Broken
Kapitel 40
Der Abschlusstag
Ginnys Beine trugen sie weg von ihrem Stuhl, durch die Menge und die Stufen hoch zu Professor McGonagall und dem Direktor, ohne dass sie sich erinnerte, ihre Beine bewusst zu steuern. Es fühlte sich alles so unwirklich an. Ginny hörte die Menge applaudieren, Blaise pfeifen, und der Direktor und Professor McGonagall gratulierten ihr, aber es hörte sich an, als befände sie sich in einer abgeschotteten Blase. Ginny merkte gar nicht, dass sie sich umgedreht und in die Menge gelächelt hatte, bis ihr auffiel, dass Blaise ohne Pansy und Draco da saß. Nun war es so weit. Sie warf Blaise einen fragendenBlick zu, er nickte und Ginny verstand. Der Plan trat in Aktion, ob sie nun bereit dafür war oder nicht.
Ginny drehte sich und sah, dass Ron so tat, als würde er am anderen Ende der Tribüne seine Schuhbänder neu binden.
Sie musste genau in diese Richtung gehen, und innerlich schrie sie sich laut zu, einfach von der Bühne zu springen und zu laufen, aber Ginny wusste, dass dies keine Option mehr war. Die Tage der Flucht waren jetzt vorbei. Mit jedem Schritt, den Ginny machte, nahmen ihre Augen wieder alles richtig wahr. Sie konnte den Wind in den Blättern der Bäume hören, das Wasser des Sees, das auf das Ufer traf, und sie konnte die heiße Sonne auf ihrer Haut spüren. Ginny machte sich daran, die Stufen zur Menge hinabzugehen, als sie Rons Hand spürte, die sich fest um ihr Handgelenk legte. Ginnys Herz klopfte schmerzhaft in ihrer Brust. Sie warf Ron einen neugierigen Blick zu. Ron sagte nichts. Er begann einfach, sie in Richtung des Waldes zu zerren. Bevor sie außer Hörweite waren, hörte Ginny noch, wie Professor McGonagall Blaises Namen aufrief.
Blaise erhob sich von der Menge und nahm von Professor McGonagall sein Diplom entgegen. Nachdem er dem Direktor die Hand geschüttelt hatte, stellte Blaise sich vor die Menge, hob sein Diplom hoch in die Luft und schrie seinen Triumph in die Luft hinaus. Sobald er der Menge, McGonagall und Dumbledore den Rücken zugekehrt hatte, erstarb Blaises Lächeln. Nun war es an der Zeit herauszufinden, wie vertrauenswürdig Ron wirklich war. Blaise ging schwungvoll auf den verbotenen Wald zu. Er sah sich nach links und rechts um und er erblickte Draco und Pansy, die sich am Waldrand versteckt hatten. Direkt vor ihm befand sich Ron, der Ginny hinter sich her zerrte. Blaise griff in seinen Umhang und zog das wässrige Material hervor, das Draco Harry vor ein paar Monaten entwendet hatte. Blaise zog sich den Tarnumhang über die Schultern und stellte klar, dass seine Beine komplett verhüllt waren, bevor er ihn sich über den Kopf zog.
Fred und George saßen hoch oben auf einem der Bäume des Waldes. Sie sahen hinab und erblickten ihren lieben Vater und den perfekten Potter.
"Warum können wir sich nicht einfach jetzt schon erstarren lassen?", fragte Fred seinen Zwilling und hielt seinen Zauberstab umklammert.
"Weil es nicht aufhören wird, wenn wir das tun. Die Leute müssen sehen, was unser Vater und Harry Ginny antun", erklärte George, obwohl er genauso dachte wie sein Bruder. Jetzt schon anzugreifen würde dies beenden, bevor es überhaupt anfangen konnte.
Sie sahen in schmerzhafter Stille zu, wie Ron Ginny auf die Lichtung zu ihrem Vater und Harry zerrte. Ron warf Ginny zu Boden und stellte sich neben Harry. Die Zwillinge schauten böse auf ihren jüngeren Bruder hinab, der hoffentlich wirklich nur schauspielerte.
"Ginny, Liebes", sagte Arthur lächelnd. Ginny sah mit kaltem Blick zu ihm hoch. "Du hast mich heuer enttäuscht." Sein Lächeln verwandelte sich in ein Stirnrunzeln. Ginny öffnete ihren Mund, aber es kamen keine Worte hervor. "Erkläre das!", schrie ihr Vater.
"Ich habe einen Schweigezauber auf sie gelegt, damit sie keine Aufmerksamkeit unter ihren neuen ... Freunden erregen konnte", grinste Ron.
