco.

"Ja. Alles wird gut, wir schaffen es", flüsterte Draco zurück und drückte leicht Ginnys Hand.

Ginny, Pansy und Blaise saßen umd ie Tribüne herum und hörten Professor McGonagall zu, die eine Rede über junge Zauberer hielt, die die Schule mit dem Wissen der vergangenen sieben Jahre verließen und hofften, dass dies genug wäre, um die Aufgaben des Lebens zu bestreiten. Ginny passte nicht wirklich auf. Sie sah ständig in die Menge. Ihr Vater und ihre Mutter saßen im Publikum und taten so, als wären sie glücklich und normal. Ginny merkte, dass die Rede zu Ende war, und die ersten Namen der Schüler aufgerufen wurden. Ihr Vater wurde immer ungeduldiger. Sie konnte sehen, wie er die Hände wrang und mit dem Fuß wackelte. Als ihr Vater imemr unruhiger wurde, merkte Ginny, wie ihr Herz immer schneller und härter zu schlagen begann. Ginny hörte, wie Harrys Name aufgerufen wurde, und ihr blieb der Atem in der Kehle stecken. Sie hatte es seit diesem Tag in Hogsmeade größtenteils vermieden, Harry zu begegnen. Draco drückte ihre Hand fester und Ginny war dankbar, dass er zu ihr zurückgekommen war, nachdem er selbst aufgerufen worden war.

Ginny sah zurück zu ihrem Vater und merkte, dass er verschwunden war. Ron hatte erklärt, nachdem Harry aufgerufen wurde, würde ihr Vater sich wegschleichen, um sich mit ihm im verbotenen Wald zu treffen und dort darauf warten, dass Ron Ginny zu ihrem sicheren Tod führte.

"Dein Bruder wurde gerade aufgerufen", hörte Ginny, wie Draco ihr ins Ohr flüsterte. Ginny kam plötzlich zurück in die Gegenwart. Harry war bereits aufgerufen worden, wie konnte Ron jetzt schon dem Direktor die Hände schütteln? Sie blickte sich um und merkte, dass die meisten Schüler entweder schon gegangen waren oder mit ihrem Diplom in der Hand saßen und zusahen.

Ginnys Atem beschleunigte sich. Das passierte nun wirklich, und in etwas mehr als einer Stunde würde alles vorbei sein. Ginny würde entweder frei von ihrer Vergangenheit und ihrem Vater sein, oder sie würde von seiner Hand getötet werden.

"Und nun kommen wir zu einer besonderen Schülerin. Sie macht ihren Abschluss aufgrund ihrer herausragenden Arbeit und Mühe in all ihren Fächern ein Jahr früher. Obwohl sie ein Jahr übersprungen und mit weniger Wissen als die anderen Schüler in diesem Schuljahr begonnen hatte, hat sie bewiesen, dass man mit harter Arbeit und Fleiß alles schaffen kann. Ich bin stolz, Miss Ginevra Weasley ihr Diplom überreichen zu dürfen."