"Gut." Arthur lächelte. "Und wo sind deine Freunde jetzt? Benehmen sie sich wie wahre Slytherins und retten sie nur ihren eigenen Hals? Kluge Entscheidung, ich hätte kein Problem, Lucius' Sohn zu töten."
Ginny starrte mit einem kalten, bösen Gesichtsausdruck zu ihrem Vater hoch. Wie sehr hätte sie es geliebt, ihn jetzt anzugreifen und ihm zu zeigen, was sich im letzten Jahr wirklich an ihr verändert hatte. Ginnys Augen zuckten ein Stück hoch und sie sah, dass Fred und George auf einem der Bäume saßen und zu ihr herab blickten. Sie waren genau da, wo sie sein sollten.
"Ich weiß noch, dass du letzten Sommer immer so ein braves Mädchen warst, so gut es eben ging. Du hast nie zurückgesprochen, hast dich nicht mit den falschen Leuten abgegeben. Du hast mir gehorcht. Natürlich musstest du dennoch bestraft werden, denn niemand ist perfekt. Ich habe alles versucht, das in meiner Macht stand." Bei seinem letzten Satz warf Ginny ihm einen verwirrten Blick zu. "Sieh mich nicht so an!", fauchte er. "Alles, das ich tat, jede Wunde, jeder Schnitt, jeder gebrochene Knochen, das tat ich nur, um dich zu retten. Du siehst, liebe Ginny, du bist schwach. Es ist nicht deine Schuld. Manche Menschen werden einfach schwach geboren. Aber ja, du bist so schwach. Ich habe versucht, dich zu stärken, dir zu zeigen, wie du sein könntest. Es hat bei deinen Brüdern funktioniert, bei einigen von ihnen ..." Arthur verlor sich kurz in seinen Gedanken. Ginny fragte sich kurz, welche Brüder er wohl meinte, als es ihr klar wurde. Die Zwillinge. Sie hatten es genauso schlimm abbekommen wie sie, bevor sie von zu Hause ausrissen.
"Bei Ronald hier hat es funktioniert. Er ist nicht länger schwach." Arthur war gedanklich wieder zurückgekehrt. "Aber natürlich musstest du anders sein. Zuerst bist du in die Besenkammer geschlichen und bist auf den Besen deiner Brüder geflogen, obwohl du genau wusstest, dass du das nicht durftest. Dann hast du deine Mutter und mich angebettelt, ob du schon ein Jahr früher nach Hogwarts gehen durftest! Weißt du, welche Schande du uns damit gemacht hast? Und wer könnte dein erstes Jahr auf Hogwarts wohl vergessen. Du hast dich ihm, dessen Name nicht genannt werden darf, als Wirt angeboten ... Wie konntest du mich nur so enttäuschen, Gin?" Einen Moment lang sah ihr Vater beinah traurig aus, aber Ginny wusste es besser. "Und nun. Nun gibst du dich mit Slytherins ab? Und ich hätte gedacht, du könntest nicht mehr tiefer sinken. Und du bist mit einem von Ihnen zusammen! Mit diesem Malfoy Jungen! Hast du komplett den Verstand verloren? Weißt du nicht, wo sich dein Platz befindet?"
Ginny hörte die Äste knacken, aber sie drehte sich nicht um. Sie hielt ihre Augen auf ihren Vater gerichtet und sah nur leicht im Augenwinkel Dracos weißblonden Schopf.
"Und sollte dein Freund dich nicht beschützen? Häh? Wo ist er denn jetzt?" Arthur lächelte böse.
"Genau hier."
Ginny konnte endlich einen vollen Blick auf Draco werfen, ohne seine Position zu verraten. Er hatte ein Grinsen auf den Lippen und seinen Zauberstab direkt auf Ginnys Vater gerichtet. Ginny lächelte und sah, dass Pansy ihren Zauberstab auf Harry gerichtet hatte.
"Ah. Der junge Malfoy. Bist du hier, um meine kleine Schlampe von Tochter zu beschützen?", sagte Arthur und drehte sich langsam um, um Draco anzusehen. Draco blieb still und starrte Arthur böse an. "Ist genauso gut. Du bist mit ein Grund, warum sie in solchen Schwierigkeiten ist. Hättest du dich nicht mit ihr abgegeben, hätte ich jetzt keinen Grund, sie so zu behandeln."
"Und die vielen Jahre, bevor ich gekommen bin? Wessen Schuld war es außer Ihre? Sie kranker Ficker", fauchte Draco wütend.
"Hast du meine Worte nicht gehört? Sie ist schwach, sie muss verletzt werden und durch die Hölle gehen, um stärker zu werden", fauchte Arthur zurück.
"Sie sind verdammt durchgeknallt", sagte Draco bitter.
"Wirklich?"
Bevor Draco antworten konnte, sprach Harry: "Warte ... einer fehlt doch."
"Gut erkannt, Narbenkopf", lächelte Pansy. "Ja, wo ist unser lieber Blaise?", fragte sie.
"Komme ich zu spät?", sagte Blaise grinsend, als er den Tarnumhang abstreifte.
"Das ist meiner", knurrte Harry.
"Ja, so ein toller Umhang. Zu schade", sagte Blaise und warf ihn zu Boden. Er ging hinüber zu Ginny und stellte sich als Schutzschild vor sie.
"Du kennst das Sprichwort, Potter, wer etwas findet, darf es behalten." Draco grinste und richtete seinen Blick fest auf Arthur. "Nun will ich sehen, wie schwach Sie sind", sagte Draco zu Arthur.
"Mach schon. Töte mich, jetzt gleich, du bist bewaffnet, ich habe nicht einmal meinen Zauberstand in der Hand. Töte mich jetzt, und dann gehst du für den Rest deines Lebens nach Askaban. Niemand würde dir glauben, dass du damit eine Weasley beschützen wolltest." Arthur lächelte, denn er wusste, dass er Draco damit in die Ecke gedrängt hatte.
Alle konnten den innerlichen Kampf hinter Dracos Augen sehen. "Nein. Ich werde Sie nicht einfach so töten. Das wäre ein zu schöner Tod für Sie", sagte Draco. In einer schwungvollen Bewegung stieß er Arthur zurück, dass ein guter Meter Abstand zwischen ihnen war. "Ziehen Sie den Zauberstab", befahl Draco.
Arthur zog seinen Zauberstab hervor und zeigte damit auf Draco. "Glaubst du wirklich, du könntest mich besiegen?", fragte er.
"Ich schätze, das werden wir gleich sehen, oder?", sagte Draco und zuckte die Schultern.
"Expelliarmus!", rief Arthur, bevor Draco die Möglichkeit hatte, seinen Mund zu öffnen. "Das war zu einfach", sagte Arthur und schüttelte den Kopf, während er elegant Dracos Zauberstab fing.
Er drehte sich zu Pansy und Blaise. Mit einem langsamen Schwenker seines Zauberstabs flogen die Stäbe von Pansy und Blaise aus deren Händen und in Arthurs ausgestreckte Handfläche. Lächelnd schüttelte Arthur wieder den Kopf.
"Tsk tsk tsk." Arthur steckte die Zauberstäbe der Slytherins ein. "Was würden eure stolzen Eltern sagen, wenn sie euch jetzt sehen könnten?", fragte er lächelnd.
"Wahrscheinlich, dass man immer einen Plan B haben sollte", sagte Fred, als er mit einem leisen Plopp vor seinem Vater landete.
George sprang dicht hinter seinem Zwilling vom Baum. Die Brüder gingen hinüber zum Slytherin Trio und Ginny gab ihnen ihre echten Zauberstäbe.
"Was ist das?", fragte Arthur und sah zwischen seinen drei Kindern hin und her, die bei den Slytherins standen, und Harry, der nun allein neben ihm stand.
"Ein Plan", grinste Ginny.
"Ich dachte, du hättest sie mit einem Schweigezauber belegt?", richtete Arthur sich an Ron.
Ron zuckte die Schultern. "Ich habe deine dummen, verkorksten Spiele satt. Ich will Ginny nicht mehr weh tun", fügte er hinzu und stellte sich neben Ginny.
Ginny empfand eine Welle der Dankbarkeit für Draco, Pansy, Blaise, Fred, George und nun auch für Ron. Sie sah sie alle an und musste einfach lächeln. Zum ersten Mal, seit sie sich den Gegenplan ausgedacht hatten, spürte Ginny, dass alles gut ausgehen könnte.
"Dann werdet ihr mit ihr bestraft werden!", rief Arthur.
"Ich würde nicht so laut schreien. Alle Eltern und Lehrer sind noch dort draußen und plaudern und gratulieren einander", grinste Blaise.
Arthur schaute Blaise böse an und zielte mit einem Fluch auf ihn. Blaise baute schnell ein Schild auf. Und dann brach die Hölle los.
Harry folgte Arthurs Beispiel und zog seinen Zauberstab hervor. Harry schrie und ein roter Lichtblitz kam aus der Spitze seines Zauberstabs. Der Strahl traf Pansys Schulter, die sofort schmerzhaft zu brennen begann. Fred und George umzingelten Harry gemeinsam mit Blaise. Ron stand da und wusste nicht, was er tun sollte.
"Ich erwarte nicht, dass du deinen besten Freund attackierst", sagte Ginny und duckte sich unter einem Fluch hinweg, den ihr Vater auf sie schoss.
"Tut mir Leid", sagte Ron mit Scham in der Stimme.
"Wofür? Du hast uns gewarnt! Ohne dich wäre ich wahrscheinlich schon tot!" Ginny lächelte ihren Bruder an.
Eine Sekunde später, bevor jemand reagieren konnte, wurde Ginny von einem Fluch ihres Vaters in den Rücken getroffen. Ginny schrie vor Schmerz auf, als drei tiefe, breite, schmerzvolle Schnitte durch ihren Umhang schnitten und ihre blasse Haut aufschlitzten. Draco und Blaise liefen zu Ginny, um sicher zu gehen, dass sie in Ordnung war. Die Zwillinge sahen zu ihrem Vater und Pansy kämpfte weiter mit Harry, nachdem sie gefragt hatte, ob es Ginny gut ging.
"Blaise, geh und hilf Pansy", sagte Draco, während er Ginnys Rücken begutachtete.
Blaise nickte und lief hinüber zu Pansy. Draco besah sich Ginnys Rücken und sah, dass die Schnitte bereits wieder zu heilen anfingen. Aber er war sich nicht sicher, ob sie einen größeren Schaden bedeuteten oder nicht.
"Mir geht's gut", sagte Ginny und lächelte hoch zu Draco.
"Bist du dir sicher?", fragte Draco besorgt.
"Ja. Und jetzt geh wieder zurück", sagte Ginny und stand auf.
Draco lächelte und lief zurück zu ihrem Vater. Ginny ging hinüber zu Harry und begann, ihm jeden Fluch entgegen zu schleudern, den sie kannte. Der Kampf wurde langsam immer chaotischer. Draco wurde von einem Fluch von Ginny getroffen, der für Harry bestimmt gewesen war. Zum Glück war es einer der harmloseren Flüche gewesen und Draco ging es gut. Blaise wurde gestoßen und stieß sich den Kopf an einem Ast, wodurch er eine Platzwunde bekam und ihm das Blut über ein Auge lief. Fred war bereits geschockt worden, aber George kämpfte mit genug Willensstärke, dass es für sie beide reichte. Ginny duckte sich unter einem Fluch von Harry hinweg und sah, dass Ron offensichtlich k.o. geschlagen auf dem Boden lag. Ginny konnte sehen, wie seine Brust sich gleichmäßig hob und senkte, also machte sie sich keine Sorgen um ihn. Ginny und die Anderen hatten keine Ahnung, wie lange sie schon kämpften. Niemand war sich sicher, ob die Eltern und Lehrer noch in der Nähe waren. Aber sie wussten alle, dass dies bald enden würde, wer auch immer der Gewinner sein würde.
Ginny spürte, wie sie im Rücken von einem Fluch getroffen wurde, und plötzlich war ihr Gehirn ganz leer. Ginny spürte, wie sich ein kleines Lächeln auf ihren Lippen ausbreitete. Dieses Gefühl der Leere war unglaublich. Dreh dich zu mir. Ginny hörte die Stimme in ihrem Kopf und ohne ihre Beine zu steuern, drehte sie sich um und sah ihren Vater an. Endlich gehorchst du. Nun, komm näher. Ginny hörte eine kleine, fast lautlose Stimme in ihrem Kopf, die ihr befahl, ihren Zauberstab zu ziehen und ihren Vater zu schocken, aber ihre Beine trugen sie zu ihm. Mit jedem Schritt nach vorne wurde das Grinsen ihres Vaters breiter und die Stimme in ihrem Kopf wurde lauter, aber nicht laut genug, damit sie stehen geblieben wäre.
"GINEVRA! NEIN!", hörte Ginny eine entfernte Stimme. Sie blieb ruckartig stehen. Sie kannte diese Stimme. Es kam ihr vor, als hätte sie sie schon jahrelang nicht mehr gehört.
Näher. Ginnys Beine trugen sie näher zu ihrem Vater.
"Ginevra! Komm hierher zurück!" Da war wieder diese Stimme. Wer war das? Ginny drehte sich langsam um, um die Stimme zu suchen, die so weit weg erklang. Nein! Ginny blieb in der halben Drehung stehen. Wohin sollte sie gehen? "Ginevra, bitte." Komm her ... jetzt. Ginnys Beine trugen sie näher zu ihrem Vater.
Ginny war noch einen Meter von dem Mann entfernt, von dem sie wusste, dass sie eigentlich vor ihm weglaufen sollte. Warum tat sie das nicht? Ein halber Meter. Warum drehte sie sich nicht zu der anderen Stimme um? Wem gehörte sie? Ihr Vater streckte die Hand nach ihr aus. Die andere Stimme war freundlich, aber zu wem gehörte sie? Ginny sah, wie sie ihre eigene Hand in Richtung ihres Vaters ausstreckte. Sollte sie sich umdrehen? Wahrscheinlich schon. Also warum tat sie es nicht? Ihre Finger berührten beinah seine.
"Stupefy!" Plötzlich verschwand der Nebel in Ginnys Kopf und all ihre Gedanken kamen zu ihr zurück. Sie senkte den Arm und schüttelte den Kopf. Ihr Vater hatte sie mit dem Imperius Fluch belegt! Ginny sah an die Stelle, wo ihr Vater gestanden war. Sie sah zu Boden und sah ihn geschockt auf dem Waldboden liegen.
"Geht es dir gut?" Ginny drehte sich um und sah, dass Draco immer noch den Zauberstab an die Stelle gerichtet hatte, wo Arthur Weasley gerade noch gestanden war.
"Ja. Ich fühle mich aber ein wenig schwach", sagte Ginny und schüttelte nochmals den Kopf.
"Setz dich hin. Ich sehe nach Pansy und Blaise. Ich bin gleich wieder da."
"Wo ist Harry?", fragte Ginny und blickte sich um.
"Gefesselt neben Ron." Ginny sah nach und merkte, dass Harry an einem Baum gelehnt saß.
"Wir haben gewonnen", lächelte Ginny.
"Entspann dich einfach. Ich bin gleich wieder da und dann können wir sie hoch ins Schloss bringen." Draco gab Ginny einen Kuss auf die Lippen, bevor er hinüber zu Pansy und Blaise ging.
Ginny setzte sich hin und starrte das friedliche Gesicht ihres Vaters an. Es war vorbei, es war endlich vorbei. Ginny war frei, sie konnte ein glückliches und normales Leben führen. Ginny war so in ihren freudigen Gedanken über ihre neugewonnene Freiheit versunken, dass sie gar nicht hörte, wie die Äste um sie herum zu knacken begannen. Sie hörte das schwere Atmen nicht, das nur wenige Meter von ihr entfernt ertönte.
"Du dumme kleine Schlampe." Ginny drehte sich vor Schock und Angst um, als sie diese Worte geflüstert hörte. Sie öffnete ihren Mund, um etwas zu sagen, aber es kamen keine Worte hervor. Harry grinste böse. "Diesmal werde ich dich nicht mit einem Schweigezauber belegen", sagte er und hob den Zauberstab. "Crucio!"
Ginny spürte den Schmerz in ihrem ganzen Körper. Es fühlte sich an, als stünden ihre Knochen in Flammen. Ginny fiel zu Boden und begann zu zittern. Sie versuchte, nicht zu schreien. Sie wollte Harry nicht diese Befriedigung geben. Der Schmerz breitete sich weiter in ihrem Körper aus und bald fühlte es sich auch so an, als stünde ihr Kopf in Flammen, als würde ihr Schädel in Millionen Stücke zerschlagen. Der einzige Gedanke, der ihr noch durch den Kopf ging, war ihr und Dracos Baby. Plötzlich wurde der Schmerz zu intensiv und Ginny stieß ein markerschütterndes Schreien aus. Harry folterte sie weiter und Ginnys Schreie erklangen im Wald.
"Avada Kedavra!" Ginny hörte den gedämpften Fluch und plötzlich ließ der Schmerz in ihrem Körper nach. Sie lag zuckend auf dem Boden. Langsam entspannte sich ihr Körper und sie sah hoch zu Draco, der seinen Zauberstab immer noch auf den nun toten Harry Potter gerichtet hatte.
"Was hast du getan?", flüsterte sie.
"Ich habe ihn umgebracht." Draco ließ seinen Zauberstab fallen und sank zu Boden.
"Stehen Sie auf!", erklang eine neue Stimme. Ginny und Draco sahen hoch und erkannten einen der Elternteile von der Zeremonie, der mit seinem Zauberstab auf Dracos Kopf zeigte.
"Hoch!", rief der Mann wieder. Draco hob langsam seine Arme und stand zitternd auf.
"Sie stehen unter Arrest wegen der Anwendung eines unverzeihlichen Fluches und dem Mord an Harry James Potter."
